Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Pauline Maier

 

Pauline Maier wurde am 21. Oktober 1877 in Baiertal bei Heidelberg geboren. Ihre Eltern waren der Viehhändler Raphael und Hannchen Maier. Sie hatte noch zwei ältere Schwestern. Nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester in Berlin und Breslau zog sie 1913 nach Mannheim und arbeitete im dortigen jüdischen Krankenhaus. Im Ersten Weltkrieg arbeitete sie wie viele jüdische Krankenschwestern und Krankenpflegerinnen in Kriegslazaretten und Verwundetenzügen. Nach Ende des Krieges kehrte sie nach Mannheim zurück. 1922 wurde sie Oberin des jüdischen Krankenhauses in Mannheim.

 

Am 22. Oktober 1940 wurde das Kranken- und Pfründnerhaus in Mannheim bis auf wenige Transportunfähige geräumt und die Menschen nach Gurs in Frankreich deportiert. Freiwillig begleitete Pauline Maier den Transport. Die Verhältnisse in Gurs waren katasrophal. Pauline Maier versuchte alles Menschenmögliche, die Erkrankten bestmöglich zu pflegen und Trost und Hoffnung zu verbreiten. Im August 1942 wurden die meisten Lagerinsassen nach Ausschwitz gemeldet. Wieder schloss sich Pauline Maier freiwillig der Deportation an, um weiterhin ihre Schützlinge betreuen zu können. Vermutlich wurde sie wie die meisten Menschen dieser Deportation nach Ankunft in Auschwitz am gleichen Tage in der Gaskammer ermordet.

 

Zitate über Pauline Maier:

 

"In ihrem neuen Arbeitsgebiet entfaltete Schwester Pauline ihre ganze Persönlichkeit. Sie war nicht nur Oberin, sie war Vertraute der Patienten, Hilfe für das Personal und die Mutter ihrer Mitschwestern. Sie machte das Krankenhaus zu einem Mittelpunkt, in dem nicht nur körperlich kranken Menschen geholfen wurde." Sara Lewinski, Mitglied der jüdischen Gemeindevertretung

 

"Die Oberin verstand, das Krankenhaus unter großen Schwierigkeiten weiterzuführen, und gab durch ihr Vorbild ihren wenigen Mitarbeiterinnen Halt und Stütze." Sara Lewinski, Mitglied der jüdischen Gemeindevertretung

 

"Wer diese "Hölle von Gurs" damals miterlebt hat, begreift, mit welchem Gefühl der Erlösung die hilfsbereite und helfende Oberin von den Unglückseligen, schwer geprüften Menschen begrüßt wurde, wo und wann sie immer in den armseligen Baracken auftauchte. Wie oft sah ich die nicht mehr junge Oberin mit einem langen Bergstock durch den tiefen Morast stampfen, von einer Baracke zur anderen, Trost und Hilfe bringen, das Bild einer wahren Helferin."
Eugen Neter

 

"Doch wiederum bestand die unvergleichliche Oberin auf ihren Willen, die zur Deportation Kommenden zu begleiten. Doch diesmal nicht ins Unbekannte, sondern in den sicheren Untergang. Tief in meiner Erinnerung haftet jener Augenblick, als ich Abschied nahm von den beiden Frauen, die freiwillig ihre Leidensgefährten auf dem Weg zur Vernichtung begleiteten. Als letzte stiegen sie auf das Lastauto, das sie forttragen sollte nach dem Osten: Oberin Pauline Maier und Ärztin Dr. Johanna Geismar, Heidelberg."
Eugen Neter

 

Quelle: YAD VASHEM; Volker Keller "Jüdisches Leben in Mannheim"


 

Helga Mamlock

 

Die Krankenschwester Helga Mamlock arbeitete bis zuletzt im jüdischen Krankenhaus Berlin. Nach Kriegsende emigrierte sie in die USA.

 

Quelle: Gerhard Nerlich: 250 Jahre Jüdisches Krankenhaus Berlin


 

Berta Mannheimer

 

Berta Mannheimer, geboren am 28.6.1896 in Bütthard, war ausgebildete Krankenschwester. Ihre Eltern waren der Kaufmann Salomon und Johanna, geborene Wolf. Sie hatte zwei ältere Schwestern, Herta, geboren am 6.5.1891 und Selma, geboren am 7.5.1895. 

 

Berta hatte sehr früh erkannt, dass sie in Deutschland als Jüdin keine Zukunft hat und wanderte bereits am 13.4.1927 mit dem Schiff „President Harding“ nach New York aus. Ihre Schwester Herta, einst einzige Frau im Stadtrat Heidingsfeld, wurde in Auschwitz ermordet.

