Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Regina (Ria) Nadel

 

Regina Nadel wurde 1890 geboren. Sie arbeitete viele Jahre im Israelitischen Krankenhaus in Hamburg als ausgebildete Krankenschwester. Am 20.7.1942 wurde sie mit dem Transport VI/2 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Regina Nadel gehörte zu der Gruppe, die am 7. Februar 1945 im Rahmen einer Vereinbarung zwischen dem Schweizer Bundespräsidenten und SS-Führer Himmler in einer Sonderaktion in die Schweiz fahren durften. In St. Gallen, später im Lager Les  Avants in der Westschweiz konnte sie sich zunächst erholen. Dann wanderte Regina Nadel in die USA aus. Sie lebte dort in Jackson Heights, einem Stadtviertel New Yorks. Sie soll dort 1973 gestorben sein.

 

Quelle: Israelitisches Krankenhaus in Hamburg


 

Rösli Näf

 

Rösli Näf wurde 1911 in Glarus in der Schweiz geboren. Über ihre Kindheit ist wenig bekannt, außer, das ihr Vater Condukteur war und sie drei Geschwister hatte. Nach der Schulzeit verdingte sie sich zunächst als Dienstmädchen, unter anderem auch in England. Anschließend arbeitete sie in einem Sanatorium in Davos und in psychiatrischen Kliniken in Meiringen und Zürich, wo sie auch die Ausbildung zur Krankenschwester absolvierte. Von 1937 bis 1939 war sie im „l’Hôpital du Docteur Albert Schweitzer“ in Lambaréné, wo auch Emma Ott arbeitete.

 

Zurück in der Schweiz gehörte sie zur Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für kriegsgeschädigte Kinder (SAK). Für das SAK ging sie nach Südfrankreich und übernahm die Leitung der Kinderkolonie im Château de la Hille in Montégut-Plantaurel im Département Ariège in der Region Okzitanien. In diesem Heim lebten circa 100 Kinder und Jugendliche. Überwiegend stammten sie aus Deutschland und galten als Juden.

 

Das SAK ging 1942 in das SRK Kinderhilfe über. Im SAK konnte Rösli Näf sehr selbständig arbeiten, das SRK verlangte von seinen Mitarbeitern absolute Neutralität. Angesichts der Situation war es für die Mitarbeiter vor Ort unmöglich, sich neutral zu verhalten, denn dann hätten sie ihre Arbeit einstellen müssen. Rösli Näf hielt sich nicht an die Vorgabe des SRK´s.

 

Am frühen Morgen des 26.8.1942 überfiel die französische Polizei die Kinderkolonie im Château de la Hille und verschleppte 45 Jugendliche und drei jüdische Angestellte in das Internierungslager Le Vernet. Von dort sollten sie in deutsche Vernichtungslager deportiert werden. Rösli Näf fuhr sofort nach Le Vernet und verschaffte sich die Erlaubnis für den Zutritt ins Lager. Schließlich gelang es ihr nach offizieller Intervention vom Schweizer Delegationsleiter der Kinderhilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes in Südfrankreich Maurice Dubois und der Schweizer Botschaft bei der Vichy-Regierung mit den Jugendlichen am 2.9.1942 in die Kinderkolonnie zurückzukehren.

 

Rösli Näf war gewarnt. Sie reiste im Herbst 1942 nach Bern, um zu erreichen, dass die gefährdeten Kinder und Jugendliche in die Schweiz einreisen können. Im November 1942 wurde ganz Frankreich von der Wehrmacht besetzt und damit war eine legale Ausreise nicht mehr möglich. Daraufhin unterstützte und organisierte Rösli Näf die Flucht ihrer Schützlinge. Sie bat Germaine Hommel, Leiterin der Kinderkolonie „Les Feux follets“ in Saint-Cergues-les-Voirons nahe der Schweizer Grenze, deren Stellvertreterin Renée Farny und die Mitarbeiterin Marthe Bouvard um Hilfe. Mit Hilfe des jungen französischen Bauern Léon Balland gelang es den Schweizerinnen, über Fluchtrouten zahlreiche Kinder illegal in die Schweiz zu schleusen. Mit ihrer Fluchthilfe verstießen sie für das SRK gegen den Neutralitätgrundsatz. Näf, Hommel und Farny wurden abberufen und strafversetzt.

