Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Váva Schön

 

Váva Schön war Krankenschwester im Ghetto Theresienstadt und arbeitete dort mit Ruth Ehrmann zusammen. Bis jetzt fehlen genauere Daten.


 

Bertha Schönfeld

 

Bertha Schönfeld wurde 1883 geboren. Nach ihrer Ausbildung als Krankenschwester übernahm sie Privatpflegen in Straßburg. Im I. Weltkrieg arbeitete sie in einem Lazarett in Frankfurt/M. Später wurde sie Operationsschwester im dortigen jüdischen Krankenhaus. Bertha Schönfeldt nahm sich angesichts der drohenden Deportation das Leben.


 

Magdalena Scholl, geborene Müller

 

Hans und Sophie Scholl sind durch die Widerstandsgruppe "Weiße Rose" ein feststehender Begriff. Es ist aber weitgehendst unbekannt, dass ihre leidgeprüfte Mutter, die ihre Familie in jeder Beziehung unterstützte, auch in ihrem Widerstand, von Beruf Krankenschwester war.

 

Magdalena Müller wurde am 5.5.1881 in Künzelsau als Tochter des Schuhmachermeisters Friedrich Müller und seiner Ehefrau Sophie, geb. Hofmann, geboren. Sie schloss sich der evangelischen Glaubens-, Lebens- und Dienstgemeinschaft an und trat am 6.8.1904 als Diakonisse der damaligen Diakonissenanstalt in Schwäbisch Hall bei. Dort absolvierte sie die Krankenpflegeausbildung. Am 18.7.1909 wurde sie eingesegnet.

 

Schwester Lina (Lisa oder Magdalena) Müller war von 1905 bis 1914 vor allem in der Gemeindekrankenpflege, unter anderem in Frankenbach, Ulm-Söflingen und Merklingen, tätig. Im I. Weltkrieg arbeitete sie zunächst in Hochdorf, ab Januar 1915 im Ludwigsburger Lazarett in der Verwundetenpflege. Sie meldete sich freiwillig für die Pflege von Typhuskranken und wurde dafür mit der Militärverdienstmedaille geehrt. In diesem Lazarett lernte sie den Juristen Robert Scholl (geboren 1891, gestorben 1973) kennen, der im I. Weltkrieg als Infanterist und Sanitätssoldat diente. Wegen zivilen Ungehorsams musste er im selben Lazarett, in dem Schwester Lina wirkte, eine Strafe abarbeiten. Sie heirateten am 23.11.1916 in Geißelhardt-Steinbrück.

 

Zuvor war Magdalena Scholl am 20.10.1916 als Diakonisse aus dem Haller Mutterhaus ausgetreten. Das Ehepaar bekam sechs Kinder, Inge (geboren 1917; gestorben 1998), Hans (geboren 1918, ermordet 1943), Elisabeth (geboren 1920), Sophie (geboren 1921, ermordet 1943), Werner (geboren 1922, seit Mai 1944 in Rußland vermisst) und Thilde (geboren 1925; gestorben 1926). Im Jahr 1932 zog die Familie nach Ulm, wo Robert Scholl eine Kanzlei als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater betrieb. Magdalena und Robert Scholl mit ihrer liberalen, christlichen, demokratischen Haltung standen den Nazis von Anfang an ablehnend gegenüber. Für die Eltern, die ihre Kinder freiheitlich erzogen hatten, musste es wie ein Schock wirken, als diese sich anfangs für den Nationalsozialismus begeisterten.

 

Als ihre Kinder sich mehr und mehr vom Nationalsozialismus abwandten und zum Widerstand (Informationen zur "Weißen Rose" beim DHM) übergingen, hatte die Mutter schon durch ihren Mann eine Belastungsprobe hinzunehmen. Im August 1942 wurde Robert Scholl wegen "Heimtücke" der Prozess gemacht. Eine Denunziantin bezeugte vor Gericht, dass Robert Scholl gesagt haben soll, dass Hitler die größte Gottesgeißel der Menschheit sei. Er wurde zu vier Monaten Haft verurteilt und erhielt Berufsverbot. Der nächste Schock kam mit der Verhaftung, Prozess und Hinrichtung ihrer Kinder Sophie und Hans und deren Freunden. Was typisch für das Leben und Einstellung von Magdalena Scholl ist, dass sie mit ihrem Mann und Sohn Werner nicht nur in ihrem Gnadengesuch um das Leben ihrer Kinder baten, sondern auch um Christoph Probst.

