Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Martha (Marta) Mirjam Sachs (Zakz)

 

Die jüdische Krankenschwester aus Frankfurt/M wurde 1885 in Tarnowitz geboren. Ihre Eltern waren Shmuel (Samuel) und Gitel Sachs. Im I. Weltkrieg leistete sie freiwillig Lazarettdienste. Martha M. Sachs arbeitete viele Jahre im Zentrallabor des Krankenhauses der Israelitischen Gemeinde, Gagernstraße 36; dort wohnte sie auch. Sie war bekannt als „Schwester Miriam“. Sie wurde am 15. September 1942 bei der neunten Deportation aus Frankfurt in das Durchgangs- und Konzentrationslager Theresienstadt und von dort in das Lager Auschwitz am 19.10.1944 deportiert, wo sie ermordet wurde. Martha M. Sachs hatte wenigstens eine Schwester. Ihre Schwester Mina überlebte und füllte für sie das Erinnerungsblatt bei YAD VASHEM aus.

 

Quelle: YAD VASHEM


 

Johanna Sämann, geb. Levi

 

Johanna, Rufname Hanna, wurde am 25.2.1891 in Altengronau bei Schlüchtern in Hessen geboren. Ihre Eltern waren Raphael und Mirjam geborene Sulzbacher. Sie hatte noch sieben Schwestern. Ihre Krankenschwesternausbildung absolvierte Johanna ab dem 1.3.1917 in Breslau. Das jüdische Krankenhaus in Breslau war dazumal eine der modernsten und größten Kliniken in seinem Umkreis und bildete auch Krankenschwestern für den Nürnberger jüdischen Schwesternverein aus. Nach der erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung zog Johanna Levi nach Nürnberg und arbeitete für den dortigen Schwesternverein.

 

Die Schwestern des Vereins pflegten unentgeltlich Kranke aller Konfessionen.  

Die Krankenschwester heiratete 1924 den Kaufmann Sigmund, geboren am 13.9.1869 in Sugenheim. Am 18.12.1924 bekam das Ehepaar ihren Sohn Gerhard. Am 29.11.1941 wurde die Familie mit 1005 Leidensgenossen aus Bamberg, Fürth, Nürnberg und Würzburg in das Lager Jungfernhof bei Riga in Lettland deportiert.

 

Das provisorische Lager zählte in wenigen Wochen um die 4000 Insassen ohne entsprechende Unterkünfte. Während des harten Winters 1941/1942 starben zwischen 800 und 900 Insassen des Lagers. Sie waren erfroren, verhungerten oder wurden durch die bald ausbreitenden Krankheiten dahingerafft. Kranke wurden ab Januar 1942 zum Erschießen abtransportiert. Im März 1942 kam es zu Massenerschießungen im Wald von Bikernieki. Ob und wie lange die Familie Sämann überleben konnte, ist nicht bekannt. Als Todesdatum gilt für Johanna, ihren Mann und Sohn der 26.3.1942.

 

Quellen: YAD VASHEM; „Jüdische Pflegegeschichte / Jewish Nursing History“


 

Maria Saidler, geb. Müller

 

