Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege""... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"Rita Holländer
Rita wurde am 10.6.1913 in Arnstein, Unterfranken, als jüngste Tochter von Herrmann und Rosa Holländer geboren. Ihre Familie war sehr fromm und traditionell. Ihr Vater Herrmann Holländer, geboren um 1977, war in der jüdischen Gemeinde Arnstein aktiv und ein geachteter Mann. Er erteilte den schulpflichtigen Kindern Religionsunterricht und war Schächter und Fleischbeschauer der jüdischen Gemeinde. Er starb mit nur 48 Jahren am 25.4.1925. Ihre Mutter Rosa, geborene Reich am 17.12.1878 in Zeitlofs, musste nun sich und Rita alleine duchbringe. Ritas ältere Geschwistern Samuel, geboren 1904, Moritz (Morris), geboren 1906, und Clara, geboren 1908, waren vermutlich bereits aus dem Gröbsten heraus.
Ritas Geschwister überlebten die Shoah, wie und wo, ist nicht bekannt. Samuel soll am 17.9.1952 verstorben sein. Morris starb am 16.2.1981 in Chicago, USA, ihre Schwester Clara am 14.9.1974 in Brighton, England.
Wo Rita ihre Ausbildung zur Krankenschwester absolvierte, ist unbekannt. Höchstwahrscheinlich wurde sie im Jüdischen Krankenhaus in Frankfurt ausgebildet und arbeitete dort, denn die Gagernstraße war laut Deportationsliste ihre letzte Adresse. Ihr Mutter lebte zuletzt in München im jüdischen streng rituell geführten Altenheim in der Klenzestraße 4. Am 20.11.1941 sahen sich beide unfreiwillig wieder in dem Deportationszug nach Kowno (Kaunas), Litauen, mit dem 998 Menschen aus München und Augsburg verschleppt wurden.
Unmittelbar nach der Ankunft im Fort IX wurden insgesamt 2934 Menschen vom Einsatzkommando 3 der Einsatzgruppe A des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD von Kowno erschossen, darunter Rita und ihre Mutter.
Rita Holländer und ihre Mutter Rosa starben am 25.11.1941 bei Kowno.
Quellen: statistik-des-holocaust.de; YAD VASHEM, Bundesarchiv Gedenkbuch; geni.com
Die Informationen zu dem österreichischen Krankenträger aus Wien sind sehr dürftig. Anton Holowitz wurde am 13.5.1892 geboren. Er war im Allgemeinen Krankenhaus Wien beschäftigt und gehörte dort einer kommunistischen Zelle an. Am 26.9.1941 wurde er von der Gestapo verhaftet und erkennungsdienlich behandelt. Wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" wurde ihm der Prozess gemacht, der mit einer Verurteilung zu drei Jahren Zuchthaus endete. Am 30.9.1944 wurde er aus der Haft entlassen.
Quelle: DÖW
Elzbiets (Liza) Hollender, geb. Namiot
Liza Namiot wurde am 28.5.1906 in Lodz geboren. Ihre Kindheit endete abrupt, als ihre Mutter 1915 an der Tuberkulose starb. Die Großmutter misshandelte oft die Enkeltochter, verbittert darüber, dass die kargen Ersparnisse, die einen anständigen Lebensabend garantieren sollten, nun für Liza und ihre vier Geschwister aufgebraucht wurden. Erst 1918 kamen die Kinder zum Vater nach Lodz zurück. Liza konnte nun zwar das Gymnasium absolvieren, der Numerus Clausus für Juden schloss sie aber als Jüdin vom Studium aus. So erlernte sie den Beruf als Krankenschwester.
Sie trat einer Gruppe der „Internationalen Roten Hilfe“ bei, nachdem sie ständig die Ungerechtigkeiten der Klassengesellschaft im Krankenhaus erleben musste. Später trat sie in die Kommunistische Partei Polen ein, die zu dieser Zeit in Polen verboten war. 1927 wurde Liza Namiot das erste Mal verhaftet, 1936 entging sie nur knapp einer Verhaftung, weil sie sich gerade für die Partei in Slonsk aufhielt. In Polen verfolgt beschloss sie, nach Spanien zu gehen, um in den Internationalen Brigaden als Krankenschwester mitzukämpfen. Sie gehörte zur Jaroslav-Dombrowski-Brigade.
Im Lazarett von Murcia in Spanien lernte Liza ihren Mann Hein Hollender kennen. Er war bereits als Kommunist 1934 aus Deutschland geflohen. Er sprach kein polnisch, Sie kein deutsch, konnte aber durch das Jiddische zumindest das Deutsche verstehen.
Liza Namiot war bereits hochschwanger, als das Lazarett von Murcia evakuiert wurde. In Barcelona kam ihr Sohn Julian zur Welt. Wenige Tage nach der Geburt arbeitete Liza bereits wieder im Krankenhaus von Mataró de Mar. Im August 1938 heirateten Liza Namiot und Hein Hollender dort standesamtlich. Der Standesbeamte war anfangs etwas unwillig und monierte fehlende Papiere. Die Diskussion um die Papiere war beendet, als Hein seinen Revolver auf den Tisch legte. Die Heiratsurkunde war extrem wichtig für eine eventuelle gemeinsame Emigration.
