Der Islam: Übersicht

Der Islam Unterschiedliche Glaubensgemeinschaften Koran
Scharia Die 5 Säulen des Islam Gebete
Ramadan Feiertage Speisegesetze
Kleidung Körperpflege Kommunikation
Sterbepflege Medizinische Maßnahmen Terrorismus

 

 

 

Der Islam

Islam bedeutet die vollkomme Unterwerfung unter den Willen Allahs, des einen Gottes. Der Islam ist eine streng monotheistische Religion und erkennt den einheitlichen Ursprung aller monotheistischen Religionen an. So werden alle Propheten (Adam, Noah, Abraham, Moses, Jesus) verehrt, die die Menschen auf Muhammad (Mohammed) vorbereiteten, der die letzte göttliche Offenbarung überbrachte und alle vorherigen Botschaften Allahs (Gottes) berichtigte und ergänzte. So werden alle göttlichen Offenbarungen (Thora, Psalme, Evangelium) respektiert. Der Heilige Koran gilt als letzte Offenbarung.

Mohammed (Abū l-Qāsim Muhammad ibn ʿAbd Allāh ibn ʿAbd al-Muttalib ibn Hāschim ibn ʿAbd Manāf al-Quraschī) lebte von 570 bis 632 n. Chr.. Geboren wurde er in Mekka und verstarb in Medina. Er gilt für Muslime als unfehlbar, Prophet, Gottgesandter und Vorbildcharakter. Fromme Muslime setzen bei seiner Namensnennung  Sallā Llāhu ʿalaihi wa-sallam (‏صلى الله عليه وسلم‎ / „Gott segne ihn und schenke ihm Heil“) hinzu.

Zum Islam bekennen sich etwa 1,6 Milliarden Menschen. Nach dem Christentum ist der Islam die zweitgrößte Weltreligion. Die Anhänger des Islams sind Muslime (Moslems). Wie das Christentum ist der Islam eine missionierende Religion.

Im Gegensatz zum Christentum (Gottvater, Gottes Sohn und Heiliger Geist) ist Allah unteilbar, unvergleichlich und nichts ist ihm ähnlich. Nach seiner Offenbarung trägt Allah 99 Namen, die jeweils eine Eigenschaft beschreiben. Diese Eigenschaften sollen gleichberechtigt gesehen werden.

Im Islam wird besonders die Einheit der gesamten Menschheit betont. Unterscheidungen nach Rassen, Hautfarben, Sprachen etc dürfen keine Begründung für Überlegenheits- oder Herrschaftsansprüche sein. Unterscheidungen der Menschen ergeben sich nur durch Rechtschaffenheit und Gottesehrfurcht. Dadurch sollen sozialer Fortschritt, wirtschaftliche Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Frieden, Sittlichkeit gefördert werden, um das menschliche Glück im Jetzt und im jenseitigem Leben zu verwirklichen. Das menschliche Glück steht stets im Mittelpunkt. Vernunft und Glaube sind keine Gegensätze, sondern sollen sich ergänzen, um dieses menschliche Glück zu erreichen. Der Islam ist auch nicht undemokratisch, ein Meinungspluralismus steht nicht im Widerspruch zur Scharia (islamisches Recht).

Der Islam wird getragen von fünf Säulen, die für Muslime verpflichtend sind. Neben diesen Pflichten existieren noch weitere islamische Ge- und Verbote. Die fünf Säulen sind für die meisten Muslime die Basis. Ansonsten gibt es im Islam große Unterschiede und sehr unterschiedliche Richtungen, genau wie bei Juden oder Christen.

 

Verteilung der muslimischen Volksgruppen

 

Unterschiedliche islamische Glaubensgemeinschaften

Eine erste Trennung der Glaubensrichtungen fand direkt nach dem Tod des Propheten Mohammed statt. Es entstanden die wichtigsten konfessionellen Strömungen im Islam, die Sunniten (Anhänger der Sunna) und Schiiten (die Anhänger der Schia). 85 Prozent aller Muslime sind Sunniten. Die zweitgrößte Gruppe sind die Schiiten, die vor allem im Iran leben.

Die Trennung entzündete sich hauptsächlich an der Frage, wer nach dem Tod des Propheten die islamische Gemeinde führen sollte. Sunniten bezeichneten die geistigen Oberhäupter als Kalifen, die Schiiten nannten sie Imame. Die Sunniten wollten die geistigen Führer wählen, die Schiiten sahen als legitime Nachfolger nur Nachkommen des Propheten oder seines Schwiegersohnes. Für die Sunniten ist das geistliche Oberhaupt eher ein weltlicher Führer. Die Schiiten verehren den Imam als ein Oberhaupt, das mit geistlichen und gottähnlichen Kräften ausgestattet ist ähnlich dem Papst der katholischen Christen.

Beide Hauptströmungen haben zahlreiche Untergruppierungen. Die Salafisten beispielsweise werden als ultrakonservative Richtung der Sunniten gewertet, die eine Rückbesinnung auf den Islam der Vorzeit verfolgen.

In Deutschland leben viele Aleviten. Sie unterscheiden sich stark von Sunniten und Schiiten. Ihre Glaubensrichtung entwickelte sich im 13. / 14. Jahrhundert auf dem Gebiet der heutigen Türkei. Aleviten befürworten einen kirchenunabhängigen Staat. Sie treten für Glaubensfreiheit und Gleichberechtigung von Mann und Frau ein. Die Aleviten lehnen die Scharia, das islamische Gottesrecht, ab.

Die Ibaditen sind ebenfalls eine eigene Richtung im Islam und gehören nicht zu den Sunniten oder Schiiten.  Mit knapp zwei Millionen Anhängern sind sie eine Minderheit unter den Muslimen.

