Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Irma Fechenbach-Fey, geb. Eppstein

 

Irma Epstein wurde 1895 als Tochter eines Kommerzienrates geboren. Ihre Familie fühlte sich als etwas „Besseres“, was sich in der Erziehung so ausdrückte, dass man nur mit Seinesgleichen verkehrte und eine Gouvernante über die Schicklichkeit wachte. Ansichten und die spießige Welt des gehobenen Bürgertums waren Irma bald zu eng. Nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester zog es sie von Bayern nach Berlin. Dort war das Klima offener, sie schloss sich den linksorientierten Kreisen an, engagierte sich vielseitig in der deutschen Arbeiterbewegung, fand im Sozialbereich Beschäftigungen, die mehr ihren politischen Überzeugungen entsprachen und absolvierte noch zusätzlich eine Ausbildung zur Fürsorgerin.

 

Sie lernte den „Roten Kasper“ kennen. Felix Fechenbach begeisterte sich wie sie für das Puppenspiel und nutzte es als Instrument gegen die dumpfdröhnende Nazipropaganda. Fechenbach war als sozialdemokratischer und pazifistischer Journalist und Politiker bekannt und mit Kurt Eisner befreundet. Er hatte bereits für seine Überzeugung und Artikel im Zuchthaus gesessen. Zu elf Jahren war er verurteilt worden, unter anderem auch deswegen, weil seine erste Ehefrau, von der er inzwischen geschieden war, mit einer neunseitigen Denunziationsschrift im Prozess aufwartete. Durch den öffentlichen Druck zu dem Skandalurteil wurde er nach zwei Jahren aus der Haft entlassen. Am 26.9.1925 heirateten Irma und Felix. Als ihr Mann 1926 als Redakteur am lippischen SPD-Organ „Volksblatt“ eine Stellung bekam, zog sie nur sehr ungern nach Detmold. In Detmold war ein anderes Klima wie in Berlin. In dieser Region war die Nazibewegung sehr früh erstarkt.

 

Doch Felix Fechenbach ließ sich nicht einschüchtern. Über Informanten in der lippischen NSDAP wurde er immer wieder über Interna, Absichten, Skandale dieser Partei unterrichtet, die er im „Volksblatt“ in Glossen unter dem Pseudonym "Nazi-Jüsken" veröffentlichte. Er zog den Hass der Nazis auf sich, auch dadurch, dass er jüdische Wurzeln hatte. Nach der lippischen Landtagswahl am 15.1.1933 bekam er von den Nazis sofort Redeverbot, am 11.3.1933 wurde er festgenommen und in so genannte Schutzhaft überführt.

 

Irma Fechenbach erkannte die Zeichen der Zeit und floh am gleichen Tage mit ihren Kindern Kurt, sechs Jahre, Lotti, fast fünf Jahre und Hanni, zwei Jahre, aus Detmold nach Ausgurg. Weiter ging ihre Flucht in die Schweiz, wohin sie die Kinder nachholte. In der Schweiz erfuhr sie einige Monate später, dass ihr Mann am 7.8.1933 auf dem Transport vom Detmolder Gefängnis ins KZ Dachau „auf der Flucht erschossen“ sei. Die stadtbekannten SA- und SS-Männer Friedrich Grüttemeyer, Paul Wiese, Karl Segler und Josef Focke hatten den wehrlosen Mann im Kleinenberger Wald brutal misshandelt und ermordet.

