Das Christentum: Übersicht

Das Christentum Was trennt / verbindet die Christen?
Gottesdienste Christliche Feiertage
Bewegliche Feiertage Herrenmahl
Die Krankensalbung Christliche Bestattungskultur
Anonyme Bestattungen Christen in der Pflege

 

 

Das Christentum

Religionsstifter war der Jude Jesus von Nazareth, der vor circa 2000 Jahren in Galiläa, Palästina, geboren wurde. Bekannt wurde Jesus, als er mit etwa 30 Jahren als Wanderpediger durch das Land zog, Nächstenliebe predigte und den Ausgestoßenen der Gesellschaft, Kranke, Gebrechliche, Arme, aber auch sozial ausgegrenzten Frauen wie Prostituierten oder Witwen, aber auch Gesetzesbrechern, Gehör schenkte. Seine Anhänger sahen in ihm den von Propheten angekündigten Messias. Die damals Herrschenden hielten ihn für einen Aufrührer und verurteilten ihn schließlich zum Tode. Seine Anhänger glaubten, dass Jesus drei Tage nach seinem Tod auferstanden ist. 
 
Das Christentum basiert auf dem Alten Testament, dass der Thora (die fünf Bücher Mose) entspricht, und dem Neuen Testament. Das Neue Testament enthält unter anderem die vier Evangelien, die von den Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes zwischen 70 und 120 n. Chr. aufgeschrieben wurden. 
 
Das Christentum ist wie der Islam und Judentum eine monotheistische Religion. Abweichend von diesen Religionen erscheint der einzige Gott allerdings in drei Wesensformen: Gottvater, Gottes Sohn (Jesus von Nazareth) und Heiliger Geist. Für alle drei Religionen sind die Zehn Gebote bindend. Für Christen steht das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ im Mittelpunkt. Christen glauben an das Ewige Leben nach dem Tod.
 
Die Botschaft Christi wendet sich an alle Menschen unabhängig der Herkunft, Volk, Geschlecht oder Alter. Christen sehen die Aufgabe, überall auf der Welt die Botschaft zu verkünden und Anhänger zu finden. Somit ist das Christentum eine missionierende Religion, die ihre Botschaft aktiv verbreitet. 
 
Es existieren Hunderte von unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften christlicher Prägung, die wesentlichsten und größten sind die Römisch-Katholische Kirche, die Evangelische oder Protestantische Kirche und die Orthodoxe Kirche.
 
Die Römisch-Katholische Kirche ist die größte christliche Kirche. Ihr Oberhaupt ist der Papst. "Katholisch" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "allumfassend, alles einschließend". Der Papst wird als Nachfolger des Apostels Petrus angesehen, der um das Jahr 67 in Rom den Märtyrertod erlitt. Nach dem Neuen Testament berief Jesus als einer der Ersten Petrus zu seinem Nachfolger. Die Katholische Kirche übte jahrzentelang einen enorm großen politischen Einfluss aus. Im Mittelalter führte sie Kreuzzüge gegen die Muslime an. Bis in die frühe Neuzeit verfolgte sie nicht nur kirchenkritische Menschen als Ketzer oder Hexen.
 
Die Ostkirche spaltete sich 1054 n. Chr. von der Katholischen Kirche ab. Die Bezeichnung Ostkirche geht auf das Römische Reich zurück, dass sich in der Spätantike in ein Weströmisches und ein Oströmisches Reich aufspaltete. Aus der Ostkirche entstanden die Russisch-Orthodoxe, die Griechisch-Orthodoxe und andere Kirchen. Ihre Oberhäupter nennt man Patriarchen. Sie sind autonom, unabhängig und selbständig, das heißt, dass sie keinem anderen Patriarchen, Metropoliten, Erzbischof oder Synode eines anderen Landes unterstehen. Ihr Zusammenhalt besteht im gemeinsamen Glauben, Gottesdienst und Kirchenrecht.
 
Die Evangelische oder Protestantische Kirche entstand durch den Mönch Martin Luther. Nach der Überlieferung nagelte er am 31.10.1517 in lateinisch 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg und verursachte dadurch eine Kirchenspaltung. Seine Thesen richteten sich in erster Linie gegen den Ablasshandel der damaligen christlichen Kirche. Ablassbriefe waren käuflich zu erwerben und gewährten einen Nachlass zeitlicher Sündenstrafen oder einen vollkommenen Ablass. Luther kritisierte auch, dass die Gottesdienste nur komplett auf lateinisch abgehalten wurden. 
 
 
Was trennt oder verbindet die großen christlichen Kirchen?
 
 
Evangelische, Katholische und Orthodoxe Christen haben viele Gemeinsamkeiten:
 
  • Glaube an Gott, Jesus Christus und den Heiligen Geist 
  • die Bibel als Wort Gottes 
  • Taufe 
  • Christus ist im Abendmahl beziehungsweise der Eucharistie mit Leib und Blut gegenwärtig 
  • das apostolische Glaubensbekenntnis (Bei den Orthodoxen Kirchen ist es die "Lehre vom Glauben". Das apostolische Glaubensbekenntnis ist in Orthodoxen Kirchen nicht üblich, enthält aber nichts, was ihnen widerspricht)  
  • Sonntag als Feiertag
  • viele gemeinsame Feste im Kirchenjahr
  • gemeinsame Kirchenlieder (Hier mehr Gemeinsamkeiten der Evangelischen und Katholischen Kirche bedingt durch die Landessprachen)
  • der Glaube an Gottes Liebe, nicht aufgrund erbrachter Leistungen, sondern allein aus Gnade (Einschränkung bei den Orthodoxen Christen: Die Gnade und Barmherzigkeit muss angenommen werden)
  • der Glaube, dass Gott durch den Heiligen Geist die Herzen erneuert und zu guten Werken befähigt
  • das Streben nach Frieden, sozialer Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung
  • der Glaube, dass Gott das ewige Leben schenkt
 
Evangelische, Katholische und Orthodoxe Christen unterscheiden sich aber auch massiv:
 
  • Der Papst gilt für Katholische Christen als legitimer Nachfolger des Apostels Petrus. Dadurch ist er zum obersten Hirten der Kirche bestimmt. Die Evangelischen und Orthodoxen Christen lehnen den Anspruch wegen der fehlenden biblischen Begründung ab.
  • Die Geistlichen der Katholischen und Orthodoxen Kirchen erhalten ein Weihesakrament. Dieses Weihesakrament wird nach ihrem Verständnis von Christus durch einen Bischof gespendet und bedeutet eine besondere Prägung. Die "Weihekette" lebendiger Zeugen verbindet die Bischöfe mit den von Jesus erwählten Aposteln. Die Evangelische Kirche lehnt diese "sakrale" Sicht des geistlichen Amtes ab. Nach ihrer Auffassung ist das geistliche Amt keine Weihe der Person, sondern eine von Gott gewollte Funktion, die die Gemeinde übertragen kann. Kirchen, die älter als die Reformation sind, fällt es schwer, ein funktionales Amt als Verwirklichung der Rolle zu sehen, was das Evangelium unter „Hirte-Sein“ versteht. Daher werden Evangelische Geistliche wegen der fehlenden Weihe nicht von der Katholischen und Orthodoxen Kirche anerkannt. 
     
