Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Jakob Hiemenz

 

Über den Krankenpfleger gibt es leider bisher keine persönlichen Daten. Der Krankenpfleger war verheiratet, wohnte in Crumstadt und arbeitete im benachbarten Philippshospital. Er war Mitglied der SPD und gehörte ihrer Unterorganisation „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ an.  

 

Im Februar 1933 berichtete er öffentlich bei einer Kundgebung der Crumstädter SPD, dass ihm das Gerücht zugetragen wurde, dass zwölf seiner Kameraden ermordet werden sollten. Dieses Gerücht war mit Sicherheit nicht unbegründet, denn es war klar, dass die Nazis, wenn sie an der Macht sind, der SA freie Hand lassen, um mit dem Reichsbanner „abzurechnen“.

 

Die Klinikleitung stand den Nazis mehr wie wohlwollend gegenüber. Daher war es nicht verwunderlich, dass nach der Kundgebung der Pfleger zusammen mit mehreren Kollegen entlassen wurde.

 

Im Juli 1933 verurteilte das Amtsgericht Gernsheim Jakob Hiemenz zu sechs Wochen Gefängnis wegen „Beleidigung, übler Nachrede und groben Unfugs“. Er stellte Anträge auf Strafaufschub, ohne Erfolg. Dann stellte er den Antrag, dass ein Teil der Haftstrafe in eine Geldstrafe umgewandelt wird, ohne Erfolg. Das Hessische Staatsministerium der Justiz lehnte sämtliche Anträge ab. Kein Wunder - die Justizbehörden befanden sich zu dieser Zeit selber in Säuberungsaktionen und die Juristen mussten sich bei den neuen Machthabern profilieren und positionieren.

 

Hiemenz muss geahnt haben, dass die Haft für ihn schlimm wird. Vielleicht wusste er schon von Genossen, auf welche Nazi-Schläger er im Gefängnis treffen wird. Denn es war bereits bekannt, dass im sogenannten Bunker des Gefängnisses schwere, oft tödliche Misshandlungen an politischen Häftlingen verübt wurden. Auf jeden Fall kam er der Aufforderung, sich bis zum 10.12.1933 in der Strafanstalt Butzbach zu melden, nicht nach. Am 28.12.1933 wurde er verhaftet und in die Strafanstalt überführt.

 

Seine Frau stellte am 4.1.1934 ein Gnadengesuch. Es wurde nicht beantwortet. Knapp über zwei Wochen später wurde ihr mitgeteilt: „Hiemenz starb am 20.1.1934 um 4:30 Uhr infolge einer Bauchfellentzündung“. In seiner Akte wurde vermerkt: „Hiemenz verbüßte seine Strafe vom 28.12.1933 bis zum 20.1.1934. An letzterem Tag verstarb Hiemenz, so dass Vollstreckung der Reststrafe unmöglich war.“  

 

Sein Bruder holte den plombierten Sarg nach Crumstadt. Trotz des eindeutigen Verbotes öffnete er den Sarg. Der Leichnam war fürchterlich zugerichtet. Jakob Hiemenz war bestialisch ermordet worden. Das bestätigten später auch Augenzeugen, die zu diesem Zeitpunkt ebenfalls inhaftiert waren.

 

Quellen: Alemannia Judaica   (Bericht zu einem Nichtjuden; die SPD hat es offensichtlich nicht nötig, das Andenken von Jakob Hiemenz zu wahren - er war ja auch nur ein "popliger" Krankenpfleger)


 

Eva (Mackie) Hildebrandt, geb. Knieper

 

Eva Knieper wurde am 5.7.1913 in Zeitz geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Heinrich und Alice, geborene Klembt. Eva besuchte ab 1919 eine Schule in Magdeburg. Anscheinend zog die Familie nach Berlin um, denn von 1922 bis 1931 besuchte Eva dort die Schule und schloss sie mit der Unterprima-Reife ab. Anschließend absolvierte sie die Ausbildung zur Kinderkrankenschwester beim Roten Kreuz und arbeitete in dem Beruf bis 1937.

