"... die tolldreisten, machthungrigen Horden,

sie konnten den Geist nicht morden!"

 

 Dem Gepflegten zum Wohle,

den Pflegenden zur Ehre! 

 

Erna von Abendroth

Die am 4.2.1882 in Ostritz in der Oberlausitz geborene Erna von Abendroth besuchte zunächst ein Lehrerinnenseminar und arbeitete als Volksschul- und Hauslehrerin. 1910 machte sie beim Albertverein eine freiwillige dreimonatige Schulung zur Krankenpflege mit. Im I. Weltkrieg war sie im Kriegseinsatz und legte 1916 die staatliche Krankenpflegeprüfung ab.

1918 studierte sie an der Technischen Hochschule in Dresden und an der Universität Leipzig. 1921 promovierte sie als erste deutsche Krankenschwester zum Dr. phil. mit der Dissertation "Der Beruf der Krankenpflegerin mit besonderer Berücksichtigung der sächsischen Verhältnisse".

Ab 1922 leitete sie den Aufbau der Städtischen Schwesternschaft Dresden und wurde dort 1923 Oberin. 1924 rief sie die "Sächsische Oberinnen-Konferenz" ins Leben. Sie war auch Leiterin der Kinderklinik des Johannstädter Krankenhauses und gründete dort eine vorbildliche Krankenpflegeschule mit dreijähriger Ausbildung.

1932 wurde das Krankenhaus und die Schwesternschule wegen sinkender Steuereinnahmen (Weltwirtschaftskrise) geschlossen. Erna von Abendroth verließ 1933 Dresden. Obwohl sie als konservativ und politisch eher rechtsorientiert galt, lehnte sie es ab, Funktionen in der NS-Schwesternschaft übernehmen zu müssen. Um eine direkte Konfrontation zu vermeiden, zog sie sich ins Privatleben zurück.

Obwohl sie nicht als entschiedene Regimegegnerin auftrat, so ließ sie sich im Gegensatz zu vielen anderen Krankenschwestern gerade in gehobenen Positonen des DRK´s, wie beispielsweise Luise von Oertzen, oder BOKD, wie beispielsweise Amalie Rau, nicht vor den braunen Karren spannen oder von den Nazis vereinnehmen. Sie versorgte in diesen Jahren in erster Linie ihre blinde Mutter, übernahm Vorträge und Studienreisen, überwiegend in die USA, und "jobbte" kurzfristig als Vertretung für Oberinnen. 1941 trat sie in die DRK-Schwesternschaft für Übersee in Berlin ein. Anscheinend erwog sie, eventuell in Afrika eine neue Aufgabe zu suchen. In Straßburg geriet sie mit dortigen DRK-Kräften in amerikanische Gefangenschaft. Im April 1946 übernahm sie den Wiederaufbau und die Leitung der Werner-Schule in Göttingen des DRK, die in Berlin ausgebombt worden war. Mit Elsbeth Heise bemühte sie sich auch um den Wiederaufbau berufsständischer Vertretungen und gründete mit ihr 1948 die DSG (Deutsche Schwesterngemeinschaft) in Hannover. 1951 setzte sie sich zur Ruhe. Erna von Abendroth starb am 26.9.1959 in München.

 Quellen

Biographie von Ruth Venske aus Freiberg 1999 (Manuskript) 


 Miron Erastovitsch Abramov

Miron Erastovitsch Abramov wurde 1924 in Makijivka, Gebiet Donec’k in der Ukraine geboren. Er wuchs in einer Arbeiterfamilie in ärmlichen Verhältnissen auf. Als 1941 der deutsche Überfall auf die Sowjetunion erfolgte, ließ er sich wegen einer schweren Erkrankung seines Vaters nicht evakuieren. Im April 1942 wurde er während einer Razzia auf einem Marktplatz aufgegriffen und zur Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie nach Weimar verschleppt. Dort schloss der Jungkommunist sich einer Widerstandsgruppe von Ostarbeitern an. Am 18.10.1944 verhaftete ihn die Gestapo aufgrund einer Denunziation eines anderen russischen Zwangsarbeiters wegen Sabotage. Im Gefängnis wurde der Jugendliche gefoltert, verriet aber niemanden. Danach wurde er in das KZ Mauthausen eingewiesen. Den Transport dorthin konnte er relativ unbeschadet überstehen, weil Österreicher unterwegs verbotenerweise Nahrungsmittel in die Waggons warfen. Da Abramov zu diesem Zeitpunkt glaubte, dass es Deutsche waren, differenzierte er zwischen den Nazideutschen und den Deutschen, die unterwegs Mitleid mit den Gefangenen zeigten.

Im KZ Mauthausen nahm er sich vor: „Bei der Befreiung werde ich ein Leninporträt bei mir haben.” Hintergrund war ein Zehnrubelschein mit einer Abbildung von Lenin, die Abramov die ganze Zeit versteckte und mit sich trug. Das Bild von Lenin auf dem Geldschein hielt ihn hoch, war sein ganzer Stolz. Doch als er durch die Gestapo verhaftet wurde, musste er den Rubelschein heimlich verschlucken, um nicht als Komsomolze enttarnt zu werden.

Im Konzentrationslager bekam er mit seiner Sträflingskleidung die Häftlingsnummer 91501 und den roten Winkel mit einem R für Russe. Zuerst musste Abramov im Steinbruch arbeiten, dann kam der Berufsfremde ins Krankenrevier als Pfleger. Bei seiner Befreiung warnte ihn der Lagerarzt, genannt Onkel Sascha, unter dem Abramov gearbeitet hatte, davor, sich satt zu essen. Denn die amerikanischen Soldaten versorgten die Häftlinge großzügigst mit Essen, doch der Organismus der ausgemergelten KZler konnten dieses Nahrungsangebot nicht mehr bewältigen. Viele Befreite starben dadurch.

Seine Befreiung endete erst einmal abrupt für zwei Monate in einem sowjetischen „Filtrierungslager“ in der Tschechoslowakei. Denn der sowjetische Diktator Josef Stalin hatte 1942 per Dekret jeden sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter zum Vaterlandsverräter oder Kollaborateur erklärt. Ein völlig absurder Vorwurf, denn die Menschen hatten in der Regel keine Möglichkeit, sich gegen ihre Gefangennahme und Deportation zu wehren. Als unbelastet galt nur, wer zum Zeitpunkt seiner Verschleppung nach Deutschland unter 15 Jahre alt gewesen war. Miron Erastovitsch Abramov kam aber mit knapp 18 Jahren nach Weimar. In den Filtrierungslagern wurden die Betroffenen von Geheimdienstoffizieren registriert, befragt und überprüft. Bei dem geringsten Verdacht der "Feindbegünstigung" drohte ein Arbeitslager in Sibirien. Doch auch wer wie Abramov, zwangsverschleppt, wegen Widerstandsarbeit inhaftiert, in seine Heimat entlassen wurde, war wegen seines Aufenthalts in Deutschland bleibend benachteiligt und wurde in seinem beruflichen Fortkommen behindert. Erst ab 1990 wurden die Betroffenen offiziell rehabilitiert und konnten über ihre Verschleppung reden. Ab 1995 erhielten sie dann einen Opferstatus und Vergünstigungen.

Im Juli 1945 konnte Abramov endlich nach Makijivka zurückkehren und seine Schule beenden. Auch er musste Benachteiligungen hinnehmen. Zwar durfte er ab 1946 an der Wirtschaftsuniversität in L’viv studieren. Er bekam auch danach in Zaporižžja in der Ukraine Arbeit, aber ihm wurde jahrelang die Aufnahme in die KPdSU verweigert. Das war für den überzeugten Kommunisten eine demütigende Geschichte. Erst 1955 wurde er aufgenommen. Bis 1985 leitete er die Hauptverwaltung für Handel in Zaporižžja. Seine pflegerische Tätigkeit blieb also auf das Krankenrevier im KZ Mauthausen beschränkt.

Quellen

Alena Kozlova und Maria Scherbakova, Mauthausen Survivors Documentation Project des Institutes für Zeitgeschichte der Universität Wien

Siehe auch: http://www.mauthausen-memorial.at/db/admin/de/index_main.php?cbereich=3&cthema=342&cvideo=26&fromlist=1


 Mathilda Abramovitch, geb. Rosenfeld

Mathilda Rosenfeld wurde am 9.2.1903 in Cleg geboren. Da die Nazis ihre Opfer als staatenlos erklärten, kann der Geburtsort bisher nicht einem Land zugeordnet werden. Die Krankenverpflegerin war mit Samuel Abramovitch verheiratet und wurde im SS-Sammellager Mechelen registriert. Die Nazis verschleppten sie mit dem XI. Deportationszug unter der Nummer 2243 am 26.9.1942 nach Auschwitz. Es muss davon ausgegangen werden, dass sie ermordet wurde, da von ihr weitere Lebenszeichen fehlen.

Ich danke für die Recherche Frau Laurence Schram vom Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) in der ehemaligen Mechelner Dossinkaserne. http://www.kazernedossin.be/  


 Rose Abramson

Von der Krankenschwester fehlen sämtliche Lebensdaten. Sie arbeitete für die Internationalen Brigaden (siehe dort) in Spanien.

(Quelle: Martin Sugarman, AJEX - Jewish Military Museum)


 Robert Abshagen

Der Hamburger Versicherungsangestellte Robert Abshagen, geboren am 12.1.1911, trat 1931 in die KPD ein. Später arbeitete er auch als Seemann und Bauarbeiter.

Nach dem Verbot der KPD 1933 wirkte er politisch im Untergrund weiter. Er wurde mehrmals verhaftet und kam nach der Verbüßung einer Zuchthausstrafe in das KZ Sachsenhausen. Dort arbeitete der Berufsfremde im Krankenrevier als Pfleger.