  • Die Evangelische Kirche kennt mit der Taufe und dem Abendmahl zwei Sakramente. Sie sind in der biblischen Überlieferung bezeugt. Die Katholische Kirche feiert sieben Sakramente: Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Weihe und Ehe, die Orthodoxe Kirche Taufe, Myronsalbung oder Firmung, Kommunion oder Eucharistie, Beichte oder Bußsakrament, Krankensalbung, die Krönung oder Ehe und Priesterweihe. Als Sakrament bezeichnet man in der christlichen Theologie einen Ritus, der als sichtbares Zeichen oder Handlung eine unsichtbare Wirklichkeit Gottes bewirkt, sie vergegenwärtigt und an ihr Anteil gibt. 
  • Das Abendmahl kann nach Katholischer und Orthodoxer Auffassung nur von einem geweihten Priester ausgeteilt werden, bei den Evangelischen könnte theoretisch jeder Getaufte das Abendmahl reichen. (Praktisch schreiben aber viele Evangelischen Kirchenordnungen vor, dass nur geistliche Amtsträger/innen dem Abendmahl vorstehen sollten, um Unordnung zu vermeiden.) Begründet wird es dadurch, dass nicht die Kirche oder ihre Würdenträger zum Heiligen Mahl einladen, sondern Christus. Alle drei Konfessionen glauben zwar daran, dass Christus in Brot und Wein beim Abendmahl gegenwärtig ist, aber für Evangelische ist es nach der Feier wieder normales Brot und Wein. Für die Katholischen und Orthodoxen bleiben Brot und Wein verwandelt. Allerdings verwandelt sich das Brot und Wein in Leib und Blut Christi bei den Orthodoxen alleine durch die Liturgie.
  • Evangelische und Katholische Kirchen richten ihr Kirchenjahr nach dem Gregorianischen Kalender aus, viele Orthodoxen Kirchen nach dem Julianischen Kalender. Daraus ergibt sich eine Zeitverschiebung. Der Julianische Kalender wurde von Julius Cäsar eingeführt. Der Gregorianische Kalender, benannt nach Papst Gregor XIII., wurde 1582 durch eine Bulle angeordnet. Mit der Zeit löste der Gregorianische Kalender andere Kalender ab und gilt heute weltweit. Zwischen beiden Kalendern besteht zur Zeit eine Differenz von 13 Tagen. Daher feiern viele Orthodoxe Christen das Weihnachtsfest derzeit am 7. Januar nach gregorianischer Zeitrechnung. Der Ostertermin wird von den meisten Orthodoxen Kirchen nach dem Julianischen Kalender und einer alten Osterformel errechnet. Dadurch fallen die beweglichen Feste der Ost- und Westkirchen selten auf den gleichen Tag. So feiern fast alle Orthodoxe Christen Ostern nach Gregorianischem Kalender ein bis fünf Wochen später. 
  • Die Konfirmation kennzeichnet in der Evangelischen Kirche den Übertritt ins kirchliche Erwachsenenalter. Die Konfirmanden, meist etwa 14 Jahre alt, bekräftigen öffentlich den Glauben, den ihre Eltern und Paten bei der Taufe stellvertretend für sie bekannt hatten, und knüpfen so an ihre Taufe an. Die Konfirmation ist kein Sakrament. In der Katholischen Kirche wird die Erstkommunion und Firmung gefeiert. Bei der Erstkommunion am „Weißen Sonntag“, eine Woche nach Ostern als Erinnerung an die Taufen im frühen Christentum, nehmen die Sieben- oder Achtjährigen das erste Mal an der Eucharastie teil und werden somit in die Mahlgemeinschaft mit Jesus aufgenommen. Ähnlich wie bei der Konfirmation übernehmen die 12- bis 16jährigen bei der Firmung das Taufversprechen, das ihre Eltern und Paten für sie abgaben und vollenden somit die Taufe. Die Firmung ist ein Sakrament. Katholische und Evangelische Kirche stimmen allerdings darüber überein, dass der Firmling oder Konfirmand alt genug sein muss, die Bedeutung der Firmung oder Konfirmation erkennen zu können. Auch in der Orthodoxen Kirche ist die Firmung ein Sakrament. Aber Taufe, Firmung und Erstkommunion empfangen dort Säuglinge oder Kleinkinder gleichzeitig. Es gibt kein Übergangsritual vom Kind zum Erwachsenen, ausgenommen die Beichte, die erst ab etwa sieben Jahre abgelegt wird. 

      

 

Gottesdienste
 
Beim evangelischen Gottesdienst ist keine Kleiderordnung zu beachten. Allerdings sollte Rücksicht auf andere Besucher genommen werden, beispielsweise ältere Gläubige, und die Kleidung einem Gottesdienst angemessen sein. Im Gottesdienst sollte kein anderer Besucher gestört werden. Privatgespräche sind zu unterlassen, man sollte sich ruhig und leise verhalten. Gebetet wird im Stehen, üblicherweise mit gefalteten oder ineinandergelegten Händen. Andersgläubige dürfen am Abendmahl, bestehend aus Brot und Wein, teilnehmen. Das Fotografieren und Filmen während des Gottesdienstes ist nicht erlaubt. Geldsammlungen sind während oder nach dem Gottesdienst üblich. Die Regeln für den Gottesdienst  in den Evangelischen Freikirchen können erheblich abweichen. 
 
 
 
Beim Betreten der Katholischen Kirche tauchen Gläubige mit Daumen und Zeigefinger in den Weihwasserbehälter, der sich am Eingang der Kirche befindet und bekreuzigen sich. Es gilt als respektlos, zu spät in den Gottesdienst zu kommen. Es sollte geschwiegen werden oder gedämft gesprochen. Gespräche sollten sich mit kirchlichen Dingen befassen. Jede Störung anderer Kirchenbesucher ist zu unterlassen. Im Gottesdienst wird erwartet, dass die Kleidung nicht allzu freizügig oder nachlässig ist. Besonders in Mittelmeerländern ist es heute noch üblich, dass Frauen in der Kirche ihr Haupt bedecken. Das kann man auch in Deutschland in ländlichen Gebieten oder bei alten Frauen beobachten. Männer sollten die Kopfbedeckung abnehmen. In kleinen ländlichen Kirchen gibt es unter Umständen auch keine freie Platzwahl in der Kirche, weil die Sitzbänke nach Dörfern aufgeteilt sind. Wenn im Gottesdienst die Anbetung der Trinität erwähnt wird  („Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist“) bekreuzigen sich die Gläubigen. Gebetet wird üblicherweise mit gefalteten Händen oder die Handflächen werden aneinander gelegt. Gebete werden stehend, in vielen Katholischen Kirchen aber auch knieend verrichtet. Hinter den Sitzbänken befindet sich dann eine entsprechende Stütze für die Kniee. Auch vor dem Empfang des Abendmahls knien die Gläubigen nieder. Eine Verbeugung vor dem Altar ist auch oft üblich. Man kann als Nicht- oder Andersgläubiger an der Eucharistie teilnehmen, wenn der Geistliche nicht über den Glaubensstand Bescheid weiß, sollte es aber unterlassen. In den meisten Kirchen findet während oder nach dem Gottesdienst die Kollekte statt, eine Geldsammlung für kirchliche oder karitative Zwecke. Es besteht zwar kein Zwang zum Spenden, ist aber dennoch eine Selbstverständlichkeit. Man sollte also vorher Kleingeld zurechtlegen. Das „Kramen“ im Geldbeutel stört und ist unwürdig. Am Ende des Gottesdienstes bekreuzigen sich die Gläubigen.
 
 
In vielen Orthodoxen Kirchen findet der Gottesdienst wie am Beispiel Odessa statt. In den meisten Kirchen stehen die Gläubigen, Stühle gibt es oft nur am Rand für Alte und Gebrechliche. Frauen bedecken ihren Kopf mit einem Tuch oder tragen Kopftücher, Männer nehmen Hüte oder Mützen ab. Frauen sollen beim Gottesdienst Röcke tragen, Hosen sind unerwünscht. Es ist üblich zu spenden (Geld- oder Sachspenden). Orthodoxe Gläubige bekreuzigen sich und machen eine kleine Verbeugung vor der Kirche. In der Vorhalle bekreuzigen sie sich noch einmal, da dort heilige Ikonen sind. Gespräche dürfen sich nur auf die Kirche beziehen. Der Altar ist nach Osten ausgerichtet. Vor ihm bekreuzigen sich die Gläubigen dreimal mit kleinen Verbeugungen. Ikonen haben einen hohen Stellenwert. Es ist üblich, vor sie Kerzen aufzustellen und sie zu küssen. Bevor man sie küsst, bekreuzigt man sich zweimal mit einer kleinen Verbeugung. Es gibt feste Regeln, wie man eine Ikone küssen darf. Beispielsweise darf das Gesicht des Heilands, der Gottesmutter und der Heiligen nicht geküsst werden. Verschränkte Arme oder Arme hinter dem Rücken gelten in orthodoxen Kirchen als respektlos.
 

 

Christliche Feiertage

 
Jeder Sonntag im Jahr: Gedenken an den Tag der Auferstehung Jesu Christi.

Johanni oder Johannistag ist der Gedenktag der Geburt Johannes des Täufers. Die Johannisnacht ist die Nacht auf den Johannistag, vom 23. auf den 24. Juni. Vielerorts gibt es den Brauch des Johannisfeuers (Zusammenhang mit der Sommersonnenwende). Besonders populär ist der Johannistag im Baltikum, wo er nach Weihnachten der wichtigste Feiertag ist.

Peter und Paul (Heiliger Petrus und Heiliger Paulus) ist der Gedenktag an den Todestag der Apostel und Kirchenväter Simon Petrus und Paulus von Tarsus. Der Tag ist ein katholisches Hochfest, das sich bis in das Frühchristentum der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts zurückverfolgen lässt. Auch in den orthodoxen und protestantischen Kirchen wird das Fest begangen, und in manchen Regionen ist der Tag ein gesetzlicher Feiertag. Besonders gefeiert wird das Fest in Österreich und Bayern. Die Orthodoxe Kirche hat vom Pfingstoktav bis vor den Tag Peter und Paul eine Fastenzeit, das Apostelfasten. Diese Fastenzeit ist allerdings weniger streng als die anderen Fastenzeiten.

