Grundlagen LUL: Übersicht

Lebenszeit- und Lebensraumgestaltung Das Alter
Aktivität und Beschäftigung Die goldenen Regeln der Beschäftigung!

 

 

 

Lebenszeit- und Lebensraumgestaltung

 

 

Die Lebenszeit kann man in einzelne Abschnitte einteilen:

Kindheit (Geburt bis etwa 12/14 Jahre)
Jugend (etwa 14 bis 18/21 Jahre)
Junges Erwachsenenalter (etwa 18/21 bis 35/40 Jahre)
Mittleres Erwachsenenalter (etwa 35/40 bis 60/65 Jahre)
Reifes Alter / Senioren (etwa 60/65 bis 80 Jahre)
Hochbetagte / Greise (über 80 Jahre)

 

Alter und altern betrifft alle Menschen!

Es gibt keine Behinderten, es gibt Kinder mit einer Behinderung oder erwachsene Menschen mit einer Behinderung oder .....

Menschen mit einer Behinderung das Alter abzusprechen ist diskriminierend und menschenverachtend!

 

Die Lebensgestaltung eines Menschen kann man beispielsweise durch Kleidung, Wohngestaltung, Tagesablauf, Vorlieben, Hobbies erkennen. 

 

Lernzielkontrolle: Lebenszeit Lebensraum Lebensgestaltung

 

 

 

Das Alter

Neuruppiner Bilderbogen, 1886, Verlag Gustav Kühn

Solche Lebenstreppen waren früher sehr populär und prägten die Einstellung zum Alter mit. Links steht "Idag annu frisk och glad", frei übersetzt: Die Heutigen sind gesund und glücklich. Rechts: "Imorgon redan elendig och död", frei übersetzt: Morgen schon elendig und tot. Das Alter um 50 galt als Höhepunkt des Lebens, aber auch als Wendepunkt.

 

Der Mensch beginnt bereits vor seiner Geburt an zu altern. Doch das Alter ist relativ.

Zumeist wird es über das biografische Alter definiert (kalendarisches oder chronologisches Alter). So kann das Alter anhand des Geburtsdatums berechnet werden. Gesellschaftlich spielt das biografische Alter eine wichtige Rolle (z. B. Einschulung, Volljährigkeit, Berentung oder Pensionierung), sagt aber dennoch wenig über den einzelnen Menschen aus.

Denn das biologische Alter (funktionales Alter, Zustand des Körpers und der Organe) stimmt selten mit dem biografischen Alter überein. So kann ohne weiteres eine Neunzigjährige körperlich fit sein und sich selbst versorgen, während eine Siebzigjährige körperlich hinfällig und pflegebedürftig ist. Das biologische Alter ist demnach nicht nur von den Lebensjahren abhängig, sondern auch von der Veranlagung, Erkrankungen, Unfällen, Lebensumständen, Lebensstil, Umwelt, Herkunft, Status und Bildung.  

Das soziale Alter beschreibt eine Entwicklungsstufe. Ein zehnjähriges Kind kann durch seine Entwicklung und Lebensumstände derart gereift sein, dass es im sozialen Alter eher zu Jugendlichen gezählt werden müsste. Ein Jugendlicher dagegen kann in seiner sozialen Entwicklung so verzögert sein, dass er eher zu den Kindern gerechnet werden müsste.

Das psychische Alter betrifft Veränderungen des Denkens, des Wissens und der subjektiv erlebten Anforderungen. Durch das Alter können sich auch Stärken entwickeln, beispielsweise durch Erfahrung, Entwicklung von Handlungsstrategien oder copings (Bewältigungsstrategien). Das psychologische Alter richtet sich erheblich nach dem früheren Lebensstil. Dominierten eher intellektuelle und geistige Schwerpunkte die vorangegangene Lebensführung, ist die psychologische Alterung zumeist deutlich verzögert.

Die Redewendung „Man ist so alt wie man sich fühlt“ beschreibt das soziale und psychische Alter sehr gut. Die Lebensjahre alleine sind also nicht ausschlaggebend, das Alter muss man daher auch unter dem subjektiven Aspekt betrachten.

