Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege""... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"
Ilse Weber wurde am 11.1.1903 in Witkowitz (Österreich-Ungarn, heute Vitkovice) geboren. Ihre Mutter besaß eine Gaststätte, besucht von Polen, Tschechen und Deutschen, in der sie schon als Kind aushalf. So wuchs sie multikulturell und mehrsprachig auf. Sie besuchte eine deutsche Schule, fühlte sich aber eher mit Tschechien verbunden.
Bereits als Jugendliche wurden von ihr kleine Theaterstücke, jüdische Märchen, Kurzgeschichten und Gedichte veröffentlicht. Nach der Schulzeit stieg sie in den Gastwirtschaftsbetrieb der Mutter ein. 1930 heiratete sie ihren Jugendfreund Willi. Sie bekamen zwei Söhne. Auch in dieser Zeit betätigte sie sich weiter in der Kinder- und Jugendliteratur.
Durch den Nationalsozialismus wurde die Familie isoliert, Deutsche wendeten sich von ihr als Jüdin ab, Tschechen mieden sie als Deutsche.Pläne zur Auswanderung scheiterten und sie mussten zwangsweise nach Prag umziehen. Es gelang noch, den achtjährigen Sohn Hanus mit einem Kindertransport nach Schweden zu schicken. Wie sehr sie darunter litt, machte sie in einem ihrer späteren Lieder deutlich.
In Prag arbeitete Ilse Weber bereits als Krankenschwester. Am 6.2.1942 wurde sie in das Ghetto Theresienstadt deportiert und die Familie auseinandergerissen. Auch hier arbeitete Ilse in der Pflege und wirkte in der knappen Freizeit literarisch. Viele Lieder entstanden, die sie selbst vertonte und Kindern und Alten im Krankenrevier zur Mandoline vorsang.
1944 ging von Theresienstadt ein Kindertransport in das KZ Auschwitz. Inzwischen hatte es sich herumgesprochen, was das bedeutete. Zum Transport gehörte auch ihr Sohn Tommy. Freiwillig begleitete Ilse den Transport, um ihren Sohn und die anderen Kinder nicht alleine zu lassen. Am 6.10.1944 wurden Ilse Weber, Tommy und die anderen Kinder ermordet. Augenzeugen berichteten später, dass sie Ilse Webers Stimme noch aus der Gaskammer hörten, als sie den Kindern ihr Lied "Wiegala" vorsang.
Wiegala Wiegala, wiegala, wille, wie ist die Welt so stille! Es stört kein Laut die süße Ruh, schlaf, mein Kindchen, schlaf auch du. Wiegala, wiegala, wille, wie ist die Welt so stille!
Willi Weber überlebte Theresienstadt und Auschwitz schwerkrank und als gebrochener Mann. Nach dem Krieg setzte er seine gesamte Energie dafür ein, die literarischen Zeugnisse seiner Frau zu sammeln. Viele ihrer Lieder konnte er durch die Hilfe ehemaliger Mitgefangener sichern. Mit einer Veröffentlichung ihrer Werke in einem Buch gelang es ihm, ihr ein literarisches Denkmal zu setzen.
Hanus Weber, der ältere Sohn, blieb in Schweden, wurde politischer Korrespondent und gründete eine Familie. Er setzte sich immer wieder um eine Veröffentlichung der Werke seiner Mutter ein. Bente Kahan, eine norwegisch-jüdische Schauspielerin und Sängerin veröffentlichte 1997 mit seiner Unterstützung eine Liedersammlung seiner Mutter. Die schwedische Sopranistin Anne Sofie von Otter brachte 2007 ein Album mit Liedern aus Theresienstadt heraus und wählte Ilses Lied „Ich wandre durch Theresienstadt“ als Titellied aus.
Ich wandre durch Theresienstad
Ich wandre durch Theresienstadt, mein Herz so schwer wie Blei. Bis jäh mein Weg ein Ende hat, bis jäh mein Weg ein Ende hat, dort knapp an der Bastei, dort knapp an der Bastei.
und schau ins Tal hinaus. Ich möcht so gerne weitergehn, ich möcht so gerne weitergehn. Ich möcht so gern nach Haus. Ich möcht so gern nach Haus.
du machst das Herz mir schwer. Man nahm mir mein Zuhause fort, man nahm mir mein Zuhause fort. Ich habe keines mehr, ich habe keines mehr.
so schwer wird mir dabei: Theresienstadt, Theresienstadt, wann wohl das Leid ein Ende hat - wann sind wir wieder frei, wann sind wir wieder frei?
