Kinderheimkinder

 

Ich möchte hier eine Seite im Netz vorstellen, die mich sehr beeindruckt hat. Es geht um Kinderheimgeschichte, um Heimkinder, mit dem zeitlichen Schwerpunkt der zweiten Nachkriegszeit, das heißt, von 1945 bis in die 70er Jahre.

Diese Seite versucht ehemaligen Säuglingsheimkindern eine "innere Vorstellung" von dieser Zeit zu vermitteln. Denn die Lebensumstände in den Säulingsheimen der Nachkriegszeit war für diese Kinder oftmals katastrophal. Viele leiden heute noch unter den Folgen eines Deprivations-Syndrom und oder einer Posttraumatischen Belastungsstörung ohne zu wissen, woher ihre Beschwerden, Defizite stammen. 

Dipl.-Kfm. Dipl.-Soz. Dr. Carlo Burschel, selbst Betroffener, wollte eigentlich über seine Kindheit, über sein "Kinderheim", in dem er die drei ersten Lebensjahre verbrachte,  recherchieren. Heraus kam eine umfangreiche Arbeit, ein großes Archiv, gute Folien zur Fortbildung und eine sozialwissenschaftliche Forschungs- und Transferstelle zu dieser Thematik. Das kiha (Kinderheimarchiv) ist von ihm privat finanziert und darf kostenlos genutzt werden.

 

Da ich aus irgendeinem Grunde in meinem Leben nichts auslassen konnte, gehöre auch ich zu den Betroffenen. Das Verschweigen meines Aufenthaltes im Kinderheim hätte auch geklappt, denn die Erinnerungen sind gelöscht. Wäre da nicht ein Ereignis gewesen, was sich tief in meinem Gehirn einbrannte. 

Ich litt über Jahrzehnte unter einem Albtraum. Als Kleinkind (ca 1 Jahr alt) war ich mit anderen Kindern und Betreuerinnen auf einem Spaziergang durch den Wald. Aus irgendeinem Grunde setzten mich unter Gejohle und lautem Gelächter Kinder oder Betreuerinnen auf einen Ameisenhügel der roten Waldameisen, drückten mich mit aller Gewalt in den Hügel und hielten mich so fest. Ich schrie um mein Leben. Irgendwann rissen sie mich vom Ameisenhügel herunter und rannten mit mir zu einem nahen See, in den sie mich warfen. 

Zunächst waren meine Recherchen schwierig. Das Kinderheim befand sich in Ostberlin, damals DDR, aber ich lebte in Westberlin. Schließlich konnte ich beweisen, dass ich im Kinderheim war und meine Mutter musste es endlich zähneknirschend zugeben. Damit endeten meine Albträume schlagartig.

Später erfuhr ich, dass ich durch diesen Vorfall im Krankenhaus gelandet war. Im Krankenhaus nahm man an, dass Gesäß, Beine und Rücken großflächige Verbrennungen hatten. Ich wusste es besser. Hätten die damals im Krankenhaus geahnt, woher diese Verletzung wirklich stammte, hätten sie bestimmt Bilder für die Nachwelt geschossen, wie gut Haut aussieht, wenn man auf einem Ameisenhügel gesessen hatte.

Heute kann ich Ameisen beobachten und finde sie auch ganz spannend. Aber wehe, eine Ameise kommt mir zu nahe und an den Körper: Panikattacken. Auf Brennesseln reagiere ich überempfindlich. Seitdem Ameisensäure nicht mehr als Konservierungsmittel zugelassen ist, haben sich meine diversen Lebensmittelallergien drastisch verringert. Inzwischen kann ich auch in kleinen Mengen Erdbeeren und anderes Obst essen ohne sofort einen Hautausschlag zu bekommen, der an Masern oder Röteln erinnert. 

Mit Hilfe meiner Albträume konnte ich dieses krasse traumatische Erlebnis verarbeiten. Die anderen Erfahrungen in dem Kinderheim waren subtiler, aber anscheinend nicht viel besser, sonst würde sich mein Gehirn nicht radikal gegen jegliche Erinnerung wehren. Mich wundert es daher nicht besonders, dass ich die Seite von Dr. Burschel, die sehr objektiv und neutral ist, bei mir ungute Gefühle auslöst und ich sie mir auch nur wohl dosiert erschlossen habe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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