"... die tolldreisten, machthungrigen Horden,

sie konnten den Geist nicht morden!"

 

 Dem Gepflegten zum Wohle,

den Pflegenden zur Ehre! 

 

 

Slata Brailovski

Slata Brailovski wurde am 15.5.1885 in Odessa in der Ukraine geboren. Die Ukraine gehörte damals zur Sowjetunion. Die Krankenschwester war im belgischen SS-Sammellager Mechelen interniert. Am 29.8.1942 wurde sie unter der Nummer 599 mit dem Deportationszug VI nach Auschwitz deportiert, sodass davon ausgegangen werden muss, dass sie den Holocaust nicht überlebte.

Ich danke für die Recherche Frau Laurence Schram vom Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) in der ehemaligen Mechelner Dossinkaserne. http://www.cicb.be/


 Elsa Brandström

Elsa Brandström wurde am 26.3.1888 als Tochter eines schwedischen Gesandten in Russland in St. Petersburg geboren. Nach Ausbruch des I. Weltkrieges ließ sich die Lehrerin als Krankenschwester beim Roten Kreuz ausbilden. Danach pflegte sie überwiegend russische Soldaten, aber auch verletzte deutsche Kriegsgefangene als Schwester der russischen St.-Georgs-Schwestern in dem Petersburger Lazarett „Nicolai-Spital“. Sie bekam das Elend der deutschen Kriegsgefangenen mit, die nach Sibirien geschickt wurden.

Über das schwedische Rote Kreuz versuchte sie die Lage der Kriegsgefangenen zu verbessern, organisierte Hilfstransporte mit Kleidung, Decken, Nahrungsmitteln und Medikamenten. Brandström fuhr selber nach Sibirien, überwachte dort im Auftrag des Internationalen Roten Kreuzes die Spendenverteilung und leistete unmittelbare humanitäre Hilfe. Dort erkrankte sie selber lebensgefährlich an Flecktyphus, blieb aber trotzdem. Die Kriegsgefangenen nannten sie „den Engel von Sibirien“. Erst als ihr Vater 1920 im Sterben lag, kehrte sie nach Schweden zurück. Auf der Heimreise nahm man Elsa Brandström in Omsk als Geisel fest. Bolschewistische Kommissare wollten sie als Spionin erschießen. Nach sieben Wochen kam sie frei, weil kriegsgefangene deutsche Kommunisten für sie bürgten.

1922 erschien ihr Buch „Unter Kriegsgefangenen in Rußland und Sibirien 1914 - 1920“, in dem sie ihre Erlebnisse niederschrieb. Nach dem Tod ihres Vaters siedelte sie nach Deutschland über. Mit dem Erlös ihres Buches und Spenden baute sie zwei Sanatorien für heimkehrende Kriegsgefangene auf und ein Kinderheim für Kriegswaisen.

Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, versuchte das Regime, Elsa Brändström für ihre Ziele zu gewinnen. Die blonde, blauäugige Schwedin, die soviele Deutsche verehrten, passte in die Nazipropaganda. Elsa Brandström, die 1929 den Professor Robert Uhlig geheiratet hatte, emigrierte 1934 mit ihrer kleinen Tochter nach Amerika. Ihr Mann passte gar nicht in die Nazipropaganda: als christlicher Sozialist war er ein erklärter Gegner der Nationalsozialisten.

In Amerika beteiligte sich Elsa Brandström an Hilfsaktivitäten für andere Flüchtlinge aus Deutschland und Österreich. Sie eröffnete in Cambridge ein Restaurant, in dem Emigranten einen Arbeitsplatz fanden. Bei Kriegsende sammelte sie Spenden, um besonders den Kindern im Nachkriegsdeutschland zu helfen. Im Februar 1945 reiste sie nach Schweden, um weitere Hilfe zu organisieren. Sie hatte auch einen Besuch in Deutschland geplant. Zu dieser Reise kam es nicht mehr. Elsa Brandström war an Knochenkrebs erkrankt und starb am 4.3.1948 in Cambridge in Massachusetts.