 

Koran

Der Koran ist die Heilige Schrift des Islams und enthält die wörtliche Offenbarung an den Propheten Mohammed. Er umfasst 114 Suren, die wiederum aus einer unterschiedlichen Anzahl an Versen in einer speziellen Reimprosa bestehen. Der Koran ist in arabischer Sprache verfasst und die Grundlage der Scharia.

Vermutlich war Mohammed Analphabet. Nach der Überlieferung schrieb der Erzengel Gabriel in 22 Jahren in sein Herz die Suren, die der Prophet dann rezitierte. Viele Verse zeigen einen Bezug auf aktuelle Geschehnisse der damaligen Zeit, andere erzählen von den vorigen Propheten und wieder andere enthalten Vorschriften und allgemeine Glaubensgrundsätze. Der Koran spricht alle Menschen an, auch Nichtgläubige.

Vor dem Tod des Propheten Mohammed waren bereits verschiedene Teile des Korans schriftlich niedergeschrieben worden. Nach seinem Tod entstand der erste Koran-Kodex. Der Kalif Uthman ibn Affan ließ einen überarbeiteten Koran erstellen. Jeder Vers musste von mindestens zwei Männern bezeugt werden, dass sie es genauso vom Propheten gehört hatten. Sechs Verse wurden nur von dem früheren Diener Mohammeds bezeugt, für den eine Sonderregelung getroffen wurde.

Eine Übersetzung des Korans aus dem Arabischen kommt für Traditionalisten nicht infrage, da eine Übersetzung die Gefahr einer Interpretation birgt. Daher empfehlen sie das Studium des Korans in der arabischen Originalfassung. Dennoch existieren inzwischen zahlreiche Übersetzungen in unterschiedlichsten Sprachen.

 

Scharia

Die Scharia bezeichnet die Gesamtheit des islamischen Gesetzes und basiert auf dem Koran. Sie gilt als Ordnung Allahs, die Frieden und Gerechtigkeit schafft und ist keine fixierte Gesetzessammlung, sondern eine Methode der Rechtsschöpfung. Niedergelegt wurde sie vor allem in der frühislamischen Zeit. Das islamische Gesetz regelt die kultischen und rituellen Vorschriften des Einzelnen und das Zusammenleben in der Gesellschaft (z. B. Vermögensrecht, Familienrecht, Erbrecht, Strafrecht). 

Übersicht über die Länder, in denen die Scharia gilt

Die Scharia sorgt immer wieder für Diskussionen in nichtislamischen Ländern, weil Delikte und Strafmaße nicht ihren Rechtsvorstellungen entsprechen. Dazu muss aber bemerkt werden, dass die Scharia nie vollständig zur Anwendung kam. Auch in Ländern wie beispielsweise der Iran oder Sudan wird sie nur teilweise praktiziert. In den meisten islamischen Ländern findet man Elemente aus Geboten des Korans, der islamischen Überlieferung, dem arabischen Gewohnheitsrecht, vorislamische und europäische Rechte in der heute geltenden Rechtsprechung.

Das islamische Strafrecht unterscheidet in Grenz-, Wiedervergeltungs- und Ermessensvergehen.

Als Grenzvergehen gelten Verbrechen, die nicht menschliches Recht, aber das Recht Allahs verletzen. Daher werden weltliche Gerichte oder außergerichtliche Einigungen nicht akzeptiert. Die Strafe wird unverändert vollstreckt, wie es im Koran oder Überlieferung vorgesehen ist. Ehebruch oder Unzucht wird beispielsweise mit Peitschenhieben, Arrest, Verbannung bis zur Todesstrafe geahndet. Schwerer Diebstahl, ausgenommen Mundraub oder Taschendiebstahl, führt zur Amputation der rechten Hand und im Wiederholungsfall des linken Fußes. Raub in Verbindung mit Totschlag wird mit der Todesstrafe bestraft. Alkohol- oder Drogengebrauch wird mit Schlägen vergolten. Die Strafen für Homosexualität und Vergewaltigung werden kontrovers diskutiert. Für den Abfall vom Islam ist die Todesstrafe vorgesehen. Voraussetzung für eine Verurteilung ist entweder ein freiwilliges Geständnis (der Geständige muss mündig und geistig gesund sein und vorsätzlich gehandelt haben) oder die Aussage zweier männlicher Augenzeugen (bei Ehebruch und Unzucht vier männliche Augenzeugen). Ein Geständnis kann widerrufen oder bei Unglaubwürdigkeit vom Richter zurückgewiesen werden.

Verbrechen mit Wiedervergeltung verletzen nach der Scharia menschliches Recht. Dazu gehören Mord und Totschlag. Geahndet werden diese Verbrechen nach dem Motto: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, das heißt, der Täter erfährt dieselbe Verletzung, die er verübt hatte. Das Opfer, niemand anderes, hat das Recht, dem Täter unter Aufsicht des Richters die gleiche Verletzung beizubringen. Wenn das Opfer oder die Familie des Opfers auf Vergeltung verzichtet, kann sie vom Täter einen sogenannten Blutpreis fordern. Zusätzlich muss der Täter eine religiöse Bußleistung leisten wie z. B. zusätzliches Fasten.

Ermessensvergehen gehören weder zu den Grenzvergehen noch zu Verbrechen mit Wiedervergeltung. Dazu gehören beispielsweise Delikte wie Aufruhr, Lügen, Rufmord, Beleidigung, Bestechung, Betrug, Urkundenfälschung, Sachbeschädigungen, Verkehrsverstöße, Rauschgifthandel, Erpressung usw. Die Bestrafung liegt im Ermessen des Richters. Strafmaße sind je nach Schwere des Vergehens Ermahnungen, Tadel, Geldstrafen, Verlust des Amtes oder des Besitzes, Gefängnisstrafen, Verbannung, Auspeitschung bis zur Todesstrafe. 

