Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Maryja Rotberg

 

Maryja Rotberg wurde am 12.6.1907 in Pabianice in Polen geboren. Die Krankenschwester war im SS-Sammellager Mechelen als sogenannte Staatenlose registriert und wurde mit dem Transport XXVI unter der Nummer 473 am 31.7.1944 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Dort wurde sie unter der Häflingsnummer 24126 registriert. Maryja Rotberg konnte den Holocaust überleben und kehrte durch die Repatriierung nach Belgien zurück.

 

Ich danke für die Recherche Frau Laurence Schram vom Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) in der ehemaligen Mechelner Dossinkaserne.


 

Stella Rotenberg

 

Stella Rotenberg, geborene Siegmann wurde am 27.3.1916 in Wien geboren. Ihre Eltern, Bernhard und Regine Siegmann, ermöglichten ihr und ihrem älteren Bruder Erwin den  Besuch  des  Gymnasiums. Sie gehörte der Vereinigung sozialistischer Mittelschüler an, setzte sich kritisch mit dem politischen Zeitgeschehen auseinander.

 

1938 wurden ihr Bruder, ihr späterer Mann und sie aus dem Medizinstudium an der Universität Wien als Juden zwangsexmatrikuliert. Ihr Bruder Erwin flüchtete aus Österreich über mehrere Länder nach Schweden und erhielt Asyl.  Er riet seiner Familie eindringlich, ebenfalls zu fliehen.

 

Die Situation in Österreich verschärfte sich zunehmend. Stella und ihre Eltern verloren die Firma und ihre Wohnung. Sie mussten in eine Massenunterkunft ziehen. Der Naziterror war allgegenwärtig. Stundenlang stand Stella bei Ämtern an, um ein Visum zu bekommen. Sie hoffte, ein Stipendium für Medizin in London zu erhalten oder eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis als Pflegerin in einem britischen Spital. Da bot sich die Chance, wenigstens erst einmal nach Leiden in die Niederlande zu kommen. Ein alleinstehender Mann suchte eine Hausgehilfin und nahm ihre Bewerbung an. Am 14.3.1939 konnte sie endlich Österreich verlassen.

 

Der Mann war allerdings der Meinung, ihre Situation ausnutzen zu können und wurde zudringlich. Sie verließ die Stelle und der Mann meldete es. Nun wurde sie von der Polizei als abgängig gesucht. Das Flüchtlingskomitee half ihr und sie erhielt Arbeit  als Pflegerin in einem Waisenhaus für deutsche Flüchtlingskinder. Wieder stellte sie einen Antrag für eine Arbeitsstelle in Großbritannien. Und diesmal hatte sie Glück. Stella Rotenberg erhielt eine Stelle und konnte im August 1939 mit einem Hausgehilfinnen-Visum das Schiff nach England besteigen, die Rettung quasi im letzten Augenblick.

 

In Colchester, Grafschaft  Essex, fand sie Arbeit als Pflegerin in einem Spital für psychisch Kranke und absolvierte eine Lehre als Krankenpflegerin. Später jobbte sie auch mal als Verkäuferin in einer Apotheke und als Büroangestellte. 1940 heiratete sie Wolf Rotenberg, einen ehemaligen Studienkollegen aus Wien. Nach Kriegsausbruch meldete sich ihr Mann als Freiwilliger zur Britischen Armee. Dadurch zogen sie in den Kriegsjahren ständig um zu den Orten, wo ihr Mann stationiert war. Stella Rotenberg wurde nicht bekannt als Krankenpflegerin, sondern weil sie in dieser Zeit anfing zu schreiben und sich als Schriftstellerin einen Namen machte.

 

Nach Kriegsende erfuhr sie, dass fast ihre gesamte zurückgebliebene Verwandtschaft von den Nazis ermordet worden war. Auch ihre Eltern, die damals keine Möglichkeit zur Ausreise wegen ihres Alters hatten und weil sie die zu entrichtenden Abgaben an die NS-Vermögensverkehrsstelle nicht aufbringen konnten.

 

1946 wurde Stella britische Staatsbürgerin, ihr Mann konnte sein Medizinstudium beenden. Ab 1948 lebten sie in Leeds in einer kleinen Dienstunterkunft im Spital. 1951 kam Sohn Adrian zur Welt. Es ging sehr langsam aufwärts. Und dennoch fehlte ihr ihre Sprache. Wer in dieser Zeit in England deutsch sprach, war isoliert. Sie sprach englisch, aber geschrieben hatte sie immer in deutsch, riss die Verbindung zur Muttersprache nie ab.

