Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Marianne Joachim, geb. Prager

 

Marianne Prager wurde am 5.11.1921 in Berlin geboren. Ihre Eltern waren der Bauarbeiter Georg und Jenny Prager. Nach der Realschule erlernte sie den Beruf der Kinderpflegerin im Jüdischen Kinderheim in der Berliner Gipsstraße. Lange konnte sie ihren Beruf nicht ausüben denn ab Sommer 1940 wurde sie zur Zwangsarbeit nach Rathenow verpflichtet. Anschließend musste sie Zwangsarbeit in der Fabrik Alfred Teves in Berlin-Wittenau leisten. Sie heiratete am 22.8.1941 den 1919 geborenen Heinz Joachim. Ihr Mann war als Zwangsarbeiter in der „Judenabteilung“ der Elektromotorenfabrik der Siemens-Werke. Dort lernte er Herbert Baum kennen.

 

Herbert, seine Frau Marianne und seine Freunde Martin und Sala Kochmann kannten sich bereits seit ihrer Schulzeit. Sie bildeten einen Freundeskreis, dem sich immer mehr, überwiegend jüdische Jugendliche und junge Erwachsene anschlossen. Zeitweise gehörten dem Freundeskreis 100 junge Leute an. Man traf sich und gestaltete nicht nur Freizeit, sondern diskutierte politische Themen, leistete Widerstand durch die Verbreitung von Flugblättern, unterstützte ab 1941 jüdische Zwangsarbeiter oder sie halfen jüdischen Mitbürgern beim Untertauchen. Auch die Joachims schlossen sich dem Freundeskreis an. Ihre Wohnung wurde bald ein Treffpunkt für die Gruppe um Herbert Baum.

 

Vom 8.5.1942 bis zum 21.6.1942 veranstaltete die Reichspropagandaleitung im Berliner Lustgarten die Ausstellung „Sowjet-Paradies“. Es war Propaganda der übelsten Art mit erfundenen Schauermärchen, um den Krieg gegen die Sowjetunion zu legitimieren. Der Freundeskreis um Herbert Baum verübte am 18.5.1942 einen Brandanschlag auf die Ausstellung. Eine andere Widerstandsgruppe, die von den Nazis als "Rote Kapelle" bezeichnet wurde, hatte unabhängig vom Freundeskreis Herbert Baum kurz vorher hunderte von Zetteln in Berlin geklebt mit der Aufschrift: „Ständige Ausstellung / Das NAZI-PARADIES / Krieg Hunger Lüge Gestapo / Wie lange noch?“

 

Die Baum-Gruppe wollte ein deutliches Zeichen setzen, dass es Widerstand gab. Der Brand verursachte nur geringen Sachschaden und die Ausstellung ging ungehindert weiter. Insoweit war das Ziel der Aktion verfehlt. Aber den Nazis gelang es nicht, den Brandanschlag geheim zu halten. Sogar im Ausland wurde davon berichtet. Insoweit hatte die Baum-Gruppe ihr Ziel erreicht, deutlich zu machen, dass es in Deutschland Widerstand gab. Der Preis war hoch.

 

Innerhalb nur weniger Tage wurde ein Großteil der Gruppe um Herbert Baum verhaftet. Der Verdacht liegt nahe, dass jemand sie denunzierte. 27 Mitglieder des Freundeskreis wurden hingerichtet oder in der Haft umgebracht. Mariannes Mann wurde am 18.8.1942, Marianne Joachim am 4.3.1943 in Berlin-Plötzensee ermordet.

 

Quellen: Wikipedia, Lexikon des Widerstandes 1933–1945, ISBN 3-406-43861-X, Lexikon des deutschen Widerstandes, ISBN 978-3-596-15083-0


 

Gertrud Joelinger geborene Schad

 

Die Informationen zu Gertrud Joelinger sind sehr spärlich. Sie arbeitete als Krankenschwester im jüdischen Krankenhaus und im jüdischen Altersheim Würzweilersches Haus in Mannheim. Sie soll später Bischoff geheißen haben, was darauf hindeutet, dass sie den Holocaust überlebte.

