Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


 

Hannah Weller

 

Hannah Weller war nach Herta Marie von Ayx und Marie Birkner Generaloberin der Münchner Schwesternschaft des Deutschen Roten Kreuzes. Sie versuchte sich, insoweit mit den Nazis zu arrangieren, dass sie im Amt bleiben konnte. Mit viel Geschick und Diplomatie gelang es ihr, den Krankenpflegeunterricht in der Schwesternschule wieder in den Vordergrund zu stellen und den Einfluss des nationalsozialistischen BDM (Bund Deutscher Mädchen) zurückzudrängen. Mehr und mehr zogen sich unter ihrer Leitung die BDM-Führerinnen aus der Schwesternschaft wieder zurück. Dafür wurden der Münchner Schwesternschaft zunehmend Arbeitsfelder und Einsatzgebiete abgesprochen. Nach vier Jahren zwangen die Nazis die unbequeme Generaloberin dazu, ihr Amt niederzulegen.

 

Quelle: Schwesternschaft München, Bayerisches Rotes Kreuz e.V.


 

Adele Wellner, geb. Asderball

 

Adele Asderball wurde am 18.5.1898 in Rozniatow in Polen geboren. Die jüdische Krankenschwester war mit einem Textilkaufmann verheiratet und lebte mit ihm in Gelsenkirchen. Dort gebar sie 1923 ihren Sohn Herbert, der später in Israel den Namen Jehuda annahm. Die Familie zog später nach Duisburg, wo die Familie zunehmend Angriffen ausgesetzt war, sodass ihr Sohn das Schlageter-Realgymnasium in Duisburg verließ und zum jüdischen Gymnasium Jawne in Köln wechselte trotz des weiten Schulweges. Schließlich zog die Familie ganz nach Köln um.

 

Adeles Mann gelang es, ein Dauervisum für Großbritannien zu erlangen und konnte Deutschland verlassen. Für den Sohn konnte Adele die Ausreise nach Palästina über das Kinder- und Jugendrettungsprogramm „Jugend-Aliyah“ organisieren.

 

Adele selber wurde von Deutschland in das Ghetto in Riga am 27.1.1942 verschleppt.  Demnach muss es ihr gelungen sein, von dort zu entkommen und nach Belgien zu gelangen. Sie hoffte vermutlich, sich in Belgien in Sicherheit bringen zu können. Es gelang nicht, denn sie wurde gefasst und im SS-Sammellager Mechelen registriert. Die Nazis hatten sie außerdem als staatenlos erklärt.

 

Mit dem Deportationszug VII wurde sie unter der Nummer 78 am 1.9.1942 nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Adele Wellner galt seitdem als verschollen und wurde für tot erklärt. Als Todesdatum wurde der 1.9.1942 festgelegt.

 

Quellen: YAD VASHEM; www.jawne.de, Frau Laurence Schram vom Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) in der ehemaligen Mechelner Dossinkaserne. http://www.cicb.be, Gedenkbuch Bundesarchiv


 

Lucie Wellner-Rapoport

 

Lucie Wellner-Rapoport wurde am 27.3.1901 in Antwerpen in Belgien geboren. Ihr Ehemann war Jules Wellner. Die Krankenschwester wurde von den Nazis im eigenen Land als staatenlos erklärt.

 

Die Praxis, Juden als staatenlos einzustufen diente dazu, ausländische Interventionen für die betroffenen Menschen zu unterbinden.

 

Lucie Wellner-Rapoport wurde im SS-Sammellager Mechelen eingesperrt, bevor sie mit dem XVII. Transport unter der Nummer 817 am 31.10.1942 nach Auschwitz verschleppt wurde. Es muss davon ausgegangen werden, dass sie ermordet wurde, da sie in Auschwitz nicht registriert wurde.

 

Ich danke für die Recherche Frau Laurence Schram vom Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) in der ehemaligen Mechelner Dossinkaserne.


 

Agnes Wergin

 

Agnes Wergin arbeitete im Krankenhaus Moabit und fiel 1933 der "Säuberung" zu Opfer. Sie war Mitglied der SPD und gewerkschaftlich organisiert. Am 4.4.1933 musste sie plötzlich vierzehn Tage Urlaub nehmen. Als sie zurückkam, wurde sie fristlos entlassen. Ihre Personalpapiere wurden einbehalten. Sie stand auf der Straße, ohne Zeugnisse, ohne Abfindung. Ohne Papiere brauchte sie sich nirgends als Krankenschwester bewerben. Das war faktisch ein Berufsverbot. Agnes Wergin war nun gezwungen, sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser zu halten. Einige Zeit später wurde sie dann aber aufgrund aktuten Personalmangels doch wieder eingestellt.

