Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Margarete Albrecht-Heydkamp

 

Margarete Albrecht-Heydkamp wurde 1885 geboren. Sie absolvierte die Ausbildungen als Säuglings- und Krankenpflegerin. An der städtischen Kinderklinik in Düsseldorf wurde sie leitende Schwester, in Hamburg Oberin einer privaten Kinderklinik. 1927 gündete sie zusammen mit der Oberin Antonie den "Reichsverband für Säuglings- und Kleinkinderschwestern". Die Berufsorganisation wurde 1934 zwangsweise aufgelöst. Als sogenannte "Halbjüdin" zog sie sich ins Privatleben zurück. Margarete Albrecht-Heydkamp starb 1966.

 

Quelle: Deutsche Schwesternzeitung, 1967 Feb, 20(2):81


 

Jenny Aloni, geb. Rosenbaum

 

Jenny Rosenbaum, geboren am 7.9.1917 in Paderborn, Tochter eines jüdischen Kaufmanns, bereitete sich nach ihrem Schulbesuch im Michaelkloster1935 auf die Auswanderung nach Palästina auf Gut Winkel in der Mark Brandenburg vor.

 

1936 siedelt sie nach Berlin über und legte 1939 das Abitur ab. Danach verschlug es sie in die Niederlausitz, wo sie Gruppenleiterin im Hachscharah-Kibbuz war. 1939 gelang ihr die Auswanderung nach Palästina. In Jerusalem an der Hebräischen Universität begann sie zu studieren.

 

Ihren ersten Kontakt zur Pflege bekam sie durch den Krieg. 1942 trat sie als Sanitäterin in eine jüdische Einheit der britischen Armee ein. 1946 wurde sie aus der Armee entlassen und wandte sich der Sozialarbeit zu. Sie besuchte eine entsprechende Schule und ging 1947 nach Paris und München, um jüdische DP´s (Displaced Persons) zu unterstützen. 1948 heiratete sie Esra Aloni.

 

Im jüdisch-arabischen Krieg nutzte sie alte Erfahrungen und arbeitete wieder als Sanitäterin. 1950 kam ihre Tochter Ruth zur Welt. Bekannt wurde sie durch ihr literarisches Schaffen, überwiegend in deutscher Sprache. Viele ihrer Werke beschäftigen sich mit den ersten Jahren der Nazizeit aus jüdischer Sicht. Von 1963 bis 1981 leistete sie in der psychiatrischen Klinik in Beer Jaakow ehrenamtliche Arbeit. Jenny Aloni starb am 30.9.1993 in Ganei Yehuda.

 

Quellen: Wikipedia; Jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Westfalen; Jenny-Aloni-Archiv an der Universitaet-GH Paderborn


 

Betti Alsberg, geb. Keschner

 

Über diese jüdische Krankenschwester besitze ich wenig Informationen. Betti Keschner wurde 1920 in Hattingen geboren. Eigentlich wollte sie nach dem Lyzeum Lehrerin werden, durfte als Jüdin aber nicht studieren. Deshalb besuchte sie in Breslau einen Vorbereitungskurs für ein Studium in Jerusalem.

 

Ihren späteren Mann, Dr. Paul Alsberg, der wie sie aus Wuppertal kam, lernte sie dort kennen. Am 10.11.1938 schloss die Gestapo das Breslauer Rabbinerseminar und verhaftete alle männlichen Lehrer und Studenten. Betti ließ man laufen, das war sein Glück. Denn sie fand heraus, wo die Gestapo die Verhafteten hinbrachte. Dann brach sie in das Seminargebäude ein, dass die Gestapo versiegelt hatte und holte notwendige Formulare, Studienbücher und Leistungsnachweise für eine Emigration, alarmierte seinen Bruder in Palästina für eine Einwanderungserlaubnis und seine Familie, die in aus der Haft rauskaufen konnte. 1939 emigrierten sie nach Palästina.

