Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Kathe Kon, geb. R. Landsberg

 

Kathe R. Landsberg war mit Juliusz Kon verheiratet. Die Krankenschwester wurde am 29.3.1893 in Schöneberg geboren. Da es mehrere Orte dieses Namens gibt, wird es schwerfallen, das richtige Schöneberg zuzuordnen. Sie war als sogenannte Staatenlose im SS-Sammellager Mechelen interniert. Mit dem Deportationszug XXIII wurde sie unter der Nummer 525 am 15.1.1944 in das KZ Auschwitz verschleppt. Es muss befürchtet werden, dass sie den Holocaust nicht überlebte.

 

Ich danke für die Recherche Frau Laurence Schram vom Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) in der ehemaligen Mechelner Dossinkaserne.


 

Samuel Konstantinowsky

 

Samuel Konstantinowsky wurde am 10.05.1874 in Bechtere (?) geboren. Vermutlich hielt sich der jüdische Krankenpfleger als Flüchtling in Belgien auf. 1943 war er im Sammellager Mechelen inhaftiert. Die Nazis hatten ihn als staatenlos erklärt. Sein Name stand auf der Deportationsliste nach Auschwitz mit dem Transport XX vom 19.4.1943. Das war der Zug, den drei junge Männer, Youra Livchitz, Jean Franklemon und Robert Maistriau, mit ungeheuerem Mut und Dreistigkeit stoppten, um Deportierten die Flucht zu ermöglichen. Ob er die Chance zur Flucht hatte, ob er in Auschwitz ankam, ist ungewiss.    

 

Quelle: Deportationsliste


 

Edith Kornfeind

 

Die Österreicherin Edith Kornfeind war die Tochter eines jüdischen Vaters und einer "arischen" Mutter (Nach der Halacha ist sie keine Jüdin). Sie besuchte die 7. Klasse eines Gymnasiums in Wien-Meidling, als 1938 der sogenannte Anschluss Österreichs an Nazideutschland erfolgte. Als Halbjüdin musste sie bald die Schule verlassen und wurde gezwungen, den Judenstern zu tragen.

 

Ihr Bruder Eric konnte mit einem Kindertransport Österreich nach England verlassen. Sie war zu alt für einen Kindertransport und es bot sich auch keine andere Möglichkeit der Ausreise. Mutter und Tochter wurden häufig auf der Straße angepöbelt, weil eine "Arierin" mit einer durch Stern kenntlichen Jüdin unterwegs war.

 

Edith Kornfeind absolvierte eine Ausbildung als Krankenschwester am Lorenz-Böhler-Krankenhaus. Später musste sie mit anderen jüdischen Krankenschwestern und Ärzten im 2. Bezirk von Wien ein Notspital in der Malzgasse für jüdische Patienten errichten.

 

Auch dieses Haus mussten sie räumen und kamen dann in das frühere Altersheim in der Seegasse unter. Edith Kornfeind überlebte den Naziterror und Krieg in Wien und blieb in ihrer Heimatstadt wohnen.

 

Quelle: SchülerInnen des HLWBLA Wieselburg: http://www.lettertothestars.at/uploads/pdf/140143_Kornfein.pdf


 

Schwester Alicja Jadwiga oder Maria Kotowska

 

Maria Jadwiga Kotowska wurde am 20.11.1899 in Warschau, Polen, als zweites von acht Kindern geboren. Zur Pflege kam sie im I. Weltkrieg. Sie meldete sich als Sanitäterin bei der polnischen Armee unter Józef Pilsudski. Für ihren Einsatz und Tapferkeit an der Ostfront erhielt sie 1932 den Orden Polonia Restituta. Auch nach Kriegsende stellte sie sich der polnischen Armee als Sanitäterin bei den zahlreichen sowjetischen Übergriffen zur Verfügung und pflegte die Verwundeten.

 

1922 trat sie in den Orden der Congregatio Resurrectionis, C.R. ein und wählte als Ordensnamen Alicja. 1929 schloss sie ihr Studium ab und wurde Lehrerin. Später war sie Oberin und Direktorin der Klosterschule in Wejherowo. Mit dem deutschen Überfall auf Polen rechnete sie mit Schwierigkeiten und vergrub mit dem Hausmeister die sakralen Instrumente. Der Hausmeister verriet jedoch die Oberin und das Versteck. So wurde Schwester Alicja von der Gestapo verhaftet. Zum Abschied verzieh sie dem Hausmeister seinen Verrat.

