Militärische Ehren

 

Im I. Weltkrieg wurden auch Krankenpflegerinnen mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Das Eiserne Kreuz (EK) als deutsche Kriegsauszeichnung wurde 1813 erstmalig vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. gestiftet. Dieser Militärorden bestand nicht aus kostbarem Material, sondern, wie der Name es sagt, aus Eisen und sollte in der Schlichtheit Symbol für soldatische Tugenden und Pflichterfüllung sein. Verliehen wurde das Eiserne Kreuz an Kriegsteilnehmer ohne Ansehen ihres Standes oder Dienstranges. So konnte also auch der gemeine Soldat und nicht nur Offiziere für außergewöhnliche Taten ausgezeichnet werden. Im I. Weltkrieg gab es drei Stufen des Eisernen Kreuzes:

  • Eisernes Kreuz 2. Klasse (EK II) (mit schwarz-weißem Band)
  • Eisernes Kreuz 1. Klasse (EK I) (Steckkreuz)
  • Großkreuz des Eisernen Kreuzes

Da das EK I (218.000 Träger) und EK II (Etwa 5 Millionen Träger) im I. Weltkrieg ziemlich inflationär verteilt wurde, büßte der Orden sein hohes Renommée ein.

Auch an Krankenschwestern im Kriegsdienst wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Später wurden allerdings diese Verleihungen rückgängig gemacht. Das Eiserne Kreuz sollte den Charakter der Auszeichnung von männlicher Tapferkeit angesichts des Feindes behalten.

 

 Im I. Weltkrieg erhielten das Eiserne Kreuz II. Klasse:
 

 

Elfriede Scherhans, geb. Buchholz (16.10.1914 für die Bergung Verwundeter in der Schlacht von Tannenberg)
 
 
Sophie Gräfin zu Törring-Jettenbach (9.1.1915 für Krankenpflege auf dem westlichen Kriegsschauplatz)
 
 
 
Lonny Hertha von Versen (31.1.1915 für Operationshilfe unter feindlichen Beschuss in Saales) 
 
Frieda Gessert (8.10.1914 für die Bergung Verwundeter). Frieda Gessert war Krankenschwester und arbeitete eigentlich im früheren Berliner Krankenhaus Bethanien.
 
Nach der Aberkennung durften die Frauen den Orden behalten, mussten die Bänder allerdings zurückgeben. Die Kreuze durften sie als Schmuckbrosche gefasst tragen. 
 
 

 
 Vor ihnen bekam bereits Agnes Prinzessin zu Salm-Salm, geboren als Agnes Elisabeth „Winona“ Leclerq Joy (geb. 25.12.1840 in VermontVereinigte Staaten, gestorben 20.12.1912 in KarlsruheBaden) eine Auszeichnung für "Krankendienste" im Kriege. Sie galt als schillernde Persönlichkeit ihrer Zeit. Ihre Karriere begann als Zirkusreiterin in Havanna, später wurde sie Schauspielerin.
 
1862 heiratete sie Prinz Felix und begleitete ihn aktiv als ungelernte "Krankenschwester" auf Seiten der Nordstaaten in den Amerikanischen Bürgerkrieg (1862–1865). Ihr Mann diente später in der kaiserlichen Armee von Maximilian I. in Mexiko (1866–1867) und wieder arbeitete sie als ungelernte Krankenschwester im Heeresdienst.
 
Mit ihrem Mann kam sie nach Deutschland und ließ sich in der Universität Bonn als Krankenschwester ausbilden. 1870 zog sie mit ihrem Mann im Range eines Hauptmanns in den Deutsch-Französischen Krieg. Ihr Mann fiel 1870. Im gleichen Jahr wurde sie als Krankenschwester mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.
 
Später nutzte sie ihren Bekanntheitsgrad, um in Deutschland, SchweizItalien und USA Geld für Armeehospitäler zu sammeln.
 
Es soll 1870 auch die Krankenschwester Johanna Noeldechen aus Magdeburg das Eiserne Kreuz erhalten haben.
 


1939 führte Hitler den Orden wieder ein, statt der Initialen des Kaisers nun mit dem Hakenkreuz. Es gab das

  • Eisernes Kreuz 2. Klasse (EK II), etwa an 3 Millionen Kriegsteilnehmer verliehen
  • Eisernes Kreuz 1. Klasse (EK I) (Steckkreuz), circa 450000 mal verliehen
  • Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes
  • Großkreuz des Eisernen Kreuzes
 


 

Sanitäter mit Ritterkreuz

 

Das Ritterkreuz als höchste Auszeichnung  bekamen mehrere Sanitäter verliehen. Willi Pieper war Sanitätsunteroffizier in der Stabskompanie, Grenadierregiment 478. Am 8.4.1943 wurde ihm das Ritterkreuz verliehen, am 13.7.1943 fiel er als Sanitätsfeldwebel im Raum Kursk-Orel.