Maria Saidler, geborene Müller, Spitzname Mitzi, stammte aus Wien und war Köchin bei einer jüdischen Familie. Ihre Arbeitgeber, die Familie Fleischer, verstanden sich als Österreicher jüdischen Glaubens. Herr Fleischer hatte im I. Weltkrieg in der K.u.K. Artillerie gedient. Frau Fleischer war kränklich. Schleichend verschlimmerte sich ihre Krankheit, sodass sie bereits in den dreißiger Jahren das Haus kaum verlassen konnte. Deshalb wurde der Sohn, 1914 geboren, überwiegend von Kindermädchen betreut. Familie Fleischer war im Allgemeinen fromm. Das heißt, das Geschäft wurde an den jüdischen Feiertagen geschlossen und der Sohn besuchte an diesen Tagen nicht die Schule. Aber mit den jüdischen Speisegesetzen nahm man es nicht so genau. Und wenn Herr Fleischer mit einem Segensspruch ein Brot anschnitt, übersah er einfach das Kreuz, dass die katholische Köchin Mitzi jedesmal auf der Unterseite des Brotlaibes eingeritzt hatte.
Nach dem "Anschluss" Österreichs 1938 gelang es dem Sohn, ein Visum nach Palästina zu bekommen und Österreich zu verlassen. Herr Fleischer zog aufgrund der Erkrankung seiner Frau eine Auswanderung nicht in Betracht. Es galten nun die Nürnberger Rassengesetze auch für Österreicher. Unter anderem verbot das darin enthaltende "Blutschutzgesetz" die Beschäftigung "deutschblütiger" Dienstmädchen unter 45 Jahren bei Juden. Hintergrund des Gesetzes war die ideologische Unterstellung der Nazis, "der Jude" könne sich an diesen vergehen. Ab dem 13.3.1938 war das Dienstmädchen, eigentlich auch zuständig für die Pflege von Frau Fleischer, nicht mehr zu sehen. Auch Mitzi musste ihren Arbeitgeber verlassen.
Ausgerechnet sie, die fünfzehn Jahre lang stets das Angebot der gemeinsamen Mahlzeiten abgelehnt und alleine in der Küche gegessen hatte, hielt den Kontakt zur Familie aufrecht. Durch die Entziehung der finanziellen Grundlagen war das Ehepaar schnell mittellos. Mitzi versorgte sie in den sich immer verschärfenden Lebensumständen mit Lebensmitteln. Wie selbstverständlich übernahm sie ohne Lohn die Pflege von Frau Fleischer. Unter den gegebenen Verhältnissen war die Pflege erschwert, da die medizinische Versorgung der jüdischen Bevölkerung kaum gegeben oder finanzierbar war. Maria Saidler stand also mit der Pflege der Frau überwiegend alleine da.
Kurz nach der Auswanderung des Sohnes nahm das Ehepaar eine Freundin, Anna Sommer, auf und überließen ihr das freigewordene Kinderzimmer. Doch bald mussten sie die Wohnung verlassen, weil ein Nazi die Wohnung beanspruchte. Fleischers wurden in die sogenannten Judenwohnungen eingewiesen. Auch dort übernahm Maria Saidler die Pflege der Frau. Als 1942 die Deportation des Ehepaares Fleischer ins Ghetto Theresienstadt drohte, versuchte sie, inzwischen verheiratet, das Ehepaar zu überzeugen, in Wien zu bleiben und sich bei ihr zu verstecken. Herr und Frau Fleischer lehnten dieses Angebot wegen der Krankheit von Frau Fleischer ab.
Maria Saidler brachte zum Bahnhof ein Lebensmittelpaket, schickte ihnen zwei Jahre lang nach Theresienstadt Lebensmittel. Ihre Bemühungen um das Ehepaar Fleischer waren umsonst. Im Oktober 1944 wurden Herr und Frau Fleischer nach Auschwitz weiterdeportiert und dort ermordet.
Die Bekannte der Familie Fleischer, die völlig mittellose Frau Sommer, ergriff das Angebot von Maria Saidler, als ihr die Deportation drohte. Sie erlebte die Befreiung Wiens wohlbehalten versteckt in Mitzis Wohnung. Erste Reaktion von Frau Sommer beim Zusammenbruch bestand darin, den Nazi aus der Wohnung des Ehepaars Fleischer mit den Worten "Da habe ich gewohnt" rauszuschmeißen.
Als Maria Saidler 1981 als Gerechte der Völker geehrt wurde, reiste extra der Sohn des Ehepaares Fleischer, inzwischen wohnhaft in England, mit seiner Tochter zur Zeremonie nach Jerusalem. 1994 starb Mitzi im Alter von 94 Jahren.
Quellen: Wikipedia; YAD VASHEM u. a.

 

Sylvia Salvesen

 

Sylvia Salvesen war eigentlich eine Professorengattin aus Oslo. Nach neun Monaten Einzelhaft in Norwegen kam sie in das KZ Ravensbrück. Dort arbeitete sie im Krankenrevier. Immer wieder riskierte sie ihr Leben, um für ihre Kameradinnen Medikamente zu stehlen oder ärztliche Atteste zu fälschen. Es gelang ihr, Verbindungen zum Grafen Bernadotte vom Roten Kreuz aufzunehmen. Nach anderthalb Jahren KZ entkam sie mit dem Transport des Schwedischen Roten Kreuzes der Ravensbrücker Hölle.

 

Quelle: Johanna Hansen: Auch in dunkelster Zeit gab es leuchtende Beispiele von Mut und Menschlichkeit (Januar 1945 - April 1945 in Ravensbrück)


 

Esther Sandner-Petersen, geborene Genal

 

Esther Genal erlebte eine schwierige Kindheit. Hintergrund war ihr sehr gläubiger Vater, der aus Gewissensgründen sich mit den Nationalsozialisten nicht arrangieren konnte. Mehrmals wurde er verhaftet und mit KZ bedroht. Da er immer wieder deswegen seine Arbeit verlor, verarmte die Familie. Sie waren auf die Hilfe von Freunden angewiesen, gleichzeitig versuchten sie, jüdischen Freunden beim Untertauchen zu helfen.

