Die Opfer

 

Wieso die Nazis sich sogleich an Kindern vergriffen, lag zum Einen vermutlich an der Wehrlosigkeit der Opfer, zum Anderen daran, dass pflegebedürftige Kinder in der Regel sehr personalintensiv sind. Aber genau nach diesen Pflegekräften verlangten die Kriegspläne. Anfangs wurden "nur" behinderte Säuglinge ermordet. Beispielsweise setzte man häufig das Narkotikum Luminal ein. Die Maximaldosis für Erwachsene ist 0,4 Gramm, für Kinder 0,1 Gramm, für Kleinkinder 0,05 Gramm. Ärzte verabreichten 2-3x stündlich 0,5 Gramm. Dadurch trat der Tod nicht plötzlich ein, sondern die Kinder dämmerten benommen noch stundenlang vor sich her. In dieser Zeit erfanden die Ärzte angebliche natürliche Todesursachen wie Lungenentzündung oder Bronchitis. Später wurden die Kinder auch mit einem Gemisch aus Morphium, Dionin und Skopolamin ermordet.

Zusätzlich praktizierten einzelne Anstalten die Methode des Aushungerns. Bei radikalem Nahrungsentzug hätten die Kinder nach kürzester Zeit vor Hunger gebrüllt. So erhielten die Kinder zwar Nahrung, aber wenig und zusätzlich dermaßen gestreckt, dass sie in Lethargie verfielen, bis sie starben. Nach dem offiziellen Ende der T4-Aktion kam die zweite Welle der "wilden Euthanasie" in den sogenannten Kinderfachabteilungen wie beispielsweise Waldniel bei Andernach, eine von ca 30 bekanntgewordenen Einrichtungen, wo gezielt Kinder-Euthanasie betrieben wurde.

Schnell wurde das Alter der potentiellen Opfer bis auf 16 Jahre angehoben. Der Kindereuthanasie fielen ca 5000 bis 8000 Menschen zum Opfer. 1939 liefen aber auch schon die Vorbereitungen für die Erwachseneneuthanasie an. Nach Hartheim waren Euthanasie-Trupps laut Aussagen von Pflegerinnen, die dort gearbeitet haben, aber bereits 1938, wenige Monate nach dem "Anschluss" Österreichs, bereits gekommen. Diese Behauptung ist allerdings bisher nicht beweisbar. Dennoch ist sie wahrscheinlich, denn sogenannte Vorverlegungen begannen nach zahlreichen Berichten viel früher, genauso wie die wilde Euthanasie.

Andere Anstalten ahnten sehr schnell den Zweck der "Verlegung". Sie nutzten die Gekrat-Listen, um sogenannte schwierige Patienten loszuwerden. Beispielsweise Patienten, die auf eine menschenwürdige Behandlung in den Anstalten pochten und sich gegen Übergriffe seitens Personal oder Ärzte widersetzten. Waren in den Anstalten überzeugte Nazis als Leiter eingesetzt, wurden möglichst viele Patienten auf die Liste gesetzt. Es ist bewiesen, dass in unzähligen Fällen nicht nur Geisteskranke und Behinderte ermordet wurden. Viele Opfer entsprachen nicht den T4-Kriterien.

 

 

 

 

 

 

 

 


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