Behinderung: Übersicht
 
 
 
 
 

 

Definition der Behinderung nach der Weltgesundheitsorganisation WHO:  
 
Es wird von drei Begriffen ausgegangen: 
 
1. Schädigung  =  Mängel oder Abnormitäten der anatomischen, psychischen oder physiologischen Funktionen und Strukturen des Körpers 
 
2. Beeinträchtigung = Funktionsbeeinträchtigung oder –mängel aufgrund von Schädigungen, die typische Alltagssituationen behindern oder unmöglich machen 
 
3. Behinderung = Nachteile einer  Person aus einer Schädigung oder Beeinträchtigung 
 
 
 

 

 
Definition Behinderung in Deutschland
nach dem SGB IX § 2:
 
1. Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist. 
 
 2.  Menschen sind im Sinne des Teils 2 schwerbehindert, wenn bei ihnen ein Grad der Behinderung von wenigstens 50 vorliegt und sie ihren Wohnsitz, ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder ihre Beschäftigung auf einem Arbeitsplatz im Sinne des § 73 rechtmäßig im Geltungsbereich dieses Gesetzbuches haben. 
 
3. Schwerbehinderten Menschen gleichgestellt werden sollen behinderte Menschen mit einem Grad der Behinderung von weniger als 50, aber wenigstens 30, bei denen die übrigen Voraussetzungen des Absatzes 2 vorliegen, wenn sie infolge ihrer Behinderung ohne die Gleichstellung einen geeigneten Arbeitsplatz im Sinne des § 73 nicht erlangen oder nicht behalten können (gleichgestellte behinderte Menschen).
 
 
 
 
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Frühbehinderung / Spätbehinderung

Allgemein für alle Behinderungen gilt: Es muss unterschieden werden zwischen einer Frühbehinderung (Angeborene Behinderung) und einer Spätbehinderung (Erworbene Behinderung).

Wer beispielsweise gehörlos oder schwerhörig geboren ist, für den ist dieser Zustand "normal". Derjenige kennt es nicht anders und hat daher auch kein Verlustempfinden. Psychische Probleme durch die Behinderung sind ausschließlich anerzogen durch

  • Vorurteile
  • Benachteiligung
  • Fehlende oder mangelnde Förderung
  • Fremdbestimmung 

Die Fremdbestimmung ergibt sich bereits grundsätzlich aus der Problematik, dass sein Umfeld in einer Fremdsprache kommuniziert, der Lautsprache. Für den Frühertaubten ist die Gebärdensprache die Muttersprache.

Bei guter Förderung und Akzeptanz erlebt der Mensch mit einer Frühbehinderung Erfolgserlebnisse.

Wer durch Krankheit oder Unfall gehörlos oder schwerhörig wurde, kannte das "Hören". Derjenige hat bereits psychische Probleme aufgrund des erlittenen Verlustes. Der Verlust besteht nicht nur aus den verloren gegangenen Sinneswahrnehmungen. Denn die Muttersprache der Spätertaubten ist die Lautsprache. Die Gebärdensprache ist für ihn eine Fremdsprache. Er verliert also mit dem Hörverlust kommunikative Kompetenzen, die für ihn selbstverständlich waren. Zusätzlich erfährt er Vorurteile, Benachteiligung, fehlende oder mangelnde Förderung und Fremdbestimmung. Und muss feststellen, dass er aus der "normalen Gesellschaft" zunehmend ausgeschlossen wird.

Auch bei guter Förderung wird der Verlust immer eine Rolle spielen. Erfolgserlebnisse können nicht den Verlust rückgängig machen, nur mildern.

 

 

Integration und Inklusion

 

Integration = Eingliederung in ein größeres Ganzes

Die Integration unterscheidet beispielsweise Kinder mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf und versucht, Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf einzugliedern. Dabei muss das Kind in der Lage sein, sich an die Bedingungen in der Regelschule anzupassen.

Inklusion = das Miteinbezogensein

Die Inklusion lehnt das Aussortieren eines Kindes ab und die Regelschule muss sich an die Bedürfnisse und Besonderheiten des einzelnen Kindes anpassen.   