Leider ist die große Frau in den letzten Jahrzehnten in Vergessenheit geraten, beziehungsweise ihr Andenken nicht mehr entsprechend gewürdigt worden. Aus Sicht der Pflege wurde oftmals behauptet, dass sie angeblich nie gepflegt, sondern ausschließlich organisatorische Arbeiten verrichtet hätte. Elsa Brandström war zwar aus der gehobenen Gesellschaft, hatte aber dennoch eine zu dieser Zeit völlig normale Krankenpflegeausbildung genossen und war sich anscheinend nie zu fein, als Krankenschwester eine Bettpfanne zu leeren. Ihre angebliche Nähe zu den Nationalsozialisten ist nichts anderes als eine böse Verleumdung, denn sie konnte wohl kaum etwas dafür, dass die Nazis versuchten, Namen und Image der Frau zu mißbrauchen. Sie sympathisierte in keiner Form mit den braunen Machthabern. Der „Engel von Sibirien“ sollte gerade in Deutschland den Ehrenplatz haben, der ihm zusteht.

 

Quellen

Wikipedia: Elsa Brändström


 Sophia Bremer

Sophia Bremer wurde am 27.6.1919 in Amsterdam geboren. Ihr Vater war Simon Bremer, geboren am 17.6.1891 in Amsterdam. Ihre Mutter hieß Branca Koperenberg, geboren am 12.7-1895 in Amsterdam. Die Arzthelferin heiratete in Amsterdam am 1.9.1913 Elias Bremer. Am 6.1.1941 wurde ihre Tochter Karin Bianca Irene in Amsterdam geboren. Als sogenannte Staatenlose war sie im belgischen SS-Sammellager Mechelen interniert. Mit dem XX. Deportationszug wurde sie unter der Nummer 1236 am 19.3.1943 in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Am 23.4.1943 wurde sie dort ermordet. Auch ihr Kind, ihren Mann und ihre Eltern hatten die Nazis in Auschwitz umgebracht.

 

Ich danke für die Recherche Frau Laurence Schram vom Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) in der ehemaligen Mechelner Dossinkaserne. http://www.cicb.be/

Weitere Quelle: Moshe ben Leib Bremer's Stamboom http://www.bremermisjpoge.net/showtree.php?tree=1


 Hannah Brilleman, geb. Berlinger

Hannah Brilleman, geborene Berlinger, wurde 1918 in Berlichingen an der Jagst geboren. Sie war das Jüngste von zehn Kindern des Rabbiners Berlinger. Die Familie Berlinger war seit dreihundert Jahren in Berlichingen ansässig. Juden und Katholiken lebten über Jahrhunderte friedlich miteinander und tolerierten ihre unterschiedlichen Religionen. So verwundert es nicht, dass Hannah die katholische Schule besuchte. Später berichtete sie in einem Interview (SWR2, Die papiernen Kinder - Der Weg der Hannah Brillemann und Bella Leitner aus der Reihe: Berlichingen in Israel, Klaus Schirmer):

„........Handarbeit haben wir gehabt bei den Nonnen. Und wenn der Pfarrer Religionsunterricht gegeben hat, sind wir in ein anderes Haus gegangen und wir hatten einen jüdischen Religionslehrer, ja, bei dem haben wir dann jüdischen Unterricht bekommen. Manchmal haben sie uns Judenstinker ausgeschimpft. Manche, wenn man irgendwie Streit hatte oder so. Und da haben wir gesagt: Die Juden sind wir und die Stinker seid ihr. Aber im Allgemeinen haben wir uns sehr gut verstanden. Es war immer ein gutes Verhältnis miteinander, doch, doch. Man hat gebetet dort in der Schule, am Anfang von der Schule, aber wir brauchten nicht mitzubeten und wenn sie Lieder gesungen haben christliche, also kirchliche Lieder, haben wir auch nicht mitsingen müssen. Und es war eine sehr gute Zusammenarbeit. Ich muss ehrlich sagen: Es war wunderbar dort. Erstens: Der Pfarrer von Berlichingen in der Zeit war ein sehr guter und loyaler Mensch, er war der Boss von Berlichingen, mehr als der Bürgermeister. Und dadurch haben die Nazis nicht viel Halt gehabt in Berlichingen, es waren nur einige, die bei der Nazi-Partei waren. Aber später dann sind sie doch ja, doch einige sind bei der SA gegangen usw................“

