Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Esther Taffel

 

Esther Taffel wurde am 31.5.1928 in Berlin geboren. Ihre Eltern waren der Milchhändler Menachem Taffel, geboren am 21.7.1900 in Sedriczow und Klara, geborene Schenkel am 23.4.1899 in Krosno. 1929 lebte die Familie in der Ackerstraße 5 in Berlin. 1931 verzogen sie in die Rheinsberger Straße 30. Ab 1938 mussten sie in der Elsässer Straße 8 bei ihren Großeltern väterlicherseits leben. Zwischendurch lebte die Familie Taffel anscheinend in Straßburg und hatte dort einen kleinen Laden.

 

Esther besuchte 1935 die Mädchenvolksschule der Jüdischen Gemeinde Berlin. Nach ihrer Schulzeit arbeitete sie als ehrenamtliche Helferin im Israelitischen Krankenheim in der Elsässer Straße. Die Frage, ob sie auch einen pflegerischen Beruf erlernen wollte, stellte sich nicht. Mit ihren Eltern wurde Esther am 12.3.1943 mit dem 36. Osttransport von Berlin nach Auschwitz deportiert. Am 13.3.1943 wurde die Vierzehnjährige und ihre Mutter dort in der Gaskammer ermordet.

 

Ihr Vater wurde im August 1943 im KZ Natzweiler-Struthof ebenfalls durch Gas umgebracht. Dort trieb August Hirt sein Unwesen. Der Anatom plante eine Schausammlung von Skeletten für das anatomische Institut Straßburg. Dafür wurden vorsätzlich Menschen ermordet. Eins seiner Opfer war Esthers Vater. Er konnte später anhand seiner KZ-Nummer 107969 am Unterarm identifiziert werden. Sein Mörder entzog sich seiner Verantwortung. Er floh nach Tübingen und verübte im Juni 1945 im Schwarzwald Selbstmord. Durch seine Recherchen konnte Dr. Hans-Joachim Lang auch das Schicksal des Mädchens aufklären.

 

Quelle: Hans-Joachim Lang, "Die Namen der Nummern", Hoffmann & Campe September 2004, ISBN: 3455094643; Waltraud Schwab, Die Spuren des Trösters, TAZ 27.06.2003


 

Georgia Taneva

 

Georgia Taneva wurde am 1.8.1923 in Malko Trnovo in Bulgarien geboren. Die politischen Verhältnisse in Bulgarien waren zu diesem Zeitpunkt sehr gespannt. Nachdem die bulgarische Regierung unter Aleksandar Cankov am 12.9.1923 etwa 2500 Kommunisten verhaftete, brach am 23.9.1923 in Bulgarien ein Aufstand gegen die Regierung aus, der in wenigen Tagen blutig niedergeschlagen wurde. Mehr als 20000 Aufständische verloren dabei ihr Leben und "Säuberungsaktionen" setzten ein. Georgias Vater hatte sich am Septemberaufstand beteiligt, sodass er mit seiner Familie kurz nach der Geburt der Tochter aus Bulgarien floh.

 

Nach einer abenteuerlichen Flucht durch halb Europa kam 1929 die Mutter mit Tochter und Sohn nach Polen. In Warschau fanden sie Unterschlupf im jüdischen Viertel, eine jüdische Schule nahm das nichtjüdische Mädchen, dass keinen Paß besaß, auf. Ihr Bruder Kyrill ging nach Spanien, um auf Seiten der Internationalen Brigaden gegen die Faschisten zu kämpfen. Er starb im Kampf bei Guadalajara. Bei dem Überfall auf Polen 1939 verlor die damals Sechzehnjährige ihre Mutter durch einen Bombenangriff.

 

Ausgerechnet die Witwe eines zaristischen Offiziers, der vor den Bolschewisten geflüchtet war, nahm sich nun der verwaisten Tochter eines bulgarischen Revolutionärs an. Doch im Januar 1941 wurde Georgia, wie viele Tausende andere Frauen und Mädchen auch, auf offener Straße bei einer Razzia in Warschau ergriffen und nach Deutschland zur Zwangsarbeit verschleppt.

 

Georgia Tavena gab sich nun als Nadja Smirnowa aus. Sie befürchtete, mit ihrem Geburtsnamen Taneva Schwierigkeiten zu bekommen. Die Gestapo war stets gut informiert, auch über das Ausland. Angesichts der Aktivitäten ihres Vaters und Bruders war die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Name bei der Gestapo registriert war. In München musste sie Zwangsarbeit in einer Reifenfabrik leisten. Dort schloss sie sich einer Widerstandsgruppe an. Zwei Monate später wurde sie verhaftet, konnte aber fliehen.