Die 5 Säulen des Islam

Mit den 5 Säulen des Islam sind die Pflichten gemeint, die jeder Muslim erfüllen muss.

  • Die erste Säule ist der Glaube und Bekundung an die Einheit Allahs.
  • Die zweite Säule ist die Pflicht zu den fünf täglichen Gebeten vor Sonnenaufgang, am Mittag, am Nachmittag, nach Sonnenuntergang und in der Nacht.
  • Die dritte Säule ist die Verpflichtung zur Wohltätigkeit. Dazu gehören freiwillige Spenden und die einmalige jährliche Almosen-Steuer (Zakat). Sie beträgt ungefähr 2,5 Prozent des Einkommens und ist die Basis für die Sozialarbeit.
  • Die vierte Säule ist die Pflicht zur Einhaltung des Fastens im Ramadan.
  • Die fünfte Säule ist die Pflicht, wenigstens einmal in seinem Leben nach Mekka zu pilgerrn.

 

Gebete

Gläubige Muslime verrichten fünf Pflichtgebete am Tag. Die Gebetszeiten sind festgelegt und in einem Kalender verzeichnet, den jeder Gläubige besitzt.

Freitags sind Männer verpflichtet, in der Moschee zu beten.

Der Ort des Gebetes muss ruhig, ungestört und sauber sein. Die Gebete finden in Richtung Mekka statt, in Deutschland ist das ungefähr die südöstliche Richtung. Geht jemand an dem Betenden vorbei, ist die Verbindung mit Mekka gestört und das Gebet muss von vorne begonnen werden.

In einer Pflegeeinrichtung sollte daher ein abgeschlossener Raum mit Teppich für Gebete zur Verfügung stehen, getrennt nach Geschlechtern. Logischerweise sollte dort und im Zimmer des Gepflegten keine religiösen Symbole anderer Religionen hängen. 

Für die rituelle Waschung vor dem Gebet kann die Nasszelle des Gepflegten genutzt werden, besser wäre ein separater Waschraum beim Gebetsraum mit fließendem Wasser.

Bettlägrigen Klienten muss auch das Gebet ermöglicht werden. Die rituelle Waschung kann auch im Bett erfolgen mittels Kanne und Schüssel zum Wasser auffangen. Im Notfall könnte auch eine symbolische Waschung vollzogen werden. Der Klient berührt dazu die Wand und deutet die Waschung an. Es geht darauf zurück, dass auch Stein oder Sand zur Reinigung genutzt werden darf, wenn kein Wasser vorhanden ist. Da in deutschen Pflegeeinrichtungen aber überall Wasser vorhanden ist, sollte dieser Notfall nicht eintreten. Es bedeutet lediglich Mehrarbeit, was bei dem Anspruch an die Individualpflege  oder ganzheitlichen Pflege geleistet werden muss.

Der einfachste Weg zur Unterstützung der Gebete ist, die Angehörigen oder die Gemeinde um Hilfe zu bitten. Es hätte auch den Vorteil, dass eine gläubige Person den Klienten unterstützt. 

Für gläubige Muslime sind Krankenbesuche eine religiöse Pflicht. Man kann sich über die zahlreichen Besucher aufregen, sinnvoller ist es jedoch, die Vorteile zu sehen und zu nutzen.

Freitags sollte dem Klienten der Besuch einer Moschee ermöglicht werden. Auch dafür kann man Angehörige oder Gemeindemitglieder einbinden. 

Ein Leitbild einer Einrichtung, das betont, dass die Pflegeeinrichtung offen für alle Konfessionen ist und obendrein mit ganzheitlicher Pflege oder Individualpflege wirbt, verpflichtet sich nicht nur, auch muslimische Mitbürger aufzunehmen. Es hat dann auch die Bedingungen und Voraussetzungen zu schaffen, dass dieses Klientel entsprechend seinen Bedürfnissen leben kann. 

Dazu gehört auch die Akzeptanz der Besucherströme. Bekommen alte Menschen in Altenheimen keinen Besuch, regt sich das Pflegepersonal darüber auf. Bekommen alte Menschen in ihren Augen zuviel Besuch, regt man sich ebenfalls auf und signalisiert, dass die Besucher stören. Störend sind in erster Linie die festgefahrenen Strukturen und Vorurteile. Das kann man auch strukturelle Gewalt nennen.

Die zahlreichen Besucher bringen mehr Vor- als Nachteile mit:

  • Die Klienten fühlen sich wohl und geborgen
  • Da der Islam für Christen eher eine fremde Religion ist, hat man vor Ort Ansprechpartner, die sich in der Religion auskennen
  • Es besteht eine große Bereitschaft der Besucher, den Alten oder Kranken bei religiösen Verrichtungen zu unterstützen
  • Die meisten Besucher sind sehr zugänglich und lassen sich gerne anleiten und in Pflege und Betreuung im Interesse des Klienten einbinden
  • Kulturen treffen sich und es besteht die Möglichkeit, den eigenen Horizont zu erweitern
  • In der Regel ist der Umgang der Besucher mit anderen Klienten, auch anderer Religionen, ausgesprochen respektvoll und wertschätzend
  • Es kommt Leben in die Bude

In den meisten Einrichtungen gibt es bestimmte Bettgehzeiten, die sich allerdings nicht immer mit dem letzten Gebet der Muslime (nach Sonnenuntergang) decken. Deswegen muss hier auch eine Regelung getroffen werden, wie Bewohner diese Gebetszeit einhalten können. Wichtig ist auch, dass beim Gebet Ruhe gegeben ist.

