Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege""... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"Bianka Höfling, geborene Mathias
in Bearbeitung
Rosa Höhle
Bis jetzt sind genauere Daten von der Krankenschwester nicht bekannt. Rosa Höhle arbeitete im Krankenhaus Moabit in Berlin. Weil sie eine "Halbjüdin" nach NS-Definition war, wurde ihr am 30.11.1933 gekündigt.
Quelle: Dr. Christian Pross; "Nicht misshandeln", ISBN 3-88725-109-1
Emilie Hofer wurde am 29.9.1903 geboren. Die Krankenschwester lebte in Wien. Sie wurde von der Gestapo Wien am 6.9.1939 verhaftet. Man warf ihr ein "Vergehen nach dem Heimtückegesetz" vor. Sie musste ein Jahr ins Gefängnis.
Aus der Anklageschrift des Oberstaatsanwalts beim Landgericht Wien als Sondergericht, 26. 4. 1940: "Ich beantrage unter Anordnung der Haftfortdauer vor dem Landgericht Wien als Sondergericht Hauptverhandlung anzuordnen auf Grund der Anklage: Emilie Hofer habe am 2.9.1939 in Wien böswillig gehässige und hetzerische und von niedriger Gesinnung zeugende Äußerungen über leitende Persönlichkeiten des Staates und der NSDAP [...] gemacht, [...] indem sie sich zu [...] äußerte: 'Jetzt möchte ich an der Front in Polen sein und fest schießen, aber nicht nach vorne, sondern auf einen Bestimmten zurück.' 'Der Feind ist nicht vorne, sondern hinten.' 'So billig, wie er (der Führer) Österreich und die Tschechoslowakei bekommen hat, dürfte er Danzig nicht kriegen.'"
Gesetzt den Fall, dass sie diese Äußerungen wirklich machte, kam sie mit der einjährigen Gefängnisstrafe, zu der man sie schließlich verurteilte, ausgesprochen glimpflich davon. Denn für entschieden harmlosere Bemerkungen wurden andere Menschen hingerichtet.
Am 7.10.1941 wurde sie erneut verhaftet. Diesmal warf man ihr vor, dass "in ihrem Besitz ein Gedicht aus dem Jahre 1940 legitimistischen Inhalts vorgefunden wurde". Legitimisten, also Anhänger der Österreichischen Monarchie, betrachteten Otto von Habsburg als ihr rechtmäßiges Staatsoberhaupt und nicht Hitler. Sie verweigerten dem Deutschen Reich den Treueeid und wurden deshalb von den Nationalsozialisten verfolgt.
Der zweite Anklagepunkt verdächtigte sie "einem Parteigenossen gegenüber durch Herausstrecken der Zunge die NSDAP geschmäht zu haben". Diesmal hatte sie Glück und das Verfahren wurde am 7.1.1942 eingestellt. Mitte März 1942 wurde sie aus der Haft entlassen.
Emilie Hofer überlebte die Nazizeit.
Quelle: DÖW
Albert Clarence Hoffman
Über Albert Clarence Hoffman fehlen leider die Lebensdaten. Er arbeitete im Pflege- oder Sanitätsdienst bei den Internationalen Brigaden.
Quelle: Martin Sugarman, AJEX - Jewish Military Museum
Rosa, genannt Rosi, Rebitzer wurde am 10.12.1898 in Weiden geboren. Ihre Eltern waren Gustav Rebitzer, geboren am 5.5.1870 in Ottensoos bei Lauf an der Pegnitz, und Ernestine, genannt Tina, geborene Boscowitz am 31.3.1875 in Floss. Ihr Bruder Herrmann war ein Jahr jünger. Die Familie wohnte in Weiden, Max-Reger-Straße 18. In Weiden befand sich auch die Schuhfabrik Salix, die ihr Vater zusammen mit ihrem Onkel Albert Boscowitz besaß.
