Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Inge Marcus, geb. Baumann

 

Inge Marcus, geb. Baumann, wurde am 4.2.1922 in Berlin geboren. Ihre Eltern waren Marie (Rufname Mieze) Baumann, geborene Zlotnitzki am 10.3.1897 in Gnesen und Richard Baumann, geboren am 24.3.1885 in Wittenberg. Ihre Eltern besaßen ein Geschäft für Spitzen und Seidenwaren. Inge Baumann wuchs behütet auf bis zum 10.11.1938. An diesem Tage wurde das Firmenschild mit roter Farbe „Jude“ beschmiert, musste sie als Jüdin das Lyzeum verlassen und ihr Vater wurde abgeholt und in das KZ Sachsenhausen verschleppt.

 

Als der Vater nach vier Wochen zurückkehrte, beschlossen die Eltern, ihre Tochter in Sicherheit zu bringen. Im April 1939 schickten sie Inge Baumann zu einer bekannten Familie nach England. Dort wurde sie zur Säuglingsschwester ausgebildet. Anschließend arbeitete sie als Erzieherin in einem Kindergarten in Nottingham.

 

Ihre Eltern sah sie nie wieder. Sie wurden Anfang März mit dem 32. Osttransport nach Auschwitz deportiert und ermordet.

 

Im März 1947 zog Inge Baumann nach Paris und heiratete Gerhard Marcus, ihre Jugendliebe. Er kam ursprünglich wie sie aus Berlin und verlor auch Angehörige durch die Nazis. In Frankreich arbeitete sie als Übersetzerin beim American Joint Comittee. Ihr erster Sohn wurde geboren. 1951 zog die Familie nach Berlin zurück. Inge Marcus bemühte sich vehement um den Wiederaufbau der Jüdischen Gemeinde in Berlin, war 1953 Mitbegründerin der jüdischen Frauengruppe, gehörte lange Jahre der Repräsentantenversammlung an und engagierte sich auch später als Gemeindeälteste. Trotz ihrer schlimmen Erfahrungen im Nazideutschland erklärt sie als Zeitzeugin jungen Menschen: „Ich sage dann immer, dass es im Dritten Reich auch anständige Menschen gab und nicht alle schlecht waren.“

 

Inge Marcus starb im Sommer 2016 im Alter von 95 Jahren in Berlin.

Quellen: http://www.bet-debora.net/de/category/berlin/; http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/3468; Stolpersteine- Berlin


 

Mary Marschall (Maria Marschal)

 

Es ist nicht sicher, ob die Krankenpflegerin Maria oder Mary hieß und ob der Nachname mit einem oder zwei „l“ am Ende geschrieben wurde. Sicher ist, dass sie am 23.9.1881 geboren wurde. Und die österreichische Krankenpflegerin war ausgesprochen konservativ und eine treue Seele. Die Abschaffung der Monarchie war für sie nicht nachvollziehbar.

 

Für sie hatte Karl I. sozialpolitische Maßnahmen ergriffen, einen Mieterschutz eingeführt, ein Ministerium für soziale Fürsorge und eins für Volksgesundheit geschaffen. Wenn es nach ihm gegangen wäre und die Deutschen es nicht verhindert hätten, wäre der I. Weltkrieg früher beendet worden. Er wollte keinen Giftgaseinsatz, kümmerte sich um seine Soldaten, besuchte oft die Front. Außerdem hatte er eine schöne gescheite Frau und wohlgeratene Kinder. Es gab Bälle und Prunk durch das Kaiserhaus. Und mit dieser Meinung über Karl I. stand Maria Marschall nicht allein.

 

Noch 1930 kandidierte die „Kaisertreue Volkspartei“ bei den Nationalratswahlen, wenn auch bedeutungslos mit einem katastrophalen Wahlergebnis, was auch vermutlich mit daran lag, dass der letzte Kaiser Karl I. bereits 1922 im Exil verstorben war. Unter dem Einfluss der Nationalsozialisten gewannen aber wieder die monarchistischen Ideen, verklärten sich die alten Zeiten und die Anhänger sammelten und radikalisierten sich. Die "Illegale Österreichische Kaisertreue Front" machte keinen Hehl aus ihrer Ablehnung gegen den Nationalsozialismus und die Gestapo kannte kein Pardon ihnen gegenüber. So kam es immer wieder zu Verhaftungen von „Kaisertreuen“.