 

Der Fastenmonat Ramadan

Der Fastenmonat ist der neunte Monat nach dem islamischen Mondkalender. Dadurch verschiebt sich der Fastenmonat um zehn oder elf Tage pro Jahr nach vorne. So erlebt ein Muslim im Laufe seines Lebens diesen Monat in allen Jahreszeiten. Im Winter mit den kurzen Tagen ist das Fasten logischerweise leichter.

Im Monat Ramadan wurde nach islamischer Auffassung der Koran herabgesandt. Die Gläubigen sollen sich durch das Fasten wieder ganz auf Gott besinnen. Das Fasten ist eine der sogenannten fünf Säulen des Islam und Pflicht. Zum Fasten gehört auch das Lesen des Korans.

Viele Muslime, die sonst eher eine lose religiöse Bindung haben, halten meist auch das Fasten ein.

Gefastet wird täglich vom ersten Morgengrauen bis zum Abend. Die Zeiten sind in einem Kalender festgelegt. In diesem Zeitraum darf nichts von außen in den Körper eindringen. Somit entfällt essen, trinken, rauchen und der Geschlechtsverkehr. Das wird als "äußeres" Fasten bezeichnet. Das  "innere" Fasten soll die Seele reinigen, indem der Gläubige darauf achtet, sich von Sünde fernzuhalten und sich von Abhängigkeiten loszulösen.

Eine Injektion, Infusion oder Verwendung von Salben oder Tropfen würde das Fasten brechen. Nasen-, Augentropfen, Injektionen und Infusionen ohne Nährwert sind im Ramadan erlaubt.

Eine wichtige islamische Regel besagt, dass der Mensch nichts tun darf, was ihm Schaden zufügt. Das bedeutet, dass die regelmäßige Einnahme einer Medizin tagsüber erfolgen kann, wenn sie erforderlich ist.

Außerdem dürfen Schwangere, stillende Mütter, Altersschwache und Kranke nicht fasten. Altersschwache und chronisch Kranke sollen statt zu fasten einen Fastenersatz leisten (fidya) durch Speisung eines Bedürftigen oder einer entsprechenden Spende. Die Spende oder Speisung sollte der Aufwendung für das eigene Fastenbrechen entsprechen. Andere holen die Fastentage zu einem späteren Zeitpunkt nach.

Das erklärt sich aus der Regel zur Gesunderhaltung. Man kann also auch als Ungläubiger Kranke darauf hinweisen, dass sie nach dem Koran von der Fastenpflicht entbunden sind, wenn sie durch das Fasten dem Gesundungsprozess schaden. Es wäre gegen den Willen Allahs, da jeder Muslim gehalten ist, seine Gesundheit zu schützen und zu erhalten. Bei uneinsichtigen Klienten: Wozu gibt es die zahlreichen Krankenbesucher?

Kinder fasten ab der Geschlechtsreife, vorher können sie innerhalb ihrer Möglichkeiten freiwillig fasten.

Am Abend beginnt das Fastenbrechen normalerweise mit einem Schluck Wasser oder einer Dattel. Nach dem Abendgebet werden die eigentlichen Speisen gegessen. Oft laden sich Gläubige gegenseitig zum Essen ein. Häufig findet in den Moscheen ein gemeinsames Fastenbrechen statt. Ein ganzjähriges Fasten ist verboten.

Der Ramadan endet am ersten Tag des Folgemonats (türkisch: Ramazan Bayramı; arabisch: Īd-ul-fitr). Nach dem Sonnenaufgang beginnt das dreitägige Fest mit einem Festgebet. Es ist dann üblich, sich gegenseitig zu besuchen, wobei die Jüngeren meist den Älteren durch ihren Besuch Respekt zollen. 

Muslimische Kollegen kann man während des Fastens unterstützen, indem man ihnen nicht während der Fastenzeit schwere Arbeiten zumutet und den Dienstplan danach ausrichtet. 

 

Feiertage

Die islamische Jahreszählung beginnt mit dem Jahr der Hidschra Mohammeds, seiner Übersiedlung von Mekka nach Medina im Jahr 622. Die religiösen Feste in den muslimischen Ländern richten sich nach dem Mondkalender. Deshalb verschieben sich die Feste und Feiertage jedes Jahr und können nicht auf eine bestimmte Jahreszeit festgelegt werden. Hidschra oder das islamische Neujahr ist kein Feiertag, sondern ein Gedenktag und erinnert an die Auswanderung des Propheten und die Gründung des ersten islamischen Staates. Da für Muslime der neue Tag mit dem Sonnenuntergang beginnt, nicht um Mitternacht, dauert der Gedenktag zwei Tage. In manchen islamischen Ländern künden traditionelle Blasinstrumente das neue Jahr an. Viele Muslime bereiten in der Familie ein Neujahrsmahl aus traditionellen Zutaten. Allerdings lehnen auch viele Muslime eine Neujahrsfeier grundsätzlich ab, weil sie nicht durch den Koran begründet wird.

Der Freitag, der „Tag der Zusammenkunft“, ist in der Bedeutung ähnlich dem Sonntag für Christen oder Sabbat für Juden. Allerdings gilt der Freitag in den meisten islamischen Ländern nicht als Feiertag und ist somit nicht arbeitsfrei. Im Mittelpunkt steht das Gemeinschaftsgebet in der Moschee am Freitagnachmittag, was für gläubige Männer Pflicht, von Frauen erwünscht ist.

