Trauer: Übersicht

Traurigkeit Trauer
Trauer oder Trauma Komplizierte Trauer
Trauer als Prozess Trauer früher und heute


 

 

Traurigkeit

Traurigkeit ist eine Emotion, die Verluste begleitet. Das muss nicht zwangsläufig der Verlust eines nahen Verwandten bedeuten. Der Verlust des Haustieres, liebgewordener Dinge, des Arbeitsplatzes, der Gesundheit und Unversehrtheit, Ideale, Zukunftsträume usw usw lösen Traurigkeit aus. Jeder Mensch erlebt in seinem Leben von klein auf sehr oft Situationen, die ihn traurig stimmen.

Traurigkeit ist eine Basisemotion. Unter einer Basisemotion wird ein Grundgefühl verstanden, das Bestandteil jedes Menschen weltweit in allen Kulturen ist. Eine Basisemotion fördert überall ein gleiches universelles mimisches Ausdrucksverhalten (z. B. Lachen oder Weinen). Nach Paul Ekman (geb. 15.2.1934 in Washington, D.C., US-amerikanischer Anthropologe und Psychologe) gibt es sieben Basisemotionen: Freude, Wut, Ekel, Angst, Verachtung, Traurigkeit und Überraschung. Diese Basisemotionen erkennen alle Menschen, egal, wo sie erzogen und sozialisiert wurden. Eine Basisemotion ist also die Grundlage für weitere Gefühle. Basisemotionen sind angeboren.  

Andere Wissenschaftler rechnen auch noch Interesse-Neugier, Ärger, Scham und Schuld zu den Basisemotionen. Problem: diese Emotionen lassen sich zerteilen und reduzieren; beispielsweise könnte Ärger zusammengesetzt sein aus Wut, Verachtung, Trauer, Ekel und wäre somit im engeren Sinne keine Basisemotion. Aber darüber dürfen sich die Wissenschaftler streiten und ist hier nicht unser Problem.

Traurigkeit ist also das Gefühl des Verlustes. Welchen Nutzen könnte diese Basisemotion haben? Ekel schützt uns z. B. vor gefährlichen Stoffen, Angst schützt uns vor Gefahren. Traurigkeit? Menschen sind angewiesen auf Bindungen, gerade in der sehr langen schutzbedürftigen Kindheit. Daher sind entsprechende Bindungen wesentlich und der Verlust mit negativen Emotionen besetzt. Verlust kann existentiell gefährdent sein.

 

Trauer

Trauer beinhaltet nicht nur die Traurigkeit, sondern zeigt eine emotionale Vielfalt wie beispielsweise auch Enttäuschung, Wut, Liebe, Verzweiflung, Dankbarkeit, Schuldgefühle, Hilflosigkeit.

Trauer kann ohne weiteres sehr widersprüchliche Gefühle beinhalten, was den Betroffenen verunsichert, hilf- und orientierungslos macht. Trauer ist daher schwer zu ertragen. Die Trauer als Reaktionsmuster auf Verluste ist sehr kompliziert und vielschichtig. Trauer ist aber dennoch eine natürliche, nicht krankhafte Reaktion auf den Verlust einer nahestehenden Person. Negative Symptome wie beispielsweise sozialer Rückzug, Weinen, Intrusionen (Symptome, die eine Nähe zum Verlustereignis oder Trauma herstellen wie z. B. Flashbacks, Alpträume, innere Bilder) sind für einen gewissen Zeitraum "normal". Der seelische Schmerz äußert sich auch häufig als körperlicher Schmerz. Trauer ist individuell. Wie lange sie dauert, darüber ist man sich nicht im Klaren. Es existieren Studien, dass die Trauer meist sechs bis zwölf Monate dauert, andere Studien gehen von erheblich längeren Zeitspannen aus. Ausschlaggebend ist, dass sich der Trauernde nach einiger Zeit wieder seinem Alltag und sozialen Beziehungen zuwenden kann. Der Trauerprozess ist die Anpassung an einen Verlust. Das Gehirn benötigt Zeit, um den Verlust einordnen zu können. Somit ist Trauer eine Belastung.

Dr. Hartmut Jatzko (geb. 18.12.1938 in Görlitz) verdeutlicht diese Belastung durch Skizzen.

Illustration H. Jatzko

Das "Ich" und die direkte Umwelt beeinflussen sich gegenseitig und somit sind die Grenzen bis zu einem gewissen Maß durchlässig. Gleichzeitig bedeuten die Grenzen einen Schutz für das "Ich".

