Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

"... die tolldreisten, machthungrigen Horden, sie konnten den Geist nicht morden!"


Johanna Wieder

 

Die Krankenschwester Johanna Wiedermann arbeitete in der Heil- und Pflegeanstalt Gugging und verweigerte eine Mittäterschaft an Euthanasieverbrechen. Siehe Franz Amreiter.

 

Quellen: Gerhard Fürstler: Krankenpflege in der Zeit des Nationalsozialismus, Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband, 03.02.2005


 

Rajzla Wielgolaski - Sztark

 

Rajzla Sztark, verheiratete Wielgolaski, wurde am 27.7.1913 in Przysincha in Polen geboren. Die Krankenschwester wurde im SS-Sammellager Mechelen als Staatenlose registriert und mit dem XI. Deportationszug unter der Nummer 1867 am 26.9.1942 nach Auschwitz verschleppt. Es muss davon ausgegangen werden, dass Rajzla Wielgolaski - Sztark ermordet wurde, da von ihr weitere Lebenszeichen fehlen.

 

Ich danke für die Recherche Frau Laurence Schram vom Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum (JDWM) in der ehemaligen Mechelner Dossinkaserne.


 

Una Wilson

 

Una Wilson wurde in Neuseeland geboren. Sie zog nach Australien und absolvierte dort die Ausbildung zur Krankenschwester. Una war Mitglied der Kommunistischen Partei Australiens. Im August 1936 beschloss das Australian Spanish Relief Committee eine medizinische Versorgungseinheit zu den Internationalen Brigaden zu schicken, um verwundete Republikaner zu versorgen. Dazu gehörte auch die Entsendung von vier australischen Kranken-schwestern. Una Wilson reiste mit Agnes Hodgson, Mary Lowson und May Macfarlane von Sydney nach Barcelona. Sie kamen dort am 1.12.1936 an.

 

Auf der Überfahrt erzählten sich die Frauen gegenseitig aus ihrem Leben. Una Wilson, Mary Lowson und May Macfarlane waren alle drei Mitglied der Kommunistischen Partei. Agnes Hodgson gehörte keiner Partei an und vertrat sehr liberale Ansichten. Ahnungslos erzählte sie auch von ihrem Italienaufenthalt.

 

Zu diesem Zeitpunkt war bereits Mussolini an der Macht, den allerdings Agnes radikal ablehnte. Dennoch erweckte das wohl den Argwohn von der strammen Genossin Mary Lowson. Bei ihrer Ankunft setzte sie die Verwalter der British Medical Aid davon in Kenntnis, dass Agnes Hodgson eine Faschistin sei und von der sie annahm, sie spioniere für die Nationalisten. Vielleicht versprach sie sich von dieser Denunziation ein Pöstchen im Kader. Agnes Hodgson wurde sofort vom Parti Socialification de Catalunya (PSUC) zum Verhör eingeladen. May Macfarlane und Una Wilson stellten Mary Lowson zur Rede über die Behandlung ihrer Kollegin und drohten mit ihrer sofortigen Abreise, sollte Agnes Hodgson etwas zustoßen. Agnes Hodgson konnte den Verdacht entkräften und wurde frei gelassen. Ein Jahr später, als Stalins Säuberungen unter den Brigadisten einen Krieg im Krieg entfachten, hätte eine solche Denunziation für Agnes sehr böse enden können.

 

Una, Mary Lowson und May Macfarlane fuhren nach Albacete zum Krankenhaus der Internationalen Brigaden. Lowson blieb aber nicht lange, fuhr in die Stadt zurück und machte lieber Propaganda statt Pflege, unternahm mehrere Reisen nach Frankreich, um Lebensmittel und Vorräte für Spanien zu kaufen und hielt Vorträge. Im September 1937 kehrte sie für eine Vortragsreise nach Australien zurück, um Geld für die spanische Republik zu sammeln. Das australische Hilfskomitee hatte von ihrem Feldzug gegen Agnes Hodgson gehört und bestand darauf, dass sie, wenn sie nach Spanien zurückkehrte, die Verwundeten versorgen müsse. Sie war damit einverstanden und arbeitete dann doch noch in Krankenhäusern, bis die Internationalen Brigaden Ende 1938 abgezogen wurden.