 

Im Schweizer Asyl bekam Irma Fechenbach zunehmend Probleme. Deutsche Flüchtlinge wurden geduldet, waren aber in der Schweiz nicht sonderlich beliebt. Widerstandskämpfer wie ihr Mann konnten agieren, sie als seine Frau mit der Verantwortung für die Kinder konnte nur reagieren. Die Widerstandskämpfer wie ihr Mann wurden glorifiziert, sie als seine Frau, die ums Überleben kämpfte und versuchte, den Kindern im Exil eine einigermaßen normale Kindheit zu ermöglichen, wurde eher vermittelt, eine Last zu sein. Gefühlvolle Statements abzugeben war eben leichter und kosteten vor allem nichts. Irma wollte als Krankenschwester oder Fürsorgerin arbeiten. Das war ihr als Flüchtling nicht gestattet. So musste sie zwangsweise von der Wohlfahrt leben. Von Wohlfahrtsempfängern hatten die Schweizer Genossen wohl sehr feste Vorstellungen und warfen ihr vor, dass sie angeblich zuviel finanzielle Hilfen für sich und die drei Kinder beanspruche. Briefe kursierten in St. Gallen, die ihr Verschwendungssucht und Undankbarkeit vorwarfen, weil sie beispielsweise ihren Kindern Fahrräder gekauft hatte. Dass beispielsweise die Kinder selten neue Kleidung bekamen und wenn, dann als großzügige Spende eines Wohltäters nach seinem Geschmack, spielte keine Rolle. Irma Fechenbach geriet zunehmend in gesellschaftliche Isolation und der Druck seitens der Behörden nahm zu. Nachdem der Zweite Weltkrieg beendet war, teilte man ihr mit, dass sie und die Kinder die Schweiz verlassen müssten.

 

Sollte sie mit den Kindern als Jüdin und Sozialistin nach Deutschland zurückkehren nach all den Ungeheuerlichkeiten, die bekannt geworden waren? Irma Fechenbach bereitete die Ausreise in die USA vor. Albert Einstein, ein Freund des Ehepaares aus Berliner Zeiten, schrieb das nötige Affidavit dafür aus. Sie erfuhr die Adresse von Dr. Hugo Neuhaus (Siehe Marie Neuhaus), einem ferneren Verwandten, in Amerika. Familie Neuhaus nahm erst einmal Irma und die Kinder auf und halfen ihnen, Fuß im fremden Land zu fassen. Irma Fechenbach fand Arbeit, jedoch als Hilfsschwester, da ihr das deutsche Examen nicht anerkannt wurde. Das Krankenhaus befand sich in der Nähe der Kinderarztpraxis von Dr. Neuhaus. Sie wohnte im Schwesternheim. Ihre älteste Tochter arbeitete inzwischen als au pair, die beiden jüngeren Kinder gingen noch zur Schule. Hanni Fechenbach, die Jüngste, blieb angesichts der Verhältnisse als eine Art Pflegetochter drei Jahre im Hause Neuhaus.

 

In der McCarthy-Ära gab es für Irma Fechenbach im „freien Amerika“ neue Schwierigkeiten mit ihrer sozialistischen Vergangenheit. Der Name Fechenbach war dabei nicht sehr hilfreich und so versuchte sie, den belasteten Namen ihres Mannes loszuwerden. Zwei Jahrzehnte lang versuchte sie, in den USA eine neue Heimat zu finden. Es gelang wohl nicht so ganz. An ihren Mann erinnern heute in Deutschland Schul- und Straßennamen in verschiedenen Städten. Im Kleinenberger Wald steht ein Gedenkstein, der übrigens in der jüngsten Vergangenheit mehrmals geschändet wurde. Irma Fechenbach starb 1973 in Dietikon. Eine öffentliche Ehrung oder Gedenken hielt man bisher für nicht nötig.