 

Über Wien flüchtete sie nach Sofia. Da sie als Kleinkind Bulgarien verlassen hatte, kannte sie niemanden mehr in ihrem Heimatland und wusste von daher auch nicht, wo sie unterschlüpfen könnte. Daher versuchte sie, bei der sowjetischen Botschaft Asyl zu erhalten. Ihr Asylantrag wurde abgelehnt. Am nächsten Tag fiel sie der bulgarischen Polizei in die Hände, die die Jugendliche an die Gestapo auslieferte.

 

Tagelang wurde sie von der Gestapo verhört, die nicht glauben mochte, dass ihr die Flucht alleine aus München nach Sofia gelungen war. Es gelang der Gestapo nicht, ihre wahre Identität aufzudecken. Georgia hielt den Verhören stand. Im Mai 1941 schickte man sie nach München zurück. Aber die Metzler Werke wollten die ausgebüchste Zwangsarbeiterin nicht mehr haben. Daraufhin wies man sie in das KZ Auschwitz ein. Von dort kam sie in das KZ Ravensbrück.

 

Von 1942 bis 1944 arbeitete sie als Nadja überwiegend im Krankenrevier. Sie galt als gewitzt und konnte immer wieder Kameradinnen helfen, indem sie Medikamente für sie stahl oder ärztliche Atteste fälschte. 1945 erkrankte sie jedoch selber an Typhus. Gesundheitlich noch nicht ganz wieder hergestellt, wurde sie im April 1945 auf den Todesmarsch getrieben und konnte sich in einen Wald bei Wesenburg flüchten. Nach ihrer Befreiung durch die Rote Armee kehrte sie in das KZ freiwillig zurück und pflegte die dort verbliebenen Häftlinge, die marschunfähig nicht am Todesmarsch teilgenommen hatten.

 

Nach dem Krieg endete ihre Tätigkeit in der Pflege. Sie arbeitete zunächst in Neustrelitz als russische Dolmetscherin für die sowjetische Kommandantur, später als Übersetzerin bei einer Berliner Zeitung, danach als Theaterreferentin. 1945 trat sie in die KPD ein, aber 1951 wurde sie als Staatenlose aus der SED ausgeschlossen. Ein Jahr später heiratete sie den britischen Journalisten John Peet und erwarb dadurch 1957 die britische Staatsangehörigkeit. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. In den Berichten von Überlebenden aus dem KZ Ravensbrück wurde sie häufig irrtümlich als jugoslawische Krankenpflegerin Nadja aus dem Revier erwähnt.

 

Bis heute betreut Georgia Peet-Taneva in- und ausländische Frauengruppen und informiert über ihre Erlebnisse. Dabei vergisst sie selten, darauf hinzuweisen, warum in die Haushalte ehemaliger Häftlingsfrauen aus dem KZ Ravensbrück niemals Geräte von der Firma Siemens gelangen.

 

Quellen: Ravensbrückerinnen, Hrsg.: Sigrid Jacobeit in Zusammenarbeit mit Elisabeth Brümann-Güdter, Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und Edition Hentrich, 1995


 

Ruth Tassoni, geb. Domino

 

Ruth Domino wurde am 3.12.1908 in Berlin geboren. Ihre Eltern waren ein preußischer Beamter und eine jüdische Mutter. Sie studierte Germanistik und Geschichte in Wien. Gleichzeitig arbeitete sie im jüdischen Waisenhaus für blinde Kinder. 1933 heiratete sie den Arzt Fritz Jensen und wurde dadurch österreichische Staatsbürgerin. Die Ehe hielt nicht und sie trennte sich 1937 von ihrem Mann.

 

Ruth schloss sich den Internationalen Brigaden an und arbeitete als Hilfsschwester in Albacete und Murcia. Ihre pflegerische Tätigkeit blieb auf die Internationale Brigade beschränkt. Nach der Auflösung der Internationalen Brigaden floh sie nach Paris. Dort schrieb sie Erzählungen unter dem Pseudonym Ruth Lenz. 1940 wurde sie in Südfrankreich interniert, konnte aber 1941 von Marseille aus über Mexiko in die USA entkommen. Dort arbeitete sie als Deutschlehrerin. In Amerika lernte sie den italienischen Philosophieprofessor Mario Tassoni kennen.

 

1950 heiratete die Schriftstellerin Mario Tassoni und zog mit ihm nach Bergamo, eine italienische Stadt nordöstlich von Mailand in der Region Lombardei. Dort arbeitete sie dann als Lektorin für einen Verlag und widmete sich weiter ihrer schriftstellerischen Tätigkeit. Ruth Tassoni starb am 14.11.1994 in Bergamo.