 

Una und May versorgten nach dem Generalausfall von Lowson in einem internationalen Team bis zu 600 Verwundete pro Tag und das bei ständigen Luftangriffen und Bombardements. Nach Albacete waren weitere Stationen Madrid, Aragon und das Basiskrankenhaus in Mataró. Oft waren sie die einzigen ausgebildeten Krankenschwestern. Sie arbeiteten häufig Tag und Nacht bis zur totalen Erschöpfung. Nach den Schlachten von Jarama, Brunete und Teruel wurden sie mit Schwerverletzten regelrecht überschwemmt. Die Arbeitsbedingungen hatten die Qualität eines Alptraums.

 

Eine der wenigen positiven Erlebnisse für Una waren die Feierlichkeiten zum 1. Mai 1937 in Barcelona. Als zum Abschluss an die Brigadisten in ihrer jeweiligen Landessprache Grußworte gerichtet wurden, war sie mächtig stolz, denn ohne sie wäre Neuseeland nicht vertreten gewesen.  

 

Una und May blieben im Land bis zum Abzug der Internationalen Brigaden Ende 1938 und kehrten im Februar 1939 nach Australien zurück.

 

Quelle: Spartacus Educational


 

Ruth Wilson Epstein

 

Ruth Wilson Epstein, auch Ruth Beverly Wilson, kam aus Brooklyn, USA. Sie wurde 1906 geboren. Die jüdische Krankenschwester gehörte zur Abraham Lincoln Brigade und arbeitet in Spanien für die Internationale Brigade. Dort lernte sie auch ihren späteren Mann Jacob Epstein während seiner Genesung kennen, der eine schwere Verwundung erlitten hatte. Das Ehepaar wurde später verdächtigt, sowjetische Spione zu sein.

Ruth Wilson Epstein starb 1996.

 

Quelle: Martin Sugarman, AJEX - Jewish Military Museum


 

Martha Cecile van Win

 

Die Krankenschwester Martha Cecile van Win wurde am 29.3.1894 in Rotterdam geboren. Ihre Eltern waren Levie Katan und Cecile Berta Hester Katan-Oppenheimer. Sie hatte eine neun Jahre jüngere Schwester, Emilie Josefine Katan, die ebenfalls Krankenschwester war.

 

Ihre Eltern wurden bereits am 5.2.1943 in Auschwitz ermordet. Sie wurde im Sommer deportiert und am 16.7.1943 in Sobibor ermordet. Wenige Wochen später wurde auch ihre jüngere Schwester in Auschwitz umgebracht.

 

Quelle: Joods Monument


 

Ottilie Winter

 

Die jüdische Krankenschwester Ottilie Winter wurde 1886 geboren. 1915 absolvierte sie ihre Ausbildung. Von Frankfurt/M wurde sie nach Theresienstadt deportiert und kam 1944 nach Auschwitz. Im KZ Auschwitz wurde sie vermutlich ermordet.


 

Ruth Winterfeld

 

Die jüdische Krankenschwester stammte aus Berlin. Während der Nazizeit arbeitete sie im Jüdischen Krankenhaus Berlin und entging so der drohenden Deportation. Nach Kriegsende verließ sie Deutschland und wanderte nach Amerika aus.


 

Annie van Witsen-Preger

 

Annie Preger wurde am 7.10.1920 in Rotterdam geboren. Ihre Eltern waren Luie und Sara Preger. Die Krankenpflegeschülerin arbeitete im "Centraal Israëlitisch Krankzinnigengesticht Het Apeldoornse Bos" in Apeldoorn. Am 19.9.1942 oder am 2.10.1942 heiratete sie Hans van Witsen. Ihr Ehemann, geboren am 28.2.1921 in Zandvoort, arbeitete ebenfalls in dieser Einrichtung. In welchem Beruf oder Tätigkeit er dort beschäftigt war, ist nicht bekannt. Das Ehepaar wurde von den Nazis nach Sobibor verschleppt und dort am 5.3.1943 ermordet.