Id al-Adha, das Opferfest, ist das höchste Fest und findet im Wallfahrtsmonat Dhu al-Haddsch statt. Es dauert vier Tage und wird in Erinnerung an den Propheten Abraham gefeiert, der bereit war seinen Sohn zu opfern. Abraham durfte seinen Sohn mit einem Tieropfer auslösen. Daher schlachten Muslime ein Tier, meist ein Schaf, das gemeinsam verzehrt wird. Nach der 3. Säule, der Wohltätigkeit, soll man das Essen mit Bedürftigen teilen oder sie einladen.

Der Ramadan ist ein gesegneter Monat, in dem die göttlichen Gnaden (Barakat) näher sein sollen. Vor allem in der feierlichen "Nacht der Bestimmung", in der der "Herabsendung" des Korans auf Mohammed gedacht wird, lesen Muslime intensiv den Koran. 

Id al-Fitr, das Fest des Fastenbrechens oder Ramadanfest ist eine dreitägige Feier zum Ende des Fastens im Ramadan, dem neunten Monat des islamischen Kalenders. Man feiert aus Dankbarkeit für den segensreichen Fastenmonat und aus Freude darüber, dass alle die Anstrengungen des Fastens gut überstanden haben. Die Kinder erhalten Geschenke und Süßigkeiten, daher hat das Fest in der Türkei den Beinamen "Zuckerfest". Es werden viele Besuche innerhalb der Verwandschaft unternommen. Kinder freuen sich auf das Fest wie beispielsweise christliche Kinder auf Weihnachten. In vielen Moscheen wird ein Nachmittag für die Kinder geöffnet, die dort gemeinsam spielen und von der Moschee beschenkt werden.

Mawlid an-Nabi oder Mevlid wird am 12. des Monats Rabi al-Awwa in den meisten islamischen Ländern mit Andachten, Lichtern und hell erleuchteten Moscheen gefeiert. Das „Lichterfest zum Geburtstag" erinnert und gedenkt dem Geburtstag des Religionsstifters. Den eigenen Geburtstag feiern allerdings Gläubige meistens nicht. Erst nach Anstrengungen gibt es ein Fest, etwa am Ende des Ramadans, nach einer bestandenen Prüfung oder erfolgreichem Koranstudium. Dogmatische Muslime lehnen diesen Feiertag daher ab.

An Miradsch Kandil wird im Monat Radschab der Himmelsreise des Propheten Muhammad gedacht. Die Moscheen werden in der Nacht festlich beleuchtet, die Gläubigen beten in dieser Nacht oder tragen Gedichte vor. Auch dieses Fest lehnen dogmatische Muslime ab.

Auch in der Nacht Lailat-ul-Bara’a oder Berat Kandili im Monat Schaban sind die Moscheen nachts hell erleuchtet. In der "Nacht der Vergebung" bitten die Menschen in Gebeten Allah um Vergebung für ihre schlechten Taten. 

Lailat al-Qadr ist die "Nacht der Bestimmung" oder „Nacht des Schicksals“. Das Schicksal des einzelnen Menschen kann sich verändern, da seine Bittgebete in jener Nacht besondere Erfüllung erhalten und der Mensch eine besondere Nähe zu seinem Schöpfer verspüren kann.

Neben diesen Festen gibt es noch regionale Feste oder Feste der unterschiedlichen islamischen Richtungen. 

 

Speisegesetze

Schweinefleisch, Blut und Alkohol sind verboten.

Produkte wie Schweinefett oder Gelantine führen oft zu Schwierigkeiten mit Muslimen, da die Regeln aus Unwissenheit nicht beachtet werden. Misstrauen entsteht, wenn die Küche beispielsweise mitteilt, dass die zubereiteten Speisen kein Schweinefleisch enthalten, aber zum Beispiel mit Schweineschmalz gebraten wurde. Es müsste selbstverständlich sein, dass Muslimen nichts "untergejubelt" wird. Dazu hat man sich mit den Lebensmitteln auch zu befassen. Es ist zum Beispiel unglaublich, wo sich überall Gelantine, meist ein Produkt aus dem Knochenmark der Schweine, befindet: Beispielsweise in Süßigkeiten, Pudding und sogar in Obstsäften.

So etwas erzeugt Misstrauen und dann muss man sich auch nicht wundern, wenn die Verwandten beladen mit Essen und Trinken in die Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen kommen. Denn grundsätzlich wäre die Zubereitung von Speisen durch Nichtmuslime gestattet. Fataler sind die Folgen, dass Misstrauen Vertrauen im Ansatz erstickt. Vertrauen ist ein wichtiger Bestandteil in der Pflege und die Basis für erfolgreiche Therapien.

Praktizierende Muslime können von christlichen oder jüdischen Gastgebern eingeladen werden und auch in nichtmuslimischen Geschäften einkaufen. Wichtig ist nur, dass die Inhaltsangaben der Lebensmittel stimmen und auch beachtet werden.

Muslime aus arabischen Ländern lehnen jegliches Fleisch ab, wenn es nicht nach ihren Regeln (helal) geschlachtet wurde. Das Tier muss mit einem Segensspruch (bismillah) geschächtet werden. Das Schächten ist bei Andersgläubigen umstritten. Damit müssen allerdings diese Muslime leben, dass sie in Deutschland in der Regel nicht an Fleisch kommen, dass ihren Regeln entspricht. Es sei denn, dass die Angehörigen sie versorgen.

Es existieren noch eine Reihe anderer Speiseverbote, die sich von Rechtsschule zu Rechtsschule unterscheiden. Meistens ist der Verzehr von Tieren verboten, die sich von Aas ernähren. Sie gelten als unrein.