 

Quelle: DÖW


 

Hetty Rika Teixeira de Mattos

 

Hetty Rika wurde am 15.10.1915 in Amsterdam geboren. Ihre Eltern waren Jacob, geboren am 27.3.1887 in Amsterdam, und Rebecca, geborene Vaz Nunes am 11.1.1891 in Amsterdam. Sie hatte einen jüngeren Bruder, Frederik David, geboren am 2.8.1917 in Amsterdam. Die jüdische Krankenschwester arbeitete im Portugees Israëlitisch Ziekenhuis (Portugiesisches Israelitisches Krankenhaus) in Amsterdam und wohnte im dazugehörenden Schwesternheim. Hetty Rika Teixeira de Mattos wurde nach Auschwitz deportiert und ermordet. Als Todestag gilt der 25.10.1944. Auch ihre Eltern wurden im Oktober 1944 dort umgebracht, ihr Bruder am 28.2.1945, sein Sterbeort ist nicht bekannt.

 

Quellen: Joods Monument; YAD VASHEM


 

Leonora Chandos Temple

 

Leonora Chandos Temple wurde am 29.11.1908 in Los Angeles geboren. Die jüdische Krankenschwester gehörte zur Abraham Lincoln Brigade, eine amerikanische Brigade der Internationalen Brigaden in Spanien. Sie soll einen Sohn gehabt haben, Jerome Temple, geboren am 11.8.1930.

 

Leonora kam im April 1937 nach Spanien. Sie verliebte sich in Spanien in den texanischen Interbrigadisten Philip Detro. Philip wurde im Januar 1938 in Teruel von einem Scharfschützen lebensgefährlich verletzt. Er kam in das Krankenhaus in Murcia, wo ihm das Bein amputiert werden sollte, was er ablehnte. Leonora pflegte ihn sechs Wochen, bis er am Wundbrand verstarb. Detro überließ ihr seine gesamten Papiere und Nachlass. Später wurde sie in Spanien inhaftiert, warum, konnte ich nicht herausfinden.

 

Am 16. 8.1938 verließ sie Spanien an Bord des britischen Schiffes Destroyer Hotspur. Leonora Chandos Temple verstarb am 7.12.1994 in New York.

 

Quellen: Abraham Lincoln Brigade Archiv; Spartacus Educational; Genealogy


 

Ruth Terner, geborene Cohn

 

Ruth Cohn wurde 1923 in Berlin geboren. Ihre Eltern waren Werner und Frieda Cohn. Ihr Vater stellte Hüte und Puppenkleidung her. Ihre zwei Jahre ältere Schwester hieß Steffi. Bereits 1934 musste Ruth Cohn ihre Schule verlassen und auf eine jüdische Realschule wechseln. 1938 beschlossen die Eltern, die Mädchen nach England zu schicken, auch mit der Hoffnung, selber noch Deutschland verlassen zu können. Problematisch war, dass Ruths Schwester die Altersgrenze überschritten hatte. Ruth entkam mit einer der letzten Kindertransporte am 10.8.1939. Ihren Aufenthalt in England sponsorte eine Frau Landsmann, eine nichtjüdische deutsche Frau. Frau Landsmann hatte engen Kontakt mit Frau Atkinson aus Dorset. Die beiden Frauen setzten sich massiv dafür ein, möglichst viele jüdische Kinder aus Nazideutschland herauszuholen. Dank der Intervention von Frau Atkinson gelang es dann doch noch, auch Ruths Schwester nach England holen zu können.

 

Ruth absolvierte eine Pflegeausbildung und arbeitete mit geistigbehinderten Kindern. 1945 heiratete sie den Chemiker Karl Terner, geboren am 30.4.1916 in Lublin, den sie in Birmingham kennengelernt hatte. Später änderte er seinen Vornamen in Charles. Das Ehepaar wanderte 1955 in die USA aus. Mit den Eltern konnten Ruth und ihre Schwester 1940 und 1941 noch brieflichen Kontakt über das Rote Kreuz halten. 1942 wurden die Eltern nach Treblinka deportiert und ermordet. Auch die Großmutter Olga Cohn und weitere Familienangehörige überlebten nicht den Holocaust.

 

Quelle: United States Holocaust Memorial Museum


 

Anna Theeboom

 

Die Krankenschwester Anna Theeboom arbeitete im "Centraal Israëlitisch Krankzinnigengesticht Het Apeldoornse Bos". Sie wurde am 14.12.1913 in Amsterdam geboren. Die Nazis verschleppten sie in das KZ Auschwitz, wo sie am 27.8.1943 ermordet wurde.

 

Quelle: Joods Monument


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