 

 

 

Exklusion

 

 

 

 

 

 

 

 


Separation

 

 

 

       

 

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Integration

 

 

 


Inklusion

 

 

 

 

Andere Sichtweise
 

 

Alte Menschen, Menschen mit Behinderung, Kinder sind unser Klientel. Und oft genug sehen wir diese Menschen nur unter Gesichtspunkten wie Hilflosigkeit, Probleme, Schwächen. Unser Blick ist berufsbedingt oft massiv getrübt. Dabei entgehen uns ihre Stärken, Erfahrungen, Ressourcen. Wir sollten mal über unseren Tellerrand "Pflegeeinrichtung" hinwegsehen, denn da bekämen wir eventuell eine völlig andere Sichtweise. Und dann gelingt es vielleicht, auch die Stärken unserer Klienten zu sehen. 


Spiegel online 09.07.2011

Zivilcourage

85-Jährige rettet Kind vor Gewalttäter

Duisburg hat eine neue Heldin - eine alte Dame. Durch beherztes Eingreifen hat die 85-Jährige ein siebenjähriges Mädchen vor einem Gewalttäter gerettet. Sie ging dazwischen, als der Mann das Kind in ein Gebüsch zerren wollte.

Sie zeigte Zivilcourage, bewahrte ein Mädchen möglicherweise vor einer Gewalttat - und wurde selbst zum Opfer: Eine 85-Jährige hatte am Freitag beobachtet, wie ein Mann versuchte, das Kind in Duisburg in ein Gebüsch zu zerren. So jedenfalls berichtet es die Polizei, die den Vorgang anschließend mit großem Staunen zu Protokoll nahm.

Ohne groß nachzudenken, hatte sich die Dame dem Angreifer in den Weg gestellt. Ihr Furor hinterließ offensichtlich Eindruck: Der Mann ließ von dem Mädchen ab und ging auf die Frau los. Er schlug sie und verdrehte ihr den Arm so heftig, dass der Knochen brach.

Schließlich mischten sich Passanten ein, der Gewalttäter floh. Die Polizei konnte den Mann später festnehmen, teilte sie am Samstag mit. Die betagte Helferin trug außer dem Bruch auch Platzwunden und Prellungen davon.

mik/dpa


 

Nach dem offensichtlichen Wahlbetrug 2009 im Iran von Mahmud Ahmadinedschad demonstriert diese Frau mit dem Bild des Oppositionsführers Mir Hossein Mussawi. Alter und unpolitisch? Fehlanzeige! Und diese Frau wusste mit Sicherheit, wie gefährlich es war, gegen Mahmud Ahmadinedschad zu protestieren. Für mich persönlich das schönste Gesicht in der Revolte.

Leider fehlt mir das co zu der Fotografie, für Hinweise wäre ich dankbar.

 


EPV - Evangelischer Presseverband für Bayern (Artikel vom 30.08.2010)

Ein blinder "Häuslebauer" bricht alle Rekorde

Wolfgang Hermann baut eigenhändig ein Haus, obwohl er nichts sieht

Von Christiane Ried (epd)

Beobachtet man Wolfgang Hermann beim Hantieren mit der Kreissäge - man möchte am liebsten nur eines tun: ihm den Stecker aus der Steckdose ziehen. Für Außenstehende grenzt es an ein Wunder, dass Hermann noch alle Finger hat. Denn der 65-Jährige ist blind.

Als Kind hat er durch einen Unfall beim Spielen einen mehrfachen Schädelbasisbruch erlitten. Seitdem traten immer wieder Probleme mit seiner Sehkraft auf, bis er mit 31 Jahren schließlich vollständig erblindete. Doch das hält den gelernten Metallgießer nicht davon ab, eigenhändig sein "Traumhaus" in Ruhstorf an der Rott bei Passau (Niederbayern) zu bauen. Sogar ins Guinness-Buch der Rekorde hat es der "blinde Häuslebauer", wie Hermann sich augenzwinkernd selbst nennt, mit seinem ungewöhnlichen Vorhaben geschafft.

