Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Maria Laichner

 

Maria Laichner wurde am 13.2.1908 geboren und lebte mit ihrem Ehemann Rudolf Laichner in Wien. Am 25.8.1941 wurde die Pflegerin festgenommen.

Aus dem Tagesbericht der Gestapo Wien Nr. 1, 1.-2. 9. 1941:

 

"Am 25. 8. 1941 wurde Maria Laichner [...] festgenommen, weil sie im Jänner 1940 während ihres Urlaubes in Telfs folgendes Gedicht in ein Stammbuch schrieb:

 

'Uns bringen an den Galgen zwar
Viel Schurken eine ganze Schar,
Und das betrübt uns sehr.
Bald aber kommt der Augenblick
Da kriegen alle sie den Strick,
Das tröstet uns noch mehr!!'
Mitzi L. Wien.

 

Der Ehegatte der Obengenannten befindet sich seit 26. 1. 1941 wegen Vorbereitung zum Hochverrat für das Referat II A im Landgericht Wien in Haft. Da derselbe hochaktiv für die KPÖ tätig war, dürfte auch Maria Laichner Gesinnungsgenossin sein."

 

Überraschenderweise wurde sie am 24.9.1941 aus der Haft entlassen und das gegen sie eingeleitete Verfahren wegen "Vergehens nach dem Heimtückegesetz" eingestellt. Sie hatte wohl gleich eine ganze Armee von Schutzengeln.

 

Quelle: DÖW


 

Hedwig Landsberg

 

Hedwig Landsberg, geboren am 20.9.1879 in Wroclaw (Breslau), verstorben am 26.4.1967 in Heidelberg, widmete sich nach dem Lyzeum (Abschluss 1897) der Krankenhilfe. 1921 absolvierte sie die Ausbildung zur Wohlfahrtspflegerin.

 

Krankenpflege und Krankenhausfürsorge waren dazumal noch nicht so scharf voneinander getrennt wie heute. Maßgeblich war Hedwig Landsberg am Aufbau der Krankenhausfürsorge beteiligt und gestaltete das neu entstandene Berufsbild mit. Die Nationalsozialisten entfernten sie aus ihren Ämtern, weil sie als „Halbjüdin“ eingestuft wurde. Erst 1945 konnte sie in ihre Tätigkeit zurückkehren. 1959 wurde Hedwig Landsberg das Bundesverdienstkreuz für ihre Verdienste um das Gesundheitswesen verliehen.


 

Sophie (Sofie) Henny Sonny Landsberg

 

Sophie Landsberg wurde am 8.4.1920 in Leer in Ostfriesland geboren. Ihre Eltern waren der Viehhändler Siegfried Simon, geboren am 27.12.1883 in Lübeck, und Recha, geborene Dreyfuss am 10.3.894 in Baden-Baden. Sophie hatte eine jüngere Schwester, Friederike (Frieda) Landsberg, geboren am 24.12.1922 , und Bruder, Kurt Landsberg, geboren am 16.9.1925.

 

Vermutlich absolvierte Sophie ihre Ausbildung zur Krankenschwester in Franfurt am Main. Auf jeden Fall arbeitete sie 1939 bis zur Zwangsauflösung 1941 im Rothschild'schen Hospital. Anschließend war sie am Jüdischen Krankenhaus in Frankfurt am Main, zog nach Würzburg um und arbeitete ab 3.6.1941 im Israelitischen Kranken- und Pfründnerhaus Würzburg. Am 24.9.1942 wurde Sophie von Würzburg nach Theresienstadt verschleppt, wo sie wahrscheinlich im Revier oder Krankenstation gearbeitet hat. Am 5.10.1943 wurde Sophie nach Auschwitz deportiert. Da Sophie Landsberg in Auschwitz nicht registriert wurde, muss davon ausgegangen werden, dass der Ankunftstag der Tag ihrer Ermordung war. Auch ihre Eltern und Geschwister wurden in Auschwitz umgebracht.

