Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Henriette Zander, geb. Baum

 

Henriette Zander wurde am 18.4.1901 in Dortmund geboren. Die Krankenpflegerin oder Krankenschwester wohnte in Wuppertal. Über ihren Ehemann existieren keinerlei Informationen. Sie wurde am 22.4.1942 von Düsseldorf nach Izbica deportiert und galt als verschollen. Am 8.5.1945 wurde Henriette Zander für tot erklärt.

 

Quellen: VAD VASHEM; Gedenkbuch Wuppertal; Das Bundesarchiv Gedenkbuch


 

Sonja Zaydman

 

Die Krankenschwester wurde am 1.10.1910 geboren. Andere Lebensdaten fehlen. Bekannt ist nur, dass die Jüdin bei den Internationalen Brigaden kämpfte.

 

Quelle: Martin Sugarman, AJEX - Jewish Military Museum


 

Friedrich Zehentner

 

Im April 1941 sollten circa 70 Kinder mit geistiger Behinderung aus Schernberg "verlegt" werden. Sr. Anna Bertha Königsegg wurde erneut verhaftet, weil sie gegen die Deportation protestierte. Am 21.4.1941 weigerte sich der Schernberger Pfleger Friedrich Zehentner, in irgendeiner Form beim Abtransport der Kinder dem T4-Pflegepersonal behilflich zu sein. Bewusst hielt er sich danach nicht an das Schweigegebot der Nazis und erzählte später öffentlich über die Deportation der Kinder in die Vernichtungsanstalt Hartheim. Er war sich seiner Gefährdung bewusst, musste aber dieses Verbrechen bekannt machen. Die braunen Machthaber reagierten auf diese für sie unerhörte Provokation mit aller Härte.

 

Friedrich Zehentner wurde verhaftet und nach dem Heimtückegesetz wegen Verbreitung angeblicher unwahrer Gerüchte zu sechs Monaten Haft verurteilt. In der Haft erlitt er schwere gesundheitliche Schäden.

 

Quellen: Wolfgang Neugebauer: "Unser Gewissen verbietet uns, in dieser Aktion mitzuwirken." - Der NS-Massenmord an geistig und körperlich Behinderten und der Widerstand der Sr. Anna Bertha Königsegg, Vortrag anläßlich einer Gedenkveranstaltung für Sr. Anna Bertha Königsegg, Schloß Goldegg, 12.11.1998


 

Johanna Ziegelroth, geborene Oppenheimer

 

Johanna Ziegelroth wurde am 19.5.1864 in Heiligenstadt geboren. Die Krankenschwester war die Schwester des Gemeindearztes der jüdischen Gemeinde Halle Sanitätsrat Dr. Gustav Oppenheimer. Sie arbeitete in Halle und unterstützte ihren Bruder bei seinem sozialen Engagement. Er hatte das Kinderferienheim in der Dölauer Heide gegründet, in dem Kinder aus finanziell schwachen Familien ihre Ferien verbringen konnten. Sie leitete die Kinder-Ferienkolonie während der Ferienzeit.

 

Johanna Ziegelroth wurde später gezwungen, ihre Wohnung zu verlassen und in ein sogenanntes Judenhaus zu ziehen. Am 19.5.1941 wurde sie in das jüdische Altersheim eingewiesen, was als Sammelstelle für Deportationen umfunktioniert war. Am 19.9.1942 wurde sie zusammen mit ihrer Schwägerin Emilie Oppenheimer geb. Wahl nach Leipzig gebracht, einen Tag später mit dem Transport Leipzig XVI/1 am 20.9.1942 nach Theresienstadt deportiert. Trotz ihres Alters arbeitete sie mit in der Pflege. Am 22.1.1943 starb Johanna Ziegelroth im „Ghetto“ Theresienstadt.

 

Quelle: Gedenkbuch Halle; Stolpersteine Halle


 

Lina Zimmermann

 

Die Österreicherin wurde am 9.11.1897 in Übersaxen geboren. Sie war Krankenschwester. Es existieren von ihr keine weiteren Daten oder Informationen, außer dass sie in Gestapohaft wegen "wehrkraftzersetzender Äußerungen" war.

 

Quelle: Johann-August-Malin-Gesellschaft / Historischer Verein für Vorarlberg


 

Sabine Zlatin, geb. Chwast

 

Sabine Chwast, Spitzname Yanka, wurde am 13.1.1907 als jüngstes von zwölf Kindern in Warschau (Polen) geboren. Von ihren Eltern ist nur bekannt, dass ihr Vater Architekt war. 1920 zog die Familie nach Frankreich. Sabine studierte in Nancy Kunst und lernte dort Miron Zlatin, kennen, der aus Russland stammte und Agrarwissenschaften studierte. Sie heirateten am 31.7.1927 und kauften zwei Jahre später einen Bauernhof in Nordfrankreich. 1939 wurden sie in Frankreich eingebürgert.

