Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Celia Seborer

 

Von der amerikanischen Krankenschwester und Laborantin fehlen leider genauere Lebensdaten. Sie war die erste Frau aus den USA, die sich für die Spanische Republik vor Ort engagierte, denn sie war bereits 1934 mit ihrem Ehemann, dem Journalisten George Marion, dort. Sie gehörte der Abraham-Lincoln-Brigade an. Im Januar 1935 besuchten sie die Stadt Berlin und was sie im Hitler-Deutschland sah, war für sie als Jüdin Motivation genug, für die Spanische Republik weiter zu kämpfen. Celia Seborer wurde 1907 geboren und verstarb 2005.

 

Quelle: Martin Sugarman, AJEX - Jewish Military Museum


 

Gertrud Seele

 

Gertrud Seele aus Berlin, geboren am 22.9.1917, hingerichtet am 12.1.1945 in Berlin-Plötzensee, war Krankenschwester im Robert Koch-Krankenhaus in Berlin. Sie nahm sich besonders der rassisch verfolgten Mitbürger an und gewährte vielen Unterkunft. Im Jahre 1943 wurde sie mit ihrer Tochter nach Merke im Kreis Guben evakuiert. Während einer Altpapier- und Lumpensammlung äußerte sie sich gegenüber einer Nachbarin: "Warum sammelt ihr das Zeug, ihr verlängert nur den Krieg!"

 

Sie wurde denunziert und im Januar 1944 verhaftet und im Dezember 1944 wegen "Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung" zum Tode verurteilt. Ihr letzter Wunsch, ihre dreijährige Tochter noch einmal zu sehen, wurde nicht erfüllt.

Der Abschiedsbrief an ihre Tochter ist erhalten geblieben:

 

"Meine liebe kleine Tochter Michaela!
Heute muß deine Mutti durch ... sterben. Ich habe nun eine große Bitte an Dich, kleines Dirndlein. Du mußt ein braver und tüchtiger Mensch werden und den Großeltern viel Freude machen. Dein Vater ist ..., geboren am 5. März l907 in Leipzig. Durch die Großeltern wirst Du alles Nähere erfahren. Ich gebe Dir alle lieben Wünsche mit auf Deinen Lebensweg und möchte Dich bitten, mich immer lieb zu behalten und mich nie zu vergessen. Ich weine innerlich heiße Tränen um Dich und die Eltern, sei immer lieb zu ihnen und mache ihnen recht viel Freude, indem Du ein tüchtiger und aufrechter Mensch wirst. Lebe wohl, geliebtes kleines Töchterchen, in Gedanken umarme und küsse ich Dich.
Deine verzweifelte Mutti."

 

(Hinweis: die in diesem Brief fehlenden Worte wurden von der Zensurstelle des Volksgerichtshofs herausgeschnitten; zitiert nach: Bracher 1984).


 

Ilse Seeligmann, geb. Wittkowski

 

Ilse Wittkowski wurde am 21.2.1905 in Bremen geboren. Die Krankenpflegerin war als sogenannte Staatenlose im belgischen SS-Sammellager Mechelen. Unter der Nummer 288 wurde sie am 8.10.1942 mit dem Transport XIII nach Auschwitz deportiert. Es muss angenommen werden, dass Ilse Seeligmann den Holocaust nicht überlebte.

 

Ich danke für die Recherche Frau Laurence Schram vom Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) in der ehemaligen Mechelner Dossinkaserne.


 

Alfred Seitz

 

Der Krankenpfleger Alfred Seitz, geboren am 10.2.1903, war wie seine Ehefrau Käthe Seitz geb. Brunnemer, Mitglied der SPD in Heidelberg. Die frühere Stadträtin Käthe Seitz, geboren am 12.2.1894 in Ludwigshafen, war mit Alfred Seitz in zweiter Ehe verheiratet. Das Ehepaar wohnte in der Karlsruher Straße 46. Alfred Seitz arbeitete in der Thorax-Klinik Rohrbach. Diese Klinik an der Universität Heidelberg gibt es noch heute und ist eine der ältesten und größten Lungenfachkliniken Europas.

