Hinduismus: Übersicht

Hinduismus Geschichte Neohinduismus
Hinduistische Feiertage Hindus in der Pflege Mögliche Konflikte
Sterbepflege    

 

 

Hinduismus

Die Bezeichnung Hinduismus war anfangs eine von den Engländern herangetragene Sammelbezeichnung für die Anhänger verschiedener religiöser Richtungen in Indien, die nicht Moslems, Christen oder Juden waren. Der Begriff entwickelte eine  Eigendynamik und wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Eigenbezeichnung und Identität. Die indische Verfassung fasst unter Hinduismus alle Religionen zusammen, die aus dem Brahmanismus entstanden.

 

  •  Nach Christentum und Islam drittgrößte Religion der Erde
  •  Ursprung in Indien
  •  Angehörige werden Hindus genannt
  •  Die Religion wird oft auch als Lebensart verstanden
  •  Älteste heilige Schriften sind die Veden
  •  Vorgängerreligion Brahmanismus (Jainismus, Buddhismus, Sikhismus)
  •  Verschiedene Richtungen mit unterschiedlichen Schulen und Ansichten
  •  Kein gemeinsames für alle gleichermaßen gültiges Glaubensbekenntnis
  •  Keine zentrale Institution mit Autorität für alle Hindus
  •  „Einheit in der Vielfalt“

 

Die meisten Gläubigen gehen davon aus, dass Leben und Tod ein sich ständig wiederholender Kreislauf (Samsara) sind und glauben an die Reinkarnation. Der Hindu versucht mit dem Karma (seine Taten) diesen Samsara zu durchbrechen. Das persönliche Karma entscheidet, wie man wiedergeboren wird, in welcher Kaste. Das Ziel ist das Brahman-Nirwana, das heißt, Eins zu werden mit dem Ewigen und Absoluten. 

Durch das Kastensystem kann man dem Hinduismus nicht beitreten. 

Für den persönlichen Glauben haben religiöse Lehrer (Gurus) oft einen großen Stellenwert. Hindus können trotz der Unterschiede ihrer Theologie und Philosophie weitgehend gemeinsam feiern und beten. 

Der Hinduismus ist nicht immer eine polytheistische Religion, auch wenn es auf den ersten Blick so scheint.

Henotheismus: alle Götter, je nach individueller Glaubensausrichtung, sind Ausdruck des einen höchsten persönlichen Gottes oder auch der unpersönlichen Weltseele (Brahman). Hinduistische Lehren betrachten den Kosmos als geordnetes Ganzes. Das Dharma ist das Weltgesetz und stellt die natürliche und sittliche Ordnung dar. Zentren hinduistischer Religiosität sind neben dem eigenen Haus die Tempel. Die größten Pilgerzentren sind Tirumala Tirupati in Südindien und die heilige Stadt Varanasi am Ganges in Nordindien.

 

Geschichte

  • Ab ca 500 v. Chr. Ausgestaltung des Hinduismus mit Sanskrit (indogermanische Sprache, verwandt mit den europäischen Sprachen) und den Hauptgöttern Brahma (Prinzip der Schöpfung), Vishnu (Prinzip der Bewahrung) und Shiva (Prinzip der Zerstörung). 
  • Bau von Tempeln, Götterstatuen, Einführung von Kult- und Weihehandlungen. Krishna und Rama sind nach Hinduglauben menschliche Verkörperungen des Gottes Vishnu. 
  • Seit dem 4. Jh. v.  Chr. verloren die hinduistischen Religionen durch den Buddhismus Anhänger. 
  • Im 8. Jh. gründete der Philosoph Shankara die ersten hinduistischen Orden.
  • 711 Eroberung Indiens (Nordindien) durch muslimische Heere. Herausbildung von Mischformen religiöser Praktiken („Mohammedan Hindus“).

