Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege""... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"Ilse Regine Gunz
Ilse Gunz wurde am 11.3.1912 in Augsburg geboren. Ihr Vater war der Justizrat Eugen Gunz, geboren am 15.4.1874 in Augsburg und die am 13.8.1887 in Wiesbaden geborene Mutter Dora, geborene Rosenstrauss. Sie hatte einen jüngeren Bruder, Franz Herrmann Ludwig, geboren am 21.1.1914.
Ilse besuchte die Maria-Theresia-Schule in Augsburg von 1924 bis 1928. Anschließend arbeitete sie als Büroangestellte in einem Augsburger Kaufhaus. Ab 1935 lebte sie in Berlin. Im Jüdischen Krankenhaus absolvierte sie die Ausbildung zur Krankenschwester.
Die Vermutung liegt nahe, dass sie die Schwesternausbildung begann, um Deutschland verlassen zu können. Krankenschwestern wurden gesucht, zum Beispiel in England. Es erhöhte die Chance auf ein Einreisevisum.
1935 gelang es ihrem Bruder, nach Palästina auszuwandern. Dort heiratete er Hanna, geborene Altberger, am 6.5.1918. Das Ehepaar hatte drei Kinder. Ilses Bruder starb am 16.3.2001 als Zvi Gunz in Israel.
1939 hatte Ilse das lebensrettende Visum und konnte sich auch in Sicherheit bringen durch Emigration nach England. Dort arbeitete sie weiterhin als Krankenschwester.
Ihre Eltern wurden am 8.3.1943 vermutlich nach Auschwitz deportiert und gelten als verschollen. Ilse und ihr Bruder füllten für die Eltern bei YAD VASHEM das Erinnerungsblatt aus.
Ilse Gunz blieb anscheinend ledig. Sie starb mit 90 Jahren im April 2002 in London.
Quellen: Schülerinnen und Schülern des Maria-Theresia-Gymnasiums in Augsburg: Spurensuche Die jüdischen Schülerinnen und die Zeit des Nationalsozialismus an der Maria-Theresia-Schule Augsburg; YAD VASHEM; Geni.com
Emma H. Gutenberg
Zu dieser jüdischen Krankenpflegerin oder Krankenschwester existieren kaum Informationen. Emma H. wurde am 24.3.1894 in Darmstadt geboren. Sie war ledig und wohnte zuletzt in Darmstadt.
Im März wurden 1000 Menschen aus Darmstadt, Kreis Darmstadt, Worms, Kreis Worms, Bingen und Mainz im Sammellager Liebig-Schule in Darmstadt interniert, unter ihnen Emma H. An ihrem 48. Geburtstag, den 24.3.1942, wurden diese Menschen nach Piaski deportiert, ein Durchgangsghetto. Die vorigen mehr als 3000 Bewohner des Ghettos wurden kurz zuvor ins Vernichtungslager Belzec verschleppt und ermordet.
Seit der Deportation gab es von Emma H. Gutenberg kein Lebenszeichen mehr. Es existiert kein Todesdatum.
Quellen: Statistik des Holocaust; Yad Vashem; Bundesarchiv Gedenkbuch
Ida Guth, geb. Czerninski
Ida Czerninski wurde am 1.1.1893 in Świętajno, deutsch Schwentainen, geboren. Über ihre Familie konnte ich keine weiteren Daten gewinnen. Es wird vermutet, dass sie einen Sohn hatte, über den allerdings auch nichts bekannt ist. Ida Guth gehörte der jüdischen Gemeinde in Olecko (früherer Name bis 1928 Marggrabowa, dann bis 1945 Treuburg) an. Sie zog nach Berlin. Vermutlich arbeitete sie im Jüdischen Krankenhaus, denn dort wohnte sie auch. Nach der Deportationsliste war Ida Pflegerin. Das deutet darauf hin, dass sie vermutlich keine ausgebildete Krankenschwester war, denn die wurden auf der Deportationsliste als Schwester oder Krankenschwester geführt.
Ida Guth wurde am 29.11.1942 mit dem sogenannten 23. Osttransport unter der Nummer 590 ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. In diesem Deportationszug befanden sich auch die 75 Kinder aus dem Baruch-
Nach der Deportation gab es kein Lebenszeichen mehr von Ida Guth, ein Todesdatum existiert nicht, offiziell gilt sie als vermisst.