 Rudolf Bäcker war Sanitätsfeldwebel im Stab des II./GR 36 und erhielt das Ritterkreuz am 18.9.1943.

Der Sanitäts-Unteroffizier Manfred Jordan, Zugführer im 4. Panzergrenadierregiment 66 wurde am 11.1.1944 mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet und fiel am 10.5.1944 als Sanitätsfeldwebel im Osten.

 Dem Sanitätsfeldwebel im Stab beim Füsilierbataillon 212 Karl Nowotnik wurde am 15.3.1944 das Ritterkreuz verliehen.

 Franz Schmitz, geboren am 12.10.1918 in Walberberg trat am 17.10.1937 mit 19 Jahren in die Wehrmacht ein. Nach seiner Ausbildung zum Sanitäter wurde er am 7.7.1939 Sanitäts-Gefreiter.

Am 3.10.1939 wurde er wegen Tapferkeit vor dem Feind zum Obergefreiten befördert und mit dem Eisernen Kreuz II ausgezeichnet. 1941 erhielt er das Infanteriesturmabzeichen und wurde Sanitäts-Unteroffizier. 1943 rettete Franz Schmitz nicht nur an einem Tag über 100 Verwundete, sondern zerstörte im Nahkampf einen sowjetischen Panzer. Daraufhin wurde Schmitz das Eiserne Kreuz I verliehen. Bei Kämpfen im Raum Milejewo barg er mit zwei anderen Sanitätern wiederum Dutzende verwundete Soldaten, oft direkt vor den russischen Gräben. Als am 25. Juli 1943 der Kompaniechef und die Zugführer fielen, übernahm kurzerhand Schmitz die führerlose Kompanie und trieb seine zurückweichenden Kameraden wieder in den Kampf. Er erhielt daraufhin die Nahkampfspange. Kurz darauf wurde er bei der Bergung eines Verletzten selber verwundet und in ein Lazarett eingewiesen. Dort wurde Franz Schmitz am 13.9.1943 das Ritterkreuz verliehen, wobei allerdings nicht ganz klar ist, ob er das Ritterkreuz für seine Verdienste bei der Bergung von hunderten Verwundeten als Sanitäter bekam oder für die Übernahme der Kompanie und seine Kampfhandlungen als Soldat. Die vorher verliehene Nahkampfspange macht deutlich, dass er sich nicht an die Neutralität der Sanitäter hielt und aktiv ins Kampfgeschehen eingriff. Der Ritterkreuzträger förderte mit seinem Verhalten, dass das Rote Kreuz von gegnerischen Soldaten immer weniger respektiert wurde oder auf Rotkreuz-Zeichen sogar gezielte Angriffe geschahen (siehe Priestersoldaten). Niemand wird Schmitz Kampfgeist und Mut absprechen. Aber der schale Beigeschmack bleibt, dass durch derartiges Verhalten Personen mit der Rot-Kreuz-Binde wie Schmitz, die sich jedoch an ihre Neutralität hielten, akut gefährdet wurden.

Am 10.3.1945 wurde Schmitz noch einmal verwundet und geriet in amerikanische Gefangenschaft, aus der er aber schon am 25.6.1945 entlassen wurde. Nach Kriegsende arbeitete er beim Bundesgrenzschutz und bei der Bundeswehr. Am 10.6.1985 starb Franz Schmitz in Inden-Pier.

Der Ritterkreuzträger Franz Schmitz macht vielleicht deutlich, warum die Pflegenden, die militärische Auszeichnungen erhielten, nicht automatisch ins Virtuelle Denkmal aufgenommen werden. Weil diese Ehrungen lediglich darüber Auskunft erteilen, dass diese Menschen sehr unerschrocken waren und mit Bestimmtheit ein Segen für die eigenen kämpfenden Soldaten. Man erfährt aber nichts über ihre Haltung und grundsätzlichen Einstellung zur Pflege.

 



 

Eine Verleihung des Eisernen Kreuzes an Frauen war eigentlich nicht vorgesehen, da man an dem alten Grundsatz zunächst festhielt. Kriegsverlauf und Sachzwänge zwangen zum Umdenken.
 