 

Neohinduismus

  • Im 19. Jh. religiös-soziale Reformbewegungen durch europäische Einflüsse
  • Hindus begannen sich als Einheit aufzufassen
  • Kastensystem oder Tradition der Witwenverbrennung wurden hinterfragt
  • Eng mit Unabhängigkeitsbestrebungen und sozialen Reformen verbunden
  • Monotheistischer Ansatz mit Brahman als einzigen Gott, keine Bilderverehrung
  • Swami Vivekananda gründete 1897 die Ramakrishna-Mission
  • Ziel: Verbreitung der Lehre des Vedanta
  • Sein Lehrer Ramakrishna vertrat die Ansicht, alle Religionen der Welt verkündeten dieselbe Wahrheit, die Vielfalt der Religionen sei lediglich Schein (Maya). 
  • Vivekanandas hielt 1893 vor dem Weltparlament der Religionen in Chicago eine Rede, stellte den Hinduismus als Universalreligion vor und präsentierte erstmalig den Hinduismus außerhalb Indiens.
  • Durch die Unabhängigkeitsbewegung Indiens unter Mahatma Gandhi mit seinem gewaltfreien Widerstand gewannen die hinduistischen Traditionen in der westlichen Welt größeres Interesse.

 

Hinduistische Feiertage

 

Die Feste im Hinduismus ehren die Götter, die Lehrer (Gurus) und oder haben oft einen jahreszeitlichen Bezug. Es gibt sehr viele regionale Feste. Manche Feste werden von Region zu Region zu unterschiedlichen Zeiten gefeiert.

 

Holi oder Frühlingsfest

Das Fest zum Frühlingsbeginn hat auch religiöse Hintergründe Darum beginnt es mit einem Feuer, in dem man eine Strohfigur, die Holika, verbrennt. Anschließend bewerfen sich die Feiernden gegenseitig mit eingefärbtem Mehl, Pulver oder Wasser. Es dauert je nach Region zwei bis zehn Tage.

 

 

Diwali oder Lichterfest

Die spirituelle und soziale Bedeutung des Festes kann mit dem christlichen Weihnachten verglichen werden. Das Fest wird am Ende der Regenzeit ein bis fünf Tage lang gefeiert, je nach Region. Auch die Bräuche von dem Fest, bis auf die Lichter, unterscheiden sich regional. Die Lichter sollen den Seelen der Verstorbenen den Weg zum Ewigen, Absoluten zeigen. An den einzelnen Festtagen werden unterschiedliche Götter geehrt.

 

 

Makar Sankranti - Sonnenwendefest - Neujahrsfest

Dieses Fest findet immer am 14. Januar statt, weil es nach dem Sonnenkalender festgelegt ist. In Indien ist es ein staatlicher Feiertag. Zeitlich fällt das Fest auf die Wintersonnenwende. Rituelle Bäder  finden statt und es werden viele Süßigkeiten gegessen. Das traditionelle Essen zum Neujahrsfest ist ein Brei aus Reis und Linsen. In Südindien heißt das Fest Pongal. Dort wird an diesem Tage traditionell Milchreis gegessen. Auch dort werden rituelle Bäder gemacht. Im Mittelpunkt steht dort im ländlichen Bereich die Verehrung von Feldern und Rindern. In vielen Regionen ist es üblich, Drachen steigen zu lassen.

 

 

Guru Purnima

An diesem Feiertag ehrt man die Lehrer (Guru) und dankt ihnen für Weisheit und Erfahrung. 

 

 

Krishna Janamaschtami 

Der Geburtstag von Gott Krishna wird gefeiert. Krishna soll, als die Welt in Gefahr war, als Mensch geboren worden sein, um sie zu retten.

 

 

Rathayatra oder Wagenfest

Auch mit diesem Fest wird Krishna geehrt. Höhepunkt des Festes ist, dass die Gläubigen Wagen mit dem Bildnis des Gottes Jagannath (ein Aspekt von Krishna) an Seilen durch die Stadt ziehen. 