 

Quelle: historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de; Quelle: „Irma Fechenbach-Fey. Jüdin - Sozialistin - Emigrantin 1895-1973“ ISBN 3936225125 oder 978-3936225129


 

Anneliese Feibel

 

Anneliese Feibel wurde am 10.9.1919 in Frankfurt am Main geboren. Ihre Eltern waren Karl Samuel, ein Handelsvertreter, und Nanette Feibel, Netty gerufen. Sie hatte noch einen jüngeren Bruder. Die Familie wohnte in der Gerviniusstr. 16. Nach dem Besuch der Schwarzburg-Reformschule in Frankfurt 1926 bis 1930 versuchte sie am Elisabethen-Lyzeum das Abitur zu machen, musste aber 1933 diese Schule verlassen und wechselte ins Philanthropin. Mit zunehmend verschärften Lebensbedingungen für jüdische Mitbürger wurden die Pläne für Abitur und Studium aufgegeben und Anneliese Feibel absolvierte schließlich die Hauswirtschafts- oder Kinderpflegeschule. Vom 18.9.1935 bis 15.4.1936 arbeitete sie jedenfalls in Neu-Isenburg in dem Heim des „Israelitischen Frauenbundes“ als Kinderpflegerin.

 

Anschließend ging sie nach München und hatte eine Anstellung als Haustochter bei dem Rechtsanwalt Dr. Ludwig Feuchtwanger, Bruder von dem Schriftsteller Lion Feuchtwanger. 1939 konnte Anneliese Feibel nach England emigieren. Dort arbeitete sie sechs Jahre lang als Dienstmädchen. Am 31.12.1942 heiratete sie. Ihr Mann kam jedoch wenige Jahre später in Deutschland ums Leben. Beide hatten beabsichtigt, in die USA auszuwandern, was sie nun alleine tat. Ihr jüngerer Bruder lebte ebenfalls inzwischen in den USA. Ihren Eltern gelang zwar die Flucht nach Frankreich, dort wurden sie jedoch interniert, nach Auschwitz deportiert und ermordet.

 

In den USA heiratete Anneliese Feibel, die mit der Einwanderung ihren Vornamen in Anne änderte, ein zweites Mal. Im November 1991 verstarb sie in Texas.

 

Quellen: Gedenkbuch für das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg (1907 – 1942)


 

Helena Feingold, geb. Wohlmann

 

Helena Wohlmann wurde am 10.2.1887 in Podgorze in Polen geboren. Die Krankenschwester war als sogenannte Staatenlose im belgischen SS-Sammellager Mechelen registriert. Unter der Nummer 519 wurde sie am 11.8.1942 mit dem Transport II nach Auschwitz deportiert. Im KZ Auschwitz-Birkenau wurde sie unter der Nummer 002764 registriert. Es muss angenommen werden, dass Helena Wohlmann den Holocaust nicht überlebte.

 

Quelle: YAD VASHEM; Ich danke für die Recherche Frau Laurence Schram vom Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) in der ehemaligen Mechelner Dossinkaserne.


 

Hanna Feitsma

 

Hanna Feitsma wurde in Amsterdam am 3.8.1907 geboren. Sie lebte in der Plantage Muidergracht 27 huis in Amsterdam. Die Krankenschwester wurde zunächst über das Lager Westerbork am 25.2.1944 nach Theresienstadt und am 12.10.1944 nach Auschwitz deportiert. Als Sterbedatum gilt der 28.2.1945.

 

Quelle: Joods Monument


 

Penny Feiwel, geb. Phelps

 

Eigentlich hatte Penny Feiwel, geborene Phelps, wenig Interesse für Politik und gehörte keiner Partei an. Sie wurde 1910 in Tottenham geboren. Als Kind einer Arbeiterfamilie begann sie bereits mit 13 Jahren in einer Fabrik zu arbeiten. 1027 begann sie die Ausbildung zur Krankenschwester.

 

Nachdem sie von dem „Spanish Medical Aid Committee“ in London im Herbst 1936 erfahren hatte, wie katastrophal in Spanien die Krankenversorgung war, dass die Mehrzahl der Krankenschwestern Ordensschwestern waren, die mehrheitlich auf Francos Seite standen, war sie 24 Stunden später aus rein humanitären Gründen bei den Internationalen Brigaden.