 

Weshalb sie den Pflegeberuf aufgab, ist nicht bekannt. Das Rote Kreuz hatte sich schon 1933 freiwillig den Nazis untergeordnet und seine Unabhängigkeit und Neutralität aufgegeben und war zur nationalsozialistischen Organisation verkommen. Ab 1934, nachdem Hitler die Schirmherrschaft für das Deutsche Rote Kreuz übernommen hatte, wurde die Schwesternbrosche eingeführt, die Eva auf dem Foto trägt. Vielleicht war es diese politische Entwicklung, die zu der Aufgabe ihres Berufes führte. Möglich wäre auch, dass ihr das damalige strikte Reglement des Mutterhauses widerstrebte oder dass sie beabsichtigte, ihr Abitur nachzuholen, was mit Schichtdienst nicht möglich gewesen wäre. 

 

Eva machte eine weitere Ausbildung in Stenografie und Schreibmaschine und arbeitete als Büroangestellte in der Charité. 1938 lernte sie den Nervenarzt, Psychotherapeuten und Psychoanalytiker John Karl Friedrich Rittmeister, geboren am 21.8.1898 in Hamburg, kennen und heiratete ihn am 11.7.1939. Er nannte sie nur bei ihrem Spitznamen Mackie. Ab 1939 besuchte sie die "Private Vorbereitungsanstalt des Dr. Heil", kurz Heilsche Abendschule. In dem Schöneberger Abendgymnasium legte sie 1940 das Abitur ab. Diese Privatschule war während der NS-Zeit relativ frei von der Naziideolgie, sodass sich dort Schülerinnen und Schüler zusammenschließen konnten, die die Naziherrschaft kritisch sahen und eine eher ablehnende Haltung zeigten. Einige Schüler*innen und Lehrer*innen traten dem Widerstand bei.  

 

Nach dem Abitur studierte Eva Musikwissenschaften, Psychologie und Philosophie, ab dem Frühjahr 1942 besuchte sie in Berlin eine Schauspielschule. Durch das Abendgymnasium und Studium lernte sie viele Menschen kennen, die ihre Abneigung gegen das Naziregime teilten. Evas Ehemann lernte 1941 Harro Schulze-Boysen kennen. Das Ehepaar hatte Kontakte zu verschiedenen anderen Widerstandsgruppen. Diese Widerstandsgruppen bezeichnete die Gestapo als "Rote Kapelle", um zu suggerieren, dass es eine einzige Gruppe unter sowjetischer Führung sei.

 

Die sogenannte "Rote Kapelle" war keine einheitliche Gruppe. Es gehörten den unterschiedlichen Gruppen unter anderem auch Kommunisten an, waren aber nicht kommunistisch gelenkt. Zu den Widerstandsgruppen gehörten Sozialdemokraten, Liberale, Anarchisten, gläubige Christen, Schüler, Studenten, Arbeiter, Handwerker, Intellektuelle, Künstler. Bemerkenswert war der hohe Frauenanteil in den Gruppen. Das Bindeglied zwischen den sehr verschiedenen Meinungen und politischen Ansichten war die Ablehnung des nationalsozialistischen Unrechtstaates. Die Gruppen hatten sich lediglich vernetzt, tauschten sich aus, halfen NS-Verfolgten und ausländischen Zwangsarbeitern, dokumentierten die Verbrechen des braunen Regimes, bezogen Stellung zum Angriffskrieg, druckten und verteilten Flugblätter, Klebezettel oder verbotene Schriften und arbeiteten weitgehend unabhängig voneinander. 

 

Gegen die NS-Propagandaausstellung "Das Sowjetparadies" vom 8.5.1942 bis 21.6.1942 im Berliner Lustgarten wurden beispielsweise an die tausend Klebezettel in Berlin verklebt. Maßgeblich daran beteiligte sich die Gruppe um Harro Schulze-Boysen, der auch Eva und ihr Ehemann angehörten. An den Brandanschlag auf die Ausstellung, die leider nur einen geringen Sachschaden verursachte, war ihre Gruppe nicht beteiligt. Es war eine Aktion der Herbert-Baum-Gruppe (siehe Marianne Joachim und Hildegard Jadamowitz). Bereits durch die Protestaktionen gegen diese Propagandaausstellung begann eine Verhaftungswelle. 

