Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Johanna Gabriel

 

Johanna Gabriel wurde am 2.12.1882 in Spirgsten (heute Spytkowo) bei Lötzen (heute Gizycko) in Ostpreußen (heute in Polen) geboren. Die jüdische Krankenschwester hatte im „Israelitischen Asyl für Kranke und Altersschwache“ in Köln gearbeitet. Johanna war ledig. Zusammen mit mindestens acht Kollegen wurde sie in Köln im Durchgangslager Müngersdorf Fort V inhaftiert, bevor sie nach Berlin verschleppt wurde und im 27. "Osttransport" mit der Nummer 275 nach Auschwitz deportiert wurde. Sie gilt als verschollen. Da sie in Auschwitz nicht registriert wurde, ist davon auszugehen, dass sie am Ankunftstag ermordet wurde.

 

Johanna Gabriel wurde 60 Jahre alt.

 

Quellen: YAD VASHEM; Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich


 

Ilse Garfunkel, geb. Wulff

 

Ilse Wulff wurde am 25.12.1925 in Stettin geboren. Ihre Eltern waren der Geschäftsmann Hermann und Lotte, geborene Berndt. Zunächst besuchte sie die öffentliche Volksschule. Durch zunehmende antisemitische Angriffe durch ihre Mitschüler wechselte sie 1936 an die jüdische Schule. Nach der Terrornacht 1938 schickten die Eltern ihr einziges Kind auf einen Kindertransport nach Belgien. Drei Monate später gelang den Eltern im Januar 1939 die Ausreise nach Shanghai. Die Verhältnisse in Shanghai waren für die deutschen Emigranten allgemein furchtbar. Ilses Vater starb 1940 im Exil an den Folgen der Verhältnisse, die Mutter im August 1945 an Typhus.

 

Nach der deutschen Invasion in Belgien wurde Ilse mit einer Gruppe deutschjüdischer Flüchtlingskinder im Alter von 5 bis 16 Jahren buchstäblich in letzter Sekunde nach Frankreich evakuiert. Vier Tage dauerte die Reise, da der Güterzug, mit dem sie evakuiert wurden, immer wieder von deutschen Bombern angegriffen wurde. Am 18.5.1940 trafen die Kinder endlich in Seyre in der weiteren Umgebung von Toulouse ein. Der Preis für die Sicherheit war groß.

 

Über ein Jahr mussten die Kinder unter primitivsten Verhältnissen in einer großen Scheune auf dem Hof des Schlosses Seyre leben. Es gab keine Möbel und das Essen war knapp. Dazu wurde der Winter 1940 überaus hart, sodass viele Kinder erkrankten. Die Schweizer Kinderhilfe des Roten Kreuzes versuchte, die Kinder wenigstens mit den elementarsten Dingen zu versorgen. Dann gelang es Mr. Maurice Dubois von der Schweizer Kinderhilfe im Frühjahr 1941, einen neuen Standort im Schloss La Hille in der Nähe von Pamiers zu finden. Auch hier waren die Verhältnisse nicht optimal. Unter Anleitung begannen die älteren Kinder Brunnen zu graben, Latrinen zu errichten und im Schloss Wohnfläche zu schaffen.

 

Am 26.8.1942 durchsuchte die französische Polizei das Haus und nahm etwa vierzig der älteren Kinder, einschließlich Ilse, mit. Sie kamen in das Internierungslager Le Vernet in den französischen Pyrenäen. Von dort schob das Vichy-Regime regelmäßig Inhaftierte nach Nazideutschland ab. Die Verhältnisse in dem Lager waren drastisch. Unzureichend ernährt und gekleidet wurden viele Lagerinsassen Opfer von grassierenden Epidemien. Immer wieder kam es im Lager zu Razzien durch die Gestapo. Rösli Näf, der Direktorin von La Hille, gelang es mit der Hilfe des örtlichen Leiters der Schweizer Kinderhilfe, ihre Kinder aus dem Internierungslagers Le Vernet wieder herauszuholen und nach La Hille zurückzubringen. Es war aber nun klar, dass die Kinder nicht langfristig in La Hille bleiben konnten. Frau Näf begann massiv, die Flucht der Kinder und Jugendlichen zu organisieren. Mit Hilfe aus der Bevölkerung gelang es, Kinder einzeln oder in Gruppen in die Schweiz und Spanien zu schmuggeln. Die Kinder und Jugendlichen, die den Kollaborateuren oder braunen Häschern in die Finger kamen, wurden nach Auschwitz gebracht und ermordet.