 

Das Ehepaar Seitz schloss sich der Widerstandsgruppe um den ehemaligen KPD-Landtagsabgeordneten Georg Lechleiter an, in der sich Sozialdemokraten, Kommunisten, Parteilose und Gewerkschafter zusammengefunden hatten. Die Widerstandsgruppe unterstützte Angehörige von Inhaftierten, sammelte Informationen, hörte gezielt „Feindsender“ ab, verfasste Flugblätter und bildete Widerstandszellen in Betrieben. Nach dem Angriff auf die Sowjetunion 1941 stellte die Gruppe die illegale Zeitung "Der Vorbote" her.

 

Georg Lechleiter nutzte seinen Beruf als Schriftsetzer zum Aufbau der Zeitung. Im Keller des Hauses des ehemaligen Reichsbannerfunktionärs Philipp Brunnemer und seiner Ehefrau Luise, Schwiegereltern von Alfred Seitz, in Mannheim befand sich eine Schreibmaschine und ein Abziehgerät. Käthe Seitz tippte die Texte auf Matrizen.

 

Die Gruppe wurde verraten, einige Zeitungen gelangten in die Hände der Gestapo. Im Februar 1942 tippte Käthe Seitz gerade die 5. Ausgabe der Zeitung, als sie erfuhr, dass Mitglieder ihrer Widerstandsgruppe verhaftet worden waren. Obwohl sie sämtliches Material und Schreibmaschine sofort beseitigte, konnte sie sich und ihren Mann nicht vor der Verhaftung schützen. Am 24.2.1942 gerieten etwa 60 Personen in Mannheim und Heidelberg in die Fänge der Gestapo, unter anderem auch Menschen, die eigentlich nicht in der Widerstandsgruppe waren, aber deren nazifeindliche Gesinnung bekannt war.

 

Bereits im März begannen die Verhandlungen. Gegen 32 Menschen wurde vom 2. Senat des Volksgerichtshofes ein Verfahren wegen Vorbereitung zum Hochverrat in Tateinheit mit Feindbegünstigung und Zersetzung der Wehrkraft sowie wegen Abhörens und Verbreitung ausländischer Rundfunksendungen eingeleitet. Vom 14. bis 15.5.194 fand der erste Schauprozess im Justizgebäude des Mannheimer Schlosses gegen die Widerstandsgruppe statt. Drei Verhaftete hatten bereits Folter und Misshandlungen in der Untersuchungshaft nicht überlebt, neunzehn Menschen wurden zum Tode verurteilt, darunter Alfred Seitz, seine Ehefrau und ihre Eltern. Die Familie wurde am 15.9.1942 enthauptet.

Der Zynismus und Menschenverachtung der Nationalsozialisten machte nicht einmal vor den Toten Halt. Die Leichen der Ermordeten stellten die Nazis als Übungsmaterial den Studenten des Anatomischen Institutes der Universität Heidelberg zur Verfügung.

 

1950 wurde ein Mahnmal im Heidelberger Bergfriedhof errichtet und die Überreste am 22.7.1950 in dem Ehrengrab beigesetzt. Im Heidelberger Stadtteil Neuenheim erinnert die Seitzstraße an das Ehepaar.

 

Quellen: Stolpersteine Heidelberg; Heidelberger Geschichtsverein e.V.;  Ausstellung "Widerstand gegen den Nationalsozialismus";  Heidelberger VVN


 

Eva Seligmann

 

Eva Seligmann wurde 1912 in Berlin geboren. Ihre Eltern Alfred Seligmann, geboren am 4.5.1877 in Barmen, und Margarete Seligmann, geb. Fritz, heirateten 1909. Der jüdische Vater betrieb ein Engrosgeschäft am Hausvogteiplatz in Berlin. Ihre evangelische Mutter war Pianistin, gab Klavierstunden und bereitete Musiker auf ihren Auftritt vor. 1914 wurde ihr Bruder Raimund geboren, 1917 ihre Schwester Waltraud. Die kleine Schwester erkrankte an Ruhr und wurde nur zwei Jahre alt. 1918 wurde Eva Seligmann in Berlin-Schöneberg eingeschult. 1923 erwarb die Familie ein Zweifamilienhaus in Erkner und zog dorthin um. Das Obergeschoss musste aus finanziellen Gründen vermietet werden. Der große Garten wurde von der Mutter bearbeitet und half mit den Erträgen über die Jahre der Inflation hinweg. Doch schon bald wurde die Familie in Erkner mit Antisemitismus konfrontiert. Sie lebte isoliert, ihre Haustiere wurden vergiftet, die Kinder ausgegrenzt, der Mieter im Obergeschoss drangsalierte die Familie mit offenen antisemitischen Anfeindungen.

