Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Helena (Helene) Roberg

 

Die Krankenschwester Helena Roberg wurde am 6.6.1908 in Berlichingen geboren. Sie war die Schwester der Lehrer Julius und Alexander Roberg in Würzburg. Bis 1939 lebte sie in  Berlichingen und Schwäbisch Hall. Dann emigrierte sie alleine in die Niederlande und galt dadurch als staatenlos. Zuletzt wohnte sie in der Sarphatistraat 127 in Amsterdam. 1939 wurde sie über das Sammellager Westerbork nach Sobibor deportiert. Helena Roberg wurde 35 Jahre.

 

Quelle: Joods Monument; Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken


 

Claudine Röhnisch

 

Die Oberschwester Claudine Röhnisch wurde nach der Machtergreifung Hitlers 1933 aus politischen Gründen gemaßregelt. Schließlich wurde sie aus der Charite in Berlin entlassen. Bis 1945 hielt sie sich mit Privatpflegen und Aushilfstätigkeiten in verschiedenen Krankenhäusern über Wasser. Nach Kriegsende beteiligte sie sich am Wiederaufbau der Charite. Ab 1946 war sie dort die ständige Vertreterin der Oberin. Am 28.6.1963 wurde ihr die Florence-Nightingale-Medaille verliehen.


 

Erna Rose

 

Erna Rose wurde am 6.11.1895 in Bremen geboren. Die jüdische Krankenschwester lebte in Köln und zuletzt in Düsseldorf. Am 10.11.1941 wurde Erna Rose ab Düsseldorf nach Minsk deportiert und ermordet.

 

Quelle: YAD VASHEM; Das Bundesarchiv Gedenkbuch; Statistik des Holocaust


 

Gertrud Elisabeth Rosenberg

 

Leider gibt es zu dieser jüdischen Krankenwester wenig Informationen. Gertrud Elisabeth Rosenberg wurde am 2.2.1879 in Berlin geboren. Am 1.12.1935 zog sie nach Blankenese, 1937 nach Hamburg. Sie starb am 14.9.1938 oder 1939 in Hamburg. Die Todesumstände sind nicht bekannt.

 

Quelle: Verein zur Erforschung der Geschichte der Juden in Blankenese  


 

Helene Rosenberg, geborene Bajcz

 

Helene Bajcz wurde am 17.12.1923 in Warschau geboren. Ihr Vater hieß Itzchak Bajcz und besaß eine kleine Tuchfabrik. Im Winter stellte die Firma Pullover her, im Sommer Sportbekleidung. Er rüstete beispielsweise den jüdischen Turn- und Sportverein Makkabi in Warschau mit Trikots und Badeanzügen aus. Ihre Mutter hieß Perla und war Hausfrau. Helene hatte sieben Geschwister. Die Familie war nicht reich, hatte aber ein gutes Auskommen. Sie beschrieb ihre Kindheit bis zum Einmarsch der Deutschen 1939 als unbeschwert und glücklich. Die Familie war sehr religiös und groß. Der Vater war ein Gabbai, also der Laienvorsteher einer Synagoge, und in der Gemeinde hochgeachtet. Ihr Elternhaus war sehr gastfreundlich, sodass regelmäßig Verwandte, Freunde und Gemeindemitglieder zu Besuch kamen. Zum Freundeskreis gehörten auch Nichtjuden oder christliche Nachbarn. Einen Antisemitismus lernte Helene in ihrer Kindheit nicht kennen.

 

Nach der Schule begann Helene in einem jüdischen Krankenhaus in Warschau die Ausbildung zur Krankenschwester. Die deutschen Besetzer brannten in Warschau viele Häuser ab und die Lebensmittel wurden knapp. Dann wurden junge Leute zur Zwangsarbeit weggefangen. Helene blieb davon als Angestellte des Krankenhauses mit einer Arbeitsbescheinigung zunächst verschont.