Quellen: https://iolecko.com/krotkie-historie-spolecznosc-zydowska-w-marggrabowej-treuburgu/; Yad Vashem; http://statistik-des-holocaust.de; Gedenkbuch Bundesarchiv
Dorothea „Dorothee / Dorle“ Gutmann, geb. Büchenbacher
Dorothea Büchenbacher wurde am 28.6.1901 geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Julius Büchenbacher, geboren am 12.7.1862, und Sophie, geborene Kohnstamm am 6.2.1877. Ihr älterer Bruder Ernst, geboren am 2.7.1898, lebte bereits 1933 in Rio de Janeiro in Brasilien. Die gesamte Familie stammte aus Fürth und alle wurden dort auch geboren. Dorotheas Vater starb bereits am 28.03.1921 in Fürth.
Über ihre Kindheit, Jugend, Schulbildung und wo Dorothea die Ausbildung zur Krankenschwester absolvierte, gibt es bisher keine Informationen. Am 1.1.1923 heiratete sie Eugen Gutmann, geboren am 26.1.1890 in Schwäbisch Gmünd, der in Nürnberg Bankier war. Am 24.6.1925 wurde ihre Tochter Ruth Eva in Nürnberg geboren.
Am 5.4.1929 verzog die Familie nach München, wo Eugen Gutmann für seine Tante Friederike (Rieke) Fromm, geborene Gutmann, arbeitete. Sie war in München Mitbesitzerin einer Immobilie in der Landwehrstraße 23 und außerdem gehörte ihr eine Immobilie in der Rumfordstraße. Seine Tante starb am 23.9.1938 in München. Im Rahmen der geplanten Arisierung der Immobilien wurde Dorotheas Mann wegen Schwarzarbeit kurz nach ihrem Tode angezeigt, weil er seine Tätigkeit als Hausverwalter nicht als Gewerbe angemeldet haben soll. Seine Tätigkeit als Hausverwalter endete und anschließend blieb er ohne Tätigkeit und Einkommen.
Spätestens jetzt begriff die Familie, dass sie dringend das Land verlassen müssen. Inzwischen lebte Dorotheas verwitweter Schwiegervater mit im Haushalt. Verzweifelt versuchte die Familie Visa für die USA oder Australien zu bekommen, später auch für Brasilien. Auch Dorotheas Mutter bemühte sich um eine Emigration. Nichts funktionierte. Dafür wurde Dorotheas Mann 1941 zu einer Strafe von 25.000 RM verurteilt, weil er angeblich ausländische Zahlungsmittel nicht angegeben hatte.
Man muss davon ausgehen, dass die Clemensstraße 40 die letzte Adresse war, in der die Familie Gutmann gemeinsam und freiwillig lebte. Tochter Ruth Eva lebte von März 1939 bis August 1939 in Köln. Es kann nur vermutet werden, dass sie zu Dorotheas Mutter nach Köln geschickt wurde, um dort eine weiterführende Schule besuchen zu können. In Köln existierte das Jawne, das „Private jüdische Reform-Realgymnasium mit Realschule für Knaben und Mädchen“ bis 1942.
Als die Tochter nach München zurückkehrte, hatten Dorothea und Eugen bereits ihre Wohnung in der Clemensstraße verloren. Dorothea lebte in der Glückstraße 2, wo auch zunächst ihre Tochter unterkam. Dann musste die Jugendliche die Wohnung verlassen und in das Judenhaus Jakob-Klar-Straße 7, kurz darauf in die Elisabethstraße und dann Flachsröste Lohhof umziehen, wo sie statt Schule Zwangsarbeit leisten musste.
Bevor Dorothea in die Glückstraße 2 zog, war sie bereits mit ihrem Mann zwangsweise zusammen in die Winzererstraße umgezogen. Vermutlich musste ihr Mann auch Zwangsarbeit leisten, denn er wohnte bis zum Auszug seiner Tochter aus der Glückstraße in der Leopoldstraße. Da Dorothea ab dem 11.7.1941 in der Hermann-Schmid-Straße 5 lebte, kann auch vermutet werden, dass sie wieder als Krankenschwester arbeitete, denn das war die Adresse des Israelitischen Kranken- und Schwesternheims.