Quellen: https://en.wikipedia.org/wiki/Ilse_Weber; http://buecher.hagalil.com/2009/10/ilse-weber/; Wann wohl das Leid ein Ende hat: Briefe und Gedichte aus Theresienstadt ISBN: 9783446230507; Bente Kahan, http://www.denktag.de/Ilse_Weber.691.0.html; Robert Edwards, http://www.findagrave.com/cgi-bin/fg.cgi?page=gr&GRid=23170154
Magdalena Berty, von allen Freunden nur Lenchen gerufen, wurde am 21.1.1898 in Merzig im Saarland geboren. Lenchen stammte aus einer Arbeiterfamilie, ihr Vater Peter Berty war Fabrikarbeiter. Nach dem Tod ihrer Eltern Margarethe und Peter wuchs sie mit ihrem Bruder bei ihrem Onkel Mathias Bohr in Merzig-Besseringen auf. In Sulzbach heiratete sie Karl Weber. Sie engagierte sich im SPD Ortsverband Sulzbach und war Mitglied im Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und Arbeiterwohlfahrt (AWO). Für den ASB ließ sie sich als Sanitäterin ausbilden.
Lenchen Weber erkannte ab 1933 die Gefahr, die von Hitler und seinen braunen Horden ausging. Sie lebte im sogenannten Saargebiet, dass nach dem I. Weltkrieg unter französische Verwaltung gestellt wurde. 1935 sollte eine Volksabstimmung über den zukünftigen Status stattfinden. Bis Hitlers Machtergreifung waren sich im Grunde genommen alle Parteien im Saargebiet einig, wieder zum Deutschen Reich zu wollen. Nach 1933 versuchten die linken Parteien, den "Status Quo" bis zum Sturz Hitlers zu behalten, also weiterhin eine Mandatsverwaltung. Am 26.8.1934 demonstrierten Zehntausende in Sulzbach gegen die Nazi-Diktatur und für eine freie Saar. Unter ihnen auch Lenchen Weber. Die Wahl endete mit 90,73 % für eine Vereinigung mit Deutschland, 8,86 % für den "Status Quo" und 0,4 % für eine Vereinigung mit Frankreich.
Nach dieser Abstimmungsniederlage floh Lenchen Weber mit ihrem Mann nach Clermont-Ferrand in Frankreich. 1936 schlossen sie sich in Spanien den Internationalen Brigaden an. Sie arbeitete als Röntgenschwester in Albacete.
Nach dem Sieg der Franco-Faschisten kehrte sie nach Frankreich zurück, wo sie 1941 in Montauban verhaftet und an die Gestapo ausgeliefert wurde. Lenchen Weber kam ins KZ Ravensbrück. Sie arbeitete wieder in der Pflege im "Seuchenblock". Mali Fritz schrieb über sie in ihrem Buch "Essig gegen den Durst", dass ihr Lenchen durch ihre Hilfsbereitschaft und menschliche Wärme auffiel. Magdalena Weber überlebte das Konzentrationslager Ravensbrück nicht und starb im Frühjahr 1945.
Quellen: Mali Fritz: Essig gegen den Durst. 565 Tage in Auschwitz-Birkenau. Wien 1986
Resi Weglein, geb. Regensteiner, wurde am 15.2.1894 in Nördlingen geboren. 1915 im I. Weltkrieg ließ sie sich zur Krankenschwester ausbilden. Vermutlich lernte sie im Lazarett ihren späteren Mann Siegmund kennen, den sie 1922 heiratete. Er war Kaufmann und Kriegsversehrter und besaß in Ulm ein Bekleidungsgeschäft, in dem Resi Weglein ihm nach der Heirat half.