Nach seiner Entlassung 1939 setzte er seine Widerstandsarbeit fort. In der auch nach ihm benannten Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe (siehe auch Erna Behling) knüpfte er vor allem als Verbindungsmann Kontakte zu anderen Widerstandsgruppen in Berlin, Sachsen, Thüringen und dem Ruhrgebiet. Am 19.10.1942 wurde er erneut verhaftet.

Am 2.5.1944 verurteilte ihn der Volksgerichtshof zum Tode. Robert Abshagen wurde am 10.7.1944 in Hamburg hingerichtet.

Siehe auch: Die Bästlein-Jacobs-Abshagen Gruppe: Ein Beispiel des kommunistischen Widerstands in Hamburg im „Dritten Reich" (von Kathleen Marowsky)

Wikipedia: Robert Abshagen

Puls, Ursula: Die Bästlein-Jacob-Abshagen Gruppe. Bericht über den antifaschistischen Widerstandskampf in Hamburg und an der Wasserkante während des zweiten Weltkriegs, Berlin 1959


 Anna Ackermann, geb. Lindeck

Die Jüdin Anna Lindeck wurde am 15. Juni 1894 in Kaiserslautern geboren. Sie war Tochter des am 14. Februar 1860 im saarländischen Sulzbach geborenen Fabrikanten Hans Lindeck (geb. Levy) und dessen Frau Rosalie Wolf. Am 23. April heiratete sie den Apotheker Eugen Richard Ackermann.

Dieser war Frontoffizier, der in voller nationaler Überzeugung für sein Vaterland in den Krieg zog. Auch Anna fühlte sich als Patriotin und arbeitete deshalb als Rote-Kreuz-Schwester im Lazarett. Für diese Arbeit erhielt sie hohe Auszeichnungen. Ihre Begeisterung für den Krieg schwand. Als das junge Ehepaar im März 1918 ihr erstes Kind bekamen, da kamen sie von ihrem ursprünglichen Plan ab und nannten es nicht wie geplant „Viktoria“, da sie nicht mehr an den Sieg glaubten, sondern „Irene“ um ihrer Friedenssehnsucht Ausdruck zu verleihen.

1932 kam ihr in der Deutschen Volkspartei wirkender Mann bei einem Unglück um Lebens. Als 1933 die Nazis das Sagen hatten, wurde diese politische Entwicklung zu Beginn von ihr durchaus begrüßt, fühlte sie sich ja weiterhin dem Nationalen zugewandt. Aber die Nazis konnten der freigeistigen Deutschen nicht ihre jüdische Vergangenheit verzeihen.

In der Reichspogromnacht 1938 rückte auch in ihrem Haus ein SA Trupp an, um „Haussuchung" zu halten, Bücherschränke wurden umgeworfen und Einrichtungsgegenstände zerstört. Durch das beherzte Eingreifen einer mutigen Nachbarin in ihrer Zerstörungswahn gestört, zog die SA wieder ab. Anna Ackermann musste innerhalb weniger Stunden die Pfalz in Richtung „Rechtsrheinisches“ verlassen – mit dabei ihre jüngste Tochter Marianne, die gerade mal 12 Jahre alt war.

Anna ging nach Berlin. Wie alle jüdischen Frauen musste sie zusätzlich zu ihrem Vornahmen den Namen Sarah führen, hieß also damals offiziell „Anna Sarah Ackermann“. Den „Judenstern“ musste sie nicht tragen, da ihr Mann „Arier“ und Frontkämpfer gewesen war, die Ehe galt als so genannte „privilegierte Mischehe“, obgleich ihr Mann gar nicht mehr lebte. Ihre Mutter Rosa Lindeck und Tante Frieda Reinstein wurden nach Theresienstadt deportiert und die Nazis ließen sie dort verhungern. Viele Verwandten und Freunde wurden ermordet, einige konnten auswandern. Anna wurde „dienstverpflichtet“ und musste in einer chemischen Reinigung arbeiten.

Von der Arbeit nach Hause heimkehrend, wurde sie im Juli 1943 von einer Kommunistin gewarnt. Die GESTAPO war in der Wohnung, um sie abzuholen. Anna Ackermann musste in die Illegalität abtauchen. Die Nazis bemächtigten sich ihres Kindes und verhörten sie 14 Tage in einem Sammellager, von wo aus auch Abtransporte in die Konzentrationslager stattfanden. Das Kind machte Fürchterliches durch, blieb aber standhaft und verriet seine Mutter nicht.

In insgesamt sechs unterschiedlichen illegalen Unterkünfte halfen ihr Deutsche mit vollkommen unterschiedlichen Weltanschauungen. Was sie aber alle gemeinsam hatten, war ihr gutes Herz, und ihr absolutes Unvermögen, Unrecht schweigend geschehen zu lassen. Sie retteten Anna Ackermann das Leben.

Anna Ackermann starb am 2. Mai 1982.

Verfasser des Artikels: Michael Quetting, Quelle Familienaufzeichnungen, Rechte für die Fotos bei Michael Quetting, http://www.quetting.eu


 Margarete Adelsheimer

Die jüdische Krankenschwester Margarete Adelsheimer, genannt Gretchen, wurde am 31.5.1886 in Wandsbek bei Hamburg geboren. Sie war die Schwester von Sarah Adelsheimer. Im I. Weltkrieg arbeitete sie in der deutschen Sanitätsmission in Bulgarien, versorgte Verwundete an der Front, begleitete Lazarettzüge. Für ihren Einsatz wurde sie mit Orden und Ehrenabzeichen ausgezeichnet. Da sie in der Zeit ihres Einsatzes an Malaria erkrankte, bekam sie später eine Rente zuerkannt. Nach Kriegsende arbeitete sie im Jüdischen Krankenhaus Frankfurt.

1925 heiratete sie den Stuttgarter Religionsoberlehrer Alexander Adelsheimer. Das Ehepaar bekam zwei Töchter. Ihr Ehemann starb 1933. Ihre Töchter konnten wie ihre Schwester offenbar nach Palästina auswandern, denn 1941 schrieb sie ihnen nach Tel-Aviv, dass sie nach Theresienstadt käme. Am 23.8.1942 traf sie im Ghetto Theresienstadt mit dem Transport XIII/I ein. In Theresienstadt arbeitete sie wieder als Krankenschwester und leitete eine Krankenstation. Am 19.10.1944 wurde sie nach Auschwitz verschleppt. Seit diesem Tage fehlt jedes Lebenszeichen von Margarete Adelsheimer.

Quellen:

Stadtarchiv, Stuttgart,Staatsarchiv, Ludwigsburg, Hauptstaatsarchiv, Stuttgart

Maria Zelzer: Weg und Schicksal der Stuttgarter Juden

http://www.stolpersteine-stuttgart.de/index.php?docid=530


 Paula Adelsheimer

Die Krankenschwester wurde am 3.9.1914 in Göppingen geboren. Sie arbeitete im jüdischen Altersheim "Landesasyl Wilhelmsruhe" in der Hermann-Wolf-Straße 31 im Stadtteil Sontheim in Heilbronn (siehe Johanna Gottschalk). Am 20.8.1942 wurde sie deportiert und kam am 22.8.1942 in Theresienstadt an. Von dort wurde sie am 19.10.1944 nach Auschwitz verschleppt. Seitdem fehlt jedes Lebenszeichen von ihr.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Israelitisches_Asyl_Sontheim


 Sarah Adelsheimer

Die jüdische Krankenschwester aus Frankfurt/M arbeitete im ambulanten Dienst der Privat- und Armenpflege, aber auch stationär im jüdischen Krankenhaus. Im ersten Weltkrieg gehörte sie wie ihre Schwester Margarete Adelsheimer der deutschen Sanitätsmission in Bulgarien an. Später wurde sie Oberin der Frankfurter Schwesternschaft. Sarah Adelsheimer gelang die Auswanderung nach Palästina, wo sie in den sechziger Jahren in Tel Aviv starb. Ihre Schwester starb in Auschwitz.


 Alice Adler

Alice Adler wurde am 10.4.1925 in Wien geboren. Die Krankenschwester war im SS-Sammellager Mechelen und wurde mit dem Transport V am 25.8.1942 unter der Nummer 731 nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Für die Nazibehörden galt sie als Staatenlose. Bis jetzt ist ihr weiteres Schicksal ungeklärt, doch es ist zu befürchten, dass sie den Holocaust nicht überlebte.

Ich danke für die Recherche Frau Laurence Schram vom Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) in der ehemaligen Mechelner Dossinkaserne. http://www.cicb.be/


 Andries Agtsteribbe

Andries Agtsteribbe wurde am 10.9.1886 in Amsterdam geboren. Er wohnte mit seiner Familie in Amsterdam, Christiaan de Wetstraat 53 II. Der Krankenpfleger wurde am 10.9.1943 in Auschwitz ermordet. Auch seine beiden Söhne Hijman, geboren 30.11.1919, und Jacob, geboren 25.1.1943, wurden in Auschwitz umgebracht.

Quelle: Virtuelles Denkmal der Jüdischen Gemeinde der Niederlande: http://www.joodsmonument.nl/


 Samuel Agsteribbe

Samuel Agsteribbe wurde am 29.9.1904 in Amsterdam geboren. Der Krankenpfleger war mit Klara Agsteribbe-de Hond, geboren am 15.2.1906 ebenfalls in Amsterdam, verheiratet. Das Ehepaar hatte eine Tochter, Sarina Agsteribbe, geboren am 29.8.1939. Die Familie wohnte in Amsterdam, Eendrachtstraat 3 II. Seine Frau und seine fünfjährige Tochter jagten die Nazis in Auschwitz am 6.9.1944 in die Gaskammer. Er wurde am 15.3.1945 im KZ Stutthof ermordet.