 

Für die Gruppe um Harro Schulze-Boysen und die Schüler*innen des Heilschen Abendgymnasiums wurde ein von der Gestapo entschlüsselter Moskauer Funkspruch und Denunziation zum Verhängnis. Im Dezember 1941 kam es zu Verhaftungen in Brüssel, durch Verrat wurden auch die Berliner Gruppen enttarnt. Am 26.9.1942 wurden Eva und ihr Mann verhaftet, sie wurde kurzfristig freigelassen und endgültig am 5.1.1943 inhaftiert. 

 

In Geheimverhandlungen vor dem Reichskriegsgericht und einige vor dem Volksgerichtshof wurden alleine in Deutschland weit über 50 Todesurteile wegen Landesverrat über Menschen verhängt, die die Nazis der Roten Kapelle zurechneten. Es kam nicht zu öffentlichen Verhandlungen oder Schauprozessen entgegen sonstiger Gepflogenheiten der Nazis. Das lag vermutlich daran, dass dann schnell herausgekommen wäre, dass die "Rote Kapelle" eben keine einheitliche Spionagegruppe der Sowjets war, sondern ein breiter Widerstand aus allen Bevölkerungsschichten. Hitler lehnte alle Gnadengesuche ab und ließ zwei Verhandlungen, die mit Zuchthausstrafen endeten, wiederholen mit der Anweisung der Todesstrafe. 

 

Zu den Opfern gehörte Evas Mann John Rittmeister, der am 13.5.1943 in Plötzensee ermordet wurde. Auch ihre Mitschüler*innen des Heilschen Abendgymnasiums Liane Berkowitz, Ursula Goetze, Fritz Thiel und die Lehrer Mildred Harnack-Fish und Friedrich Rehmer wurden dort ermordet.

 

Sie selber wurde am 12.2.1943 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Es ist anzunehmen, dass ihr Mann mit allen Mitteln versuchte, sie in seinen Aussagen zu entlasten. Die Nazischergen konnten ihr so nur das „Abhören feindlicher Sender“ vorhalten. Eva überlebte die Haft. Vermutlich wäre sie nach der Haft in ein KZ überstellt worden, doch durch das Kriegsende und Zusammenbruch des Nazi-Regimes kam sie 1945 frei.

 

Wie sie später mit dem Tod ihres Mannes und ihrer Inhaftierung zurecht kam, ist nicht bekannt. Auch zu ihrem Leben nach ihrer Befreiung gibt es relativ wenig Informationen. Nach 1945 setzte sie ihre Schauspielausbildung an der  Dresdener Hoch­schule für Musik und Thea­ter fort, arbeitete anschließend beim Lan­des­sen­der Dres­den als Sprecherin.

 

Um 1947 zog sie nach Bremen und heiratete dort einen Kaufmann Heinrich Hilde­brandt, mit dem sie ein Jahr später einen Sohn bekam, der den Vornamen John, den Vornamen ihres ersten Ehemannes, bekam. Ihr zweiter Mann besaß eine Spielwarengroßhandlung, in der sie mitarbeitete. Gesichert ist, dass Eva in Bremen in der Elsasser 33 wohnte, als sie in Berlin beim Wiedergutmachungsamt Entschädigungsansprüche für das erlittene Unrecht in der Nazizeit geltend machte.

 

Ihr Mann wurde durch Krankheit arbeitsunfähig und vermutlich lief deshalb sein Unternehmen nicht wunschgemäß. Im Bremer Adressbuch von 1951 wurde noch unter seinem Namen die Spielwarengroßhandlung und Kleinmöbel angegeben, im Bremer Adressbuch 1957 nur noch hinter seinem Namen Kaufmann. Es könnte der Grund gewesen sein, weshalb sie mit ihrem zweiten Ehemann 1961 in den Schwarzwald zog, um in St. Mär­gen bis 1973 eine Pension zu leiten. Ihren Lebensabend verbrachte sie in Freiburg-Hochdorf. 

