Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Jakob Hiemenz

 

Über den Krankenpfleger gibt es leider bisher keine persönlichen Daten. Der Krankenpfleger war verheiratet, wohnte in Crumstadt und arbeitete im benachbarten Philippshospital. Er war Mitglied der SPD und gehörte ihrer Unterorganisation „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ an.  

 

Im Februar 1933 berichtete er öffentlich bei einer Kundgebung der Crumstädter SPD, dass ihm das Gerücht zugetragen wurde, dass zwölf seiner Kameraden ermordet werden sollten. Dieses Gerücht war mit Sicherheit nicht unbegründet, denn es war klar, dass die Nazis, wenn sie an der Macht sind, der SA freie Hand lassen, um mit dem Reichsbanner „abzurechnen“.

 

Die Klinikleitung stand den Nazis mehr wie wohlwollend gegenüber. Daher war es nicht verwunderlich, dass nach der Kundgebung der Pfleger zusammen mit mehreren Kollegen entlassen wurde.

 

Im Juli 1933 verurteilte das Amtsgericht Gernsheim Jakob Hiemenz zu sechs Wochen Gefängnis wegen „Beleidigung, übler Nachrede und groben Unfugs“. Er stellte Anträge auf Strafaufschub, ohne Erfolg. Dann stellte er den Antrag, dass ein Teil der Haftstrafe in eine Geldstrafe umgewandelt wird, ohne Erfolg. Das Hessische Staatsministerium der Justiz lehnte sämtliche Anträge ab. Kein Wunder - die Justizbehörden befanden sich zu dieser Zeit selber in Säuberungsaktionen und die Juristen mussten sich bei den neuen Machthabern profilieren und positionieren.

 

Hiemenz muss geahnt haben, dass die Haft für ihn schlimm wird. Vielleicht wusste er schon von Genossen, auf welche Nazi-Schläger er im Gefängnis treffen wird. Denn es war bereits bekannt, dass im sogenannten Bunker des Gefängnisses schwere, oft tödliche Misshandlungen an politischen Häftlingen verübt wurden. Auf jeden Fall kam er der Aufforderung, sich bis zum 10.12.1933 in der Strafanstalt Butzbach zu melden, nicht nach. Am 28.12.1933 wurde er verhaftet und in die Strafanstalt überführt.

 

Seine Frau stellte am 4.1.1934 ein Gnadengesuch. Es wurde nicht beantwortet. Knapp über zwei Wochen später wurde ihr mitgeteilt: „Hiemenz starb am 20.1.1934 um 4:30 Uhr infolge einer Bauchfellentzündung“. In seiner Akte wurde vermerkt: „Hiemenz verbüßte seine Strafe vom 28.12.1933 bis zum 20.1.1934. An letzterem Tag verstarb Hiemenz, so dass Vollstreckung der Reststrafe unmöglich war.“  

 

Sein Bruder holte den plombierten Sarg nach Crumstadt. Trotz des eindeutigen Verbotes öffnete er den Sarg. Der Leichnam war fürchterlich zugerichtet. Jakob Hiemenz war bestialisch ermordet worden. Das bestätigten später auch Augenzeugen, die zu diesem Zeitpunkt ebenfalls inhaftiert waren.

 

Quellen: Alemannia Judaica   (Bericht zu einem Nichtjuden; die SPD hat es offensichtlich nicht nötig, das Andenken von Jakob Hiemenz zu wahren - er war ja auch nur ein "popliger" Krankenpfleger)


 

Margarethe Hildebrandt, geb. Schulz

 

Die 1893 in Pasewalk geborene Margarethe Hildebrandt begann 1919 die Hebammenausbildung im Städtischen Urban-Krankenhaus in Berlin und arbeitete anschließend als freie Hebamme. 1927 legte sie zusätzlich die Prüfung als Fürsorgerin ab.

 

"Neben ihrer Tätigkeit als Hebamme agierte sie nun auch in der Alkoholikerfürsorge, der Eheberatung und im Arbeiter-Samariter-Bund, ASB, als stellvertretende Kreisleiterin. Durch ihre erste Ehe kam sie nach Zepernick, Kreis Bernau. Mit der "Machtergreifung" der Nazis war sie schweren Repressalien ausgesetzt, musste sich bis 1934 täglich bei der Polizei melden und durfte nachts ihr Haus nicht verlassen. Nichtsdestotrotz versuchte sie, jüdischen Frauen und Zwangsarbeiterinnen zu helfen. In unzähligen Bombennächten stand sie werdenden Müttern bei."

 

Für ihr Engagement in der Nazizeit wurde ihr die Florence-Nightingale-Medaille und die Ehrenbürgerschaft von der Stadt Zepernick sowie 1969 für ihr Lebenswerk die Hufeland-Medaille in Silber verliehen. Margarethe Hildebrandt starb 1985.