Quelle: Virtuelles Denkmal der Jüdischen Gemeinde der Niederlande: http://www.joodsmonument.nl/


 Margarete Albrecht-Heydkamp

Margarete Albrecht-Heydkamp wurde 1885 geboren. Sie absolvierte die Ausbildungen als Säuglings- und Krankenpflegerin. An der städtischen Kinderklinik in Düsseldorf wurde sie leitende Schwester, in Hamburg Oberin einer privaten Kinderklinik. 1927 gündete sie zusammen mit der Oberin Antonie den "Reichsverband für Säuglings- und Kleinkinderschwestern". Die Berufsorganisation wurde 1934 zwangsweise aufgelöst. Als sogenannte "Halbjüdin" zog sie sich ins Privatleben zurück. Margarete Albrecht-Heydkamp starb 1966.


 Jenny Aloni, geb. Rosenbaum

Jenny Rosenbaum, geboren am 7.9.1917 in Paderborn, Tochter eines jüdischen Kaufmanns, bereitete sich nach ihrem Schulbesuch im Michaelkloster1935 auf die Auswanderung nach Palästina auf Gut Winkel in der Mark Brandenburg vor. 1936 siedelt sie nach Berlin über und legte 1939 das Abitur ab. Danach verschlug es sie in die Niederlausitz, wo sie Gruppenleiterin im Hachscharah-Kibbuz war. 1939 gelang ihr die Auswanderung nach Palästina. In Jerusalem an der Hebräischen Universität begann sie zu studieren.

Ihren ersten Kontakt zur Pflege bekam sie durch den Krieg. 1942 trat sie als Sanitäterin in eine jüdische Einheit der britischen Armee ein.

1946 wurde sie aus der Armee entlassen und wandte sich der Sozialarbeit zu. Sie besuchte eine entsprechende Schule und ging 1947 nach Paris und München, um jüdische DP´s (Displaced Persons) zu unterstützen. 1948 heiratete sie Esra Aloni.

Im jüdisch-arabischen Krieg nutzte sie alte Erfahrungen und arbeitete wieder als Sanitäterin. 1950 kam ihre Tochter Ruth zur Welt. Bekannt wurde sie durch ihr literarisches Schaffen, überwiegend in deutscher Sprache. Viele ihrer Werke beschäftigen sich mit den ersten Jahren der Nazizeit aus jüdischer Sicht. Von 1963 bis 1981 leistete sie in der psychiatrischen Klinik in Beer Jaakow ehrenamtliche Arbeit. Jenny Aloni starb am 30.9.1993 in Ganei Yehuda.

Quellen

Wikipedia: Jenny Aloni

Jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Westfalen: Jenny Aloni

Jenny-Aloni-Archiv an der Universitaet-GH Paderborn


 Betti Alsberg, geb. Keschner

Über diese jüdische Krankenschwester besitze ich kaum Informationen. Betti Keschner wurde 1920 in Hattingen geboren. 1939 emigrierte sie nach Palästina. Dort absolvierte sie die Schwesternschule und wurde Krankenschwester. Sie war verheiratet mit Dr. Paul Alsberg.


 Gertrud Alsberg, geb. Weiss

Gertrud Alsberg wurde am 15.1.1895 geboren. Die Krankenschwester stammte aus Hamburg und war zuletzt wohnhaft in der Schäferkampsallee. Da sich in der Schäferkampsallee das Jüdische Krankenhaus befand, könnte sie auch in diesem Haus gearbeitet haben. Allerdings befand sich dort auch das ehemalige Altersheim der jüdischen Gemeinde, was in ein sogenanntes Judenhaus umgewandelt wurde. Am 15.7.1942 wurde sie in das Ghetto Theresienstadt deportiert. In der Schäferkampsallee erinnert ein Stolperstein an die Krankenschwester.


 Annie Altschul

Annie Altschul wurde am 18.2.1919 in Wien geboren. Ihr Vater verstarb früh durch einen Unfall. Nach seinem Tod lebte die Familie durch den Wegfall des Ernährers in wirtschaftlicher Not. Annie Altschul war eine begabte Schülerin und erhielt deshalb eine Freistelle auf einem Lyzeum. So konnte sie ihr Abitur ablegen und begann ein Mathematikstudium. Nach dem Anschluss Österreichs an Nazideutschland 1938 musste sie allerdings als Jüdin nach dem ersten Semester die Wiener Universität verlassen.

Ihr gelang mit der Mutter im März 1938 die Emigration nach England. Der einzige Besitz, den sie nach England mitnehmen konnten, war ein Ölbild, das eine österreichische Landschaft darstellte und das Annie bis zu ihrem Lebensende als größten Schatz hütete. In der englischen Emigration ähnelte ihr Werdegang zunächst vielen anderen jüdischen Flüchtlingen. Sie arbeitete anfangs als Kindermädchen und Haushaltshilfe und begann dann eine Krankenpflege- und Hebammenausbildung.

Annie Altschul begann als Probeschwester in Epsom und Ealing zu arbeiten, wo sie mit den Ausbildungsbedingungen allerdings sehr unzufrieden war. Später wechselte sie zum Armee-Geisteskrankenhaus und absolvierte eine Zusatzausbildung für die psychiatrische Pflege. Im Maudsley Hospital in London qualifizierte sie sich in der Kinder- und Jugendpsychiatrie durch eine Zusatzausbildung zur Stationsschwester und nach einer weiteren Zusatzausbildung wurde sie Pflegelehrerin. Später schloss sie ein Psychologiestudium am Birkbeck College an, weilte drei Monate während einer USA-Studienreise an der Boston University School of Nursing und unternahm weitere Studienreisen nach Kanada und Australien.

1957 wurde ihr erstes Buch "Psychiatrische Krankenpflege" veröffentlicht, 1962 folgte "Psychologie für Krankenschwestern". Beide Bücher wurden theoretische Grundlage für eine professionelle psychiatrische Pflege. Ihre Forschungsarbeit zu Beziehungen zwischen Pflegenden und Patienten fand große Beachtung und brachten ihr akademische Ehren und Würden ein. Ab 1976 war sie Professorin und Leiterin des pflegewissenschaftlichen Institus der Universität Edinburgh. Auch für die WHO war sie beratend tätig. Für ihre Verdienste um die Rechte und Interessen der psychiatrischen Patienten wurde sie 1983 in Großbritannien mit einer der höchsten Auszeichnungen geehrt, dem CBE (Commander of the British Empire).

Für die psychiatrische Pflege galt sie weltweit als Pionierin. Annie Altschul verstarb am 24.12.2001 in London.

Quellen

Royal College of Nursing: Artikel von Laurence Dopson über Annie Altschul (englisch) 


 Frieda Amram

Die Krankenschwester absolvierte ihre Ausbildung in Frankfurt/M. Anschließend übernahm sie Privatpflegen in Hamburg und Heilbronn. Wie viele ihrer Kolleginnen auch meldete sie sich im I. Weltkrieg freiwillig zum Lazarettdienst. Ab 1913 war sie Oberin im Frankfurter Kinderhaus. Frieda Amram wurde als Jüdin 1942 deportiert und in Auschwitz ermordet.


 Franz Amreiter

Franz Amreiter arbeitete als Krankenpfleger in der Heil- und Pflegeanstalt Gugging. Zwei Krankenschwestern aus dieser Pflegeeinrichtung hatten sich hifesuchend an Kaplan Müller aus Wien gewandt und ihm berichtet, dass Dr. Gelny während seiner Visiten Patienten zur Ermordung auswählte und von den Krankenschwestern verlangte, die Mordaufträge durchzuführen. Der Kaplan ermunterte sie zum "Zivilen Ungehorsam". Die Krankenschwestern blieben ab da den Visiten fern, sodass sie auch keine Mordaufträge entgegennehmen konnten. Bereitgestellte Medikamente zur Tötung von Patienten wurden einfach in den Ausguss gekippt. Sie drohten mit sofortiger Kündigung bei den Versuchen, sie zu Mordgehilfen zu machen. Angesichts des krassen Mangels an Pflegekräften machten diese Drohungen Eindruck. Franz Amreiter folgte dem Beispiel seiner Kolleginnen. Es war auch sein Verdienst, dass das Pflegepersonal dieser Abteilung Gelny die Stirn bieten konnte und sich nicht in das Verbrechen mit hineinziehen ließ.

Quellen

Gerhard Fürstler: Krankenpflege in der Zeit des Nationalsozialismus

Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband, 03.02.2005 


 Fanny Ansbacher

Fanny Ansbacher wurde am 11.5.1921 in Würzburg geboren. Ihre Eltern hießen Simon und Selma Ansbacher. Die Familie wohnte in der Würburger Altstadt in der Sterngasse. Fanny besuchte nach der jüdischen Volksschule die Israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg und war Mitglied im jüdischen Kulturbund. Ab 1937 bereitete sie sich auf die Auswanderung nach Palästina vor und machte eine landwirtschaftliche Ausbildung in Hamburg und Halberstadt in Sachsen-Anhalt mit. Die Auswanderung gelang nicht und so absolvierte sie eine Ausbildung als Krankenschwester am Rothschild-Hospital in Frankfurt am Main. Anschließend musste sie in Berlin Zwangsarbeit in den Siemens-Werken verrichten. Am 3.3.1943 wurde sie in das KZ Auschwitz deportiert, wo sie im Revier als Krankenpflegerin arbeitete. Dort steckte sie sich mit Typhus an. Mangels medizinischer Versorgung starb Fanny Ansbacher noch 1943 in diesem KZ.

Quellen

Reiner Strätz, Dr. Hans-Peter Baum und Stadtarchiv Würzburg

Siehe auch: http://www.stolpersteine-wuerzburg.de/wer_opfer_lang.php?quelle=wer_opfer.php&opferid=65


 Schwester Felixina - Margarete Armbruster

Die Ordensschwester Margarete Armbruster, geboren am 27.12.1914 in Kaltbrunn bei Wolfach im Schwarzwald, arbeitete nach der Ausbildung in Karsruhe als Krankenschwester. Am 12.10.1936 trat sie der Ordensgemeinschaft "Schwestern vom göttlichen Erlöser" bei. Ihr Ordensprofess war am 19.3.1938.