 

Quelle: Joods Monument


 

Betty Wittelson, geb. Rosenfeld

 

Betty Rosenfeld wurde am 23.3.1907 in Stuttgart geboren und stammte aus einer gutbürgerliche Familie. Ihre Eltern waren der Kaufmann Benjamin und Theresia Rosenfeld. Sie hatte zwei Schwestern, Charlotte und Ilse. Im jüdischen Elternhaus wurden die religiösen Traditionen wie beispielsweise die Einhaltung der jüdischen Speisegesetze gepflegt, aber man war liberal und tolerant. Die Schwestern symphatisierten als Jugendliche mit dem Sozialismus und Kommunismus und verbrachten ihre Freizeit meist bei den Stuttgarter Naturfreunden.

 

Betty schloss die Realschule ab und absolvierte anschließend am Katharinenhospital eine Ausbildung zur Krankenschwester. Nachdem die Nazis an der Macht waren, sahen die Schwestern keine Zukunft mehr für sich in Deutschland und wanderten 1935 nach Palästina aus. Doch Bettys Schwestern kehrten 1936 nach Stuttgart zurück, um ihre Mutter nach dem Tod des Vaters 1937 zu unterstützen. Betty blieb alleine in Palästina.

 

Nachdem Francos Faschisten mit Unterstützung der deutschen und italienischen Faschisten gegen die rechtmäßig gewählte spanische Republik putschte, beschloss Betty, als Krankenschwester den Republikanern zu helfen und schloss sich den Internationalen Brigaden an. Im März 1937 reiste sie von Haifa über Frankreich nach Spanien. Betty arbeitete im Krankenhaus Murcia, später in der Militärklinik in Mataró bei Barcelona.

 

In Mataró lernte sie den jüdischen Brigadisten Sally Wittelson, geboren am 17.12.1907 in Leipzig, kennen. Obwohl Eheschließungen bei den Internationalen Brigaden nicht gerne gesehen wurden, man befand sich im Krieg, heirateten sie im März 1938. Im folgenden Herbst folgte die Auflösung der  Internationalen Brigaden. Betty und ihr Mann flüchteten über die Pyrenäen nach Frankreich. In Sévérac-le-Château, einer kleinen Gemeinde im Département Aveyron in der Region Okzitanien, kam das Ehepaar zunächst unter. Die Lebensbedingungen dort waren hart, sollten aber bald noch härter werden, denn im Juni 1939 wurden sie von der französischen Polizei zunächst in das Lager Gurs verschleppt. Dort wurde das Ehepaar getrennt. Sie wurde im Frauenlager Rieucros, ab Februar 1942 im Frauenlager Brens interniert, er im Lager Vernet.

 

Am 7.8.1942 wurde plötzlich Betty von der Polizei aus dem Lager geholt und nach Gurs zurückgebracht. Das Vichy-Regime, dass mit Deutschland kollaborierte, lieferte die aus Deutschland stammenden jüdischen Lagerinsassen an die Nazis aus. Am 8.8.1942 wurden die deutschen Juden im Lager Gurs auf Lastwagen verladen und in das Lager Drancy geschafft. Dort traf Betty ihren Mann wieder. Am 7.9.1942 wurde das Ehepaar mit 998 Leidensgenossen Richtung Polen deportiert. Der Zug stoppte bei Kosel und 200 Menschen wurden in das KZ Blechhammer, ein Außenlager vom KZ Auschwitz, abgeführt. Am 9.9.1942 kamen Betty und Sally Wittelson im KZ Auschwitz-Birkenau an und wurden ermordet. Da kein Sterbedatum existiert, muss davon ausgegangen werden, dass der Ankunftstag auch ihr Todestag war.

 

Auch Bettys Mutter, ihre Schwester Charlotte und ihre Tante überlebten nicht die Shoa trotz der Hilfe ihres Nachbarn Sepp Dieringer und seiner Frau, die für ihre Hilfe einen hohen Preis zahlen mussten. Schwester Ilse hatte es geschafft, 1938 aus Deutschland in die USA zu fliehen. Sie hatte noch versucht, ihre Schwestern aus Deutschland herauszuholen und ihre Tickets bereits bezahlt gehabt.