 

Eva Seligmann hatte zum Vater eine sehr innige Beziehung. Dieser war als überzeugter Pazifist aktiv in der Friedensbewegung und Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft. Daher war es naheliegend, dass sich schon früh auch Eva Seligmann in der Friedensbewegung engagierte. Bereits in ihrer Schulzeit gehörte sie der pazifistischen Weltjugendliga an. Auch ihre Mutter, ein Mitglied des Bundes entschiedener Schulreformer, eine Vereinigung stark reformorientierter Schulpädagogen in der Weimarer Republik unter der Leitung Paul Oestreichs, hatte offenbar großen Einfluss auf ihre Tochter. Nach dem Abitur studierte Eva Seligmann zwei Jahre an der Pädagogischen Akademie in Frankfurt am Main, um Volksschullehrerin zu werden.

 

Doch als „Halbjüdin“ sollte sich ihr Leben ab 1933 dramatisch entwickeln. Ab 1933 wurde sie Mitglied im Internationalen Sozialistischen Kampfbund, der aktiv im Widerstand gegen den Nationalsozialismus arbeite. Ihr jüngerer Bruder war ein hochbegabter, mathematisch und naturwissenschaftlich sehr interessierter Mann. Nach seinem Abitur 1933 durfte er aber aus rassischen Gründen nicht studieren und „flüchtete“ nach ihren Worten „in den Tod“. Ihr wurde eine Übernahme in den Staatsdienst als Lehrerin verwehrt. 1935 bis 1936 fand sie als Lehrerin am privaten jüdischen Landschulheim in Vigiljoch bei Meran eine Anstellung, von 1937 bis 1938 arbeitete sie im Landschulheim Herrlingen.1937 zogen ihre Eltern zurück nach Berlin.

 

Nachdem ihre Lage immer aussichtsloser wurde, ging Eva Seligmann 1938 als „au-pair" nach England und arbeitete dort als Kindermädchen und Putzfrau in verschiedenen Familien. 1939 wechselte sie nach Schweden, um von dort nach England zurückzukehren. Nun erlernte sie die Berufe Hebamme und Krankenschwester. Zwar arbeitete sie als Krankenschwester, hielt aber engen Kontakt zu anderen gleichgesinnten Pädagogen. Nach dem Krieg wollte sie nach Deutschland zurückkehren, um am Aufbau eines demokratischen Bildungswesens mitzuarbeiten. Ihr Traum war die Gründung einer Schule, in der niemand aufgrund seiner Rasse, Hautfarbe, Religion, Nationalität oder sozialer Herkunft benachteiligt wird.

 

Ihr Vorhaben stellte sie zunächst zurück, als sie mit Freunden 1945 / 1946 bei Leeds ein Heim für aus Konzentrationslagern befreite Kinder einrichtete. Diese Kinder kannten keine „normale“ Kindheit, waren schwer traumatisiert. Ihren Traum von einer Reformpädagogik in Deutschland gab sie aber nicht auf. Gegen den Rat ihrer Freunde kehrte sie 1946 nach Deutschland zurück.

 

Der Neuanfang in Deutschland war belastend. Ihren Vater sah sie nicht wieder. Bis Ende 1942 hatte er sich immer wieder bei ihrer Mutter versteckt, wenn die Deportation drohte. Ihre Mutter wurde von Nachbarn denunziert und zur Gestapo vorgeladen. Daraufhin ließ er sich bei ihr nicht mehr blicken, um die Mutter nicht zu gefährden. Er wurde nach Auschwitz deportiert und dort am 18.7.1943 ermordet. Alle Verwandten väterlicherseits und ihren Verlobten brachten die Nazis im Warschauer Ghetto oder in Konzentrationslagern um. Die Mutter in Berlin war ausgebombt.