Die Eintracht endete mit dem Nationalsozialismus. Vergleichsweise harmlos war noch der 1.4.1933 in Berlichingen. Im gleichen Interview erzählte sie:

„............Am 1. April in 33, das war auf einem Samstag, und da hat man in ganz Deutschland verboten, dass die Juden die Geschäfte aufmachen dürfen und vor jedem jüdischen Geschäft im ganzen Land haben SA-Leute gestanden. Bei uns vor der Türe hat auch ein SA-Mann gestanden, von auswärts, keiner von Berlichingen. Mein Bruder Jacob und ich sind auf dem Balkon oben gestanden und haben ihn ausgelacht: Hahaha, du stehst da. Unser Geschäft ist doch geschlossen. So hat er zu uns gemacht, aber hat nichts getan, so waren wir Kinder. Wir waren sowieso geschlossen am Sabbat, haben doch nie das Geschäft aufgehabt. Und wir haben gesagt: Einmal im Leben ist es gelungen, in Deutschland alle jüdischen Geschäfte geschlossen zu sein, ausgerechnet der Hitler hat das gemacht. [lacht] ............“

1934 mit 15 Jahren schickten die Eltern Hannah zur Unterstützung der älteren Schwester Sheva nach Amsterdam, die dort geheiratet hatte. Hier begann Hannah ihre Ausbildung zur Krankenschwester. Nach der Besetzung der Niederlande konnte sie untertauchen und unter verschiedenen Identitäten überleben. Ihrer älteren Schwester gelang es nicht. Sie und ihr kleiner Sohn wurden in Westerbork interniert und von dort in den Tod deportiert. Hannahs restlicher Familie gelang 1936 die Emigration nach Palästina. Heute lebt Hannah Brilleman in Jerusalem.

 

Quelle Klaus Schirmer: SWR2, Die papiernen Kinder - Der Weg der Hannah Brillemann und Bella Leitner aus der Reihe: Berlichingen in Israel


 Rosalie Ruth ten Brink

Die Krankenschwester Rosalie Ruth ten Brink wurde am 16.6.1916 in Bramsche geboren. Zuletzt lebte sie in den Niederlanden in Apeldoorn. Die Nazis ermordeten sie am 5.2.1943 in Auschwitz.

Quelle: Virtuelles Denkmal der Jüdischen Gemeinde der Niederlande: http://www.joodsmonument.nl/

Siehe auch: Apeldoornsche Bosch  


 Luba Brisker

Luba Brisker wurde 1904 in Russland geboren. 1922 kam sie in die USA. Sie gehörte zu den Krankenschwestern, die freiwillig in den Internationalen Brigaden arbeiteten.

(Quelle: Martin Sugarman, AJEX - Jewish Military Museum)


 Hendrina Broekman

Die Daten dieser Krankenschwester sind sehr dürftig. Hendrina Broekman wurde am 8.5.1913 in Amsterdam geboren. Sie war verheiratet. Der Familienname ist bis jetzt nicht feststellbar. Der Ehemann hat wahrscheinlich den Holocaust überlebt. Hendrina Broekman lebte vermutlich zuletzt in Amsterdam in der Pretoriusstraat 54 I. Sie wurde in Auschwitz ermordet, als Sterbedatum wurde der 14.9.1942 festgelegt.

Quelle: Virtuelles Denkmal der Jüdischen Gemeinde der Niederlande: http://www.joodsmonument.nl/


 Betje Broeks

Betje Broeks wurde am 28.6.1912 Amsterdam geboren. Die Krankenschwester wohnte in Appeldoorn. Sie wurde am 5.2.1943 in Auschwitz ermordet.

 

Quelle: Virtuelles Denkmal der Jüdischen Gemeinde der Niederlande: http://www.joodsmonument.nl/


 Frieda Broll

Die Krankenschwester Frieda Broll aus Österreich wurde am 26.10.1894 geboren. Wegen angeblichen "Schleichhandels" wurde sie von der Gestapo Wien festgenommen und am 1.12.1942 erkennungsdienstlich erfasst. Angesichts der Versorgung und Lebenslage der jüdischen Bevölkerung blieb den Menschen zu diesem Zeitpunkt gar nichts anderes übrig, als auf dem Schwarzmarkt illegal Nahrungsmittel zu erstehen. Zu einer Anklage oder Prozess gegen die Krankenschwester kam es nicht. Zwei Tage nach ihrer Verhaftung, am 3.12.1942, starb sie aus bisher ungeklärten Gründen.

