Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Emma Friederike Meier

 

Die staatlich geprüfte Krankenschwester und Masseurin Emma Friederike Meier wurde am 23.2.1885 in Minden geboren. Ihr Vater Moritz Meier und ihre Mutter Ida Meier geborene Blumenau starben vor dem Holocaust, ebenso ihr Bruder Julius. Die Familie hatte in Minden in der Marienstraße 14 gelebt. Sie hatte noch eine drei Jahre ältere Schwester namens Frieda, geboren am 2.11.1881. Ihre Schwester war gelernte Kontoristin und arbeitete beim Kaufhaus Alfred Pfingst am Wesertor.

 

Es ist nicht klar, ob die Schwestern um 1939 freiwillig oder erzwungen in die Kampstraße 27 umzogen. Denn das sogenannte Judenhaus, in dass jüdische Mitbürger zwangseingewiesen wurden, befand sich in der Kampstraße 6 im jüdischen Gemeindehaus, dass allerdings schnell restlos überfüllt war.

 

Die Schwestern waren ledig und anscheinend gab es keine weiteren Verwandten. So stellte wohl auch niemand nach 1945 Nachforschungen über das Schicksal der Frauen an. Daher ist es nicht bekannt, wann und wohin sie deportiert wurden. Emma Friederike Meier und ihre Schwester Frieda gelten ab 1945 als verschollen.

 

Quellen: Der "Pfad der Erinnerung" - Stolpersteine in Minden; Mindener Tageblatt 12.3.2011


 

Betty Meir, geb. Ichenhäuser

 

Betty Ichenhäuser wurde am 2.10.1923 in Frankfurt am Main geboren. Die jüdische Familie emigrierte in die Niederlande nach Amsterdam angesichts des zunehmenden Terrors durch die Nazis. In den Niederlanden begann Betty die Ausbildung zur Krankenschwester. Nachdem Nazideutschland die neutrale Niederlande überfallen hatte und unter der Besatzung sich die Situation für die Juden verschärfte, tauchte die Familie Ichenhäuser bis auf Betty und ihre Mutter unter. Die Mutter, Ada Ichenhäuser, geborene Jacobson am 6.4.1892, war einem Leben in der Illegalität nicht gewachsen. So blieb Betty bei ihr, um sich um sie kümmern zu können.

 

Irgendwie war es den beiden Frauen gelungen, als Staatsangehörige von Equador zu gelten. Das sollte weitreichende Folgen haben. Zunächst wurden Betty und ihre Mutter über das Durchgangslager Westerbork nach Bergen-Belsen deportiert. Dort arbeitete Betty im Krankenrevier. Beide überlebten das KZ Bergen-Belsen. Als Staatsangehörige von Equador konnten beide Frauen mit einem Gefangenenaustausch Bergen-Belsen kurz vor Kriegsende verlassen. Über Marseille gelangten sie in das UNRRA-Lager in Algerien.

 

Betty wanderte 1945 nach Israel aus und konnte dort ihre Ausbildung zur Krankenschwester abschließen, die sie ja in Amsterdam abbrechen musste. Sie heiratete und bekam eine Tochter. Für ein Projekt von YAD VASHEM erzählte sie später von ihrem Leben unter dem nationalsozialistischen Terrorregime.

 

 

Quellen: YAD VASHEM; JewishGen


 

Else Meißner (Meissner)

 

Die Suchanzeige erschien in der Zeitschrift "Der Weg Zeitschrift für Fragen des Judentums", Jahrgang 1, Nummer 15, Berlin 7. Juni 1946. Es kann sich nur um Else Meissner handeln. Da die Deportationslisten getippt waren, kann es sein, das dadurch aus Meißner Meissner wurde. Sie war die Tochter von Dorothea und  Siegbert Meissner und arbeitete im Jüdischen Krankenhaus Berlin. Die Krankenschwester wohnte in der Bleibtreustraße, bis sie aus ihrer Wohnung vertrieben wurde und in die Siegmaringer Straße umziehen musste. Es kann sein. dass sie am 7.3.1943 abgeholt wurde und zu einer Sammelstelle gebracht wurde. Deportiert wurde Else Meißner am 12.3.1943 mit dem 36. Osttransport von Berlin nach Auschwitz. In Auschwitz wurde die Krankenschwester nicht registriert und gilt als verschollen. Der Ehemann ihrer Cousine füllte bei YAD VASHEM das Erinnerungsblatt für Else Meissner aus.

 

Quellen: YAD VASHEM, "Der Weg Zeitschrift für Fragen des Judentums"


 

Fanny Mendel, geb. Lohn

 

Fanny Mendel, geborene Lohn am 26.10.1911 in Köln, war die Ehefrau von Jakob Albert Mendel, geboren am 31.12.1907 ebenfalls in Köln.

Ihre Eltern waren Max und Malchen, geborene Wolff. Sie hatte mindestens einen Bruder, Helmut Lohn, der die Shoa überlebte und in Brasilien wohnte, denn er füllte für sie das Erinnerungsblatt bei YAD VASHEM aus.

 

Die Krankenschwester arbeitete bis zur Räumung 1942 in dem Krankenhaus  „Israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache“.

 

Zusammen mit ihrem Ehemann und wenigstens sieben Kollegen wurde sie in Köln im Durchgangslager Müngersdorf Fort V inhaftiert, bevor sie nach Berlin verschleppt und im 27. "Osttransport" am 29.1.1943 mit der Nummer 277 nach Auschwitz deportiert wurde. Sie gilt als verschollen. Da sie in Auschwitz nicht registriert wurde, ist davon auszugehen, dass sie am Ankunftstag ermordet wurde.