 

Quellen: „Jüdische Pflegegeschichte / Jewish Nursing History – Biographien und Institutionen in Frankfurt am Main“; YAD VASHEM; Landkreis Leer Ehemalige Jüdische Schule


 

Else Landsberger

 

Elsa Erika Landsberger, geboren 1882, war Krankenschwester im Schwesternheim Dillmannstraße 19 in Stuttgart. Das  jüdische Schwesternheim wurde mangels eines jüdischen Krankenhauses errichtet und betreute bis zur Nazizeit jüdische und nichtjüdische Kranke in ihrer häuslichen Umgebung. Elsa Erika Landsberger wurde 1942 zunächst in das Ghetto Theresienstadt verschleppt und am 12.10.1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet. An sie erinnert heute ein Stolperstein vor dem ehemaligen Schwesternheim.

 

Quelle: „Jüdische Pflegegeschichte / Jewish Nursing History – Biographien und Institutionen in Frankfurt am Main“; Stolpersteine Stuttgart


 

? Lang

 

Zu Frau Lang fehlen mir genauere Informationen. Sie stammte aus Wien und war eigentlich Sozialfürsorgerin. Im Theresienstädter Ghetto arbeitete sie in der Pflege. Sie gehörte zu den 1200 Menschen, die aufgrund des Abkommens zwischen Jean-Mary Musy und Himmler in die Schweiz ausreisen konnten (siehe Sara Nußbaum und Johanna Gottschalk).

 

Quelle: Johanna Gottschalk


 

Sara Langenauer, geb. Fenig

 

Sara Fenig oder Felder wurde am 28.1.1923 in Lezajsk in Polen geboren. Die Krankenschwester war mit Hauptman vel Langenauer verheiratet. Von den Nazis wurde sie in Belgien als staatenlos erklärt. Unter der Nummer 920 wurde sie mit dem X. Transport am 15.9.1942 vom SS-Sammellager Mechelen in das KZ Auschwitz deportiert. Es muss leider angenommen werden, dass Sara den Holocaust nicht überlebte.

 

Ich danke für die Recherche Frau Laurence Schram vom Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) in der ehemaligen Mechelner Dossinkaserne; weitere Quelle YAD VASHEM


 

Mignon / Mamcze Langnas, geborene Rothenberg

 

Mignon Rothenberg wurde 1903 geboren und stammte aus dem galizischen Boryslaw (Galizien war eine historische Landschaft in der Westukraine = Ostgalizien und in Südpolen = Westgalizien). 1914 zog ihre Familie nach Wien. 1928 heiratete sie Leo Langnas. Das Ehepaar bekam die Kinder Manuela und Georg. Nach dem „Anschluss" Österreichs versuchte die jüdische Familie alles, um dem Naziterror zu entkommen. Leo und die Kinder schafften es rechtzeitig, in die USA zu emigrieren. Zurück blieb Mignon mit ihren sehr betagten Eltern.

 

Ab 1940 arbeitete sie als Krankenschwester für das Altersheim der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien und ab 1942 für das jüdische Kinderspital. Mit sehr viel Glück entging sie den Deportationen. Kurz vor dem Kriegsende erlebte sie die schweren Bombenangriffe mit und hatte auch da wieder sehr viel Glück, die zu überleben. Wie durch ein Wunder erlebte sie 1945 die Befreiung. Im Sommer 1946 konnte sie dann endlich zu ihrer Familie in die USA emigrieren. Mignon Langnas konnte ihre Freiheit im Kreise ihrer Familie nicht lange genießen. Im November 1949 starb sie in New York nach langer schwerer Krankheit.

 

Es stellte sich heraus, dass sie in der Wiener Zeit unter der nationalsozialistischen Herrschaft Tagebücher führte. Diese und zahlreiche Briefe wurden 2010 herausgegeben. Sie vermitteln ein eindrucksvolles Bild zum Alltagsleben der jüdischen Bevölkerung in der braunen Diktatur.

 

Quelle: Mignon Langnas Tagebücher und Briefe 1938-1949 ISBN 978-3-85218-887-4; Wikipedia


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