Jüdisches Pflegepersonal im KZ Buchenwald

 

 

Ende 1938 wurde im KZ Buchenwald das sogenannte Judenrevier im Block 2 eingerichtet. In der schlecht ausgerüsteten Baracke arbeiteten jedoch im Gegensatz zum regulären Revier überwiegend ausgebildete jüdische Häftlingspfleger und -ärzte. Die jüdischen Ärzte durften tätig werden, weil die SS-Ärzte prinzipiell keine Juden behandelten, was wohl für die Patienten eher ein Segen war. Obwohl das Judenrevier in jeder Form benachteiligt wurde, beispielsweise bei Ausstattung, Medikamentenzuteilung, unregelmäßige Abholung der Toten, die Transportwege zu den Operationsräumen, etc, war die Behandlung und Pflege dort gut.

Ernst Martin, Schreiber im KZ Mauthausen, klagte über das Pflegepersonal: "Die Arbeit der Häftlingspfleger gilt innerhalb der Lager als eine der leichtesten und vor allem ertragreichsten. Zuerst isst sich der Pfleger satt, dann essen seine Kameraden, dann die prominenten und protegierten Kranken. Häftlingspfleger bestimmen in Dachau, dass ein Kranker zur Strafe fünf Tage nichts essen und trinken darf, dass die Heilung von Durchfall mit Nahrungsentzug behandelt wird. Verrohte Häftlingspfleger schlagen kranke Mitgefangene, wenn diese vor Schwäche nicht aufstehen oder sich nicht waschen können.

Auch im KZ Buchenwald gab es im Krankenrevier Ungereimtheiten bei einigen Pflegenden.

Für das Judenrevier trafen solche Beschreibungen nicht zu. Die spärlichen Mittel und Essensrationen wurden gerecht und korrekt verteilt, Korruption und persönliche Bereicherungen gab es nicht. Der SS war das Judenrevier ein Dorn im Auge. Regelmäßig fanden Durchsuchungen im Judenrevier statt. Lagerführer Rödl war bei einer Durchsuchung der Meinung, dass ein Pfleger angeblich eine zu große Portion Butter hätte. Ohne Überprüfung, denn es war eine reguläre Portion, mussten alle Pfleger des Judenreviers antreten und erhielten öffentlich am Tor jeder 25 Stockhiebe auf das Gesäß. Auch derartige Quälereien und Schikanen konnten die jüdischen Pflegenden nicht davon abbringen, unter den gegebenen Umständen vorbildliche Pflege zu leisten. Sie blieben die moralischen Sieger. Es dürfte kaum mehr möglich sein, den einzelnen Häftlingspflegern Namen und Gesicht wieder zu geben. 

Nachdem die Anzahl der jüdischen Häftlinge im KZ Buchenwald drastisch zurückgegangen war, wurde das Judenrevier aufgelöst und wieder mit Häftlingen aller Kategorien belegt.

 

 

 

 

 

 

 


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