Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Gratiana Pichler-Pemberger

 

Die 1912 geborene Österreicherin war Operationsschwester. Im August 1944 fiel sie der Gestapo wegen Unterstützung von Partisanen in die Hände. Bei den tagelangen Verhören wurde sie schwer mißhandelt. Schließlich kam sie in das KZ Ravensbrück. Dort arbeitete sie im Krankenrevier. Zusammen mit der österreichischen Ärztin Dr. Ilse Rabmeyer und illegaler Gruppen im Lager konnte sie Patienten vor dem sicheren Gastod bewahren. Gratiana Pichler-Pemberger verstarb 1975 in Weißenbach in Österreich.

 

Quelle: DÖW


 

Hannah Pick-Goslar, geb. Goslar

Hannah Elisabeth Goslar wurde am 12.11.1928 in Berlin geboren. Ihre Eltern waren der Nationalökonom und Wirtschaftspublizist Hans Goslar, geboren am 4.11.1889 in Hannover, und die Lehrerin Ruth Judith Goslar, geborene Klee am 23.10.1901 in Bonn. Hanneli, wie Hannah von ihren Eltern gerufen wurde, konnte sich später noch etwas an ihre ersten Kinderjahre in Berlin erinnern. Die Familie wohnte In den Zelten 21 A im Bezirk Tiergarten. Die Synagoge in der Passauer Straße oder die sonntäglichen Spaziergänge im Tiergarten blieben in ihrem Gedächtnis.

 

Doch bereits 1932 trifft die Goslars der zunehmende Antisemitismus. Ihr Vater wurde als Ministerialrat und Pressechef im Preußischen Innenministerium „beurlaubt“. 1933 emigrierte die Familie über England nach Amsterdam.

Sie wohnten in Amsterdam am Merwedeplein 31. In der gleichen Straße Nummer 37 lebte die Familie Frank, die aus Frankfurt geflüchtet war. Hanneli Goslar und Annelies Marie, genannt Anne, die später durch ihr Tagebuch weltberühmt werden sollte, wurden Freundinnen und so kamen die Familien in Kontakt. Bald feierten die Familien zusammen die Feiertage und die beiden Mädchen verbrachten abwechselnd die Zeit im anderen Zuhause, übernachteten bei der anderen, fuhren gemeinsam in die Ferien. Hanneli und Anne besuchten den gleichen Kindergarten und gingen danach zusammen auf die Montessori-Schule.

 

Bis zum 10.5.1940, den Tag, an dem die deutsche Wehrmacht in die Niederlande einmarschierte, konnten Hanneli und Anne relativ unbeschwert und unbehelligt aufwachsen. Ab da fingen sich die Ereignisse an zu überschlagen, obwohl die Eltern alles unternahmen, die Besorgnis von den Kindern fernzuhalten.

Zunächst schienen die Befürchtungen und Ängste unbegründet. Die Deutschen ließen die Juden anfangs weitgehendst in Ruhe. Aber schleichend führten die Nazis immer mehr Verordnungen ein, die eindeutig gegen die jüdische Bevölkerung gerichtet waren.

 

Hanneli bekam davon wenig mit. Am 25.10.1940 wurde ihre Schwester Rachel Gabriele Ida geboren. Anne war ganz verrückt nach dem Baby, verbrachte jede Minute bei den Goslars, schob stolz den Kinderwagen über den Merwedeplein. In einem Brief an die Großmutter in der Schweiz schrieb Anne am 13.1.1941: „Hannelis Schwesterchen ist sehr lieb. Ich darf sie manchmal auf meinen Arm nehmen. Sie lacht jetzt jeden an und alle Kinder beneiden Hanneli.“

Noch war es für Hanneli wichtiger, dass die Freundin ihr die alten Schlittschuhe schenkte, da Anne neue bekommen hatte. Dass sie nicht mehr die Kinos besuchen durften, war auch nicht weiter dramatisch. Die Franks liehen Filmapparat, Leinwand und Filme aus und veranstalteten in ihrer Wohnung Privatvorführungen. Die Idylle trog.