Mariä Himmelfahrt (katholisches Fest) oder Mariä Aufnahme in den Himmel, ist ein Hochfest der römisch-katholischen Kirche. In der altkatholischen Kirche wird das Fest als Heimgang Mariens begangen. Auch die orthodoxen Kirchen feiern das Fest, aber teilweise an anderen Daten durch die neuen Kalender. Vor allem im süddeutschen Raum finden abends feierliche Gottesdienste mit anschließenden Prozessionen oder Wallfahrten statt. In Italien ist Mariä Himmelfahrt traditionell ein arbeitsfreier Feiertag namens Ferragosto.

Michaelis oder Michaelistag gedenkt dem Erzengel Michael. Im Judentum werden Engel oder „Erzengel“ nicht als eigenständig handelnde Wesen gesehen und unterliegen daher dem Verbot des Götzendienstes. Dagegen gilt Erzengel Michael im Christentum als Bezwinger des Teufels in Gestalt eines Drachen und als Anführer der himmlischen Heerscharen. Nach der kirchlichen Tradition kommt ihm auch die Rolle des „Seelenwägers“ am Tag des jüngsten Gerichts zu. Papst Gelasius I. begründete im Jahr 493 das Fest des heiligen Erzengels Michael, im Volksmund Michaelis genannt. Das Fest feiern bis heute die römisch-katholische, die anglikanische und einige protestantischen Kirchen. Die Ostkirche begeht heute das Fest des heiligen Michael am 8. November. In Ägypten wird das Fest des Erzengels am 12. November begangen. 

Für die Mormonen verkörpert der Erzengel Michael den ersten Menschen Adam und wird als Gottes Ebenbild angesehen. Für die Zeugen Jehovas ist der Erzengel Michael sowohl mit dem Wort Gottes (vgl. Joh 1,1 EU) identisch als auch mit Jesus. Er leistete nach ihrer Theologie Jehova bei der Erschaffung der Welt Hilfe und lebte später als fleischgewordener Menschensohn ein Leben ohne Sünde. Nach seinem Opfertod sei er in seinen ursprünglichen spirituellen Zustand zurückgekehrt. Eine ähnliche Vorstellung findet sich auch bei den Siebenten-Tags-Adventisten, wobei Jesus Christus trotz der Gleichsetzung als „Gott der Sohn“ und damit als Teil der Dreieinigkeit angesehen wird.

Der Reformationstag ist ein evangelischer Feiertag und erinnert an Martin Luther, der an diesem Tage im Jahr 1517 seine 95 Thesen zu Ablass und Buße an die Schlosskirche in Wittenberg gehangen haben soll. Damit leitete er die Reformation der Kirche ein, die im Protestantismus mündete.

Allerheiligen ist ein katholischer Feiertag zum Gedenken an "aller Heiligen", Märtyrer und Verstorbenen. Die Gläubigen besuchen die Friedhöfe und entzünden Kerzen. In den orthodoxen Kirchen ist der Feiertag am ersten Sonntag nach Pfingsten.

Allerseelen dient dem Gedächtnis der Verstorbenen. Durch Gebete, Almosen und Fürbitten sollen die Leiden der armen Seelen, der Verstorbenen im Fegefeuer, erleichtert werden. Das Fest wurde im 10. Jahrhundert von Odilo, dem Abt der Benediktiner von Cluny eingeführt. Es wird vor allem in den Alpenländern mit zahlreichen Volksbräuchen verbunden. In der römisch-katholischen Kirche hat der Allerseelenablass eine besondere Bedeutung. 

St. Martin oder Martinstag, in Teilen Bayerns und Österreich auch Martini, ist der Gedenktag des heiligen Martin von Tours. Er ist in Mitteleuropa von zahlreichen Bräuchen geprägt.

In der Prignitz beginnt der St. Martinstag mit dem Martinsumzug zur Kirche. Im Gottesdienst wird Brot gebrochen und mit anderen Menschen geteilt. Während oder nach dem Gottesdienst wird auf Plätzen oder Straßen die Geschichte vom St. Martin aufgeführt, wie er hoch zu Ross (Natürlich ein echtes Pferd) seinen Mantel mit einem Bettler teilt. Der Mantel des St.-Martin-Darstellers wird immer weiter geteilt, bis möglichst jeder der Zuschauer einen Fetzen bekommt, der als Symbol der Mitmenschlichkeit ein Jahr aufbewahrt wird. Anschließend gibt es das St.-Martin-Essen mit Gans, Kartoffelklöße oder Pü und Knieperkohl, der Höhepunkt des Festes.
 
Die Prignitz gehörte nie für den Großteil der Bevölkerung zu den wohlhabenden Gebieten Deutschlands. Ein Huhn zu schlachten oder sich zu leisten, war ein geringeres Problem. Eine Gans war etwas Besonderes. Viele Familien aßen lieber zu Weihnachten Kaninchen, Karpfen oder Huhn, bevor sie auf ihre Martinsgans verzichteten. Und traditionell wurden zu diesem Essen Arme, Kranke, Alte, Andersgläubige oder Fremde eingeladen. 
 
Das St.-Martins-Fest wurde nach dem Verbot der Osterfeuer (angeblicher Brandschutz) durch die ehemalige DDR-Regierung zum wichtigsten Festtag nach Weihnachten. Gegen das Fest des Teilens und des Mitgefühls fiel den damaligen DDR-Oberen nichts ein und so entdeckten sie den „sozialistischen Ansatz“ bei St. Martin und duldeten das Fest. Für die Christen in der Prignitz war das St. Martinsfest eine Möglichkeit, einmal im Jahr unangefochten ihren Glauben zu leben, zumal viele Atheisten und Kommunisten dem Fest beiwohnten. Der rote Fetzen des Mantels vom St. Martin-Darsteller war auch ein Symbol des „stillen Protestes“ gegen die Repressalien der DDR-Führung gegen die Kirche. In der ländlichen Prignitz gab es 1989 keine Montagsdemos wie in Leipzig und anderen Städten, aber viele Prignitzer hefteten sich den roten Fetzen des St.-Martinsmantel sichtbar an ihre Kleidung. 
 
Die vier Sonntage vor Weihnachten werden als Advent (lateinisch "Ankunft") gefeiert. 

Nikolaus ist das Fest zu Gedenken des Bischofs von Myra. Nikolaus lebte vermutlich von 270 - 342 in Südwestanatolien. Myra ist ein kleines Örtchen ca. 100 km südwestlich von Antalya in der heutigen Türkei. Im 4. Jahrhundert war es allerdings Bischofssitz. Bischof Nikolaus entstammte einer reichen Familie. Doch im Gegensatz zur anderen Oberschicht kümmerte er sich um die armen und kranken Menschen in Myra. Diesen half er sogar teilweise heimlich. Sein ererbtes Vermögen soll er insgesamt unter den Armen verteilt haben. Seine unendliche Hilfsbereitschaft wurde gerühmt und verklärt. 

An seinem Todestag wurden traditionell an diesem Tag die Jungen beschenkt, die Mädchen bekamen Geschenke am Tag der heiligen Lucia. Martin Luther schaffte zunächst das Geschenkeverteilen am 6.12. ab. Dadurch kam es zu dem Brauch, Geschenke an Weihnachten für Kinder zu verteilen und Nikolaus, verschmolzen mit anderen Figuren,  wurde kurzerhand zum Weihnachtsmann. Für Kinder ist es heute Sitte, am Vorabend des 6.12. einen Schuh vor die Tür zu stellen oder Strümpfe aufzuhängen (Früher stellte man allerdings oft auch Teller raus). Am nächsten Morgen sind sie mit Kleinigkeiten gefüllt.
 
In der ostalpenländischen Region, Ungarn, Slowenien, Tschechien und Teilen von Norditalien und Kroatien begleitet der furchterregende Krampus den heiligen Nikolaus. Nikolaus beschenkt die braven Kinder, die unartigen werden vom Krampus bestraft. Der Krampus ähnelt also dem Knecht Ruprecht. Allerdings begleitet Knecht Ruprecht meist alleine den Nikolaus, der Krampus dagegen tritt in Gruppen auf.
 