Unvorsichtigerweise antwortete sie im Sommer 1943 zwei Frauen, die ihre Angst vor den anrückenden Russen kundtaten: „Vor den Russen braucht ihr überhaupt keine Angst zu haben! Baden wird französisch." Die deutschen Volksgenossinnen zeigten wenig Sinn für den Scherz der Ordensschwester und denunzierten sie. Daraufhin lud die Gestapo Karlsruhe sie am 10. August 1943 zum Verhör vor. Die Gestapo äußerte ihr gegenüber den Verdacht, daß sie diese Äußerung gemacht habe, weil sie ausländische Sender hörte. Das sollte in der Wohnung des Kapuzinerpatre ihrer Pfarrei geschehen sein. So versuchte die Geheimpolizei, mit ihr gleich noch einen unerwünschten Kirchenmann loszuwerden. Die Schwester gab zwar die Bemerkung zu, blieb aber beharrlich dabei, daß der Patre nichts damit zu tun hatte.

Am nächsten Tag endete das zweite Verhör und die Nazis bemühten sich, ihre Persönlichkeit zu demontieren. Sie mußte ihr Ordensgewand gegen Häftlingskleidung eintauschen, saß sechs Wochen in Einzelhaft, durfte keinen Besuch ihrer Mitschwestern erhalten. Vom Gefängnisgottesdienst und dem Empfang der Sakramente wurde sie ausgeschlossen. Lediglich ihre familiären Angehörigen durften sie besuchen. Sie hatte die Möglichkeit, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Die Gestapo bot ihr an, NS-Schwester zu werden, was natürlich den Austritt aus dem Orden beinhaltete. Margarete lehnte ab. Der Preis für diese Entscheidung war hoch, denn nach sechzehn Wochen erfuhr sie, dass sie in ein KZ verbracht werde.

Im November verlegte man sie von dem Karlsruher Gefängnis in immer wieder andere Gefängnisse. Sie hungerte wie ihre Mitgefangenen in diesen Wochen extrem. Schließlich trieben SS-Leute die Gefangenen wie eine Viehherde über den Frankfurter Bahnhof durch die anderen Reisenden. Die Schwester entdeckte in der Menschenmenge eine Mitschwester, mit der sie allerdings keinen Kontakt aufnehmen konnte und die sie auch in der Sträflingskleidung vermutlich nicht erkannte. Durch Fliegerangriffe wurde der Häftlingstransport eine regelrechte Odyssee. Erst am 30. November traf sie im KZ Ravensbrück ein. Dort wurde sie Häftling Nummer 25.150.

In dem Frauenlager befanden sich circa 30000 bis 35000 weibliche Sträflinge. Die zwei Krematorien brannten ununterbrochen und dennoch konnten sie die Leichen der zu Tode gequälten Menschen nicht mehr fassen, sodass zusätzlich Leichenberge wild im Wald verbrannt wurden. Schwester Margarete lernte den menschenverachtenden Zynismus der Nazis kennen. Jeder neue Transport musste nackend zur „Untersuchung“ an den SS-Ärzten vorbeimarschieren. Die Appelle wurden schnell auch ihr Schrecken mit stundenlangem Strammstehen bei jeder Witterung. Floh ein Häftling, dehnten sich diese Appelle für die anderen über Stunden aus, verursachten bei den Geschundenen Blasen-, Nieren- und Darmerkrankungen. Die Ordensschwester berichtete auch vom Strafbunker. In diesem konnte man geradeso aufrecht stehen. In den Wänden steckten spitze Nägel, die sich ins Fleisch bohrten, wenn man sich anlehnen wollte.

Das Grauen in Ravensbrück wurde nicht nur von der SS, sondern auch von etwa 2000 Aufseherinnen verwaltet. Ununerbrochen malträtierten diese die Häftlinge mit ihren rüden Umgangsformen, wüsten Beschimpfungen, gemeinen und vulgären Beleidigungen. Lediglich eine einzige NS-Schwester zeigte menschliche Züge. Dafür wurde sie auch strafversetzt.

Anfangs musste die Ordensschwester Kohlen und Sand schippen. Das hätte sie körperlich nicht lange durchgehalten. Sie hatte Glück. Nach einigen Wochen wurde sie dem Krankenrevier zugeteilt. Sie kam in den Wöchnerinnensaal. Entgegen aller Verbote wagte sie es, mit der Hilfe einer katholischen Hebamme, die Kinder heimlich zu taufen. Das Baby, dem sie, weil niemand anderes da war, auf die Welt verhalf, starb auch bald wegen Unterernährung. Die ausgehungerten Mütter waren nicht in der Lage, ihre Babys ausreichend zu nähren. (Anmerkung; Dazu gibt es auch anderslautende Berichte, in denen die Neugeborenen direkt nach der Geburt ertränkt wurden. Beide Darstellungen sind zutreffend. Etwa ab Spätsommer 1944 gestattete die SS in Ravensbrück, daß die Säuglinge „am Leben bleiben durften“. Da sich aber nichts an den hygienischen und ernährungsbedingten Verhältnissen änderte und die Kinder keine Babykost erhielten, waren ihre Überlebenschancen in der Regel gleich Null.)

Margarete Armbruster erlebte auch die Menschenversuche im KZ mit. SS-Ärzte führten sinnlose Operationen aus, betrieben "Wilde Euthanasie", verstümmelten Menschen grauenvoll, auch Kinder. Ihre Hilflosigkeit gegen diese Barbarei verschlimmerte sich noch dadurch, dass die Opfer in der Regel keine schmerzlindernden Medikamente erhielten. Ende April 1945 verkündete die SS, dass das Lager in die Luft gesprengt würde. Sie versprachen den Frauen, sie zu den Amerikanern zu bringen, damit sie nicht den Russen in die Hände fielen. Die Schwester entschied sich gegen die „SS-Rettung“ und blieb bei den Kranken, die so dringend ihre Hilfe brauchten. Es ersparte ihr den Todesmarsch. Am 30. April rückten die gefürchteten Russen in das Lager ein. Sie fanden etwa 3000 Kranke vor in entsetzlichem Zustand. Schnellstens versuchten die sowjetischen Soldaten die Verhältnisse in dem Lager so zu verbessern, damit möglichst viele kranke Häftlinge überleben konnten. Der russische Kommandant hatte übrigens kein Problem mit der katholischen Ordensschwester in der Sträflingskleidung. Er honorierte mit Anerkennung, dass sie ohne Rücksicht auf Nationalität, Rasse oder Religion alles Menschenmögliche versucht hatte, den Kranken zu helfen.

Aber sie folgte nicht den russischen Einladungen, auch später nicht den französischen, ihre Heimat zu verlassen. Sie gehörte ihrem Orden an und wollte nur nach Baden in ihr Mutterhaus zurück. Dennoch pflegte sie noch bis zum Juni 1945 im KZ die kranken Überlebenden. Das KZ Ravensbrück hatte Margarete Armbruster geprägt und schlimme Erfahrungen unauslöschlich in sie eingegraben. Dennoch stellte sie später für sich befreit fest, dass sie es in dieser extremen Zeit geschafft hatte, sich und ihrem Orden keine Schande zu machen. Schwester Felixina starb am 11.9.1995 in Forbach-Bermersbach im Murgtal und wurde am 19.9.1995 in Baden-Baden im Grab der Niederbronner Schwestern beigesetzt.

Quellen

Sr. Annette Plechinger, Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Erlöser 


 Rudolf Arndt

Rudolf Arndt, genannt Rudi, wurde am 26.4.1909 in Berlin geboren. Der gelernte Schriftsetzer schloss sich der linksorientierten jüdischen Widerstandsgruppe "Schwarzer Haufen" an, später auch der Roten Jungfront und dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands. Bereits 1931 wurde er das erste Mal aufgrund seiner politischen Aktivitäten verhaftet. 1933 kam es zur erneuten Verhaftung. Nach drei Jahren Zuchthaus wurde er in das KZ Sachsenhausen, dann Dachau und schließlich Buchenwald überstellt. Als einer der wenigen Berufsfremden arbeitete er im dortigen Judenrevier (siehe Pflegende im KZ Buchenwald). Unter seiner Leitung wurde das Judenrevier ausgebaut, neu organisiert und dadurch eine wirkungsvolle Pflege ermöglicht. Am 3.5.1940 wurde er im KZ Buchenwald ermordet.

Trotz des braunen Überwachungsstaates wagten es im Mai 1940 etwa 70 Personen, sich auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee zu treffen, um an den kommunistischen Jugendfunktionär zu gedenken. Auch Mitglieder der Herbert-Baum-Gruppe waren an der illegalen Gedenkfeier beteiligt.

Siehe auch: prenzlauerberg-kiez.de: http://www.jurkun.de/strassen/rudolfschwarz.htm


 Herta Aron

Herta Aron wurde am 26.9.1927 in Wien als Tochter von Moses Markus Müller und Karoline Kreindel geb. Schmid geboren. Die Familie stammte ursprünglich aus Polen.

Nach dem Anschluss Österreichs an Nazideutschland 1938 war die Familie sofort starken Repressalien ausgesetzt. Sie musste umgehend ihre Wohnung verlassen und durfte nichts mitnehmen. Der Vater wurde gezwungen, die Straße vor dem Wohnhaus zu putzen. Er konnte später nach Antwerpen flüchten. Herta Aron und ihre Mutter folgten ihm 1939 durch eine abenteuerliche Flucht zu Fuss durch die Wälder. 1940 schickten die Eltern die dreizehnjährige Herta mit einem Kindertransport alleine nach Tel-Aviv, wo Verwandte wohnten. Für das Mädchen war diese Reise hart, aber es war eine Fahrt in die Sicherheit.

