Sinnesbehinderung / Sinnesstörung: Übersicht

Gehörlosigkeit / Schwerhörigkeit Sehbehinderung
Störung des Geruchssinnes Dysgeusie (Geschmacksstörungen)
Störung der taktilen Wahrnehmung  

 

 

Gehörlosigkeit / Schwerhörigkeit

 

Die Schwerhörigkeit wird unterschieden nach dem Entstehungsort. Es gibt danach eine Schallleitungsschwerhörigkeit, Schallempfindungsschwerhörigkeit und eine kombinierte Schwerhörigkeit. Die kombinierte Schwerhörigkeit besteht aus den beiden Schwerhörigkeitsarten und ist am häufigsten.

Bei der Gehörlosigkeit wird unterschieden zwischen "Absoluter Taubheit" und "Praktischer Taubheit". Eine absolute Taubheit ist sehr selten. Bei der praktischen Gehörlosigkeit oder eine an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit existiert ein Resthörvermögen, was die Wahrnehmung einzelner Töne oder Geräusche gestattet. In der Schwerhörigen- Gehörlosenpädagogik  spricht man dann von einer Gehörlosigkeit, wenn der Erwerb der Lautsprache nicht ohne Hilfsmittel möglich ist.

 

Schallleitungsschwerhörigkeit

  • Früher auch als Altersschwerhörigkeit bezeichnet, was jedoch fachlich falsch ist, denn auch junge Menschen können davon betroffen sein
  • Betroffen sind Außen- oder Mittelohr
  • Der Schall wird mangelhaft weitergeleitet (Effekt wie bei "Ohropax")
 
Schallempfindungsschwerhörigkeit
  • Innenohrschwerhörigkeit
  • Ursache:
    • Geschädigte oder fehlende Sinneszellen (Haarzellen) in der Hörschnecke (Cochlea)
    • geschädigter Hörnerv
    • Störungen im Gehirn
  • Schall wird verzerrt weitergeleitet
Kombinierte Schwerhörigkeit
  • Schallleitungsschwerhörigkeit und Schallempfindungsschwerhörigkeit
 
Ein Hörgerät ist keine Brille!
 
Einen Sehfehler kann man bei vielen Sehschwächen mit einer Brille ausgleichen. Man setzt sie auf und sieht wieder "normal". Das ist bei einem Hörgerät nicht möglich. Ein Hörgerät muss regelmäßig getragen, das Hören damit trainiert werden. Erst dann kann der Betroffene lernen, mit dem veränderten Hören umzugehen. Viele alte Menschen setzen das Hörgerät ein und stellen fest, dass ihnen das Hörgerät außer Nachteile (Krach, ungefilterte Nebengeräusche etc) nichts bringt. Enttäuscht entfernen sie das Hörgerät, fühlen sich unverstanden und verweigern das Tragen. Akustiker und Pflegepersonal sind hier gefordert, durch Beratung und Schulung diesen Menschen beim Umgang mit dem Hörgerät zu helfen.
 
Versorgung mit zwei Hörgeräten!
 
Wenn nur ein Ohr von Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit betroffen ist, geht das Richtungshören verloren. Das heißt, der Betroffene kann nicht mehr orten, woher ein Geräusch kommt. Darum müssen in der Regel immer beide Ohren mit Hörgeräten versorgt werden, um eine zusätzliche Verunsicherung der Betroffenen und Gefahrenquellen zu vermeiden.   
 
Achtung! Sturzgefahr!
 
Da das Innenohr auch für das Gleichgewicht zuständig ist, kann bei einer Hörschädigung auch das Gleichgewicht beeinträchtigt sein.
 
Hörentwöhnung!
 
Schwerhörige ohne Hörgerät leiden mit der Zeit an einer Hörentwöhnung. Es kommt schleichend zu einer Rückbildung des Hörnerven. Dadurch wird die Weiterleitung ans Gehirn immer schlechter und das Gehirn verlernt, Geräusche und Wörter richtig einzuordnen. Darum muss das Gehirn nach einer Hörgerätversorgung erst wieder lernen, Höreindrücke entsprechend zu verarbeiten.
 
 
Hörbehinderung in der Altenpflege
 
Bei alten Menschen tritt die Verschlechterung des Hörens in der Regel nicht plötzlich, sondern meist schleichend auf. Zum Beispiel reagieren sie immer weniger auf Klingel oder Vogelgezwitscher. Ihr Sprachverständnis leidet bei hohem Geräuschpegel wie beispielsweise bei Feiern. Immer häufiger klagen sie über Ohrengeräusche vor allem in ruhiger Umgebung. Ihr Augenausdruck wird misstrauisch, das Kommunikationsverhalten ändert sich, sie reagieren oft gereizt oder sogar aggressiv. Schließlich ziehen sie sich mehr und mehr zurück und vermeiden Sozialkontakte. Sie sind zutiefst verunsichert und zweifeln an ihrer Selbstwahrnehmung.