Der Rohbau seines Hauses, an einem Hang gelegen und weithin sichtbar, hat imposante Ausmaße: Das dreistöckige Gebäude verfügt über insgesamt 930 Quadratmeter Geschossfläche, eine Terrasse, eine Garage und sogar ein 9 mal 3,50 Meter großes Schwimmbecken. "Ich habe in meinem Leben mit so vielen Nachteilen zu kämpfen. Da will ich wenigstens mein eigenes, auf meine Bedürfnisse zugeschnittenes Haus", erklärt Hermann seine fixe Idee, die er Anfang der 90er Jahren umzusetzen begann und für die er von Nachbarn immer noch belächelt wird. Vor allem auf gerade, direkte Wege ohne Hindernisse komme es ihm an, auf denen er sich ohne fremde Hilfe fortbewegen könne: "Ich will als Blinder schließlich keinen Slalom laufen."

Ausgebaut ist das Haus noch nicht. Bislang bewohnt er zwei Zimmer im Keller. 60 Prozent des Hauses stammten aus seinen eigenen Händen, sagt der im nordrhein-westfälischen Schwelm geborene Hermann, der seit 1962 in der 7.000-Einwohner-Gemeinde Ruhstorf lebt und schon vorher Freunden bei Hausrestaurierungen geholfen hat. Für die tragenden Außenwände habe er natürlich Maurer beauftragen müssen, gibt Hermann zu.

Doch die nichttragenden Innenwände von 320 Quadratmetern habe er selbst aufgestellt sowie sechs Rundbögen und 15 Türöffnungen gemauert. Kilometerweise habe er eigenhändig Wasser- und Elektroleitungen verlegt, Fliesen verfugt und sogar das 600-Quadratmeter-Dach mit sechs Giebeln gedeckt. Selbst konstruierte Hilfswerkzeuge hätten es ihm ermöglicht, unter anderem akkurat zu verfugen oder Türen gerade einzubauen. Von windschiefen Wänden oder gar einem löchrigen Dach ist tatsächlich nichts zu sehen.

Angst vor Verletzungen hat Hermann bei seiner Arbeit nicht. "Ich denke darüber nach, was passieren könnte und was ich tun muss, damit nichts passiert." Beispiel Kreissäge: Er habe einen "Heidenrespekt" vor dem laufenden Sägeblatt. Deshalb warte er nach dem Sägen ab, bis das Blatt sich nicht mehr bewege. Außerdem stelle er sich so zum Arbeitstisch, dass er sich nicht ins Bein sägt, sollte er mit dem Werkzeug einmal abrutschen. "Nicht-Blinde sind da viel sorgloser", erklärt Hermann seine verletzungsfreie Hausbau-Bilanz. Er dagegen sei zu jedem Zeitpunkt und bei jedem Arbeitsschritt voll konzentriert.

Erstaunlich ist, dass der blinde Hermann so viel Wert auf die Optik seines Hauses und die Aussicht legt. "Ich bin ein Naturmensch, der noch eine ungefähre Vorstellung davon hat, wie die Landschaft hier aussieht und wo die Sonne auf und untergeht", erklärt er und zeigt treffsicher auf das kleine Schloss am gegenüberliegenden Hang. Für ihn habe das Grundstück, auf dem er baue, einen ideellen Wert, denn er kenne es noch aus seiner sehenden Zeit. Sogar ein Auto hat er sich in seine Garage gestellt - einen knallroten Pontiac Firebird, Baujahr 1993. "Es macht einen Riesenspaß, allein die Form des Autos zu spüren", sagt Hermann und streicht über die riesige Motorhaube. Er sehe nun mal mit den Händen.

Für das eigenständige Decken seines Daches und das Mauern der nichttragenden Innenwände hat es Hermann vor zehn Jahren sogar ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft. Denn er sei der einzige Blinde weltweit, der in Eigenregie ein Haus baut. Auch Unternehmen wurden daraufhin auf Hermann aufmerksam und luden ihn ein, vor ihren Mitarbeitern Motivationsseminare zu halten. Natürlich habe er sich geschmeichelt gefühlt. "Aber ich verstehe mich nicht als Lehrmeister, sondern höchstens als Wegweiser."

Auf seinem eigenen Weg stehe am Ende sein Haus, sagt er. "Das ist meine Motivation." Doch wann sein Haus fertig sein wird - da wagt Hermann keine genaue Prognose. "Nachdem es im letzten Jahrtausend nicht geklappt hat, schaffe ich es mit Sicherheit in diesem." 