Was Rosa nach dem Mädchenlyzeum machte, ist nicht bekannt. Am 6.4.1925 heiratete sie in Weiden den nichtjüdischen HNO-Arzt Dr. Salamon Stefan Friedrich Hoffmann, Friedl genannt, geboren am 14.11.1896 in Waldsassen. Das stieß anfangs nicht unbedingt bei ihren Eltern auf Begeisterung. Das legte sich aber sehr schnell, nachdem sie Friedrich näher kennenlernten. Sie waren nicht nur von seinem Charakter angetan, sondern auch davon beeindruckt, dass er sein Studium mit Bestnoten abgeschlossen und an renommierten Kliniken gearbeitet und seinen Facharzt abgeschlossen hatte. Schnell war der evangelische Schwiegersohn in der Familie integriert. Nach der Heirat arbeitete Rosa bei ihrem Mann in der Praxis, hatte also bereits Gelegenheit, sich medizinische und pflegerische Kenntnisse anzueignen. Die Ehe blieb kinderlos.
Für die Nazis blieb sie trotz der Heirat eine Jüdin. Ihrem Bruder gelang rechtzeitig die Emigration in die USA, ihre 17jährige Cousine konnte noch im April 1939 nach England flüchten. Eventuell blieb Rosa, weil sie und ihr Ehemann dachten, dass sie durch die sogenannte "Mischehe" ausreichend geschützt sei. Das sollte sich als Trugschluss herausstellen, obwohl ihr Ehemann sich trotz Einschüchterungsversuchen, Drohungen, Schikanen weigerte, sich von ihr scheiden zu lassen. Wenigstens auf ihren Mann konnte sich Rosa verlassen. Andere Menschen hatten nicht das Glück, denn viele nichtjüdische Ehepartner gaben unter dem immensen Druck der Nazis nach und lieferten mit der Scheidung ihre Ehegatten endgültig den Nazis aus.
Bald mussten Rosa und Friedrich erkennen, dass es auch für sie in Weiden trotz ihrer "Mischehe" immer gefährlicher wurde. Vielleicht verwarf sie auch eine Emigration und blieb in Deutschland, um ihren Eltern beistehen zu können. Sie zog nach Berlin, da die Großstadt durch die Anonymität einen gewissen Schutz bot. In Berlin wohnte sie ab dem 17.1.1939 in Berlin-Wilmersdorf, Pfalzburger Straße 24. Rosa machte eine Pflegeausbildung im Jüdischen Krankenhaus. Anschließend arbeitete sie dort als Krankenschwester. Eventuell nach Hause zurückkehren durfte sie nicht. Ihr Mann bekam nicht die Erlaubnis, sie heimzuholen. Rosa erlebte mit, wie FreundINNeN und KollegINNen nach Polen deportiert wurden. Vielleicht hatte es ihre Nerven so zerrüttet oder sie konnte erfolgreich einen Zusammenbruch vortäuschen, auf jeden Fall kam sie in ein Sanatorium. Das rettete ihr vermutlich das Leben, denn so musste sie einer Vorladung der Nürnberger Gestapo nicht Folge leisten. Nach ihrer Entlassung aus dem Sanatorium durfte sie nicht mehr im Jüdischen Krankenhaus arbeiten.
Dadurch konnte sie ihre herzkranke Mutter bis zu ihrem Tod pflegen. Ernestine Rebitzer starb kurz vor ihrer Deportation im Schlaf. Rosa kommentierte es, dass es für ihre Mutter wohl besser so gewesen war. Ihrem Vater konnte sie nicht helfen. Sie musste miterleben, wie ihr Vater und ihr Onkel Moritz Rebitzer entrechtet und enteignet 1942 in ein "Altenheim" nach Nürnberg verschleppt und von dort nach Theresienstadt deportiert wurden. Ihre Angehörigen wurden ermordet, genauso wie viele ihrer Bekannten, Freunde und Freundinnen. Nach der Deportation ihres Vaters kehrte Rosa nach Berlin zurück. Da sie ja offiziell nicht mehr arbeiten durfte, übernahm sie Privatpflegen und schlug sich so durch.
