Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Emilie Berlin, geb. Maas
 

Emilie Berlin, geborene Maas am 7.11.1856 in Fürth geboren. Ihre Eltern waren Jakob und Amalie, geborene Lafo. Sie heiratete den Kaufmann Louis Berlin am 18.9.1876 in Mannheim. Das Ehepaar lebte zuletzt in Lambsheim bei Mannheim und bekam fünf Kinder. Ihre Töchter waren Jeanette, geboren am 7.9.1877, und Amalie, geboren am 22.8.1878. Die Söhne hießen Otto, geboren am 26.9.1879, Martin, geboren am 16.12.1885, und Philipp, geboren am 1.2.1887.

 

Ihr Sohn Martin starb kurz nach der Geburt, die anderen Kinder überlebten die Shoa. Allerdings war Tochter Jeanette am 4.9.1944 mit dem Transport XXIV/7 vom Durchgangslager Westerbork nach Theresienstadt deportiert worden und starb neun Monate nach ihrer Befreiung an den katastrophalen Zuständen dort.

 

Es ist nicht bekannt, ob und welchen Beruf Emilie hatte. Auf jeden Fall hatte sie im I. Weltkrieg im Lazarettdienst gearbeitet, denn im April bekam sie das König-Ludwig-Kreuz für Heimatverdienste während der Kriegszeit, im Oktober 1916 das Dienstauszeichnungskreuz für freiwillige Krankenpflege und am 12.12.1920 die preußische Rot-Kreuz-Medaille III. Klasse verliehen.

 

Unter dem zunehmenden Terror der Nationalsozialisten emigrierte Emilie 1939 in die Niederlande. Dort wohnte sie in Amsterdam, Daniël Willinkplein 9, heute Victorieplein.

 

Dort geriet sie nach der Besetzung der Niederlande wieder in die Fänge des braunen Mobs und wurde in das KZ Westerbork verschleppt, wo Emilie Berlin am 19.7.1943 durch die Strapazen starb.

 

Quelle: Israelitische Kultusgemeinde Fürth Memorbuch; Joods Monument; Yad Vashem; http://alemannia-judaica.de/ lambsheim_synagoge.htm  


 

Golda Berliner, geb. Luftig

 

Golda Luftig wurde am 3.3.1903 in Chrzanów in Polen geboren und war die Schwester von Faigla Akkerman (siehe dort), Miriam  und Rachel Goth (siehe dort). Ihr Vater Moses Luftig reiste 1927 nach Antwerpen in Belgien und holte peu a peu seine fünf Kinder und Ehefrau nach. 1933 wohnte die gesamte Familie in Antwerpen.

 

In Antwerpen politisierten sich die Geschwister, gehörten dem kommunistischen jüdischen Emigrantenclub Farein an und lösten sich von den religiösen Vorstellungen ihrer frommen Eltern. Im Farein lernte Golda Samuel Berliner, genannt Szmul, kennen. Etwa um 1932 heirateten sie. Als im Juli 1936 in Spanien das Militär unter Franco gegen die demokratisch gewählte republikanische Regierung putschte, ging Szmul mit seinem Schwager Emiel Akkerman und Schwager in spe Elias François Goth nach Spanien, um sich der Internationalen Brigade anzuschließen. Im Mai 1937 folgte Golda ihm mit einer Gruppe von Frauen, darunter ihre Schwestern Rachel und Feigla, die die Reise organisiert hatte.

 

Golda arbeitete wie ihre Schwestern im Hospital El Belga in Ontentiente als Hilfsschwester, heute würde man es als Krankenpflegehelferin bezeichnen. Dort freundete sie sich mit einer Kollegin an, Cyla Vospe (siehe dort), eine Jüdin aus Lettland, die dort bereits seit zwei Monaten arbeitete. Cyla wollte in Albacte ihren Freund Dr. Jakob Bachrach, genannt Kuba, besuchen, der Chefarzt des medizinischen Dienstes der Baisse von Albacete war. Dort hielt sich auch Goldas Ehemann auf. So nahmen sich die beiden Frauen Urlaub und reisten zusammen nach Albacete.

 

Am 2.8.1938 kam in Onteniente Goldas und Szmuls Sohn Madrich zur Welt. Golda verließ mit ihrem Sohn Spanien über Algerien, damals noch französische Kolonie, und kam so nach Antwerpen zurück.