 

Das Alter ist individuell!

 

Alter aus der Sicht der Betroffenen:

ALT
Jung ALT
Jung ALT
Jung

 

 = Warum "plötzlich und unerwartet". Der Mann war mit 86 Jahren uralt.

 = Mit 86 Jahren hat er ein stolzes Alter erreicht.

 = Was für eine Tragödie. 86 Jahre ist doch kein Alter.

 

Die eigene Erlebniswelt bestimmt die Realität des Individuums und damit auch die Einschätzung zum eigenen Alter. Menschen bilden im höheren Lebensalter keine Altersidentität. Sie passen vielmehr ihre Identität den veränderten Bedingungen durch das Alter an.

 

Subjektives Alter

Wie alt empfinde ich mich? In das subjektive Altersempfinden spielen Vorstellungen und Fragen zur eigenen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eine Rolle.

Vergangenheit:

Was habe ich bisher geleistet?
Welche Erfahrungen habe ich gemacht?
Welche Erlebnisse haben mich geprägt?
Welchen Belastungen war ich ausgesetzt?
Welche copings (Bewältigungsstrategien) habe ich entwickelt?
Bin ich mir und meinen Werten treu geblieben?


Gegenwart:

Wie ist meine private Situation?
Wie ist meine  berufliche Situation?
Wie ist meine finanzielle Situation?
Bin ich mit meiner jetzigen Lebenssituation zufrieden?
Was kann ich derzeit positiv verändern?
Was ist mir wichtig?

 


Zukunft:

Welche Ziele habe ich?
Wie kann ich diese Ziele erreichen?
Auf was kann ich verzichten?
Welche Wünsche habe ich?
Was kann ich aus meinem Leben machen?
Was muss ich zukünftig verändern?
 
Das subjektive Alter wird wesentlich von den Lebensbedingungen, Umwelt, sozialen Kontakten, Gesundheit und Unabhängigkeit mitbestimmt. Gesundheitliche Einschränkungen werden von alten Menschen häufig als altersbedingte "Zipperlein" bagatellisiert, obwohl es Krankheitssymptome sind, die eine Behandlung erfordern. Erst eine Pflegebedürftigkeit verschiebt deutlich das subjektive Alter.

"Die Alten" in dem Sinne gibt es nicht.

 

Definition der WHO (Weltgesundheitsorganisation) zu den Lebensspannen des Alterns

 

51- 60 Jahre alternde Menschen
61- 75 Jahre ältere Menschen
76 - 90 Jahre alte Menschen
91- 100 Jahre sehr alte Menschen
über 100 Jahre Langlebige

 

 

Lernzielkontrolle: das Alter

 

 

 

Aktivität und Beschäftigung

Eine sinnvolle Beschäftigung ist der beste Arzt der Welt!

                                                                                                                   

 

Möglichkeiten zur Beschäftigung Ziele

Musik

  • Singen
  • Musizieren
  • Musik hören

Bewegung

  • Gymnastik
  • Bewegungsübungen
  • Tanzen
  • Sportliche Aktivitäten

Gestalten

  • Werken
  • Basteln
  • Malen
  • Modellieren
  • Dekorieren
  • Gärtnern

Hauswirtschaft

  • Backen
  • Kochen
  • Hauswirtschaftliche Tätigkeiten

Spielen

  • Funktionsspiele
  • Rollenspiele
  • Symbolspiele
  • Konstruktionsspiele
  • Regelspiele

Kognition

  • Gedächtnistraining
  • 10-Minuten-Aktivierung
  • Lesen
  • Vorlesen
  • Biografiearbeit

Sozial

  • Gespräche
  • Feste feiern
  • „Kaffeeklatsch“
  • Besuchsdienste
  • Beschäftigung mit Tieren
  • Veranstaltungen besuchen wie Theater, Oper, Sportveranstaltungen, etc
  • Biografiearbeit
  • "Stadtbummel"