 

Ab 1943 half Rösli Näf in der Kinderhilfe in der Schweiz. Später baute sie das Bildungsheim Neukirch in Neukirch an der Thur mit auf, eine Art Volkshochschule. Danach zog sie sich nach Dänemark zurück und bewirtschaftete einen Bauernhof. Im Winter 1953/54 arbeitete sie noch einmal im „l’Hôpital du Docteur Albert Schweitzer“ in Lambaréné. 1987 zog sie nach Glarus zurück und kümmerte sich in ihrem Bekanntenkreis um Kranke und Betagte.

 

Rösli Näf starb 1996 in Glarus. 1989 wurde Rösli Näf als „Gerechte der Völker“ geehrt.

 

Quellen: Wikipedia; YAD VASHEM; Südostschweiz Dienstag,30. August 2016; Schweizerisches Rotes Kreuz; Jewiki; („Am Leben“ ISBN-10: 3729609130 ISBN-13: 978-3729609136)


 

Liuba Naskatir

 

Von der Krankenschwester fehlen sämtliche Lebensdaten. Bekannt ist nur, dass die Jüdin bei den Internationalen Brigaden kämpfte.

 

Quelle: Martin Sugarman, AJEX - Jewish Military Museum


 

Dr. Hertha Nathorff, geb. Einstein

 

Hertha Einstein wurde am 5.6.1895 in Laupheim geboren, wo sie auch ihre Kindheit verbrachte. Ihr Vater war der Zigarettenfabrikant Arthur Einstein, ihre Mutter hieß Mathilde. Die Eltern waren beide 1865 geboren und verstarben 1940. Hertha hatte noch zwei jüngere Schwestern, Sophie Marie und Elsbeth. Zu ihrer Verwandtschaft gehörten der Nobelpreisträger Albert Einstein, der Musikwissenschaftler Alfred Einstein und der Filmproduzent Carl Lämmle.

 

Die Familie war wohlhabend und im Umfeld anerkannt. Sie verleugnete nicht ihre jüdische Religion, zum engen Freundeskreis gehörten aber auch Angehörige christlicher Religionen. Die Grundeinstellung war liberal, es wurde auf Bildung und Kultur großer Wert gelegt und zum deutschen Heimatland verhielt man sich absolut patriotisch.

 

Als erste Schülerin besuchte Hertha in Laupheim die Lateinschule, was zu erregten Debatten führte, da es für Mädchen zu dieser Zeit nicht üblich war. Später wechselte sie an ein Ulmer Gymnasium und legte dort ihr Abitur ab. Eigentlich wollte Hertha Einstein anschließend Musik studieren. Nach ihrer Schulzeit brach jedoch der erste Weltkrieg aus. Sie hielt es für ihre patriotische Pflicht, einen Beruf zu erlernen, mit dem sie ihrem Heimatland dienen könne und studierte daraufhin in Heidelberg, dann in Freiburg Medizin.

 

Nach dem abgeschlossenen Studium wurde sie 1923 die leitende Ärztin eines Entbindungs- und Säuglingsheims des Roten Kreuzes in Berlin-Charlottenburg. Am 13.10.1923 heiratete sie den am 13.7.1889 in Berlin geborenen Dr. Erich Nathorff. Er war Oberarzt der Inneren Abteilung des Krankenhauses Moabit und Leiter der Tuberkulosefürsorge des Bezirks Tiergarten. Mit ihm eröffnete sie eine Privatpraxis. Am 10.1.1925 kam ihr Sohn Heinz zur Welt.

 

Ab 1933 war das Arztehepaar zunehmend dem antisemitischen Terror ausgesetzt. Als ihnen 1938 durch die Nazis die Approbation entzogen wurde und Erich Nathorff fünf Wochen im Konzentrationslager inhaftiert war, entschlossen sie sich dazu, Deutschland zu verlassen und mit ihrem Sohn in die USA zu emigrieren. Carl Lämmle stellte die erforderliche Bürgschaft für sie aus, konnte aber nicht mehr für sie tun, da er 1939 starb.

 

Mit den üblichen Enteignungen, Beschlagnahmungen, Unterschlagungen des braunen Unrechtsstaates wurden die Narthoffs um ihr Vermögen gebracht. 1940 schrieb sie auf der Zwischenstation London auf dem Weg in die USA in ihr Tagebuch: „Dieses Wartenmüssen, es hat uns um alles gebracht, alles, was wir an irdischen Gütern noch besessen hatten. Unsere Schiffskarten sind verfallen, unser Lift (Umzugsgut) in Holland ist verloren, weil wir jetzt den Transport in Devisen ein zweites Mal zu bezahlen hätten, da die Nazi-Räuber auch dieses Geld nicht transferiert haben. Auf fremde Hilfe und Güte sind wir angewiesen."

