Sterbepflege: Übersicht

Wahrnehmung Sterbender Pflege eines sterbenden Menschen
Beispiele für eine Pflegeplanung Schwierige Menschen
Hinweis  

 

 

Wahrnehmung Sterbender

 Die Wahrnehmung kann eingeschränkt sein

 Wahrscheinlicher ist eine Übersteigerung der Wahrnehmung, gesteigerte Sinneswahrnehmung

 

Olfaktorische Wahrnehmung (riechen - Nase)

  • Keine Geruchsbelästigung (z.B. aufdringliches Parfüm, Nikotin, Knoblauch, etc)
  • Keine Dauerberieselung von Duftölen
  • Kurzer Einsatz von Duftölen, wenn es als angenehm empfunden wird, z. B.
    • 1., 2. Phase: Lavendel, Rose, Vanille.....
    • 3. Phase: Flieder, grüner Apfel........
    • 4., 5. Phase: Zitrone, Orange, Erdbeere........ 

 

Auditive Wahrnehmung (hören - Ohr)

  • Keine Dauerberieselung durch Musik
  • Einsatz von Musik, die als angenehm empfunden wird, in angebrachter Zeitspanne
  • Keine Geräuschsbelästigung  
  • Ruhige Lage des Sterbezimmers (Fenster zur vielbefahrenen Straße mit Baustelle ist zu vermeiden)
  • Geräuschdämpfung in der Pflegeeinrichtung (gilt auch für Pflegepersonal vor dem Zimmer auf dem Flur)

 

Visuelle Wahrnehmung (sehen - Auge)

  • Keine schrillen oder grellen Farben
  • Große, klar erkennbare Muster oder Bilder
  • Keine dunklen Farben
  • Klare Linien
  • Licht dämpfen
  • Kein grelles oder kaltes Licht, Neonlicht

 

Gustatorische Wahrnehmung (schmecken - Mund)

  • Lieblingsgetränke und -essen
  • Angemessen würzen
  • Kleine Portionen
  • Speisen appetitlich zubereiten

 

Taktile Wahrnehmung (tasten - Haut)

  • Keine raue oder extrem gestärkte Bettwäsche
  • Kleidung bequem aus angenehmen Stoff
  • Erhöhtes Schmerzempfinden beachten

 

Pflege eines sterbenden Menschen

Sterben ist die Zeit des Überganges vom Leben in den Tod. Es ist oft schwierig zu erkennen, wann das Sterben einsetzt: Es wird unterschieden zwischen der Terminalphase ( letzte Lebensphase eines Menschen mit einer unheilbaren und zum Tode führenden Erkrankung) und Finalphase (eigentliche Sterbephase). Sterben hat eine psychische, eine biologische, soziale und eine religiöse Dimension. 

 

Die Pflege ist immer weniger aktivierend, sondern immer mehr ausgleichend und "übernehmend" (kompensierend). 

 

  • Pflegemaßnahmen dürfen nicht stärker belasten als die Beschwerden selbst, keine unnötigen Pflegemaßnahmen.
  • Im Vordergrund ist das Recht auf einen friedlichen, schmerzfreien, würdevollen Tod.
  • Prinzipien des pflegerischen Handelns sind die Wahrung der menschlichen Würde und das Schaffen höchstmöglicher Lebensqualität.
    • Prüfen der Bedürfnisse des Sterbenden (eventuell möchte er lieber alleine sein)

    • sorgfältige und regelmäßige Durchführung der notwendigen Prophylaxen, um zusätzliche Beeinträchtigungen zu vermeiden

    • Vermeidung unnötiger Anstrengungen für den sterbenden Menschen (z.B. auf Ganzwaschung oder Bettbeziehen verzichten)

    • atmungserleichternde und bequeme Lagerung

    • behutsame, bedürfnisgerechte Körperpflege

    • vollständig kompensatorisches System, Bezugspflege

    • jederzeit Besuchsmöglichkeiten, Übernachtungsmöglichkeiten für Angehörige, Bekannte, Freunde