 

Gnadengesuch der Eltern Scholl (Quelle: BArch, ZC 13267/Bd.12) '' ----

 

''München, den 22. Februar 1943 Betrifft:

 

Gnadengesuch für Hans und Sofie Scholl und Christoph Probst. An den Volksgerichtshof z.Zt. München 35


Wir, die Eltern, der beiden zum Tode Verurteilten Geschwister Scholl kamen heute hierher, um unsere beiden Kinder zu besuchen. Zu unserem Entsetzen erfuhren wir, dass bereits die Verhandlung gegen unsere Kinder vor dem Volksgerichtshof stattfand. Wir bitten, die so schwere Strafe in eine Freiheitsstrafe umzuwandeln. Dadurch ist unsern Kindern und dem anderen Angeklagten doch noch die Möglichkeit geboten, sich in Zukunft als nützliche Glieder der Volksgemeinschaft zu erweisen. Bei unseren Kindern handelt es sich um arglose Idealisten, die noch nie in ihrem Leben irgend jemand etwas Unrechtes zugefügt haben. Sowohl in der Schule waren sie als beste Schüler immer wohl gelitten und auch nachher haben sie überall ihre Pflicht erfüllt. Was das jetzige Unglück über sie herbeigeführt hat, ist allein der Umstand, dass sie weltanschaulich andere Ideale hegten, als es heute gut ist. Die Erregung meiner Kinder ist vielleicht auch dadurch etwas verständlich, dass der Bräutigam unserer Tochter Sophie als aktiver Hauptmann in Stalingrad lag. Wir bitten doch zu berücksichtigen, dass es sich bei den Verurteilten noch um blutjunge Menschen ohne Lebenserfahrung handelt. Unsere Familie hatte innerhalb der letzten Jahre schwere Schicksalsschläge durchzumachen. Der Ernährer der Familie kam wegen einer unbedachten, unter vier Augen einer vertrauten Angestellten gegenüber, gemachten Äusserung vor das Sondergericht. Daraufhin wurde ihm dann die Zulassung zu seinem Beruf entzogen und dadurch die Existenzgrundlage für die ganze Familie genommen. Da die Familie unter sich sehr verbunden ist, liessen sich die Geschwister Scholl in eine Erbitterung hineinsteigern, die wahrscheinlich das Motiv ihrer jetzigen Verfehlungen bildetete. Unserem Sohn Hans hat während seiner aktiven Militärdienstzeit sein Schwadronchef H. Rittmeister Skubin in Stuttgart-Cannstadt das Zeugnis ausgestellt, er sei der beste Soldat seiner Schwadron. Unser jüngster Sohn Werner liegt als Gefreiter im Mittelabschnitt der Ostfront. Er kam vorgestrigen Samstag überraschend zu einem dreiwöchigen Heimaturlaub nach Hause. Auch für ihn ist es furchtbar, was er jetzt über seine beiden so geliebten Geschwister heute erfahren musste. Er war auch bei der Gerichtsverhandlung zugegen und schliesst sich als Frontsoldat gleichfalls dem Gnadengesuch an. Durch eine Begnadigung wäre unserem Sohn Hans die Möglichkeit geboten, sich freiwillig an die Ostfront zu melden. Er stand während des Westfeldzugs im Jahre 1940 an der Seite des Obersten SA-Arztes von Deutschland im Felde. Dieser war begeistert von ihm, und nannte ihn nur seinen "Schatten". Soviel wir wissen, steht er auch heute noch mit ihm im Briefwechsel. Seine militärische Führung, sowie seine militärische Qualifikation seiner jeweiligen Dienstvorgesetzten sind ein Beweis dafür, dass er seine ganze Person einsetzte, um sich als echt Deutscher zu erweisen und dies auch in Zukunft stets tun würde. Gleichzeitig bitten wir um eine Sprecherlaubnis für unsere beiden Kinder Hans und Sofie Scholl. Robert Scholl Vater Lisa Scholl Mutter Werner Scholl Bruder u. Gefr. der Einheit Feldpostnummer: 32 063.'' ----''