Der Vater wurde in Auschwitz ermordet. Die Mutter rettete sich nach Limoges in Frankreich, wo sie untertauchen konnte. 1950 sah Herta Aron endlich ihre Mutter in Israel wieder. Herta wollte eigentlich Medizin studieren. Durch die Lebensumstände konnte sie jedoch kein Abitur machen. So erlernte sie den Beruf der Krankenschwester.

1952 heiratete sie und bekam 1952 und 1962 jeweils einen Sohn. Ihr Mann wollte aus gesundheitlichen Gründen von Israel zurück in seine deutsche Heimatstadt Frankfurt am Main ziehen, wohin Herta Aron ihm folgte. Von 1962 bis 1982 arbeitete sie in an der Universitätsklinik in Frankfurt am Main.


 Adele Asderball

Adele Asderball wurde am 18.5.1898 in Rozniatow in Polen geboren. Die Krankenschwester wurde im SS-Sammellager Mechelen registriert. Die Nazis erklärten sie als staatenlos. Mit dem Deportationszug VII wurde sie unter der Nummer 78 am 1.9.1942 nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Bis jetzt ist ihr weiteres Schicksal ungeklärt, doch es ist zu befürchten, dass sie den Holocaust nicht überlebte.

Ich danke für die Recherche Frau Laurence Schram vom Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) in der ehemaligen Mechelner Dossinkaserne. http://www.cicb.be/


 Gertrud Aufhäuser

Die Krankenschwester Gertrud Aufhäuser wurde 1914 in Augsburg geboren. Ihr Vater Albert Aufhäuser, geboren 1877 in Oettingen, leitete ein Familienunternehmen, die Augsburger Likörfabrik „Adolf Rosenfelder“ in der Hermanstraße 23. Ihre Mutter, die 1885 in München geboren wurde, hieß Elsa, geborene Guttman. Gertrud hatte noch einen fünf Jahre älteren Bruder namens Hans. 1933 legte sie in der Maria-Theresia-Schule das Abitur ab.

Die Ehe der Eltern zerbrach. Gertrud und ihre Mutter emigrierten in die USA. Ihr Vater starb 1942 in Theresienstadt. Gertrud Aufhäuser starb 1993 in New York.

Quelle

Werner M. Loval, der Cousin von Gertrud Aufhäuser


 Ernestine Aufricht

 Ernestine Aufricht wurde nur Erna genannt und war die jüngere Schwester von Johanne Aufricht. Sie wurde am 13.1.1882 in Budapest, Ungarn, geboren. Bereits 1883 starb ihre Mutter, sodass sich Erna an ihre Mutter im Gegensatz zur älteren Schwester nicht erinnern konnte. Der Vater gab die beiden Mädchen in die Obhut eines evangelischen Internates in Budapest. 1887 erteilte er die Erlaubnis zur Taufe der Mädchen und übertrug alle Erziehungsrechte an die Heimleiterin und ihre Mitarbeiterin. Schon früh reifte bei den Schwestern der Wunsch, Diakonissen zu werden. Am 4.7.1898 trat Erna Aufricht als Diakonissenschülerin in die Kaiserswerther Diakonie ein und wurde 1903 eingesegnet. Als Kaiserswerther Diakonisse erhielt sie die deutsche Staatsbürgerschaft.

Erna Aufricht ließ sich als Volksschullehrerin ausbilden und arbeitete nach der bestandenen Prüfung für das Lehramt 1902 in Hilden, Horchheim und Kaiserswerth in den dortigen Diakonieschulen und angeschlossenen Heimen. Bei den Schülerinnen war sie sehr beliebt und wurde zwar als streng und energisch beschrieben, aber auch als gut und liebevoll. Zur Pflege kam sie durch den I. Weltkrieg. Von 1914 bis 1918 half sie im Lazarett in Hilden. Für ihre Arbeit in der Verwundetenpflege in Hilden erhielt sie eine staatliche Auszeichnung.

In der Schwesternschaft spielte ihre jüdische Abstammung keine Rolle und war vermutlich vielen Mitschwestern auch gar nicht bekannt. Nach der Machtübernahme interessierten sich die neuen Machthaber zunächst nicht für die Diakonissen, sodass Erna und Johanne Aufricht die ersten Jahre unbehelligt blieben. Wodurch die Schwestern in das braune Mühlwerk gerieten, ist heute nicht mehr eindeutig feststellbar. Johanne hatte 1941 in einem Fragebogen wahrheitsgemäß ihre jüdische Abstammung angegeben. Aber Erna war bereits vorher bei der Gestapo aktenkundig geworden. Der Spionageabteilung der Gestapo war in der Postkontrolle eine Karte in die Hände gefallen, die Erna an einen evangelischen Pastor in Ungarn geschickt hatte. Zwar wurden die Vorgänge durch die Gestapo als harmlos eingestuft, aber man war aufmerksam geworden und hatte in diesem Zusammenhang herausgefunden, dass ihre Schwester Johanne ebenfalls in der Kaiserswerther Diakonie war.

Die Leitung der Kaiserswerther Diakonie war sich der Gefahr bewusst, in der sich die Geschwister Aufricht befanden. Auch deshalb, weil sie sich nicht sicher waren, ob in der großen Diakonieeinrichtung nicht auch Nazianhänger oder –spitzel waren. Zwar fühlten sich die Beiden weder zu alt noch arbeitsunfähig, aber man entfernte die 65- und 59jährigen Schwestern aus dem Berufsleben, in der Hoffnung, sie so der Öffentlichkeit zu entziehen und damit auch dem Interesse des braunen Mobs. Erna hatte bereits vorher ihre Beschäftigung als Lehrerin und Erzieherin aus Sicherheitsgründen aufgeben müssen. Nun konnte sie auch nicht mehr den Bürodienst ausüben. Die Hoffnungen, mit diesen Maßnahmen die Schwestern zu schützen, wurden enttäuscht.

Mitverantwortlich für die folgenden Ereignisse war Georg Pütz, damaliger Kriminaloberassistent und Leiter des sogenannten Judenreferates in Düsseldorf. Pütz, ein brutaler Fanatiker, machte regelrecht Jagd auf Juden. Dabei überschritt er oft die Grenzen des Erlaubten, nahm auch sogenannte geschützte "Halbjuden" oder Juden aus Mischehen fest und ließ sie sogar wider Nazirichtlinien und Gesetzen deportieren. Die Geschwister Aufricht gehörten in seinen Zuständigkeitsbereich. Es war klar, dass sie von dieser Seite keine Menschlichkeit zu erwarten hatten. (Pütz wurde 1949 zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt und im Juni 1952 auf Bewährung entlassen. Gnade für den Täter, während überlebende Opfer um ihre Ansprüche kämpfen mussten.) 

Aus den Erinnerungen von Schwester Karin von Ruckteschell, damalige Oberin:

....kam die Aufforderung an unsere beiden Schwestern, sofort vor der Gestapo in Düsseldorf zu erscheinen. Wir nahmen ein Taxe, und ich fuhr mit ihnen hin. Wir hatten wohl alle drei die gleiche Angst. Wir verabredeten: ´Ich geh auf jeden Fall als erste zur Verhandlung - zunächst allein.´ Wir mußten in einem offenen Vorraum - einer kleinen Halle – unten im Hause warten. Da erschien auf der Treppe ein Mann (Georg Pütz), sah auf uns herunter und rief mich sehr unfreundlich an: ´Sind Sie auch aufgefordert, hierher zu kommen?´ - ´Nein, aber ich bitte darum, daß Sie mich zuerst anhören, ehe Sie mit diesen Schwestern sprechen.´ - ´Ist unnötig - Sie können nach Hause gehen.´ Damit verschwand er......" Die Vorsteherin blieb und ging nach Aufruf der Schwestern zunächst alleine in den Verhandlungsraum. ".......Ich merkte ihnen die Wut an, daß ich´s gewagt hatte, gegen seinen Befehl doch zu kommen. Er tat, als sei ich Luft und blieb ohne Gruß an seinem Schreibtisch sitzen. Ich stellte mich vor, als Vorsteherin der Kaiserswerther Anstalten, setzte mich ihm gegenüber auf den Stuhl, der dort stand und fing an, ihm zu sagen, weshalb ich mitgekommen sei ...

Bei Pütz stießen die Erklärungen, Bitten und Eingaben für die Schwestern auf taube Ohren. Sein unentwegter Kommentar lautete nur:

"Sie sind aber doch Juden!" Karin von Ruckteschell erkannte: "....da drinnen saßen unsere Feinde – Todfeinde – und auch das wurde mir damals klar: Wenn wir den Krieg gewinnen sollten, so wird es uns, den bekennenden Christen, ebenso gehen wie den Juden jetzt......." Immerhin konnte Schwester Karin deutlich machen, dass die Geschwister Aufricht nicht alleine waren. Und nicht nur sie versuchte sich für Erna und Johanne stark zu machen. Pastor von Lüttichau begab sich zur Gestapo in Düsseldorf und Berlin. Er ließ persönliche Beziehungen spielen, sodass es ihm gelang, zu dem Hauptverantwortlichen für die Deportationen, Obersturmbannführer Eichmann, vorzudringen.