 
Ausgezeichnet wurden:
 
Rohna von Ceumern (Baronesse Rhona von Ceumern-Lindenstjerna)
 
Schwesternhelferin vom  Deutschen Roten Kreuz; geboren 22.9.1908 in Orgishof, Lettland, gestorben 29.3.1945 in Küstrin; wurde am 22.3.1945 Mit dem EK II geehrt.
 
 Magda Darchinger
 
Geboren am 20.6.1912 als Tochter eines Landwirts in Oberbayern; Krankenschwester vom  Deutschen Roten Kreuz,  Mutterhaus München; Kriegseinsatz in Frankreich, Griechenland und in der Sowjetunion; wurde bei einem sowjetischen Fliegerangriff in der Kalmükensteppe verwundet; erhielt das Eiserne Kreuz II 1942.
 
 Ilse Daub
 
Geboren am 13.1.1917; Schwesternhelferin vom  Deutschen Roten Kreuz; DRK-Landesstelle XII, Darmstadt; stellte sich im Frühjahr 1944 freiwillig einem Feldlazarett zur Verfügung; hatte bereits das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse und das Verwundetenabzeichen; erhielt das Eiserne Kreuz II, weil sie, obwohl selber verwundet, etwa  40 verwundete Soldaten aus einem verunglückten Lazarettzug barg und zur nächsten Bahnstation brachte. Der aus fünf Waggons bestehende Lazarettzug war bei der Evakuierung eines Ortes vor einem überraschenden Angriff durch sowjetische Panzer geflohen und zwei Kilometer später entgleist. Nach der Bergung der Verwundeten holte sie Stunden später mit einer Lokomotive die beiden letzten Wagen des Lazarettzuges von der Strecke.
 
 Marga Droste
 
Geboren am 9.4.1915 ; Krankenschwester vom Deutschen Roten Kreuz; wurde bei einem englischen  Fliegerangriff auf Wilhelmshafen bei der Bergung von Verwundeten aus einem Kriegsmarinelazarett verwundet; erhielt das Eiserne Kreuz II im September 1942. 
 
Ilse Fleck
 
Schwesternhelferin vom  Deutschen Roten Kreuz; erhielt im  April 1944 das Eiserne Kreuz II. 
 
 Grete Fock
 
Geboren am 9.11.1897 in Schleswig-Holstein; Krankenschwester vom  Deutschen Roten Kreuz;  erhielt die Auszeichnung EK II für deutsche Volkspflege im April 1943; 1942 wurde sie bereits mit der Kriegsverdienstmedaille ausgezeichnet; war in Afrika tätig.
 
 Greta Grafenkamp
 
Krankenschwester vom  Deutschen Roten Kreuz; erhielt das Eiserne Kreuz II im Februar 1945.
 
 Elfriede Gunia
 
Geboren am 25.8.1912 in Gelsenkirchen; Krankenschwester vom  Deutschen Roten Kreuz;  erhielt das Eiserne Kreuz II "wegen hervorragender Leistung bei einem Bombenangriff auf Reval am 9.3.1944" im April des gleichen Jahres.
 
Liselotte Hensel
 
Krankenschwester vom  Deutschen Roten Kreuz,  Mutterhaus Bremen; wurde 1943 mit dem EK II ausgezeichnet.
 
Holzmann
 
Krankenschwester vom  Deutschen Roten Kreuz;  DRK-Hauptführerin; Bereitschaftsdienstleiterin der Landesstelle X des Deutschen Roten Kreuzes in Hamburg; ausgezeichnet mit dem EK II im April 1943.
 
Ursula Kögel
 
Krankenschwester vom  Deutschen Roten Kreuz;  geboren 1.7.1926 in Breslau; erhielt das Eiserne Kreuz II am 1.3.1945. 
 
 Anne Gunhild Moxnes
 
Geboren am 9.11.1914 in Narvik; Norwegerin; eigentlich Hebamme; Norwegisches Rotes Kreuz; arbeitete freiwillig für die deutschen Besatzer; ausgezeichnet für "hervorragende Leistung bei einem Bombenangriff auf Reval am 9.3.1944"; erhielt als erste Ausländerin im April 1944 das Eiserne Kreuz II.
 
 Gerlinde Münch
 
Krankenschwester vom  Deutschen Roten Kreuz, Mutterhaus München; gehörte der gleichen Sanitätsbereitschaft an wie Hanny Weber und bekam das Eiserne Kreuz II 1944 verliehen.
 