Faz.net

Behinderter rettet vier Mädchen vor dem Ertrinken

Ohne Turgay Abdülbaki Duran hätten vier junge Menschen den Badeausflug an einer Bucht der türkischen Schwarzmeerküste nicht überlebt.

16. Juli 2002 

Ein Behinderter, der sich nur auf Krücken bewegen kann, hat an der Schwarzmeerküste der Türkei vier junge Mädchen vor dem Ertrinken gerettet. Der 37-jährige Turgay Abdülbaki Duran zog am vergangenen Wochenende trotz hohen Wellengangs die vier Teenager im Alter von 17 und 18 Jahren eigenhändig aus dem Wasser.

Andere Helfer retteten einen weiteren Schwimmer. Für drei Menschen, die ebenfalls beim Baden von den hohen Wellen überrascht wurden, kam allerdings jede Hilfe zu spät: Sie ertranken.


Team Tvilling

Peder Mondrup´s Lebenstraum: einmal einen Ironman bestreiten - aber der Däne ist seit der Geburt gelähmt. Er hat einen Zwillingsbruder: Steen. Steen zog Peder beim Schwimmen 3,8 Kilometer auf einem aufblasbaren Boot hinterher, 180 Kilometer Radfahren bewältigten sie mit Hilfe eines speziellen Tandems, dann kam der Marathon von 42,195 km. 16 Stunden hatten sie dafür Zeit, sonst Disqualifikation, also keine Wertung. Die Siegerehrung war schon lange vorbei. Doch viele Menschen waren an der Strecke geblieben und jubelten, als die Zwillinge nach 15:42:38 Stunden, 18 Minuten unter der Zeit, ins Ziel kamen.

 

 

Der Sprung in der Schüssel

Eine Geschichte zum Nachdenken

 

Es war einmal eine alte chinesische Frau, die zwei grosse Schüsseln hatte, die von den Enden der Stange hingen, die sie über ihren Schultern trug. Eine der Schüsseln hatte einen Sprung, während die andere makellos war und stets eine volle Portion Wasser fasste. Am Ende der langen Wanderung vom Fluss zum Haus der alten Frau, war die andere Schüssel jedoch immer nur noch halb gefüllt. Zwei Jahre lang geschah dies täglich: Die alte Frau brachte immer nur eine und eine halbe Schüssel Wasser mit nach Hause.

Die makellose Schüssel war natürlich sehr stolz auf ihre Leistung, aber die arme Schüssel mit dem Sprung schämte sich wegen ihres Makels und war betrübt, dass sie nur die Hälfte dessen verrichten konnte, wofür sie gemacht worden war.

Nach zwei Jahren, die ihr wie ein endloses Versagen vorkamen, sprach die Schüssel zu der alten Frau: “Ich schäme mich so wegen meines Sprungs, aus dem den ganzen Weg bis zu deinem Haus immer Wasser läuft.”

Die alte Frau lächelte und sprach: “Ist dir aufgefallen, dass auf deiner Seite des Weges Blumen blühen, aber auf der Seite der anderen Schüssel nicht? Ich habe auf deiner Seite des Pfades Blumensamen gesät, weil ich mir deines Fehlers bewusst war. Nun giesst du sie jeden Tag, wenn wir nach Hause laufen. Zwei Jahre lang konnte ich diese wunderschönen Blumen pflücken und den Tisch damit schmücken. Wenn du nicht genauso wärst, wie du bist, würde diese Schönheit nicht existieren und unser Haus beehren."

 

 

 

Integration?

 

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Förderung der Ausbildung und Beschäftigung

Wesentliche Inhalte des Gesetzes zur Förderung der Ausbildung und Beschäftigung schwerbehinderter Menschen vom 23. April 2004 (BGBL I, Seite 606)

Um mehr Ausbildungsmöglichkeiten für schwerbehinderte Jugendliche zu schaffen, arbeitet der Arbeitgeber verstärkt mit dem Betriebsrat und der Schwerbehindertenvertretung zusammen. Gemeinsam soll über die Besetzung von Ausbildungsplätzen mit schwerbehinderten jungen Menschen beraten werden. Kommt ein Ausbildungsvertrag zustande, wird der auszubildende schwerbehinderte Mensch auf zwei Pflichtarbeitplätze angerechnet statt auf nur einen. Zudem können die Arbeitgeber Zuschüsse zu den Kosten der Berufsausbildung erhalten.