 

Quellen: Karen Strobel, Stadtarchiv Mannheim - Institut für Stadtgeschichte


 

Anneliese Jonas

 

Anneliese Jonas wurde am 5. 6. 1908 in Hameln geboren. Ihre Eltern hießen Albert Jonas und Bertha Jonas, geborene Rothenberg. Anneliese Jonas hatte zwei Geschwister. Ihre Schwester hieß Else Birnbaum, geborene Jonas. Ihrem Bruder Arthur Jonas gelang als Einzigem der Familie die Emigration. Ihr Vater arbeitete als Viehhändler.

 

Die gelernte Stenotypistin und Kontoristin übernahm aufgrund der erzwungenen Arbeitslosigkeit Pflegetätigkeiten. Im Oktober 1939 betreute sie für einige Wochen die alte, pflegebedürftige Helene Rothschild in Ottenstein. Unter der Rubrik "Kleine Nachrichten" im "Stürmer" Nr. 35 fand sich dazu eine Denunziation: "Die Firma Marienthal in Hameln beschäftigt die Tochter des jüdischen Viehhändlers Jonas."

 

Ab September 1940 musste Anneliese Jonas im sogenannten Bielefelder "Judenhaus" in der Koblenzerstraße 4 leben. Von dort wurde sie in das Altersghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 29.6.1943 eintraf. Am 5.10.1943 begleitete sie als Pflegerin einen Transport von Kindern aus Bialystok nach Auschwitz. Seitdem gilt Anneliese Jonas als verschollen.

 

Quellen: Bernhard Gelderblom, Hameln


 

Daniel de Jong

 

Daniel de Jong wurde am 2.11.1883 in Wateringen geboren. Er war Krankenpfleger gewesen. Seine Ehefrau, die Verkäuferin Judith de Jong-Pezarro, wurde am 20.7.1891 in Amsterdam geboren. Ihre letzte Adresse in Amsterdam war die Vondelstraat 220. Das Ehepaar wurde in das KZ Auschwitz deportiert und ermordet. Als Sterbedatum gilt der 6.3.1944.

 

Quelle: Joods Monument


 

Andrée de Jongh

 

Andrée de Jongh wurde am 30.11.1916 in Schaerbeek/Schaarbeek bei Brüssel geboren. Ihr Vater war Fréderic de Jongh, der aktiv im Widerstand gegen die Deutschen war und im Juni 1943 festgenommen und später in Paris hingerichtet wurde.

 

Die belgische Krankenschwester schloss sich früh der belgischen Résistance an. In ihrer Jugend war Edith Cavell für sie ein großes Vorbild. Die englische Krankenschwester aus dem I. Weltkrieg half alliierten Soldaten aus dem besetzten Belgien zu entkommen (siehe Neue Pflegegeschichte) und wurde von den deutschen Besatzern erschossen. Im II. Weltkrieg sollte Andrée de Jongh in ihre Fußstapfen treten.

 

Sie organisierte das Fluchthilfenetzwerk 'Réseau Comète' („Kometenlinie“). Die Routen führten durch mehrere Länder, von Belgien durch Frankreich nach Spanien oder an die Kanalküste nach Nordfrankreich. Oft begleitete sie selbst die von ihr organisierten Fluchthilfe-Aktionen. Mit ihrer Hilfe konnten schätzungsweise 700 bis 800 Menschen aus den besetzten Gebieten entkommen. Darunter befanden sich auch 288 Piloten, was für die Alliierten besonders wichtig war.

 

Im Januar 1943 wurde sie bei einer Fluchthilfe in den Pyrenäen verhaftet. Nach dem Gefängnis wurde sie in das KZ Ravensbrück, später Mauthausen überstellt. Nach der Befreiung kehrte sie zunächst in ihr Heimatland zurück. Dann arbeitete sie in Lepra-Krankenhäusern in Belgisch-Kongo und Äthiopien.

 

Andrée de Jongh erfuhr zahlreiche Ehrungen: George Medal (Großbritannien), Freiheitsmedaille des Präsidenten (Vereinigte Staaten von Amerika), Chevalier de la Legion d'Honneur (Frankreich), Offizier Leopoldsorden (Belgien), Kriegskreuz mit Palme, Ernennung zum Oberstleutnant ehrenhalber der belgischen Armee und Verleihung der Ehrendoktorwürde der Katholischen Universität Leuven. 1985 erhob sie der belgische König Baudouin I. in den Stand einer Gräfin. Gräfin Andrée de Jongh starb am 13.10.2007 in Brüssel.

 

Quellen: Frauen in der Résistance; Wikipedia


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