Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Betty Friedeberg

 

Betty Friedeberg war Krankenschwester und wurde am 6.11.1900 in Thorn geboren. Es ist nicht klar, ob sie in Polen oder in den Niederlanden geboren wurde, da es in beiden Ländern eine Stadt diesen Namens gibt. Ihr Ehemann hieß van Bever, was auf die Niederlande hinweisen könnte. Von den Nazis war sie als staatenlos erklärt und in das SS-Sammellager Mechelen in Belgien inhaftiert. Am 4.4.1944 wurde sie mit dem Transport XXIV unter der Nummer 402 in das KZ Auschwitz deportiert. Es muss angenommen werden, dass Betty Friedeberg den Holocaust nicht überlebte.

 

Ich danke für die Recherche Frau Laurence Schram vom Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) in der ehemaligen Mechelner Dossinkaserne.


 

Hannelore Cäcilie (Chaviva) Friedmann, geb. Rosshändler (Ron)

 

Chaviva Friedmann wurde 1925 in Berlin als Hannelore Cäcilie Rosshändler geboren. Ihr Vater war der Handelsreisende Paul Pinkus Rosshändler, geboren am 6.10.1890 in Polen, 1938 deportiert und 1941 in Krakau ermordet. Ihre Mutter war Mania, geborene Hirsh am 23.9.1890 in Krakau, ermordet 1941 in Turka.

 

Mit der Mutter zusammen wurde ihr jüngerer Bruder Leo, geboren am 20.6.1930 in Berlin, ebenfalls ermordet. Die zionistische Familie wollte eigentlich gemeinsam nach Palästina auswandern, schaffte es aber nicht. Doch es gelang, Hanna mit der Kinder-Alijah 1939 mit einem der letzten Kindertransporte nach Palästina in Sicherheit zu bringen. Die Kinder- und Jugend-Alijah war eine jüdische Organisation, die versuchte, möglichst viele Kinder und Jugendliche aus Nazideutschland zu retten. In Israel erhielt Hanna einen hebräischen Namen, aus ihr wurde Chaviva Ron. Sie gründete das Kibbuz Maagan Michael mit und absolvierte eine Ausbildung zur Krankenschwester. 1965 zog sie in die Schweiz um und arbeitete in der Zürcher Bircher-Benner-Klinik. Dort lernte sie später ihren Mann Otto Friedmann kennen. Ihr Leben wird in dem Buch „Welche Heimat? Zwei jüdische Lebensgeschichten“ beschrieben.

 

Quellen: „Welche Heimat? Zwei jüdische Lebensgeschichten“, ISBN 978-3-85791-741-7; YAD VASHEM

 


 

Régine Friedmann


Régine Friedmann war Zahnärztliche Assistentin. Sie wurde am 23.11.1903 in Podwoloczyska, Polen, heute Ukraine, geboren. Als sogenannte Staatenlose wurde sie in das SS-Sammellager Mechelen in Belgien inhaftiert. Unter der Nummer 1144 wurde sie mit dem Transport XX am 19.4.1943 nach Auschwitz deportiert, wo sich ihre Spur verliert.


Ich danke für die Recherche Frau Laurence Schram vom Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) in der ehemaligen Mechelner Dossinkaserne.


 

Anna Friehe

 

Anna Friehe arbeitete im Krankenhaus Moabit in Berlin. Bis Hitlers Machtergreifung arbeiteten in diesem Hause viele jüdische Ärzte. Moabit, ein Arbeiterbezirk, war rot, wählte überwiegend KPD oder SPD. Auch Anna Friehe galt als politisch links und wurde deshalb im April 1933 im Zuge "der Säuberung" des Krankenhauses entlassen.

Ihre Arbeitspapiere wurden von der Personalverwaltung einbehalten, was einem Berufsverbot gleichkam. Sie wurde erst nach dem Zusammenbruch Nazideutschlands wieder eingestellt. Anna Friehe war nach 1945 elf Jahre lang die Oberin des Krankenhauses Moabit.
 

Quelle: Dr. Christian Pross; "Nicht misshandeln", ISBN 3-88725-109-1


 

Gouda Frijda

 

Gouda Frijda wurde am 8.10.1875 in Assen in den Niederlanden geboren. Ihre Eltern waren Emanuel Frijda und Helena, geborene Isaac. Die Krankenschwester arbeitete im I. Weltkrieg mit einer Gruppe niederländischer Krankenschwestern an der Ostfront.

 

Nach ihrer Rückkehr wurde die Krankenschwester Direktorin des "Joodse Invalide". Das "Joodse Invalide" war eine Pflegeeinrichtung für jüdische ältere und behinderte Menschen in Amsterdam. Der Verein wurde 1911 gegründet und hatte ab 1912 ein eigenes Gebäude. Nach einer Erkrankung musste Gouda nach kurzer Zeit vom Amt als Direktorin der Einrichtung zurücktreten.

 

Gouda Frijda wurde nach Sobibor in Polen deportiert und ermordet. Als Sterbedatum gilt der 21.5.1943. Auf dem Jüdischen Friedhof in Assen existiert ein Denkmal, auf dem auch ihre Familie eingraviert wurde.

 

Quelle: Joods Monument


 

Margaretha Frijda-Cohen

 

Margaretha Cohen wurde am 5.10.1917 in Watergraafsmeer geboren. Ihr Vater Mozes Cohen, geboren am 7.9.1887 in Leeuwarden, starb bereits 1932. Ihre Mutter, geborene Brandon am 20.9.1885 in Amsterdam, führte den Gardinenladen ihres Mannes in der Sarphatistraat 101 in Amsterdam nach seinem Tod weiter.