1935 mussten sie das Geschäft durch den Nazidruck schließen. Ihre Söhne konnten 1939 fliehen. Resi Weglein und ihr Mann wurden am 23.8.1942 mit dem Transport XIII/1-922467 aus Stuttgart nach Theresienstadt deportiert. Sie war eine der Krankenschwestern im Konzentrationslager Theresienstadt, denen es gelang, unter widrigsten Bedingungen Alte, Kranke, Behinderte zu betreuen und zu versorgen. Die inhaftierten jüdischen Krankenschwestern konnten die pflegerische Versorgung des Lagers nur unter übermenschlichen Anstrengungen aufrechterhalten. Über ihre Ankunft in Theresienstadt berichtete sie:
"Am 22. August 1942 kamen wir in das Sammellager Killesberg-Stuttgart, von da aus der Transport 1.200 Leute nach Theresienstadt abtransportiert wurde. Schon unterwegs starben gesunde und kranke Leute [...]. Es wurde uns versprochen, dass wir in ein Altersheim kommen. Aber die Enttäuschung war groß, als [wir] in Theresienstadt auf dem Dachboden einer Kaserne landeten. Dort waren schon tausend Leute auf dem Steinboden ohne Unterlage, nur Bettzeug wurde uns gestattet, Kissen, Wolldecke, Fenster waren keine da, nur Dachluken. Durch das wenige Essen und sonstige Entbehrungen starben täglich so und so viel Leute an Typhus und Ruhr. Das Wasser mussten wir zum Putzen und übrige Arbeiten vier Treppen vom Hof in kleinen Eimern tragen. Oft wurde der Brunnen abgestellt. Für die Putzarbeiten mussten wir Chlorkalk nehmen. Jeden Tag gingen Transporte nach dem Osten. Von Österreich, Tschechoslowakei, Holland, Polen und Deutschland kamen dauernd Transporte an; sobald welche von Theresienstadt abgingen, wurde wieder frisch aufgefüllt. Die Leute, die nicht zu krank und zu schwach waren, mussten schwer arbeiten, teils in Fabriken und Betrieben für das Militär. Wir wurden zu anderen Arbeiten eingesetzt. Es gab nie einen freien Tag, weder Sonn- oder Feiertag."
Resi Weglein nannte in ihren Erinnerungen 29 Krankenschwestern, von denen nur sieben überlebten, die meisten der anderen wurden nach Auschwitz abtransportiert. Als Begleitpersonen für die Kranken und Behinderten wurden sie mit ins Gas geschickt. In der Regel wussten die Betroffenen, was sie erwartete, wenn sie ihre Patienten begleiteten. Dass Resi Weglein Theresienstadt überlebte und nicht nach Auschwitz als Arbeitsunfähige deportiert wurde, grenzte an ein Wunder.
"1944 bekam ich eine Brandblase durch einen defekten Ofen. Mein Finger wurde mir mit einer unsterilen Schere aufgeschnitten, was sofort eine Blutvergiftung – Phlegmone – verursachte. Der Körper war vollständig unterernährt mit 70 Pfund. Der Finger musste amputiert werden, die Vergiftung breitete sich weiter am Arm aus und ist trotz 18 Operationen nicht zu retten gewesen. Ich verlor im Februar 1944 meinen Arm und konnte monatelang nicht mehr aufstehen. Ich wurde zu medizinischen Versuchen für das Militär benutzt. Mein größter Kummer war, meinen Beruf als Schwester nicht mehr ausüben zu können. Ich habe später im Lager trotzdem, soweit es ging, Nachtwachen und andere Arbeiten verrichtet."
Am 9.5.1945 wurde Theresienstadt durch die Rote Armee befreit. Resi Weglein beschrieb in ihren Lebenserinnerungen die Zeit nach der Befreiung:
„Das Leben ging für uns im alten Gleise weiter, nur wurden wir täglich satt. Wir konnten allerdings die uns zugeteilten 500 Gramm nicht aufessen. Solch große Mengen hätte der ausgehungerte Magen nicht mehr verarbeiten können. (. . .) Jeden vierten Tag konnten wir ein ganzes Brot abgeben und hatten selbst noch reichlich. Täglich gab es mittags und abends Graupengerichte, einmal in der Woche 500 Gramm Kartoffeln mit Fleischtunke.“
Am 8.7.1945 kehrten Resi Weglein und ihr Mann nach Ulm zurück. Die geplante Auswanderung nach Amerika scheiterte durch die Pflegebedürftigkeit von ihrem Mann.
Resi Weglein starb am 28.1.1977 in Ulm.
Quellen: Resi Weglein: Als Krankenschwester im KZ Theresienstadt. Erinnerungen einer Ulmer Jüdin. Tübingen 1988 (Die NS-Zeit in der Region Ulm/Neu Ulm, Bd. 2); Zeichen der Erinnerung; Wolfgang Schellenbacher: Das Gesundheitswesen im Ghetto Theresienstadt (Diplomarbeit); Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg
Gertrud Weil
Gertrud Weil wurde 1920 in Augsburg geboren. Ihr Vater Siegfried Weil, geboren 1878, war Diplomingenieur für Maschinenbau und besaß eine Firma für landwirtschaftlichen Maschinenbau. Ihre Mutter Amalie Weil geborene Lamm, geboren 1895, war bis zu ihrer Heirat als Malerin künstlerisch tätig. 1931 musste ihr Vater die Firma verkaufen und arbeitete nun als Vertreter. 1938 starb er.