 

 

Mariä Empfängnis oder die unbefleckte Empfängnis ist ein römisch-katholisches Glaubensdogma, nach dem die Gottesmutter Maria vor jedem Makel der Erbsünde bewahrt wurde. Das heutige Hochfest erinnert an die Jungfrau und Gottesmutter Maria. In Österreich, Liechtenstein, den katholisch geprägten Kantonen der Schweiz, Argentinien, Spanien, Chile, Portugal, Italien und Malta ist Mariä Empfängnis ein gesetzlicher Feiertag. In Bayern war dieser Tag bis einschließlich 1969 ein staatlich geschützter kirchlicher Feiertag, heute jedoch nicht mehr. 
 
Das Fest der Heiligen Lucia wird am 13. Dezember gefeiert. Die heilige Lucia (von lat. lux = Licht) lebte vermutlich von 286 bis 304 in Syrakus auf Sizilien. Sie wurde als Christin denunziert und starb als Märtyrerin unter Kaiser Diokletian. Eine Legende besagt, dass sie auf dem Kopf einen Lichterkranz trug, wenn sie die Armen versorgte, um die Hände frei zu haben. Im Mittelalter erhielten in Europa die Mädchen meist am Luciatag (die Jungen am Nikolaus)  ihre Geschenke. Der Heilige Abend wurde erst ab dem 16. Jahrhundert als Gabentag eingeführt. In Schweden blieb das Fest der heiligen Lucia trotz Reformation ein besonderer Feiertag mit der Darstellung der heiligen Lucia, Tragen weißer Gewänder, traditionellem Gebäck und Gesang. 

 

 

Heiligabend oder der Heilige Abend am 24. Dezember ist der Vorabend des Weihnachtsfestes und beendet die Adventszeit. Nach dem antiken Kalender endete der Tag mit dem Sonnenuntergang. Damit gehörte der Abend des 24.12. liturgisch bereits zum Weihnachtstag. In Europa wird zumeist Heiligabend im familiären Kreis mit Bescherung und Festessen begangen. In den meisten englischsprachigen Ländern werden die Geschenke allerdings erst am Morgen des ersten Weihnachtstages verteilt. Die Bräuche sind sehr unterschiedlich. In vielen Gegenden Deutschlands gibt es zum Beispiel am Heiligabend eine einfache Mahlzeit wie Kartoffelsalat mit Würstchen. In anderen Gegenden sind aufwendigere Gerichte wie Gans, Ente, Karpfen oder ähnliches üblich. Besonders in eher armen Gebieten war ein verhältnismäßig üppiges Mahl Brauch, weil es einfach für diese Menschen eine Bescherung war, sich einmal satt essen zu können. Viele Familien besuchen am späten Nachmittag oder nachts die Kirche.

Weihnachten 1914 in einem mörderischen Krieg:

Der Heiligabend ist das größte Fest in Deutschland. Heiligabend wird übergreifend gefeiert. Der Heiligabend verbindet die christlichen Religionen. Da das Fest aber noch "nicht direkt" Weihnachten ist, feierten auch zum Beispiel vor dem Nationalsozialismus viele assimilierten Juden in Deutschland das Fest und bis heute Atheisten, Kommunisten, Sozialisten. Nicht unbedingt als Weihnachten, aber als Familienfest und als Fest des Friedens. Heiligabend ist das Fest, was die Deutschen in Deutschland vereint, unabhängig von Herkunft oder Glauben. Heiligabend geht im christlich geprägten Land in seiner Bedeutung weit über den Glauben hinaus und ist deutsche Kultur.

Weihnachten oder Christfest (Hochfest) ist am 25. Dezember und in vielen Staaten ein gesetzlich geschützter Feiertag. Für Christen ist es nach Ostern das höchste Fest und gedenkt der Geburt Jesus Christus. In zahlreichen Ländern gilt das auch für den zweiten Weihnachtsfeiertag am 26. Dezember, der eigentlich der Stephanstag oder Stefanitag ist und an einen christlichen Mätyrer, den heiligen Stephanus, erinnert.

Das eigentliche Geburtsdatum von Jesus Christus ist nicht überliefert. So wurde seine Geburt bis etwa zum 4. Jahrhundert am 6. Januar gefeiert, wie es heute noch in vielen orthodoxen Kirchen üblich ist. Im Jahre 813 erklärte die Synode von Mainz Weihnachten zu einem allgemeinen kirchlichen Feiertag und legte den 25. Dezember fest. 
 
Der 25. Dezember war in vielen Kulturen dazumal ein Festtag, der Tag der Sonnenwende. Die Römer beispielsweise feierten an diesem Tag ihren Sonnengott Saturn, die Germanen im norddeutschen Raum bis nach Skandinavien ihr Mittwinterfest oder Julfest. Mit der zunehmenden Christianisierung fand das Weihnachtsfest (Ableitung aus dem Hochdeutschen "Ze den wihen nahten" "zu den Heiligen Nächten") eine weltweite Verbreitung. Der christliche Weihnachtsfestkreis beginnt mit dem ersten Advent und endet am 6. Januar am Nikolaus, bzw mit Mariä Lichtmeß am 2. Februar. Mit Weihnachten beginnt das neue Kirchenjahr.
 
Es ist üblich, zu Weihnachten in die Kirche zu gehen. Das machen heutzutage auch traditionell viele Menschen, die normalerweise nicht die Kirchen besuchen. 
 
Das Krippenspiel, dass die Weihnachtsgeschichte erzählt, ist wohl mit einer der ältesten Bräuche. Ab etwa dem 16. Jahrhundert wurde es Brauch, eine Krippe mit den Krippenfiguren zu Weihnachten aufzustellen.
 
Ab etwa 1600 wurden vereinzelt Tannen als Weihnachtsbäume geschmückt, ab ca 1800 hielt er Einzug in gehobenen Bürgerhäusern, zunächst überwiegend im südlichen deutschsprachigen Raum, bis er schließlich weltweit das Symbol für Weihnachten wurde und fester Brauch mit Schmücken, Geschenke unter dem Baum, Einlass der Kinder nach dem Kerzen anzünden, Lieder, etc. Heute finden überwiegend Tannen, Fichten und Edeltannen als Weihnachtsbaum Verwendung. In Norddeutschland war es früher im ländlichen Bereich auch häufig die Kiefer, die mit vergoldeten Zapfen und Nüssen, Äpfeln und Süßigkeiten geschmückt wurden. Am 6. Januar gab es dann das „Baumplündern“ zur Freude der Kinder, die nun endlich die Süßigkeiten vom Baum holen durften. Im Spreewald war der „Dreeboom“ üblich, der aus Holz in Baumform gefertigt war und an eine Weihnachtspyramide erinnert. Der friesische Jöölboom oder Kenkenbuum war angesichts des geringen Baumbestandes besonders auf den Inseln ebenfalls aus Holz gefertigt. In Berlin um die Jahrhundertwende in den Arbeitervierteln gab es ebenfalls aus Platz- und Kostengründen gebastelte Weihnachtsbäume aus Holzleisten.

Weihnachtspyramiden sind eine weihnachtliche Dekoration ursprünglich aus dem Erzgebirge. Sie sind karussellartig aufgebaut und werden mit christlichen Motiven oder weltlichen Motiven ausgeschmückt. Heute ist diese Volkskunst aus dem Erzgebirge weit verbreitet und Bestandteil der Weihnachtsbräuche.

Martin Luther führte, als Abkehr von der Heiligenverehrung den „Heiligen Christ“ als Jesuskind ein. Daraus entstand in vielen Regionen das engelsgleiche Christkind. Im 17. Jahrhundert entwickelten sich daraus weihnachtliche Umzugsbräuche, in denen Maria, Josef und das Jesuskind durch die Straßen zogen. 

Im 18. Jahrhundert brachte der Nikolaus in katholischen Gebieten die Geschenke, das Christkind in evangelischen. Später verschob sich das Schenken auch in den katholischen Gebieten vom Nikolaus auf Heiligabend und das Christkind wurde übernommen, sodass später der Weihnachtsmann vorwiegend im evangelischen Norden und Nordosten die Geschenke brachte, das Christkind im Westen und Süden Deutschlands und in Schlesien. In der Kunstfigur des Weihnachtsmannes sind Elemente aus Nikolaus und Knecht Ruprecht vermischt.

Weihnachtslieder und -gedichte haben sich in den Weihnachtsbräuchen gehalten. Volkslieder, Kirchenlieder, Heimatgedichte oder Balladen beherrschen dagegen meist nur die älteren Leute, sodass die Weihnachtslieder und -gedichte generationsübergreifend wirken.

Zu Weihnachten gehört ein Festessen. Es findet am ersten Feiertag statt, in manchen Gegenden auch Heiligabend. Dabei weichen hier die Bräuche erheblich voneinander ab. Weihnachtsgans, Ente mit Rotkohl und Klößen, Weihnachtskarpfen, Pute oder Truthahn sind überwiegender Brauch in Deutschland. Im Mittelalter gab es das Mettenmahl, einen Schweinebraten. Arme Leute konnten sich nur die Mettenwürste leisten, also Blut- und Leberwürste.