 

Nach der Ermordung ihrer Kinder kam die Familie Scholl im Rahmen der Sippenhaft für sechs Monate in "Schutzhaft". Lediglich Sohn Werner blieb verschont, der an der Front für "Hitler und Vaterland" kämpfen durfte. Tochter Elisabeth wurde zwar vorzeitig entlassen, litt aber nun unter Isolation, Demütigungen, Beleidigungen und Feindschaft durch Ulmer Bürger. Robert Scholl wurde dann noch unter dem Vorwand von angeblichen "Rundfunkverbrechen" festgesetzt. Am 8.10.1943 titelte das "Ulmer Sturm / Tagblatt": "Wie lange noch Scholl ? - eine berechtigte Frage". Die Hass- und Hetztiraden der Nazis machten vor der restlichen Familie keinen Halt. Robert Scholl wurde als "zersetzendes Vorbild für die Familie" bezeichnet. Den Familienmitgliedern wurde unverhohlen gedroht: "Wir sind mit den Juden fertig geworden, wir werden auch mit den Scholls fertig".

 

Im Juni 1944 zog Magdalena Scholl mit ihren beiden Töchtern in den Schwarzwald nach Ewattingen. Im November gleichen Jahres kam ihr Mann aus der Haft und stieß zu ihnen. Die Freude über das Wiedersehen war getrübt. Vom jüngsten Sohn Werner blieben die Lebenszeichen aus.

 

Nach Kriegsende folgte sie ihrem Mann nach Ulm, in die Stadt, die ihr kurz zuvor so übel mitgespielt hatte. Robert Scholl wurde im Juni 1945 Oberbürgermeister von Ulm. 1948 musste er das Amt wieder abgeben aufgrund seiner prinzipiell demokratischen Toleranz, auch gegenüber ehemaligen Nazis. Ihm wurde verübelt, dass er kleine Nazi-Mitläufer lieber reintegrieren wollte anstatt Rache.

 

Nach Ansicht besonders der Herausgeber der Schwäbischen Donau-Zeitung beließ er zuviele Nationalsozialisten in ihren Stellungen. Robert Scholl hatte sich nicht vom Naziregime in die Kniee zwingen lassen und lehnte es nun genauso ab, Denunziantentum zu fördern oder sich von irgendeiner Partei zur Marionette machen zu lassen. Das verschaffte ihm Feinde und seine politischen Gegner benutzten besonders die Schwäbische Donau-Zeitung, um Stimmung gegen ihn zu machen.

 

1952 gründete er mit Gustav Heinemann und Pastor Martin Niemöller die Gesamtdeutsche Volkspartei (GVP). Diese Partei war in der damaligen BRD aus der Ablehnung der Wiederbewaffnung und Anbindung an die Westmächte entstanden.

 

Magdalena Scholl versuchte nach dem 2. Weltkrieg in der ausgebombten Stadt Ulm die schlimmste Not zu lindern. Sie sammelte Geld und Nahrung für die Hungernden und half den Flüchtlingen bei der Unterbringung, Versorgung und Suche nach Arbeit. Sie wurde Schirmherrin der Hoover-Schülerspeisung.

 

Nebenbei unterstützte sie ihre Tochter Inge beim Aufbau der Ulmer Volkshochschule. Magdalena Scholl stützte ihre Familie, blieb stets ihrer Haltung treu, ertrug, ohne zu verbittern. Ihre Tochter Inge Aicher-Scholl beschrieb sie mit dem Satz: "Sie hatte die Kraft, eine Mauer von Liebe zu bauen, die unzerstörbar war."

 

Am 31.3.1958 schloss Magdalena Scholl für immer die Augen.