 

Die Gesellschaft für Ärztliche Psychotherapie in der DDR ehrte ab 1979 verdienstvolle Mitglieder und Funktionäre aus der Psychotherapie und Sozialpsychiatrie mit einer John-Rittmeister-Medaille, weil Evas erster Ehemann John der einzige bekannte Psychiater war, der in der Nazizeit Widerstand leistete. 1979 wurde die Medaille zum ersten Mal an seine Witwe Eva Rittmeister (Hildebrandt) verliehen. Deshalb wird oft irrtümlich angegeben, dass sie Ärztin gewesen sei. 

 

Eva Hildebrandt verstarb am 19.7.2004 in Remchingen. 

 

Quellen: Gedenkstätte Deutscher Widerstand; Gedenkstätte Plötzensee; Wikipedia; Landesarchiv Berlin; Deutsche Digitale Bibliothek; digitale Ausstellung "Seelenarbeit im Sozialismus"; Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus; Frauenpersönlichkeiten in Berlin Friedrichshain / Kreuzberg; Adressbücher Bremen 1951 und 1957; Griebel, Coburger, Scheel: "Erfasst? Das Gestapo-Album zur Roten Kapelle", 1992 Halle/S. 


 

Margarethe Hildebrandt, geb. Schulz

 

Die 1893 in Pasewalk geborene Margarethe Hildebrandt begann 1919 die Hebammenausbildung im Städtischen Urban-Krankenhaus in Berlin und arbeitete anschließend als freie Hebamme. 1927 legte sie zusätzlich die Prüfung als Fürsorgerin ab.

 

"Neben ihrer Tätigkeit als Hebamme agierte sie nun auch in der Alkoholikerfürsorge, der Eheberatung und im Arbeiter-Samariter-Bund, ASB, als stellvertretende Kreisleiterin. Durch ihre erste Ehe kam sie nach Zepernick, Kreis Bernau. Mit der "Machtergreifung" der Nazis war sie schweren Repressalien ausgesetzt, musste sich bis 1934 täglich bei der Polizei melden und durfte nachts ihr Haus nicht verlassen. Nichtsdestotrotz versuchte sie, jüdischen Frauen und Zwangsarbeiterinnen zu helfen. In unzähligen Bombennächten stand sie werdenden Müttern bei."

 

Für ihr Engagement in der Nazizeit wurde ihr die Florence-Nightingale-Medaille und die Ehrenbürgerschaft von der Stadt Zepernick sowie 1969 für ihr Lebenswerk die Hufeland-Medaille in Silber verliehen. Margarethe Hildebrandt starb 1985.

 

Quelle ging verloren, als das Virtuelle Denkmal gehackt wurde


 

Hilde Hillman, geb. Abrahamssohn

 

Hilde Abrahamssohn, geboren am 2.11.1921 in Hamburg, war die Tochter der Thekla Abrahamssohn, geb. Abel, geb. 29.6.1890 in Hamburg. Ihr Vater Moritz, geboren 1883 in Esens war bereits 1928 gestorben. Als Mitinhaber einer chemischen Fabrik hinterließ er seine Familie keineswegs mittellos. Hilde hatte noch einen jüngeren Bruder namens Heinz Adolf, genannt Henry, geboren am 10.2.1923 in Hamburg.

 

Hildes Mutter und Bruder wurden nach Lodz deportiert und dort ermordet. Henry stand eigentlich gar nicht auf der Deportationsliste, meldete sich aber freiwillig, vermutlich um nicht von seiner Mutter getrennt zu werden. Auch zahlreiche andere Familienmitglieder überlebten den Holocaust nicht.

 

Hilde war ab 1928 Schülerin an der Mädchenschule der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Im März 1938 machte sie den Realschulabschluss. Die gymnasiale Oberstufe blieb der guten Schülerin aus rassistischen Gründen verwehrt. Sie wollte Abitur machen und studieren und plante deswegen, Deutschland zu verlassen.