Quellen

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW)


 Mietje Brommet

Die Krankenschwester Mietje Brommet wurde am 17.10.1875 in Veendam geboren. Sie wohnte in Amsterdam in der Pieter Aertszstraat 31 I mit einer Verwandten zusammen. Beide Frauen wurden am 27.8.1943 in Auschwitz getötet.

 

Quelle: Virtuelles Denkmal der Jüdischen Gemeinde der Niederlande: http://www.joodsmonument.nl/ 


 Louisa Bronkhorst

Louisa Bronkhorst wurde in Den Haag am 8.5.1918 geboren. Die Krankenschwester arbeitete im "Centraal Israëlitisch Krankzinnigengesticht Het Apeldoornse Bos". Sie wurde in Auschwitz am 31.5.1944 ermordet.

 

Quelle: Virtuelles Denkmal der Jüdischen Gemeinde der Niederlande: http://www.joodsmonument.nl/


 Adele Bruckmüller

Die Krankenschwester Adele Bruckmüller arbeitete in der Heil- und Pflegeanstalt Gugging und verweigerte eine Mittäterschaft an Euthanasieverbrechen (siehe Franz Amreiter).

 

Quellen

Gerhard Fürstler: Krankenpflege in der Zeit des Nationalsozialismus

Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband, 03.02.2005


 Emmy Brüll

Emmy Babette Brüll wurde am 18.12.1883 in Fürth geboren. Sie war das jüngste Kind von acht Geschwistern von Karl und Pauline Brüll, geborene Brandeis. 1894 starben ihre Eltern und sie wuchs dann bei ihrer Schwester Anna auf, die mit Sigmund Löwensohn verheiratet war.

1911 absolvierte sie die Ausbildung zur Krankenschwester am Kaiserin-Auguste-Viktoria-Krankenhaus in Berlin-Charlottenburg. 1917 zog sie nach Freudenstadt, später nach Stuttgart. Dort wohnte sie in der Libanonstraße 25 in Gablenberg. Sie arbeitete als Fürsorgeschwester beim städtischen Gesundheitsamt und war bei ihren Schützlingen sehr beliebt. Doch mit 50 Jahren wurde sie nach dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums als Jüdin entlassen. Ab April 1942 musste sie zwangsweise in Haigerloch im Jüdischen Altersheim unter großen Schikanen leben. Emmy Brüll war unverheiratet, hatte aber einen Lebenspartner namens Max Sterzer.

Im Jüdischen Altersheim besuchte sie weiterhin eine Freundin. Aufgrund dieser Freundschaft zu einer Nichtjüdin wurde sie am 23.6.1942 verhaftet. Nach dem Hechinger Gefängnis wurde sie in das KZ Welzheim, dann in das KZ Ravensbrück verschleppt. Vermutlich wurde sie dort am 9.9.1942 ermordet. 1962 wurde sie vom Sonderstandesamt Arolsen für tot erklärt.

 

Quellen

Stolpersteine für Stuttgart: Emmy Brüll

Israelitische Kultusgemeinde Fürth - Memorbuch zum Gedenken an die in der Shoa ermordeten Fürther Juden

Frank 2001; – Hahn 1987.49, 97; – Zelzer 1964.257; – Geburts-Register; – Blume 2007; – EinwohnMeBo; – Stammbaum B.


 Antonia Bruha

Antonia Bruha wurde 1915 geboren und war eigentlich Frisörin und Schönheitspflegerin. Als Mitglied des Tschechischen Arbeiterturnvereins kam sie zum Widerstand. 1941 wurde sie verhaftet, weil sie Flugblätter und linke Zeitungen als Kurier für die Widerstandsgruppe "Für ein freies Österreich" transportiert hatte und an Sabotageakten beteiligt war. Ihre Tochter war drei Monate alt, als sie verhaftet wurde.