 

Nach ihrer Ankunft in Albacete schloss sie sich einer mobilen Einheit der Amerikaner an, die in der Nähe der vorderen Linie in Tarancon, in der Nähe von Madrid, stationiert waren. Die mobile Einheit besaß Lastwagen mit kompletten Operationssälen. Besonders belastend empfand Penny Feivel ihre Hilflosigkeit gegenüber der Masse der Verletzten und dass sie trotz ihrer Arbeit bis zur Erschöpfung nicht genug tun konnte.

 

Während der Schlacht bei Jarama bekam die Krankenschwester Typhus und musste nach England zurückkehren. Kaum genesen sammelte sie in England Geld für die medizinische Versorgung und kehrte mit neuen medizinischen Instrumenten nach Spanien zurück. Für ihre Verdienste bei der Eindämmung einer Scharlachepidemie wurde sie zum Oberstleutnant der spanischen republikanischen Armee befördert.

 

Bei einem Bombenangriff in den Bergen bei Valencia wurde sie schwer durch Granatsplitter an den Händen, Armen, im Brust- und Bauchbereich verletzt. Ein Granatsplitter im Bauch zerstörte ihren Traum auf ein späteres eigenes Kind.

 

Zunächst kam sie in ein Krankenhaus in Benicassim und wurde dann nach England ins Hammersmith Hospital gebracht. In der Rehabilitation lernte sie den Arzt Michael Feiwel kennen, den sie drei Monate später heiratete. Danach arbeitete sie als Krankenschwester in seiner Privatpraxis. Kurz nachdem sie ihre Diamatene Hochzeit gefeiert hatten, starb ihr Mann.

 

Quelle: Martin Sugarman, AJEX - Jewish Military Museum, dort Feivel geschrieben


 

Irmgard Fenger

 

Irmgard Fenger wurde am 9.2.1909 in Berlin geboren. Vermutlich hielt sich die jüdische Krankenschwester als Flüchtling in Belgien auf. 1943 war sie im Sammellager Mechelen inhaftiert. Die Nazis hatten sie als staatenlos erklärt. Ihr Name stand auf der Deportationsliste von Mechelen nach Auschwitz mit dem Transport XX vom 19.4.1943. Das war der Zug, den drei junge Männer, Youra Livchitz, Jean Franklemon und Robert Maistriau, mit ungeheuerem Mut und Dreistigkeit stoppten, um Deportierten die Flucht zu ermöglichen. Ob sie die Chance zur Flucht hatte, ob sie in Auschwitz ankam, ist ungewiss.

 

Quelle: Deportationsliste XX Mechelen - Auschwitz


 

Marion Ferguson, geborene Goldberg

 

Marion Goldberg wurde am 26.6.1924 in München geboren. Ihre Eltern waren der Versicherungsvertreter Walter Goldberg und Gertrud, geb. Präger. Die Familie wohnte in Plauen, da ihr Vater dort arbeitete und verschiedene Ämter in der jüdischen Gemeinde und dortigen Loge bekleidete. Marion erlebte bereits schon als kleines Kind in den zwanziger Jahren einen deutlichen Antisemitismus, da ihre Familie sehr gläubig war und aktiv am jüdischen Leben in Plauen teilnahm.

 

Mit der sogenannten „Machtergreifung“ verschärfte sich die Situation für Familie Goldberg zusehends. Vom 9. zum 10. November 1938 in der sogenannten Progromnacht überfielen SA-Schergen ihr Haus und demolierten restlos das Heim der Familie.

 

Ihr Vater flüchtete über Italien nach Frankreich und wollte von dort die Ausreise von Frau und Kind organisieren. Marion und ihre Mutter wohnten inzwischen bei den Großeltern. Die Mutter wollte die alten Leute nicht im Stich lassen. Aber für Marion ergab es sich, dass sie mit einem der letzten Kindertransport am 26.7.1939 nach Großbritannien entkommen konnte. Sie wurde von englischen Pateneltern angenommen.  Bis 1942 erhielt sie noch Post von ihrer Mutter. Ihre Mutter und Großmutter wurden in Auschwitz ermordet, der Großvater starb in Plauen an gebrochenem Herzen.