 

Als Vorbereitung für die Emigration absolvierte sie ab 1.4.1938 einen Ausbildungskurs für Kinderpflege und Hauswirtschaft, den sie Ende Januar 1939 erfolgreich abschloss. Anschließend arbeitete sie im Paulinenstift, ein Mädchenwaisenhaus des Jüdischen Religionsverbandes. Gleichzeitig nahm sie privaten Englischunterricht.

 

Paula Abel, geboren am 12.1.1882 in Hamburg, eine Tante von ihr, lebte inzwischen in den Niederlanden. Sie brachte 60 Pfund auf, damals eine stattliche Summe, um ihrer Nichte eine Ausbildungserlaubnis in England zu verschaffen.

 

Mit 17 Jahren floh sie per Schiff im Juli 1939 nach London, dann nach Southampton. Da die Nazis ihre Familie um sämtliche finanzielle Mittel gebracht und das Konto der Mutter gesperrt hatten, war sie völlig mittellos. An Abitur und Studium brauchte sie in ihrer Lage nicht mehr denken.

 

Es existiert von ihr ein Tondokument, in dem sie sehr anschaulich über ihre Probleme in der Ausbildung berichtete, übrigens in einem so guten Englisch, das man sie auch mit mäßigem Schulenglisch versteht. (https://www.bl.uk/collection-items/hilde-hillmann-discusses-nursery-training-college). Ihr Bericht verdeutlicht, dass die Emigration zwar lebensrettend, der Neuanfang im fremden Land aber ausgesprochen schwierig war. So erzählte sie, dass sie während der Ausbildung oft hungerte, weil die 60 Pfund das College und die Uniform abdeckten, die Unterstützung vom deutsch-jüdischen Hilfskomitee gerade für die Wäschereikosten für die Dienstkleidung reichte. Das Essen am College war sehr karg und gewöhnungsbedürftig, an freien Tagen gab es überhaupt nichts. Die englischen Schülerinnen wurden von zu Hause mit Essenspaketen und Geld unterstützt. Diese Hilfen hatte sie nicht.

 

Hilde schaffte es trotz der großen finanziellen Probleme erfolgreich die Ausbildungen zur Kinderpflegerin, Krankenschwester und Hebamme abzuschließen. In England heiratete sie Charles Hillman.

 

Hilde Hillman starb 2011 in London.

 

Quellen: Stolpersteine Hamburg; Geni.com; Yad Vashem, British Library, Bundesarchiv Gedenkbuch


 

Branca Hilsum

 

Branca Hilsum wurde in Amsterdam am 20.10.1884 geboren. Die Hebamme wohnte zuletzt in der Borssenburgstraat 1 in Amsterdam. Sie wurde nach Auschwitz deportiert und dort am 1.10.1942 ermordet.

 

Quelle: Joods Monument


 

Klara Hippe

 

Leider gibt es zu dieser Hamburger Krankenschwester wenige Informationen. Klara Hippe wurde am 24.2.1907 geboren. Sie war Oberin, allerdings ist nicht klar, in welchem Haus. Es könnte das Hamburger Krankenhaus AK St. Georg gewesen sein. Diese Vermutung liegt nahe, weil Klara Hippe zum sozialdemokratischen Widerstandskreis um Walter Schmedemann gehörte. Der Krankenpfleger (auch Gerechter der Pflege) gehörte in diesem Haus dem Betriebsrat an und was Vorsitzender in der dortigen Arbeitnehmervertretung.

Als am 18.6.1935 Mitglieder der Widerstandsgruppe vom Hanseatischen Oberlandesgericht wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt wurden, war sie mitangeklagt als „Mittäterin“. Ob und zu welcher Strafe sie verurteilt wurde, ist bisher nicht bekannt, auch nichts über ihr weiteres Schicksal.