Er kehrte niedergeschlagen nach Kaiserswerth zurück, da er lediglich unverbindliche Zusagen erhalten hatte. Am gleichen Tage ließ er die Diakonissen des Feierabendheimes II zusammenrufen, wo Erna und Johanne lebten. Die Diakonissen wurden befragt, ob sie damit einverstanden seien, mit den jüdischen Mitschwestern im gleichen Haus zu wohnen. Hintergrund dieser Befragung war ein Gesetz, dass regelte, dass es für "arische" Volksgenossen nicht zumutbar sei, mit Juden unter einem Dach zu leben. Einstimmig waren die Diakonissen einverstanden. Die Geschwister Aufricht verließen nicht mehr das Haus. Pastor von Lüttichau hatte sich dafür verbürgt, dass sie sich nicht in der Öffentlichkeit zeigten, um zu erreichen, dass durch diese Maßnahmen die drohende Deportation ausgesetzt würde.

Schwester Johanne schrieb dazu:

... Herr Pastor von Lüttichau hatte inzwischen sein Möglichstes getan, daß wir in Ruhe im Feierabendhaus bleiben konnten. Dann kam eine bittere Zeit über uns. – Wir durften das Haus nicht verlassen. Erna war tapfer – wir nahmen alles aus Gottes Hand..........Wie dankbar waren wir für jeden Besuch. Auch hatten wir das Radio – allmorgendlich unsere Andacht und Sonntag den Gottesdienst. Erna hatte weiter ihre Schreibarbeit und ich sorgte für heile Strümpfe fürs Lazarett. So saßen wir oft in Ernas Zimmer ...

Am 27.2.1942 erschien Pütz in Begleitung eines anderen Gestapobeamten in Kaiserswerth, um die Geschwister Aufricht zu kontrollieren. Pastor von Lüttichau begleitete die Beiden zu den Schwestern. Angesichts seiner Beziehungen und Intervention in Berlin benahmen sich diesmal die Gestapobeamten korrekt. Dem Pastor wurde beim Abschied von Pütz versichert, dass die Isolierung der Schwestern ausreichend, alles in Ordnung sei und sie verbleiben könnten. Diese Versicherung war anscheinend nur ein Manöver, um die Betroffenen in Sicherheit zu wiegen und ihre Helfer davon abzubringen, weitere Schritte zu ihrem Schutz zu unternehmen. Denn in Kaiserswerth hatte man bereits überlegt, Erna und Johanne ins rettende Ausland zu bringen, obwohl eine Ausreise für Juden 1942 fast unmöglich war.

Der Pastor war in Schlesien im Kurzurlaub, als die Katastrophe hereinbrach. Obwohl sich die Geschwister an die Auflagen gehalten hatten, erhielten sie am 13.7.1942 entgegen der Zusagen die Aufforderung, sich am 20.7.1942 auf dem Derendorfer Bahnhof in Düsseldorf einzufinden.

Pastor von Lüttichau erreichte diese Nachricht erst am 17.7., umgehend telefonierte er mit den maßgeblichen Stellen in Berlin. Doch diesmal konnte er nichts zugunsten der Schwestern erreichen. Nachdem auch Karin von Ruckteschell einsehen musste, dass alle Fürsprachen und Interventionen sinnlos waren, versuchten die Diakonissen fieberhaft, Erna und Johanne, die nicht in ihrer Diakonissentracht reisen durften, anständig auszustatten. Sie ahnten nicht, dass diese Bemühungen vergebene Mühe waren, da den Schwestern bereits auf dem Derendorfer Bahnhof Geld, Wertsachen und Koffer abgenommen wurden. Im städtischen Schlachthof warteten sie unter Bewachung auf ihre Deportation nach Theresienstadt, wo sie mit dem Transport VII/1 am 22.7.1942 ankamen. Unter der Nummer VII/1 24 wurde Erna Aufricht im Ghetto Theresienstadt registriert.

In Theresienstadt widmete sich Erna wie ihre Schwester Johanne der Pflege. Sie wurde in dem Zimmer, in das man sie, die Schwester und zehn Frauen aus Düsseldorf eingewiesen hatte, zur Zimmerältesten bestimmt. Ihre Tatkraft, Freundlichkeit und liebevolle Art machte sie bei den Leidensgenossinnen außerordentlich beliebt.

Im Dezember 1942 kam Schwester Johanne durch einen Unfall ins Revier. Nun lastete die Arbeit und Verantwortung für die Pflege der kranken Hausgenossen alleine auf Erna. Sie beklagte sich nicht, aber ihre Überarbeitung unter den widrigen Lebensumständen wurde sichtbar. Ihre Typhuserkrankung im Januar 1943 war wohl auch eine Folge der Überanstrengung. Im März wurde sie aus dem Krankenhaus entlassen, konnte ab April auf eigenen Wunsch wieder arbeiten. Ende des gleichen Monats bekam Erna Aufricht von der Ghettoverwaltung die Bestätigung als Krankenschwester. Ihre Schwester hatte sich nicht bestätigen lassen, damit sie nicht getrennt würden.

Im Januar 1944 erkrankte Schwester Erna an einer Lymphangitis. Mehrere Operationen musste sie über sich ergehen lassen, sie nahm erheblich ab, ein echter Heilungsverlauf stellte sich nicht ein. Bereits im August 1944 sollte Erna "verschickt" werden. Johanne und andere unbekannt gebliebene Menschen setzten sich dafür ein, dass Erna zurückgestellt wurde. Im Oktober wurde sie in ein anderes Revier verlegt und von da einem Transport nach Auschwitz zugeteilt. Nachdem dieser Abtransport nicht verhindert werden konnte, versuchte ihre Schwester Johanne vergeblich, ebenfalls in den Transport zu kommen. Bis zuletzt hoffte und betete Johanne, ihre Schwester Erna wiederzusehen. Vergeblich. Als Todestag von Erna Aufricht wurde der 19.10.1944 bestimmt.

Todeserklärung für Schwester Erna Aufricht - Übersetzung - Auszug:

 Praha, den 8. 11. 1946

Bestätigung

Das Ministerium für Soziale Fürsorge bestätigt auf Ihr Ersuchen und nach erfolgter Erhebung, daß Ernestine Aufricht geb. am 13. 1. 1882, wohnhaft zuletzt in Düsseldorf, am 19. 10. 1944 aus sog. Rassegründen deportiert worden ist aus Theresienstadt nach Osviedcim, und es ist wahrscheinlich, daß sie dort getötet worden ist, denn alle Personen, die über 50 Jahre alt waren oder unter 14 Jahre, die aus sogenannten Rassegründen nach dem Osten transportiert worden waren, wurden später von den Deutschen getötet. Diese Bestätigung wird nach der Bestimmung des Paragraphen 17, Abschnitt 2 des Dekrets des Präsidenten der Republik ausgestellt, womit die Bestimmung über die Totmeldung geregelt worden ist, als Ausweis für des Todeserklärung.

Für den Minister

Unterschrift

 

Auf dem Diakonissenfriedhof erinnert an Erna Aufricht eine Gedenktafel. Eine Straße auf dem Kaiserswerther Diakoniegelände trägt heute den Namen: "Geschwister-Aufricht-Straße".

Quellen

Ich danke für diese gründliche Recherche und Bildmaterial dem Archiv der Fliedner Kulturstiftung Kaiserswerth. Sehr zu empfehlen: "ist verpflichtet den judenstern zu tragen - eine dokumentation über johanne und erna aufricht kaiserswerth theresienstadt auschwitz" von Ruth Felgentreff, Herausgegeben im Auftrag der Schwesternschaft des Diakonissenmutterhauses Kaiserswerth, Diakoniewerk Kaiserswerth 1973, Aussaat Verlag Wuppertal.


 

Johanne Aufricht

Johanne Aufricht war Ernestine, genannt Erna, Aufrichts Schwester (siehe dort). Sie wurde am 10.8.1876 zu Preßburg in Ungarn geboren. Bereits 1892 war Johanne Probeschwester in der Kaiserswerther Diakonie. Aus gesundheitlichen Gründen musste sie jedoch wieder ausscheiden. Sie erholte sich und konnte so mit ihrer Schwester Erna am 4.7.1898 endgültig in die Diakonissengemeinschaft eintreten. Ab 1900 arbeitete sie im Deutschen Diakonissenhospital in Kairo. 1908 erwarb Johanne Aufricht ihre Anerkennung als staatlich geprüfte Krankenpflegerin.

Aufgrund eines Gehörleidens wechselte sie später als Helferin in die Apotheke. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges war sie ab 1914 in der Mutterhausapotheke für das Lazarett beschäftigt, ab 1916 arbeitete sie als Apothekerschwester in der Apotheke des Evangelischen Krankenhauses Mülheim-Ruhr. In Anerkennung ihrer Kriegsverdienste in der Verwundetenfürsorge wurde ihr die Rote-Kreuz-Medaille verliehen.

Ende 1941 berief die Mutterhausleitung sie nach Kaiserswerth zurück. Ausschlaggebend für die dortige Abberufung waren Bedenken zur Sicherheit der Diakonisse. Vorrausgegangen war ein Fragebogen, in dem Johanne Aufricht wahrheitsgemäß ihre jüdische Abstammung angab. Später schrieb dazu Johanne:

November 1941 mußte ich mein altes Arbeitsfeld, wo ich 26 Jahre gearbeitet hatte, verlassen, um meinen Feierabend zu nehmen. Nicht weil ich nicht mehr konnte, sondern weil wir wähnten vor Gestapo sicherer zu sein.

Wie berechtigt die Sorgen waren, zeigte ein Einschreiben vom 16.2.1942 von der Jüdischen Kultusvereinigung `Synagogengemeinde Düsseldorf` an "Fräulein Johanna Sara Aufricht", in dem sie über ihre Pflicht, den Judenstern zu tragen, aufgeklärt wurde. Beiliegend drei Judensterne, die ihr mit 0,30 RM berechnet wurden.