 

 

Kumbh Mela oder Krugfest

Kumbh Mela gilt als das größte religiöse Fest des Hinduismus. Ursprung des Festes ist eine Legende, nach der die Götter einen Milchozeanst mit Hilfe der Schlange Vasuki als Seil und dem Götterberg Meru gequirlt haben, um an den Nektar der Unsterblichkeit heranzukommen. Als dieser Nektar in einem Krug heraus getragen wurde, entbrannte sich ein Streit zwischen Göttern und Dämonen, wobei vier Tropfen des Nektars auf die Erde fielen. Dort, wo die Tropfen hinfielen sind heute die Städte Allahabad, Haridwar, Ujjain und Nashik, wo abwechselnd alle drei Jahre das Fest gefeiert wird. 

 

Mahashivaratri oder „Die große Nacht des Shiva“

Shiva ist einer der wichtigsten Götter des Hinduismus. Für seine Anhänger ist es das wichtigste Fest.

 

 

Navaratri oder das Fest der Neun Nächte

Neun Nächte lang werden die Göttinnen mit diesem Fest geehrt.

 

Rama Navami 

Vishnu ist eine der wichtigsten Formen des Göttlichen im Hinduismus. Wenn die Welt aus dem Gleichgewicht gerät, zeigt er sich als Mensch. Mit diesem Fest wird die Geburt von Rama gefeiert, einer seiner Inkarnationen.

 

 

Hindus in der Pflege

Im Hinduismus gibt es sehr große Unterschiede, je nachdem, aus welcher Schule oder religiösen Richtung, Kaste, Region, Tradition er stammt. Allgemeingültige Aussagen zur Pflege sind daher nicht möglich, nur grobe Anhaltspunkte.

Sollte man zwei nicht miteinander verwandte Hindus gleichzeitig betreuen, wäre es naheliegend, diese beiden auch zusammenzulegen. Gut gedacht, aber eventuell keine gute Entscheidung. Zuerst nachfragen, ob das auch erwünscht ist. Gehören die Beiden unterschiedlichen Kasten an, könnte es sein, dass es Schwierigkeiten gibt.

Die Reinlichkeit ist ein wesentlicher Punkt bei Hindus. Wenn es nicht möglich ist, täglich zu duschen, sollte zumindest eine Ganzkörperwäsche angeboten werden.

Männer haben oft ein sehr traditionelles Rollenverständnis, Frauen ein ausgeprägtes Schamgefühl. Um Konflikte zu vermeiden, bzw die Integrität der Frauen zu wahren, sollte auf jeden Fall die Pflege gleichgeschlechtlich stattfinden. 

Viele Hindus sind Vegetarier. Die Hindus, die Fleisch essen, sollten keinerlei Produkte aus Rindfleisch serviert bekommen. Manche Hindus essen auch keine Eier, Zwiebeln oder Knoblauch. Betreffs Einschränkungen beim Essen muss auf jeden Fall nachgefragt werden. 

 

 

Mögliche Konflikte

Viele traditionelle Hindus haben ein anderes Rollenverständnis als die Europäer. Jungen werden bevorzugt, Frauen haben sich ihrem Ehemann absolut zu unterwerfen. Ein Grund, dass Frauen auch freiwillig den Sati (Witwenverbrennung / aber es geschah auch oft genug nicht freiwillig) machten, liegt auch an der Stellung der Frau. Mit dem Tod des Mannes gerät die Frau ins gesellschaftliche Abseits, ist extrem abhängig, gerät in der Regel in größte Armut und gilt als minderwertig. Satimatas (Frauen, die durch Sati starben) wurden dagegen in Indien hoch verehrt (auch heute noch, obwohl es verboten ist). Obwohl Sati verboten ist, kommt es immer wieder einzeln zu Witwenverbrennungen. Weibliche Föten werden massenhaft abgetrieben, weibliche Säuglinge oft genug ermordet. Trotz allgemeiner Schulpflicht dürfen viele Mädchen im Gegensatz zu Jungen nicht in die Schule und müssen stattdessen hart arbeiten. Laut Verfassung gibt es keine Mitgift mehr, in der Realität sieht es anders aus und Familien verschulden sich auf Jahre, um die Mitgift aufbringen zu können. Gewalt gegen Frauen aus niederen Kasten wird in der Regel toleriert. Ein traditionell erzogener Mann mit einem derartigen frauenfeindlichem Bild wird es nicht ändern, auch wenn er sich in einer deutschen Pflegeeinrichtung befindet. Trotzdem muss er gepflegt werden. Von daher ist es sinnvoll, dafür zu sorgen, dass er gleichgeschlechtlich gepflegt wird. So wird es vermieden, dass er sich etwas von einer Frau sagen lassen muss und das weibliche Pflegepersonal erspart sich Ärger.