 

Quellen:  Landeszentrale für politische Bildung Hamburg - Datenbank Hamburger Frauenbiografien;  Auf dem Weg in den Widerstand: Die "Echo"-Versammlung der Hamburger SPD 1933, ISBN: 9783844829594


 

Estrea Hirnheimer

 

Estrea Hirnheimer wurde am 18.3.1897 in Bamberg geboren. Sie war die Tocher von Max und Githa Hirnheimer. Zuletzt lebte sie in Amsterdam in der Deurloostraat 116 II. Die Krankenschwester wurde am 14.10.1944 in Auschwitz ermordet.

 

Quelle: Joods Monument


 

Minna Hirsch

 

Minna Hirsch wurde am 1.12.1860 in Halberstadt geboren. Sie gehörte zum „Verein für Jüdische Krankenpflegerinnen“ in Frankfurt. Ab 1889 bildete das jüdische Krankenhaus Frankfurt offiziell Krankenschwestern aus. Minna Hirsch wurde am 1.4.1889 als Schülerin aufgenommen. Sie wurde als mitfühlend, fleißig, intelligent und chakterfest beschrieben. 1893 begründeten sie und ihre ehemaligen Mitschülerinnen Frieda Brüll, Klara Gordon, Lisette Hess und Thekla Mandel den „Verband jüdischer Krankenpflegerinnen“.

 

Am 1.7.1893 wurde Minna Hirsch zur Schwester Oberin des Vereins gewählt und zur Oberin des Krankenhauses. 1903 feierte der „Verein für Jüdische Krankenpflegerinnen“ sein zehnjähriges Bestehen. Minna Hirsch erhielt eine „goldene Brosche“ für ihre zehnjährige ununterbrochene Dienstzeit.

 

Im I. Weltkrieg war im Jüdischen Krankenhaus das „Vereinslazarett 27“ untergebracht. Minna Hirsch leitete den Pflege- und Wirtschaftsdienst des Lazarettes, machte Narkosen und Röntgenaufnahmen und koordinierte den Einsatz der Freiwilligen und HelferInnen. Wie alle Schwestern des „Vereins für Jüdische Krankenpflegerinnen“ setzte sie sich über alle Maßen für ihr Heimatland ein.

 

Circa 1912 trat Minna Hirsch als Oberin des Krankenhauses zurück, wurde Ende der Zwanziger Jahre pensioniert. Sie zog aus dem Schwesternheim aus. Die allseits beliebte und verehrte Altoberin kam aber regelmäßig zu Veranstaltungen oder zum Mittagessen dorthin.

 

Nach der Machtübernahme musste sie erleben, dass nicht nur sie als Jüdin zunehmenden Repressalien ausgesetzt war, sondern ihr Lebenswerk systematisch demontiert wurde. Im Januar 1936 wohnte sie noch in Frankfurt in der Saalburgallee 31. Von dort zog sie in dem Monat zurück in das Schwesternheim in der Bornheimer Landwehr 85. Es muss angenommen werden, dass dieser Umzug nötig war aufgrund steigenden Druckes und Terror.

 

Gerade in Frankfurt begann der Terror gegen die jüdische Bevölkerung sehr früh. Bei den Nazis war die Stadt als „Judenstadt“ verschrieen und der Frankfurter braune Mob setzte alles daran, „dem Ruf entgegenzuwirken“. Minna Hirsch blieb die „Kristallnacht“ erspart. Sie starb im Schwesternheim am 27.4.1938.

 

Quellen: „...Den Kranken zum Troste und dem Judenthum zur Ehre“, ISBN: 3-929106-54-X


 

Goldine Hirschberg, geb. Amram

 

Die jüdische Krankenschwester und Erzieherin Goldine Amram, Dina gerufen, wurde am 5.10.1894 in Borken bei Kassel geboren. Sie war die jüngste Tochter von Wolf Benjamin Amram und Gütel Julie (Julchen), geborene Lomnitz. Sie hatte zwei ältere Schwestern, Frances und Frida (siehe Frida Amram), und einen jüngeren Bruder Jacob, Spitzname Jax. Ihr Vater verstarb bereits 1909.