Nach ihrer Haft in der Rossauer Kaserne und anderen Gefängnissen kam sie 1942 ins KZ Ravensbrück mit dem Vermerk "RU" für Rückkehr unerwünscht. Nach einem Jahr schwerster körperlicher Arbeit im Lager erhielt sie eine Beschäftigung im Krankenrevier, da sie ansonsten kaum eine Überlebenschance gehabt hätte. Erinnerungen aus dem Krankenrevier brannten sich tief bei ihr ein. Die etwa 500 Säuglinge, die ohne Nahrung auf Stroh lagen, bis sie verhungerten, erfroren oder an ihrer Schwäche starben. Die elfjährigen Roma-Mädchen, die vor Schmerz brüllten, wenn ihnen bei Zwangssterilisationen die Eierstöcke ausgebrannt wurden. Oder polnische Frauen, denen ohne Narkose grundlos Füße abgetrennt oder Sehnen durchschnitten wurden, weil sich die SS-Ärzte im Operieren üben wollten.

Antonia Bruha nutzte die Arbeit im Krankenrevier, um Karteikarten Lebender mit gestorbenen Häftlingen zu vertauschen, um die Lebenden vor Operationen oder Selektionen zu schützen. Romafrauen versuchte sie klar zu machen, dass sie nicht nach sechs Monaten entlassen werden, wenn sie sich freiwillig zur Sterilisation melden. Und sie dokumentierte genauestens die Verbrechen im KZ. Ihre Aufzeichnungen wurden entdeckt und vernichtet. Nach 1945 schrieb sie daher erneut ihre Erfahrungen auf in der Autobiographie „Ich war keine Heldin“.

Nach ihrer Befreiung kehrte sie der Pflege wieder den Rücken und arbeitete im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Die Rückkehr war nicht leicht. Ihre Tochter war inzwischen vier Jahre alt, kannte sie nur von alten Fotografien. Diese Fotos hatten nichts mehr mit der Frau zu tun, die ausgemergelt und angegriffen aus dem Konzentrationslager zurückkehrte. Zwei Jahre brauchte die Tochter, um sich ihrer Mutter wieder zu nähern.

Antonia Bruha starb am 27.12.2006. Bis kurz vor ihrem Tode besuchte sie unermüdlich Schulen, um Jugendlichen von ihren Erlebnissen zu berichten: "Wir haben uns geschworen: Alle, die überleben, werden nie aufhören, über das zu berichten, was geschehen ist, damit junge Menschen gewarnt sind". Und Toni, wie sie mit ihrem Spitznamen gerufen wurde, gab den SchülerINNEN mit auf den Weg:

"Auch wenn die Demokratie Fehler hat - man kann etwas dagegen machen, ohne getötet zu werden."

 

Quellen

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: Antonia Bruha (1915-2006)

Siehe auch

Wikipedia: Antonia Bruha

Diana Carmen Albu: Die Arbeitsweise der Denunzianten des Nachrichtenreferats der Wiener Gestapoleitstelle am Beispiel dreier Biographien - Teil 2

In: David - Jüdische kulturzeitschrift (ohne Datum)


 Dora de Bruin

Dora de Bruin wurde am 10.4.1921 in Leeuwarden geboren. Ihre Eltern waren Aron de Bruin, geboren am 14.4.1890, und Henriëtte de Bruin-Italie. Dora hatte einen Bruder Herman de Bruin, geboren am 16.4.1923, und eine kleine Schwester Bertha, die sich später in Betty umbenannte, geboren 1924. Die Familie lebte in Leeuwarden, wo auch Alle geboren wurden. Dora wurde in der assimilierten Familie gläubig und sehr liberal erzogen. Die wachsende Kriegsgefahr war in der Familie Gesprächsstoff, aber der Vater glaubte nicht, dass die Niederlande in einen Krieg hineingezogen werden könnte und die Kinder glaubten es ihm gerne.

Nach der Sekundarschule begann Dora de Bruin die Ausbildung zur Krankenschwester im Jüdischen Krankenhaus Amsterdam. 1940 zeigte es sich, dass Doras Vater irrte. Die neutrale Niederlande wurde durch Nazideutschland angegriffen und besetzt. Die Repressalien nahmen ständig gegen die jüdische Bevölkerung zu, ab 1942 musste sie den Judenstern tragen. Sie schloss ihre Ausbildung ab und arbeitete anschließend als Krankenschwester. 1942 zog sie zu ihrer Familie nach Leeuwarden zurück.