 

Ilse Wulff gehörte zu den Glücklichen, der die erneute Flucht gelang. In der Nacht vom 31.12.1942 überwand sie die Grenze in die Schweiz. Nach dem Aufenthalt in zwei Flüchtlingslagern nahm sie der protestantische Pfarrer, Pastor Charles Brutsch, ein Freund von Martin Niemoeller, auf. Offiziell als Au Pair Girl zur Betreuung seiner drei Kinder, um den Aufenthalt in der Schweiz zu sichern. Real war sie für zwei Jahre Pflegetochter in der Familie und konnte die Ausbildung als Kinderkrankenschwester absolvieren. Nach dem Krieg blieb sie mit der Familie Brutsch verbunden.

 

Quelle: United States Holocaust Memorial Museum


 

Elisabeth Gavric

 

Die am 31.7.1907 geborene Elisabeth Gavric, von allen nur kurz Lisa gerufen, war eigentlich gelernte Modistin. Bereits 1933 wurde sie in Jugoslawien wegen kommunistischer Betätigung mit 10 Monaten Haft bestraft. 1936 ging sie zu den Internationalen Brigaden nach Spanien. Dort arbeitete sie bis 1939 als Krankenschwester auf Seiten der Republik. Nach dem Sieg der spanischen Faschisten flüchtete sie nach Frankreich und wurde dort in Gurs interniert. Ihr gelang aus dem Internierungslager die Flucht und sie schloss sich der Resistance an.

 

Ihre Aufgabe im französischen Widerstand, "Travail allemand", beschrieb sie mal als Scheißarbeit. Sie musste an öffentlichen Plätzen deutsche Soldaten unverfänglich ansprechen und ins Gespräch ziehen. In diesen Gesprächen versuchten die Frauen der Resistance mit viel psychologischen Geschick nicht nur, die Soldaten auszuhorchen, sondern auch herauszufinden, welche Gesinnung die Soldaten hatten, ob man sie beeinflussen, für den Widerstand gewinnen oder zur Desertation auffordern konnte. "Travail allemand" war eine überaus gefährliche Aufgabe, denn leicht konnten die Frauen an Spitzel geraten. Lisa Gavric agierte unter dem Decknamen „Maria“. Als "Marie-Louise Béranger" kehrte sie nach Wien als französische Zivilarbeiterin getarnt zurück. Auch in Österreich war sie im Widerstand aktiv. Am 11.7.1944 wurde sie festgenommen und in das KZ Ravensbrück überstellt.


Ihre Befreiung am 30.4.1945 hatte sie einer Mitgefangenen namens Mizzerl zu verdanken. Ihre Karteikarte trug einen roten Kreis. Das bedeutete die geplante Erschießung. Als durch die Vermittlung des Grafen Bernadotte, des Präsidenten des Schwedischen Roten Kreuzes, Französinnen aus dem Lager in die Freiheit transportiert wurden, wurden besonders gefährdete Häftlinge in diesen Transport geschmuggelt.

