Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Clara Haim

 

Clara Haim wurde am 17.7.1898 in Budapest geboren. Die Krankenschwester wurde im SS-Sammellager Mechelen interniert. Am 20.9.1943 wurde sie mit dem Transport XXIIB unter der Nummer 891 nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Seitdem fehlt jede Spur von ihr.

 

Ich danke für die Recherche Frau Laurence Schram vom Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) in der ehemaligen Mechelner Dossinkaserne.


 

Frits Hamburger

 

Der Krankenpfleger arbeitete im "Centraal Israëlitisch Krankzinnigengesticht Het Apeldoornse Bos" in Apeldoorn. Frits Hamburger wurde am 26.12.1919 in Amsterdam geboren. Er wurde am 30.4.1943 in Sobibor ermordet.

 

Quelle: Joods Monument


 

Selma Hammerschlag, geb. Katz

 

Selma Katz wurde am 18.11.1898 in Arolsen geboren. Ihre Eltern waren der Pferdehändler Julius Katz, geboren 1867, und Minna, geborene Israel 1877. Ihr jüngerer Bruder Arthur war behindert und starb bereits 1918 mit zwölf Jahren. 1920 heiratete Selma den Kaufmann Max Hammerschlag, geboren 1889, der zusammen mit seinem Bruder Hermann ein Konfektionsgeschäft in der Brunnenstraße 12 in Bad Wildungen besaß. Das Ehepaar hatte einen Sohn namens Edgar. Ab 1924 absolvierte Selma Hammerschlag eine Ausbildung zur Krankenschwester beim Roten Kreuz. Mit der nationalsozialistischen Machtergreifung endete das bis dahin einvernehmliche Zusammenleben von Juden und Christen in Bad Wildungen. Terror und Schikane bestimmten den Alltag der jüdischen Mitbürger.

 

Am 18.11.1939 musste die Familie Hammerschlag die Wohnung in Bad Wildungen verlassen und nach Kassel in ein „Judenhaus“ im Kirchweg 82 ziehen. Zwölf Tage später mussten sie in die Wolfhager Straße 55 umziehen. Am 5.9.1942 mussten sich alle Juden von Kassel und der Umgebung in der Bürgerschule Schillerstraße Kassel versammeln. Selma Hammerschlag meldete sich als ehemalige Rot-Kreuz-Schwester als sogenannte Transportschwester, um alten und kranken Leidensgenossen helfen zu können. Sie nahm mit die Züge in Empfang, die jüdische Mitbürger aus dem Umland in den Tagen vor der Deportation nach Kassel brachten. Später berichtete sie darüber: „Wirklich – ein trauriger Anblick! Hier ein Kranker auf der Bahre mit dem kleinen Rucksack oder Köfferchen, das letzte Hab und Gut, was ihm geblieben; Alte und Schwache. ´Schnell, schnell in den Möbelwagen!´, ertönt der Ruf der Gestapo. Alle anderen müssen laufen. Hier fällt ein Mann in Ohnmacht, dort stolpert eine Frau über ihr Gepäck: Bluterguß am Knie, muß auch fortgetragen werden. Nun ist der Wagen voll. Die Türen werden zugeschlagen, eine Luft zum Ersticken. Aber es geht schnell..........“

 

Am Tage vor ihrer Deportation blieb ihr kaum Zeit zum Nachdenken. Sie versorgte die Kranken, ihr Mann sorgte für Verpflegung der Leidensgenossen, der Sohn kümmerte sich um das Gepäck der Leute. Immerhin erfolgte ihr Transport mit einem Personen- statt Viehwaggon, fast schon so etwas wie ein „Gnadenakt“. Ab September 1942 arbeitete sie als Oberschwester im KZ Theresienstadt. Später schilderte sie, dass es als Nahrung nur Kartoffeln und trockenes Brot in geringen Mengen gab. Viele Deportierten kampierten auf den blanken Böden, hatten kein Bett. Es grassierte Ruhr und Bauchtyphus. Täglich waren 200 bis 300 Tote zu beklagen.