Auch die Förderung behinderter Jugendlicher ist weiter verbessert worden. Diese werden für die Dauer einer betrieblichen Berufsausbildung schwerbehinderten Menschen gleichgestellt, auch wenn bei ihnen ein Grad der Behinderung nicht festgestellt ist oder der Grad der Behinderung unter 30 liegt. Der erforderliche Nachweis kann durch eine Stellungnahme der zuständigen Arbeitsagentur erbracht werden. Durch die Gleichstellung wird erreicht, dass die ausbildenden Unternehmen Prämien und Zuschüsse zu den Kosten der Berufsausbildung bekommen können.

Ein wichtiges Ziel ist, Unternehmen verstärkt über die Möglichkeiten zu informieren, schwerbehinderte Menschen auszubilden und zu beschäftigen. Um dies zu erreichen, benennen die Integrationsämter Ansprechpartner, die in Handwerks-, Industrie- und Handelskammern den Arbeitgebern zur Verfügung stehen, um sie über mögliche finanzielle Leistungen zur Hilfe am Arbeitsleben und über die Tätigkeit von Integrationsfachdiensten zu informieren. Die Integrationsfachdienste wiederum sollen den Arbeitgebern zur Verfügung stehen, um sie zu beraten, über Leistungen für Arbeitgeber zu informieren und diese für sie abzuklären. Darüber hinaus unterstützen Integrationsfachdienste Arbeitgeber auch dadurch, dass sie die betriebliche Ausbildung schwerbehinderter Jugendlicher begleiten.

Ein wichtiges Instrument, die Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten und damit die Lebensarbeitszeit von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen zu verlängern, wird künftig das betriebliche Eingliederungsmanagement sein. Ziele sind, frühzeitig und gezielt am Arbeitsplatz zu intervenieren und passgenaue Leistungen im Sinne von Rehabilitation statt Rente zu erbringen. Arbeitgeber, deren Beschäftigte lange oder wiederholt arbeitsunfähig sind, werden künftig klären, wie die Arbeitsunfähigkeit möglichst überwunden werden und mit welchen Leistungen oder Hilfen erneuter Arbeitsunfähigkeit vorgebeugt und der Arbeitsplatz erhalten werden kann. Der Arbeitgeber, die betriebliche Interessenvertretung, die Schwerbehindertenvertretung und der Werks- oder Betriebsarzt klären dies gemeinsam mit der betroffenen Person. Die Einführung eines betrieblichen Eingliederungsmanagements kann durch Prämien oder Zuschüsse gefördert werden.

Die Kompetenz von Schwerbehindertenvertretungen als wichtiger Ansprechpartner schwerbehinderter Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen wird gestärkt. Um zu gewährleisten, dass die Vertrauenspersonen schwerbehinderter Menschen auch in Unternehmen mit einer großen Belegschaft ihre Aufgaben effektiv wahrnehmen können, werden stellvertretende Mitglieder von Schwerbehindertenverstretungen verstärkt zur Unterstützung bei der Aufgabenerledigung herangezogen. In Betrieben und Dienststellen mit mehr als 100 beschäftigten schwerbehinderten Menschen ist künftig die Heranziehung eines, und ab 200 beschäftigten schwerbehinderten Menschen eines weiteren stellvertretenden Mitglieds der Schwerbehindertenvertretung zur Unterstützung der Vertrauensperson möglich.

Die Integrationsfachdienste, die über besondere Kompetenzen im psychosozialen und arbeits-pädagogischen Bereich verfügen, werden künftig stärker als bisher die Aufgabe übernehmen, besonders betroffene schwerbehinderte Menschen an ihrem Arbeitsplatz arbeitsbegleitend zu betreuen. Von den Agenturen für Arbeit werden sie verstärkt bei der Berufsberatung und -orientierung in den Schulen hinzugezogen werden, um die Unterstützung schwerbehinderter Jugendlicher bei ihrem Übergang ist das Berufsleben frühzeitig zu sichern. Deshalb wird auch die betriebliche Ausbildung schwerbehinderter Jugendlicher durch Integrationsfachdienste begleitet.