Illustration H. Jatzko

Der Tod eines nahen Verwandten verändert tiefgreifend das Umfeld des "Ich´s". Der Betroffene verliert seine äußere Sicherheit. Die Informationsverarbeitung im Gehirn funktioniert, denn die innere Sicherheit bleibt bestehen. Das Gehirn muss die Situation verarbeiten und neue Verknüfungen herstellen. Es setzt der Prozess ein, die äußere Sicherheit zurückzugewinnen, was häufig ein sehr schmerzhafter und langwieriger Prozess ist.

 

Trauer oder Trauma?

Bei der PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) verliert der Betroffene seine innere Sicherheit. Folge ist, dass die Informationsverarbeitung im Gehirn eingeschränkt ist. (Siehe PTBS)

Illustration H. Jatzko

 

Komplizierte Trauer

Als komplizierte Trauer wird die Komplikation der Trauer bezeichnet. Man schätzt, dass ca 4 % aller Trauernden eine komplizierte Trauer entwickeln. Die komplizierte Trauer ist nicht „normal“, sondern pathogen und gehört zu den seelischen Erkrankungen wie beispielsweise die PTBS oder Depression.

Der Trauerprozess ist extrem intensiv und langwierig. Ein ständiges Sehnen und Suchen nach dem Verstorbenen erzeugt fast täglich ein körperliches und emotionales Leiden. Der große Leidensdruck führt z. B. zu Identitätsverlust, Hoffnungslosigkeit, Sinnlosigkeit, Misstrauen gegenüber anderen Personen, Verbitterung, Wut, Einsamkeit, Unsicherheit gegenüber eigenen Gefühlen, Fremdheitsgefühlen, emotionale Taubheit, Erstarrung, Vermeidungstaktiken, röhrenförmiges Denken etc. Auf die psychischen Symptome folgen körperliche Reaktionen wie Herz-Kreislauf-Beschwerden, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Essstörungen, Schlafstörungen, Nervenschmerzen, Konzentrationsprobleme.

Es kann zu psychischen Folgeerkrankungen kommen wie Angststörungen oder Depressionen. Verwahrlosung droht, die Suchtgefahr und Selbstmordrate ist deutlich erhöht. Betroffene sind in allen wichtigen Lebensbereichen behindert.

 

Trauer als Prozess

Der Trauer-Prozess wird beeinflusst von der Erwartung der Wahrscheinlichkeit und der Schwere des Verlustes. Es gibt zahlreiche Modelle des Trauerprozesses. Favorisiert werden Phasenmodelle.

Beispiel

In diesem Phasenmodell treten bereits Anteile nächster oder vorheriger Phasen in den einzelnen Trauerphasen auf, sodass die einzelnen Phasen wie Zahnräder ineinandergreifen.

Prozess des Trauerns:

Phase 1: Kenntnisnahme

Phase 2: Vergewisserung

Phase 3: Realisierung

Phase 4: Verarbeitung

Phase 5: Anpassung

 

 

 

 

 

 

 

Trauer früher und heute

Unsere Vorfahren waren klüger als viele Menschen heute denken. Sie wussten oder ahnten zumindest, dass die Trauer ein komplizierter und langwieriger Prozess ist und gestanden den Trauernden einen langen Zeitraum zu, deutlich an dem Begriff des Trauerjahres. Heutzutage gestehen Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern beim Tod naher Verwandten zwei Tage der Trauer zu, wobei diese freien Tage häufig nicht zeitnah bewilligt werden. Früher zeigte man seine Trauer zum Beispiel durch schwarze Kleidung und pflegte zahlreiche Trauerrituale. Heute ist schwarz eine Modefarbe und einheitliche Trauerrituale bestehen in dem Sinne nicht mehr.

Früher gehörte der Tod zum Leben, denn die Leute starben meist zu Hause. Das Aufbahren des Verstorben in seinem Haus oder die Totenwache bekamen auch schon Kinder mit. Zwangsweise übte man sich von klein auf im Umgang mit dem Tod, damit auch mit der Trauer. Heute ist der Tod aus der Öffentlichkeit verschwunden, denn er findet meist in einer Einrichtung statt. So kann Tod und Sterben eher tabuisiert werden. Früher war der Tod ein unausweichliches, gottgewolltes Ereignis, heute ist er eine individuelle Tragödie. Und stirbt ein Prominenter, haben die Medien ihre Story und weiden diese genussvoll bis zur Hysterie aus.

Tod und Trauer werden nicht mehr als etwas Natürliches gesehen, sodass der Umgang damit heutzutage erheblich schwerer ist.


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