 

Branca Hilsum

 

Branca Hilsum wurde in Amsterdam am 20.10.1884 geboren. Die Hebamme wohnte zuletzt in der Borssenburgstraat 1 in Amsterdam. Sie wurde nach Auschwitz deportiert und dort am 1.10.1942 ermordet.

 

Quelle: Joods Monument


 

Klara Hippe

 

Leider gibt es zu dieser Hamburger Krankenschwester wenige Informationen. Klara Hippe wurde am 24.2.1907 geboren. Sie war Oberin, allerdings ist nicht klar, in welchem Haus. Es könnte das Hamburger Krankenhaus AK St. Georg gewesen sein. Diese Vermutung liegt nahe, weil Klara Hippe zum sozialdemokratischen Widerstandskreis um Walter Schmedemann gehörte. Der Krankenpfleger (auch Gerechter der Pflege) gehörte in diesem Haus dem Betriebsrat an und was Vorsitzender in der dortigen Arbeitnehmervertretung.

Als am 18.6.1935 Mitglieder der Widerstandsgruppe vom Hanseatischen Oberlandesgericht wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt wurden, war sie mitangeklagt als „Mittäterin“. Ob und zu welcher Strafe sie verurteilt wurde, ist bisher nicht bekannt, auch nichts über ihr weiteres Schicksal.

 

Quellen:  Landeszentrale für politische Bildung Hamburg - Datenbank Hamburger Frauenbiografien;  Auf dem Weg in den Widerstand: Die "Echo"-Versammlung der Hamburger SPD 1933, ISBN: 9783844829594


 

Estrea Hirnheimer

 

Estrea Hirnheimer wurde am 18.3.1897 in Bamberg geboren. Sie war die Tocher von Max und Githa Hirnheimer. Zuletzt lebte sie in Amsterdam in der Deurloostraat 116 II. Die Krankenschwester wurde am 14.10.1944 in Auschwitz ermordet.

 

Quelle: Joods Monument


 

Minna Hirsch

 

Minna Hirsch wurde am 1.12.1860 in Halberstadt geboren. Sie gehörte zum „Verein für Jüdische Krankenpflegerinnen“ in Frankfurt. Ab 1889 bildete das jüdische Krankenhaus Frankfurt offiziell Krankenschwestern aus. Minna Hirsch wurde am 1.4.1889 als Schülerin aufgenommen. Sie wurde als mitfühlend, fleißig, intelligent und chakterfest beschrieben. 1893 begründeten sie und ihre ehemaligen Mitschülerinnen Frieda Brüll, Klara Gordon, Lisette Hess und Thekla Mandel den „Verband jüdischer Krankenpflegerinnen“.

 

Am 1.7.1893 wurde Minna Hirsch zur Schwester Oberin des Vereins gewählt und zur Oberin des Krankenhauses. 1903 feierte der „Verein für Jüdische Krankenpflegerinnen“ sein zehnjähriges Bestehen. Minna Hirsch erhielt eine „goldene Brosche“ für ihre zehnjährige ununterbrochene Dienstzeit.

 

Im I. Weltkrieg war im Jüdischen Krankenhaus das „Vereinslazarett 27“ untergebracht. Minna Hirsch leitete den Pflege- und Wirtschaftsdienst des Lazarettes, machte Narkosen und Röntgenaufnahmen und koordinierte den Einsatz der Freiwilligen und HelferInnen. Wie alle Schwestern des „Vereins für Jüdische Krankenpflegerinnen“ setzte sie sich über alle Maßen für ihr Heimatland ein.

 

Circa 1912 trat Minna Hirsch als Oberin des Krankenhauses zurück, wurde Ende der Zwanziger Jahre pensioniert. Sie zog aus dem Schwesternheim aus. Die allseits beliebte und verehrte Altoberin kam aber regelmäßig zu Veranstaltungen oder zum Mittagessen dorthin.

 

Nach der Machtübernahme musste sie erleben, dass nicht nur sie als Jüdin zunehmenden Repressalien ausgesetzt war, sondern ihr Lebenswerk systematisch demontiert wurde. Im Januar 1936 wohnte sie noch in Frankfurt in der Saalburgallee 31. Von dort zog sie in dem Monat zurück in das Schwesternheim in der Bornheimer Landwehr 85. Es muss angenommen werden, dass dieser Umzug nötig war aufgrund steigenden Druckes und Terror.

 

Gerade in Frankfurt begann der Terror gegen die jüdische Bevölkerung sehr früh. Bei den Nazis war die Stadt als „Judenstadt“ verschrieen und der Frankfurter braune Mob setzte alles daran, „dem Ruf entgegenzuwirken“. Minna Hirsch blieb die „Kristallnacht“ erspart. Sie starb im Schwesternheim am 27.4.1938.

 

Quellen: „...Den Kranken zum Troste und dem Judenthum zur Ehre“, ISBN: 3-929106-54-X


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