 

1940 Jahren kaufte ihr Bruder auf dem Flohmarkt einer armen Bauersfrau, die nichts anderes hatte, ihre Geburtsurkunde ab und schenkte sie Helene, die zunächst nichts damit anzufangen wusste und sie fast vergaß. In Warschau brach kurze Zeit später eine Typhus-Epidemie aus, auch Helenes Vater starb 1941 an dieser Krankheit. Sie hatte sich ebenfalls mit Typhus angesteckt, konnte sich aber zu Hause auskurieren.

 

Die Besatzer versprachen dem völlig überforderten Krankenhaus in der Epidemie Hilfe und boten an, genesende Kranke in ein Sanatorium zu schicken, damit auch mehr Betten frei wären. Das Krankenhaus ging auf den Vorschlag ein und ein Transport mit Kranken, Pflegepersonal und Ärzten verließ das Krankenhaus zu dem versprochenen "Sanatorium". In diesem Transport waren auch nichtjüdische Patienten. Ein Krankenpfleger schaffte es, sich zu retten und zurückzukehren und erzählte, dass alle ermordet worden waren. Daraufhin ging Helene nicht mehr in das Krankenhaus.

 

Helene besaß den Mut, keinen Judenstern zu tragen. Solange das Warschauer Ghetto nicht angeriegelt war, machte sie immer wieder Hamstertouren, um die Familie mit Lebensmitteln zu versorgen. Nachdem die Lage im Ghetto immer aussichtsloser wurde, gelang es Helene, sich mit ihrer Mutter und kleinen Bruder zu ihrer Schwester durchzuschlagen, die nach Polaniec, ein kleines Dorf, geheiratet hatte. Ihre anderen Brüder blieben im Ghetto. In Polaniec war man zunächst erstmal sicher. Ihre Schwester und sie schlossen sich dort einer Gruppe an, die Ausweise fälschte. Sie wirkten echt, aber Helene war es klar, dass die Nazis die Fälschung erkennen würden. Sie wollte einen echten Ausweis. Da fiel ihr die Geburtsurkunde wieder ein und sie fuhr in eine Kleinstadt und mietete dort eine Wohnung. Sie behauptete, dass sie aus Oberschlesien käme. Auf dem dortigen Rathaus klappte ihr Plan und sie konnte mit der Geburtsurkunde wirklich einen echten Ausweis beantragen. Aus Helene war nun eine Maria Žuk geworden.

 

Mit dem echten Ausweis und ihrer Geburtsurkunde fühlte sie sich sicher. Daher willigte sie ein, als ein Nachbar später um Hilfe bat. Er benötigte jemanden, der seinem Bruder Geld nach Wieliczka i Božnia brachte, damit dieser Medizin für sein krankes Kind kaufen könne. Dort wurde sie von einem polnischen Polizisten kontrolliert. An alles hatte sie gedacht, aber in den christlichen Konfessionen kannte sie sich nicht aus. So antwortete sie dem Polizisten, sie sei römisch-katholisch, im Ausweis stand jedoch griechisch-katholisch. Er nahm ihr das Geld ab und schleppte sie zur Gestapo. Er konnte zu wenig deutsch, die Gestapo zu wenig polnisch, sodass er nicht erklären konnte, warum er sie festgenommen hatte. Die Gestapo rief im Rathaus an, dass den Ausweis ausgestellt hatte und die bestätigten die Echtheit. Maria alias Helene kam frei, aber das Geld war sie los, dass der polnische Polizist unterschlug. Immerhin hatte sie niemand genauer untersucht und nicht den in jiddsch geschriebenen Brief in ihrem BH entdeckt, der an den Bruder des Nachbarn gerichtet war. So konnte sie nur den Brief überbringen und musste sich obendrein noch Geld für die Heimfahrt geben lassen.