Vermutlich hoffte Rosa, ihre Lage zu verbessern, wenn sie sich zum christlichen Glauben bekennt. In der evangelischen Bekenntnisgemeinde Berlin-Friedenau wurde sie im Mai 1943 getauft und trat der evangelischen Kirche bei. Dazu muss bemerkt werden, dass die evangelische Kirche in der Nazizeit gespalten war. Die "Deutschen Christen", also der evangelische Teil der Kirche, der zum braunen Mob gehörte, lehnte ab 1941 bereits Taufen von Menschen ab, die von den Nazis als Juden klassifiziert wurden. Im Januar 1941 wurde von der Gestapo die Messiaskapelle der Berliner Judenmission in der Kastanienallee 22, Prenzlauer Berg, gewaltsam geschlossen, wo sich viele Juden taufen gelassen hatten. Die "Bekennende Kirche" lehnte das Unrechtregime unter Hitler ab, schwieg aber meist und zu lange zur Verfolgung der jüdischen Mitbürger. Aber bekennende Gemeinden verurteilten die Nichttaufe von Juden als Häresie und praktizierten sie weiter. Es war also für Rosa nicht einfach, eine Kirche zu finden, die bereit war, eine Jüdin zu dieser Zeit noch zu taufen.
Doch auch das half ihr nicht. Im Juni 1943 wurde sie von der Gestapo verhaftet. Noch reichte ihr Schutz durch die "Mischehe", ihr Ehemann bekam sie frei. Es war ein deutlicher Warnschuss. Rosa zog zurück nach Bayern um unterzutauchen, lebte nun als sogenanntes U-Boot in verschiedenen Verstecken. Ihr erstes Versteck war in Bamberg bei einem Freund ihres Mannes. Durch einen anonymen Brief gewarnt benötigte sie neue Zufluchtsorte. Es begann eine Odyssee durch unterschiedliche Verstecke bei Nürnberg und Schwarzenbach am Wald. Teilweise hielt sie sich sogar im Wald auf. Schließlich ging sie entnervt nach Berlin zurück und wohnte wieder in Berlin-Wilmersdorf, diesmal Konstanzerstraße 10. Doch dort gab es immer mehr Fliegerangriffe und sie konnte als Jüdin keinen Luftschuzbunker aufsuchen. Ihr Mann riet ihr deshalb, nach Bayern zurückzukommen und versprach ihr, für sie ein sicheres Versteck zu finden.
Rosa wagte es, mit dem Zug nach Marktredwitz zu fahren, wo ihr Mann sie mit dem Auto abholte. Eine Woche konnte sie zu Hause bleiben, dann musste sie wieder verschwinden, weil die Weidener und Berliner Gestapo nach ihr fahndeten. Es gab die anderen Deutschen, die sich selber akut gefährdeten, um Rosas Leben zu retten, wie Gottlieb Linz, das Ehepaar Rott, Familie Schuller oder das Ehepaar Lindner. Den sogenannten Judenhelfern, die untergetauchte Juden versteckten, drohte bei Entdeckung, oft durch Denunziation, drastische Strafen, bei entsprechenden Richtern die Einweisung ins KZ. Für die Nazis waren sie Volksverräter. Gottlieb Linz und Nikolaus Rott waren als Sozialdemokraten bereits auch so gefährdet.
Problematisch war auch die Beschaffung von Lebensmitteln, denn Nahrungsmittel waren streng rationalisiert und die U-Boote besaßen keine Lebensmittelkarten. Bei der illegalen Beschaffung von Lebensmitteln gingen die Helfer immer ein erhöhtes Risiko ein. In der Zeit der von mehreren Mietern genutzten Außentoiletten konnten auch Ausscheidungen problematisch werden. Der Familie Schuller half es, dass Herr Schuller pflegebedürftig und bettlägrig war, sodass es nicht auffiel, wenn Frau Schuller die Ausscheidungen in Bettpfannen des Mannes entsorgte.