 

Erst nach Kriegsende konnte die Familie wieder ein normales Leben beginnen. Esther Genal absolvierte dann in Nürnberg die Ausbildung zur Krankenschwester. Sie heiratete Eduard Sandner. Als dieser 1992 an Krebs starb, reiste sie viel und lernte dabei Arnold Petersen in den USA kennen, den sie 1995 heiratete.

 

In ihrem Buch „My Legal Warrior“ (Deutsche Ausgabe: „Meine Späte Liebe“) erzählt Esther Sandner-Petersen von ihrer schwierigen Kindheit im Nazideutschland, von ihrer Arbeit als Krankenschwester im Nachkriegsdeutschland und ihrem späteren Leben. (ISBN  9780970251817, 0970251815)


 

Gertrude Santiago, geborene Greisinger

 

Gertrude Greisinger wurde am 16.6.1895 in Brünn geboren. Die Kinderkrankenschwester und Säuglingsfürsorgerin arbeitete von 1921 bis 1923 als Oberschwester im Säuglingsheim Baden bei Wien. Anschließend arbeitete sie in verschiedenen Kinderheimen in Österreich. Ab 1925 war sie Fürsorge-und Krankenschwester in Wien.

 

1937 schloss sie sich den Internationalen Brigaden an. Sie arbeitete im Spital von Onteniente als Oberschwester. 1938 heiratete sie Enrique Santiago Ribera, der die staatliche Sozialversicherungsanstalt leitete.

 

Nachdem das Ehepaar Spanien verlassen musste, arbeitete Gertrude Santiago als Hilfsschwester in einem Pariser Krankenhaus. Nach Kriegsende war das Ehepaar für den Weltgewerkschaftsbund tätig.

 

Der Weltgewerkschaftsbund wurde 1945 gegründet. Er war ein Zusammenschluss aller Gewerkschaften unabhängig von Nationalität oder Ideologie. Durch den Kalten Krieg kam es 1949 zur Spaltung der internationalen Gewerkschaftsbewegung. Es entstand der antikommunistische Internationale Bund Freier Gewerkschaften und der Weltgewerkschaftsbund, in dem die Gewerkschaften der sozialistischen Staaten vertreten waren und kommunistische Parteien nichtsozialistischer Staaten. Österreich trat 1949 dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften bei und verließ den Weltgewerkschaftsbund.

 

1954 starb Gertrude Santiagos Ehemann. Anfang 1955 wurde der Weltgewerkschaftsbund in Österreich verboten. Die Regierung ließ verlauten, dass es sich bei dem kommunistischen Weltgewerkschaftsbund um einen Treffpunkt ausländischer Agenten handeln würde. 1955 wurde Gertrude Santiago von der Wiener Polizei aufgefordert, Österreich zu verlassen.

 

Sie zog nach Ostberlin, damalige Hauptstadt der DDR. Gertrude Santiago starb am 23.2.1992 in einem Ostberliner Altenheim.

 

Quellen: DÖW


 

Petronille Sarolea

 

Die belgische Krankenschwester aus Trembleur bei Luik wurde 1910 geboren. Sie war Mitglied der belgischen kommunistischen Partei (Kommunistische Partij van België / Parti Communiste de Belgique, KPB/PCB). Nach dem faschistischen Putsch gegen die rechtmäßige Republik schloss sie sich den Internationalen Brigaden an und kam im Mai 1937 nach Spanien. Zunächst arbeitete sie im Krankenhaus von Murcia. Später wurde sie in das amerikanische Krankenhaus in S'Agaró verlegt, danach in das Krankenhaus in Vic. Im März 1939 kehrte sie nach Belgien zurück.

 

Quelle: Spanienkämpferinnen: ausländische Frauen im spanischen Bürgerkrieg 1936-1939, ISBN: 9783643504043


 

Elisabeth Sauer

 

Elisabeth Sauer wurde am 23.12.1900 geboren. Sie lebte in Wien. Die Krankenpflegerin wurde
am 23.3.1939 von der Gestapo Wien verhaftet. Ihr wurde legitimistische Betätigung vorgeworfen. Die Legitimisten forderten die Wiedereinsetzung der Monarchie und sahen Otto von Habsburg als rechtmäßigen Thronfolger an. Daher lehnten sie den Nationalsozialismus ab, leisteten keinen Treueeid auf Hitler und wurden deshalb von den Nazis verfolgt.

 

Elisabeth Sauer wurde am 11.11.1943 vom Volksgerichtshof wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Sie kam in das Frauenzuchthaus Jauer in der Provinz Schlesien. Im Februar 1944 sollte sie verlegt werden. Auf dem Transport nach Bremen gelang ihr die Flucht. Bis Kriegsende tauchte sie unter und überlebte in der Illegalität.

 

Quelle: DÖW


 

 

 

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