Die Hölle wird installiert

 

Vermutlich hatte Hitler angenommen, dass sich das Problem mit den Menschen mit Behinderung alleine löse durch die drastischen Kürzungen der Pflegesätze, die aber bereits in der Weimarer Republik nicht üppig waren und eindeutig am Minimum lagen. Weit bevor die Euthanasieaktion anlief, hatten Heil- und Pflegeanstalten oder Anstalten für Altersschwache und Sieche nicht mehr die materielle Basis, ihre Zöglinge ausreichend zu ernähren. Aber der gewünschte Erfolg für Hitler blieb aus.

In der Zeit von 1930 bis 1938 blieben die städtischen Heil- und Pflegeanstalten in Berlin in der Anzahl gleich, allerdings erhöhte sich die Bettenzahl von 7408 auf 8696. Alle fünf Einrichtungen waren chronisch überbelegt, denn 1930 wurden im Jahresdurchschnitt mehr als 600 Betten  über der vorhandenen Bettenzahl belegt, 1938 betrug die Differenz etwa 2000. Sogar die Verpflegungstage nahmen zu, war für eine längere Verweildauer der Betreuten spricht. In den sonstigen Anstalten für Gesundheitsfürsorge blieb es ebenfalls bei vier Anstalten, aber mit entschieden zahlreicheren Betten- und Belegungszahlen. Die Anstalten für Altersschwache und Sieche schrumpften zwar von dreizehn auf neun Einrichtungen, die Belegungszahlen blieben aber fast genauso wie vorher.

Lediglich in den Provinzialanstalten, mit denen die Stadt Berlin Verträge hatte und damit den Anspruch auf 6000 Betten für Irre und Geisteskranke und 400 Betten für Altersschwache und Sieche, setzte Bewegung ein. In diesen Heil- und Pflegeanstalten wurden zwischen 1930 und 1938 zwei Einrichtungen geschlossen und 200 Betten abgebaut Von den provinzialen Anstalten für Irre und Geisteskranke schlossen zwei Häuser, die Belegungszahlen gingen aber nur geringfügig zurück. Die vorsätzlich herbeigeführte Unter- und Mangelernährung der Anstaltsinsassen zeigte betreffs Mortalität der Betroffenen also wenig Wirkung. Die Nazis brauchten aber dringend für die geplanten Kriege Krankenbetten und noch nötiger Pflegepersonal.

Die Nazis reagierten auf diese Entwicklung Ende der 30er Jahre mit einer Plakataktion. Das Plakat zeigte einen schwer behinderten Mann, hinter ihm stehend einen jungen Pfleger. Dazu stand geschrieben: "60.000 RM kostet dieser Erbkranke die Volksgemeinschaft auf Lebenszeit. Volksgenosse, das ist auch Dein Geld!". Der Boden sollte reif gemacht werden für die Beseitigung der "Defektmenschen" und "Ballastexistenzen".


 
 
 
 
 
 
 


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