 

Quelle: Dr. Heike Krause, Archiv des Ev. Diakoniewerks Schwäbisch Hall (Diakoniewerk Schwäbisch Hall)


 

Carl Schrade

 

Das KZ Flossenbürg entstand 1938 am Rande eines Dorfes in der Oberpfalz. Die ersten Häftlinge kamen aus den KZ´s Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald, wo sie in dem Steinbruch des Ortes Granit abbauen mussten. Die grünen Dreiecke auf ihren Jacken wiesen die ersten Gefangenen als "Kriminelle" aus, also Mörder, Betrüger, Diebe oder "Asoziale". Einer von ihnen war Carl Schrade.

 

Der schweizerisch-deutsche Händler von Industriediamanten war 1934 verhaftet worden wegen kleinerer Delikt (Hehlerei, Diebstahl). Nach der Verbüßung seiner Haftstrafe wurde er ohne Verhandlung in ein Konzentrationslager eingewiesen, weil er abfällige Bemerkungen über den Nationalsozialismus getan hatte. Als zusätzliche Demütigung stuften ihn die Nazis als "asozialen", nicht als politischen Häftling ein.

 

Im KZ Flossenbürg arbeitete Carl Schrade zunächst im Steinbruch und Straßenbau. Nachdem ausländische "politische" Häftlinge in Flossenbürg interniert wurden, machte die SS die deutschen "kriminellen" Gefangenen zu Blockführern und Kapos. So kam Schrade für einige Monate ins Krankenrevier, in die Schreibstube, wurde Blockführer und verwaltete schließlich die letzten neun Monate das Krankenrevier als Kapo. Der Ausdruck Kapo war für die SS die Abkürzung für "Kameradenpolizei". Es waren Gefangene, die die Mitgefangenen beaufsichtigten. Sie selber mussten in der Regel nicht arbeiten, bekamen ausreichend Verpflegung und Vergünstigungen. Derart privilegiert ließen sich viele Häftlinge korrumpieren. Eigentlich Opfer wurden die Kapos häufig zu außergewöhnlich sadistischen Tätern. Gegen viele Kapos richtete sich nach der Befreiung der KZ´s der Hass der von ihnen misshandelten Mitgefangenen. Etliche wurden gelyncht, viele mussten sich später für ihre Verbrechen vor Gerichten verantworten.

 

Auch Carl Schrade stand 1945 vor Gericht: als Zeuge. Bei ihm hatte das Kalkül der SS nicht gefruchtet. Er sagte vor den Amerikanern über die SS und Kapos aus:

 

"Sie taten alles, was in ihrer Macht stand, um die Befehle ihrer Führer umzusetzen und die Gefangenen so brutal wie möglich zu behandeln; sie waren dafür verantwortlich, dass man den Gefangenen in den Magen trat, mit harten Gegenständen auf den Kopf schlug und auf andere Weise brutal mit ihnen umging..."

 

Carl Schrade versuchte sich so schnell und so gründlich wie möglich die fehlenden pflegerischen Kenntnisse anzueignen. Unter seiner Leitung versuchten Häftlingspfleger, Wärter, Ärzte das Unwesen von dem psychopathischen Arzt Schmitz zu bremsen und auszugleichen. Kranke, von Schmitz weggeschickt, wurden heimlich doch aufgenommen, Daten verändert oder gefälscht, die Konzentration des Tuberkulin verdünnt.

 

Und Schrade führte genauestens Buch über die Häftlinge, die Schmitz umgebracht hatte. Schrade wusste um die begrenzten Mittel, die er für die Pflege seiner Patienten besaß. Und er erkannte, dass das größte Gift für die Kranken die Selbstaufgabe war. Heiligabend 1944 erhängte die SS sechs russische Häftlinge, die versucht hatten, zu fliehen. Die anderen Gefangenen mussten der Hinrichtung beiwohnen. Das Bild der Gehängten am Galgen vor dem hell erleuchteten Weihnachtsbaum ließ keinen der Überlebenden mehr los. Carl Schrade setzte dagegen, organisierte hinterm Rücken der SS im Krankenrevier ein Konzert mit tschechischen Musikern. Später sagte ein Überlebender:

"Das gab uns viel Optimismus, denn wir haben gespürt, dass wir doch imstande sind zu überleben und dass der Krieg zu Ende geht."