Alle Interventionen halfen nicht. Über ihre Einweisung in das Sammellager im Düsseldorfer Schlachthof berichtete später Johanne:

... Als wir kamen, waren schon Tausende da. Die armen Menschen waren eingepfercht wie die Heringe. Beim Empfang nahm man uns alles Geld ab und die Regenmäntel. Es war dort ein menschenunwürdiges Dasein. In der Nacht wurden alle aufgerufen. Die Feder sträubt sich, diese Elendsnacht und die Vormittagsstunden aufzuschreiben. Am Morgen regnete es in Strömen und wir mußten im Regen warten, bis wir in die bestimmten Wagen eingeteilt wurden. Ein alter Herr, Ehrenbürger aus Essen, sprach uns allen Mut zu. Wir fuhren und fuhren ins Dunkle, Ungewisse, aber Gott begleitete uns, sonst wären wir auf dieser Nacht- und Tagesfahrt zerbrochen ...

Unter der Nummer VII/1 25 wurde Johanne Aufricht im Ghetto Theresienstadt registriert. Über ihre Ankunft schrieb sie:

... Die Ankunft in der toten Stadt ist kaum zu beschreiben. Alle mußten sich registrieren lassen. Wir waren jetzt nur Nummern. Dann wurde man nochmals nach Gold und Wertsachen und Batterien untersucht und alles wurde fortgenommen. Unsere Koffer haben wir überhaupt nie zu Gesicht bekommen. Nach stundenlanger Wartezeit bekam man einen Wohnungsschein. Theresienstadt war ausgestorben. Im Trauerschritt zogen wir in die Stadt hinein. Man begegnete eben niemandem, weil alle Einwohner die Stadt verlassen hatten und ließen uns nicht einmal einen Nagel. Bitter war der Anfang. Erna und ich kamen in ein kleines Haus, 140 Personen, sonst wohl zehn. Wir bekamen ein Zimmer mit zehn Düsseldorfer Frauen, eine davon war sehr krank. Als Gepäck hatten wir nur, was wir mitnehmen konnten: unsere Decke, Mantel und Kissen. So lagen wir nun nachts auf der Erde und deckten uns mit dem Mantel zu. Am Tag saßen wir auf dem Gepäck.... Bald fingen verschiedene Männer an, sich kleine Bänkchen zu zimmern. Erna und ich kauften uns zuerst einen Nagel um eine Schnitte Brot. So konnten wir unsere Mäntel aufhängen, später ein Bänkchen um Brot, Butter und Zahnpasta ...

... Von der ersten Nacht an haben wir unsere Kranken betreut.....Bald kannten wir alle Insassen des Hauses. Erna und ich hatten den Tag über vollauf zu tun. Gab es doch unter der großen Zahl mehrere Kranke. Nach und nach hatte die Stadtverwaltung Blockärzte eingesetzt, die die Patienten täglich besuchen mußten. Jedes Haus bekam eine Schwester zur Pflege für die Patienten. Die Not wurde groß, da vorerst keine Wäsche, kein heißes Wasser zu haben war. Mit der Zeit wurde es etwas besser.....Wir machten täglich Visite mit dem Arzt. Dann holte Erna die Arzneien aus der Gerichtskaserne - oft nüchtern, da unsere Brotration nicht reichte. Dennoch hielten wir länger aus als viele und blieben gesund.

Am 6.12.1942 erlitt Schwester Johanne bei der Arbeit einen Unfall.

... Im Schnee und Eis holten wir von der Pumpe Wasser. Eines Morgens hatte ich gerade die Waschschüssel für eine Kranke gefüllt, da kam ein Mann, stieß mich beiseite, und ich kniete auf der Eisplatte - Kniescheibe kaputt. Gleich ins Krankenhaus. Nun wurde es meiner Schwester zu viel. Sie bekam keine Hilfe, und sie wurde immer elender. Doch sie gab es nicht zu ...

Hunger, Mangel, Not, Kälte, schwere Arbeit, eigene Erkrankung konnten Schwester Johanne und ihr Gottvertrauen nicht erschüttern, solange sie mit ihrer Schwester Erna gemeinsam das Elend ertrug. In ihren Aufzeichnungen über Theresienstadt beschrieb sie Erna als ihre Schwester, Freundin und Heimat. Die jüngere Schwester war auch eine wichtige Stütze für sie in der Kommunikation angesichts ihrer hochgradigen Schwerhörigkeit. Nach Ernas Deportation nach Auschwitz im Oktober 1944 litt sie unter Einsamkeit. Sie schrieb:

... Am 17. Oktober kam das Verhängnis über uns. Erna kam ganz früh in unser Haus. Ich erstaunt: ,Was ist, Erna?' ,Ich muß fort.' Ich sagte: Dann gehe ich mit.' Machte sofort eine Eingabe, aber mein Bitten half nichts. Ein Schreiben erhalten: ,Altersgrenze überschritten.' Dennoch habe ich auch meine Sachen gepackt. Ich bin mit ihr in die Kaserne, wo sich wohl schon 1000 Menschen versammelt hatten. Wir fanden ein nettes Zimmer mit mehreren Personen und warteten auf alles gefaßt. Erna sagte: ,Ich fürchte mich nicht. Gott geht mit.' Zusammen beteten wir noch: Jesu geh voran. Am Abend kam ich noch einmal mit einer Grazer Diakonissin. (Anmerkung: Margit Frankau, siehe dort) Erna empfing mich mit den Worten: ,Ich bin jetzt ruhiger, weil Du in sechs Wochen nachkommst.' Wohin?? Am nächsten Morgen wollte ich mich endgültig verabschieden. Der Zug fuhr schon in der Nacht fort. Wer ermißt meinen Schmerz! ... Nun bin ich allein unter 40 000 Menschen ...

Kurz darauf stürzte Johanne im dunklen Treppenhaus und brach sich den Arm. Im Krankenhaus erfuhr sie acht Tage lang etwas Trost in ihrer Einsamkeit durch Margit Frankau (Siehe dort) bis zu deren schwerer Erkrankung und Tod.

19. (11.1944) Margit heimgegangen. - Heut früh um 7 Uhr. Erna und ich hatten am 17.10. als Abschiedsgeschenk ein Gesangbuch von ihr mit den Worten: ,Gottes Willen kennt kein Warum.´ Wie weh ist's ihrer Schwester (Paula Presinger) und mir ums Herz. Was wird noch über uns kommen. Herr hilf tragen und trösten.

Zu Kriegsende wurde die Lage im Ghetto immer unerträglicher. Die Nahrung wurde noch knapper, fehlendes Verbandszeug und Medikamente plus zusätzliche Wasserknappheit verschärften die Arbeitsbedingungen in der Pflege. Dazu kamen nicht endenwollende Transporte neuer Häftlinge, die krank und verlaust mehr tot als lebendig eintrafen. Erst am 5.5.1945 hatte der Wahnsinn insoweit ein Ende, dass das Ghetto befreit wurde. Johanne Aufricht erlebte ihre Befreiung im allgemeinen Freudentaumel: "....Ich ging mit meiner Mahlzeit nach oben in meine Ecke und weinte. Armes Deutschland! Wo ist meine Erna?"

Am 11.5.1945 schrieb sie nach Kaiserswerth an Pastor von Lüttichau:

... Als wir am 20. Juli 1942 von unserem Mutterhaus schweren Herzens scheiden mußten, dachten wir, es wäre für immer. Durch Gottes Fügung ist es anders geworden. Seit der Zeit haben wir hier und Sie drüben viel, viel Herzeleid erfahren. Dennoch waltete Gottes Gnade über all dem Jammer. Mein größter Kummer ist, daß ich nicht weiß, wo meine Erna ist ...... Theresienstadt ist im Zeichen der Rücktransporte. Böhmen und Mähren werden teils mit Autos abgeholt. Wann wir drankommen, ist unbestimmt ...

Der Abtransport der Lagerinsassen vollzog sich nur schleppend. In der überfüllten Stadt war noch durch die letzten Transporte Flecktyphus eingeschleppt worden. Das wenige pflegerische und medizinische Personal war restlos überfordert, das Krankenhaus gnadenlos überbelegt, die zugesagte medizinische und pflegerische Hilfe durch die Rote Armee ließ auf sich warten. Dadurch blieben Erkrankte oft in den Zimmern. Auch Schwester Johanne pflegte mit ihren 68 Jahren eine Typhuskranke in ihrem Zimmer, argwöhnisch beobachtet von den Zimmergenossinnen, die eine Ansteckung kurz vor der Freiheit fürchteten. Dazu notierte sie:

... auf mich achten die Frauen, ob ich auch ganz vorschriftsmäßig bin." Am 1.6.1945 stellte sie fest: "... Man lebt hier arg eng zusammen und bleibt doch fremd. Schade, schade. Einer hilft dem anderen nur unter Bedingungen. ... Koffer sind gepackt. Nur fort! Bin gespannt, wie ich fortkomme. ER sorgt für mich. Wenn ich nur Erna treffe.

Diesmal wurde ihr Gottvertrauen nicht enttäuscht. Bereits zu Beginn der Verfolgung verhielt sich die Diakonie in Kaiserswerth eindeutig zu ihren Schwestern und versuchten sie zu schützen. Eher eine Ausnahme in dieser Zeit. Und im Gegensatz zu anderen Einrichtungen hatte man die eigenen Verfolgten nicht vergessen. Im Kaiserswerther Mutterhaus setzte man alle Hebel in Bewegung, um die Geschwister nach Hause zu holen. Kein leichtes Unterfangen angesichts der zerstörten Infrastruktur. Durch einen glücklichen Zufall konnte die Vorsteherin von Kaiserswerth durch einen Nachbarn Johanne Aufricht aus Theresienstadt herausholen.