 

"Mizzerl hatte mir die Nummer einer im Lager gestorbenen Französin gebracht und sagte: So, Lisa, du bist jetzt Louise Desmeth. Merke dir den Namen. Du und Mela, ihr geht mit dem Transport hinaus. Paß gut auf bei der Kontrolle durch die SS!“ Dann war sie verschwunden. Zu überlegen gab es gar nichts, nur zu springen. Auf der Lagerstraße hatten die Aufseherinnen eine Sperre gebildet und riefen die Namen, die auf der Liste standen. Durch diese Sperre musste man kommen. Der Regen half. Die SS beeilte sich, rasch fertig zu werden. Ich legte die Skihosen, die Trude mir in das Wiener Polizeigefängnis geschickt hatte und die ich bis hierher retten konnte, über den Kopf, wie um mich gegen den Regen zu schützen, in Wirklichkeit, um mein Gesicht so gut wie möglich zu verstecken, da die eine oder andere mich vielleicht von der Entlausung her als Österreicherin kannte. „Louise Desmeth“ wurde gerufen. Ich hob, wie es jeder tun musste, den Arm und ging durch die Sperre. Jetzt sah ich Mizzerl. Bei strömendem Regen, ganz durchnässt stand sie an eine Barackenwand gedrückt und hatte solange gewartet, bis ich durch die Kontrolle ging. Im Morgengrauen übergab uns die SS dem Schwedischen Roten Kreuz. Die lange Kolonne der Autobusse fuhr durch einen sonnigen Frühling, durch Wälder von zartem Grün und durch ein Deutschland in Trümmern ..."

 

Nach dem Krieg lebte sie in Jugoslawien. Lisa Gavric verstarb 1974.

 

Quelle: DÖW


 

Gayman -Tenenbaum (Vorname unbekannt)

 

Von der Krankenschwester fehlen sämtliche Lebensdaten. Bekannt ist nur, dass die Jüdin bei den Internationalen Brigaden (siehe dort) kämpfte.

 

Quelle: Martin Sugarman, AJEX - Jewish Military Museum


 

Cato Gazan

 

Der Krankenpfleger Cato Gazan arbeitete in der "Centraal Israëlitisch Krankzinnigengesticht Het Apeldoornse Bos" in Apeldoorn. Er wurde am 13.6.1889 in Sommelsdijk geboren. Am 13.11.1942 wurde er im KZ Auschwitz ermordet, ebenso seine Mutter Sebilla Gazan-Levi am 27.8.1943, geboren am 25.6.1861, und seine Geschwister Izaäk Salomon Gazan am 30.9.1942, geboren am 16.2.1892, und Roosje Gazan am 27.8.1943, geboren am 29.4.1902. Seinen Vater, geboren am 20.8.1851, verschleppten die Nazis im Alter von 91 Jahren nach Sobibor, um ihn dort am 20.3.1943 umzubringen.

 

Quelle: Joods Monument


 

Julie van Gelder

 

Die Krankenschwester Julie van Gelder wurde am 3.11.1906 geboren. Ihr Vater, Bernard van Gelder, geboren am 13.12.1875, ihre Mutter Keetje van Gelder-Joachimsthal, geboren am 10.4.1878 und Schwester Mathilde Josephine van Gelder, geboren am 3.10.1909, lebten in der Hoendiepstraat 15 I in Amsterdam, in der Stadt, in der sie auch geboren wurden. Die Familie wurde nach Sobibor verschleppt. Die Eltern wurden dort am 2.7.1943 ermordet, Julie van Gelder und ihre Schwester eine Woche später am 9.7.1943.

 

Quelle: Joods Monument


 

Jeanette van Gelder-Wolf

 

Die Krankenschwester Jeanette van Gelder-Wolf wurde am 29.9.1913 in Meppel geboren. Sie arbeitete im "Dependance Israëlitisch Oude Mannen- en Vrouwenhuis" in Den Haag. Jeanette van Gelder-Wolf wurde in Auschwitz am 5.11.1942 ermordet.

 

Quelle: Joods Monument


 

Hildegard Geller

 

Hildegard Geller wurde am 26.2.1918 in Berlin geboren. Ihre beiden Brüder konnten nach Palästina flüchten und später sogar noch ihre Eltern nachholen. Hildegard wanderte in den 1930er Jahren nach Holland zu Verwandten aus, bei denen sie zunächst auch wohnte. Die Verwandten lebten in Sappemeer, Provinz Groningen, in der Zuiderstraat 237.