 

Am 16.4.1945 erging der Befehl im Konzentrationslager Flossenbürg: "Alle Juden raus! Alle Juden antreten!" Etwa 1600 Juden wurden aus ihren Baracken gejagt und auf dem Appellplatz zusammengetrieben, wenige Tage vor der Befreiung. Das amerikanische Geschützfeuer war bereits deutlich zu hören und amerikanische Flugzeuge am Himmel zu sehen. Unter Bewachung wurden die jüdischen Häftlinge aus dem Lager eskortiert. Tragischerweise geriet der Zug unter Beschuss dieser amerikanischen Flugzeuge. Etliche Häftlinge starben. Im Keller des KZ´s zwischen den Heizungsrohren unter der Wäscherei steckte ein polnischer Jude. Schrade und seinem Freund, dem Häftlingsschreiber Milos Kucera, gelang es, dieses Versteck für den fünfzehnjährigen Jungen zu organisieren. Doch die SS kam noch einmal wieder. Der Junge Jakub Szabmacher, nun einziger Jude im Lager, war nicht außer Gefahr. Carl Schrade wies den russischen Krankenpfleger Vladimir an, auf Jakubs Häftlingsjacke das "J" durch ein "R" zu ersetzen, das Identitätsmerkmal, was er aus der Jacke eines toten russischen Patienten geschnitten hatte. Danach versteckte er den Jungen auf der Typhusstation.

 

Am 20.4.1945 wurde das KZ Flossenbürg "evakuiert". "Keiner der Insassen darf dem Feind lebend in die Hände fallen" lautete der Befehl Heinrich Himmlers (Reichsführer-SS, Reichsinnenminister). Für die Häftlinge begann der Todesmarsch zum KZ Dachau. Zurück blieben etwa 1600 marschunfähige Patienten, Häftlingsärzte und -pfleger im Krankenrevier, unter ihnen der immer noch von Schrade versteckte Jakub.

 

Carl Schrade genoss nicht seine Privilegien als Kapo. Er ließ sich nicht wie so viele Andere entmenschlichen und diente nicht der SS als willfähriges Werkzeug. Schnellstens eignete er sich in Flossenbürg medizinische und pflegerische Kenntnisse an. Er half bei der Rettung eines fünfzehnjährigen Jungen. Wer das Leben eines einzigen Menschen rettet - rettet die ganze Welt! Immer wieder begab er sich selber in Gefahr, um seinen Mitgefangenen beizustehen. Als die SS alle schriftlichen Dokumente vernichtete, verbarg Schrade die Todeslisten des Reviers im Kohlenkasten. Später dienten sie nicht nur als Beweismittel, sondern halfen auch bei der Identifizierung der Opfer, um ihnen mit ihrem Namen auch ein Stück ihrer Würde, ihrer Identität wieder zu geben. Viele Gründe, warum der berufsfremde Diamantenhändler auf der Liste der "Gerechten der Pflege" nicht fehlen darf.

 

Und er selbst bewies, dass ihm der Titel zusteht. Der Bericht vom Oberstleutnant der Infanterie W.I.Russel von der 90. Division der 3. US Army vom 24.4.1945:

"Es gibt 1600 Gefangene im Lager, 20 als ´kriminell´ verbuchte Gefangene, die ihre Strafen abgesessen haben, und fünf ´aus religiösen Gründen´ festgesetzte. Diese Gefangenen sind Staatsbürger verschiedener Staaten, die Deutschland besetzt hatte. Sie haben gemeinsam eine Kommission gebildet, der ein Schweizer, Carl Schrade, vorsteht, und die jede Nationalitätengruppe vertritt ...  Die gesundheitliche Verfassung der Gefangenen ist schlecht. Sie leiden alle an Unterernährung. Es gibt 186 Typhusfälle, 98 Fälle von Tuberkulose, die Bettruhe einhalten müssen, zwei Fälle von Diphtherie, zwei Fälle von Scharlach und verschiedene andere ansteckende Krankheiten. Das ganze Lager befindet sich in erbärmlichen Zustand ..."