 

Im Februar 1941 wurden Hunderte von jüdischen Mitbürgern von der Straße weg verhaftet. Die holländische Kommunistische Partei rief zum Generalstreik auf. Am 25.2.1941 standen die Amsterdamer Straßenbahnen still, Geschäfte verweigerten Dienstleistungen, ganze Betriebe legten die Arbeit nieder. Der Streik wurde gewaltsam durch die Nazis beendet. Und es kamen immer mehr Verordnungen, die nun auch ganz direkt die jüdischen Kinder betrafen.

 

In der Schule wurden sie registriert, durften ab Sommerbeginn keine öffentlichen Badeanstalten, Schwimmbäder oder Parks benutzen. Ab September verbot man ihnen den Besuch von Bibliotheken, Theater, Museen, Spielplätze, Zoos, Sportplätze. Nach den Sommerferien mussten Hanneli und Anne die Montessori-Schule verlassen. Anfang Oktober wechselten sie zum jüdischen Lyzeum, dass in einer früheren Holzverarbeitungszentrale hastig eingerichtet worden war.

 

Anne war zunächst sehr unglücklich in der neuen Schule, bis sie wieder mit Hanneli in einer Klasse war. Im April 1942 schrieb Anne nach Basel: „Mit Hanneli bin ich wieder in derselben Klasse. Ihre Schwester ist sehr goldig und kann schon alleine laufen.“ Doch aufgrund der unterschiedlichen Entwicklung der beiden Mädchen entfremdeten sie sich etwas. Hanneli war eher noch Kind, ein liebes Mädchen. Bei Anne machte sich die Pubertät voll bemerkbar. Hannelis Mutter spottete: „Gott weiß alles, Anne weiß alles besser.“

 

Ab Mai mussten auch die Juden in Holland gelbe „Judensterne“ mit der Aufschrift „Jood“ tragen. Solidariserungsgesten der Holländer und der Kriegsverlauf ließen dennoch viele Juden hoffen, dass der Wahnsinn bald ein Ende fände. Hannelis Vater gehörte eher zu den Pessimisten. Annes Vater verbreitete dagegen sprühenden Optimismus und machte dadurch auf Hanneli großen Eindruck.

 

Solchen Optimismus brauchte sie. Die Schikanen der Nazis waren immer unerträglicher geworden. Soziale Ausgrenzung, Mißtrauen, Diskriminierung, Angst, Demütigung waren tagtägliche Erfahrung. Vor Sommer- und Ferienbeginn war den jüdischen Kindern jegliche sportliche Betätigung verboten worden. Die Fahrräder hatten die braunen Besatzer konfiziert. Das Benutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln war untersagt. Hanneli musste also mit Anne zur Schule laufen.

 

Es gab eine abendliche Ausgangssperre. Zwischen 20°° h und 6°° h durften sie sich nicht mal auf dem eigenen Balkon oder im Garten zeigen. Die Kinder wehrten sich auf ihre Weise. Klammheimlich hatten sie einen Pingpong-Club gegründet, bei einer Freundin von Hanneli stand die Tischtennisplatte, wo sich die Mitglieder des engsten Freundeskreis trafen. Der 12.6.1942 war eine willkommene Abwechslung. Mit einer stürmischen Umarmung gratulierte Hanneli ihrer Freundin Anne an diesem Morgen zum 13. Geburtstag, bevor sie zu Fuß zur Schule liefen. Am nächsten Tag fand die Geburtstagsparty von Anne statt, ein Höhepunkt im tristen Umfeld. Die nächsten drei Wochen waren ausgefüllt mit Lernen für das Zeugnis, denn das Schuljahr endete. Hanneli fiel in Geometrie glatt durch. Sie durfte zwar in die nächsthöhere Klasse, musste aber eine Nachprüfung im neuen Schuljahr ablegen. Auch Anne hatte in Algebra Probleme. Aber nun waren erstmal Ferien.

