Die Mordfabriken

 

Grafeneck bei Münsingen auf der Schwäbischen Alb in Württemberg, Brandenburg an der Havel in der Nähe von Berlin, Hartheim bei Linz in Österreich, Sonnenstein in Pirna in Sachsen, Bernburg an der Saale in der Provinz Sachsen und Hadamar in Hessen erlangten einen zweifelhaften Ruf als Orte des Massenmordes. Nach Schätzungen durch beobachtete Transporte, verschwundenen Insassen von Behinderteneinrichtungen im Einzugsgebiet und Zeugenaussagen ehemaliger Beschäftigten schwanken die angenommenen Zahlen der dort ermordeten Menschen bis August 1941 zwischen 70.000  bis 140.000 Opfer.

Am Beispiel Hartheim wird der kriminelle Charakter Hitlers und seiner Helfershelfer besonders deutlich. Sie waren nichts anderes als Gewohnheitsverbrecher im großen Stil. Die "Idiotenanstalt Hartheim" war eine Pflegeeinrichtung des österreichischen Landeswohltätigkeitsvereins. Anläßlich des 50jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph schenkte 1898 die Familie Starhemberg das Schloss dem Oberösterreichischen Landeswohltätigkeitsverein für soziale Zwecke. Für die Betreuung der geistig und mehrfachbehinderten Menschen waren die Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul zuständig. Ein Verwalter des Gutsbetriebes organisierte den Wirtschaftshof. Die funktionierende Landwirtschaft erreichte unter Mitarbeit der etwa 200 Bewohner eine fast vollständige Selbstversorgung der Einrichtung mit Lebensmitteln. Nach den geltenden Maßstäben war die Behindertenbetreuung in Hartheim vorbildlich. Daher versuchten Angehörige auch, ihre behinderten Familienmitglieder dort einzukaufen, sodass ein Teil der Betreuten Selbstzahler waren.

Die Nazis lösten die Anstalt im Sommer 1938 kurzerhand auf und enteigneten am 17.2.1939 den Landeswohltätigkeitsverein, dessen Vermögen 265.768 Reichsmark betrug. Diese widerrechtliche Vorgehensweise entsprach einem gemeinen Diebstahl.

Die Pfleglinge des Landeswohltätigkeitsvereins von Hartheim verteilte man vorübergehend in andere Anstalten. Frauen und Mädchen brachten die Nazis im "Gau-Fürsorgeheim Baumgartenberg" unter, Männer und Jungen in der Linzer "Gau- Heil- und Pflegeanstalt Niedernhart". Die Barmherzigen Schwestern betreuten ihre Schützlinge in diesen Einrichtungen weiter. Der ärztliche Direktor Rudolf Lonauer von Niedernhart ließ vorher die Männerabteilung VIII zur Unterbringung der 70 bis 80 Hartheimer Pfleglinge "räumen", um für sie "Platz zu schaffen".

Das nun leere Renaissanceschloß bauten die Nazis aufwendig zu einer Vernichtungsanstalt um. Nachdem im April 1940 die Arbeiten abgeschlossen, die Tötungsanlage als Duschraum getarnt bereit und das Personal rekrutiert waren, mussten ankommende Pfleglinge im Nordost-Turmzimmer an den Ärzten Lonauer und Renno nackt vorbeimarschieren und eine Scheinuntersuchung über sich ergehen lassen. Im angrenzenden Erkerraum befand sich ein Fotoraum, in dem alle Opfer noch fotografiert wurden, bevor sie in die Gaskammer kamen. Ihren blanken Zynismus bewiesen die braunen Bestien damit, dass die Gaskammer ausgerechnet die 200 ehemaligen Pfleglinge des Landeswohltätigkeitsvereins "einweihen" durften. Nach Aussagen von Dorfbewohnern, die den ersten Transport beobachteten, freuten sich die früheren Insassen ungemein, in ihre ehemalige Anstalt zurückzukehren.

An Ort und Stelle wurden die Toten sofort eingeäschert. Damit wollten die Nazis Nachforschungen der Angehörigen vermeiden. Diese erhielten Totenscheine mit fingierten Todesursachen und Sterbeorten von eigens dafür eingerichteten Sonderstandesämtern direkt in den Vernichtungsanstalten. Dabei tauschten diese Ämter untereinander Akten und Hinterlassenschaften ihrer Opfer aus, um Nachforschungen durch Angehörige zu erschweren. So erreichten Todesbenachrichtungen über Patienten die Familien aus dem Standesamt in Sonnenstein, obwohl derjenige wirklich in Brandenburg getötet wurde. Im Nachhinein konnte man noch nicht einmal feststellen, wo die betroffene Person wirklich ums Leben kam. Der Urnenversand, den man auf Wunsch durchführte, wurde ebenfalls von dem Standesamt übernommen, die die Angehörigen schriftlich informierten. In den Urnen befand sich willkürlich herausgenommene Asche der "Tagesproduktion". Familien, die ihre Angehörigen bestatten ließen, setzten demnach Urnen mit den Resten einer "Gaskammerfüllung" bei, nur nicht die Asche ihres Angehörigen.

Trotzdem weckte die Häufung der Todesfälle Misstrauen. Pleiten bei den angegebenen Todesursachen sprachen sich herum. Wenn zum Beispiel ein Totenschein als Todesursache einen Blinddarmdurchbruch nannte und der Patient bereits 10 Jahre vorher den Blinddarm herausgenommen bekommen hatte. Oder es erfolgte die Todesnachricht über Patienten, die immer noch lebten und sich bester Gesundheit erfreuten. Angehörige erhielten öfters versehentlich zwei Urnen. Hitlers Bürokraten unterliefen massive Fehler, sodass die "Aktion T 4" nicht lange geheimgehalten werden konnte.

 

Grafeneck bei Münsingen auf der Schwäbischen Alb in Württemberg

 

 

 

 

 

 

 


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