 

Dort absolvierte sie die Schwesternschule und wurde Krankenschwester. Ihr Mann wurde Staatsarchivar und war am Aufbau der Gedenkstätte Yad Vashem beteiligt. Das Ehepaar setzte sich sehr für die deutsch-jüdische Verständigung ein. Sie hatten zwei Kinder, Tochter Irith und Sohn Moni. Ihr Sohn fiel als israelischer Soldat im Krieg, ein schwerer Schicksalsschlag für die Familie.  Am 20.8.2006 starb Dr. Paul Alsberg. Betti Alsberg starb am 12.6.2012.

 

Quelle: Vereinigung der Israelis mitteleuropäischer Herkunft, Florian Kempf, März 2006; Westdeutsche Zeitung, Nachruf, 13. Juli 2012, Ernst-Andreas Ziegler


 

Gertrud Alsberg, geb. Feiss

 

Gertrud Alsberg wurde am 15.1.1895 in Mussbach geboren. Sie war mit Ernst Alsberg verheiratet. Die Krankenschwester stammte aus Hamburg und war zuletzt wohnhaft in der Schäferkampsallee. Da sich in der Schäferkampsallee das Jüdische Krankenhaus befand, könnte sie auch in diesem Haus gearbeitet haben. Allerdings befand sich dort auch das ehemalige Altersheim der jüdischen Gemeinde, was in ein sogenanntes Judenhaus umgewandelt wurde. Am 15.7.1942 wurde sie in das Ghetto Theresienstadt verschleppt. Am 28.10.1944 wurde sie von dort nach Auschwitz deportiert und am selben Tag ermordet. In der Schäferkampsallee erinnert ein Stolperstein an Gertrud Alsberg.

 

Quelle: YAD VASHEM


 

Annie Altschul

 

Annie Altschul wurde am 18.2.1919 in Wien geboren. Ihr Vater verstarb früh durch einen Unfall. Nach seinem Tod lebte die Familie durch den Wegfall des Ernährers in wirtschaftlicher Not. Annie Altschul war eine begabte Schülerin und erhielt deshalb eine Freistelle auf einem Lyzeum. So konnte sie ihr Abitur ablegen und begann ein Mathematikstudium. Nach dem Anschluss Österreichs an Nazideutschland 1938 musste sie allerdings als Jüdin nach dem ersten Semester die Wiener Universität verlassen.

 

Ihr gelang mit der Mutter im März 1938 die Emigration nach England. Der einzige Besitz, den sie nach England mitnehmen konnten, war ein Ölbild, das eine österreichische Landschaft darstellte und das Annie bis zu ihrem Lebensende als größten Schatz hütete. In der englischen Emigration ähnelte ihr Werdegang zunächst vielen anderen jüdischen Flüchtlingen. Sie arbeitete anfangs als Kindermädchen und Haushaltshilfe und begann dann eine Krankenpflege- und Hebammenausbildung.

 

Annie Altschul begann als Probeschwester in Epsom und Ealing zu arbeiten, wo sie mit den Ausbildungsbedingungen allerdings sehr unzufrieden war. Später wechselte sie zum Armee-Geisteskrankenhaus und absolvierte eine Zusatzausbildung für die psychiatrische Pflege. Im Maudsley Hospital in London qualifizierte sie sich in der Kinder- und Jugendpsychiatrie durch eine Zusatzausbildung zur Stationsschwester und nach einer weiteren Zusatzausbildung wurde sie Pflegelehrerin. Später schloss sie ein Psychologiestudium am Birkbeck College an, weilte drei Monate während einer USA-Studienreise an der Boston University School of Nursing und unternahm weitere Studienreisen nach Kanada und Australien.