 

Fanny Mendel wurde 31 Jahre alt. Heute erinnert ein Stolperstein in der Aachener Straße 67 in Köln an sie.

 

Quellen: YAD VASHEM; Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich


 

Jakob Albert Mendel

 

Jakob Albert Mendel wurde am 31.12.1907 in Köln geboren. Seine Eltern waren Julius und Elise, geborene Weinberg. Sein Vater besaß eine Mineralwasserfabrik. Jakob war 1918 Schüler am Realgymnasium in Köln-Deutz. Er war mit der Krankenschwester Fanny, geborene Lohn am 26.10.1911, verheiratet, die auch in Köln geboren wurde. Direkt nach der Schule war er zunächst Kaufmann und lebte in Troisdorf. Später arbeitete er als Krankenpfleger im „Israelitischen Asyl für Kranke und Altersschwache“ in Köln. Ob er in Krankenpflege auch eine Ausbildung gemacht hatte, war nicht feststellbar.  

 

Nachdem 1942 das Gebäude des Bürgerhospitals durch Bomben beschädigt wurde, wurden die verbliebenen Ärzte, Pflegepersonal und Patienten aus dem „Israelitischen Asyl für Kranke und Altersschwache“ in das Sammellager Köln-Müngersdorf (Fort V)  inhaftiert. Das städtische Bürgerhospital zog dann in die Räume des jüdischen Krankenhauses.

 

Zusammen mit seiner Frau und sieben Kollegen wurde er nach Berlin verschleppt und im 27. "Osttransport" am 29.1.1943 von Berlin nach Auschwitz deportiert. Seine Transportnummer war die 276. Es könnte sein, dass er zu den wenigen in dem Transport gehörte, die nicht sofort in die Gaskammer getrieben wurden, weil er wahrscheinlich im Vernichtungslager Auschwitz registriert wurde. Jakob Albert Mendel wurde am 12.2.1943 in Auschwitz ermordet. Heute erinnert ein Stolperstein  in der Aachener Straße 67 in Köln an ihn.

 

Quellen: YAD VASHEM; Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich


 

Theresia Menner

 

Die Krankenschwester Theresia Menner arbeitete in der Heil- und Pflegeanstalt Gugging und verweigerte eine Mittäterschaft an Euthanasieverbrechen.

 

Quellen: Gerhard Fürstler: Krankenpflege in der Zeit des Nationalsozialismus, Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband, 03.02.2005


 

Ruth Merdinger, geb. Weiss

 

Ruth Weiss wurde 1927 in Polen geboren. Ihre Eltern waren Dr. med. Chaim Weiss, geboren 1890 in Tarnow, und die Krankenschwester Perl Weiss, geborene Kluger 1898 in Krakow. Ob Ruth Weiss Geschwister hatte, ist bis jetzt nicht bekannt. Ihre Eltern arbeiteten zuletzt als Chefarzt und Krankenschwester im Ghetto Tarnow. Im September 1943 wurde das Ghetto auf sadischste Art liquidiert. Die Familie Weiss wurde nach Auschwitz deportiert. Bereits unterwegs gab es zahlreiche Todesopfer, da die SS die Lüftungsschlitze der Waggons mit Brettern zugenagelt hatte. Ruths Mutter soll in Auschwitz noch im Revier gearbeitet haben. Ihre Eltern wurden 1943 ermordet.

 

Ruth überlebte die Shoa und emigrierte 1947 in die USA. Mit Hilfe eines Stipendiums konnte sie ab 1948 an der Beth Israel School of Nursing die Ausbildung zur Krankenschwester absolvieren. Als Krankenschwester machte sie Karriere und wurde auch Ausbilderin in den Pflegewissenschaften. Sie heiratete und gründete eine Familie. Ruth Merdinger stiftete später den Dr. Chaim und Pearl Weiss Award und war aktives Vorstandsmitglied der Alumni-Vereinigung des Phillips Beth Israel.

 

Quellen: YAD VASHEM; Beth Israel School of Nursing


 

Josefine Messner

 

Josefine Messner war Krankenschwester im Krankenhaus Klagenfurt. Zuerst arbeitete sie im Hinterhaus, der "Siechenanstalt", die zum Krankenhaus Klagenfurt dazu gehörte.

 

Nach dem offiziellen Ende der T4-Aktion kam es inoffiziell in Krankenhäusern und Pflegeheimen zur "Wilden Euthanasie". Patienten wurden durch Hungerkost und Verwahrlosung umgebracht oder durch überdosierte Medikamente, Luft- oder Teerspritzen ermordet. In der "Siechenanstalt" wurden systematisch Patienten umgebracht. Später berief sich das Pflegepersonal, das Kinder, Alte, Behinderte vorsätzlich ermordete, dass sie dafür den Auftrag von Dr. Niedermoser bekamen und sie seine Anordnungen befolgen mussten. Sie rechtfertigten sich mit ihrer Notstandslage.

 

Allerdings lehnte ihre Kollegin Josefine Messner Tötungsaufträge an Patienten ab. Sie geriet deshalb mit der Oberschwester und Kollegen aneinander und wurde aus diesem Grunde auf eine andere Station im Vorderhaus versetzt, wo nicht gemordet wurde. Die Strafversetzung konnte sie verschmerzen. Später bezeugte sie im Prozess gegen ihre ehemaligen Kollegen deren Verbrechen.

 

Quelle: Ausgelöschte Namen: Die Opfer des Nationalsozialismus im und aus dem Gailtal,  ISBN 9783701312344


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