 

Hannahs Mutter wollte Marmelade einkochen. Sie schickte Hanneli zu Franks, um die Küchenwaage wiederzuholen, die Frau Frank entliehen hatte. Am Nachmittag des 6.7.1942 klingelte Hanneli bei der Freundin. Der Untermieter öffnete und war sehr unwirsch, ließ aber schließlich das Mädchen in die Wohnung, um die Küchenwaage holen zu können. Die Freundin war samt Familie verschwunden.

 

Hanneli dachte, dass die Freundin mit ihrer Familie überstürzt in die Schweiz emigriert war, weil Annes ältere Schwester nach Deutschland zum Arbeitsdienst sollte. Familie Goslar ahnte nichts vom Untertauchen der Franks in Amsterdam. Sie waren nicht informiert, denn für das Versteck wären sie zu gefährlich gewesen mit der zweijährigen Schwester und Hannelis hochschwangeren Mutter.

 

Im Oktober 1942 starb ihre Mutter während der Geburt des dritten Kindes. Doch Hans Goslar fühlte sich in Amsterdam relativ sicher, da er für sich und seine Töchter über Schweizer Verwandte die Staatsbürgerschaft von Paraguay käuflich erwerben konnte. Außerdem hatte er sich als bekannter Zionist für die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina eingesetzt, sodass er sich auf der sogenannten Palästinaliste als Veteran einschreiben konnte. Angehörige der Palästinalisten, Südamerikaliste und Doppelstaatlerliste waren von Deportationen nach Auschwitz vorerst rückgestellt. Die SS wollte sie als Pfand für eventuelle Tauschhandel, deutsche Kriegsgefangene gegen Juden, benutzen.

 

Bei einer Großrazzia wurde aber am 20.6.1943 die Familie Goslar festgenommen und in das Durchgangslager Westerbork verschleppt. Nun erwies es sich doch als Glück, dass die Familie Goslar auf der Palästinaliste stand. Zunächst konnten sie dadurch länger im KZ Westerbork bleiben. Das KZ im Nordosten von Holland war alles andere als ein einladender Ort. Ungünstige klimatische Verhältnisse erschwerten dort das Leben. Zusätzlich war das Lager hoffnungsvoll überbelegt, was zu katastrophalen hygienischen Verhältnissen führte. Das Barackenlager besaß aber noch eine funktionierende jüdische Selbstverwaltung, die soziale und kulturelle Angebote sicherten. Jugendgruppen und Schulunterricht wurden organisiert. Acht Monate konnte die Familie in Westerbork bleiben.

 

Es wurde ein entscheidender Faktor, dass die Goslars auf der 2. von insgesamt 40 Palästinalisten stand. Denn um Transporte nach Auschwitz aufzufüllen, entschied der Lagerkommandant, dass nicht soviele Austauschjuden nötig seien. Ab der 3. Palästinaliste wurden die Menschen nach Auschwitz deportiert. Für die kleine Schwester von Hannah Goslar wäre es das sichere Todesurteil gewesen, denn in Auschwitz wurden die Menschen unter 15 Jahren und über 55 Jahre bei der Ankunft direkt in die Gaskammer geschickt.

 

Am 15.2.1944 deportierten die Nazis die Familie stattdessen in das Konzentrationslager Bergen-Belsen, ein sogenanntes Austauschlager. In diesem KZ waren die Lebensbedingungen grauenhaft und doch war Bergen-Belsen für Hannah und Rachel Goslar insoweit ein Glücksfall, dass sie eine geringe Überlebenschance erhielten. Hannah, 15 Jahre alt, wurde überwiegend vor Zwangsarbeit verschont, da sie als Mutter der kleinen Schwester gewertet wurde.