 

Eva Seligmann ging zunächst nach Frankfurt. Von 1947 bis 1951 arbeitete sie an der Odenwaldschule. Anschließend leitete sie Kinderheime der Arbeiterwohlfahrt in Haiger und im Gehringshof bei Fulda. 1956 bis 1963 wirkte sie an der Entwicklungsgestörtenschule am Brommyplatz in Bremen als Lehrerin und Schulleiterin und baute in Bremen die sonderpädagogische Förderung auf. Anschließend war sie bis 1977 Schulrätin für das Sonderschulwesen und bemühte sich besonders um den Aufbau von Sonderschulen und der integrativen Arbeit. Sie beschritt neue Wege, um der Ausgrenzung behinderter Kinder entgegenzuwirken, auch nach ihrer Pensionierung. Eva Seligmann starb am 1.6.1997 in Bremen.

 

In Bremen-Bockhorn trägt heute eine Straße ihren Namen. Eine Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt in Bremen-Farge heißt Eva-Seligmann-Haus. In Nürnberg gibt es ein Sonderpädagogisches Förderzentrum, die Eva-Seligmann-Schule. Der Landesverband Bremen des Verbandes Sonderpädagogik e.V. vergibt jährlich einen Eva-Seligmann-Preis, einen Förderpreis für Projekte und Initiativen von und mit behinderten und benachteiligten Menschen. Vor dem Haus Ahornallee 34 in Erkner wurden für Eva Seligmann, ihren Bruder Raimund sowie für ihre Mutter Margarete und ihren Vater Alfred Stolpersteine verlegt.

 

Quellen: Eva Seligmann: "Erinnerungen einer streitbaren Pädagogin", dokumentiert und bearbeitet von Heide Henk, Herausgeber Schulgeschichtliche Sammlung Bremen, ISBN 3-86108-636-0; Aktion Stolperstein Erkner; Wikipedia; Eva-Seligmann-Schule, Sonderpädagogisches Förderzentrum Nürnberg; Georg-Büchner-Schule 1 in Bremerhaven


 

Rosa Regine "Rosi" Seligmann, geb. Goldmann

 

Rosa Regine Goldmann erblickte am 25.11.1916 in Fürth das Licht der Welt. Ihre Eltern waren die Kaufleute Jakob Goldmann und Meta Goldmann, geborene Ballin am 19.1.1884 in Marktbreit. Rosa Regine, Rosi gerufen, hatte noch einen älteren Bruder namens Siegfried, der Fred genannt und am 6.9.1915 geboren wurde. Die Mutter war durch ihre Heirat polnische Staatsangehörige geworden.

 

Als Rosi zehn Jahre alt war, starb ihr Vater am 23.6.1927. Daraufhin stellte ihre Mutter einen Antrag auf die deutsche Staatsbürgerschaft. Im Dezember 1927 wurde die Familie eingebürgert. Rosis Eltern besaßen in Fürth in der Blumenstarße 4 ein großes florierendes Kurzwarengeschäft. Ihre Mutter führte nach dem Tod des Ehemannes das Geschäft alleine weiter, sodass die Familie durch seinen Verlust nicht in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Ihre Kindheit und Schulzeit verbrachte Rosi in Fürth, gehörte dort auch einem Sportverein an. Nach ihrer Schulzeit lernte sie Krankenschwester und arbeitete später als Säuglings-Krankenschwester im Jüdischen Krankenhaus.

 

Die Bedingungen wurden durch den Naziterror immer härter, in der Progromnacht randalierte der braune Mob im Laden. Die Mutter musste am 11.11.1938 das Geschäft zwangsweise abgeben. Rosa Regine Goldmann heiratete am 26.10.1940 Paul Seligmann. Das Ehepaar versuchte, nach England zu emigrieren. Es gelang nicht. Rosi Seligmann, wurde mit dem Transport II/28 unter der Nr. 1241 nach Theresienstadt deportiert. In Theresienstadt arbeitete sie im Krankenrevier, bis sie sich mit Typhus infizierte. Die Angaben zu ihrem weiteren Schicksal sind unterschiedlich. Es könnte sein, dass sie in Theresienstadt an dem Typhus starb. Eine weitere Version ist, dass sie unter der Nummer 897 und ihr Mann unter der Nummer 896 mit dem Transport am 16.10.1944 nach Auschwitz verschleppt wurden und dort starb. YAD VASHEM und das Bundesarchiv geben an, sie sei im April 1945 in Bergen-Belsen verschollen.