Ihr Vater wurde interniert, nachdem er versucht hatte. für seine Familie zusätzliche Lebensmittel zu kaufen. Er kam nie wieder. Aron de Bruin wurde am 30.9.1942 in Auschwitz ermordet.

Dora erkannte die zunehmende Lebensgefahr für sich und ihre Familie. Systematisch begann sie ihre Angehörigen zu "verteilen". Die Mutter brachte sie in der Borniakliniek bei Huizum unter. Mit der kleinen Schwester fuhr sie nach Amsterdam und brachte sie zunächst in einem jüdischen Waisenhaus in der Rapenburgerstraat unter. Dort herrschte Diphterie, sodass die Deutschen das Haus mieden. Doch Betty hatte Heimweh.

Einer Tante und Onkel wurde durch einen Polizisten ein Versteck in Leeuwarden angeboten. Diese lehnten ab. Dora de Bruin ergriff die Chance. Sie riskierte Kopf und Kragen, als sie ohne gültige Papiere und Judenstern nach Amsterdam reiste, um die kleine Schwester aus dem Waisenhaus abzuholen. Es gelang. Sie kam unbeschadet mit der Schwester nach Leeuwarden zurück. Einige Tage später suchten sie nachts ihr Versteck nahe Rinsumageest auf.

Inzwischen fand die Mutter ein neues Versteck. Dora organisierte es, dass Betty zur Mutter kommen konnte. Sie blieb in dem alten Versteck in Rinsumageest. Das Versteck wurde verraten. Dora de Bruin wurde ergriffen und nach Auschwitz deportiert. Dort wurde sie am 28.4.1944 ermordet. Auch ihr Bruder Herman überlebte den Holocaust nicht. Er starb am 3.2.1945 im KZ Groß Rosen. Ihre Mutter und ihre kleinen Schwester überlebten nach einer weiteren abenteuerlichen Flucht.

Dora de Bruin war eine sehr aktive junge Frau. Ihr eigenes Leben konnte sie nicht retten, aber Dank ihrer Tatkraft und ihres Mutes sicherte sie das Leben ihrer Mutter und kleinen Schwester.

 

Ich danke Betty de Bruin und Johan de Boer für ihre Erinnerungen und ihre Hilfe, um das Leben dieser großartigen Krankenschwester nachzeichnen zu können.

 Quelle:

Betty de Bruin, http://jadeboer.nl/index.htm

Quelle: Virtuelles Denkmal der Jüdischen Gemeinde der Niederlande: http://www.joodsmonument.nl/


 Helena Brzostoska

Von der Krankenschwester fehlen sämtliche Lebensdaten. Bekannt ist nur, dass die Jüdin bei den Internationalen Brigaden (siehe dort) kämpfte.

 

(Quelle: Martin Sugarman, AJEX - Jewish Military Museum)


 

Erika Buchmann

Bisher konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen, ob Erika Buchmann einen pflegerischen Beruf hatte. Sicher ist, dass sie ab Januar 1945 als Blockälteste im Tuberkulose-Block des KZ´s Ravensbrück gearbeitet hatte. Erika Buchmann wurde am 19.11.1902 in München geboren und starb 1971 in Berlin. Sie gehörte dem kommunistischen Widerstand an. Ab 1933 wurde sie immer wieder verhaftet und befand sich monatelang in Untersuchungshaft und Zuchthäusern. Sie ließ sich nicht einschüchtern und blieb aktiv dem Widerstand verbunden. Das erste Mal machte sie mit dem KZ Ravensbrück Bekanntschaft, als sie dort im Sommer 1939 eingeliefert wurde. Im November 1940 konnte sie das KZ wieder verlassen. Offensichtlich ungebrochen, denn im Juli 1942 wurde sie erneut in das KZ eingeliefert.