 

Je näher die alliierten Truppen rückten, umso mehr KZ´s wurden von den Nazis „evakuiert“. Nachdem aus Auschwitz ein Gefangenentransport in Bergen-Belsen eintraf, erfuhr Hannah Goslar, dass ihre Freundin Anna Frank doch nicht in der Schweiz in Sicherheit war. Dass sie in Amsterdam mit ihrer Familie untergetaucht gelebt hatte, verraten und über Westerbork nach Auschwitz deportiert worden war. Die Mädchen konnten sich nicht treffen. Heimlich gelang es ihnen, dreimal durch einen Stacheldrahtzaun mit Sichtschutz miteinander zu reden. Mit Anne war auch Margot Frank nach Bergen-Belsen gekommen. Sie war bereits zu schwach und krank, um zum Zaun zu gelangen. Hanneli erfuhr von Anne, dass diese davon ausging, dass ihre anderen Angehörigen bereits ermordet waren. Sie musste auch vom Tod ihres Vaters ausgehen, da dieser beim Eintreffen in Auschwitz bereits 56 Jahre alt war.

 

Später sollte Hannah erfahren, dass Annes Vater Auschwitz überlebt hatte. Dadurch, dass er für KZ-Verhältnisse relativ gut ernährt war, kam er durch die Selektion durch, weil er gesund war und man ihn für jünger einschätzte. Hannah stellte sich oft die Frage, ob dieses Wissen vielleicht ihrer Freundin geholfen hätte, mehr Überlebenswillen zu entwickeln. Als sogenannter Austauschhäftling ging es Hannah etwas besser als der Freundin. Ab Februar 45 bekamen die Listenhäftlinge vom Roten Kreuz zwei winzige Päckchen mit Nahrungsmitteln. Eigentlich ein Tropfen auf den heißen Stein, unter den Bedingungen im KZ jedoch fast überlebenswichtig. Ihr gelang es, der Freundin über den Zaun etwas Essbares zu werfen.

 

Die Kommunikation zwischen Hannah und Anne wurde auch mit durch den Zustand ihres eigenen Vaters unterbrochen. Er erkrankte durch die Haftbedingungen im KZ schwer. Ihre Großmutter lehnte einen Austausch, den Weg in die Freiheit, ab, um den Schwiegersohn zu pflegen. Er starb am 25.2.1945. Als Hanneli nach einigen Tagen wieder zum Zaun kam, war Anne verschwunden, verschoben in einen anderen Teil des Lagers. Vier Monate nach dem Vater starb die Großmutter.

 

Hannah, 16 Jahre, und ihre Schwester Rachel, 4 Jahre, waren Vollwaisen und alleine auf sich gestellt. Und auf Hannah lag nun die gesamte Verantwortung für die kleine Schwester. Anfang April trieben die Nazis die Mädchen mit Tausenden anderer Häftlinge in Viehwaggons. In Theresienstadt kam der Zug nie an. Zehn Tage lang irrte der Zug durch Deutschland. Die Fahrt war für die Schwestern der schlimmste Horror, den sie auf ihrem Leidensweg erlebten. Endlich befreite die Rote Armee die Häftlinge bei Tröbitz in Brandenburg.

 

Die beiden Mädchen kamen zunächst in Schilda in dem verlassenen Haus des braunen Bürgermeisters unter. Dann durchliefen die schwerkranken Mädchen mehrere Krankenhäuser. Hanneli litt unter einer akuten Lungenfellentzündung.

 

Otto Frank, auf der Suche nach seiner Familie, entdeckte die Namen der Goslar-Mädchen auf einer Liste von Überlebenden und kümmerte sich um sie. Die Hoffnung von Hannah, dass Anne wie sie den Wahnsinn überlebt hätte, musste er leider zerstören. Anne war in Bergen-Belsen umgekommen. Von ihren Freundinnen hatte keine überlebt. Otto Frank sorgte dafür, dass die Mädchen schließlich zu Verwandten in die Schweiz einreisen konnten. „Oom Otto“ (Onkel Otto) blieb für die Goslar-Mädchen ein väterlicher Freund.