 

Ihr Schicksal lässt sich wohl nicht mehr eindeutig aufklären. Am Grab ihres Vaters erinnert heute ein Gedenkstein an Rosi Seligmann. Ihre Mutter wurde ebenfalls nach Theresienstadt und dann Auschwitz deportiert, wo sie im Oktober 1944 ermordet wurde. Ihr Ehemann überlebte und wanderte 1946 in die USA aus, wo er sich Paul Selan nannte. Auch Rosis Bruder konnte den Holocaust überleben und lebt in den USA.

 

Quellen: Israelitische Kultusgemeinde Fürth, Memorbuch


 

Irena Sendler

 

Die polnische Krankenschwester Irena Sendler wurde 1910 in Otwock geboren. Die Stadt Otwock liegt etwa 15 Meilen südöstlich von Warschau. Ihr Vater, Sozialist und Arzt, betrieb dort eine Praxis mit überwiegend jüdischen Patienten. Irena Sendler arbeitete in der Warschauer Wohlfahrtsabteilung. Die Abteilung richtete Kantinen ein für verarmte Juden, deren Bankkonten und Eigentum von den Nazis konfisziert und denen jegliche Unterstützung per Erlass verweigert worden war. Irena Sendler registrierte oft jüdische Familien unter polnischen erfundenen Vornamen, um sie vor den Zugriff der Nazis zu schützen.

 

Ab 1942 gehörte sie der polnisch-jüdischen Organisation Zegota an. Die Hilfsorganisation Zegota war ein Zusammenschluss unter der polnischen Exilregierung von Polinnen und Polen unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Weltanschauungen, die versuchten, ab 1942 Juden vor den deutschen Besatzern zu retten. Mit Ärzten arbeitete nun Irena Sendler in einer Abteilung zur Vermeidung von Epidemien. So konnte sie sich Zugang zum Warschauer Ghetto verschaffen. Es wurden Kontakte zur Ghettozeitung hergestellt, Lebensmittel, Medizin und Kleidung ins Ghetto geschmuggelt. Angesicht der katastrophalen Zustände im Ghetto ein Tropfen auf den heißen Stein. Jeden Monat starben circa 5000 Menschen durch Hunger oder an Krankheiten durch Entkräftung und Hygienemangel. Es wurde von der Zegota beschlossen, die Kinder in einer großangelegten Rettungsaktion aus dem Ghetto zu schaffen. Irena Sendler leitete und führte die Aktion unter dem Decknamen "Jolanta" durch.

 

Diese Arbeit wurde durch die stetige Abriegelung des Ghettos durch die Nazis zunehmend erschwert. Für Fluchtwege wurden unter anderem unterirdische Durchgänge angelegt, Löcher in die Ghettomauer gebohrt, Wachmannschaften bestochen. Verzweifelte Eltern warfen auch öfters ihre Kinder über die Ghettomauer. Auch der Krankenwagen wurde als Fluchtmittel benutzt. Auf dem Beifahrersitz saß ein unentwegt kläffender Hund, der das Weinen oder Schreien der versteckten Kinder übertönen sollte. Kinder entkamen in Leichensäcken, Särgen, Kartoffelsäcken unter der Ware, ein Baby im Werkzeugkasten eines Mechanikers.

 

Und mit diesen Rettungsaktionen wurde Irena Sendler immer wieder mit Eltern konfrontiert, die in der ausweglosen Situation sich von ihren Kindern trennen mussten und gleichzeitig unter diesem Entschluss unsagbar litten. Mit Helfern gelang es ihr, etwa 2500 jüdische Kinder aus dem Ghetto zu befreien. Meistens kamen diese Kinder zuerst in ein Pflegehaus, wo sie ersteinmal aufgepäppelt wurden. Eine weitere Aufgabe bestand darin, unverdächtige Familien, Klöster, Waisenheime zu finden, die bereit waren, die Kinder trotz der eigenen Gefährdung bei Entdeckung aufzunehmen. Papiere waren von Nöten, falsche Personalausweise, Geburtsurkunden, Abstammungsurkunden.