Mögliche Ursachen

  • Neurologische Erkrankungen
  • Durchblutungsstörungen
  • Störungen des Stützgewebes im Innenohr
  • Psychische Störungen 
  • Nebenwirkung von Medikamenten
  • Lärmeinwirkung
  • Infektionen

 

Pflegerische Intervention
  • Ursachen abklären lassen
  • Akute Probleme und Ressourcen feststellen
  • Einsatz von Hilfsmitteln prüfen
  • Kommunikationsform anpassen
  • Beobachtung (Auswirkungen der Hörbehinderung auf tägliche Aktivitäten, Reaktion auf Geräusche, Sozialverhalten)
 
Pflegeziel
  • Betreuter ist gut informiert und beraten zu seiner Hörbehinderung
  • Betreuter nutzt Hilfsmittel, Bewältigungsangebote
  • Betreuter nimmt am täglichen Leben der Einrichtung aktiv teil
  • Betreuter kommuniziert, pflegt soziale Kontakte
  • Betreuter kann subjektiv gesehen mit seiner Hörbehinderung umgehen
 
Pflegemaßnahmen
  • Gute Beleuchtung
  • Sturzprophylaxe
  • Unterstützung beim Anbringen und Warten des Hörgerätes
  • Geduld
  • Blickkontakt
  • Klare und einheitliche Reize und Gesten
  • Langsam und deutlich sprechen
  • Unverzerrtes Mundbild
  • "Normale" Gesprächslautstärke
  • Nebengeräusche vermeiden, minimieren
  • Deutliche Mimik
  • Unterstützende Gestik (Kein Herumfuchteln)
  • Kurze, klare Sätze mit angepasstem Wortschatz
  • Nicht von hinten ansprechen
  • Nie von hinten unvermittelt nähern (Im Blickfeld sein)

 

und niemals anschreien!
 
Das ist eine Todsünde im Umgang mit Schwerhörigen oder Gehörlosen, da zumeist bei ihnen die Schmerzgrenzen deutlich gesenkt  sind.

 

 

Für Betroffene allerdings weniger komisch

 

Signalhunde

 

Lernzielkontrolle

 

 

Sehbehinderung

Als sehbehindert gilt, wer eine dauerhafte massive Einschränkung der visuellen Wahrnehmungsfähigkeit hat. Die Einteilung der Sehbehinderung orientiert sich an der Sehschärfe des besseren Auges. Die ausgeprägteste Form ist die Blindheit (Amaurose). Die Blindheit ist die Unfähigkeit der Lichtwahrnehmung eines oder beider Augen. Als blind gilt, wer auf beiden Augen vollständig erblindet ist oder dessen besser sehendes Auge nicht mehr als zwei Prozent der normalen Sehschärfe besitzt (womit nur eine Hell-/Dunkelwahrnehmung möglich ist) oder dessen Gesichtsfeld weniger als fünf Grad besitzt (Röhrengesichtsfeld). Sehbehinderungen sind in den Auswirkungen für die Betroffenen sehr individuell.
 
Es gilt das Gleiche wie bei allen Behinderungen: Es muss unterschieden werden zwischen einer Frühbehinderung (Angeborene Behinderung) und einer Spätbehinderung (Erworbene Behinderung). Früherblindete leiden nicht unter „Verlust“, besitzen aber keine visuelle Vorstellung.

Jede Sehbehinderung ist sehr individuell und hat die unterschiedlichsten Auswirkungen. .

Als körperlich wesentliche Behinderung gilt: Mit Brille beträgt die Sehschärfe auf dem besseren Auge in der Ferne und Nähe nicht mehr als 30%, oder es liegt eine Störung des Sehvermögens von entsprechendem Schweregrad vor (Gesichtsfeldschäden).
 
Als hochgradig sehbehindert gilt: Mit Brille beträgt die Sehschärfe auf dem besseren Auge in der Ferne und Nähe nicht mehr als 5% oder es liegen bei höheren Sehschärfen des besseren Auges weitere Störungen des Sehvermögens vor (Gesichtsfeldeinschränkungen).
 
Als Blindheit im Sinne des Gesetzes gilt: Mit Brille beträgt die Sehschärfe auf dem besseren Auge in der Ferne und der Nähe nicht mehr als 2% oder das Sehvermögen ist durch Gesichtsfeldeinschränkungen derart gestört, dass die dadurch entstandene Beeinträchtigung einer Sehschärfenminderung auf 2% gleichkommt.
 