 

Ein Jahr brauchte Hannah Goslar, um sich zumindest körperlich vom KZ zu erholen und zu genesen. Da sie noch keine Einreisegenehmigung nach Palästina besaß, besuchte sie in der Schweiz noch ein Jahr die Schule. 1947 emigrierte sie alleine nach Palästina. Ihre Schwester blieb zunächst krankheitsbedingt in der Schweiz und kam 1949 nach Israel.

 

Trotz der schlimmen Erfahrungen gelang es Hannah Goslar in der neuen Heimat Fuß zu fassen. Sie erlernte den Beruf der Kinderkrankenschwester und arbeitete in den folgenden Jahren auch als Schul- und Sozialschwester. Sie heiratete, gründete eine Familie. „Ich habe elf Enkel und zwei Urenkelinnen. Das ist meine persönliche Rache an Hitler“, erklärte sie mal. Durch Otto Frank, der sie immer wieder dazu animierte, begann sie über ihre Zeit unter dem braunen Mob zu berichten. Ein Beweggrund für sie war, die Erinnerung an ihre Freundinnen, die den Holocaust nicht überlebten, wach zu halten. Ein anderer Beweggrund war aber auch, dass das Tagebuch ihrer Freundin zuviel ausklammerte. Denn die Menschen in der Welt, die das Buch lasen, stellten fest, dass es ein schön geschriebenes Buch eines armen kleinen Mädchens war, dass dann starb. Die Hintergründe, was man dem Mädchen antat, was sie ertragen und erleiden musste, was wirklich passierte, dass deckte das Buch nicht auf.

Auch, wenn es schwer fiel, stellte sie sich fortan als Zeitzeugin zur Verfügung, auch nach ihrer Pensionierung. In dem Zusammenhang unternahm sie zahlreiche Reisen, auch nach Deutschland. Ihre Botschaft, besonders an die jungen Menschen, ist einfach: Nie wieder ein Auschwitz!

 

Quellen: Ich danke besonders Heide Kramer für ihre unterschiedlichen Beiträge zu Frau Pick-Goslar; kanalB http://kanalb.org/topic.php?clipId=240; haGalil http://www.hagalil.com/archiv/2000/01/frank.htm; Anne Frank; Das Tagebuch der Anne Frank; ISBN 978-3596152773; Melissa Müller; Das Mädchen Anne Frank; ISBN 3-546-00151-6


 

Vera Picková

 

Vera Picková wurde am 25.10.1919 in Drahánovice in der Nähe von Olomouc geboren. Ihr Vater war Offizier der tschecheslowakischen Armee, ihre Mutter gebürtig aus Russland. Nach dem Besuch der Handelsschule 1938 arbeitete Vera Picková in den tschechischen Škoda-Werken. Sie erkannte die wachsende Bedrohung durch Nazideutschland und nahm an den Demonstrationen gegen Hitlers Gebietsforderungen teil. Am 30.9.1938 beantragte sie die Aufnahme in die Kommunistische Partei und arbeitete aktiv im Kommunistischen Jugendverband mit. Am 6.2.1940 wurde Vera Picková auf dem Weg zu einem illegalen Treffen verhaftet. Im November 1940 wurde sie vom Prager Gefängnis Pankrac nach Ravensbrück überstellt.

 

Im Frauenkonzentrationslager arbeitete die 21-Jährige bald mit im Krankenrevier. 1943 kam sie ins "Frauen-Arbeitserziehungslager" Watenstedt-Hallendorf bei Braunschweig. Auch dort arbeitete sie im Krankenrevier. Im April 1945, kurz vor Kriegsende, wurde das Lager von amerikanischen Flugzeugen bombardiert. Die Frauen konnten in ein nahegelegenes Wäldchen fliehen.