 

In den USA kamen sie mittellos an und erfuhren kaum Unterstützung. Ihre deutschen Studienabschlüsse wurden nicht anerkannt. Ihr Mann bereitete sich auf die amerikanischen Prüfungen vor. Sie musste zurückstecken und die Familie ernähren. So landete sie zwangsweise in der Krankenpflege und sicherte so die Existenz ihrer Familie. Allerdings litt sie sehr darunter, ihren Beruf als Ärztin nicht mehr ausüben zu können.

 

Nichtsdestotrotz engagierte sie sich sehr stark auf sozialem Gebiet, besonders zum Wohle deutscher Emigranten in den USA. Später arbeitete sie auch als Psychotherapeutin. 1954 starb ihr Mann, gerade, als es ihnen halbwegs gelungen war, eine neue Existenz aufzubauen. 1967 erfuhr Dr. Hertha Nathorff aus Deutschland eine späte Ehrung. Ihr wurde das Bundesverdienstkreuz für ihr soziales Engagement in Deutschland und den USA, verliehen. Doch sie betrat nie wieder deutschen Boden.

 

1988 starb ihr Sohn. Obwohl sie selber in bescheidenen Verhältnissen lebte, stiftete sie dem Laupheimer Gymnasium einen jährlich zu verleihenden Preis, eine Geste für die Schule, wo sie, obwohl Mädchen, in Deutschland noch glückliche Erinnerungen sammeln durfte. Seit 1995 verleiht die Berliner Ärztekammer einen Preis für die besten Abschlussarbeiten in den gesudheitlichen Studiengängen in Berlin. Dieser Preis wurde nach ihr benannt.

 

Dr. Hertha Nathorff starb am 10.6.1993 in New York.

 

Quelle: Das Tagebuch der Hertha Nathorff. Berlin - New York. Aufzeichnungen 1933 bis 1945, ISBN 3596243920; Dr. Udo Bayer; Ramona Ehret, Presse- und Informationsreferat der TU Berlin


 

Marie Neuhaus, geb. Röschen

 

Zunächst machte Marie Röschen ein Examen als Lehrerin. Später ließ sie sich als Kinderkrankenschwester ausbilden und widmete sich überwiegend caritativen Aufgaben. 1920 heiratete sie den Kinderarzt Dr. Hugo Neuhaus und arbeitete in der Praxis ihres Mannes. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, Gottfried Neuhaus, geboren 1926, und Barbara Eva Neuhaus, geboren 1928. Die Familie war assimiliert. Mit Hitlers Machtergreifung wurden sie Juden. Früh war die Familie in Ulm direkten Angriffen ausgesetzt.

 

Das "arische" Personal, bis dahin in der Familie integriert, musste zwangsweise entlassen werden. Die Kinder bekamen in der Schule Probleme. Der Sohn wechselte daher auf eine jüdische Privatschule, die Tochter bekam Schulverbot, bis die jüdische Schule aufgebaut war. Am 14.9.1935 war in der Zeitschrift "Flammenzeichen" zu lesen:

 

"Kauft ein Beamter in jüdischen Geschäften, dann fällt er dem Kampf des deutschen Volkes in den Rücken. Läuft er zum jüdischen Arzt, dann macht er die Krankenkassen zum Unterstützungsinstitut des Judentums. Das gilt auch für die städtischen Beamten und Angestellten, die ihre Kinder von dem Juden Dr. Neuhaus behandeln lassen. Es folgt eine namentliche Aufzählung von Bediensteten des Ulmer Rathauses, die bei Dr. Neuhaus waren."

 

Angesichts dieser Hetze war es nicht verwunderlich, dass auch der große Bekannten- und Freundeskreis der Familie Neuhaus schrumpfte. Sie glaubten nicht wie andere jüdische Mitbürger an einen bald endenden Spuk und beschlossen die Auswanderung. Bereits 1936 trafen sie in Amerika ein. Dank der frühen Ausreise konnten sie die Praxismöbel und den persönlichen Besitz, wenn auch keine finanziellen Mittel, mitnehmen. So eröffneten sie bald in Long Island trotz aller Start- und Eingewöhnungsschwierigkeiten und mangelnde Unterstützung eine neue Praxis, die bald genauso florierte wie die frühere Praxis in Ulm.