Aus Blut hergestellte Lebensmittel wie beispielsweise Blutwurst dürfen nicht verzehrt werden.

Muslime, die unwissentlich gegen die Speisegesetze verstoßen, werden nach der muslimischen Lehre von Gott mit Nachsicht behandelt.

Das Alkoholverbot gilt auch für Speisen wie mit Wein abgeschmeckte Soßen, Zugaben in Eis, Torten, alkoholhaltige Pralinen und dergleichen. Erwartet man muslimische Gäste, sollte man also nicht unbedingt die Schwarzwälder Kirschtorte servieren, es sei denn, dass man bei der Herstellung das Kirschwasser weggelassen hat.

Schwierig wird es mit alkoholhaltigen Medikamenten. Es muss geprüft werden, ob es adäquate Medikammente ohne Alkohol gibt. Falls nicht, darf der Muslim das Präparat einnehmen, da die Gesunderhaltung immer Vorrang hat.

Für viele Muslime ist es problematisch, wenn in ihrer Anwesenheit Alkohol konsumiert wird.

Der Genuss von Tabak, das Rauchen, ist umstritten.

Vor jeder Mahlzeit muss Muslimen die Möglichkeit gegeben werden, sich die Hände zu waschen.


Kleidung und Intimsphäre

Pflege und Behandlung muslimischer Klienten muss in der Regel durch gleichgeschlechtliche Personen geschehen.

Der Körperkontakt zwischen fremden Männern und Frauen ist für viele Muslime tabuisiert. Daher verzichten Muslime häufig auf das Händeschütteln mit Andersgeschlechtlichen, was keinesfalls als Beleidigung, Respektlosigkeit oder Wertung aufgefasst werden sollte.

Das Ablegen der Kleidung sollte in der Pflege auf ein erforderliches Minimum begrenzt werden. Dabei muss auf größtmögliche Privatsphäre und Diskretion geachtet werden (Laken zum Abdecken, Vorhänge, Sichtschutz, geschlossene Türen).

Oft ist die Kleidung ein Symbol für die islamistische Zugehörigkeit. Die Kleidung von Muslimen ist häufig massiv von Traditionen geprägt und nicht unbedingt durch den Koran.

Für Männer gibt es im Koran eigentlich keine konkreten Bekleidungsvorschriften, außer dass die Kleidung einfach und gepflegt und kein Ausdruck von Verschwendung oder Vergeudung zeigen sollte. Es wird meistens Wert darauf gelegt, dass die Bekleidung vom Nabel bis zum Knie reicht. Bei anderen Richtungen wird Wert darauf gelegt, dass der Körper so bekleidet ist, dass nur Waden und Unterarme zu sehen sind. Männer sollen kein Gold und keine Bekleidung aus Naturseide tragen, außerdem ist das Tragen von Frauenkleidung verboten.

Für die Pilgerfahrt gibt es allerdings genauere Regeln. Um die Hüften werden weiße Leintücher (izar) gewickelt, ebenso wird der Oberkörper (rida) bedeckt. Dazu werden Sandalen oder flache Schuhe getragen.

Für Männer und Frauen ist jede Kleidung verboten, die ein typisches Merkmal einer anderen Religion zeigt. Es soll auch auf Kleidung verzichtet werden, die sich nach dem Kuffar ("Ungläubige", "Gottesleugner") richtet.

Kleidervorschriften für Frauen sind häufig massiv traditionell geprägt und werden unterschiedlich durch die Religion ausgelegt. Grundsätzlich dürfen sie Schmuck tragen. Strenggläubige zeigen ihn aber nicht öffentlich. Männerkleidung ist verpönt. Wobei Hosen bei vielen Muslimen umstritten sind, da sie in der heutigen Zeit keine typische Männerbekleidung mehr darstellen. Wenn ein fremder Mann anwesend ist, gilt für viele Frauen, dass der gesamte Körper bis auf Gesicht und Hände bedeckt sind und die Kleidung nicht figurbetont oder durchsichtig ist.

Die auffälligste Bekleidung ist die Burka, ein Kleidungsstück zur vollständigen Verschleierung des Körpers. Die Burka wird von vielen Frauen in Afghanistan und Pakistan getragen. In einigen europäischen Ländern ist das Tragen der Burka und Niqab in der Öffentlichkeit durch ein Verschleierungsverbot nicht gestattet. Das Verschleierungsverbot ist nicht nur bei Muslimen umstritten.

Kopftuch und Hidschab werden in der Regel toleriert, obwohl die Diskussionen dazu nicht abreißen. Die Koraninterpretationen sind dazu unterschiedlich.

Für die Pflege gilt, dass Frauen nicht aufgefordert werden, sie abzulegen, wenn die Pflege dadurch nicht behindert wird. Es muss immer sichergestellt sein, wenn man das Zimmer des anderen Geschlechtes betritt, dass der Klient entsprechend gekleidet und nicht eventuell durch Grundpflege oder medizinische Maßnahmen entblößt ist.

Die Bekleidungsvorschriften müssen auch von Betreuern beachtet werden, die beispielsweise die Mittel für Bekleidung beim Staat beantragen.

Muslimische Kolleginnen müssen in der Pflege aus hygienischen Gründen kurzärmlig arbeiten. Das widerspricht nicht dem Koran, denn die Gesunderhaltung hat immer Vorrang. Kopftuch oder Hidschab (kurzer Hals) dürfte die Arbeit nicht behindern. Daher sollte es möglich sein, es zu tolerieren. Ordensschwestern wird auch nicht das Tragen ihrer Tracht verboten.