Später erzählte sie über das Krankenrevier:

 Block 10 – Tuberkulose: Hier lagen alle Frauen, die durch Hunger und Kälte tuberkulös geworden waren. Die Oberschwester Marschall vertrat ihnen gegenüber den Standpunkt:

„Häftlinge, die auf Block 10 kommen, sind bis auf wenige Fälle ‘abzuschreiben’, Diätnahrung und Medikamente sind dort Verschwendung.“

Fast 500 Tuberkulosekranke lagen im Winter 1944/45 auf Block 10, auch dort vier und sogar fünf Kranke in zwei Betten... Gift!: Eines Abends erschien, offenbar auf Anweisung Dr. Trommers, die SS-Schwester Martha auf Block 10 und verabreichte 50 Schwerkranken ein „Schlafmittel“. Am nächsten Morgen hatten wir fünf Tote, im Laufe des Tages weitere sieben und am nächsten Tag weitere zwölf. Den Toten lief das Blut aus Mund, Nase und Ohren – daran waren sie erstickt. Alle anderen litten wochenlang an heftigen Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit, nachdem sie zwei bis drei Tage bewußtlos gelegen hatten... Wenige Tage später forderte Dr. Teite von mir erneut Listen, diesmal mit den Namen der Schwachsinnigen, von denen damals 20 auf unserem Block lagen. Ich verabredete mit meinen Kameradinnen Dr. Loulu Le Porz, Dr. Domna Neliwaiko, Violette Lecoque und Renee Govers sowie mit unserer Röntgenärztin Dr. Mlada Tauterova, daß ich mich weigern würde, diese Listen zusammenzustellen nach allem, was wir inzwischen erlebt hatten, und nachdem wir jetzt nicht mehr im Zweifel darüber sein konnten, daß wir gezwungen werden sollten, bei der Vernichtung unserer Kameradinnen mitzumachen.

Ich unterrichtete Dr. Lukas von diesem Beschluß, und er erzählte mir bei dieser Gelegenheit, daß auch er sich geweigert habe, zu diesen Dingen seine Hand zu bieten – er sei Arzt und kein Mörder. Die Verantwortung für diese Vernichtungsarbeit trage Dr. Trommer, nachdem auch Dr. Teite sich geweigert habe, bestimmte Befehle auszuführen. Sie würden beide von Dr. Trommer nicht mehr gegrüßt, und dieser habe gegen ihn, Dr Lukas, beim Ehrengericht der SS Strafanzeige wegen „Feigheit und Sabotage“ eingereicht. Wenige Tage später wurde Dr. Lukas prompt strafversetzt. Die Ravensbrücker Frauen haben Grund ,ihm zu danken. Meine Kameradinnen besprachen mit mir, daß wir eventuell lieber in den Strafblock gehen, als unter diesen Umständen noch irgendeine Verantwortung für Block 10 zu tragen.

Wir blieben dann doch unserer Kranken wegen auf dem Posten. Wir standen untereinander so, daß wir noch größeres Elend abwenden konnten. Wir hatten die Befehle der Ärzte auch bis dahin nur zögernd und vielfach gar nicht durchgeführt; Röntgenbefunde, Sputumuntersuchungen, Blutsenkungsergebnisse und Fieberkurven gefälscht, Kranke auf eigene Gefahr aus dem Block verlegt, wenn wir ihre Beseitigung fürchten mußten, andere illegal aufgenommen. – Wiederholt hatten wir Einspritzungen gemacht, wenn die Kameradinnen in die Uckermark abtransportiert werden sollten, um dem abholenden SS-Mann zeigen zu können, daß diese Kranke bereits in der Agonie läge und die Überstellung sich deshalb nicht mehr lohne. In vielen Fällen hatten wir Tote unter den Namen von gefährdeten Lebenden angemeldet und den Lebenden die Namen der Toten gegeben, um sie vor der Vernichtung zu retten. Ob eine neue „Mannschaft“ dasselbe tun werde, dafür hatten wir keine Garantie und beschlossen deshalb, auf dem Posten zu bleiben.

Am 28.4.1945 wurde das KZ "evakuiert". Die Häftlinge wurden auf den Todesmarsch getrieben. Mit Ilse Hunger und einer Jugoslawin namens Nadja gelang ihr am nächsten Tag die Flucht in die Wälder. Nach zwei Tagen wurde sie dort durch die Rote Armee befreit. Man sollte meinen, dass sie vom KZ genug hatte. Aber freiwillig kehrten die Frauen zum KZ zurück, um die verbliebenen Häftlinge zu pflegen und um den Rücktransport der Häftlinge zu sichern. Ende Juni 1945 verließ sie dann endgültig Ravensbrück.