 

Später, angesichts der Gräueltaten der Nazis, versuchte das Ehepaar, soviele Menschen wie möglich aus Deutschland herauszubekommen, bis die Behörden weitere Hilfsaktionen verboten. Für 17 Verwandte und Freunde übernahmen sie die Bürgschaft für das lebensrettende Visum, obwohl sie keinesfalls nach dem eigenen Neuanfang in großem Wohlstand lebten.

 

Die Familie Neuhaus litt dennoch unter Schuldgefühlen, bequem und sicher zu leben angesichts der vielen Opfer und nicht mehr tun zu können. Marie Neuhaus, die von Zeitzeugen als als eine sehr mütterliche und tolerante Frau beschrieben wurde, erzog ihre Kinder nicht "antideutsch", sondern differenzierte zwischen der deutschen Kultur und dem braunen Verbrecherregime. Zuhause wurde nachwievor Deutsch gesprochen. Sie soll sehr unter Heimweh gelitten haben.

 

Ihre menschliche Größe bewies sie auch dadurch, dass sie nach dem Zusammenbruch 1945 alten Freunden, auch jenen, die sich vor der Auswanderung von der Familie abgewandt hatten, in der Not der Nachkriegszeit spontan Hilfe und Unterstützung anbot. Marie Neuhaus starb 15 Jahre nach ihrem Mann 1974 in Jonkers.

 

Quellen: Zeitzeugenarbeit Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWiW): Universität Ulm: Ehrung für Dr. Hugo Neuhaus


 

Mathias Neumaier

 

Mathias Neumaier war Krankenpfleger und im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Trotz der eigenen Bedrohung setzte er seine gesamten Energien im Krankenrevier dafür ein, das Leben seiner Mithäftlinge durch seine Arbeit zu retten.

 

Quellen: Das war Dachau, ISBN 978-3-596-17228-3


 

Ingeborg Karoline Susanne Neumann

 

Für Ingeborg Neumann werden auf der Deportationsliste drei Vornamen angegeben. Sie wurde am 24.7.1923 in Düsseldorf geboren und war wohnhaft in Oppenheim und Düsseldorf. Die Berufsbezeichnung ist etwas unklar. Laut der Deportationsliste war sie „ärztliche Helferin“. Ingeborg Neumann wurde ab Düsseldorf am 10.11.1941 nach Minsk deportiert und später für tot erklärt.

 

Quelle: YAD VASHEM; Das Bundesarchiv Gedenkbuch; Statistik des Holocaust


 

Dr. med. Käthe Neumark

 

Käthe Neumark wurde am 5.1.1871 in Emden geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Joseph Neumark und Bertha, geborene Schönberg. Käthe besuchte ein Jahr die Höhere Töchterschule in Emden, brach die Schule ab und pflegte stattdessen ihre schwerkranken Eltern bis zu deren Tod. Danach zog sie 1897 nach Frankfurt am Main, wurde Krankenschwester und arbeitete im Verein für jüdische Krankenpflegerinnen.

 

Im Februar 1902 beendete sie ihre Tätigkeit als Krankenschwester und holte ihren Schulabschluss nach. Im September 1903 legte sie die Reifeprüfung am Realgymnasium in Wiesbaden ab und studierte anschließend Medizin in Freiburg, Heidelberg und München. Ihre Praktika absolvierte sie in der Kinderklinik der Medizinischen Akademie Düsseldorf und an der Psychiatrischen Klinik in Köln, bestand das Staatsexamen 1908 und promovierte 1910 in München. Als Kinderärztin arbeitete sie zunächst als Volontärassistentin in einem Säuglingsheim, ab 1911 war sie niedergelassene Ärztin in Düsseldorf.

 

Im I. Weltkrieg ernannte man sie zur Sanitätsoffizierin in Halle. Bis 1933 war sie Kinderärztin in Frankfurt a. M. und Schulärztin. 1933 wurde ihr als Jüdin die Kassenzulassung entzogen. Daraufhin emigrierte sie in die Niederlande. Käthe Neumark erhielt eine Aufenthaltsgenehmigung für Zandvoort und eröffnete im ehemaligen "Kinderheim Hiegentlich" ein Kinderkurheim "Kinder-Tehius Dr. Käthe Neumark".

 

Den Überfall auf die Niederlande und weitere Verfolgung musste die Krankenschwester und Ärztin nicht mehr erleben. Dr. med. Käthe Neumark starb mit nur 68 Jahren am 30.5.1939 in Zandvoort.

 

Quellen: Goethe Universität Franfurt a. M.; „Jüdische Pflegegeschichte / Jewish Nursing History“


 

 

 

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