 

Und der Arzt Hauptmann Lawrence Salter berichtete Ende April:

"Als ich dort ankam, befand sich das Lager im Chaos..... und alle rannten im Lager herum, taten nichts anderes als sterben........ manche der Gefangenen waren halb totgeschlagen, hatten keine Haut mehr am Hintern vor lauter Schlägen, und viele von ihnen hatten Typhus, verhungerten und waren unterernährt ..."

 

Die amerikanischen Soldaten waren entsetzt: Unerträglicher Gestank verbrannten Fleisches, überall Leichen und Leichenteile, gelbliche Gesichter von ausgemergelten Gestalten, unfähig zum Laufen, die sich kriechend fortbewegten - Gerüche und Bilder, die sich tief in den Köpfen der Befreier eingruben. Und die befreiten Häftlinge hatten noch immer Angst: Dass die SS zurückkommen könnte und sie dann umgebracht werden, so, wie es gerüchteweise ihnen zugetragen wurde.

 

Carl Schrade war frei. Endlich, nach elf Jahren Haft in deutschen Konzentrationslagern war er frei, konnte gehen: Weg vom Elend, weg vom Sterben, was noch Wochen nach der Befreiung durch die Folgen der Lagerhaft unvermindert weiterging, weg vom Dreck, weg von der Ansteckungsgefahr mit den herrschenden Infektionskrankheiten, weg von der SS-Gefahr - zurück ins Leben.

 

Und Carl Schrade - blieb. Kämpfte weiter um das Leben der Leidensgenossen. Weigerte sich, das Lager zu verlassen, bevor nicht alle Kranken in Sicherheit waren. Als der letzte französische Insasse am 27.5.1945 das KZ verließ, schrieb er:

 

"Wir hoffen, dass möglichst bald alle aus Flossenbürg weggehen können, sodass unser Freund und guter Kamerad Carl Schrade, der aus Gewissensgründen darauf besteht, als letzter das Lager zu verlassen, sich uns bald wieder in Paris anschließen kann."

 

Im Juni 1945 konnte dann auch Carl Schrade in die Freiheit fahren. Die Pflege wurde um eine beeindruckende Persönlichkeit ärmer: ein Pfleger wider Willen - ein Häftling mit dem grünen Winkel - ein Händler für Industriediamanten. Sein Schaffen als Krankenpfleger in Flossenbürg strahlte in diesen düsteren Zeiten heller und glänzender als jeder Diamant. Carl Schrade war durch seine Haftzeit stark gesundheitlich angegriffen, kam nie wieder so richtig auf die Beine. Worunter er aber am meisten litt, dass er nie rehabilitiert, nicht als politischer Häftling anerkannt wurde.
 

Quellen: unter anderem „Elf Jahre“, ISBN: 978-3-8353-1398-9


 

Maria Irena "Hanka" Schultz - Hibner

 

Maria Irena Schultz - Hibner wurde am 25.3.1926 in Warschau geboren. Sie gehörte zur Armia Krajowa und arbeitete während des Warschauer Aufstandes als Sanitäterin und Krankenpflegerin im Krankenhaus am Luftwaffenstützpunkt „Luzyce“ mit Anna Dyrlacz. Informationen zu ihrem weiteren Leben fehlen bisher.

 

Quelle: Encyklopedia Medyków Powstania Warszawskiego


 

Schwester Maria Augustina oder Maria Catharina Clara Schumacher

 

Maria Katharina Clara Schumacher wurde am 23.4.1887 in Pfaffendorf bei Koblenz als Ältestes von acht Kindern geboren. Nach der Schulzeit absolvierte sie eine kaufmännische Lehre und arbeitete mehrere Jahre in einem Tuchgeschäft. 1909 trat sie als Novizin in das Kloster der Heilig-Geist-Schwestern in Koblenz ein. Wegen einer Lungenerkrankung musste sie 1913 das Kloster wieder verlassen. Nach ihrer Genesung trat sie dem Dritten Orden des heiligen Franziskus bei. In der Nachkriegszeit des I. Weltkrieges war sie in der Haus- und Armenpflege und der Familienbetreuung tätig. 1920 eröffnete sie mit drei Schwestern in Koblenz ein Heim für Hilfsbedürftige. Daraus entstand ein Jahr später der "Hauspflege- und Hilfsverein Koblenz-Ehrenbreitstein", aus dem sich unter ihrer Leitung 1923 die "Vereinigung der Caritasschwestern vom Dritten Orden des heiligen Franziskus" entwickelte.