 

Sterbepflege

Hindus glauben an die Wiedergeburt. Die Seele, Atman genannt, ist unsterblich. Die Art des Sterbens ist wichtig für das Wohl der Seele nach dem Tod. Tod ist nicht nur Abschied, sondern auch Neubeginn.

Darum sollte das Sterbezimmer eine würdevolle Umgebung sein und beispielsweise mit Blumen und Bildern geschmückt sein. Auch sollten Räucherstäbchen, ein Glöckchen und ein kleines Licht nicht fehlen. 

Liegt ein Hindu im Sterben, wollen viele Angehörige, Freunde und Kollegen Abschied nehmen. Im Interesse des Klienten sollte der Besucherstrom nicht reglementiert werden. Ein Hindupriester könnte einen kleinen Gottesdienst abhalten. Die Salbung kann auch von einem Angehörigen durchgeführt werden. Einige Tropfen Gangeswasser und ein Blatt der Tulsi (Indisches Basilikum, wird auch als Königsbasilikum oder Heiliges Basilikum bezeichnet) wird dem Sterbenden unter Gebeten auf oder in den Mund gelegt. Das kleine Licht wird geschwenkt zum Klang des Glöckchens, ein Stirnpunkt gegeben und der Sterbende gesegnet.

Sterbende werden mit dem Kopf in Richtung des Totengottes Yama (Richtung Süden) gelegt. Es gibt Traditionen, den Sterbenden auf den Boden zu legen. Wenn es irgendwie möglich ist, sollte der Wunsch der Angehörigen respektiert werden. Auch sollte die Totenwache gestattet werden. Hindus glauben, dass die Seele des Verstorbenen sich nicht gleich entfernt. Deshalb werden die Verstorbenen bis zur Feuerbestattung nicht allein gelassen.

Der Tote muss mit fließendem Wasser gereinigt werden, nicht nur um den Körper zu reinigen, sondern auch die Seele. Dann wird der gesalbte Körper in Tücher gehüllt, die in Gangeswasser getaucht waren. Wenn der Verstorbene abgeholt wird, soll er mit den Füßen zuerst aus einer Hintertür getragen werden.

Obwohl der Tod der Übergang in ein neues Leben ist, wird getrauert. Als Zeichen der Trauer wird oft das Kopfhaar rasiert.  Zum Gedenken an den Verstorbenen ist es üblich, Kerzen auf einem fließenden Gewässer brennen zu lassen. Am Todestag gedenkt man mit Opfergaben. Diese Opfergaben dürfen nur Männer erbringen, die damit auch ihr Karma verbessern.

Es gibt Bestattungstraditionen, die in Deutschland verboten sind. Dazu gehört die Befreiung der Seele. Atman oder die Seele ist innerhalb des Körpers ein eigener Bereich. Es existieren Rituale, dem Verstorbenen den Schädel einzuschlagen, um seine Seele aus dem Körper zu befreien, damit sie zu Brahman (heilige Rede, heilige Kraft oder das Absolute) gelangen kann. Auch die öffentliche Feuerbestattung auf dem Scheiterhaufen ist verboten. Sati (Witwenverbrennung) ist allerdings auch in Indien verboten. Eine weitere Tradition, nach drei Tagen die Asche des Verstorbenen in den Ganges, Fluss oder Meer zu streuen, ist in Deutschland aufgrund des Friedhofzwanges ebenfalls nicht erlaubt.


Gratis Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!