    • Mitbewohnern die Möglichkeit zum Abschied zu geben

    • Angehörige sollten in die Pflege soweit einbezogen werden, wie sie es selbst wollen, können und es ethisch vertretbar ist

    • "Loslassen"

 

Beispiele für eine Pflegeplanung

PROBLEM DES BEWOHNERS

PFLEGEZIEL

PFLEGEMAßNAHMEN

Der Bewohner hat Angst vor dem Sterben und dem Tod

Der Bewohner kann seine Ängste und Bedürfnisse mitteilen. Er fühlt sich in seiner Umgebung geborgen

nach Möglichkeit eine Bezugsperson

Gesprächsbereitschaft signalisieren

Nonverbaler Kommunikation großen Stellenwert einräumen

Auf Signale und Äußerungen achten 

Gesprächen über Sterben und Tod nicht ausweichen: Keine ausweichende Antworten, Halbwahrheiten oder Oberflächlichkeiten - stören das Vertrauensverhältnis.

Für angenehme (ruhige) Atmosphäre sorgen

Bewohner hat Angst, allein zu sein, fühlt sich isoliert

Bewohner ist nicht allein, kann Abschied nehmen

jederzeit Besuchszeiten

Angehörige übernachten lassen

Bei Besuchen nicht unnötig stören

Angehörigen auf Wunsch Pflegeaufgaben übertragen

Bewohner nicht alleine lassen, falls keine Angehörigen

Bewohner möchte wichtige Dinge erledigen (z.B. Testament, Aussprachen)

Der Bewohner kann Unerledigtes regeln

Angehörige informieren

evtl. Termin beim Notar

ungestörte Atmosphäre schaffen

Erstellung eines Nottestaments

Bewohner hat religiöse oder spirituelle Bedürfnisse

Bewohner erhält den seelsorgerischen Beistand, den er sich wünscht

Bewohner oder Angehörige seelsorgerischen Beistand anbieten

Rituale des entsprechenden Glaubens ermöglichen (z.B. Krankensalbung)

bei Bedarf dem Bewohner vorlesen (z.B. Bibel) oder mit ihm beten

mit dem Bewohner Gespräche über religiöse oder spirituelle Fragen führen

Pflegerische Maßnahmen belasten den Bewohner

Der Bewohner muss keine vermeidbare Belastung oder Behandlung ertragen

Überflüssiges oder Routinearbeiten weglassen

Schmerzprotokoll für eine optimale Schmerztherapie

Bewohner hat Schmerzen (körperlicher Dauerschmerz)

Bewohner soll möglichst keine Schmerzen ertragen

zeitgenaue Gabe der Medikamente

auf Schmerzäußerungen achten (Schmerzprotokoll)

Berücksichtigen von Wünschen und Bedürfnissen.

schmerzfreie Lagerung

Bewohner leidet unter Appetitlosigkeit und vermindertem Durstgefühl

Bestmöglicher Ernährungszustand
Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist

Lieblingsspeisen

Bilanzierung

Mundpflege

Bewohner hat Obstipation durch Bewegungsmangel und Opiattherapie

OIbstipationsprophylaxe

Ausfuhrbogen

auf Darmgeräusche achten

alternative Maßnahmen, z.B. ein lauwarmes Glas Wasser morgens, ballaststoffreiche Ernährung

Bewohner leidet an Übelkeit und Erbrechen

Belastungen werden gemindert

Beobachtung des Auftretens, von Regelmäßigkeiten und Zusammenhängen (eventuelle psychische oder medikamentöse Auslöser)

ausgetrocknete Mundschleimhaut

Augen verklebt

Hautzustände sind gut befeuchtet und läsionsfrei

gute Beobachtung der Mundschleimhäute

Mundpflege wird regelmäßig durchgeführt

möglichst häufig kleine Trinkmengen anbieten

Bei fehlendem Lidschlag 2 x tgl. Augensalbe oder mehrfach Augentropfen

Schluckbeschwerden 

Schluckreflex fördern

häufig kleine Trinkmengen anbieten

Bewohner ist unruhig, oder verwirrt. Es besteht die Gefahr von Fremd- und Selbstgefährdung

Gefährdungen minimieren

*Bewußtseinslage beobachten

  • Gefahrenquellen ausschalten
  • Vermehrte Kontrollgänge.

