Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Paul Grünewald

 

Der berufsfremde Paul Grünewald arbeitete im Konzentrationslager Buchenwald im Krankenrevier. Zunächst war er als politischer Häftling Schreiber des Lagerarztes. Später setzte man ihn auch als Pfleger und Obduktionsgehilfen ein. Laut Vorschrift durften zunächst keine inhaftierten Krankenpfleger oder Ärzte in dem Krankenrevier arbeiten. Erst allmählich wurde diese Vorschrift durch massiven Arbeitskräftemangel gelockert. Paul Grünewald musste sich, ebenso wie alle anderen im Krankenrevier tätigen Häftlinge, seine medizinischen und pflegerischen Kenntnisse selbst aneignen.

 

Man versuchte das Verbot, jüdische Häftlinge medizinisch zu versorgen, zu hintergehen. Häftlinge wurden geschützt, indem man ihre Entlassung hinauszögerte. Medikamentenbeschaffungsbögen wurden manipuliert, auf illegalen Wegen zusätzliche Medikamente oder Operationsbestecke besorgt, Papiere im Interesse der Patienten gefälscht. Das Taktieren mit den SS-Ärzten konnte gefährlich werden. In den Revieren wurde unter dem Schutz von Infektionskrankheiten, die die SS-Leute natürlich mieden, Widerstandsarbeit geleistet.

 

Quelle: Buchenwald. Ein Konzentrationslager, ISBN 3320007912


 

Oskar Grünfeld

 

Oskar Grünfeld wurde am 25.8.1886 in Wien geboren. Er war mit Betty, geborene Herrmann verheiratet. Eigentlich war er kaufmännischer Angestellter. Doch auf der Deportationsliste vom "24. Osttransport" wurde als seine letzte Tätigkeit Krankenpfleger eingetragen. Zielort der Deportation am 9.12.1942 war Auschwitz, wo das Ehepaar ermordet wurde. Als Todesdatum wurde der 31.3.1943 festgelegt. Für das Ehepaar wurde am 14.10.2014 Stolpersteine vor der Konstanzer Straße 62 in Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf verlegt.

 

Quellen: Stolpersteine Charlottenburg-Wilmersdorf


 

Beile Betty (Berta) Grünspan

 

Beile Betty, genannt Berta, Grünspan wurde 1890 als zweites von sechs Kindern in Niedzybrodrie in Galizien geboren. Ihr Vater war der jüdische Kaufmann Hermann Grünspan. Nach Besuch der deutschen Schule half sie im Haushalt der Eltern. Mit 17 Jahren begann sie in Wien eine Ausbildung zur Krankenschwester. Später arbeitete sie als OP-Schwester im Rothschildspital in Wien. Im I. Weltkrieg pflegte sie verletzte Soldaten an der serbischen Front.

"Nebenbei" holte sie das Abitur nach und studierte von 1917 bis 1924 Medizin. Danach arbeitete sie als praktische Ärztin im Wiener Versorgungsheim. Nachdem sie sich mit der Psychoanalyse beschäftigt hatte, machte sie eine Lehranalyse und wurde 1937 Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung.

 

1933 wurde sie aus rassistischen Gründen beim Versorgungsheim gekündigt und arbeitete fortan in einem jüdischen Privatspital. Als 1938 die Nazis in Wien einmarschierten, emigrierte sie nach Palästina. In Haifa eröffnete sie 1941 eine psychoanalytische Praxis. Ab 1955 arbeitete sie als Ärztin in einem Kibbuz. Bis kurz vor ihrem Tode 1975 hielt sie noch Sprechstunden an der psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses von Afula ab.

 

Quelle: Elke Mühlleitner: Biographisches Lexikon der Psychoanalyse, ISBN 3-89295-557-3


 

Eugenia Grunsky (oder Gursky)

 

Von der jüdischen Krankenschwester aus den USA fehlen bisher die Lebensdaten. Sie kämpfte in den Internationale Brigade auf Seiten der Republikaner.

 

Quelle: Martin Sugarman, AJEX - Jewish Military Museum


 

Ilse Regine Gunz

 

Ilse Gunz wurde 1912 in Augsburg geboren. Ihr Vater war der Justizrat Eugen Gunz, geboren 1874 und die 1887 geborene Mutter Dora, geborene Rosenstrauss. Sie hatte einen jüngeren Bruder, Franz, geboren 1914, der 1935 nach Palästina auswandern konnte. Ilse besuchte die Maria-Theresia-Schule in Augsburg von 1924 bis 1928. Anschließend arbeitete sie als Büroangestellte in einem Augsburger Kaufhaus. Ab 1935 lebte sie in Berlin. Im Jüdischen Krankenhaus absolvierte sie die Ausbildung zur Krankenschwester.

 

1939 gelang es ihr, nach England zu emigrieren. Dort arbeitete sie wieder in ihrem Beruf. Ihre Eltern wurden im März 1943 vermutlich nach Auschwitz deportiert und gelten als verschollen. Ilse und ihr Bruder füllten für die Eltern bei YAD VASHEM das Erinnerungsblatt aus.

 

Ilse Gunz starb 2002 in London.

 

Quelle: http://www.datenmatrix.de/projekte/hdbg/spurensuche/content/content_biografien-liste-G.htm


 

Lily Gutmann, geborene Fuld

 

Lily Hedwig Fuld wurde am 12.6.1923 in Frankfurt am Main geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Otto Fuld, geboren 22.3.1894 in Frankfurt am Main und Frieda, geborene Sander am 7.11.1893, auch in Frankfurt am Main. Lily war ihr einziges Kind.