Die Weihnachtsplätzchen und das Backen dieser bedeuten in vielen Familien einen wichtigen und verbindenden Brauch. Der Weihnachts- oder Christstollen ist ein Weihnachtsgebäck mit einer Tradition in Deutschland nachweisbar seit 1329. Allerdings wurde er bis 1491 durch die Fastenzeit nur aus Wasser, Hafer und Rüböl hergestellt.  Leb- oder Pfefferkuchen haben in Deutschland als Weihnachtsgebäck eine ähnlich lange Tradition. Sie waren wegen ihrer langen Haltbarkeit beliebt, konnten gelagert werden und in schlechten Zeiten verteilten die Mönche sie an Notleidende.

 
Weihnachten in Polen
 
Weihnachten im Irak und Israel
 
Weihnachten in Kamerun
 
Orthodoxe Weihnachten in Russland
 

Erscheinung des Herrn (evangelisch) oder Heilige Drei Könige (katholisch) sind Bestandteil des Weihnachtskreises. Epihanias oder Erscheinung des Herrn ist für evangelische Christen das Erscheinen Gottes in Jesus Christus als "Licht der Welt". Die Katholiken feiern das Dreikönigsfest gemäß Mattäus 2, 12. Die drei Weisen , früher "Könige" genannt, besuchten das Christuskind und offenbarten der Welt die Göttlichkeit Jesu.

 
Kinder verkleiden sich anlässlich dieses Festes als Caspar, Melchior und Balthasar und ziehen als Sternsinger von Haus zu Haus, um die Häuser zu segnen und Spenden einzusammeln. Die Kinder schreiben an die Häuser die Buchstaben C+M+B ("Christus mansionem benedicat" - "Christus segne dieses Haus"). Der Brauch besteht bereits ab dem 16. Jahrhundert. 
 
 
Mariä Lichtmeß (katholisches Fest), neue Rechtschreibung Lichtmess,  hat den Hintergrund, dass nach damaligen mosaischen Gesetz ein neugeborenes Kind innerhalb einer bestimmten Frist in den Tempel zu bringen (vgl. Ex 13, 11 - 16; Lev 12, 1 - 8; Jes 8, 14 - 15; 42, 6) sei, was die Eltern Jesu befolgten. Der greise Simeon und die Prophetin Hanna erkannten in Jesu den eigentlichen Herrn des Tempels (Lk 2, 22 - 40). In den Ostkirchen wurde der Tag zu einem „Fest der Begegnung des Herrn”, im Westen wurde es mehr ein Fest Marias durch die „Reinigung Marias” nach den mosaischen Vorschriften. Kerzenweihe und Lichterprozessionen kamen erst später hinzu, wodurch sich der Name „Mariä Lichtmess” einbürgerte. Seit der Liturgiereform nennt man in der Liturgie das Fest „Darstellung des Herrn“. Lichtmess galt früher in der katholischen Kirche als Ende der Weihnachtszeit, weshalb noch heute in vielen katholischen Kirchen und Häusern Krippe und Weihnachtsbaum bis zum 2. Februar stehen.
 

 

Bewegliche Feiertage

Ein Feiertag wird als beweglich bezeichnet, wenn er nicht in jedem Jahr zum gleichen Datum stattfindet. Bewegliche Feiertage haben fast immer einen Bezug zum Kirchenjahr, ihr Datum hängt meist vom Osterdatum ab und hat dann einen fixen Tagesabstand zu diesem.

Die Passionszeit beginnt 46 Tage vor Ostern. Mit Passion (lat: passio = Leiden) wird die Leidensgeschichte Jesus beschrieben. Die Passionsgeschichte beschäftigt sich mit den Gegnern Jesu, seinem Abendmahl, den Verrat durch Judas, seine Enttarnung, das Gerichtsverfahren vor Pontius Pilatus, die Verleugnung von Jesus durch Petrus, die Verurteilung, die Kreuzigung, sein Tod und die Grablegung. Die Passionszeit beginnt mit dem Aschermittwoch und endet mit Karsamstag. Die Passionszeit ist eine 40tägige Fastenzeit, ausgenommen vom Fasten sind die Sonntage. Im Mittelalter waren die Fastenregeln sehr streng. Außer drei Bissen Brot und drei Schluck Wasser oder Bier durfte man nichts zu sich nehmen. 1486 erlaubte Papst Innozenz VIII. Milchprodukte in der Fastenzeit. Der "Heringsschmaus" war früher eine Alternative zum Fleischkonsum.  Heute besteht das Fasten überwiegend auf den Verzicht von Alkohol, Süßigkeiten und Fleisch. Als strenge Fastentage gelten eigentlich nur noch der Aschermittwoch und Karfreitag. 
 
Traditionell werden in der Passionszeit Kruzifixe und Kreuze, manchmal auch Statuen, mit dem Fasten-, Passions-, Palm- oder Hungertuch eingehüllt. In manchen Kirchen hängen in der Passionszeit große Fastentücher vor dem Altarraum. Dem Gottesdienst kann so nur noch akustisch gefolgt werden und versinnbildlicht zum körperlichen ein seelisches Fasten. Die Farbe Violett spielt eine große Rolle als Symbol für Buße, Gebet und Besinnung und soll an den purpurnen Mantel erinnern, der Jesus zum Spott umgelegt wurde. In der Passionszeit sollen traditionell keine Feierlichkeiten, auch keine Hochzeiten stattfinden. Tanzveranstaltungen waren früher in dieser Zeit verboten, Auch das hat sich sehr gelockert, in vielen Regionen sind aber am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag Tanz-, Musik- und Sportveranstaltungen verboten.
 
Am Aschermittwoch beginnt in der Katholischen und Evangelischen Kirche die 40tägige Fastenzeit. Am Aschermittwoch werden die Palmzweige des Vorjahres verbrannt und ihre Asche gesegnet. Im Gottesdienst wird den Gläubigen vom Geistlichen ein Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet oder die Asche auf den Scheitel gestreut. Das soll die Gläubigen an ihre Vergänglichkeit, an Buße und Reue erinnern. Die Orthodoxen Kirchen haben keinen Aschermittwoch, da ihre Fastenzeit bereits am Sonntagabend der siebten Woche vor Ostern beginnt. Für die Protestanten war ursprünglich die Fastenzeit einer der Gründe für die Kirchenspaltung. So wurde 1522 in Zürich die Reformation durch ein Fastenbrechen eingeleitet. Die Reformatoren vermissten eine biblische Begründung für die Fastenregeln der Katholischen Kirche. Evangelische Christen sehen das Fasten eher als freiwillige geistliche Übung. Betreffs des Fastens haben sich Evangelische und Katholische Kirche inzwischen wieder genähert.
 
Die Karwoche ist die Woche vor Ostern und für Christen die wichtigste Woche des Kirchenjahres. In der Katholischen Kirche bezeichnet man die Karwoche auch als „stille Woche“. 
 
Der Palmsonntag ist der Sonntag vor dem Ostersonntag und der Beginn der Karwoche. Er erinnert an den triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem. Nach dem Matthäus­-Evangelium soll das ihm zujubelnde Volk Palmzweige gestreut haben als Zeichen seines Königtums. Palmen galten im Altertum als heilige Bäume, Palmzweige sind Symbol der Märtyrer. In katholischen Kirchen werden Prozessionen mit Palmkätzchenzweigen veranstaltet. Mangels Palmen in unseren Breitengraden griff man auf Palmkätzchen, also Weidenzweige, zurück. Mancherorts werden auch Buchsbaum- oder Wacholderzweige genommen. Die Palmkätzchen werden in der Messe am Palmsonntag geweiht. Nach der Prozession werden sie als Glücksbringer mit nach Hause genommen. Die liturgische Farbe des Palmsonntags ist bei der Katholischen Kirche rot.
 
 
 
Vielerorts wird bei den Prozessionen ein Esel, echt oder als Figur, mitgenommen. Dieser Esel erinnert daran, dass Jesus auf einem Esel in Jerusalem einritt. Der Esel verdeutlichte ihn als Friedensfürst.
 
In der evangelischen Kirche wird der Palmsonntag mit Gottesdiensten gefeiert. In der Neuapostolischen Kirche fanden bis zum Jahr 2011 am Palmsonntag traditionell die Konfirmationen statt.
 