 

1942 geriet die Familie in eine Razzia der Nazis und wurden im SS-Sammellager Mecheln interniert. Am 1.9.1942 wurden sie in das Vernichtungslager Auschwitz mit Transport VII deportiert, Golda mit der Nummer 175, ihr kleiner Sohn als Nummer 176. Was mit Szmul geschah, konnte ich nicht herausfinden.

 

Es muss davon ausgegangen werden, dass Golda Berliner und ihr kleiner Sohn Madrich nach der Ankunft in Auschwitz sofort in eine Gaskammer getrieben und ermordet wurden.

 

Auch Goldas Mutter und ihre Schwester Miriam, die in Frankreich verheiratet war, wurden in Auschwitz ermordet.

 

Quellen: Geni.com; Yad Vashem; Le Maitron https://maitron.fr/; Internationale Frauen im Spanischen Krieg 1936 – 1939 https://internationale-frauen-im-spanischen-krieg-1936-1939.de/; https://sidbrint.ub.edu/ca/node/26528 Universi-tat de Barcelona


 
Klara Berlinger, geb. Roberg
 

Klara Roberg wurde am 16.11.1905 in Baden-Württemberg geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann und Kultusbeamte der Israelitischen Gemeinde Berlichingen Uri Shraga Roberg, geboren 1874, und Ernestine, geborene Hanauer am 6.4.1874. Klaras jüngere Geschwister waren Julius, geboren am 23.4.1907, Helena, geboren am 6.6.1908, Shulamit (Frida), geboren am 13.2.1911, בתיה פסלה ברבל, geboren am 24.2.1912, und Alexander, geboren am 2.4.1914. Für die gesamte Familie lautete der Geburtsort Berlichingen.

 

Über Klaras Schulbildung und ihre Ausbildung zur Krankenschwester ist bisher nichts bekannt, auch nicht, ob und wo sie als Krankenschwester arbeitete. Sie heiratete am 24.6.1930 Eliezer Berlinger, geboren am 14.7.1904 ebenfalls in Berlichingen. Sehr schnell begriffen sie und ihr Mann, dass sie keine Zukunft in Deutschland haben und wanderten 1936 nach Palästina aus. Ihre ersten von insgesamt elf Kindern wurden noch in Deutschland geboren. Auch ihrer Schwägerin, der Krankenschwester Hannah Brillemann, geborene Berlinger (siehe dort), gelang die Auswanderung nach Palästina. Klaras Geschwister konnten ebenfalls nach Palästina, Großbritannien oder USA flüchten bis auf ihre Schwester Helena (siehe Helena (Helene) Roberg), ebenfalls Krankenschwester, die in Sobibor ermordet wurde.

 

Klara Berlinger starb am 1.12.1956 in Israel.

 

Quellen: Alemannia Judaica; geni.com; Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken


 

Tzirel Bernhaut, geb. Zelmanowicz

 

Tzirel wurde am 22.6.1902 in Konin in Polen geboren. Ihre Eltern waren Moshe Zelmanowicz, geboren 1879, und Trana, geborene Gutman 1878. Ihre Geschwister waren Dobra, Mark, Szlomo, Chana und Yeti. Ihre Eltern wurden in das Vernichtungslager Majdanek deportiert und ermordet. Von ihren Geschwistern überlebte nur ihr Bruder Mark die Shoa. 

 

Die Krankenschwester war mit dem Chemiker Jozef Berenhout (Yosef Bernhaut), geboren am 7.7.1904 in Lemberg, verheiratet. Sie hatten einen Sohn namens Natan, geboren 1927.

 

Vermutlich war das Ehepaar mit ihrem Sohn nach Belgien geflüchtet in der Hoffnung, dort in Sicherheit zu sein. Allerdings wurden sie nach der deutschen Besetzung in Belgien verhaftet, als sogenannte Staatenlose erklärt und im belgischen SS-Sammellager Mecheln eingesperrt.

 

Am 31.10.1942 wurde das Ehepaar mit dem XVII. Transport unter der Nummer 764 und 763 nach Auschwitz verschleppt. 

 

Es muss davon ausgegangen werden, dass Tzirel, Yosef und Natan Bernhaut den Holocaust nicht überlebten, da es seitdem nie mehr ein Lebenszeichen von ihnen gab.