 

Nach Kriegsende arbeitete Vera nicht mehr in der Pflege, sondern als Übersetzerin und Journalistin. Sie heiratete im Februar 1946 Erwin Pick, der nach Theresienstadt deportiert, kurz vor Kriegsende dort entkommen konnte und Anfang Mai in Prag am Aufstand gegen die Nazis teilnahm. Das Ehepaar bekam eine Tochter und drei Söhne. Obwohl sich Vera Picková später für eine tschechisch-deutsche Versöhnung einsetzte, mahnte sie stets um eine Erinnerung an die düsteren Zeiten. Die Stadt Prag ernannte sie zur Ehrenbürgerin. Besonders ihr Engagement als Krankenpflegerin wurde anerkannt, weil es ihr gelang, viele Leben zu retten. Vera Picková starb am 17.8.2003.

 

Quellen: KAZ; Halonoviny


 

Betsie Piller

 

Betsie Piller wurde von Freunden und Verwandten "Bep" gerufen. Sie wurde am 17.7.1918 in Amsterdam geboren. Ihr Vater hieß Jacob Piller, geboren am 10.10.1889. Er wurde am 22.10.1942 in Auschwitz ermordet. Zu Kriegsbeginn arbeitete die Krankenschwester in dem Jüdischen Krankenhaus "Joods Ziekenhuis" in Rotterdam. Am 26.2.1943 wurde das Personal und Patienten von den Nazis in das KZ Westerbork verschleppt. Betsie Piller konnte dieser Aktion entgehen. Nachdem sich die Lage für die jüdische Bevölkerung in den Niederlanden zusehends verschärfte, tauchte sie unter. Sie wurde aufgegriffen und von den Nazis nach Theresienstadt verschleppt. Von dort wurde sie in das KZ Auschwitz deportiert. Betsie Piller starb auf diesem Transport. Als Todesort wurde Auschwitz erklärt und als Sterbedatum der 28.2.1945 festgesetzt. Ihre Mutter Vrouwgien Piller-van Geens und ihre Schwestern Anna und Rosa konnten den Holocaust überleben.

 

Quelle: Joods Monument


 

Margot Pinkus

 

Margot Pinkus wurde am 26.6.1922 in Recklinghausen geboren. Die Krankenschwester war im SS-Sammellager Mechelen und wurde mit dem Transport XXI am 31.7.1943 unter der Nummer 78 nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Für die Nazibehörden galt sie als Staatenlose. Margot Pinkus wurde ermordet, es existiert kein Sterbedatum, nur das Sterbejahr 1943.

 

Ich danke für die Recherche Frau Laurence Schram vom Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) in der ehemaligen Mechelner Dossinkaserne.


 

Marta Pinkus

 

Marta Pinkus wurde am 24.7.1904 in Vandsburg (heute Wiecbork), Kreis Sepolno (heute Powiat Sepolenski) in Westpreußen (heute polnische Woiwodschaft Kujawien-Pommern) geboren. Die jüdische Krankenschwester hatte im „Israelitischen Asyl für Kranke und Altersschwache“ in Köln gearbeitet. Sie wurde zusammen mit mindestens acht Kollegen in Köln im Durchgangslager Müngersdorf Fort V inhaftiert, nachdem das jüdische Krankenhaus 1942 geräumt wurde. Marta wurde mit den Kollegen und Patienten nach Berlin verschleppt und im 27. "Osttransport" mit der Nummer 278 nach Auschwitz deportiert. Sie gilt als verschollen. Da sie in Auschwitz nicht registriert wurde, ist davon auszugehen, dass sie am Ankunftstag ermordet wurde.

 

Marta Pinkus wurde 38 Jahre alt.

 

Quellen: YAD VASHEM; Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich


 

Selma Pinski, geb. Frankfurter

 

Selma Frankfurter wurde am 20.10.1902 in Mannheim geboren. Die Krankenschwester war mit Aron Pinski verheiratet. Sie wurde von den Nazis als staatenlos erklärt und im SS-Sammellager Mechelen in Belgien interniert. Unter der Nummer 425 wurde sie am 19.5.1944 mit dem Transport XXV in das KZ Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurde.

 

Ich danke für die Recherche Frau Laurence Schram vom Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) in der ehemaligen Mechelner Dossinkaserne.


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