Die Sehschärfe (Visus) bezeichnet das Auflösungsvermögen des Auges. Bei der sogenannten Normsehschärfe von 100 Prozent können zwei kleine Punkte mit einem Abstand von 1,5 Millimetern aus einer Entfernung von 5 Metern noch als einzelne Punkte wahrgenommen werden.
 
 
Wie kommt es zu Sehbehinderungen?
 
Angeborene Blindheit: meist vorgeburtliche Fehlbildungen oder erbliche Netzhauterkrankungen (Kinder sind von Geburt an blind oder erblinden allmählich). Die häufigste erblich bedingte Ursache ist die Amaurosis congenita. Diese Erbkrankheit führt zu einem beidseitigen Schwund des Sehnerves.
 
Häufige Ursache für erworbene Sehbehinderungen sind degenerative Erkrankungen der Netzhaut des Auges:
 
Retinitis pigmentosa: Bezeichnung für eine Gruppe von Erbkrankheiten, bei denen die Netzhaut (Retina) zerstört wird. Diese Krankheit ist nicht heilbar. Folgen: gestörtes Dämmerungssehen, Nachtblindheit, Einengung oder Ausfälle des Gesichtsfeldes, Störungen des Farb- und Kontrastsehens, Blendempfindlichkeit. Der Prozess verläuft meist schleichend über Jahre.

Makuladegeneration beschreibt eine Gruppe von Erkrankungen, die den Punkt des schärfsten Sehens betreffen, der auch „Gelber Fleck“ genannt wird. Die Netzhaut zerstört sich. Sehhilfen wie Lupenbrillen oder Fernrohr-Brillen, regelmäßige augenärztliche Kontrollen und Schutz vor UV-Strahlung sind wichtig. Als Ursachen werden Stoffwechselstörungen in bestimmten Netzhautschichten angenommen sowie im Alter Ablagerungen in der Gewebsmembran unterhalb der Netzhaut. Diabetes mellitus ist ein besonderer Risikofaktor für Erblindung.

Der grüne Star (Glaukom) bedeutet eine Schädigung des Sehnerves. Einschränkung des Gesichtsfeldes bis zur völligen Blindheit. Therapierbar, aber nicht zu heilen.

Der graue Star (Katarakt) trübt die Linse. Altersbedingte Trübung der Augenlinse. Gut durch Operationen oder Laserbehandlung therapierbar.

Hornhauttrübungen beispielsweise durch Augenverletzungen, Geschwüre oder Infektionen können ebenfalls zur Sehbehinderung führen. 

Eine plötzliche meist einseitige Blindheit kann durch einen Gefäßverschluss entstehen. Durch Blutungen unter der Netzhaut oder Glaskörper oder eine Netzhautablösung kann sich das Sehvermögen eines Auges plötzlich verschlechtern.

Eine plötzlich beidseitige Erblindung entsteht selten und ist Hinweis auf einen Prozess im Hirnbereich wie Blutung, Ödem, Gefäßverschluss oder schwere Verletzung.

In Entwicklungsländern führen oft Infektionen zur Blindheit. Das Usher-Syndrom beginnt mit einer angeborenen Hörschädigung (Schwerhörigkeit oder Taubheit). Später kommt es zu einer Sehbehinderung durch Netzhaut-Degeneration.

 