Auch der Gründonnerstag gehört zur Karwoche. Der Gründonnerstag erinnert an das letzte Abendmahl von Jesus mit den zwölf Aposteln vor der Kreuzigung. Ursprung oder Bedeutung der in Deutschland üblichen Bezeichnung "Gründonnerstag" konnte bis jetzt nicht geklärt werden. In der Evangelischen Kirche findet ein abendlicher Abendmahlsgottesdienst statt, der an die Einsetzung des heiligen Abendmahls erinnert. Auch die Katholische Kirche feiert den Gedächtnistag des letzten Abendmahls und der damit verbundenen Einsetzung der Eucharistie. In einigen Kirchen, zumeist in Spanien, Portugal oder Italien, wird eine Fußwaschung vorgenommen, angelehnt an das Johannes-Evangelium, in dem berichtet wird, dass Jesus seinen Jüngern die Füße wusch. Am Ende der Messe wird der Altar leergeräumt. Der leere Altar verweist auf die kommenden zwei Tage der Trauer. Bis zur Osternacht verstummen Orgel und Glocken. Manche Kirchen bleiben bis Mitternacht des Karfreitages geöffnet für Anbetungsstunden. Gläubige beten in dieser Zeit, um Jesus auf seinen Leidensweg zu begleiten. 
 
Am Gründonnerstag findet auch die Chrisammesse statt. Nur die Chrisammesse darf als Heilige Messe am Gründonnerstag neben der Feier des Letzten Abendmahl stattfinden. In dieser Feier weiht der Bischof in einer Kathedrale für seine gesamte Diözese das Heilige Chrisam für ein ganzes Jahr. Als Chrisam wird das Salböl bezeichnet, dass in der römisch-katholischen Kirche zur Taufe oder Krankensalbung, bei der Firmung, bei der Weihe eines Priesters, Bischofs, Altars oder von Glocken, Kelchen etc bei ihrer Segnung verwendet wird. Nach der Chrisammesse werden die heiligen Öle an die Gemeinden übergeben. Außerdem wird in dieser Messe an die Weihe anwesender Priester und Diakone erinnert. 
 
 
In den Orthodoxen Kirchen nennt man das Salböl Myron. Das Myron wird ebenfalls am Gründonnerstag (jedoch nach dem Julianischen Kalender) geweiht. Das kirchliche Oberhaupt der Nationalkirche bereitet das Myron mit Assistenz mehrerer Bischöfe zu und weiht es. Anschließend wird es an alle Pfarreien verteilt. 
 
Karfreitag
 
Ostern (März/April) ist das älteste und bedeutendste Fest. Am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond feiern die Christen die Auferstehung Jesu von den Toten.
 
 

Sorbische Osterbräuche

 

Christi Himmelfahrt bedeutet die „die Aufnahme des Herrn. Damit ist die Rückkehr Jesu Christi als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel gemeint. Christi Himmelfahrt wird 39 Tage nach dem Ostersonntag gefeiert. Darum fällt es immer auf einen Donnerstag zwischen dem 30. April und 3. Juni. Das Fest wird in der katholischen Kirche, der orthodoxen Kirche und der anglikanischen Kirche als Hochfest begangen.
 
Pfingsten (Mai/Juni) gilt als "Der Geburtstag der Kirche". 50 Tage nach Ostern wird die Herabsendung des Heiligen Geistes und die Gründung der Kirche gefeiert. Der Heilige Geist kam in Feuerzungen über die Jünger Jesu und ließ sie in vielen Sprachen reden.

Das Fronleichnamsfest gilt für Katholiken als „Hochfest des Leibes und Blutes Christi" und ist meist mit einer Prozession verbunden. Dieses Fest gibt es nicht in den evangelischen oder orthodoxen Kirchen, Es wird 60 Tage nach Ostern gefeiert.

Das Ernedankfest ist am 1. Sonntag im Oktober. Es wird Gott für die erfolgreiche Ernte gedankt.

 

Buß- und Bettag ist ein evangelischer Feiertag am Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres. Es ist der Tag der Reue für begangene Sünden und zur Umkehr zu Gott.

Am letzten Sonntag des Kirchenjahres, eine Woche vor dem ersten Advent, feiern Katholiken den Christkönigssonntag, der Jesus in den Mittelpunkt stellt, und die Evangelische Kirche den Totensonntag, ein Gedenktag für die Verstorbenen.

Die Adventssonntage sind auch bewegliche Feste, die von dem Termin von Weihnachten abhängen. Weihnachten selbst ist an das Datum im Gegorianischen Kalender gebunden, Advent muss aber ein Sonntag sein, sodass es auf den jetzigen Kalender angepasst wird. Der 1. Advent ist der Beginn des neuen Kirchenjahres für die katholische und evangelische Kirche.

 

 
Das Abendmahl erinnert an Jesus letztes Mahl mit seinen Jüngern vor seiner Verhaftung und Kreuzigung. Es wurde Brot gegessen und Wein getrunken. Das Abendmahl wird bereits seit den Anfängen des Christentums gefeiert und trägt auch die Bezeichnungen Eucharistie (griechisch „Danksagung“, eucharisteo „Dank sagen“) oder heilige Kommunion (lateinisch communio „Gemeinschaft“). In der römisch-katholischen Kirche spricht man vom Messopfer als gebräuchliche Bezeichnung für die Heilige Messe. 
 
In der Ökumenischen Bewegung (Christliche Bewegung mit dem Ziel, eine weltweite Zusammenarbeit aller christlichen Kirchen zu erreichen) hat sich der Begriff "Herrenmahl" durchgesetzt. Diese Bezeichnung soll zum Ausdruck bringen, dass Jesus selbst das Heilige Mahl gestiftet hat. Das letzte Mahl von Jesu wird im Neuen Testament in vier Texten beschrieben. Etwa zwanzig Jahre nach Jesus Tod wurde es im 1. Korinther 11, 23-26 beschrieben, außerdem im Matthäus 26, 26-29; Markus 14, 22 -25 und Lukas 22, 15-20.
 
Das Abendmahl wird als Sakrament gefeiert. Als Sakrament (von lateinisch sacer = „heilig, unverletzlich“) bezeichnet man in der christlichen Theologie einen Ritus, der als sichtbares Zeichen eine unsichtbare Wirklichkeit Gottes vergegenwärtigt und an ihr teilhaben lässt. Es ist ein Höhepunkt christlichen Lebens und die zentrale Feier schlechthin. Die Gemeinschaft der Menschen mit Gott und der Menschen untereinander wird verdeutlicht. Das Abendmahl ist für viele Christen Bestandteil ihrer Frömmigkeit, durch das sie die Vergebung der Sünden und den Zuspruch Gottes erfahren.
 
In der römisch-katholischen Kirche ist die Feier des Abendmahls in jedem Gottesdienst integriert, in der evangelischen Kirche wird es wenigstens einmal im Monat gefeiert. Ursprung des evangelischen Abendmahlverständnisses ist die Auseinandersetzung Martin Luthers mit seiner katholischen Kirche. Luther wandte sich gegen das Abendmahl als Art Opfergabe (daher der Name "Messopfer") des Priesters an Gott. Gott sollte am Menschen handeln und nicht der Mensch vor Gott. Er wandte sich gegen eine Ritualisierung des einmaligen Opfers Jesu am Kreuz im Gottesdienst.
 
Außerdem war es in der katholischen Kirche im Mittelalter üblich geworden, dass den Gläubigen nur noch die Hostie oder das Brot, nicht aber der Wein, gereicht wurde. Begründet wurde es damit, dass das Brot als Leib Christi zu verstehen sei, in dem das Blut enthalten wäre und dass ein versehentliches Verschütten des Weins das Blut Jesus vergeuden könne. Obwohl das Zweite Vatikanische Konzil die Austeilung von Brot und Wein gestattete, wird auch noch heute in der römisch-katholischen Kirche den Gläubigen meist nur die Hostie gereicht. 
 
Das Abendmahl spricht den Menschen mit all seinen Sinnen an. Allerdings bleiben Fragen offen. So ist nicht geklärt, warum Jesus Leib und Blut mit Brot und Wein gleichsetzte. Früher hatten die Menschen damit keine Probleme, denn im antiken Denken wurde nicht zwischen Symbol und Wirklichkeit unterschieden und die Sprache Jesu, das Aramäische, kannte keine Hilfszeitworte. Somit war eine einwandfreie Übersetzung von „das mein Leib" nicht möglich. Es könnte heißen „Das ist mein Leib“ oder „Das bedeutet mein Leib“. 
 
Nach katholischer Lehre werden Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt (lateinisch Transsubstantiation = Wesensverwandlung). Nach Luther ist Christus jedoch in Brot und Wein körperlich zugegen (Realpräsenz). Im reformiertem Verständnis ist das Abendmahl allerdings lediglich ein Symbol der Gegenwart Gottes.
 