Gertrud war das ältste von drei Geschwistern. Sie besuchte von 1930 bis 1935 die Maria-Theresia-Schule. Nach ihrer Schulzeit absolvierte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester in München. Ab 1936 arbeitete sie in Berlin in einem Säuglingsheim. 1939 trat sie eine Stellung bei einem jüdischen Arzt in Augsburg an. Ihre Jugendliebe Ernst Günzburger war bereits nach Brasilien ausgewandert.
1940 heiratete sie ihn in "Fernehe". Doch gelang es ihr nicht mehr, ihm zu folgen und Nazideutschland zu verlassen. Lediglich ihrem jüngeren Bruder Alfred, später Arie, gelang noch die Flucht nach Palästina. 1942 musste sie mit ihrer Mutter Amalie und Schwester Marianne in ein sogenanntes "Judenhaus" ziehen. Im März 1943 wurden Gertrud, ihre Mutter und Schwester nach Auschwitz deportiert. Mutter und Schwester wurden nach der Ankunft im KZ umgebracht. Gertrud Weil arbeitete im Revier. Dort infizierte sie sich mit Typhus und starb im Juli 1943.
Quellen: Sofia Dratva: »Geschichte der Familie Weil« In: Peter Wolf (Hrsg.), Spuren. Die jüdischen Schülerinnen und die Zeit des Nationalsozialismus an der Maria-Theresia-Schule Augsburg. Ein Bericht der Projektgruppe »Spurensuche« des Maria-Theresia-Gymnasiums, Augsburg 2005
Lucia Weimer: siehe Lucia Bub, geborene Weimer
Perl Weiss, geb. Kluger
Die Daten zu dieser Krankenschwester sind ausgesprochen dürftig. Perl wurde 1898 in Krakow geboren. Ihre Eltern hießen Sima und Wolf Kluger. Wo und wann Perl ihre Ausbildung zur Krankenschwester machte, ist nicht bekannt.
Sie war verheiratet mit Dr. med. Chaim Weiss, geboren 1890 in Tarnow. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, Ruth (siehe Ruth Merdinger), geboren 1927, und Jakub Janek, geboren 1929.
Als die Wehrmacht im September 1939 die Stadt Tarnow besetzte, begann ein unglaublicher Terror gegen die jüdische Bevölkerung. In der Stadt waren etwa 30000 jüdische Menschen, die nun Zwangsarbeit leisten mussten und ständigen Gewaltexzessen ausgesetzt waren. Im Frühjahr 1940 wurde die jüdische Bevölkerung in ein Ghetto gepfercht, in dem Perl und ihr Mann als Krankenschwester und Arzt unter widrigsten Umständen arbeiteten.
Ständig fanden Übergriffe, Erschießungen und Deportationen in Vernichtungslager statt. Im Sommer 1942 wurde das Ghetto abgeriegelt für weitere geplante Deportationen.
1943 wurde das Ghetto endgültig aufgelöst. Etwa 7000 bis 8000 Menschen aus dem Ghetto wurden in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert, darunter die Familie Weiss. Perls Ehemann starb noch in Tarnow beim Abtransport. Er war aus dem Zug gesprungen und wurde erschossen. Ihr Sohn wurde in Auschwitz ermordet. Im Vernichtungslager arbeitete Perl als Krankenschwester im Krankenrevier.
Perl Weiss überlebte Auschwitz nicht. Todesumstände und Todesdatum existieren nicht.
Ihre Tochter Ruth überlebte Auschwitz und legte bei YAD VASHEM für ihre Eltern und Bruder Gedenkblätter an.
Quellen: YAD VASHEM; Beth Israel School of Nursing; geni.com
Helene Weissman
Von der Krankenschwester fehlen sämtliche Lebensdaten. Bekannt ist nur, dass die Jüdin bei den Internationalen Brigaden kämpfte. 1937 bis 1938 arbeitete sie sicher mit Toby Jensky und Rose Waxman zusammen, da aus dieser Zeit ein Bild im Robert F. Wagner Labor Archiv / New York existiert.
Quelle: Martin Sugarman, AJEX - Jewish Military Museum
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Ilse Weber, geb. Herlinger
Magdalena Weber, geb. Berty (Lenchen)
Resi Weglein