Spaß, Freude haben

Wohlbefinden steigern

Lebensfreude erhalten

Selbstbewusstsein fördern

Selbstvertrauen stärken

Erfolgserlebnisse vermitteln

Ablenkung (z. B. von Krankheiten)

Abschalten

Unterhaltung

Gehirntraining

Prophylaxen

Konzentration üben / trainieren

Erinnerungen wecken

Fähigkeiten erhalten

Soziale Kontakte

Erhaltung und Förderung der Motorik

Kreativität fördern

copings stärken

Wahrnehmung fördern

Aktivierung der Sinne

Körperwahrnehmung fördern

Orientierungshilfen vermitteln

Integration ermöglichen

Gemeinschaft erfahren

Lebensqualtität erhalten

Wertschätzung vermitteln

Derzeitigen körperlichen, geistigen, seelischen Zustand erhalten

Abbau verhindern

Förderung der Kommunikation

Mobilität erhalten / fördern

Alltagsbewältigung erleichtern

Förderung von positivem Erleben

 

Es ist eigentlich nicht möglich, sich nicht zu beschäftigen. Sinnvolle Beschäftigungen ersetzen sinnlose Beschäftigungen. Sinnlose Beschäftigungen wie beispielsweise Langeweile oder Grübeln fördern den geistigen, seelischen und körperlichen Abbau und machen krank.

„Müßiggang“ (faulenzen oder neudeutsch chillen) gehört zu den sinnvollen Beschäftigungen, denn er erlaubt das Abschalten und Regeneration. Der Redewendung „Müßiggang ist aller Laster Anfang“ setzte Søren Kierkegaard entgegen: „An sich ist Müßiggang durchaus nicht eine Wurzel allen Übels, sondern im Gegenteil ein geradezu göttliches Leben, solange man sich nicht langweilt.“

Eine Beschäftigung ist nicht nur auf ein Ziel gerichtet. Es werden durch sinnvolle Beschäftigungen immer mehrere Ziele angestrebt und im besten Falle erreicht.

 

Vorraussetzungen für eine sinnvolle Beschäftigung sind

 

        die geistigen und körperlichen Fähigkeiten des Betreuten

        die Bedürfnisse und Interessen des Betreuten

      die Fähigkeiten des Betreuungspersonals

 

 

 

Die goldenen Regeln der Beschäftigung!
 
 

 

Bewohner oder Betreute haben das Recht,

 Beschäftigungsangebote abzulehnen!

 

 
 
 
 Altersgerechte Beschäftigungsangebote (z.B. keine infantilen Mal- und Bastelstunden für alte Menschen)
 
 Keine Beschäftigungsangebote, die an die eigenen Defizite erinnern (z.B. zu kleine Darstellungen für Menschen mit Sehbehinderung)
 
 Jegliche Bevormundung ist zu vermeiden
 
 Interesse statt Zwang
 
 Freizeit- und Aktivitätsangebote auf die Bedürfnisse der Betreuten zuschneiden (z.B. wird niemand mit Begeisterung Handarbeiten machen, der noch nie daran Interesse hatte)
 
 Keine Klischees (z.B. "Alle alten Leute hören gerne Volkslieder")
 
 Geistig rege Betreute sollten prinzipiell in die Freizeitplanung einbezogen werden
 
 Angebote zur Betätigung, die die Kompetenz und Kreativität fördern
 
 Kein Überangebot an therapeutischen und rehabilitativen Angeboten
 
 Schwerpunkt Unterhaltung, um Entspannung und Spaß zuzulassen (Entspannung, Freude oder Spaß sind wichtige Beschäftigungsziele)
 
 Beschäftigungen favorisieren, die das Gefühl vermitteln, gebraucht zu werden (Besonders in der Altenpflege):
  • Hauswirtschaftliche Verrichtungen
  • Handwerkliche Verrichtungen
  • Patenschaften

 

Aktivitäten, Feste, Veranstaltungen, Ausflüge durchbrechen den Heimalltag, Eintönigkeit, Langeweile, das "Abstumpfen" und fördern das Sozialverhalten und Zusammengehörigkeitsgefühl.

Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!