 
Unterstützung der Menschen mit Sehbehinderung
 
  • Bei Begegnungen stets den Namen nennen.
  • Tätigkeiten beschreiben, wenn man geht, es ankündigen.
  • Auf Wunsch Gesicht abtasten lassen. 
  • Immer daran denken, dass die nonverbale Kommunikation ausgeblendet ist.
  • Erklärungen konkret und sachlich.
  • Hinweise wie "hier", "da" oder "dort" sind sinnlos.
  • Ausreichend Zeit lassen beim Fühlen und Ertasten der Umgebung zur Orientierung. 
  • Räume, Möbel oder alltägliche Gebrauchsgegenstände sollten kontrastreich sein. 
  • Gleichmäßige und blendfreie Beleuchtung. 
  • Zusätzliche Lampen, Ausleuchtung. Besser Kaltlichtleuten mit hoher Leuchtstärke als Halogenlampen.
  • Für Sehbehinderte handschriftliche Notizen auf weißem Papier mit einem dicken schwarzen Stift in Druckbuchstaben.
  • Persönliche Ordnungssystem des Sehbehinderten beachten. 
  • Ohne Absprache mit dem Betroffenen keine Veränderungen in der direkten Umgebung.
  • Stolperfallen, Hindernisse beseitigen.
  • Statt Piktogramme fühlbare Symbole anbringen.
  • Niemals halboffene Türen hinterlassen.
  • Bei der Beschaffung und Pflege geeigneter Hilfsmittel unterstützen
  • Wahrung des Postgeheimnisses. Post ungeöffnet übergeben, lediglich den Absender nennen. Der Betroffene entscheidet selber, wer den Brief vorlesen soll. Langsam und deutlich lesen ohne Kommentare. Inhalt des vorgelesenen Briefes fällt unter die Schweigepflicht.
  • Alle Maßnahmen mit Körperkontakt ankündigen.
  • Zum Führen Arm anbieten zum einhaken, niemals schieben.
  • Beim Treppensteigen erste und letzte Stufe verbal ankündigen.
  • Kleidungsstücke  beschreiben, beraten, nicht Kleidung bestimmen.
  • Sachlich darauf aufmerksam machen, wenn die Kleidung verschmutzt oder beschädigt ist.
  • Speisen strukturiert anbieten. Position erklären: Kartoffeln liegen auf dem Teller bei 9 Uhr, Fleisch bei 12 Uhr, etc.
  • Gläser und Tassen zur Hälfte füllen. 
  • Schweres Geschirr wird schwerer umgestoßen, großes Geschirr erleichtert die Orientierung.
  • Essen nur auf ausdrücklichen Wunsch mundgerecht vorbereiten.

 

Farbenblindheit

Rot -Grün-Sehschwäche

Schlechte Unterscheidung von Rot und Grün; nicht therapierbar

Völlige Farbenblindheit

Hell und Dunkel können wahrgenommen werden;  nicht therapierbar

 

 

 

Störung des Geruchssinnes

 
Die olfaktorische Wahrnehmung (Geruchssinn) findet in der Nase statt. Diese Wahrnehmung wird durch die gustatorische Wahrnehmung beeinflusst. Es kann zu Riechstörungen kommen, die mittels spezieller Testverfahren überprüft werden können. Riechstörungen oder der völlige Verlust des Riechvermögens sind als Behinderung nicht mit Blindheit oder Gehörlosigkeit vergleichbar. Daher suchen auch die wenigsten Betroffenen medizinische Hilfe. Aber die Lebensqualität sinkt und es können gefährliche Situationen entstehen wie der Genuss verdorbener Speisen, fehlende Wahrnehmung von Rauch oder Gasgeruch. Man unterscheidet qualitative und quantitative Riechstörungen. 
 
Quantitative Riechstörung
 
  • Normosmie ist die als normal empfundene Riechleistung. 
  • Hyposmie ist eine gestörte Riechleistung
  • Anosmie ist der vollständige Verlust des Riechvermögens
 
Qualitative Riechstörungen
 
  • Parosmie ist eine verzerrte Wahrnehmung von Gerüchen durch eine Reizquelle. Besonders oft nach Infektionen oder Traumata werden die meisten Düfte als unangenehm wahrgenommen. So riecht plötzlich der Kaffee nach Jauche. Die Ursachen sind unklar, die meisten Parosmien werden mit der Zeit schwächer und verschwinden bei 50% der Patienten nach etwa 2 Jahren.
  • Phantosmie nimmt Gerüche ohne Reizquelle wahr und tritt ebenfalls häufig nach Traumata oder Infektionen auf, aber auch in extremen Stresssituationen. Meistens werden unangenehme nicht vorhandene Gerüche wahrgenommen („Stinkenase“). Auch sie verschwinden bei der Hälfte der Betroffenen meistens nach einigen Jahren. 
 
Mögliche Ursachen sind: Erkrankungen der Nase, Infektionen, posttraumatische und neurodegenerative Erkrankungen. Bei den neurodegenerative Erkrankungen ist besonders das idiopathische Parkinson-Syndrom im Mittelpunkt. Bei 80-90% dieser Patienten wurden Riechstörungen beobachtet. Auch bei der Alzheimer-Demenz lassen sich oft Riechstörungen feststellen. Diabetiker haben häufig geringgradige olfaktorische Defizite. Eine Anosmie kann auch angeboren sein. 
 
 
Betroffene sollten korrekte und realistische Informationen zur Riechstörung bekommen mit dem Hinweis, dass eine Besserung oder Heilung eventuell möglich ist, die aber langwierig sein kann. 
 