 

1992 erhielt sie die Buchprämie des österreichischen Bundesministeriums für Unterricht und Kunst, 1996 das österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse, 2001 den Theodor-Kramer-Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil, 2002 ein Ehrendoktorat der Universität Leeds. Sie wurde Ehrenmitglied des PEN Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland.

Am 3.7.2013 starb Stella Rotenberg in Leeds.

 

Quelle: Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938


 

Luise Rothschild

 

Luise Rothschild, auch Liesel gerufen, wurde am 3.7.1917 in Karlsruhe geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Salomon Rothschild und Fanny, geborene Traub. Sie hatte einen um drei Jahre älteren Bruder namens Max. Die Familie wohnte in der östlichen Innenstadt von Karlsruhe in der Kreuzstraße 28. Ihr Großvater Max Rothschild besaß in der Zähringerstraße 77 nahe ihrem Wohnort ein koscheres Lebensmittelgeschäft, was ihr Vater um 1912 übernahm. Er beließ es bei dem Geschäftsnamen „Max Rothschild“.

 

Salomon Rothschild arbeitete außerdem noch nebenbei als Kantor in der jüdischen Gemeinde. Ihre Mutter war nicht nur Hausfrau, sondern half auch im Geschäft. Außerdem gehörte sie dem Israelitischen Frauenwohltätigkeitsverein an, der kranke Gemeindemitglieder unterstützte.

 

Nach der Volksschule besuchte Luise die Fichte-Mädchenrealschule und schloss diese 1934 mit der Mittleren Reife ab. Sie wollte Modezeichnerin werden. Der Boykott gegen jüdische Geschäfte am 1.4.1933 brachte Umsatzeinbußen. Am 28.4.1934 starb ihr Vater und sie musste der Mutter im Geschäft helfen. Ihr Bruder emigierte nach Frankreich und später nach Palästina. Mutter und Tochter zogen in eine kleine Wohnung in der Herrenstraße 14 um, das Geschäft in kleinere Räume in die Herrenstraße 9.

 

Der Berufsstart für Luise Rothschild war also ausgesprochen schwierig. Dennoch besuchte sie 1938 die Frauenarbeitsschule und erlernte das Nähen. Die sogenannte „Reichspogromnacht“ verschärfte die Situation. Die Synagogen in Karlsruhe brannten, fast alle jüdischen Geschäfte wurden verwüstet. Der Mob machte auch keinen Halt vor ihrem Laden. Luise arbeitete nun in der großen Damenschneiderei Geschwister Traub in der Hebelstraße 23. Zum Jahresende musste diese Damenschneiderei als jüdischer Betrieb genauso schließen wie das Geschäft ihrer Familie. Sie und ihre Mutter hatten die Existenzgrundlage verloren.

 

Luise Rothschild gab nicht auf und wollte ihre Ausbildung abschließen. Sie zog 1939 nach Berlin um und besuchte dort die private Berufsfachschule für Mode, Grafik und Dekoration in der Nürnberger Straße 66. Trotz guter Leistungen brach sie die Ausbildung nach einem halben Jahr ab. Vielleicht überdachte sie zu diesem Zeitpunkt eine eventuelle Emigration. Ihre Mutter bemühte sich jedenfalls intensiv um eine Ausreise. Und die Chancen zur Emigration nach England oder Palästina waren erheblich größer mit einem pflegerischen Beruf. Am 8.10.1940 zog sie nach Neu-Isenburg in das Heim des „Israelitischen Frauenbundes“, um ein Praktikum in der Säuglingspflege zu absolvieren. Am 22.10.1940 wurde ihre Mutter nach Gurs in Frankreich deportiert. Ihr gelang es durch eine Bürgschaft von Verwandten nach einer regelrechten Odyssee über Mexiko in die USA zu gelangen.