Schwerbehinderten Menschen, die während einer Tätigkeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen ihre Leistungsfähigkeit verbessern und stabilisieren konnten, wird der Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt erleichtert. Daher können Arbeitgeber Zuschüsse erhalten, wenn sie schwerbehinderte Menschen einstellen, die bisher in Werkstätten für behinderte Menschen beschäftigt waren. Diese Personen werden zudem doppelt auf Pflichtarbeitsplätze angerechnet und erleichtern Arbeitgebern dadurch die Erfüllung ihrer Verpflichtung zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen.

Integrationsprojekte im Sinne des § 132 Abs. 1 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch, das heißt Unternehmen, die überdurchschnittlich viele besonders betroffene schwerbehinderte Menschen beschäftigen, sind Zweckbetriebe und damit gemeinnützige Unternehmen im Sinne der Abgabenordnung, wenn sie mindestens 40 Prozent besonders betroffene schwerbehinderte Menschen beschäftigen. Damit sind sie von der Entrichtung von Ertragssteuern befreit und zahlen nur einen ermäßigten Umsatzsteuersatz (7 Prozent). Auf diese Weise wird die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe gestärkt, die auf dem Arbeitsmarkt besonders benachteiligte schwerbehinderte Menschen beschäftigen.

Künftig können Schwerbehindertenausweise in Fällen, in denen eine Neufeststellung wegen einer wesentlichen Änderung in den für die Feststellung maßgeblichen gesundheitlichen Verhältnissen nicht zu erwarten ist, unbefristet und nicht mehr nur für eine Dauer von jeweils längstens 15 Jahren ausgestellt werden.

 

Dazu einige Fragen:

Wieviele deiner Heimbewohner arbeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt?

Wieviele konnten eine Ausbildung machen?

Konnten sie sich ihren Beruf frei wählen?

Wie sind ihre Arbeitsbedingungen?

Wie sind die Arbeitsbedingungen in den Behindertenwerkstätten?

Könnten Heimbewohner auch auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten, die in der Behindertenwerkstatt arbeiten?

 

 

Behinderten-Integration vor dem Kollaps - Das Versagen der BA

Das nachhaltige Bohren der Behindertenverbände zeigt Wirkung. Nachdem sich auch das Medium Fernsehen mit der Thematik der Beruflichen Rehabilitation befasst hat, scheint nun Bewegung in das Ganze zu kommen.

Report Mainz vom 8. August 2005: Wenn man die Qualität einer Gesellschaft an Umgang mit ihren Minderheiten ablesen kann, dann steht es nicht zum besten mit Deutschland. Warum? Als wir den Behindertenbeauftragten der Bundesregierung mit unseren Recherchen konfrontiert haben, brach es aus ihm heraus. Ein Skandal sei das, Ergebnis einer menschenverachtenden Politik. Worum es genau geht, die Einzelheiten von Thomas Reutter: Man sieht es ihr nicht gleich an, weil sie Brille trägt und Glasaugen hat. Helga Howe ist blind. Und ihre Familie ist stolz auf sie, denn obwohl Frau Howe zu 100 Prozent schwerbehindert ist, kommt sie gut zurecht. Die Blindheit kam mit dem Grünen Star. Als sie kaum mehr etwas sah, musste sie ihre Ausbildung zur Bürokauffrau nach zwei Jahren abbrechen. Jetzt will Frau Howe wieder arbeiten.

O-Ton, Helga Howe: »Mir wäre das sehr wichtig. Ich habe viele Jahre zu Hause verbracht, habe meine Tochter großgezogen, Hausarbeit gemacht. Und es ist einfach für mich an der Zeit, endlich was Vernünftiges zu lernen.«
Eine neue Ausbildung, das ist es, was Frau Howe möchte. Um herauszufinden, für welchen Job sie trotz Blindheit geeignet ist, gibt es normalerweise spezielle Kurse über die Arbeitsagentur. Im April ging also Frau Howe zu ihrer Arbeitsagentur im niedersächsischen Leer und beantragte eine zehntägige Berufsfindung. Ihre Tochter war bei dem Gespräch mit der Sachbearbeiterin dabei.