Wenn es heißt, dass Gott den Menschen im Abendmahl durch Brot und Wein in Leib und Blut Jesu Christi begegnet, dann ist damit gemeint, dass Gott dem Menschen näher kommt wie es derjenige selber nicht vermag, dass die Gemeinschaft mit Gott mehr ist als nur eine Denkerfahrung, sondern sich auf Leib und Seele bezieht und dass die Menschen durch das Abendmahl neue Kraft für ihr Leben erfahren. Obwohl die Kirchen in vielen Ansichten über das Abendmahl übereinstimmen, wird es nicht gemeinsam gefeiert. Für die evangelische Kirche gilt die eucharistische Gastfreundschaft, die eine Teilnahme von Angehörigen anderer christlicher Kirchen gestattet. Die römisch-katholische Kirche setzt eine volle Gemeinschaft im Glauben für die Teilnahme voraus, sodass Angehörige anderer christlicher Kirchen in der Regel nicht teilnehmen dürfen.
 
In den evangelischen Landeskirchen werden alle Getauften zum Abendmal eingeladen. Allerdings war traditionell in der evangelischen Kirche die Teilnahme am Abendmahl mit der Konfirmation verbunden. So feiern Jungen und Mädchen ihr "Erst-Abendmahl" in der Regel im Zusammenhang mit der Konfirmation, also mit 14 Jahren. Viele Gemeinden laden aber inzwischen Eltern auch mit ihren kleinen Kindern zum Abendmahl ein. Inzwischen ist es auch vielerorts üblich, statt Wein Traubensaft zu reichen, um Kinder und Kranke nicht vom Abendmahl auszuschließen.
 
Abendmahl in der Pflege:  Kranken und Sterbenden soll das Herren- oder Abendmahl gereicht werden, wann immer sie dies wünschen. Angehörige, Pflegende und Gemeindemitglieder sollten nach Möglichkeit einbezogen werden. Der Pfarrer ist zu verständigen und der Raum entsprechend vorzubereiten. Viele Einrichtungen verfügen über eine Abendmahlgarnitur, Kreuz mit Ständer und Kerzenhalter. Dazu liegt meistens ein weißes Deckchen bereit. Auf Tisch oder Nachttisch werden die Sachen vorbereitet. Es muss für eine ruhige und ungestörte Atmosphäre gesorgt werden. Dort, wo es keine Abendmahlgarnitur gibt, bringt es der Pfarrer mit. Der Raum sollte dennoch so vorbereitet sein, um einen feierlichen Rahmen zu gewährleisten.
 

Die Krankensalbung

Früher hieß die Krankensalbung „Letzte Ölung“. Dieser Begriff wird heute noch häufig für die Krankensalbung verwendet, was für Verwirrung sorgen kann. Als „Letzte Ölung“ rückte die Krankensalbung nahe an den Tod und wurde somit eher als Stärkung für den Übergang in eine andere Existenz gedeutet. Heute begreift man die Krankensalbung als Mittel zur Bewältigung schwerer Erkrankungen, die dem Kranken Gott als Freund und Jesu heilendes Wirken nahebringen soll. Der Kranke soll nicht vorzeitig dem Tod überantwortet werden, denn die Bestimmung des Menschen ist das Leben und nicht der Tod. In der Gemeinschaft mit Christus durch die Krankensalbung bestehen Kranke aber auch das Sterben.

 
Die Krankensalbung ist ein Sakrament der römisch-katholischen, der altkatholischen und der orthodoxen Kirchen. In den Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden wird die Krankensalbung praktiziert als "Ältestendienst nach Jakobus 5". Die lutherische Kirche sieht für die Krankenseelsorge ebenfalls eine Salbung vor, die jedoch nicht als Sakrament verstanden wird.
 
Römisch-katholische Kirche
 
Die Krankensalbung ist wie alle sakramentalen Salbungen ein Mittel zur Stärkung, Hoffnung und Ermutigung. Der Kranke wird auf sakramentale Weise mit Jesus dem Gekreuzigten verbunden. Somit bekommt das Leiden des Kranken einen neuen Sinn und viele Menschen erleben dadurch neue Kraft und neuen Mut. Die Krankensalbung gilt neben dem Sakrament der Buße als Heilungssakrament und geht auf den Auftrag an die Jünger zurück zu heilen (Lk 10, 9). In Jak. 5, 13-18 ist bereits eine genaue Beschreibung der Krankensalbung mit den wesentlichen Elementen Gebet, Salbung mit geweihtem Öl und Sündenvergebung.
 
Das Sakrament darf nur Lebenden gespendet werden, wobei der "moralische Tod" berücksichtigt wird. Das heißt, dass ein Mensch, der "klinisch tot" ist, das Sakrament noch zwei Stunden später empfangen kann.
 
Vor der Krankensalbung sollte die Beichte abgelegt werden, wenn der Kranke dazu in der Lage ist. Ansonsten gilt das Sakrament der Krankensalbung als völlige Sündenvergebung ohne Beichte. Daher darf die Krankensalbung nach dem Konzil von Trient nur Bischöfe oder geweihte Priester durchführen. Das Sakrament wäre ungültig, wenn es ein Diakon, Pastoralassistent oder ein Laie versucht zu spenden. Nach den Vorschriften der Römisch-Katholischen Kirche wäre eine solche Handlung eine Vortäuschung der Sakramentenspendung und strafbar. Wichtig für das Zustandekommen des Sakraments ist die entsprechende Absicht ("Intention") des Spenders, das Sakrament spenden zu wollen.
 
Im Anschluss an die Krankensalbung ist je nach Gesundheitszustand der Empfang der Heiligen Kommunion möglich. Die Krankensalbung kann wiederholt werden, wenn sich der Kranke zwischenzeitlich erholt hatte oder eine Verschlechterung der Krankheit eintritt. Es gilt als Missbrauch, wenn beispielsweise in Altersheimen das Sakrament routinemäßig gespendet werden soll.
 
Früher wurde der ganze Körper gesalbt (Mittelalter), später die Sinnesorgane Augen, Ohren, Nase, Mund, die Hand und Füße, heute zumeist nur Stirne (Gedanken und Gesinnung) und Handinnenflächen (die Taten und Werke) als Symbol für die Gesamtheit des Menschen. Im Notfall genügt die Salbung der Stirn oder, falls nicht möglich, eine andere Stelle des Körpers. Der Priester spricht während der Salbung: "Durch diese heilige Salbung helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen, er stehe dir bei mit der Kraft des Heiligen Geistes: Der Herr, der dich von Sünden befreit, rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf."
 
Die Krankensalbung wird mit Krankenöl (geweihtes Olivenöl, notfalls ein anderes Pflanzenöl) durchgeführt. (Auch in anderen Kulturen wurde seit altersher Öl als Heilmittel verwandt und zu kultischen Zwecken eingesetzt wie beispielsweise die Salbung von Königen oder Priestern.) Dieses Krankenöl (lateinisch oleum infirmorum) wird in der Regel jedes Jahr am Morgen des Gründonnerstags (Chrisammesse) oder wenn nötig möglichst an einem osternahen Tag vom Bischof geweiht. Dann wird es an die Pfarreien der Diözese verteilt. Die heiligen Öle sind Sakramentalien. Im Notfall kann der Bischof oder geweihter Priester während der Krankensalbung das Öl weihen.
 
 
 
Krankensalbung in der Pflege: Das Zimmer sollte gut gelüftet sein. Ein Stuhl steht neben dem Bett für den Priester bereit. Ein für den Kranken gut sichtbarer weißgedeckter Tisch wird mit einem Kreuz, zwei Kerzen, ein Schälchen mit Weihwasser mit Aspergill oder Zweig, einem kleinen Teller mit fünf Wattebäuschen, ein Glas mit Wasser, ein Schälchen mit Salz und ein kleines Handtuch hergerichtet. Die benötigten Gegenstände heißen auch "Versehgarnitur" und sollten in christlichen Einrichtungen vorhanden sein.
 
In dem Raum sollte zur innerlichen Sammlung geschwiegen werden. Die Kerzen werden vor Eintritt des Priesters in das Zimmer entzündet. Es ist wünschenswert, dass Angehörige, Freunde (z.B. andere Heimbewohner) zugegen sind. Wenn der Kranke beichtet, müssen diese allerdings in der Zeit den Raum verlassen. Anschließend öffnet der Priester die Tür und lässt sie wieder hinein.
 
Nach der Krankensalbung sollte man den Kranken eine Weile alleine lassen. Erst dann wird der Tisch wieder abgeräumt, die benutzte Watte verbrannt und Wasser und Salz im Garten in die Erde gegeben.
 
