Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Marie Juchacz

 

Marie Juchacz wurde am 15.3.1879 geboren. Nach dem Besuch der Volksschule arbeitete sie als Hausangestellte, Fabrikarbeiterin, Näherin und Krankenwärterin. Sie trat der SPD bei und war von 1913-1917 als Frauensekretärin in Köln tätig. Danach wurde sie Mitglied des Parteivorstandes und Leiterin des Frauenbüros der Partei. 1917 übernahm sie die Redaktion der Zeitschrift "Gleichheit - Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen", die sie bis 1921 leitete. Juchacz trat entschieden für das Frauenwahlrecht ein.

 

1919 bis 1920 gehörte sie der Nationalversammlung, bis 1933 dem Reichstag an. Neben ihrer politischen Arbeit beteiligte sie sich maßgeblich an der Gründung der Arbeiterwohlfahrt, deren Vorsitzende sie bis 1933 war. 1933 musste sie vor den Nazis ins Saargebiet, 1935 nach Frankreich und 1941 in die USA flüchten. In den USA kurbelte sie als Emigrantin Hilfsprogramme für die notleidende Zivilbevölkerung an, kehrte 1949 nach Deutschland zurück und wurde Ehrenvorsitzende der AWO. Am 28.1.1956 verstarb Marie Juchacz.

 

Quellen: Rhein: Sie lebte für eine bessere Welt - Marie Juchacz geb. Gohlke; Arbeiterwohlfahrt 20.01.2004: Wikipedia: Marie Juchacz


 

Feige-Chasse Judelowitz

 

Feige-Chasse wurde am 27.10.1922 in Liepaja in Lettland geboren. Sie war die Tochter von Hirsch-Leib und Sora-Mena Judelowitz, geb. Gamper und hatte zwei jüngere Schwestern namens Scheine und Liebe.

Feige-Chasse besuchte in Liepaja die jüdische Grundschule. Nach der weiterführenden Schule ging sie mit 16 Jahren nach Riga und studierte Krankenpflege. Dort schloss sie sich einer zionistischen Jugendbewegung an.

 

Nach der deutschen Besetzung von Liepaja kehrte sie in die Heimatstadt zurück. Im Juli 1941 wurde ihr Vater erschossen. Am 15.12.1941 sollte die Familie deportiert werden. Der Pflegeberuf von ihr und ihrer Mutter schützte sie zunächst und sie wurden aus der Sammelstelle im Gefängnis erstmal wieder entlassen. Die jüngeren Schwestern konnten ebenfalls das Gefängnis verlassen, nachdem sie klar machte, dass sie ohne die Mädchen nicht gehen werde.

 

Im Oktober 1943 wurden sie doch deportiert. Im KZ Kaiserwald bei Riga wurde ihre Mutter und die jüngste Schwester ermordet. Feige-Chasse Judelowitz trat einen Leidensweg durch fünf Konzentrationslagern an. Am 4.5.1945 wurde sie endlich in Kiel durch die Alliierten befreit. Ihre Schwester Scheine überlebte den Holocaust. Außer ihrer jüngsten Schwester und Mutter wurden auch ihre Großeltern und viele Verwandte ermordet.

 

Quelle: United States Holocaust Memorial Museum; Gunta Minde, Ira Zaneriba, Latvian State Historical Archives, Riga, Latvia


 

Sora-Mena Judelowitz, geb. Gamper

 

Sora-Mena Gamper wurde am 21.11.1895 in Liepaja in Lettland geboren. Ihr Vater war der Altwarenhändler Jakob Gamper, geboren am 25.2.1859 in Liepaja. Ursprünglich studierte sie an einem Konservatorium in Russland Klavier. Durch den I. Weltkrieg ließ sie sich als Krankenschwester ausbilden. Nach dem Krieg kehrte sie in ihre Heimatstadt zurück und heiratete 1920 Hirsch-Leib Judelowitz. Ihr Mann war Schuster und besaß ein Schuhgeschäft mit Werkstatt zur Reparatur und Herstellung neuer Schuhe, was der Familie einen bescheidenen Wohlstand sicherte. Am 27.10.1922 kam ihre Tochter Feige-Chasse zur Welt, am 1.8.1925 die Tochter Scheine und schließlich am 10.1.1935 das Nesthäkchen Tochter Liebe.

 

Als begeisterte Zionisten sammelten sie Spenden für jüdische Siedler zum Landkauf in Palästina. Das hieß jedoch nicht, dass sie nicht assilmiliert gewesen wären. Ihr Mann hatte als Kriegsveteran 1918 für die Schaffung einer freien lettischen Republik gekämpft. Lettland zwischen zwei grausamen Diktatoren wurde im Juni 1940 als Folge des Hitler-Stalin-Paktes von der Sowjetunion besetzt. Die Sowjets beschlagnahmten die kleine Schuhfabrik und zwangen den Ehemann, das verstaatlichte Unternehmen weiter zu führen. Im Juni 1941 besetzten die Deutschen Lettland und Liepaja. Alle jüdischen Männer wurden zu angeblichen Arbeitseinsätzen herangezogen. In Wirklichkeit wurden sie in einem benachbarten Dorf erschossen und in Massengräbern verscharrt.