 

Maria Marschall sammelte Spenden für die Angehörigen der Inhaftierten. Im Zuge von Ermittlungen gegen Angehörige der kaisertreuen Widerstandsgruppe wurde auch sie von der Gestapo erfasst und verhaftet. Am 23.10.1942 wurde sie deswegen von der Gestapo Wien erkennungsdienstlich erfasst. Wegen "Verbrechens der Neubildung von Parteien" wurde sie am 25.7.1945 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Vom 25.7. bis 20.8.1944 und vom 21.10.1944 bis 13.4.1945 sass die über sechzigjährige Krankenpflegerin mit Idealen, für die sie eintrat, im Gefängnis.

 

Quelle: DÖW


 

Ilse Martens

 

Ilse Martens war Krankenschwester und Diakonisse. Ihre Mutter Bianca, geborene Singer am 19.3.1882 in Cottbus, war Jüdin. Ihr Vater Dr. Friedrich Martens, geboren am 22.6.1880 in Verden, war Zahnarzt und Nichtjude. Ihre Eltern waren seit dem 22.2.1906 verheiratet. Ilse hatte eine Schwester Anneliese.

 

Mit dem Nationalsozialismus begann ein unendlicher Terror auf die Familie. Ilse und Anneliese galten nun als „Mischlinge I. Grades“, der Vater als „jüdisch versippt". Ihre Mutter durfte nicht mehr als Sprechstundenhilfe in der Praxis ihres Mannes arbeiten. Die Praxis bekam die Boykottmaßnahmen zu spüren, die Gestapo ließ der Familie keine Ruhe und am 9.10.1944 wurde der Vater verhaftet und in das Arbeitserziehungslager Farge, später Lenne bis zum
16.12.1944 eingewiesen. Die Gestapo beschlagnahmte Teile der Wohnung. Den Druck hielt die Mutter nicht aus und nahm sich im Oktober 1944 das Leben. Ihrer Schwester Anneliese wurde ein Ehefähigkeitszeugnis verweigert.

 

Ilse Martens erhielt faktisch Berufsverbot. Ihr wurde das Examen als Krankenschwester aberkannt.

 

Quelle: Stolpersteine Bremen


 

Fredericka (Freddie) Imogen Martin

 

Die Krankenschwester Fredericka (Freddie) Imogene Martin wurde 1905 geboren. Sie war Oberschwester der amerikanischen medizinischen Freiwilligen in den Internationalen Brigaden. Fredericka Martin reiste mit der ersten Einheit aus den USA nach Spanien. Diese Einheit brachte vier Krankenwagen, 12 Tonnen medizinisches Material und eine Ausrüstung zur Ausstattung eines 50-Betten-Krankenhauses mit. Martin unterstanden 54 Krankenschwestern. Sie betreute sechs amerikanische Krankenhäuser an vier Fronten und ein mobiles Krankenhaus.

 

Neben ihrer Tätigkeit als Krankenschwester fotografierte und hinterließ sie aus dem spanischen Bürgerkrieg etwa 4000 Fotos. Später blieb die Krankenschwester sozial engagiert. Sie arbeitete auf den Pribilof-Inseln und engagierte sich für die ansässigen Inuits und Indianer. Fredericka Martin starb 1992.

 

Quelle: Evan Daniel, Robert F. Wagner Labor Archiv / New York University Libraries


 

Adelheid von der Marwitz

 

Adelheid von der Marwitz erblickte am 14.8.1894 in Groß Kreuz in Brandenburg das Licht der Welt. Früh wurde sie Waise und wuchs deshalb bei einer Freundin der Mutter auf, die die Hauswirtschaft in dem alten Herrenhaus übernommen hatte. Ihre bis dahin eher traurige Kindheit erlebte eine Wende, als sie das Elternhaus verlassen und zu ihrer Verwandten Baronin von Rechenberg ziehen konnte. Überschattet wurde ihr Leben durch den Tod des Bruders, der im I. Weltkrieg umkam.