 

Bis zur sogenannten „Machtergreifung“ konnte Lily unbeschwert aufwachsen. Sie besuchte die Holzhausen-Grundschule. Ihr Vater, der mit einem Teilhaber eine Firma besaß, war in seiner Freizeit nicht nur ein begeisterter Fußballspieler bei Eintracht Frankfurt, sondern besuchte auch gerne die Spielwarenmesse in Nürnberg und brachte seiner geliebten Tochter immer schöne Spielsachen mit. Durch seine Firma hatte ihr Vater viele Geschäftsfreunde in Schweden. Dorthin hätte die Familie 1934 aufgrund ihrer Beziehungen auswandern können. Ihr Vater nahm die Chance nicht wahr. Er war in seiner Heimatstadt verwurzelt und er glaubte auch nicht, dass ihm etwas passieren könne. Schließlich hatte er am I. Weltkrieg teilgenommen und das Eiserne Kreuz erster Klasse erhalten.

 

Am 10.11.1938 wurde er eines Besseren belehrt. Er wurde verhaftet und vom 12. bis 30.11.1938 im KZ Buchenwald inhaftiert. Nach seiner Rückkehr versuchten ihre Eltern über England in die USA zu emigrieren. Es war zu spät. Aber für Lily bot sich die Chance, mit einem Kindertransport nach England zu entkommen. Schweren Herzens trennten die Eltern sich von ihrem Kind und am 21.6.1939 konnte die 16jährige Deutschland verlassen.

 

In England absolvierte Lily die Ausbildung zur Krankenschwester. Nach dem Krieg musste sie erfahren, dass ihre Eltern am 19.10.1941 nach Lodz deportiert wurden. Ihr Todesdatum ist unbekannt. 1948 heiratete sie einen Holländer Meijer und lebte in Scheveningen/Den Haag. 1952 bekam sie ihren Sohn Roy. In zweiter Ehe war sie mit Walter Gutmann verheiratet, einem ehemaligen Jugendfreund aus Frankfurt, und zog in die USA.

 

Quelle: Initiative Stolpersteine Frankfurt am MaIn 6. Dokumentation 2008


 

Auguste Guttmann

 

Die Krankenschwester Auguste Guttmann, geborene Spitzer, wurde am 4.8.1893 in Platt/Zellerndorf in Niederösterreich geboren. Sie war mit dem Elektiker und Chauffeur Fritz Guttmann, geboren am 15.3.1896 in Litschau, verheiratet. Das Ehepaar gehörte der Kommunistischen und Sozialdemokratischen Partei Österreichs an und kämpfte ab 1937 in den Internationalen Brigaden in Spanien (siehe Internationale Brigade). 1939 gelangte Auguste Guttmann nach Frankreich. Sie war im berüchtigten Sammel- und Durchgangslager Drancy 20 km nordöstlich von Paris inhaftiert. Am 30. 5. 1944 wurde sie mit dem Convoi 75 von Drancy nach Auschwitz deportiert, der dort am 2. 6. 1944 eintraf. Dort verliert sich ihre Spur. Auch ihr Mann wurde am 27.3.1942 mit dem Convoi 1 von Drancy nach Auschwitz deportiert.

 

Quelle: DÖW


 

Ruth Guttmann, geborene Fröhlich

 

Die Berliner Krankenschwester Ruth Guttmann war mit Salus Guttmann verheiratet. Mit ihrem Mann gehörte sie zu den Passagieren der "MS St. Louis". Dieses Schiff war am 13.5.1939 aus Hamburg auf Geheiß des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels mit etwa 1000 jüdischen Emigranten nach Kuba gestartet. Doch die kubanische Regierung erklärte plötzlich die Visa für das Land als ungültig. Die "MS St. Louis" durfte nicht am Pier des Hafens anlegen. Eine Landeerlaubnis scheiterte an den horrenden finanziellen Forderungen des Landes.

 

Daraufhin kreuzte die "MS St. Louis" vor Florida, doch auch die USA wiesen das Schiff ab. So musste die "St. Louis" die Rückfahrt nach Europa antreten.

An Bord drohte eine Massenpanik. Aus Angst vor der Deportation in Konzentrationslager erwägten die Passagiere einen Massensuizid oder Meuterei. Schließlich gelang es dem Kapitän Gustav Schröder und den Bemühungen jüdischer Hilfsorganisationen unter dem wachsenden öffentlichen Druck, Antwerpen statt Hamburg anfahren zu können, wo die Passagiere am 17.6.1939 das Schiff verließen. Belgien, Holland, Frankreich und Großbritannien erklärten sich zur Aufnahme der bedrohten Flüchtlinge bereit.

 

Ruth Guttmann und ihr Mann gehörten zu den 228 Flüchtlingen, die Großbritannien aufnahm. So entgingen sie dem Schicksal vieler Mitpassagiere, die in Holland, Frankreich und Belgien bald wieder von den Nazis überrollt wurden. Ihr Mann meldete sich in Großbritannien zur englischen Armee, sie selber begann bald wieder in ihrem erlernten Beruf als Krankenschwester zu arbeiten. Genauere Lebensdaten fehlen leider bisher über Ruth Guttmann.

 

 

Gratis Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!