 

Ihre Tochter arbeitete als Krankenschwester ab dem 1.9.1941 in Frankfurt a.M. im Israelitischen Krankenhaus in der Gagernstraße. Nach der Zwangsauflösung des Krankenhauses wurde Luise Rothschild am 24.9.1942 nach Raasiku bei Reval in Estland mit der zehnten Frankfurter Deportation verschleppt. Dort überlebte sie und musste Zwangsarbeit verrichten. Im Sommer 1944 wurden die Zwangsarbeiter angesichts der heranrückenden Roten Armee in das KZ Stutthof bei Danzig gebracht, wo Luise Rothschild am 23.8.1944 eintraf. Dort verlor sich ihre Spur.

 

Ihre Mutter starb verarmt in den USA am 8.2.1962. Ihr Bruder Max Rothschild war in Palästina zunächst Landarbeiter in einem Kibbuz, später Krankenkassenangestellter und Lokalpolitiker. Er heiratete und hatte vier Kinder. Er verstarb am 7.7.1994.

 

Quellen: Gedenkbuch Neu-Isenburg; Jüdische Pflegegeschichte / Jewish Nursing History; Stadtarchiv Karlsruhe


 

Hanna "Rinde" Rott-Wilson

 

Von Hanna Rott-Wilson ist lediglich bekannt, dass sie zur Armia Krajowa gehörte und während des Warschauer Aufstandes als Krankenschwester, Krankenpflegerin oder Sanitäterin im Krankenhaus am Luftwaffenstützpunkt „Luzyce“ mit Anna Dyrlacz zusammenarbeitete.

 

Quelle: Encyklopedia Medyków Powstania Warszawskiego


 

Violette Rougier-Lecoq

 

Violette Lecoq wurde am 14.8.1912 in Frankreich geboren.  Ab 1939 arbeitete sie beim Roten Kreuz als Krankenschwester und betreute in erster Linie Kriegsgefangene. Gleichzeitig gehörte sie der "Resistance" an. Durch ihre Tätigkeit konnte sie entscheidend dazu beitragen, dass 83 gefangenen französischen Soldaten die Flucht aus dem von Deutschen besetzten Gebieten gelang. Durch Verrat wurde sie 1942 verhaftet und blieb ein Jahr in Isolationshaft. Dann wurde sie am 31.10.1943 in einem Sondertransport in das KZ Ravensbrück als NN-Häftling überstellt.

 

NN bedeutete Nacht-und-Nebel-Häftling. Der Nacht-und-Nebel-Erlass war ein „Führererlass“ und  eine geheime Richtlinie zum Umgang mit des Widerstands verdächtigen Personen aus Frankreich, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden und Norwegen. Die Menschen wurden nach langer Isolationshaft in Konzentrationslager verschleppt, ohne dass sie mit ihren Angehörigen in Kontakt treten konnten. Ihr spurloses Verschwinden sollte abschreckend auf Angehörige und Freunde wirken.

 

Im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück wurde sie zur Nummer 24571. Anfangs war sie in einem Außenkommando. Da sie Krankenschwester war und deutsch sprach, wurde sie im Revier in den Block 10 versetzt. Das war der Tuberkuloseblock. Ein Teil der Baracke, von  der  SS  „Idiotenstübchen“  genannt, war mit psychisch kranken Frauen belegt. Block 10 galt als Todeszone. Wer hier eingeliefert wurde, starb bald oder wurde von den SS-Ärzten zur Ermordung selektiert. Violette wurde Zeugin zahlreicher Morde.

 

Sie hatte ein großes Talent. Sie konnte sehr gut zeichnen. Sie schaffte es, sich Papier und Bleistift zu organisieren und dokumentierte heimlich das Leben im Lager. Am 22.4.1945 durfte nach zähen Verhandlungen das Schwedische Rote Kreuz 7500 Frauen aus dem KZ evakuieren. Unter ihnen war auch Violette Lecoq und ihre Zeichnungen.

 

1946 sagte sie als Zeugin im Hamburger Ravensbrück-Prozess aus. Ihre Illustrationen wurden bei den Prozessen als Beweismittel verwendet. 1948 veröffentlichte sie eine Sammlung ihrer Zeichnungen aus dem Lager. In einigen Büchern über Ravensbrück wurden ihre Illustrationen aufgenommen. Violette wurde mit der französischen Widerstands-Medaille und dem französischen Croix de Guerre ausgezeichnet. Violette Lecoq starb am 28.9.2003 in Paris.

 

Quelle: Wikipédia; http://www.cbx41.com/article-28432330.html


 

 

 

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