 

Eigentlich wollte die talentierte Frau Musik studieren, gab den Plan durch den Tod ihrer Schwägerin, die drei kleine Kinder hinterließ, jedoch auf. Mit 33 Jahren trat sie 1928 in das Diakonissenmutterhaus in Halle ein. Am 17.5.1931 wurde sie eingesegnet und im September gleichen Jahres bereits Oberin.

 

Überschattet wurde ihre Tätigkeit durch eine langwierige Erkrankung. Nach der Machtübernahme bekam das Diakoniewerk in Halle insgesamt zunehmend Schwierigkeiten mit den nationalsozialistischen Machthabern. Adelheid von der Marwitz, die der Bekennenden Kirche nahe stand, stellte sich als Oberin schützend vor den Chefarzt ihres Hauses, der mit einer Jüdin verheiratet war. Beide überlebten den Holocaust auch Dank ihrer Hilfe.

 

Als sie lungenkrank wurde, verweigerte ihr Hitlerdeutschland die Ausreise zur eventuell rettenden Kur in die Schweiz. Ihr Zustand verschlimmerte sich, so dass Adelheid von der Marwitz am 9.12.1944 an ihrem Lungenleiden starb.

 

Quellen: Diakoniewerk Halle


 

Emilie Mayer

 

Die Krankenschwester Emilie Mayer arbeitete in der Heil- und Pflegeanstalt Gugging und verweigerte eine Mittäterschaft an Euthanasieverbrechen.

 

Quellen: Gerhard Fürstler: Krankenpflege in der Zeit des Nationalsozialismus, Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband, 03.02.2005


 

Gertrude Mayer

 

Gertrude Mayer wurde am 3.1.1909 in Bingen am Rhein geboren. Die jüdische Krankenschwester hatte im „Israelitischen Asyl für Kranke und Altersschwache“ in Köln gearbeitet. Ihre Eltern waren Adolf und Frieda, geborene Strauss. Sie muss mindestens einen Bruder oder Schwester gehabt haben, die oder der sich in Sicherheit bringen konnte, weil eine Nichte für sie bei YAD VASHEM das Erinnerungsblatt ausfüllte.

 

Zusammen mit mindestens acht Kollegen wurde sie in Köln im Durchgangslager Müngersdorf Fort V inhaftiert, bevor sie nach Berlin verschleppt und im 27. "Osttransport" am 29.1.1943 mit der Nummer 275 nach Auschwitz deportiert wurde.  Sie gilt als verschollen. Da sie in Auschwitz nicht registriert wurde, ist davon auszugehen, dass sie am Ankunftstag ermordet wurde.

 

Gertrude Mayer wurde 33 Jahre alt.

 

Quellen: YAD VASHEM; Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich


 

Hermine Marzelli

 

Hermine Marzelli, geboren am 12.4.1897, war wohnhaft in Wien. Ob und welche Ausbildung sie hatte, ist nicht bekannt. 1943 arbeitete sie als Lazaretthelferin. Am 11.3.1943 wurde sie von der Gestapo Wien verhaftet. Man warf ihr vor, sie habe "Verbreitung von beunruhigenden Gerüchten über die Behandlung deutscher Kriegsgefangener in der Sowjetunion" begangen. Hermine wurde der Prozess gemacht und am 30.6.1943 wegen "Vergehens nach dem Heimtückegesetz" zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Am 10.10.1943 wurde Hermine Marzelli infolge bedingter Strafaussetzung aus dem Gefängnis entlassen.

 

Quelle: DÖW


 

Charlotte Maziar-Stier

 

Charlotte Maziar-Stier wurde am 10.9.1925 in Wien geboren. Die Krankenschwester verlor in Belgien durch die Nazis ihre Staatsangehörigkeit. Sie wurde mit dem Deportationszug XXV unter der Nummer 373 am 19.5.1944 vom SS-Sammellager Mechelen in das KZ Auschwitz verschleppt. Dort wurde sie unter der Nummer 5193 registriert. Sie gehörte zu den wenigen Überlebenden mit ähnlichem Schicksal und kehrte durch die Repatriierung nach Belgien zurück.

 

Ich danke für die Recherche Frau Laurence Schram vom Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) in der ehemaligen Mechelner Dossinkaserne.


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