O-Ton, Yvonne Howe: »Also sie hat gesagt, ja ist nicht, können wir nicht. Ja, und sie wünsche uns alles Gute.« Frage: Wie lange hat das ganze Gespräch denn gedauert? O-Ton, Yvonne Howe: »Also ca. fünf Minuten.« Frage: Fünf Minuten? O-Ton, Yvonne Howe: »Ja. Frustriert war ich in dem Moment. Und ich habe mich irgendwie klein gefühlt, klein gemacht gefühlt.«

Die Ablehnungsgründe haben Frau Howe persönlich getroffen. Sie sei mit Anfang 40 schon zu alt. Ohne Berufserfahrung und zudem behindert. Der blanke Zynismus, denn genau deshalb braucht sie schließlich Unterstützung, und exakt für solche Fälle sieht das Sozialgesetzbuch ausdrücklich eine besondere Förderung vor. Frau Howe hat also einen Rechtsanspruch auf Hilfe von der Arbeitsagentur. Und auch als Blinde hätte sie eine Chance auf dem Arbeitsmarkt. In dieser Einrichtung in Mainz würde Frau Howe gerne eine Blindenspezialausbildung zur medizinischen Masseurin machen. Und wer die abschließt, bekommt zu 70 Prozent auch einen Job. Doch Frau Howe bekam von der Arbeitsagentur nicht mal eine Chance. Zu ihrem Fall will sich die Behörde REPORT MAINZ gegenüber vorerst nicht äußern. Wir geben den Ablehnungsbescheid ins Bundesgesundheitsministerium an Karl Hermann Haack, den Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen. Er bestätigt, die Arbeitagentur verweigert Frau Howe eine Förderung, auf die sie einen gesetzlich verbürgten Rechtsanspruch hat.

O-Ton, Karl Hermann Haack, SPD, Behindertenbeauftragter der Bundesregierung: »Das ist eine menschenverachtende Politik. Und wir haben es prüfen lassen in dem Ministerium als auch woanders und haben festgestellt, das ist eine vollkommen falsche Entscheidung. Ich halte das für einen Skandal.«

Eine schallende Ohrfeige für die Arbeitsagentur. Ist die Ablehnung von Frau Howes Antrag ein Einzelfall?


O-Ton, Karl Hermann Haack, SPD, Behindertenbeauftragter der Bundesregierung: »Nein, in der letzten Zeit häuft es sich sehr. Ich glaube, dass das prinzipiell da etwas damit zu tun hat, dass es Runderlasse gibt der einzelnen Arbeitagenturen der Länder, zum Beispiel in Hessen, aus denen eindeutig hervorgeht, dass diese Runderlasse eine Anleitung sind zur Untätigkeit gegenüber der Eingliederungsmöglichkeiten von Menschen mit Behinderungen.«

Genau um solche Rundbriefe der Bundesagentur geht es. Das interne Schreiben der Regionaldirektion Hessen zum Umgang mit Behinderten vom Mai 2005. Darin die klare Vorgabe: Zitat: »Längere Qualifizierungsmaßnahmen und Umschulungsmaßnahmen sind grundsätzlich nicht möglich.« Das aber kollidiert direkt mit dem Sozialgesetzbuch, denn Menschen wie Frau Howe haben einen Rechtsanspruch auf Förderung, der ihnen nicht verweigert werden darf. Ein Unrecht mit System. Doch warum? Der Behindertenbeauftragte hat einen Verdacht.


O-Ton, Karl Hermann Haack, SPD, Behindertenbeauftragter der Bundesregierung: »Unsere Erkenntnis ist, trotz vieler Gespräche, das ganze ist eine Sparbüchse. Da will die Bundesagentur sparen.« Mit fatalen Folgen, glaubt der Arbeitsmarktexperte Professor Stefan Sell, ein profunder Kenner der Bundesagentur für Arbeit.

O-Ton, Prof. Stefan Sell, Arbeitsmarktexperte: »Das eigentlich wirklich Problematische ist doch, dass die besonders schwachen Gruppen durch diese neue Arbeitsmarktpolitik, die wir erleben können, auch ganz besonders unter Druck gesetzt werden.«

Dabei gibt es Einrichtungen die behinderte Menschen wieder fit machen für einen Job. Die Berufsförderungswerke. Wie hier in Frankfurt werden schwerbehinderte Arbeitslose erfolgreich für die unterschiedlichsten Berufe qualifiziert. Die meisten der Teilnehmer finden später tatsächlich einen Job auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. So wie Oliver Baselmann. Fünfzehn Jahre war er Schreiner, dann erlitt er einen Bandscheibenvorfall. Nach zwei Operationen durfte er nicht mehr schwer heben. Seither kann Oliver Baselmann nicht mehr als Schreiner arbeiten.