Aus den Aufzeichnungen von Johanne Aufricht:

6.6. Früh morgens stand ich im Hof und wusch einige Wäschestücke. Plötzlich steht eine junge unbekannte Frau vor mir und sagt: ,Guten Morgen, Schwester. Sie werden nach Kaiserswerth abgeholt.´ Die Worte nicht fassend: ,Ich, nach Kaiserswerth? Von wem denn?´ Ach Erna wärst du hier! ,Ein Herr aus Kaiserswerth holt seine Frau ab und da sollen Sie beide mit.´ Natürlich ließ ich alles liegen und lief mit der Frau zu Frau Sch. aus Kaiserswerth, die in der Magdeburger Kaserne wohnte. In meiner Erregung lief ich mit der nassen Schürze los. Lieber Gott, hilf! Freud und Leid, Dankbarkeit und Angst arbeiteten in mir. Schwer war es, zu Frau Sch. zu gelangen. Tausende Menschen standen auf den Treppen vor den Türen, da die Kaserne nicht nur Wohnstätte für viele Hunderte war, sondern auch Hauptamt für alles ... Endlich fanden wir Frau Sch's. Zimmer, das sie mit vier anderen bewohnte. Sie war mir keine Fremde und war sehr freundlich und sagte, wir müßten sorgen bis morgen alles erledigt zu haben. Wie gut, daß ich alles gepackt habe. Vieles habe ich anderen Transportlern verschenkt. Noch kann ich die wunderbare Hilfe nicht begreifen. Ich darf zurück ins Mutterhaus. Ob ich Erna irgendwo treffe?

Über ihre Heimreise berichtete sie:

... Da wir kein Benzin haben, werden wir an ein.....Auto gehängt.... Hinaus in die Freiheit. – Mein Gott, wie dank ich Dir, wenn nur Erna bei mir wäre.

Drei Tage dauerte die Fahrt von Theresienstadt zur Stadt Hof. Johanne Aufricht befand sich in einem derartig desolaten Zustand, dass sie erst in Hof gepflegt und aufgepäppelt wurde, um die Heimreise nach Kaiserswerth zu überstehen. Am 2.8.1945 traf sie endlich in Kaiserswerth ein, wo sie ihren Lebensabend verbrachte. Ihre Erlebnisse schrieb sie dann auf Bitten der Vorsteherin nieder. Ansonsten schwieg sie eher zu den Vorkommnissen in Theresienstadt. Am 18.8.1963 starb Johanne Aufricht kurz nach ihrem 87. Geburtstag.

Quellen

Ich danke für diese gründliche Recherche und Bildmaterial dem Archiv der Fliedner Kulturstiftung Kaiserswerth. Sehr zu empfehlen: "ist verpflichtet den judenstern zu tragen - eine dokumentation über johanne und erna aufricht kaiserswerth theresienstadt auschwitz" von Ruth Felgentreff, Herausgegeben im Auftrag der Schwesternschaft des Diakonissenmutterhauses Kaiserswerth, Diakoniewerk Kaiserswerth 1973, Aussaat Verlag Wuppertal.


Schwester Maria Angela - Maria Cäcilia Autsch

Am 26.3.1900 wurde Maria Autsch als fünftes von sieben Kindern des Ehepaares Autsch in Rölleken im Sauerland geboren. Früh begann sie in zu arbeiten, um zum Familienunterhalt beizutragen. Mit 33 Jahren entschloss sie sich, der Schwesterngemeinschaft der Trinitarierinnen beizutreten, einem ursprünglich spanischen Orden. Nach dem Anschluß Österreichs geriet das Kloster Mötz zunehmend in Bedrängnis und sollte beschlagnahmt werden. Das Kloster wehrte sich mit dem Hinweis, dass es spanisches Eigentum sei und kontaktierte den spanischen Konsul in Wien. Die Nationalsozialisten fürchteten Auseinandersetzungen mit der befreundeten spanischen faschistischen Regierung und verzichteten auf die Enteignung des Klosters.

Doch diese Ereignisse führten dazu, dass das Kloster ins Visier der Gestapo geriet. Eine Denunziation der Schwester Angela kam ihr daher sehr gelegen. Sie soll gesagt haben, dass "Hitler eine Geißel für ganz Europa" sei. Außerdem legte man ihr das Abhören "feindlicher" Radiosender zur Last. Sie wusste um die Versenkung eines deutschen Kriegsschiffes, bei dem viele deutsche Soldaten ums Leben gekommen waren. Um die Moral nicht zu schwächen, unterlag diese Information strengster Geheimhaltung. Beim Einkaufen informierte sie andere Frauen über den Vorfall. So wurde Schwester Angela am 12.8.1940 verhaftet und in das Innsbrucker Polizeigefängnis geschafft. Die offizielle Begründung lautete auf "Beleidigung des Führers" und "Aufwiegelung der Bevölkerung". Versuche, ihre Freilassung durch Gnadengesuche, Eingaben und Hilfeersuchen an den spanischen Konsul zu erreichen, brachten nichts. Eher wirkten sie beschleunigend, vollendete Tatsachen zu schaffen. Bereits drei Wochen später kam Schwester Angela als Häftling 4651 mit dem roten Winkel ohne Gerichtsverhandlung in das KZ Ravensbrück.

Geduldig ertrug sie die besonderen Schikanen der SS, die besonders den Ordensschwestern galten. Die Mitgefangene Maria Rosenberger:

Einige der Aufseherinnen haben Angela auch bewusst schikaniert, weil sie eine Nonne war. Aber das hat ihr nichts ausgemacht. Sie hatte ein besonderes Lächeln, und wie gern hat sie mit uns gelacht. Wenn sie mir morgens heimlich zuwinkte - sie stand im Nachbarblock - freute ich mich den ganzen Tag. Maria war wie ein Sonnenstrahl in der finsteren Hölle. Ich fragte sie manchmal: Wovon lebst du denn, wenn du dein Brot immer weggibst? Sie antwortete: Wenn ich Hunger habe, bete ich. Dann vergesse ich. Dabei sah sie mit ihren Bäckchen aus wie das blühende Leben, auch wenn sie hungerte ...

Zuerst arbeitete die Ordensschwester im Außendienst, später im Krankenrevier. Am 25.3.1942 wurde sie in das KZ Auschwitz verlegt, einen Tag später entstand das Polizeifoto in der Sträflingskleidung von ihr.

Auch dort wurde sie dem Krankenrevier zugeteilt. Zwischen ihr und der slowakischen Ärztin Margita Schwalbová entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. Als Margita wie viele andere Frauen an Flecktyphus erkrankte, wurde sie von Schwester Angela gesund gepflegt. Später erkrankte sie selber an der Krankheit, überstand aber die Erkrankung trotz ihres schweren Herzleidens. 1947 schrieb Margita Schwalbová über die Ordensschwester:

... Was sie im Konzentrationslager Auschwitz für ihre Mithäftlinge tat, tat sie mit großer Selbstverständlichkeit und Natürlichkeit, nur aus einem großen menschlichen Gefühl, leidenden Menschen helfen zu müssen. Tausendmal brachte sie sich selber in Gefahr, unzählige Male gefährdete sie dadurch ihr eigenes Leben, aber sie zögerte nie, keinen Augenblick. Sie ging ihren geraden leuchtenden Weg ...

Häftlinge bezeichneten die Ordensfrau als „Engel von Auschwitz“.

Am 15.5.1943 wurde Schwester Maria Angela in das SS-Lazarett zur Pflege ihrer Peiniger versetzt. So, wie später die Gestapo Margarete Armbruster nach ihrer Verhaftung anbot, das Ordensgewand gegen die Freiheit als Braune Schwester zu tauschen, unterbreitete man auch Schwester Angela inmitten des Horrors von Auschwitz diesen Vorschlag. Und Maria Cäcilia Autsch, Zeugin der unglaublichsten Verbrechen an den Häftlingen, ständig existentiell bedroht, lehnte dankend ab. Die Umstände ihres Todes kann man nur als tragisch bezeichnen. Viele Häftlinge in Auschwitz sehnten sich alliierte Flugzeuge herbei, hofften, dass endlich das Krematorium und die Gleisanlagen bombadiert würden, um den Massenmord zumindest zu behindern. Am 23.12.1944 kamen Flugzeuge. Die Bomben trafen das SS-Lazarett. Schwester Angela erlitt einen Herzinfarkt, an dem sie verstarb. Nicht nur Christen, auch Juden, Zeugen Jehovas, Atheisten oder Kommunisten in Ravensbrück und Auschwitz trauerten um die katholische Ordensschwester. Ihr hinterlassenes Erbe waren etwa 100 Briefe aus ihrer Haftzeit, die von ihrem tiefen Glauben zeugten. Am 8.3.1990 eröffnete der Wiener Erzbischof, Hans Hermann Kardinal Groer den Seligsprechungsprozess.

Quellen

Karin Nusko: Autsch Maria Cäcilia (Sr. Angela)

Universität Wien (ohne Datum)


 

Herta Marie von Ayx

Herta Marie von Ayx war ab dem 1.5.1937 Generaloberin der Münchner Schwesternschaft des Deutschen Roten Kreuzes. Sie war die Nachfolgerin von Marie Birkner, die sich bei den Nationalsozialisten als Generaloberin unbeliebt gemacht hatte und deswegen aus dem Amt entlassen wurde. Die neue Generaloberin schluckte es noch, dass sich die Nazis aus dem Pensionsfond bedienten und versuchten, mit diesen Geldmitteln eine nationalsozialistische Kaderschule für Schwestern aufzubauen. Sie musste es auch schlucken, als BDM-Führerinnen den Unterricht in der Schwesternschule übernahmen. Als diese BDM-Führerinnen verlangten, dass aus den Unterrichts- und Schlafräumen die Kruzifixe verschwinden, platzte der Generaloberin der Kragen. Es kam zur offenen Konfrontation und Herta Marie von Ayx ereilte das gleiche Schicksal ihrer Vorgängerin und wurde abgesetzt.

Quelle

Schwesternschaft München, Bayerisches Rotes Kreuz e.V., http://www.swmbrk.de/navigation/frame.cfm?id=455


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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