 

Als der Krieg ausbrach, absolvierte Sabine Zlatin eine Ausbildung zur Militär-Rotkreuzschwester. Anschließend arbeitete sie bis 1941 in einem Militärhospital in Montpellier. Dann wurde ihr als Jüdin aus rassischen Gründen gekündigt.

Sie begann nun für das OSE (Abkürzung für Oeuvre de Secours aux Enfants, jüdisches Kinderhilfswerk) zu arbeiten und betreute Kinder in den Internierungslagern d´Agde, Rivesaltes und Gurs. Kleine Kinder durfte sie manchmal aus den Lagern mitnehmen, sie schmuggelte aber auch Kinder unter ihrem Schwesternmantel raus.

 

Ab Frühjahr 1942 leitete sie das Sanatorium von Palavas-les-Flots. Am 16.7.1942 gab es von den deutschen Besatzern in ganz Paris eine großangelegte Razzia. An diesem einzigen Tag wurden 13.000 Juden gefangen und im Stadion "Vélodrome dHiver" interniert, um sie in Konzentrationslager zu deportieren. Sabine gelang es, ein 2jähriges Kind in ihrem Fahrradkorb versteckt in Sicherheit zu bringen. Für immer mehr Kinder musste das OSE Verstecke finden. Da bekam Sabine ein Haus im Dorf Izieu angeboten. Das Haus, versteckt am Dorfrand, lag in der italienischen Zone. Sabine und Miron zogen mit 17 aus südfranzösischen Lagern geretteten Kindern dort ein. 1943 lebten bereits 64 Kinder aus den verschiedensten Ländern in ihrem Haus.

 

Im September 1943 marschierte die Wehrmacht in der italienischen Zone ein. Sabine versuchte verzweifelt mit der OSE und Widerstandskämpfern so schnell wie möglich sichere Verstecke für ihre Zöglinge zu finden. Für so viele Kinder aussichtslos. In den Osterferien war Sabine in Montpellier, um weitere Verstecke für die Kinder zu finden. Auf der Heimfahrt erhielt sie ein Telegramm: "Familie krank. Ansteckende Krankheit." Sie wusste Bescheid und entging dem Zugriff der Gestapo.

 

Die Gestapo und Wehrmacht hatten am 6.4.1944 das Haus überfallen. Ein Kind konnte sich retten. 44 Kinder, Miron und sechs Betreuer wurden festgenommen und auf Lkw´s abtransportiert. Vergeblich versuchte Sabine in Paris und Vichy ihre Freilassung zu erreichen. Die Kinder und Betreuer wurden zum Gefängnis von Fort Montluc in Lyon gebracht und schon am nächsten Tag nach Drancy, der Verladestation zur Hölle. 42 Kinder und sechs Betreuer wurden am 13.4.1944 nach Auschwitz deportiert und bis auf eine Erzieherin sofort vergast. Miron Zlatin und zwei ältere Kinder kamen nach Tallinn (Estland) und wurden dort ermordet. Die Erzieherin, Lea Feldblum, überlebte als Einzige. Sabine schloss sich der Resistance an.

 

Nach Kriegsende war sie die Direktorin des Hotels Lutétia in Paris. Es war Anlaufstelle für Repatrianten aus den Konzentrationslagern, wo sie erst einmal die dringlichsten Hilfen wie pflegerische und medizinische Versorgung, Kleidung und Essen erhielten. Und vor allem konnten sie hier nach Angehörigen suchen. Ein Heimkehrer musste Sabines Hoffnung zerstören, dass Miron und die Jungen jemals zurückkommen.

 

Nach Schließung des Hotels Lutétia im September 1945 kehrte sie in ihren Beruf als Malerin zurück. Zeit ihres Lebens setzte sie sich für das Gedenken an "die Kinder von Izieu" ein. Es muss für sie und Lea Feldblum eine Genugtuung gewesen sein, als endlich der Kriegsverbrecher Klaus Barbie 1983 an Frankreich ausgeliefert wurde und ihm der Prozess gemacht werden konnte. Er war unter anderem auch für den Überfall in Izieu und Deportation verantwortlich. Sabine und Lea sagten als Zeugen gegen ihn aus.

 

Es war besonders Sabines Verdienst, dass im April 1994 das Haus der Kinderkolonie in Izieu zur Gedenkstätte wurde. Die Gedenkstätte wurde vom Staatspräsidenten François Mitterrand eingeweiht. Sabine Zlatin starb am 21.9.1996 in Paris.

 

Quellen: Wikipedia; Maison d´Izieu; ajpn


 

 

 

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