Nach einem kurzen Einsatz im Lazarett von Sagro blieb Liza Hollender mit ihrem Sohn nur noch die Flucht nach Frankreich. Durch die Kriegswirren war sie von ihrem Mann getrennt worden. Nach der deutschen Besetzung 1940 wurde Liza Hollender wieder zur Gejagten. Nachdem man sie ergriffen hatte, kam sie in das Frauenlager Rieucros bei Mende. Das Kind wurde ihr zunächst weggenommen. Doch durch das sowjetische Konsulat erhielt sie die sowjetische Staatsbürgerschaft. Dadurch konnte sie mit ihrem Sohn ins Ausreiselager nach Bompard wechseln und sollte von dort mit ihrem Mann am 23.6.1941 in die UDSSR ausreisen.
Die Ausreise platzte, weil einen Tag früher Hitler den Pakt mit dem Angriff auf die Sowjetunion (Unternehmen Barbarossa) brach. So benötigte Familie Hollender als Sowjetbürger ein Durchreisevisum durch Deutschland, was sie niemals erhalten hätten. Liza Hollender wandte sich hilfesuchend an die mexikanische Botschaft. Nach langen Hin und Her aufgrund fehlender Ausweispapiere ergatterte sie letztendlich doch die lebensrettende Ausreisegenehmigung. Irgendwie gelang es der Familie, sich 1941 nach Lissabon durchzuschlagen, um über Marokko nach Mexiko zu emigrieren. Liza, ihr Mann und ihr Sohn Julio Hollender gehörten zu den etwa 40.000 Flüchtlingen, die der mexikanische Generalkonsul in Paris Gilberto Bosques durch Visa für Mexiko rettete.
1947 kehrte Liza Hollender aus dem Exil nach Polen zurück. Von ihrer Familie waren 23 Angehörige durch die Nazis ermordet worden. „Die Deutschen“ waren für sie Horror, dennoch folgte sie ihrem Mann Anfang der fünfziger Jahre in die DDR, weil er in Polen nicht Fuß fassen konnte. Bis zu ihrem Tode am 7.10.1984 blieb sie älteren Deutschen gegenüber misstrauisch und reserviert.
„Letzte Zuflucht Mexiko“, ISBN-10: 3000397671, ISBN-13: 978-3000397677; Gottfried Hamacher, Andre Lohmar, Harald Wittstock: „Deutsche in der Résistance“; DRAFD; Spanienkämpferinnen: Ausländische Frauen im spanischen Bürgerkrieg 1936-1939 ISBN-10: 3643504047 ISBN-13: 978-3643504043
Marianne Holtz
Marianne Holtz wurde als Tochter eines deutsch-ungarischen Bergarbeiters und einer italienischen Mutter am 12.5.1898 in Berlin geboren. Das Mädchen sollte mit einem 35 Jahre älteren Mann in Wien zwangsverheiratet werden und flüchtete. Mühselig schlug sie sich anschließend mit Gelegenheitsarbeiten durch. Im I. Weltkrieg arbeitete sie als Rotkreuzschwester an der Ostfront im Lazarett.
Dort lernte sie den Schauspieler Hugo Maria Hartwigsen kennenen. Der erkannte ihr Talent und förderte sie als Kabarettistin. In ihren Programmen baute sie auch immer wieder abgewandelte Volkslieder ein. Ihr erfolgreichstes Kabarettprogramm war „Arm aber Reich“, mit dem sie von 1925 bis 1928 in Berlin große Erfolge feiern konnte. Unter den Nazis bekam sie sofort ein Auftrittsverbot. Wieder musste sie sich mit Gelegenheitsarbeiten durchschlagen.
Im II. Weltkrieg arbeitete sie wieder als Rotkreuzschwester im Reservelazarett Loben in Schlesien. Marianne Holtz kam bei einem Bombenangriff auf das Lazarett am 14.7.1941 ums Leben.
Quelle: Le Parisien
Charlotte Holzer, geboren am 7.12.1909 in Berlin, erlernte nach ihrer Mittleren Reife den Beruf der Säuglings- und Krankenschwester. Sie arbeitete am Jüdischen Krankenhaus Berlin in der Iranischen Straße.
Als Mitglied der Deutsch-Jüdischen Jugendgemeinschaft (DJJG) schloss sie sich Anfang der 30er Jahre der neu gegründeten kommunistischen Betriebszelle im Jüdischen Krankenhaus an und trat 1931 der KPD (Kommunistische Parti Deutschland) bei. Im gleichen Jahr heiratete sie Gustav Paech.