 

Körperpflege

Der Islam legt großen Wert auf Sauberkeit, die auch im Krankheitsfall nicht vernachlässigt werden darf. Eine regelmäßige Körperpflege ist vorgeschrieben.

Dazu gehört die rituelle Reinheit vor dem Gebet durch Teilwaschung (Wudu). Das Gebet ist ohne Wudu nicht gültig.

Eine mindestens wöchentliche Ganzwaschung wird vorausgesetzt. Es kann passieren, dass ein Klient unmittelbar nach der Dusche den Wunsch zu einer rituellen Waschung äußert.

Die rituelle Waschung muss nach Ausscheidungen erneuert und unter fließendem Wasser vorgenommen werden.

Der Intimbereich wird nach der Ausscheidung mit fließendem Wasser gereinigt. Daher sollte nicht nur Papier, sondern auch Wasser zur Verfügung gestellt werden. Um zu vermeiden, dass Krug oder Wasserflasche mit auf die Toilette genommen werden muss, sollte dort ein Waschbecher vorhanden sein. Selbstverständlich darf die Intimpflege nur von einer gleichgeschlechtlichen Pflegeperson unterstützt werden.

In der Regel werden Scham- und Achselhaare regelmäßig entfernt.

Kommunikation

Sprachliche Probleme müssen wenn möglich bereits im Vorfeld abgeklärt werden. Im Idealfall arbeitet in der Einrichtung Betreuungspersonal mit den gleichen Sprachkenntnissen und kulturellem Hintergrund. Das sollte man in der Bezugspflege unbedingt beachten. Sinnvoll ist es auch, die Muslime zusammen zu führen.

Sterbepflege

Sterbende sollen nach Möglichkeit mit dem Gesicht nach Mekka gebettet werden.

Wichtigste Regel ist, den Sterbenden nie allein zu lassen und ihm immer wieder etwas zu trinken zu geben. Normalerweise übernimmt das der Verwandten- und Bekanntenkreis. Sollte ein Sterbender keine Angehörigen in Deutschland haben, kann eine Moschee verständigt werden mit der Bitte, dass sich ein Mitglied der Gemeinde um den Sterbenden kümmert. So werden auch die Rituale eingehalten.

Mit dem Sterbenden wird das Glaubensbekenntnis, die Schahada gesprochen. Die Vorsprache hält ein Gläubiger, "von dem man nur Gutes spricht".

Der Verstorbene muss nach islamischen Vorschriften für das Begräbnis vorbereitet werden. Vor der Totenversorgung hat das Pflegepersonal Katheter, Drainagen, Sonden etc zu entfernen und grobe Verunreinigungen zu beseitigen.

Eine gläubige, gleichgeschlechtliche Person (Ausnahme Ehepartner) verbleibt bei dem Toten und führt die Totenwaschung durch. Die anderen bis dahin Anwesenden verlassen das Sterbezimmer und informieren sofort Verwandte, Freunde, Nachbarn und Bekannte über den Tod.

Die Waschung ist für die Hinterbliebenen Vorschrift.

Anschließend wird der Leichnam gesalbt und (nicht überall üblich) eingekleidet. Das Totengewand ist ein spezielles Gewand, aber auch die Wallfahrtskleidung nach Mekka kann als Totengewand genutzt werden. Märtyrer werden in der Kleidung zum Zeitpunkt ihres Todes beerdigt und gelten als gereinigt durch ihr Blut. Die Regeln für die rituelle Reinigung von Fehl-, Früh, Totgeburten, Kindestod oder bei Unfallopfern sind in den verschiedenen Glaubensrichtungen unterschiedlich. Bei kleinen Kindern wird oft auf eine rituelle Reinigung verzichtet.

Der Verstorbene wird nun vorschriftsmäßig in weiße Tücher eingewickelt.

Die Versorgung des Toten kann nur von gläubigen Muslimen verrichtet werden, um die Würde des Verstorbenen zu wahren. Ein Nichtmuslim darf den Toten nicht waschen und selbst auch nicht gewaschen werden.

Nachdem der Verstorbene versorgt ist, wird das Totengebet gesprochen, allerdings nicht beim Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang. In den verschiedenen Glaubensrichtungen weichen Wortlaut und Sprecher des Totengebetes voneinander ab.

Eine Feuerbestattung ist im Islam verboten.

Es gibt keine bestimmte Farbe der Trauer.

Obduktionen sind verboten. Für die Wiederauferstehung muss der Körper unbeschadet bleiben.

Im Islam sind Gebete, die rituelle Waschung des Leichnams und die Beerdigung im Ablauf genau festgeschrieben.

Eine Bestattung in Deutschland ist nicht konfliktfrei. Nach dem Islam soll der Tote innerhalb von 24 Stunden beerdigt werden. Das deutsche Bestattungsgesetz erlaubt eine Bestattung frühestens 48 Stunden nach dem Todeseintritt. Im Islam wird ohne Sarg bestattet, in Deutschland ist der Sarg aber bei Erdbestattungen Pflicht. Einige Friedhöfe haben die Sargpflicht inzwischen gelockert, dass gläubige Muslime auch ohne Sarg beigesetzt werden können. Im Islam genießen die Toten ein ewiges Ruherecht.

Medizinische Maßnahmen

Organtransplantationen: Unterschiedliche Auffassungen (Für einige Muslime sind sie verboten, da der Körper Sitz der Seele ist, andere sehen sie als Geste der Hilfsbereitschaft)

Kosmetische Operationen: Strenggläubigen Muslimen verboten als Eingriff in die Schöpfung Allahs. Ausnahmen sind medizinische Notwendigkeiten.