 

Margaretha war die älteste Tochter und hatte fünf Geschwister. Ihr Bruder Philip, geboren am 15.11.1918 in Amsterdam, heiratete Marianne, geborene Goldsmid. Bruder Hartog, geboren am 18.8.1921 in Amsterdam, heiratete Judith Julia, die auch mit Mädchennamen Cohen hieß. Izak und Joseph waren Zwillinge, geboren am 24.11.1919 in Watergraafsmeer. Izak heiratete im Durchgangslager Westerbork Thelma Esther Polak. Das Nesthäkchen Schwester Esther, geboren am 15.2.1931 in Amsterdam, kam erst kurz vor dem Tod ihres Vaters zur Welt.

 

Margaretha heiratete am 29.7.1942 Izaak Frijda, geboren am 13.1.1915 in Utrecht. Ihr Mann besuchte das Nederlandsch Israëlitisch Seminarium (NIS) in Amsterdam. Vermutlich wollte er Lehrer oder Rabbiner werden.

 

Wo Margarethe ihre Ausbildung zur Krankenschwester absolvierte, ist nicht geklärt. Nur ihre Anzeige im „Het Joodsche Wekblad“ vom 7.8.1942 verriet, dass sie gelernte Krankenschwester war. Mit der Anzeige suchte sie offensichtlich Patienten, arbeitete also zu diesem Zeitpunkt in der Privatpflege. Margarethe und ihr Mann wurden nach Auschwitz deportiert, er wurde am 31.3.1944, sie am 3.9.1943 ermordet. Ihre gesamte Familie überlebte die Shoa nicht. Margaretha Frijda-Cohen wurde 25 Jahre alt.

 

Quelle: Joods Monument


 

Ernestine (Erna) Fröhling

 

Die jüdische Krankenschwester wurde am 14.8.1892 in Wuppertal-Barmen geboren. Ihre Eltern waren Leopold Fröhling und Lotty, geborene Bodenheimer. Die Familie wohnte 1892 in der Höhnestraße 28 in Wuppertal. Später lebte sie auch in Saarbrücken. Es könnte auch sein, dass sie zeitweise in Straßburg lebte. Am 6.1.1935 emigrierte sie jedenfalls nach Frankreich. Sie konnte sich nicht weiter in Sicherheit bringen. Die Nazis verschleppten sie in das Durchgangslager Drancy. Von dort wurde die Krankenschwester nach Auschwitz am 10.8.1942 deportiert und gilt seitdem als verschollen. Es muss aufgrund des fehlenden Sterbedatums davon ausgegangen werden, dass sie im Vernichtungslager Auschwitz nicht registriert wurde und Ernestine Fröhling direkt nach der Ankunft ermordet wurde.

 

Quelle: Gedenkbuch Wuppertal: YAD VASHEM; Das Bundesarchiv Gedenkbuch


 

Katharina Fröhlingsdorf

 

Katharina Fröhlingsdorf wird 1885 in Herkenrath geboren. Nach der Volksschule absolvierte sie die Ausbildung als Krankenschwester im Caritashaus St. Elisabeth in Ahrensberg. Sie kehrte anschließend in ihren Heimatort zurück.

 

In den vielen kleinen Orten um Herkenrath gab es noch keine ärztliche Versorgung. Die "Fröhlingsdorfs Trina", wie sie liebevoll genannt wurde, war Tag und Nacht im Einsatz und machte alles: Pflege, Geburtshilfe, Wöchnerinnenpflege, Pflege von Sterbenden, Erste Hilfe, kleinere Eingriffe. Mir ist nicht bekannt, wodurch sie den Unwillen der Nazis erregte. Fakt ist, dass sie von 1933 bis 1945 als Caritas-Schwester mit Berufsverbot belegt wurde.

 

Katharina Fröhlingsdorf versorgte ihre Patienten heimlich weiter. Die Pfarrgemeinde zahlte ihr in dieser Zeit einen geringen Lohn, mit dem sie geradeso über die Runden kam. Mit 72 Jahren starb sie 1957 an einer Lungenentzündung, die sie sich auf den langen Wegen zu den Patienten bei jeglicher Witterung geholt hatte.

 

Quellen: Eine ungewöhnliche Frau des 20. Jahrhunderts. Das Leben der Katharina Fröhlingsdorf, ISBN 978-3-8482-3250-5


 

Lotte Fürst, geb. Schmidt

 

Lotte  Schmidt wurde 1913 in Nürnberg geboren. Sie war bereits Grundschullehrerin, als sie sich entschloss, Krankenschwester zu werden. Vielleicht wurde dieser Schritt durch den Nationalsozialismus gefördert, denn als Grundschullehrerin hätte sie kaum Arbeitschancen im Ausland im Falle einer Emigration. Mit einer Sondergenehmigung konnte sie noch an der Krankenpflegeschule des  Israelitischen Krankenhauses in Hamburg ihre Ausbildung beenden. Am 30.3.1939 legte sie das Examen ab. Kurz darauf emigrierte sie mit ihrer Mutter nach England. 1940 konnte sie in die USA ausreisen. Dort traf sie Dr. rer. nat. Walter Fürst wieder. Sie kannte ihn vom Israelitischen Krankenhaus in Hamburg, wo er als Medizinalpraktikant gearbeitet hatte. Die Nazis hatten ihm die Approbation als Arzt verweigert, da er als Jude galt. Daraufhin war er in die USA emigriert. Lotte und Walter wurden ein Paar und heirateten bereits 1940 in Baltimore. Beide fanden in den USA in ihren Berufen Arbeit und konnten sich eine neue Existenz aufbauen. Ihren Lebensabend verbrachten sie in Jacksonville in Illinois, wo Walter Fürst 1987 und Lotte Fürst zwei Jahre später starb.

 

Quelle: Israelitisches Krankenhaus in Hamburg

 

 

Eigene Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!