Am 20.11.1941 wurde die Familie auf schreckliche Art wieder vereint. Sie wurden mit dem ersten Transport von Juden aus Bayern ab München nach Kaunas (Kowno) deportiert, Eugen unter der Nummer 62, Dorothea unter der Nummer 688 und Ruth Eva unter der Nummer 841.
Am 25.11.1941 wurden Dorothea, Eugen und Ruth Eva Gutmann nahe dem Fort IX in Kaunas ermordet.
Auch Dorotheas Mutter Sophie Büchenbacher und ihr Schwiegervater David Gutmann überlebten die Shoa nicht.
Quellen: Find a Grave; Stolpersteine München e.V.; Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945; Bundesarchiv Gedenkbuch; YAD VASHEM; Arolsen Archiv; Statistik des Holocaust
Lily Hedwig Fuld wurde am 12.6.1923 in Frankfurt am Main geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Otto Fuld, geboren 22.3.1894 in Frankfurt am Main und Frieda, geborene Sander am 7.11.1893, auch in Frankfurt am Main. Lily war ihr einziges Kind, denn der zwei Jahre jüngere Bruder Albert starb mit fünf Jahren.
Bis zur sogenannten „Machtergreifung“ konnte Lily unbeschwert aufwachsen. Sie besuchte die Holzhausen-Grundschule. Ihr Vater, der mit einem Teilhaber eine Firma besaß, war in seiner Freizeit nicht nur ein begeisterter Fußballspieler bei Eintracht Frankfurt, sondern besuchte auch gerne die Spielwarenmesse in Nürnberg und brachte seiner geliebten Tochter immer schöne Spielsachen mit. Durch seine Firma hatte ihr Vater viele Geschäftsfreunde in Schweden. Dorthin hätte die Familie 1934 aufgrund ihrer Beziehungen auswandern können. Ihr Vater nahm die Chance nicht wahr. Er war in seiner Heimatstadt verwurzelt und er glaubte auch nicht, dass ihm etwas passieren könne. Schließlich hatte er am I. Weltkrieg teilgenommen und das Eiserne Kreuz erster Klasse erhalten.
Am 10.11.1938 wurde er eines Besseren belehrt. Er wurde verhaftet und vom 12. bis 30.11.1938 im KZ Buchenwald inhaftiert. Nach seiner Rückkehr versuchten ihre Eltern über England in die USA zu emigrieren. Es war zu spät. Aber für Lily bot sich die Chance, mit einem Kindertransport nach England zu entkommen. Schweren Herzens trennten die Eltern sich von ihrem Kind und am 21.6.1939 konnte die 16jährige Deutschland verlassen.
In England absolvierte Lily die Ausbildung zur Krankenschwester. Nach dem Krieg musste sie erfahren, dass ihre Eltern am 19.10.1941 nach Lodz deportiert wurden. Ihr Todesdatum ist unbekannt. 1948 heiratete sie einen Holländer Meijer und lebte in Scheveningen/Den Haag. 1952 bekam sie ihren Sohn Roy. In zweiter Ehe war sie mit Walter Gutmann verheiratet, einem ehemaligen Jugendfreund aus Frankfurt, und zog in die USA.
Quelle: Initiative Stolpersteine Frankfurt am MaIn 6. Dokumentation 2008
Die Krankenschwester Auguste Guttmann, geborene Spitzer, wurde am 4.8.1893 in Platt/Zellerndorf in Niederösterreich geboren. Sie war mit dem Elektiker und Chauffeur Fritz Guttmann, geboren am 15.3.1896 in Litschau, verheiratet.
Das Ehepaar gehörte der Kommunistischen und Sozialdemokratischen Partei Österreichs an und kämpfte ab 1937 in den Internationalen Brigaden in Spanien (siehe Internationale Brigade).
Auguste arbeitete als Krankenschwester in Villanueva de la Jara, dann in S'Agaró und ab dem 17. 8. 1938 in Pins de Vallès.
Nach der Katalonienoffensive mussten im Februar 1939 viele Brigadisten über die Grenze nach Frankreich fliehen, auch das Ehepaar Guttmann. 1939 gelangten auch Auguste und Fritz nach Frankreich. Das Ehepaar wurde im berüchtigten Sammel- und Durchgangslager Drancy 20 km nordöstlich von Paris inhaftiert. Am 30. 5. 1944 wurde Auguste mit dem Convoi 75 von Drancy nach Auschwitz deportiert, der dort am 2. 6. 1944 eintraf. Dort verliert sich ihre Spur. Auch ihr Mann wurde am 27.3.1942 mit dem Convoi 1 von Drancy nach Auschwitz deportiert und überlebte nicht.
