Horror ohne Ende

 

Doch es war nicht das Ende des Grauens. Die zweite Welle der Wilden Euthanasie begann. Die "Aktion 14f13" sonderte in den Konzentrationslagern psychisch Kranke und andere Häftlinge aus und ermordete sie mit Giftgas. Aktion Reinhard sollte die Judenfrage endgültig erledigen. Und auch diese Vernichtungsaktionen geschahen unter Mithilfe von Pflegepersonal. Zum Beispiel half die Pflegerin Maria Brandstätter in Hartheim bei Vergasungen von Häftlingen aus dem Konzentrationslager in Mauthausen. Ihren Ehemann, den Maurermeister Lambert, lernte sie in der Vernichtungsanstalt Hartheim kennen. Sie wusste, woher die Häftlinge kamen, weil sie einmal im KZ Mauthausen gewesen war. Die Pflegerin amüsierte sich dort bei einen "Bunten Abend" der SS. Nach 1945 verkehrte sie unter anderem mit Werner Blankenburg alias Werner Bieleke. Als Werner Blankenburg und ehemaliger Oberbereichsleiter in der Kanzlei des Führers wurde er als Kriegsverbrecher von den Alliierten gesucht. Ihm unterstand ab 1942 das Personal, dass in Vernichtungslagern in Sobibor, Treblinka und Belzec anderthalb Millionen Kranke und Behinderte ermordete. Für seinen Sonderauftrag, den er auf breiter Basis im geforderten Tempo ausführte, verlieh ihm der Führer das Kriegsverdienstkreuz II. Klasse. Natürlich verriet die Hartheimer Pflegerin Maria Lambert den Duzfreund ihres Mannes nicht.

Unter seiner neuen Identität verlobte sich 1949 Bieleke, der aber als Blankenburg bereits verheiratet war, mit einer - na was wohl, Krankenschwester. Ganz zufällig will sie ihn kenngelernt haben. Na klar, die wusste auch nichts. Und natürlich ahnte sie auch nicht, warum Bieleke so gerne nach Stuttgart reiste. Da lebten viele frühere Mitarbeiter der Tötungsanstalten, Bürokräfte wie auch Pflegerinnen. 1957 starb Bieleke und wurde unter diesem Namen in Stuttgart-Wangen beerdigt. Seine Verlobte, die edle Krankenschwester, machte es anscheinend auch nicht stutzig, wieviele Nazis Bieleke alias Blankenburg das letzte Geleit gaben. Sie pflegte lange noch sein Grab. Ihre Tante war übrigens Opfer der T 4 Aktion. Mit den Taten ihres Verlobten gegenübergestellt antwortete sie nur: "So, wie ich ihn als Menschen kennengelernt habe, kann ich mir nicht vorstellen, wie er dazu kommen konnte, an einer solchen Sache mitzuwirken".

Unter Blankenburg arbeiteten etliche Krankenpfleger, die jedoch nach 1945 gottlob nicht alle den Weg zurück in ihren Beruf fanden. Beispielsweise Pfleger Zierke, der als SS-Unterscharführer nach Grafeneck und Hadamar in Belzec, Sobibor und Triest mordete, musste sich nach Kriegsende als Sägearbeiter durchschlagen. Der Verkäufer in einem Andenkengeschäft, der mal ab und zu eine Privatpflege übernahm, war der SS-Scharführer Stadie, der als Pfleger von Bernburg 1942 nach Treblinka kam, um neben seinem Killerjob jüdische Menschen anzuschreien und zu schlagen. Und da gab es den alten harmlosen Pförtner, der vor seiner Rente als Maurer arbeitete. Davor allerdings war der SS-Oberscharführer Gley Krankenpfleger in Grafeneck, Sonnenstein, Belzec, Sobibor und zuletzt Triest.

Andere hatten mehr Glück, jedenfalls für die eigene Person. Denn für die Pflege war es wohl eher kein glücklicher Moment, als sich die Verbrecher wieder in dem Berufsstand einfädelten. Der Krankenpfleger Schluch arbeitete zunächst als Bauarbeiter, doch 1952 gelang ihm der Sprung in den alten Beruf. Grafeneck, Hadamar, Belzec waren die Eckpunkte in seiner Nazikarriere. SS-Unterscharführer Unverhau, Pfleger in Grafeneck, Hadamar, Belzec, Sobibor und Triest kam als Krankenpfleger in Königslutter unter. Der Krankenpfleger Matthes, ein SS-Scharführer, der in Treblinka dafür sorgte, dass das fließbandartige Morden ungestört ablief, wurde nach 1945 und Arbeitsstellen in Ansbach und Andernach schließlich Abteilungspfleger in Bayreuth. 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 


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