 
 
 
Dysgeusie (Geschmacksstörungen)
 
Geschmacksqualitäten sind süß, sauer, salzig, bitter und umami (fleischig, herzhaft, wohlschmeckend). Die olfaktorische Wahrnehmung differenziert den Geschmack weiter. Ein Ausfall des Geruchssinnes beeinflusst somit den Geschmackssinn. Als Dysgeusie bezeichnet man eine krankhafte Veränderung des Geschmackssinns. Geht der Geschmackssinn vollständig verloren, spricht man von Ageusie. Der Verlust des Geschmacksinnes ist ebenfalls nicht vergleichbar mit einer Seh- oder Hörbehinderung, allerdings sinkt auch hier die Lebensqualität und es besteht eine Gefährdung durch den versehentlichen Genuss verdorbener Lebensmittel.
 
Dysgeusien werden unterteilt in 
  • Qualitative Geschmacksstörungen (sind am häufigsten)
    • Parageusie (veränderte Wahrnehmung von Geschmacksreizen)
    • Phantogeusie (Geschmackseindrücke ohne Reizquelle)
  • Quantitative Geschmacksstörungen
    • Hypogeusie: Verminderte Geschmackswahrnehmung
    • Ageusie: Vollständiger Verlust der Geschmackswahrnehmung
    • Hypergeusie: Gesteigerte Geschmackswahrnehmung
Die Ursachen sind sehr unterschiedlich. In seltenen Fällen ist die Dysgeusie angeboren. Meist entwickelt sie sich durch epitheliale, nervale und zentrale Ursachen.
 
Epitheliale Ursachen schädigen die Geschmacksknospen (Z.B. Virusinfektionen, Strahlentherapie, Diabetes mellitus, Nebenwirkungen von Medikamenten, Leber- und Nierenerkrankungen, Entzündungen der Zunge, Autoimmunerkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion, Cushing-Syndrom, mangelhafte Mundhygiene, Chemotherapie)
 
Nervale Ursachen schädigen bestimmte Hirnnerven (Z.B. durch Komplikationen bei Operationen im Hals-, Kopfbereich, Tumore, Schädelbasisfrakturen, entzündliche oder degenerative Nervenerkrankungen).
 
Zentrale Störungen entstehen beispielsweise durch Hirntumore, Verletzungen des Hirnstamms, neurodegenerative Erkrankungen, bestimmte Epilepsieformen, Infektionen, Multiple Sklerose, familiäre Disposition, Turner-Syndrom oder Depression.
 
 
 
Störung der taktilen Wahrnehmung 
 
Man unterscheidet zwischen taktil-kinästhetischer, intermodaler oder serialer Wahrnehmungsstörung. Bei einer taktilen Unterfunktion werden geringfügige taktile Empfindungen kaum wahrgenommen und es besteht häufig eine Schmerzunempfindlichkeit. Bei einer taktilen Überempfindlichkeit werden geringste taktile Empfindungen wahrgenommen und es besteht oft eine Schmerzüberempfindlichkeit. Diese Störung hat weitreichende Folgen auf das Verhalten, Alltag und Lebensbewältigung der Betroffenen.
 
Typische Reaktionen bei taktilen Wahrnehmungsstörungen:
 
  • Abwehrverhalten
  • Furcht vor Annäherungen
  • Aggressionen
  • Ängstliches Verhalten
  • Körperliche Kontakte werden als unangenehm empfunden und abgelehnt
  • Bestimmte Materialien wie Fingerfarbe, Sand, Kleister werden gemieden (Überempfindlichkeit) oder gesucht (Unterfunktion)
  • Überreaktion auf unbekannte Geräusche
  • Auswahl oder Ablehnung bestimmter Speisen 
  • Sprachstörungen
  • Unzureichende Eigenwahrnehmung
  • Schwierigkeiten beim Erlernen komplexer Bewegungsabläufe
  • Ausdrucksarme Mimik
  • Orientierunsprobleme
  • Allgemeine Lernstörungen
  • Bewegungssteuerung und Kraftdosierung stimmen nicht überein
  • Bewegungen können nicht spontan gestoppt werden
  • Langsames Arbeiten
  • Vergesslichkeit
  • Störungen in der Feinmotorik
  • Motorische Unsicherheit und Ungeschicklichkeit (Überempfindlichkeit) 
  • Extremes Bewegungsbedürfnis (Unterempfindlichkeit)
  • Verringertes Gefahrenbewusstsein (Unterempfindlichkeit)
  • Hyperaktivität, Ruhelosigkeit ((Unterempfindlichkeit)
 
Maßnahmen müssen individuell und ganzheitlich sein. Betroffene sollen Wahrnehmungsangebote erhalten, die die  Aufnahme und Verarbeitung bestimmter Reize fördert. Sinneseinwirkungen müssen richtig dosiert werden, damit sie verarbeitet werden können. 

 


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