 

Quellen

Überleben im KZ Ravensbrück: Zur Geschichte der Erika Buchmann in den Jahren 1942 bis 1945 (Broschüre) von Grit Weichelt (Autor), Mahn- u. Gedenkstätte Ravensbrück (Herausgeber)


 Maria Catharina van Bueren, geb. Schalker

Die Holländerin Maria Catharina Schalker wurde 1916 in Delft geboren. Sie wuchs in einer Arbeiterfamilie in Delft und Amsterdam auf. Ihr Vater gehörte der kommunistischen Partei an und war Abgeordneter der Zweiten Kammer des Parlaments. Maria Catharina, auch Robbie gerufen, arbeitete als Kaufhausangestellte. Nach der deutschen Besetzung schloss sie sich mit ihrem Bruder dem aktiven Widerstand an. Dabei diente ihr der Fahrradlenker als Aufbewahrungsort für Flugblätter, um zu vermeiden, dass man bei ihr zu Hause verdächtiges Material finden könnte.

Dennoch wurde die Familie 1942 gefasst. Im August 1942 wurde sie zusammen mit der Schwägerin in Den Haag verhaftet und im Gefängnis „Oranje-Hotel“ inhaftiert. 1943 wurde ihr Vater, der seit der deutschen Besetzung im Untergrund lebte, durch die Gestapo verhaftet und hingerichtet. Im August gleichen Jahres wurde Maria Catharina Schalker mit der kranken Mutter und der Schwägerin als NN-Häftlinge (NN war die Abkürzung für Häftlinge nach dem sogenannten Nacht- und-Nebel-Erlass; diese Gefangenen unterlagen einem strikten Briefverbot, konnten also keinerlei Kontakt nach draußen knüpfen.) nach Ravensbrück deportiert. Ihr Bruder kam in das KZ Buchenwald. Im Konzentrationslager Ravensbrück kam die Berufsfremde zur Pflege, arbeitete als Krankenpflegerin im Krankenrevier. Maria Catharina befürchtete, im KZ zu verhungern oder sonstwie ums Leben zu kommen: "Ich war überzeugt, dass ich nicht mehr nachhause kommen würde."

Im März 1945 wurden die Frauen nach Mauthausen „evakuiert“. Die zehn Niederländerinnen, mit denen Maria Catharina dort zusammen waren, stützten sich gegenseitig durch ihren Zusammenhalt und Solidarität. Ihr Aufenthalt als Frauen war in dem eigentlichen Männerlager nicht unproblematisch. Im KZ Mauthausen hatten sie zwar mehr Bewegungsfreiheit wie in Ravensbrück, aber keine Tätigkeit. Ende April 1945 wurden sie dort durch einen Repatriierungstransport des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes über Paris nach Den Haag gebracht.

Nach Kriegsende heiratete Maria Catharina und bekam zwei Kinder. Doch dieses anscheinend „normale“ Leben trog. Ihr Leben war entgleist. Die Frage, eventuell in der Pflege weiterzuarbeiten, stellte sich nicht. Nach ihrer Rückkehr in die Heimat bekam sie noch nachträglich einen sogenannten Lagerkoller, musste in psychiatrische Behandlung. Durch die Haftzeit war sie arbeitsunfähig geworden.

Sie unterschied dennoch zwischen den Moffen (Schimpfwort für Deutsche) und Deutschen. So berichtete sie, dass ihnen ein deutscher Soldat seinen Proviant während eines Luftalarms in Mauthausen gab. Am nächsten Morgen musste ein Häftling diesen Soldaten vor ihren Augen erschiessen. Die Bewacher im KZ hatten erzählt, dass er den Häftlingen Nahrung gegeben hatte. Auch hatte sie sich in Ravensbrück mit einer deutschen Gefangenen angefreundet, die bereits neun Jahre dort eingesperrt war. Maria Catharina Van Bueren, die für ihre kommunistische Überzeugung in den Widerstand ging und deswegen in deutschen Konzentrationslagern gelitten hatte, zerriss 1956 ihr Parteibuch, nachdem die Sowjetunion in Ungarn einmarschierte.

 

Quellen

Frank Aarts und Elisabeth Weissenböck, Mauthausen Survivors Documentation Project des Institutes für Zeitgeschichte der Universität Wien


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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