 

Am 8.5.1945 wurde sie von russischen Truppen in Theresienstadt befreit, schwer erkrankt an Flecktyphus. Am 1.10.1945 kehrte sie nach Bad Wildungen zurück und wohnte zunächst in ihrem alten Haus in der Brunnenstraße 12. Sofort wurde sie wieder tätig, kümmerte sich um das Rote Kreuz und um die Flüchtlinge. Dann erfuhr sie, dass ihr Mann im KZ Buchenwald wenige Tage vor der Befreiung ermordet worden war, ihr Sohn Edgar das KZ Auschwitz nicht überlebt hatte. Selma Hammerschlag zerbrach. Sie hatte gelitten, sie hatte erduldet, sie hatte gekämpft, sie hatte ihr Bestes geleistet, sie hatte überlebt – und das Wichtigste in ihrem Leben verloren: ihre Familie.

 

Eine Gedenktafel auf dem Familiengrab in Bad Wildungen zeugt von ihrer Katastrophe:

 

• Adolf Hammerschlag (1943 im KZ Theresienstadt gestorben), • Max Hammerschlag (1945 im KZ Buchenwald verstorben), • Edgar Hammerschlag (wahrscheinlich im KZ Auschwitz verstorben, gilt als verschollen), • Hermann Hammerschlag (gilt als verschollen, Deportationsziel: Auschwitz), • Irene Hammerschlag, geb. Vöhl (gilt als verschollen, Deportationsziel: KZ Auschwitz), • Inge Hammerschlag (gilt als verschollen. Deportationsziel: KZ Auschwitz), • Käthe Wolf, geb. Hammerschlag (verschollen. Deportationsziel: KZ Auschwitz), • Meier Wolf (umgekommen im KZ Theresienstadt) • Hans Wolf (verschollen. Deportationsziel: KZ Riga), • Anita Wolf (verschollen. Deportationsziel: KZ Auschwitz)

 

In der abschließenden Inschrift ließ Selma schreiben: „In Liebe gewidmet von der einzig Überlebenden Selma Hammerschlag, geb. Katz“.

 

Selma Hammerschlag verließ 1947 das Land der Mörder ihrer Familie und ging in die USA. Sie starb am 17.11.1960 in New York City.

 

Quelle: Ich danke für die Recherche und Bild dem Förderkreis der Synagoge in Vöhl und Hagalil


 

Lise Hanau, geborene Schlanger

 

Lise Hanau, geborene Schlanger, wurde am 21.1.1925 in Straßburg geboren. Bis zum Krieg gehörte sie den Pfadfindern an. Mit dem Kriegsbeginn flüchtete sie nach Limoges. Durch ihren Flüchtlingsstatus wurde auf sie nicht die Altersgrenze angewendet, sodass sie dort verfrüht die Krankenschwesternausbildung beginnen durfte. Nach der Ausbildung arbeitete sie drei Monate im Haus l´Isére.

 

In dieser nichtjüdischen Einrichtung wurden ledige Mütter und kranke Kinder versorgt. Durch falsche Papiere war sie relativ geschützt. Doch 1942 erhielt sie einen dringenden Anruf von Andrée Salomon von der OSE (Abkürzung für Oeuvre de Secours aux Enfants, also das jüdische Kinderhilfswerk), die sie bereits aus Straßburg kannte.

 

Andrée Salomon, geborene Sulzer, war in Straßburg Rechtsanwaltsgehilfin. Sie und ihr Mann Tobie besaßen Visa und hätten nach Amerika oder Palästina auswandern können. Angesichts des Elends der Judenverfolgung und Internierungslager blieben sie in Frankreich. Mit einer bemerkenswerten Energie organisierte sie legale und illegale Rettungsaktionen für jüdische Kinder. Und sie frequentierte per Telefon oder Telegramm alle verfügbaren Kräfte für diese Aufgabe. So forderte sie Lise auf, noch am selben Tag einen Zug nach Rivesaltes (siehe auch Friedel Bohny-Reiter) zu nehmen, um in dem Internierungslager die Kinder zu versorgen. Auf deren Einwände, dass sie nicht derart kurzfristig abkömmlich sei, bekam sie zur Antwort: Il te faut longtemps pour prendre quelques slips et une brosse à dents ? (Sinngemäß übersetzt: Um ein paar Slips und eine Zahnbürste einzupacken benötigst du viel Zeit?) Lise reiste in ihrer Schwesternkleidung mit dem weiten Schwesternumhang unverzüglich nach Rivesaltes, ausgestattet mit einem Passierschein von Andrée Salomon.