 

Nachdem sie dem jüdischen Psychoanalytiker und Neurologen Dr. Ernst Haase, bis 1933 Leiter der Fürsorgestelle für Alkoholkranke und Giftsüchtige des Gesundheitsamtes Tiergarten, bei der Auswanderung nach Amerika half, wurde sie von den Nazis wegen "Judenbegünsigung" bespitzelt, verhört, misshandelt.

Nach Kriegsende wurde sie rehabilitiert. Ab 1945 war sie am Spandauer Krankenhaus in Berlin Oberin, später wurde sie Generaloberin für Westberlin.

 

Quellen:Dr. Christian Pross; "Nicht misshandeln", ISBN 3-88725-109-1


 

Selma Wertheimer

 

Selma wurde am 27.7.1902 in Kippenheim geboren und war die Tochter von dem Handelsreisenden Maier Wertheimer, geboren am 1.7.1868 in Kippenheim, und Lina, geborene Weil am 5.5.1875 in Laupheim. Sie hatte vier Geschwister, Rosa, geboren am 30.10.1897, Ernst Menachem, geboren am

 

sanitäre Ausstattung erschwerte ein hygienisches Arbeiten. Selma arbeitete zuerst als Krankenpflegerin ab 1939 in dem Zwangsaltenheim in der Stuttgarter Heidehofstraße und wartete fieberhaft auf ihr Affidavit.

 

Das Affidavit war eine Bürgschaft und erforderlich für eine Einreise in die USA. Ein Amerikaner bürgte dann persönlich dafür, dass er für die einreisende Person vollumfänglich sorgen und sämtliche Kosten bestreiten würde, sodass diese nicht dem Staat zur Last fiele. Selma und ihre Mutter hatten zahlreiche Verwandte in den USA angeschrieben und um ein Affidavit für sie gebeten. Unter anderm lebte inzwischen Selmas Schwester Rosa mit ihrem Mann in den USA. Sie konnten bereits 1937 Deutschland verlassen. Aus ungeklärten Gründen verzögerte sich die Zustellung der Affidavite ewig. Als endlich im Herbst 1940 das erste Affidavit kam, wurde es abgelehnt, weil es angeblich nicht ausreichend sei. Der, der das Affidat prüfte und ablehnte, fällte im Grunde genommen ein Todesurteil. Als das zweite Affidavit eintraf, war es zu spät. Eine Ausreise war nicht mehr möglich.

 

Auch Selmas Brüder Ernst und Heinrich (später umbenannt in Naftali), die nach Palästina entkommen konnten, hatten alles versucht, um sie und die Eltern aus Nazideutschland herauszubekommen. Ihre Schwester Hermine konnte kaum helfen. Sie, ihr Mann und ihre kleine Tochter konnten zwar zunächst nach Mallorca flüchten, mussten aber nach Francos Sieg 1939 weiter flüchten. Ihre Flucht endete schließlich in Südafrika, wo sie zwar sicher waren, aber kaum Möglichkeiten hatten, etwas für die Angehörigen zu tun. Sie waren selber auf Hilfe angewiesen.

 

Circa 1939/1940 wurde Selma zwangsumgesiedelt in das Zwangsaltersheim im ehemaligen Rabbinat am Synagogenweg in Laupheim, wo auch ihre Eltern waren. Im April 1942 mussten sie in das Zwangsaltenheim im Schloss Dellmensingen umziehen, wo Selma weiterhin arbeitete.

 

Am 22.8.1942 wurde Selma unter der Nummer 315 von Stuttgart nach Theresienstadt deportiert. In dem Transport XIII/1, auch als Altentransport bezeichnet, befanden sich auch ihre Eltern. Ihr Vater Maier Wertheimer starb am 6.1.1943, ihre Mutter Lina Wertheimer am 31.1.1943 in Theresienstadt an den unmenschlichen Bedingungen. Ob Selma in Theresienstadt in der Krankenpflege oder in der Kinderbetreuung arbeitete, ist unbekannt.

 

Am 16.5.1944 wurde Selma Wertheimer unter der Nummer 1895 von Theresienstadt in das KZ Auschwitz deportiert und dort vermutlich noch am Ankunftstag ermordet.

 

Quellen: Die jüdische Gemeinde Laupheim und ihre Zerstörung, ISBN 978-3-00-025702-5; Yad Vashem; geni.com; Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg Ulm e.V. – KZ-Gedenkstätte: Gedenkstätte "Zeichen der Erinnerung" (Stuttgart)


 

Ilse Ruth Westheimer

 

 

 

in Bearbeitung

 

 

 

Deportation 20.11.1941 nach Kaunas

 

 

Quellen: statistik-des-holocaust.de

 

 

 

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