Rotkreuzhelfer und KZ-Transporte
 
Denn Rotkreuzhelferinnen machten häufig Dienst auf den Bahnhöfen. Dort wurden sie Zeugen der Transporte in die KZ´s. Viehwagen ohne sanitäre Einrichtungen, vollgestopft mit Menschen, waren oft tagelang unterwegs. Besonders in die Deportationszüge mit jüdischen Mitmenschen presste man oft über hundert Menschen in einen einzelnen Viehwaggon, sodass viele von ihnen unterwegs erstickten.
 
Überlebende berichteten, daß sie auf zehntägigen Transporten lediglich zweimal etwas zu trinken und zweimal Suppe bekamen. Die vor Durst fast wahnsinnigen Menschen tranken den eigenen Urin, leckten das Schwitzwasser von den Wagenwänden oder den Schweiß von der Haut ihrer Leidensgenossen. Und dann gewahrten diese Verzweifelten auf einem Bahnhof eine vermeintliche Rotkreuzschwester mit Haube und blütendweißer Schürze. Dieses Bild, Inbegriff für vermeintliche humanitäre Hilfe und Pflege, vermittelte Hoffnung auf ein wenig menschenwürdige Behandlung, eine Oase in der Wüste des menschlichen Horrors. Diese Oasen waren meistens nichts anderes als Fata Morganen.
 
René Geneste berichtete für den Häftling S. Gutman von dem Transport ins KZ: „Am Bahnhof von Bremen wurde uns das Wasser vom Deutschen Roten Kreuz verweigert, das uns erklärte, es gebe kein Wasser für uns.“ Dieses Verhalten von Rotkreuzschwestern bestätigte Claude Bloch: „Wir waren halb tot vor Durst. In Breslau flehten die Gefangenen wieder die Schwestern des Deutschen Roten Kreuzes um Wasser an. Diese blieben unserem Flehen unzugänglich.“ Derartige Berichte findet man immer wieder, wenn man sich mit dem Thema befasst, auch als eidesstattliche Aussagen vor Kriegsverbrecherausschüssen oder -gerichten.
 
Solches Verhalten der Rotkreuzschwestern, die in der Regel Schwesternhelferinnen waren, war also keine Ausnahme, sondern offenbar die Regel. Oft genug verhöhnten sie noch die Opfer in den Zügen. Doch wenn man später Rotkreuzschwestern konkret auf die Sache ansprach, was ich in einem Rotkreuzkrankenhaus in einer Stadt in Nordrheinwestfalen ausgiebigst tat und auch Rotkreuzschwestern in Berlin befragte, dann wussten sie nichts von solchen Vorfällen und wandelten alle durchweg im Tal der Ahnungslosen. Und ich habe nicht einen einzigen Fall ermitteln können, dass betreffende Personen jemals wegen „Unterlassenener Hilfe“ belangt wurden.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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