 

Im Internierungslager übernahm sie die Kinderbaracke. Hier sollten gezielt die Kinder gesammelt werden, um ihnen besser und gezielter helfen zu können. Lise, nicht einmal achtzehn Jahre alt, fast selber noch ein Kind, arbeitete ohne Unterbrechung. Es kam ihr entgegen, dass sie die Kinder auf französisch, deutsch, jiddisch oder englisch ansprechen konnte angesichts des Völkergemisches. Für viele Kinder besorgte sie bei ihren Freigängen gefälschte Papiere aus einer Fälscherwerkstatt in Marseille. Besonders für die Jugendlichen über 16 Jahre waren diese Identitätspapiere wichtig, weil sie ab diesem Alter den Erwachsenen in der Behandlung gleichstanden. Also wurden sie in ihren Ausweispapieren um einige Monate jünger gemacht.

 

Im September 1942 wurde es richtig brenzlig, Die Deportationen der jüdischen Internierten in die Vernichtungslager begann. Immer wieder mischte sie sich unter die Menschen, die auf ihren Abtransport warteten. Sie suchte nach Kindern in der Menge, die nicht der Kinderbaracke anvertraut worden waren. Blitzschnell ließ sie das Kind unter ihrem Schwesternumhang verschwinden, oft genug unter der Nase der Bewacher, manchmal knapp vor dem Besteigen des Zuges. So unauffällig wie möglich ging sie dann mit dem Kind unterm Umhang zu ihrer Baracke zurück, um sie den jugendlichen Helfern ihrer Baracke zu übergeben. Unverzüglich marschierte sie zur Menschenmenge zurück, wieder nach Kindern ausspähend, um sie vor der Deportation zu retten.

 

Immer mehr Angehörige übergaben ihr die Kinder, in der Hoffnung, sie wohlbehalten bei ihrer Rückkehr wieder vorzufinden. Schnell war die Kinderbaracke überfüllt. Die OSE, die auf die Unterstützung der Präfektur von Perpignan bauen konnte, schleuste die Kinder mit gefälschten französischen Papieren offiziell oder heimlich aus dem Lager. Dreist versteckte Lise sogar einmal zwei Kinder unter die Bank eines Autos, das das Lager verließ. Alle Kinder der Kinderbaracke der OSE konnten gerettet werden, fanden später in Kinderheimen oder Pflegefamilien Aufnahme.

 

Im Dezember 1942 verließ auch sie Rivesaltes und wechselte in die Region von Grenoble, wo sie in einem nichtjüdischen Kinderheim arbeitete. 1945 siedelte sie nach Israel über, arbeitete zunächst in einem Krankenhaus in Tel-Aviv und machte sich dann selbstständig. Als sie 1947 zur Heirat ihrer Schwester nach Frankreich reiste, lernte sie ihren Mann kennen. Nach der Rückkehr nach Israel musste sie bald wieder nach Frankreich, um sich um ihren kranken Vater zu kümmern.

 

1962 nahm sie in Frankreich eine neue Herausforderung an. Nachdem 1945 nach Unruhen in Setif und Guelma zehntausende Algerier von der französischen Armee massakriert wurden, kam es in Algerien zum Aufschwung der Unabhängigkeitsbewegung. 1962 erreichte Algerien nach einem achtjährigen blutigen Krieg seine Unabhängigkeit. Viele Algierfranzosen zogen nach Frankreich. Unter den Flüchtlingen befanden sich auch Tausende von Juden. Der Rabbiner Max Warschawski organisierte im Elsaß eine umfassende Eingliederungshilfe für die Juden aus Nordafrika. Und Lise Hanau übernahm die Leitung des Teams, das für Pflege und Gesundheitsfragen der Kinder und Mütter aus Nordafrika zuständig war. Es gelang dadurch eine schnelle Integration der algerischen Juden.

 

1977 kehrte sie endgültig nach Israel zurück. Sie stellte nie ihre Verdienste heraus. Über ihre Zeit in Rivesaltes meinte sie nur, dass sie jung und abenteuerlustig war. Es hätte ihr als Jüdin ein Gefühl der Zufriedenheit vermittelt, etwas für ihr Volk tun zu dürfen und Kinder zu retten. Außerdem wäre die tatkräftige Andrée Salomon ihr ein Vorbild gewesen, die ihr beibrachte, Gefahr zu verachten.

 

Quelle: Wikipedia u. a.


 

 

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