 

Die deutschen Besatzer drangen zu ihrem kleinen Dorf vor und verlangten, dass sich alle Juden versammeln sollten, weil man sie in eine größere Stadt bringen wollte. Den Menschen war klar, was das bedeutete. Einige junge Leute schlossen sich zusammen, um sich im Wald zu verstecken. Zuerst waren die jungen Männer nicht einverstanden, dass sich Maria alias Helene und ihre Schwester anschlossen, aber der Anführer der Gruppe setzte es durch. Mit Essensdiebstählen versuchten sie sich über Wasser zu halten, waren aber in der ständigen Gefahr, von Polen an die Deutschen für 5 Pfund Zucker verraten zu werden. Das war der Preis für den Verrat eines Menschen, 5 Pfund Zucker. Ende 1941 schickte der Anführer die beiden Frauen in die Stadt zu einer Kontaktperson, weil sie den Strapazen im Versteck nicht standhalten konnten.

 

Der Kontaktmann versuchte den Schwestern zu helfen, doch es gab keine Arbeit. Auf der Suche nach einer Arbeitsstelle waren sie mit einem Zug unterwegs, als der angehalten wurde und deutsche Polizisten alle jungen Polen aus dem Zug für Zwangsarbeit in Deutschland herausholten. Ihre Schwester kam nach Osnabrück in eine Munitionsfabrik. Helene oder Maria gab sich als Krankenschwester aus und konnte den polnischen Arzt dazu bewegen, sie als krank zu beurteilen, sodass sie nicht nach Deutschland musste.

 

Doch kurze Zeit später wurde sie wieder aufgegriffen und diesmal musste sie nach Deutschland. Zuerst kam sie zu alten Leuten auf einem Bauernhof, dann zu einem Gärtner. Dort ging es ihr relativ gut. Sie lernte sehr schnell deutsch, allerdings nur mündlich. Dann wurde sie in eine Ziegelei versetzt. Dort traf sie es schlechter. Die Arbeit war hart und die anderen polnischen Mädchen misstrauten ihr, weil sie Deutsch konnte. Sie hielten sie, auch wegen ihres Namens, für eine Deutsche, kontrollierten sogar ihre Post von der Schwester. Doch sie hatte Glück und kam nach einer Erkrankung in ein Gasthaus in Mosbach/Baden. Dort gefiel es ihr angesichts ihrer Lage und sie hoffte, dort bis Kriegsende bleiben zu können. Doch im Bezirkskrankenhaus wurden Krankenbarracken für die Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen gebaut und man entdeckte in ihren Papieren, dass sie Krankenschwester war, die einzige unter den Zwangsarbeitern.

 

Maria alias Helene musste dort ihren Dienst antreten und war nun für 30 Patienten zuständig. Bei Bombenalarmen gelang es ihr, Essen und Medikamente für ihre Patienten aus dem leeren Krankenhaus zu stehlen, da die Zwangsarbeiter nicht in den Luftschutzbunker durften, in dem deutsches Personal und Patienten Zuflucht suchten. Helene oder Maria bekam für die Zwangsarbeit, egal auf welcher Stelle, nie eine einzige Mark Lohn.

 

Nach Kriegsende hatte sie ein großes Problem, zu beweisen, dass sie Jüdin war, weshalb es zunächst nicht mit Ausreisepapieren nach Israel klappte. Sie lernte ihren Mann William Rosenberg, genannt Willi, in einem Sanatorium für Holocaust-Überlebende kennen und folgte ihm schließlich in die USA. Das Ehepaar bekam zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter. In New Haven in den USA wurde ihr drittes Kind geboren. Im Pflegeberuf arbeitete sie nicht mehr und kümmerte sich um ihre Familie. Ihre Schwester hatte überlebt, auch ein Bruder, der nach Israel ausgewandert war. Ihre anderen Brüder kamen bei dem Aufstand im Warschauer Ghetto um, die Mutter in Treblinka.