 

Quelle: Stuttgarter Zeitung.de, Michael Uhl, 21.3.2017; YAD VASHEM


 

Paulina Wittwer

 

Paulina (auch Paula oder Pauline genannt) Wittwer wurde am 6.3.1898 geboren. Die Krankenschwester half in Feldkirch im Vorarlberg italienischen und französischen Kriegsgefangenen. Zunächst versuchte sie legal die Kriegsgefangenen zu unterstützen. Sie schilderte die Not der Gefangenen der Kreisleitung des "Deutschen Roten Kreuzes" in Dornbirn und in Salzburg und bat um Hilfe. Ihr Antrag wurde abgelehnt.

 

Daraufhin organisierte sie bei der Bevölkerung Hilfsleistungen und sammelte Lebensmittel und Kleidung, die sie dann heimlich den Kriegsgefangenen zusteckte. Paulina wurde von zwei Kolleginnen aus dem Spital denunziert und am 10.1.1941 durch die Gestapo verhaftet. Nach zehntägiger Untersuchungshaft und Unterbringung in verschiedenen Gefängnissen wurde ihr vor dem Landgericht Feldkirch der Prozess gemacht. Im Prozess rechtfertigte sie ihr Tun:

 

„Ich sehe nur den kranken Menschen, dem ich helfen muss. Für mich ist es gleich, ob es ein Deutscher oder ein Ausländer ist.“

 

Für diese Aussage verurteilte sie das Landgericht am 4.3.1941 zu acht Wochen Haft. Nach der verbüßten Haft überstellte die Gestapo Paulina am 12.4.1941 in das KZ Ravensbrück. Nach einem Jahr wurde sie überraschend am 20.4.1942 aus dem Konzentrationslager entlassen. Vermutlich hatte sie ihre Entlassung einer Amnestie zu Adolf Hitlers Geburtstag zu verdanken.

 

Die Zeit im Konzentrationslager hatten Paulina Wittwer stark geprägt. Ihr Gesundheitszustand war derartig angegriffen, dass sie nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten konnte. Als Näherin versuchte sie stundenweise ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, denn eine Vollbeschäftigung war aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich.

 

Um zumindest eine Haftentschädigung zu erhalten, wandte sie sich an eine ehemalige Mitgefangene. Rosa Jochmann war fünf Jahre im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert und setzte sich schriftlich im Januar 1947 für Paulina Wittwer bei der Opferfürsorgestelle ein:

 

"Ich bestätige durch meine Unterschrift, dass Frau Paulina Wittwer mit mir zusammen im KZ war und dass sie sich dort als wunderbarer Kamerad gezeigt hat. Ich bitte daher, dieser guten und tapferen Frau in jeder Art und Weise zu helfen. Rosl Jochmann, Nationalrätin, Wien 6, Stumpergasse 60/3/10."

 

So erhielt die Krankenschwester zumindest eine einmalige Haftentschädigung und ab 1950 eine Mindestrente, die jedoch kaum als "Wiedergutmachung" gelten konnte und nichts daran änderte, dass sie ihr Leben nach Kriegsende in ärmlichen Verhältnissen verbrachte. Über ihr Wirken im Nationalsozialismus urteilte sie selber in einem Brief an Behörden betreffs der Haftentschädigung:

 

"Aber ein Bereuen meiner Handlung, die ja nur die Folge menschlicher Grundsätze war, kam nicht eine Sekunde in meine Gedanken. Schon gar nicht im KZ, wo ich entsetzt miterlebte, zu welch grauenhaftem Sadismus sich die Loslösung von christlichen oder auch nur einfach guten menschlichen Grundsätzen entwickeln kann."

 

Paulina Wittwer verstarb 1971 in Rankweil.

 

Quellen: „Nationalsozialismus in Vorarlberg: Opfer. Täter. Gegner“, Meinrad Pichler; ÖsterreicherInnen im KZ Ravensbrück


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