 

Am 11.11.1939 fuhren Lastwagen im Gefängnis vor. Häftlinge wurden auf sie getrieben, überwiegend jüdische Mitbürger, aber auch Geistliche und Angehörige der sogenannten polnischen Intelligenz. Die Lastwagen fuhren mit den Frauen, Männern, Kindern, Greisen zu den Wäldern um Piasnica, Pomorskie.

 

Dort verübte die SS von Oktober 1939 bis April 1940 unglaubliche Massaker. Die dorthin verschleppten Menschen wurden gezwungen, Gruben auszuheben.

Anschließend wurden sie am Grubenrand durch Genickschuss ermordet. Über 12000 Menschen fielen den Massenexekutionen zum Opfer. 1944 mussten dann Häftlinge vom KZ Stutthof die Massengräber öffnen und die Leichen verbrennen, um so die Verbrechen der SS zu vertuschen. Diese Häftlinge wurden ebenfalls als unerwünschte Zeugen ermordet. Bei späteren Exhuminierungen konnten deshalb nur 305 Leichen aus zwei von 35 bekannten Massengräbern geborgen werden.

 

Schwester Alicja war eines der Opfer vom 11.11.1939. Am 13.6.1999 sprach Papst Johannes Paul II. die Ordensschwester selig. Seitdem trägt die städtische Grundschule von Wejherowo ihren Namen.

 

Quellen: http://www.zmartwychwstankirumia.pl/zmartwychwstanki.html; http://www.heiligenlexikon.de/MRFlorilegium/28Mai.html; http://pielgrzymka1.w.interia.pl/z94.htm; http://www.zmartwychwstankirumia.pl/zmartwychwstanki.html


 

Maria Kotschmarek

 

Die Krankenschwester Maria Kotschmarek arbeitete in der Heil- und Pflegeanstalt Gugging und verweigerte eine Mittäterschaft an Euthanasieverbrechen.

 

Quellen: Gerhard Fürstler: Krankenpflege in der Zeit des Nationalsozialismus     Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband, 03.02.2005


 

Fredka Kozuch

 

Am 12. August 1942 forderten die Deutschen die jüdischen Einwohner in Sosnowitz auf, sich auf dem Fußballplatz in der Sw.-Jana-Straße zu versammeln. Der Judenrat verbreitete Flugblätter, die verkündeten, dass der Grund für diese Anordnung die Ausgabe neuer Kennkarten an die jüdische Bevölkerung sei. Die Untergrundbewegung wies die jüdische Bevölkerung an, sich nicht zum Sammelpunkt zu begeben, da es sich in Wahrheit um eine Deportation in ein Vernichtungslager handelte.
 
Dennoch folgten 26000 Juden der Anweisung des Judenrates und gingen in die Falle. Fredka Kozuch und Sara Bergmann, die als Krankenschwestern im jüdischen Krankenhaus arbeiteten und sich in ihren weißen Kitteln frei auf dem Platz bewegen konnten, hatten je drei Kittel angezogen. Die überzähligen Kittel steckten sie Frauen und Müttern zu, die darunter sogar ihre Kinder verstecken konnten.
 
An diesem Tag spielten sich unglaubliche Szenen ab. Es fand eine Selektion unter der Leitung von Gestapo-Chef Dr. Hans Dreier aus Ostpreußen statt. Die Versammelten wurden in drei Gruppen eingeteilt. In der ersten Gruppe waren Leute, die in kriegswichtigen Betrieben arbeiteten; sie konnten, mit roten Ausweisen ausgestattet, nach Hause gehen.
 
Bei der Selektion wurden Familien getrennt: Frauen, ältere Männer und Kinder wurden an einem gesonderten Platz, der von SS-Leuten bewacht wurde, konzentriert, um deportiert zu werden. Kinder wurden von SS-Leuten mit Gewalt aus den Armen ihrer Mütter gerissen, wenn diese rote Arbeitsausweise besaßen, und brutal an den Platz für die Auszusiedelnden gezerrt. Kindern, die sich nicht von ihren Müttern trennen wollten und sich den Gestapo-Leuten wild widersetzten, wurden die Schädel zertrümmert und die Mütter wurden einfach niedergeschossen. Der Mut zweier Krankenschwestern half, wenigstens vereinzelte Leben zu retten.

 

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