Blutspende: Erlaubt als Geste der Hilfsbereitschaft (darf nicht entgeltet werden).

Blut: Gilt rituell als unrein (Verbot eines rituellen Gebetes in blutbefleckter Kleidung), der Mensch selber gilt nicht als unrein, wenn er blutet.

Sterbehilfe: Aktive Sterbehilfe ist klar verboten, zur passiven Sterbehilfe gibt es unterschiedliche Positionen.

Haare: Das Kopfhaar ist für Muslima das Symbol für Weiblichkeit, für Muslime Zeichen der Stärke. Eine Rasur des Kopfhaares aus medizinischen Gründen ist daher problematisch.

Blutentnahme: Häufig ängstliche Reaktionen als generelle Schwächung des Körpers.

Therapien: Da herrscht wahre Abrahamitische Ökumene. Diäten, Physio- oder Ergotherapie etc werden oft nicht eingehalten. Bei Muslimen hat man immerhin die Möglichkeit der Intervention, indem man sie daran erinnert, dass sie eine Verpflichtung haben zur Gesunderhaltung und sich von daher aktiv an therapeutischen Maßnahmen beteiligen müssen. Notfalls setzt man den Hebel über die Besucher an.

Krankheit: Nach islamischen Verständnis ist Krankheit keine Strafe Gottes, sondern eine Prüfung.

Heilung: Gläubige sehen Gott als die heilende Kraft.

Spezielle Krankheitsursachen: Für gläubige Muslime gibt es häufig auch andere Erklärungen für Krankheiten außer der medizinischen.

Dschinn: Aus Feuer geschaffene übersinnliche Wesen, die den Menschen schaden können
Al-´Ayn: Der "Böse Blick" aufgrund von Neid gilt als krankmachend
Sihr: Zauberei zum Schaden eines Menschen

Gegen diese Krankheitsursachen hilft keine Medizin und es steht andersgläubigen Medizinern und Pflegepersonal nicht zu, darüber zu urteilen, weil es zur Heilung nicht beiträgt. Es gibt auch viele Muslime, die sich über andere Religionen, die beispielsweise Krankheit als Gottesstrafe für begangene Sünden ansehen (Z.B. der sündige aidskranke Säugling), Gedanken machen ohne darüber zu urteilen. Das hat was mit gegenseitigem Respekt zu tun. Im Interesse des Erkrankten sollte man hier seine Grenzen erkennen und Besucher und Gemeinde um Hilfe bitten.

Prophetenmedizin: Sie beruht aus den Überlieferungen des Propheten und war Ursprung der klassischen muslimischen Medizin. Da die traditionelle Medizin in der Regel keine schädlichen Nebenwirkungen hat, sollte sie im Interesse des Klienten als Co-Therapie akzeptiert werden.

Moderne Medizin: Die heutige technokratische (allein von Gesichtspunkten der Technik und Verwaltung bestimmt und auf das Funktionieren gerichtete) Medizin macht vielen Menschen Angst, nicht nur Muslimen. Aber gerade Muslime haben durch ihre klassische Medizin eine ganzheitliche Sicht und wehren sich dagegen, reines medizinisches Objekt zu sein, wo nur das erkrankte Organ im Mittelpunkt steht.

Siehe: Pflegegeschichte Arabisch-islamischer Kulturkreis und Al-Razi

 

 

Vorurteile und Terrorismus

Es gefällt den wenigsten Deutschen, als Nazis bezeichnet zu werden, obwohl es Neonazis gibt. Wohlgemerkt eine Minderheit!

Muslimen gefällt es ebensowenig, in eine Ecke mit Terroristen gestellt zu werden. Kurz und knapp: Terror, willkürliche Gewalt und Angriff auf unbeteiligte Zivilisten finden im Islam keine Rechtfertigung. Der Islam verbietet Mord, Geiselnahme, Anarchie und Terror. Islamische Terroristen gibt es nicht, weil Terror nicht islamisch ist. Sogenannte „islamische Terroristen" besitzen nur einseitige Islam-Kenntnisse und missbrauchen den Islam für ihre psychopathischen Ziele.

Dschihad bedeutet "sich anstrengen für die Sache Allahs" und wird fälschlicherweise häufig mit "heiligem Krieg" übersetzt. Der Dschihad ist ausschließlich ein Verteidigungsmittel oder zur Befreiung von Unterdrückung gedacht, genauso aber, um sich für Allah im direkten Umfeld einzusetzen. Viele Pflegepersonen sind ständig im Dschihad. Denn sie bemühen sich trotz verhehrender Arbeitsbedingungen gegen alle Widerstände auch unter persönlichen Opfern Menschen als Gottes Geschöpfe zu schützen und zu heilen.

IS & co schaden nicht nur ihren direkten Opfern, wohlgemerkt auch muslimischen Opfern, nur weil diese einer "verkehrten" Glaubensrichtung angehören. Sie schaden sich selber, denn sie verlieren den Schutz ihrer Gemeinden und werden Teil einer pervertierten Subkultur aus Hass und Gewalt. Indirekt sind alle Muslime Opfer, die durch sie mit Feindseligkeiten, Diskriminierungen, Angriffen, Fremdschämen kämpfen müssen, obwohl sie getreu nach ihrer Religion leben.

Pflegepersonal sollte nicht nur Verbände wickeln, lagern und Medikamente stellen können. Es sollte auch denken können, sich gesellschaftskritisch verhalten und die Individualpflege ernst nehmen. Da haben keine billigen Vorurteile Platz.

Und der muslimischen Kollegin hilft es, wenn nach einer erneuten terroristischen Gräueltat DU DICH vor sie stellst.


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