 

Sie begann eine Ausbildung als Krankenschwester. Bevor sie 1947 das Examen mit Auszeichnung ablegte, hatte sie zweimal die Ausbildung abgebrochen. Die durchlebten Ängste und das Schicksal ihrer Familie hatten sie schwer traumatisiert, machten es ihr unmöglich, die Schwesternausbildung geradlinig zu absolvieren. Im Anschluss machte sie noch die Fortbildung zur Hebamme, Fürsorgerin und erwarb die Lehrbefähigung. In den folgenden Jahren konnte sie durch Privatpflegen Israel, Afrika und die USA bereisen.

 

Marion heiratete, doch die Ehe hielt nicht lange. In den USA studierte sie Soziologie und Politikwissenschaften. Anschließend bereiste sie noch europäische Länder und kehrte Anfang der 1970er Jahre nach Großbritannien zurück. Dort begann sie als Lehrerin an der University of Wales in Cardiff zu arbeiten für Fortbildungen in der Pflege und wurde bald Stellvertreterin der Direktorin. Maßgeblich baute sie den Studiengang Pflege mit auf. Nach ihren persönlichen Erfahrungen in der Nazizeit legte sie ausgesprochenen Wert auf soziale, politische und ethische Aspekte in der Pflege. Nach ihrer Auffassung widersprachen sich in der Pflege humanitäres Anliegen und politisches Engagment nicht.

 

Zu Beginn der 1980er Jahre wurde sie Direktorin für den Pflegestudiengang am Bedford-New-College in London. Als Pflegetheoretikerin machte sie sich international einen Namen und war eine gefragte Referentin im In- und Ausland. Marion Ferguson starb am 22. 7.1988  in Cardiff an einem Krebsleiden.

 

Quelle: Biografisches Lexikon zur Pflegegeschichte, Band 2, ISBN 3437266705


 

Edith Fernich, geb. Nussbaum

 

Die Krankenschwester wurde am 28.10.1909 in Neuss geboren. Ihre Eltern waren der Kantor Benno Nussbaum, geboren am 18.2.1880 in Helsdorf bei Rochlitz, und Toni Sidonie, geborene Oppenheimer am 1.1.1883 in Schlüchtern. Sie hatte einen jüngeren Bruder, Walter, geboren am 3.9.1914 in Schlüchtern.

Bis 1933 hatte die Familie Nussbaum keine Probleme in Neuss, sondern erfreute sich großer Beliebtheit. Es herrschte auch ein gutes Einvernehmen zu den Pfarren der christlichen Gemeinden. Das sollte sich schnell ändern. Ediths Vater wurde in der Progromnacht vom 9. zum 10. November 1938 verhaftet, aber man ließ ihn zwei Wochen später aus Altersgründen wieder frei.  Der braune Mob zerstörte die Synagoge und entzog der jüdischen Bevölkerung in kürzester Zeit die Existenzgrundlagen. Ediths Eltern mussten am 10.12.1941 zum Sammelpunkt kommen und wurden am 11.12.1941 nach Riga deportiert. Im März 1944 wurden sie ermordet.

 

Edith hatte vermutlich in der Privatpflege gearbeitet. Das würde auf jeden Fall ihre zahlreichen dokumentierten Umzüge erklären und das sie zwischendurch immer wieder nach Hause zu den Eltern zog. Das war typisch für Krankenschwestern, die in der Privatpflege beschäftigt waren. Ediths Bruder Walter war im Oktober 1938 in die USA emigriert. Ob sie ebenfalls versucht hatte auszuwandern, ist nicht bekannt. Am 28.10.1939 zog sie jedenfalls nach Köln.

Vermutlich zog sie nach Köln, weil es für sie keine Privatpflegen mehr gab.