Bewohner leidet unter Schlafstörungen (psychisch, Schmerzen)

Schlafstörungen weitestgehend ausschalten

Beobachtung des Tages-Nacht-Rythmus

Schlafstörungen spezifizieren (Einschlaf-, Durchschlafstörungen usw)

Ängste besprechen

Schmerzäußerungen beachten

Rituale durchführen (Gebete, Licht, „Betthupferl“)

Bewohner hat Atemnot

Atmung erleichtern

Oberkörperhochlagerung

Fenster öffnen

durch Nähe beruhigen

Rücken einreiben, abklopfen

Atemtypus dokumentieren

 

(Quelle Pflegewiki http://www.pflegewiki.de/wiki/Pflege_eines_sterbenden_Menschen)

 

"Schwierige" Menschen

Es gibt Mitmenschen, die man als schwierig bezeichnen könnte. So ein Mitmensch liegt im Sterben. 

 

Es gilt:

Jeder Mensch hat ein Recht auf einen würdevollen Tod.

 

Zur Erinnerung:

Aufgaben der professionellen Pflege

> Erhalten und Fördern der Gesundheit

> Wiedererlangen von Gesundheit

> Verhüten von Krankheiten

> Hinleiten zu gesundheitsförderlichem Verhalten

> Neuorientierung bei bleibender Krankheit oder Behinderung

> Selbstständigkeitssteigerung 

> Befähigen zu angemessener Selbst- und Laienpflege

Würdevolles Sterben

 

Pflegekräfte sind weder Richter noch Gott und sollten ein Urteil über das Leben eines anderen Menschen denen überlassen, denen es zusteht.

 

Nach dem Eintritt des Todes sollte man noch eine geraume Zeit beim Verstorbenen bleiben.

Jegliche Gespräche über den Sterbenden oder über den Verstorbenen mit Dritten in seiner Gegenwart sind zu unterbleiben.

Angehörigen muss ermöglicht werden, sich alleine von dem Verstorbenen zu verabschieden.

 

 

Hinweis

Eigentlich sollte dieser Hinweis überflüssig sein. Die Realität belehrt eines Besseren. Man betritt das Zimmer eines Sterbenden und sieht sofort, hier wird emsig gearbeitet. Das Mundpflegetablett steht auf dem Nachttisch, ist sofort verfügbar. Auf dem Stuhl liegt frische Bettwäsche und Kleidung parat. Auf dem Tisch sind die Assesmentbögen plus Kugelschreiber, auch Inkontinenzmaterial ist ausreichend vorhanden, usw usw.

Hat man es echt nötig, auf so eine Art zu beweisen, dass man arbeitet?

Spricht man Kollegen darauf an, kommt oft das Argument: "Ich kann doch nicht jedesmal .................!" Doch! Man kann!

Es stirbt ein Mensch, aber im Mittelpunkt steht nicht der Sterbende, sondern seine Versorgung - von Pflege spreche ich bewusst nicht in diesem Zusammenhang.

Seine letzten Eindrücke aus diesem Leben ist eine "Rumpelbude", eine lieblose Umgebung: zweckmäßig, funktionsgemäß, tätigkeitsbedingt. Nicht er ist wichtig, sondern seine "Bearbeitung".

Angehörige, Freunde, die sich von ihm verabschieden wollen, fühlen sich in einem solchen Umfeld hilflos, überflüssig, störend.

Bitte: Räumt gefälligst die Pflegeutensilien weg. Es gibt Funktionswagen. Dann wäre vielleicht auch auf dem Nachttisch Platz für einen Blumenstrauß.


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