 
Quellen: Ich danke für die Recherche Frau Laurence Schram vom Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) in der ehemaligen Mechelner Dossinkaserne; Yad Vashem; geni.com 

 
Elisabeth Bernheim
 
Elisabeth Bernheim wurde am 20.8.1920 in Riedlingen geboren. Ihre Eltern waren Albert, geboren 1885 in Buchau, und Irma Bernheim, geborene Oettinger 1893 in Riedlingen. Elisabeth hatte zwei jüngere Brüder. Erich, der sich später Eric nannte, wurde am 9.7.1922, Kurt am 19.2.1931 geboren. Die Eltern betrieben in Riedlingen am Marktplatz 15 ein Textilgeschäft, dass sie von Irmas Vater Ernst Oettinger übernommen hatten. Zu dem Geschäft gehörte noch ein Magazingebäude in der Mühlgasse 3. Da Albert Bernheim auch Geschäfte in den umliegenden Dörfern mit seinen Waren belieferte, besaß die Familie schon sehr früh ein Auto. Elisabeths Mutter half im Geschäft neben zwei bis drei Angestellten.
 
Schleichend hatte sich nach der Machtergreifung die Bedrohung entwickelt. Der Boykott jüdischer Geschäfte war im April 1933 nur ein Auftakt. Die Kunden betraten oder verließen danach lieber durch die Hintertür das Geschäft. Die Kinder wurden von einigen Sportveranstaltungen, die am Samstag stattfanden, ausgeschlossen. Bestimmte Klassenkameraden mieden die Bernheimkinder. Die Eltern erkannten die Gefahr, versuchten, zu emigrieren. Sie hätten zwei Zertifikate zum Preis von jeweils 1000 Dollar nach Palästina erhalten können. Weil das Geschäft nicht so kurzfristig verkauft werden konnte und das Bargeld fehlte, konnten die Eltern nicht zugreifen.
 
Von 1932 bis 1935 besuchte Elisabeth Bernheim die Riedlinger Lateinschule. Anschließend absolvierte sie vom Oktober 1935 bis September 1936 die jüdische Frauenfachschule in Wolfratshausen. 1937 ging sie nach Bad Freienwalde und arbeitete dort ein Jahr als Sprechstundenhilfe bei dem jüdischen Arzt Dr. Fritz Happ. Anschließend besuchte sie das Kindergärtnerinnenseminar von Nelly Wolffheim in Berlin-Charlottenburg. Am 1. März 1939 wurde die Einrichtung geschlossen.
 
Elisabeths Eltern schickten den jüngeren Bruder Erich 1935 auf ein deutsch-jüdisches Internat in Südschweden, um ihm eine schulische Ausbildung ohne Repressalien bieten zu können. Nachdem der fünfjährige Kurt 1936 in der örtlichen Presse angegriffen wurde, weil sich das Kind „deutschfeindlich“ geäußert habe, brachten die Eltern ihn zu seiner Sicherheit in ein Kinderheim im Schwarzwald.
 
Die Pogromnacht lief zunächst für die Bernheims glimpflich ab. Ihr Geschäft wurde auf Anordnung des Bürgermeisters von Polizisten bewacht. Kein Wunder, denn kurze Zeit später beschlossen die Eltern, beizugeben und das Geschäft zu verkaufen. Der Käufer war ein hohes Tier bei den örtlichen Nazis. Bevor die Eltern am 10.1.1939 in ein Mietshaus nach Stuttgart umziehen mussten, gelang es ihnen, ihre drei Kinder nach England zu schicken.
 
Im Frühjahr 1939 kam Kurt mit einem Kindertransport nach England und fand Aufnahme bei einer Familie Lennard im Londoner Stadtteil Hampstead Heath. Kurz darauf kam auch Elisabeth, die als Haushaltshilfe und Kindermädchen zu einer Familie nach Edinburgh ging. Ein Jahr vorher war ihre Cousine Eva Oettinger nach Großbritannien emigriert, von der sie die Stellung übernehmen konnte. 1943 zog sie nach Leeds, weil ihr Bruder dort lebte und arbeitete als Verkäuferin. Schließlich begann sie eine Ausbildung zur Hebamme.
 