 

Goldine heiratete den Lehrer Seligmann Ascher Hirschberg, mit dem sie zwei Söhne hatte. Ihr Sohn Walter Hirschberg, später in Israel Binyamin Amiram, wurde am 18.6.1921 in Wolfenbüttel geboren. Sein jüngerer Bruder Michael Herrmann Hirschberg, in Israel Jechiel Hirschberg kam am 12.6.1926 ebenfalls in Wolfenbüttel zur Welt. 1938 zog die Familie mit Goldines Mutter Julie nach Leer in Ostfriesland, wo Seligmann Hirschberg an der Jüdischen Volksschule unterrichtete.

 

In der Progromnacht vom 9. auf den 10.11.1938 wurde die Familie Hirschberg schwer misshandelt und verhaftet. Goldine und ihr Sohn Michael wurden einen Tag lang in einem Schlachthof eingesperrt. Ihr Mann und der damals 17jährige Sohn Walter wurden am 11.11.1938 ins KZ Sachsenhausen verschleppt. Walter kam von dort in ein Jugendlager und wurde nach zwei Wochen entlassen. Weil Seligmann im I. Weltkrieg Soldat gewesen war, kam er um den 20. Dezember frei.

 

Goldine und ihr Mann machten sich keine Illusionen, waren sich der Gefahr unter den Nazis völlig im Klaren und versuchten eine Emigration. Die Pläne scheiterten. Immerhin gelang es ihnen, ihren 18jährigen Sohn mit der Rothschildstiftung 1939 nach England zu schicken. Er zog 1952 nach Israel. Seinem dreizehnjährigen Bruder Michael schickten sie mit dem Roten Kreuz über Triest nach Palästina. Das Ehepaar war einerseits erleichtert, andererseits litt es entsetzlich unter der Trennung und ungewissen Zukunft der Söhne, zumal ja Michael noch ein Kind war.

 

1940 erklärte sich die Stadt Leer als „judenfrei“ und Goldine, Seligmann und Julie mussten die Stadt verlassen. Sie zogen nach Frankfurt/M zu Frida (siehe Frida Amram) und konnten dort zunächst im Dachgeschoss in einem Personalzimmer des Kinderhauses in der Hans-Thoma-Straße 24 wohnen. Seligmann erhielt eine Anstellung im Philanthropin. Das Philanthropin in Frankfurt/M war die größte und am längsten bestehende jüdische Schule in Deutschland, die 1942 von den Nazis geschlossen wurde.

 

Goldine und Julie versuchten Frida in der Arbeit bestmöglich zu unterstützen, denn die Situation im Kinderhaus war mehr wie angespannt. Nachdem Goldines Schwester Frida (siehe Frida Amram) verschwunden war, übernahm sie die kommissarische Leitung des Kinderhauses in der Hans-Thoma-Straße.

 

Am 15.9.1942 wurden die Beschäftigten und Kinder des Kinderhauses ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Ihre Mutter Julie Amram starb bereits dort. Am 28.10.1944 wurden Goldine und Seligmann Hirschberg von Theresienstadt nach Auschwitz verschleppt und ermordet.

 

Quellen: Frankfurt.de; myheritage.de, YAD VASHEM; Bundesarchiv Gedenkbuch; Geni.com; Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich (statistik-des-holocaust.de); www.platz-der-vergessenen-kinder.de


 

Willy Hirzel

 

Über den Schweizer Bürger ist leider wenig bekannt. Er gehörte der Arbeiterbewegung an. Ihm entging nicht die faschistische Bedrohung, besonders nachdem Hitler an die Macht gekommen war.

 

Deshalb beschloss er als ganz junger Mann die Internationalen Brigaden in Spanien zu unterstützen. Dafür absolvierte er extra bei den Arbeiter-Samaritern Sanitätskurse und war stolz darauf, als Samariter den Kampf der Menschen gegen den Faschismus unterstützen zu können, indem er Verwundete pflegte.

 

Willy Herzel starb 1985.

 

Quelle: Dokumentarfilm „Earth of Spain" von Joris Ivens

 

 

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