 

In den USA waren sie und ihr Mann in vielen jüdischen Organisationen aktiv. Zusammen mit der Yale University bauten sie das Fortunoff-Videoarchiv für Holocaust-Zeugnisse auf. Sie errichteten mit anderen Mitgliedern der Überlebendengemeinschaft von New Haven ein Holocaust-Mahnmal, dass 1977 eingeweiht wurde und sich an der Ecke West Park und Whalley Avenue befindet. Helene Rosenberg starb am 16.5.2020 in New Haven.

 

Quellen: Das Interview-Archiv „Zwangsarbeit 1939-1945“; Funeral Home New Haven; Yale Fortunoff Video Archive for Holocaust Testimonies; USC Shoah Foundation; New Haven Register


 

Lieselotte Rosenberg, geb. Isaac

 

Lieselotte Isaac wurde am 29.10.1920 in Berlin geboren. Ihre letzte Adresse war in Berlin Kreuzberg, Kommandantenstraße 65.

 

Die Krankenschwester Lieselotte Rosenberg wurde am 28.9.1943 mit der Transportnummer 39 mit dem 43. Osttransport Hamburg - Berlin nach Auschwitz deportiert und ermordet. Da kein Sterbedatum existiert, muss davon ausgegangen werden, dass sie in Auschwitz nicht registriert wurde und direkt nach der Ankunft umgebracht wurde.

 

Quellen: Statistik des Holocaust; YAD VASHEM; Das Bundesarchiv Gedenkbuch


 

Lawrence Rosenkrantz

 

Über Lawrence Rosenkrantz ist bisher nichts weiteres bekannt. Er arbeitete in der Pflege oder im Sanitätsdienst bei den Internationalen Brigaden (siehe dort). Lawrence Rosenkrantz stammte aus den USA.

 

Quelle: Martin Sugarman, AJEX - Jewish Military Museum


 

Herta Rosenstein, geb. Klyszcz

 

Die jüdische Krankenschwester wurde am 22.11.1903 in Beuthen geboren. Ihre Eltern waren Max und Rosa, geborene Kaufman. Herta war mit Oskar Rosenstein verheiratet. Ihre letzte bekannte Adresse war in der Bundesstraße 43 in Hamburg.

 

Am 19.7.1942 wurde sie in das Ghetto Theresienstadt, am 6.10.1944 nach Auschwitz deportiert. Dort wurde Herta Rosenstein ermordet.

 

Da es kein Sterbedatum gibt, wurde sie in Auschwitz nicht registriert. Wahrscheinlich ist deshalb der Ankunftstag auch der Todestag. Bei YAD VASHEM füllte ihre Schwester das Erinnerungsblatt für die Krankenschwester aus.

 

Quelle: YAD VASHEM


 

Sabine Rosenthal

 

Sabine Rosenthal wurde am 3.6.1889 in Colnrade in der Nähe von Vechta geboren. Sie lebte in Essen, zuletzt in Düsseldorf. Die jüdische Krankenpflegerin oder Krankenschwester wurde am 10.11.1941 ab Düsseldorf nach Minsk deportiert. Sabine Rosenthal wurde später für tot erklärt.

 

Quelle: YAD VASHEM; Das Bundesarchiv Gedenkbuch; Statistik des Holocaust


 

Nico Rost

 

Der Schriftsteller Nico Rost wurde 1896 geboren und stammte aus den Niederlanden. Als Kommunist und Widerständler war er vom 10.6.1944 bis April 1945 im KZ Dachau inhaftiert, wo er als Häftlingspfleger unter Heini Stöhr arbeitete. Am 1.8.1946 veröffentlichte er seine tagebuchähnlichen Aufzeichnungen, die er heimlich im KZ Dachau unter dem Titel „Goethe in Dachau“ auf alle greifbaren Zettel und Papiere niedergeschrieben und mit Hilfe von Heini Stöhr versteckt hatte. Nico Rost starb 1967.

 

Quelle: Nico Rost: Goethe in Dachau. Ein Tagebuch; München 2001; Hg. Wilfried F. Schoeller; aus dem niederländischen von Edith Rost-Blumberg übersetzt


 

 

 

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