 

Im August 1923 reiste Schwester Augustina mit einer Schwester auf Bitten des Bonifatius-Werkes von Koblenz nach Sachsen. In Dresden errichtete die rührige Ordensschwester ein Waisen- und Ledigenheim. In Goppeln wurde 1927 ein Mutterhaus eingeweiht. Ein Jahr später erlangte die neue Schwesterngemeinschaft "Nazarethschwestern von der Familiencaritas" die kirchenrechtliche Anerkennung, als dessen Oberin Schwester Maria Augustina benannt wurde. Die inzwischen 33 Ordensschwestern und 13 Postulantinnen betreuten Familien bei Erkrankung der Mutter, nahmen Säuglinge und Kleinkinder auf und pflegten Alte und Sterbende.

 

Im Nationalsozialismus bekamen die Schwestern Schwierigkeiten, weil die Nazis ihren Alleinanspruch auf die Kindererziehung erhoben. Die drohende Schließung des Säuglings- und Kinderheims unterblieb aber, da der sächsische Gauleiter für die Kinder keine anderweitige Unterbringung fand und die Finanzierung des Kinderheimes in Eigenregie den "kinderfreundlichen" Machthabern zuviel war.

 

Das Kriegsende traf den Orden hart. Die Bombenangriffe auf Dresden vom 13. zum 14. Februar 1945 kosteten sechs Nazareth-Schwestern das Leben, Einrichtungen wurden zerstört, das Kinderheim musste evakuiert werden. Am 8.5.1945, dem Tag der Kapitulation, saß Schwester Maria Augustina an der Pforte des Klosters, als ein betrunkener russischer Soldat mit Maschinenpistole eindrang. Sie wollte die Mitschwestern vor ihm warnen. Der Betrunkene feuerte auf die Ordensfrau, die vor dem Eingang des Refektoriums bluüberströmt zusammenbrach. Ein polnischer Zwangsarbeiter, zufällig in der Nähe, hörte die Schüsse und überwältigte den Täter, sodass keine weitere Schwester verletzt wurde. Schwester Maria Augustina, die das Ende der braunen Diktatur herbeigesehnt hatte, erlebte nicht mehr die Befreiung.

 

Quellen: Bistum Dresden-Meissen


 

Malvina Schwartz, geb. Katzenbaum

 

Malvina Schwartz, geb. Katzenbaum wurde am 11.11.1901 in Satu Mare geboren. Vermutlich hielt sich die jüdische Krankenpflegerin als Flüchtling in Belgien auf. 1943 war sie im Sammellager Mechelen inhaftiert. Die Nazis hatten sie als staatenlos erklärt. Ihr Name stand auf der Deportationsliste von Mechelen nach Auschwitz mit dem Transport XX vom 19.4.1943. Das war der Zug, den drei junge Männer, Youra Livchitz, Jean Franklemon und Robert Maistriau, mit ungeheuerem Mut und Dreistigkeit stoppten, um Deportierten die Flucht zu ermöglichen. Ob sie die Chance zur Flucht hatte, ob sie in Auschwitz ankam, ist ungewiss.

 

Quelle: Deportationsliste XX Mechelen - Auschwitz


 

Berta Schweitzer

 

Die jüdische Krankenschwester wurde am 1.9.1910 in Karlsruhe geboren. Sie hatte eine Tochter namens Maria Hilda Rosa, geboren 31.8.1939, mit der sie in Karlsruhe in der Gerwigstraße 47 lebte. Am 1.3.1943 wurde sie mit ihrer dreijährigen Tochter nach Theresienstadt deportiert, später nach Auschwitz, wo Beide als "verschollen" gelten.

 

Quellen: Gedenkbuch für die Karlsruher Juden

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