Die Angst vor Entdeckung, Denunziation, Verrat war nicht nur für Rosa ein ständiger Begleiter, sondern auch für ihre Unterstützer. Rosa, die aus gutbürgerlichen Verhältnissen mit den damit verbundenen Annehmlichkeiten stammte, musste nicht nur zusätzllich mit der völligen Abhängigkeit zu ihren Helfern zurechtkommen. Für die Menschen, die sie schützten, war sie eindeutig eine Belastung. Dazu kamen die beengten Wohnverhältnisse, Mangel an Lebensmitteln, frischer Luft und Bewegung, fehlendes gesellschaftliches Leben, Unfreiheit. Vor diesem Hintergrund war es nachvollziehbar, dass Rosa manchmal unvorsichtig wurde, sich nicht immer an die Regeln hielt. Nach dem späteren Bericht von Nikolaus Rott zündete sie ab und zu nachts das Licht an oder hörte Radio, um zu erfahren, ob und wann Rettung nahte. Das war ausgesprochen gefährlich, aber anscheinend wichtig, um irgendwie ihre Situation überstehen zu können. Immerhin ließ ihr Mann sie nie im Stich, ließ sich nach wie vor nicht scheiden, sorgte immer für sichere Unterschlüpfe. Ein halbes Jahr konnte sie auch bei ihm bleiben, bis er in ein Sanatorium musste. Das Ehepaar Rott nahm sie wieder auf. Als die Fliegerangriffe auf Weiden zunahmen, brachte sie Friedrich in Neustadt an der Waldnaab unter, wo Rosa nach einer Woche das Kriegsende erlebte.
Am 22.4.1945 gab die Wehrmacht die Stadt Weiden auf, am 23.4.1945 war Rosas Leidenszeit oberflächlich betrachtet vorbei. Natürlich hatten die Jahre der Verfolgung tiefe Wunden gerissen. Eine jahrelange existentielle Bedrohung, der Verlust ihrer Familie, Freunde, Bekannte, Kollegen ließ sich nicht einfach abstreifen. Es verwundert nicht, dass Rosa auf die Weidener, die sie enthusiastisch begrüßten, eher reserviert reagierte. Solche Reaktion ihrer Mitbürger kam zu spät, zu spät für ihre Eltern, Angehörige, Freunde, Bekannte, Kollegen, die ermordet worden waren und zu spät für die Verwandten, die sich nur durch Flucht retten konnten.
Mit Sicherheit erzeugten die überaus freundlichen Bekundungen ihrer Mitbürger bei Rosa und Friedrich auch ein Misstrauen. Bei vielen Leuten konnten sie sich nicht sicher sein, ob diese sie nicht kurz zuvor bei Gelegenheit ohne mit der Wimper zu zucken denunziert hätten. Jetzt benötigten sie Persilscheine, also in der Nachkriegszeit entlastende Zeugnisse bei der Entnazifizierung wegen Mitgliedschaft in der NSDAP oder einer anderen NS-Organisation. Da konnte die Freundschaft mit ihr und ihrem Mann recht hilfreich sein.
Rosa und Friedrich wagten in Weiden einen Neuanfang. Ihre Versuche, die emigrierten Verwandten zur Rückkehr zu bewegen, scheiterten. In einem Brief an sie bemerkte Friedrich: "Ich hoffe, ihr könnt so bald wie möglich zurückkommen. Diese letzten Jahre hier zu leben war kein Vergnügen. Ich bin ein alter Mann geworden. Friedl." Das klang wie ein Hilferuf und zeigte mehr wie deutlich, dass auch Rosas Ehemann ein NS-Opfer war. Vermutlich mussten beide auch mit der weiteren Ausgrenzung kämpfen. Denn die, die den Naziterror verschuldet hatten als Täter oder Mitläufer, fürchteten Anklagen. Für die, die gegen die Nazis waren, aber untätig blieben, wegschauten, waren die Überlebenden und Widerstandskämpfer eine Konfrontation mit ihrem schlechten Gewissen. Resultat war, dass Menschen wie Rosa und Friedrich weiter gesellschaftlich geschnitten wurden.
Nach 1945 arbeitete Rosa wieder in Friedrichs Praxis. Die Nazizeit hatten Rosa und Friedrich zusammen gemeistert. Die Schatten der Vergangenheit waren zu groß, vermutlich hatten sie sich in den Jahren der Trennung auseinandergelebt. Vielleicht fehlte auch das gegenseitige Verständnis für die Situation des anderen in der schlimmen Zeit. Die Ehe zerbrach. Friedrich starb mit nur 60 Jahren am 24.3.1957 in Weiden. Ein Jahr später besuchte Ruth ihren Bruder in den USA.
Rosa Hoffmann starb am 28.1.1967 in Weiden.
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Emilie Hofer
Rosa Hoffmann, geb. Rebitzer