Ihr jüngerer Bruder Erich entkam am 27.8.1939 aus Nazideutschland. Kurz danach war die Grenze nach England durch den Kriegsausbruch dicht. Er meldete sich später freiwillig zu einer jüdischen Brigade und begann im Juli 1945 in Stuttgart die Suche nach den Eltern. Im September 1946 erfuhren die Geschwister vom Suchdienst des Roten Kreuzes, dass ihre Eltern am 1.12.1941 nach Riga deportiert worden waren. Im April 1947 berichtete ihnen eine Überlebende, dass die Mutter vermutlich am 26.3.1942 dort erschossen wurde. Den Vater hatte man im Juli 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Elisabeth Bernheim blieb in Leeds und arbeitete dort als Hebamme fast 30 Jahre.
 
Quellen: Erich Bernheim: Mein Leben bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Hg. und übersetzt von Christoph Knüppel (Erinnerungen, die Erich Bernheim aus Riedlingen im Dezember 1982, kurz vor seinem Tod für seine Angehörigen niederschrieb); Yad Vashem; geni.com

 
Henriette Bernheim, geb. Gombertz
 

Henriette Gombertz wurde am 8.1.1902 in Krefeld geboren. Die Krankenpflegerin heiratete Ernst Bernheim, geboren am 6.8.1888 in Trier. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, Sohn Wolfgang, geboren am 8.2.1928, und Tochter Roselies, geboren 1932. Die Familie flüchtete vor den Nazis nach Belgien.

 

Dort wurden sie nach der Besetzung Belgiens von den Nazis gefasst, als staatenlos erklärt und im SS-Sammellager Mecheln interniert. Am 15.9.1942 wurde Henriette Bernheim unter der Nummer 992 mit dem X. Transport nach Auschwitz deportiert, wo sich ihre Spur verliert.

 

Ihr Ehemann wurde am 7.10.1942 in Auschwitz ermordet. Auch ihr Sohn Wolfgang kam in Auschwitz ums Leben. Nur ihre Tochter Roselies überlebte die Shoa und lebt heute in Brüssel.

 

Quellen: Ich danke für die Recherche Frau Laurence Schram vom Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) in der ehemaligen Mechelner Dossinkaserne; Kulturverein Kürenz e.V., Dr. Thomas Schnitzler, Arbeitsgemeinschaft Frieden e.V. Trier, Stolpersteine in Trier; Yad Vashem; geni.com

 
Rosa Bernstein
 
Rosa Bernstein wurde am 29.8.1865 in Bollinken bei Stettin geboren. Ihre Eltern waren Max und Johanna Bernstein. 1897 absolvierte sie die Ausbildung zur Krankenschwester im Frankfurter Jüdischen Schwesternverein. Sie gehörte zu den ersten ausgebildeten jüdischen  Krankenschwestern  Deutschlands und zur Frankfurter Gründerinnengeneration der beruflichen jüdischen Krankenpflege. Als Klara Gordon 1898 nach Hamburg zur Oberin berufen wurde, folgte ihr Rosa Bernstein.  
 
Über 40 Jahre arbeitete sie aktiv im Israelitischen Krankenhaus als examinierte Krankenschwester. Das Krankenhaus auf St. Pauli galt jahrzehntelang als eines der modernsten und fortschrittlichsten Krankenhäuser und genoss bei der Hamburger Bevölkerung, egal welche Konfession, einen guten Ruf. Zunächst war Rosa dort als Angestellte geführt, dann als Krankenpflegerin und schließlich als Oberschwester.
 
Bis zum September 1939 lebte sie im Schwesternheim. Dann wurde das Krankenhausgelände von der Stadt Hamburg beschlagnahmt. Die verbliebenen Ärzte und Krankenschwestern zogen mit den restlichen Patienten in die ehemalige Calmannsche Privatklinik, auch Rosa, obwohl sie inzwischen im Ruhestand war. Doch auch dort wurden sie vertrieben und mussten Ende August 1942 in das jüdische Pflege- und Siechenheim umziehen.
 

Am 23.6.1943 wurde die 78jährige von Hamburg nach Theresienstadt mit dem Transport VI/8 unter der Deportationsnummer 11 deportiert. Dort starb Rosa Bernstein durch die grausamen Bedingungen am 11. März 1944.

 
Quellen: Film "Den Nazis ein Dorn im Auge"; Das Israelitische Krankenhaus Hamburg (St.Pauli) im Nationalsozialismus; von Bertram Rotermund und Rudolf Simon; Stolpersteine Hamburg; Israelitisches Krankenhaus in Hamburg; Yad Vashem

 
 
 
 
 
 
 
 
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