Nach der Geburt ihrer Tochter Eva 1933 und der Verhaftung ihres Mannes war sie politisch nicht mehr aktiv. Das änderte sich 1940, als sie Herbert Baum als Patienten im Jüdischen Krankenhauses wiedertraf, den sie bereits aus der DJJG kannte. Charlotte Paech schloss sich dem "Freundeskreis" an, einem lockeren Zusammenschluss kommunistisch-jüdischer Widerständler.
Nach dem Brandanschlag auf die Hetzausstellung "Das Sowjetparadies" 1942 im Berliner Lustgarten und der anschließenden Verhaftungswelle ergriff die Gestapo sie am 8.10.1942 und wies sie zunächst in das Polizeigefängnis am Alexanderplatz ein. Von dort wurde sie in mehrere Gefängnisse und Sammellager in Berlin und Leipzig verbracht, unter anderem musste sie in Fehrbellin vier Wochen bei der Bastfaser GmbH Zwangsarbeit leisten.
Überlebende Frauen aus dem Gestapo-Arbeitslager Fehrbellin erzählten, dass sie aus Hunger häufig die Hanfsamen aßen. Es war streng verboten und wer dabei erwischt wurde, wurde zur Strafe mit Peitschen, Rohrstöcken oder Knüppeln halbtot geprügelt.
Am 29.5.1943 lief gegen Charlotte Paech die Hauptverhandlung wegen Hochverrats, an der sie wegen einer Scharlacherkrankung nicht teilnahm. Sie wurde in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde nicht vollstreckt, vermutlich wollte man sie noch als Zeugin in sogenannten "Anhängerprozessen" missbrauchen.
Fünfzehn Monate verbrachte sie in verschiedenen Todeszellen. 1944 kam sie völlig entkräftet in das Jüdische Krankenhaus und konnte dort während eines Bombenangriffs fliehen.
Die Potsdamer Pfarrerswitwe Dorothea Schneider, die der Bekennenden Kirche nahe stand, nahm sie für fünf Wochen in ihrer Wohnung auf und besorgte ihr dann ein anderes illegales Quartier. Charlotte Paech tauchte auch unter einer falschen Identität in einem Zwangsarbeiterlager unter und überlebte so den Naziterror. Nach dem Zusammenbruch 1945 heiratete sie Richard Holzer, den sie 1940 im Freundeskreis von Herbert Baum kennengelernt hatte. Sie begann ein Medizinstudium, brach es allerdings aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen ab. Später arbeitete sie in der Schwangeren- und Mütterberatungsstelle im Stadtbezirk Pankow von Berlin, allerdings immer wieder unterbrochen durch lange Krankenhausaufenthalte durch gesundheitliche Spätschäden, die sie in der Haft erlitten hatte. Am 29.9.1980 verstarb Charlotte Holzer.
Quellen: Berliner Geschichtswerkstatt (Hg.): Arbeitserziehungslager Fehrbellin - Zwangsarbeiterinnen im Straflager der Gestapo; Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, 2004
Paul Holzmann aus Berlin-Köpenick war gelernter Schneider. Er heiratete am 19.10.1929 Irmgard Grohs, ebenfalls eine Schneiderin. Beide arbeiteten im Schneidergeschäft von Irmgards Vater. Am 16.1.1930 kam ihr Sohn Wolfgang zur Welt, ein blonder, blauäugiger Junge. Bereits im April 1933 waren sie als Juden Repressalien durch die SA ausgesetzt. In der Pogrom-Nacht vom 9. zum 10. November wurde das Geschäft geplündert. Sie wurden wie viele andere Jüdische Geschäftsleute gezwungen, das Geschäft weit unter Wert zu verkaufen. Irmgards Eltern und ihrer kleinen Schwester Gerda gelang die Auswanderung nach Shanghai. Irmgard und Paul Holzmann kamen aus Nazideutschland nicht mehr heraus.
1943 wurde die Familie nach Auschwitz deportiert. Der SS-Arzt Fischer selektierte Paul Holzmann und seinen Sohn nach links, Irmgard Holzmann nach rechts. In Unkenntnis bat Paul Holzmann den SS-Arzt, den Sohn zur Mutter zu lassen, die verzweifelt nach ihrem Kind schrie. Das Kind durfte zur Mutter und wurde kurz darauf mit ihr vergast. Paul Holzmann kam in ein Arbeitslager und arbeitete dort als Berufsfremder im Krankenrevier. 1945 gelang es ihm, bei einem Transport in der Nähe Berlins vom Waggon abzuspringen, wurde aber aufgegriffen und nach Theresienstadt geschafft. Nach seiner Befreiung war er nicht mehr in der Pflege tätig und kehrte in seinen alten Beruf zurück. Im September 1945 eröffnete er in Berlin-Friedrichshagen wieder ein Schneidergeschäft. Bis zu seinem Tode 1981 machte er sich die bittersten Vorwürfe, dass er den SS-Arzt gebeten hatte, seinen Sohn bei der Mutter zu lassen.
Quelle ging verloren, als das Virtuelle Denkmal gehackt wurde. Gratis Homepage von Beepworld Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular! |

Anton Holowitz
Charlotte Holzer, geborene Abraham
Paul Holzmann