 

1957 wurde ihr erstes Buch "Psychiatrische Krankenpflege" veröffentlicht, 1962 folgte "Psychologie für Krankenschwestern". Beide Bücher wurden theoretische Grundlage für eine professionelle psychiatrische Pflege. Ihre Forschungsarbeit zu Beziehungen zwischen Pflegenden und Patienten fand große Beachtung und brachten ihr akademische Ehren und Würden ein. Ab 1976 war sie Professorin und Leiterin des pflegewissenschaftlichen Institus der Universität Edinburgh. Auch für die WHO war sie beratend tätig. Für ihre Verdienste um die Rechte und Interessen der psychiatrischen Patienten wurde sie 1983 in Großbritannien mit einer der höchsten Auszeichnungen geehrt, dem CBE (Commander of the British Empire).

 

Für die psychiatrische Pflege galt sie weltweit als Pionierin. Annie Altschul verstarb am 24.12.2001 in London.

 

Quellen: Royal College of Nursing: Artikel von Laurence Dopson über Annie Altschul (englisch) 


 

Frida (Frieda) Amram

 

Frieda Amram wurde am 6.10.1885 in (Bad) Zwesten geboren. Die Krankenschwester absolvierte ihre Ausbildung in Frankfurt/M. Anschließend übernahm sie Privatpflegen in Hamburg und Heilbronn. Wie viele ihrer Kolleginnen auch meldete sie sich im I. Weltkrieg freiwillig zum Lazarettdienst. Ab 1912 war sie Oberschwester im Frankfurter Kinderhaus der Weiblichen Fürsorge, ab 1913 bis zu ihrer Deportation Oberin.

 

Frieda Amram wurde am 25.7.1942 ab Frankfurt am Main in das KZ Ravensbrück verschleppt. Laut ihrem Neffen Jechiel Hirschberg (Tel Aviv), der die Shoa überlebte, hatte man Frida Amram beschuldigt, Essen für die Kinder gehamstert zu haben. Das führte zu ihrer Verhaftung und war wohl der Hintergrund für die Überstellung in das KZ Ravensbrück. Angesichts der katastrophalen Versorgungslage der jüdischen Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt könnte der Vorwurf insoweit zutreffend sein, dass sie mit allen Mitteln versuchte, Nahrung für ihre Schützlinge zu bekommen. Für ihre Familie galt sie ab der Verhaftung als verschollen.

 

Am 8.10.1942 wurde Frida Amram in das KZ Auschwitz deportiert und ermordet.

Heute erinnern Stolpersteine vor dem ehemaligen Kinderhaus an Frida Amram und ihre Mutter, Schwester und deren Schwager.

 

Quelle: Frankfurt.de


 

Franz Amreiter

 

Franz Amreiter arbeitete als Krankenpfleger in der Heil- und Pflegeanstalt Gugging. Zwei Krankenschwestern aus dieser Pflegeeinrichtung hatten sich hifesuchend an Kaplan Müller aus Wien gewandt und ihm berichtet, dass Dr. Gelny während seiner Visiten Patienten zur Ermordung auswählte und von den Krankenschwestern verlangte, die Mordaufträge durchzuführen. Der Kaplan ermunterte sie zum "Zivilen Ungehorsam".

 

Die Krankenschwestern blieben ab da den Visiten fern, sodass sie auch keine Mordaufträge entgegennehmen konnten. Bereitgestellte Medikamente zur Tötung von Patienten wurden einfach in den Ausguss gekippt. Sie drohten mit sofortiger Kündigung bei den Versuchen, sie zu Mordgehilfen zu machen. Angesichts des krassen Mangels an Pflegekräften machten diese Drohungen Eindruck. Franz Amreiter folgte dem Beispiel seiner Kolleginnen. Es war auch sein Verdienst, dass das Pflegepersonal dieser Abteilung Gelny die Stirn bieten konnte und sich nicht in das Verbrechen mit hineinziehen ließ.

 

Quellen: Gerhard Fürstler: Krankenpflege in der Zeit des Nationalsozialismus, Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband, 03.02.2005 


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