 

Anscheinend dachten sie und ihre Familie, dass Hildegard in den Niederlanden sicher sei. Ein tödlicher Irrtum, wie sich später herausstellen sollte.

 

Am 1.6.1942 fing Hildegard im "Centraal Israëlitisch Krankzinnigengesticht Het Apeldoornse Bos" als Schwesternschülerin an zu arbeiten. Wann sie über Westerbork nach Auschwitz deportiert wurde, ist nicht bekannt. Sie soll noch im Juni 1943 durch einen Brief aus Auschwitz ein Lebens-zeichen gegeben haben. Als Sterbedatum gilt der 1.7.1943.

 

Die Schwesternschülerin Hildegard Geller wurde 25 Jahre alt.

 

Quelle: Joods Monument


 

Ellen Gerber, geb. Markiewicz

 

Ellen Markiewicz wurde am 18.10.1926 in Berlin geboren. Ihr Eltern waren der Geschäftsmann Max Markiewicz und Lotte, geborene Goldstein. Sie hatte einen älteren Bruder namens Lothar, geboren am 9.9.1924. Die Ehe der Eltern zerbrach, als Ellen noch ein Baby war.

 

Ihre Tante und Onkel waren Ärzte. Ein nichtjüdischer Patient von ihnen arbeitete aktiv mit in der Organisation zur Rettung jüdischer Kinder durch Kindertransporte nach England. Er sorgte dafür, dass Ellen und Lothar am 18.4.1939 auf einem amerikanischen Schiff Deutschland in Richtung Großbritannien verlassen konnten.

 

In England besuchten die Geschwister unterschiedliche Schulen. Der Bruder wanderte später nach Australien aus. Ellen begann 1943 eine Ausbildung zur Krankenschwester. Nach der Ausbildung arbeitete sie zunächst in einer Rehabilitationsklinik. Später absolvierte sie noch die Ausbildung zur Kinderkrankenschwester. 1951 wanderte sie in die Vereinigten Staaten aus.

 

Ihr Vater Max wurde im Konzentrationslager ermordet. Ihre Mutter Lotte konnte in Berlin untertauchen und mit Hilfe mehrerer Familien im Untergrund die Nazizeit überleben.

 

Quelle: United States Holocaust Memorial Museum


 

Sara Sofia Gerson, geb. Racan

 

Sonja Gerson, geb. Racan wurde am 1.4.1900 in Wilna in Litauen geboren. Ihre Eltern waren Hirsch Racan und Golda Racan, dessen Geburtsname unbekannt ist. Von 1921 bis 1927 lebte sie in Wuppertal in der Sandstraße 7. Vermutlich hatte sie dann geheiratet. Daten über den Ehemann der Krankenschwester sind nicht bekannt, nur, dass er verhaftet wurde. Vor seiner Verhaftung lebten sie in Berlin. Sonja Gerson wurde Opfer der Novemberpogrome 1938, die das nationalsozialistische Regime organisierte, um jüdische Mitbürger zu terrorisieren. Sie wurde ausgeplündert und ihre Wohnung demoliert. Ab 1938 lebte sie wieder in Wuppertal in der Luisenstraße 124.

 

Am 11.9.1941 musste sie sich am Bahnhof Wuppertal-Steinbeck einfinden und wurde mit 264 anderen Menschen aus Wuppertal und Umgebung nach Düsseldorf verschleppt. Von dort wurde sie laut Deportationsliste am 10.11.1941 vom Güterbahnhof Düsseldorf-Derendorf nach Minsk in Weißrussland deportiert. Seitdem gilt sie als verschollen und wurde am 8.5.1945 für tot erklärt.

 

Quelle: Gedenkbuch Wuppertal: YAD VASHEM; Das Bundesarchiv Gedenkbuch


 

 

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