O-Ton, Oliver Baselmann: »Ich bin halt am Ende gewesen. Ich hab´s eigentlich zeitweise nicht mehr für möglich gehalten wieder einen Einstieg zu erlangen. Ins Berufsleben. Weil es immer schwierig wird. Sie bekommen so schon kaum Arbeit, und mit einem Bandscheibenvorfall schon gar nicht.« Jetzt schult er um und demnächst wird er für eine große Baumarktkette arbeiten. Ein guter Job. Die feste Zusage hat er schon. Die Umschulung hat sich also gelohnt. Solche Maßnahmen sind zwar erst mal teuer, sagt der Arbeitsmarktexperte Professor Stefan Sell.

O-Ton, Prof. Stefan Sell, Arbeitsmarktexperte: »Aus volkswirtschaftlicher Sicht allerdings, rechnet sich das. Weil wenn Sie einen längeren Zeitraum, mehrere Jahre dann die Behinderten, die rehabilitiert wurden, verfolgen. Dann können sie zeigen, dass allein durch die deutlich höheren Einkommen, die die Rehabilitierten dann erwirtschaften, mit den höheren Steuern und Beitragszahlungen, dass sich das alles mehr als wieder zurückzahlt.« Dennoch bezahlen auch die Gemeinschaften der Arbeitsagenturen und Kommunen, die Argen, kaum noch Maßnahmen in den Berufsförderungswerken. In den Einrichtungen bleiben schon 40 Prozent der Plätze leer. Auch mit dramatischen Folgen für die Berufsförderungswerke selbst.

O-Ton, Manfred Thrun, Vorstandsvorsitzender Deutsche Berufsförderungswerke: »Diese Berufsförderungswerke werden beginnen diese Mitarbeiter abzubauen. Wir werden 1700 Mitarbeiter in den nächsten Monaten verlieren. Die Berufsförderungswerke werden aber ab 2006, wenn es keine Änderung gibt, überlegen müssen, einige, wie sie den Weg in die Insolvenz begleitet bekommen.« Die Integration von behinderten Menschen steht in Deutschland vor dem Kollaps. Auch weil die Argen ihnen keine Förderung bewilligen. Dass das so ist, gesteht die Bundesagentur sogar ein. Ihre banale Erklärung dafür, die Argen seien einfach überfordert.

O-Ton, Heinrich Alt, Vorstand Bundesagentur für Arbeit: »Das liegt sicher daran, dass wir im ersten halben Jahr andere Themen dort im Vordergrund standen. Das Thema war Aufbau der Arbeitsgemeinschaften. 370 mittelständische Betriebe, wenn man so will. Dass war die Teamfindung in den Arbeitsgemeinschaften, dass war die Sorge um die pünktliche Zahlung der sozialen Grundsicherung.«

Im Klartext, anderes war wichtiger. In einem halben Jahr Hartz IV haben die Argen es nicht geschafft den Rechtsansprüchen von Menschen mit Behinderung gerecht zu werden. Ein Skandal. Und noch schlimmer, moderne, erfolgreiche Einrichtungen für Behinderte müssen mangels Auslastung Insolvenz anmelden. Die mit Milliarden Steuergeldern errichteten 28 deutschen Berufsförderungswerke drohen zu Grunde zu gehen. An der Unfähigkeit der Bundesarbeitsagentur. Für Menschen wie Frau Howe zum Verzweifeln. Sie müssen sich in langwierigen Widerspruchsverfahren mühsam ihr Recht erkämpfen. Nämlich, eine Chance auf Arbeit.

Abmoderation Fritz Frey:

Nach unseren Recherchen ist also auch das Bundesgesundheitsministerium hellhörig geworden. Und es hat unter anderem bei der Bundesagentur für Arbeit angemahnt, die berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zu erhalten. Dieser Mahnung schließen wir uns selbstverständlich an. Und wir legen noch ein Versprechen oben drauf. Dieses Thema behalten wir im Auge.


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