 

Der Gestapo entging nicht diese Tätigkeit und verhaftete sie am 20.10.1943. Sie wurde gefoltert, um aus ihr die Namen der Kinder herauszupressen, dabei brach man ihr die Füße und Beine, aber Irena Sendler schwieg. Sie wurde zum Tode verurteilt. Der Hilfsorganisation Zegota gelang es durch Bestechung, sie frei zu bekommen. Ihr Name aber stand auf der Liste von Hingerichteten. So musste sie eine neue Identität annehmen und den Kontakt zur Familie abbrechen. Schlimm war für sie, dass sie dadurch ihre sterbende Mutter nicht besuchen und an ihrem Begräbnis teilnehmen konnte. Auch war es ihr in diesen Jahren kaum möglich, sich um die eigene Tochter zu kümmern.

 

Nach 1945 arbeitete Irena Sendler im Gesundheitsministerium im Bereich der Sozialwohlfahrt. Die von ihr geretteten Kinder konnten, wenn möglich, zu ihren Eltern zurückgeführt werden. Um ihre Identität und Vergangenheit zu bewahren, hatte die Krankenschwester verschlüsselte Namenslisten angelegt und sie in Glasgläsern unter einem Apfelbaum im Garten des Nachbarn gegenüber von deutschen Kasernen vergraben.

 

Im Oktober 1958 erhielt die Krankenschwester in Warschau die Medaille "Service of Health medal" vom polnischen Minister für Gesundheit. 1965 wurde Irena Sendler mit dem Titel "Gerechter unter den Völkern" geehrt.

1991 wurde sie Ehrenbürgerin von Israel. Am 23.10.2003 gewann sie einen Kulturpreis des amerikanischen "Freedom House". Und am 10.11.2003 zeichnete Polen die mutige Krankenschwester mit der höchsten Auszeichnung des Landes, dem "Weißen Adler" aus.

 

Als ihr Bild durch Ehrungen in Zeitungen veröffentlicht wurde, meldeten sich bei ihr Menschen aus aller Welt, die ihr ihre Rettung verdankten. Sie kannten nur ihren Decknamen "Jolanta" und entdeckten ihre Retterin in den abgedruckten Bildern.

 

Irena Sendler selber sah sich nie als Heldin. Wie viele Menschen dieser Zeit, die im Widerstand versuchten, Leben zu retten, litt sie darunter, nicht mehr getan zu haben. "I could have done more" sagte sie, "This regret will follow me to my death." Und sie vergaß nie die Augen, Tränen und Klagen der Eltern, die ihr ihre Kinder anvertraut hatten. Die wenigsten von ihnen hatten den Holocaust überlebt.

 

Irena Sendler verstarb am 12.5.2008 in Warschau. Seit 2013 ist auf dem Gelände des ehemaligen Warschauer Ghettos, unweit des Museums der Polnischen Juden, eine Straße, Irena-Sendler-Allee, nach ihr benannt.

 

Quellen: Wikipedia, Lewicow, http://seir10wapo.blogspot.de/, Ninateka


 

René Shadbolt - Remmel

 

Renè Shadbolt war eine der drei neuseeländischen Krankenschwestern, die offiziell vom SMAC nach Spanien geschickt wurde, um die Internationalen Brigaden in Spanien zu unterstützen. Das SMAC hatte sie zur Leiterin des dreiköpfigen Pflegeteams, bestehend aus ihr, Isobel Dodds und Millicent Sharples, ernannt. Bevor sie nach Spanien kam, war die damals 33jährige Oberschwester der Unfallstation im Auckland Hospital und hatte zumindest Erfahrung in der Unfallchirurgie.