Elfriede Muth
 
Krankenschwester vom  Deutschen Roten Kreuz; soll vorher in der Charité in Berlin gearbeitet haben; trotz eigener Verwundung arbeitete sie als Operationsschwester auf einem Hauptverbandsplatz in Küstrin weiter; erhielt das Eiserne Kreuz II im März 1945. 
 
Ruth Raabe
 
Krankenschwester vom  Deutschen Roten Kreuz; geboren 20.5.1923 in Klettendorf bei Breslau; erhielt das Eiserne Kreuz II im 3.2.1945. 
 
Liselotte Schlotterbeck
 
Schwesternhelferin vom  Deutschen Roten Kreuz; geboren 25.1.1913 in Metz, erhielt die Ehrung des Eisernen Kreuzes II im März 1945.
 
 Ilse Schulz
 
Geboren am 12.11.1913 in Geestemünde, gestorben 16.10.1991 in Hamburg; Krankenschwester vom  Deutschen Roten Kreuz; arbeitete im Marine-Lazarett Kiel, Frankreich und Afrika; erhielt das EK II im April 1943.
 
Lillian Soerensen
 
Schwesternhelferin vom DRK; geboren 1926; Dänin, meldete sich freiwillig zum deutschen Sanitätsdienst und Fronteinsatz; wurde am 26.2.1945 durch Granatsplitter verwundet; erhielt die Ehrung des Eisernen Kreuzes II im März 1945.
 
Ottilie Stephan
 
Die 16jährige Elsässerin aus Luttenbach erhielt das Eiserne Kreuz II am 23.2.1945; bei Gefechten um Luttenbach griff sie von sich aus ein und rettete als Krankenträgerin unter Lebensgefahr zahlreiche verwundete deutsche Soldaten.
 
 
 Hanny Weber
 
Krankenschwester vom  Deutschen Roten Kreuz, Mutterhaus München; gehörte einer motorisierten Sanitätsbereitschaft an; das EK II wurde 1944 an sie verliehen für ihren Einsatz in Afrika, wo sie in der El-Alamein-Stellung bei einem britischen Bombenangriff Verwundete versorgte.
 
Anna Wolschütz
 
Schwesternhelferin vom  Deutschen Roten Kreuz; erhielt das Eiserne Kreuz II im März 1945.
 
 Elfriede Wnuk
 
 
Gebürtig aus Mingsen in Ostpreußen; Krankenschwester vom  Deutschen Roten Kreuz; erhielt am 19.9.1942 in diesem Krieg als erste Krankenschwester das Eiserne Kreuz II;  außerdem Silbernes Verwundetenabzeichen und Ost-Medaille; bei einem sowjetischen Fliegerangriff wurde sie von Bombensplittern getroffen, sodass ihr ein Bein amputiert werden musste.
 
Außerdem sollen eine belgische Krankenschwester, zwei Krankenschwestern auf dem Tankschiff  "Liselotte Friedrichs" (am 9.5.1945) und eine Krankenschwester aus Berlin das Eiserne Kreuz II erhalten haben, die jedoch namentlich nicht bekannt sind.
 
Nach einem Bericht der Soldaten-Zeitung "Polar-Kurier", Tromso-Nr. 2 des 5. Jahrgangs vom 4. Januar 1945 soll Else Großmann, Krankenschwester vom  Deutschen Roten Kreuz, geboren in  Linz, mit dem Eisernen Kreuz I ausgezeichnet worden sein.  Angeblich soll sie ein Telegramm von Hitler mit den Worten erhalten haben: "Ich bin stolz darauf, dass Sie als erste Frau meines Heimatgaues das EK 1 empfangen haben." Die Auszeichnung soll ihr verliehen worden sein für die Bergung von Verwundeten an der Westfront. Allerdings findet sich nirgends eine Bestätigung dieser Ordensverleihung. Es spricht einiges dafür, dass es sich um eine "Zeitungsente" handeln könnte. Insgesamt wurden 29 Krankenschwestern und Schwesternhelferinnen mit dem Eisernen Kreuz II ausgezeichnet. Auch eine Ilse Daub erhielt das EK II, nicht das Eiserne Kreuz I, obwohl ihre Tat als heldenhaft bezeichnet und in der Propaganda reichlich ausgeschlachtet wurde.
 
 Sogar ein Jude namens Leo Surnik sollte mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet werden, der als Major im Sanitätsdienst der finnischen Armee diente. Er lehnte die Auszeichnung ab.

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 

 

 


Kostenlose Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!