 

Quelle: Biographisches Handbuch Würzburger Juden


 

Herta Mannheimer

 

Herta Mannheimer wurde am 6.5.1891 in Bütthard geboren. 1905 zog sie mit ihren Eltern, dem Kaufmann Salomon und Johanna, geborene Wolf, und den Geschwistern Selma, geboren am 7.5.1895, und Berta, geboren am 28.6.1896, nach Heidingsfeld. Der Vater handelte mit Mehl und Landprodukten. Nach dem Tod ihrer Mutter am 8.2.1917 musste Herta Mannheimer den Haushalt übernehmen. Sie war im jüdischen Kulturbund aktiv und engagierte sich für die SPD. Im I. Weltkrieg arbeitete sie in der bayrischen Armee freiwillig in der Verwundetenpflege und erhielt 1917 als Auszeichnung das König-Ludwig-Kreuz.

 

1924 wurde sie zur Stadträtin gewählt. Nach dem Tod ihres Vaters emigrierte sie 1937 nach Holland. Zunächst lebte sie in Martensdijk in der Nähe von Utrecht. Dort arbeitete sie in der Krankenpflege, wobei es nicht klar ist, ob sie die Pflege erlernt hatte. Ab 1942 lebte sie dem Haus, in dem auch Anne Frank und ihre Familie gewohnt hatte, Amsterdam, Merwedeplein 37. Im März 1943 wurde Herta Mannheimer im Sammellager Westerbork interniert.

 

In der Zeitschrift "Der Weg Zeitschrift für Fragen des Judentums", Jahrgang 1, Nummer 13, Berlin 24. Mai 1946, wurde sie nach Kriegsende gesucht. Bisher kann nicht geklärt werden, in welchem Verhältnis Max Schwarzwälder zu Herta Mannheimer stand. Die Suchanzeige wirft Fragen auf. Die verkehrte Schreibweise Hertha statt Herta ist erklärbar. In Deutschland war eher die Schreibweise mit "th" üblich. Westerbrok statt Westerbork kann ein Schriftsatzfehler sein. Die Angabe "zuletzt wohnhaft: Den Haag" trifft nicht zu. Gerade in Den Haag tobte der braune Mob intensiv und Herta verzog nach Utrecht, zum Schluss nach Amsterdam.

 

Eine Deportation am 1.9.1943 aus Westerbork nach Auschwitz oder Theresienstadt ist nicht feststellbar. Am 31.8.1943 wurden 1004 Menschen aus dem "Polizeilichen Judendurchgangslager Westerbork" deportiert. Ziel war Auschwitz, wo die Menschen am 2.9.1943 eintrafen. Am 7.9.1943 verließ ein Transport Westerbork mit 987 Menschen und traf am 9.9.1943 in Auschwitz ein. Am 14.9.1943 wurden 1005 Menschen aus Westerbork deportiert und kamen am 16.9.1943 in Auschwitz an. Am gleichen Tage verließ ein Transport mit 305 Menschen Westerbork mit dem Ziel Theresienstadt. Dieser Transport wurde allerdings wegen Überfüllung des Lagers Theresienstadt umgeleitet und endete im KZ Bergen-Belsen. Am 25.1.1944 wurden 283 von den vormals 305 Menschen nach Theresienstadt gebracht.

 

Schwarzwälder hatte wohl gehofft, dass Herta Mannheimer sich in dem Transport befand, der nach Theresienstadt geplant, aber nach Bergen-Belsen umgeleitet wurde, wo zumindest eine sehr geringe Überlebenschance bestand. Doch sie war in dem Transport vom 7.9.1943 nach Auschwitz. Offenbar wurde sie nach der Ankunft sofort "selektiert" und in die Gaskammer geschickt. Als offizielles Todesdatum gilt für Herta Mannheimer der 10.9.1943.

 

Heute erinnert an Herta Mannheimer in Heidingsfeld ein Stolperstein vor ihrem ehemaligen Wohnhaus Kirchgasse 12 und in den 60er Jahren wurde eine Straße nach ihr benannt (Herta-Mannheimer-Weg).

 

Quelle: Würzburg Wiki; Bundesarchiv Gedenkbuch; Stolpersteine Würzburg; Familie Tenhumberg; YAD VASHEM; "Der Weg Zeitschrift für Fragen des Judentums", Biographisches Handbuch Würzburger Juden


Kostenlose Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!