 

Jüdische Kranke konnten sie nicht mehr bezahlen und nichtjüdische Mitbürger durfte sie nicht pflegen. Von daher wird sie aller Wahrscheinlichkeit nach im „Israelitischen Asyl für Kranke und Altersschwache“ in Köln gearbeitet haben. Dem Krankenhaus wird es nicht anders gegangen sein wie auch den anderen jüdischen Krankenhäusern. Nichtjuden durften dort nicht mehr arbeiten, viele Ärzte und Pflegekräfte wanderten aus, tauchten unter, wurden zu Zwangsarbeiten verpflichtet oder deportiert. Die nichtjüdischen Patienten fielen zwar weg, aber die Zahl der jüdischen Patienten stieg dank Mangelernährung und allgemeiner Lebenssituation enorm. Jüdische Krankenhäuser und Altenheime hatten daher einen gravierenden Personalmangel. Wenn Edith keine Privatpflegen mehr bekam, war die logische Konsequenz, im Krankenhaus zu arbeiten.

 

Dort lernte sie den Krankenpfleger Ludwig Fernich, geboren am 6.12.05 in Gleuberg, kennen und lieben. In der damaligen Situation mit der ständigen Lebensbedrohung vor Augen heiratete man schnell. Und sie haben schnell geheiratet. Anscheinend war nicht einmal die Zeit, ihren Bruder über die Hochzeit zu informieren. Denn das Erinnerungsblatt, dass die Nichte für den YAD VASHEM ausfüllte, war auf ihren Mädchennamen ausgefüllt. Die Nichte kannte das Datum, wann Edith nach Köln umzog, aber sie wusste nicht, dass ihre Tante geheiratet hatte.

 

Das Ehepaar ist zusammen am 29.1.1943 von Berlin als Nummer 271 und 272 mit dem 27. „Osttransport“ nach Auschwitz deportiert worden. Mit Edith und Ludwig wurden noch mindestens sechs Kolleginnen und ein Kollege deportiert.  Alle neun Pflegekräfte gelten als verschollen. Das heißt nicht, dass sie vielleicht doch überlebt haben könnten, sondern das heißt, dass sie in Auschwitz nicht registriert und sofort nach der Ankunft ermordet wurden. Sie waren zwischen 22 Jahre bis 60 Jahre alt. Edith Fernich wurde 33 Jahre alt.

 

Quellen: YAD VASHEM; Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich; VVN-BdA Rhein-Kreis Neuss


 

Ludwig Fernich

 

Der jüdische Krankenpfleger Ludwig Fernich wurde am 06.12.1905 in Glauberg bei Büdingen in Hessen geboren. Seine Eltern waren der Bäcker Moritz, geboren am 1.8.1874 in Ulmen, und Emilie, geborene Siemons am 23.11.1874 in Köln Ehrenfeld. Seine Eltern wurden bereits am 15.6.1942 nach Theresienstadt und knapp drei Monate später, am 19.9.1042 Treblinka deportiert, wo sie ermordet wurden. Ob er Geschwister hatte, konnte ich nicht herausfinden.

 

Ludwig war mit Edith, geborene Nussbaum am 28.10.1909 in Neuss, verheiratet. Beide arbeiteten im „Israelitischen Asyl für Kranke und Altersschwache“ in Köln, wo sie sich auch kennenlernten. Zusammen kamen sie in das Durchgangslager Müngersdorf Fort V, bevor sie nach Berlin verschleppt wurden und im 27. "Osttransport" nach Auschwitz deportiert wurden. Es könnte sein, dass er zu den wenigen in dem Transport gehörte, die nicht sofort in die Gaskammer getrieben wurden, weil er wahrscheinlich im Vernichtungslager Auschwitz registriert wurde. Ludwig Fernich wurde am 14.2.1943 ermordet.

Quellen: YAD VASHEM; Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich


 

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