 

Als Leiterin des Pflegeteams war sie bestens geeignet, denn nach Aussage ihres Neffen hatte sie wenig Respekt vor Autorität, sehr hohe Prinzipien und ein gutes Durchsetzungsvermögen. Im Grunde genommen hatte sie keine ausgeprägte politische Neigung, sah aber sehr wohl die politischen Zusammenhänge und kämpfte in Spanien mit dem Hintergrund, die deutschen Faschisten stoppen zu müssen. Als die neugewählte Labourpartei in Neuseeland versuchte, das Pflegeteam an der Abreise zu hindern, unterstellte man ihr, eine radikale Kommunistin zu sein. Auf diesen Vorwurf reagierte sie nur mit Spott.

 

Renè arbeitete meist mit Isobel Dodds zusammen. Trotz des Altersunterschiedes entwickelte sich zwischen ihnen eine tiefe Freundschaft. Beide Krankenschwestern assistierten im Team bei Operationen. Isobel war für die Instrumente zuständig, Renè für die Anästhesie. In kürzester Zeit waren sie perfekt aufeinander abgestimmt und verstanden sich bei den Operationen blind.

 

Der Spanische Bürgerkrieg wurde für Renè eine persönliche Katastrophe. Sie lernte 1937 den Kommunisten Willi Remmel aus Köln in Deutschland kennen und lieben, der mit einem Oberbeinschuß in ihre Klinik eingeliefert wurde. Bald waren sie nach seiner Genesung wieder getrennt. 1938 traf Renè Shadbolt im Hospital Mataro ihre Liebe wieder. Willi Remmel war von einem Granatsplitter in den Rücken getroffen worden. Niemand wusste in diesem Krieg, wie lange man noch leben würde. Die Beiden machten Nägel mit Köpfen und heirateten.

 

Kurz darauf mussten die Interbrigaden demobilisieren. Die neuseeländische Krankenschwester versuchte mit allen Mitteln ihren Mann zu retten. In all ihren Appellen an die neuseeländische Regierung und andere Behörden erwähnte sie aber nicht, dass Remmel während des Krieges ihr Ehemann geworden war. Die neuseeländischen Behörden gestatteten ihm die Einreise nicht. Am 8. Februar 1939 blieb Remmel nichts anderes übrig, als mit seinen Kampfgefährten nach Frankreich zu gehen, wo sie entwaffnet und interniert wurden. Renè Shadbolt schickte ihm Geldsendungen über England nach Gurs. 1940 wurde er an die Gestapo ausgeliefert und in verschiedene KZ´s verbracht.

 

Er überlebte, verstarb aber bereits im Jahre 1970 an den Spätfolgen seiner langjährigen KZ- Haft, ohne das er Renè Shadbolt je wieder sah. Renè Shadbolts Neffe, der neuseeländische Schriftsteller Maurice Shadbolt, verarbeitete die Erinnerungen seiner Tante, dort Sis genannt, in seinem Familienroman "One of Bens". Renè Shadbolt starb 1977. Über ihr Begräbnis schrieb Maurice Shadbolt: "On her coffin there was a lone bouquet of red roses, placed there by a sister who knew her story. The attached message read: With love everlasting from Willi."

 

Ihre Heimatstadt New Lynn, Auckland, benannte nach der Krankenschwester einen neuen Park, den "Sister Rene Shadbolt Park".

 

Quellen: Teara


 

Millicent Sharples

 

Millicent Sharples war eine der drei offiziellen Krankenschwestern des SMAC aus Neuseeland, die auf der Seite der Internationalen Brigaden in Spanien gegen den Faschismus kämpften. Sie war 46 Jahre alt, als sie nach Spanien kam. Millicent arbeitete vorher in Neuseeland in einem Privatkrankenhaus in Levin.

Zunächst arbeitete sie mit Renè Shadbolt und Isobel Dodds im Krankenhaus in der Stadt Huete zusammen. Weil sie einen Führerschein besaß, wurde sie dort aber abgezogen und an der Aragon-Front eingesetzt. Dort fuhr sie unter anderem auch einen Krankenwagen.

 

Millicent wurde bei bei einem Einsatz durch Granatsplitter verwundet. Daher kehrte sie früher nach Neuseeland zurück. Sie verließ Spanien bereits am 18.5.1937.

 

Quelle: NZ history

 

 

 

 

 

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