 

Zunächst konnte Sora-Mena mit ihren Töchtern der drohenden Deportation am 15.12.1941 entgehen. Als Krankenschwester wurde sie von den Nazis vor Ort gebraucht. Im Oktober 1943 schützte sie nicht mehr ihr Beruf und sie wurde in das Konzentrationslager Kaiserwald in der Nähe von Riga deportiert. Bei der Ankunft wurden die Menschen in Arbeitsfähige und Arbeitsunfähige selektiert. Kinder wurden als arbeitsunfähig eingestuft, so auch ihre achtjährige Tochter Liebe. Daraufhin wechselte Sora-Mena ebenfalls auf diese Seite, um ihre kleine Tochter nicht alleine zu lassen. Mutter und Tochter wurden ermordet.

 

Quellen: United States Holocaust Memorial Museum; Latvian State Historical Archives, Riga, Latvia


 

Alice Jürgs

 

Von der Berlinerin Alice Jürgs ist mir bisher nur bekannt, dass sie als Krankenschwester im jüdischen Krankenhaus Berlin arbeitete und der KPD angehörte.

 

Quelle: Gad Beck


 

Maria Juranek

 

Maria Juranek, geboren am 30.6.1889 war eine Krankenpflegerin im Ruhestand. Am 27.5.1940 wurde sie von der Gestapo Wien wegen "staatsfeindlicher Betätigung" festgenommen. Bereits drei Tage vorher wurde ihr Lebensgefährte Friedrich Mikoletzky oder Micoletzky, ein akademische Maler, aus gleichem Grund verhaftet.

 

Ihr „Verbrechen“ soll darin bestanden haben, dass sie ausländische Radiosender abhörten. Die Anklageschrift vom 14.6.1940 hielt fest: „Beide Beschuldigte, die miteinander in Lebensgemeinschaft leben, sind gerichtlich unbescholten und politisch unbelastet. Sie führten ein zurückgezogenes Leben, haben sich mit Politik nie befasst und sind weder Gegner noch Anhänger der NDSAP.“

 

Laut Aussage der Denunzianten sollen die Beiden bereits ab Dezember 1939 fast täglich die Hausgemeinschaft mit lauten Übertragungen aus dem Radio belästigt haben. Dabei hätten sie festgestellt, dass es sich bei den Übertragungen um vorwiegend ausländische Sendungen gehandelt habe. Daher hätten sie Anzeige erstattet. Es erscheint etwas zweifelhaft, dass die Beiden verbotene Sender derart laut hörten, dass andere Leute dadurch belästigt werden konnten. Nichtsdestotrotz wurde Marias Lebensgefährte am 9.7.1940 zu einem Jahr und neun Monaten, sie selber zu einem Jahr Zuchthaus wegen "Rundfunkverbrechens“ verurteilt. Am 27.5.1941 wurde sie aus der Haft entlassen, ihr Lebensgefährte am 23.9.1941.

 

Quelle: DÖW


 

Mathilde Sybille (Hilde) Justitz

 

Mathilde Sybille, genannt Hilde, Justitz wurde 1921 geboren. Ihre Eltern waren Marie Justitz, geborene Wertheimer und Otto Justitz. Sie hatte noch einen Bruder namens Wilhelm Robert Justitz, Willi gerufen. Die Familie Justitz lebte in Stuttgart-Degerloch in der Charlottenstraße, der heutigen Meistersingerstraße. Hilde wollte eigentlich Krankenschwester werden, bekam unter den Nazis jedoch keine Ausbildungsmöglichkeit. So arbeitete sie als Hilfsschwester in einem Kölner Altersheim. Als ihre Familie die Nachricht von der bevorstehenden Deportation erhielt, kehrte Hilde Justitz freiwillig nach Stuttgart zurück. So wurde sie am 1.12.1941 mit ihrer Familie nach Riga deportiert.

 

Im Lager pflegte sie gemeinsam mit einem jüdischen Arzte ihre kranken Leidensgenossen. Nachdem ihre Mutter erkrankte, sollte diese abtransportiert werden. Hilde wollte sie nicht alleine lassen und begleitete den Transport. Der "Transport" wurde in der Nähe des Lagers ermordet. Mathilde Sybille Justitz wurde 21 Jahre alt.

 

Quellen; Stolpersteine für Stuttgart


 

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