Für Auguste Guttmann und ihren Mann existiert kein Sterbedatum.
Quelle: DÖW; YAD VASHEM
Die Krankenschwester Ruth Guttmann wurde am 8.2.1913 in Hildesheim als Ruth Fröhlich geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Moritz Fröhlich, geboren am 7.12.1880 in Ulrichstein, Hessen, und Rosa, geborene Rosenbaum am 23.1.1880 in Czarnikau/Posen. Moritz Fröhlich war in Hildesheim der Inhaber der Firma Fröhlich und besaß dort ein Geschäft und Reinigung für Bettfedern. Ruth hatte eine jüngere Schwester Ursula, Ulla gerufen, geboren am
Zum sogenannten Boykott-Tag am 1.4.1933 standen mit Gummiknüppeln bewaffnete Nazis der SA auch vor dem Geschäft von Ruths Vater, hinderten Kunden am Betreten des Geschäftes und griffen ihn tätlich an. Spätestens jetzt war die Familie nachhaltig gewarnt. Der Vater starb am 10.11.1936 in Hildesheim. Kurz vor ihrer Deportation nach Theresienstadt starb die Mutter am 16.6.1942. Ruths Schwester Ursula gelang mit ihrem Mann Günter Cohn die Flucht nach Kuba und konnte später nach Florida in die USA auswandern.
Ruth heiratete Salus Guttmann, geboren am 24.12.1903 in Schmalleningken. Vor ihrer Abreise wohnten und arbeiteten sie in Berlin. Auch Ruth wollte mit ihrem Mann nach Kuba flüchten, um von dort in die USA zu gelangen. Das Ehepaar gehörte zu den Passagieren der "MS St. Louis". Dieses Schiff war am 13.5.1939 aus Hamburg auf Geheiß des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels mit etwa 1000 jüdischen Emigranten nach Kuba gestartet. Doch die kubanische Regierung erklärte plötzlich die Visa für das Land als ungültig. Die "MS St. Louis" durfte nicht am Pier des Hafens anlegen. Eine Landeerlaubnis scheiterte an den horrenden finanziellen Forderungen des Landes.
Daraufhin kreuzte die "MS St. Louis" vor Florida, doch auch die USA wiesen das Schiff ab. So musste die "St. Louis" die Rückfahrt nach Europa antreten. An Bord drohte eine Massenpanik. Aus Angst vor der Deportation in Konzentrationslager erwägten die Passagiere einen Massensuizid oder Meuterei. Schließlich gelang es dem Kapitän Gustav Schröder und den Bemühungen jüdischer Hilfsorganisationen unter dem wachsenden öffentlichen Druck, Antwerpen statt Hamburg anfahren zu können, wo die Passagiere am 17.6.1939 das Schiff verließen. Belgien, Holland, Frankreich und Großbritannien erklärten sich zur Aufnahme der bedrohten Flüchtlinge bereit.
Ruth Guttmann und ihr Mann gehörten zu den 228 Flüchtlingen, die Großbritannien aufnahm. So entgingen sie dem Schicksal vieler Mitpassagiere, die in Holland, Frankreich und Belgien bald wieder von den Nazis überrollt wurden.
Ihr Mann meldete sich in Großbritannien zur englischen Armee, sie selber begann bald wieder in ihrem erlernten Beruf als Krankenschwester zu arbeiten. Das Ehepaar bekam ein Kind, doch die Ehe scheiterte und sie ließen sich scheiden. Salus Guttmann änderte seinen Namen in Steven Godwin und wanderte in die USA aus. Ruth Guttmann nannte sich später Ruth Bodman und blieb in England.
Ruth Bodman starb 1981 im Alter von 67 Jahren in Southhampton.
Quellen: United States Holocaust Memorial Museum: Voyage of the St. Louis; Geni.com; Ich danke Peter Nathan Froehlich für die Recherche Kostenlose Homepage von Beepworld Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular! |
Lily Gutmann, geb. Fuld
Auguste Guttmann
Ruth Guttmann (Bodman), geb. Fröhlich