 
Die Sterbesakramente
 
Bei der Krankensalbung für Sterbende wird der Kranke, wenn möglich, auch mit den Sakramenten der Buße (vor der Krankensalbung) und der als Wegzehrung gespendeten Kommunion (nach der Krankensalbung) versehen. Sollte der Kranke nicht in der Lage sein, die Kommunion in Gestalt des Brotes zu empfangen, kann sie ihm auch in der Gestalt des Weines gereicht werden. Der Priester spendet gemäß der vom Papst erteilten Vollmacht dem Sterbenden den mit vollkommenem Ablass verbundenen apostolischen Segen. Ist der Sterbende nicht gefirmt, kann ihm der Priester auch dieses Sakrament spenden. Man spricht in diesen Fällen von den Sterbesakramenten.
 
Früher war es üblich, dass bei dem sogenannten Versehgang der Priester in Begleitung eines Ministranten in Chorkleidung zum Haus des Kranken kam. Der Ministrant trug ein Licht und eine kleine Schelle, um Entgegenkommende auf die Gegenwart des Allerheiligsten aufmerksam zu machen. In strenggläübigen ländlichen Gebieten oder beispielsweise Spanien wird es heute noch praktiziert. Hierzulande kommt heute der Priester meist allein ins Haus. Die Vorbereitungsmaßnahmen entsprechen der Krankensalbung.
 
 
Evangelisch-freikirchliche Gemeinden 
 
Die Krankensalbung steht als Symbol für das heilende Handeln Jesu Christi. Vorraussetzung für die Krankensalbung ist, dass der Kranke selber danach verlangt und die Gemeindeältesten zu sich rufen lässt: "Ist einer unter euch krank, so soll er die Ältesten der Gemeinde rufen, damit sie für ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben." (Jakobusbrief 5,14).
 
Für Kinder und Schwerkranke ist die Krankensalbung umstritten und wird unterschiedlich gehandhabt. Es gibt freikirchliche Gemeinden, die eine Ausnahme machen für Kinder. Da können die Eltern die Gemeindeältesten rufen. Eine weitere Ausnahme sind Pflegekräfte, die von ihrem Betreuten beauftragt wurden und es in Anwesenheit der Ältesten bezeugen (Der Betreute sollte mit dem Kopf nicken oder durch Mimik die Aussage bestätigen). Es gibt aber auch Gemeinden, die rundweg Ausnahmen ablehnen, da nur derjenige die Krankensalbung erhalten soll, der sie geistig erfassen kann.
 
Für Verstorbene wird keine Krankensalbung angeboten. Durchgeführt wird die Krankensalbung von den Gemeindeältesten. Der Gemeindepastor gehört in der Regel zu den Gemeindeältesten, seine Mitwirkung ist jedoch nicht erforderlich. Das verwendete Öl ist ein Salböl oder ein ganz normales ungeweihtes Pflanzenöl. Damit wird der Kopf des Kranken (Psalm 23,5), manchmal auch die erkrankten Körperteile gesalbt. Es gibt keine vorgeschriebene Liturgie.
 
Meistens beginnt die Krankensalbung mit einem Gebet und Schriftlesung (Jakobusbrief 5,14-16). Dann befragen die Ältesten, wenn möglich, den Kranken nach seiner Krankheit. Die Ältesten und der Kranke bekennen voreinander ihre Schuld (Jakobusbrief 5,16) und vergeben sich diese gegenseitig im Namen Jesu. Schließlich wird der Kranke im Namen Jesu mit Öl gesalbt. Anschließend legen die Ältesten die Hände auf und beten für seine Genesung. Das "Vaterunser" und / oder der Psalm 23 sowie ein Segenswort beenden die Krankensalbung.
 
 
Orthodoxie 
 
In der orthodoxen Kirche gibt es sieben Sakramente ( Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Priesterweihe, Ehe und Krankensalbung), die allerdings „Mysterion“genannt werden. Diese sind geschaffene Mittel, um die unerschaffene Gnade Gottes zu vermitteln. Darum darf sich derjenige, der an den „Mysterien“ teilnimmt, sich nicht auf den geschaffenen Träger konzentrieren, sondern er muss die unerschaffene Gnade, die darin verborgen ist, geistig erkennen.  
 
Das Mysterion der Krankensalbung wird für die seelische Reinigung der Christen und für die Heilung der Kranken gespendet. Damit bietet die orthodoxe Kirche allen Gläubigen die Salbung an, auch in Verbindung mit der Eucharistie. Die Beziehung der Salbung zur Eucharistie wird durch die Salbung aller Gläubigen im Gottesdienst des Mittwochs vor Ostern deutlich. Am Tag darauf, Gründonnerstag, findet die Feier des Abendmahls statt.
 
Die Krankensalbung sollten eigentlich sieben Priester durchführen, die “Versammlung der Priester“. Die Zahl “sieben” ist in der Kirche heilig und hat eine tiefe Bedeutung. Jeder Priester liest einen Abschnitt des Evangeliums vor, anschließend erfolgt die Salbung. Da es inzwischen schwierig ist, sieben Priester zusammen zu bringen, darf auch ein Priester die Salbung durchführen. (In der orthodoxen Gemeinschaft dürfen seit 2004 auch ordinierte Diakoninnen die Krankensalbung vornehmen.) Zum Ende des Gottesdienstes taucht der Priester einen Pinsel in das geweihte Öl und salbt ein Kreuz auf Stirn, Kinn, Wangen und beiden Händen. 
 
Direkt bei einem Kranken wird zusätzlich Nase, Lippen und Brust gesalbt. Dabei spricht der Priester bei jeder einzelnen Salbung: “Heiliger Vater, Arzt der Seele und des Leibes, Du sandtest Deinen einziggeborenen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, der alle Krankheit heilt und vom Tode erlöst. Heile auch Deinen Diener (Deine Dienerin) (Name) von der ihn (sie) umfangenden körperlichen und seelischen Krankheit und belebe ihn (sie) durch die Gnade Deines Christus.” Zwischendurch werden Abschnitte aus Apostelbriefen und Evangelium gelesen. Nach der 7. Salbung stellten sich die Priester im Kreis um den Kranken. Ein geöffnetes Evangeliar wird auf den Kopf des Kranken gelegt, sodass sich der Kopf zwischen den geöffneten Seiten befindet. Der Priester erklärt, dass nicht er seine sündige Hand auf das Haupt des Kranken legt, sondern “Deine machtvolle und kräftige Hand, die in diesem Heiligen Evangelium ist” und bittet um die Vergebung der Sünden und Gesundheit für den Kranken. Der Kranke wiederholt dabei ständig “Herr, erbarme Dich”. Nach den Abschlussgebeten verneigt sich der Kranke dreimal vor dem Priester (den Priestern) und spricht: “Segnet mich, heilige Väter, und vergebt mir Sünder!”
 
 
Christliche Bestattungskultur in Deutschland
 
Die christliche Bestattungskultur ist ein "Werk der Barmherzigkeit" mit dem Ziel, die Würde der Toten zu achten und zu bewahren. Die Bestattung ist für die Gemeinde die Begleitung zur letzten Ruhe. Die Heilige Schrift hält Christen zur Nächstenliebe an. Deshalb steht man Trauernden bei und gibt ihnen Kraft. Die Trauer muss nicht im Verborgenen stattfinden und darf gezeigt werden, auch durch Weinen.
 
Für Christen ist der Tod die alles vollendende Begegnung zwischen Gott und Mensch. Mit dem Tod kehrt jeder Mensch nach christlichem Glauben zu Gott zurück, findet dort die ewige Heimat und erfährt die Vollendung seiner Identität. Daher kann der Verstorbene nicht anonym sein, auch nicht, wenn er verschollen ist oder anonym bestattet wird.
 
In der katholischen Kirche leben nur diejenigen im Jenseits weiter, die an Gott glauben und rein sind. Sünder kommen in das Fegefeuer. Das Fegefeuer, auch Reinigungsort genannt, ist nach der Römisch-Katholischen Kirche ein Prozess der Läuterung. Die Seele des Verstorbenen wird dort auf den Himmel vorbereitet. Im Fegefeuer spüren die Verstorbenen bereits die vollkommene Gegenwart und Liebe Gottes, fühlen sich aber aufgrund ihrer Sünden nicht würdig. Aber sie haben die Gewissheit, nicht ewig im Fegefeuer zu bleiben, sondern nach ihrer Läuterung und Reinigung durch Gott in den Himmel zu kommen. Wer nicht im Stand der Gnade gestorben ist, kommt gemäß der 1336 in der Bulle Benedictus Deus entfalteten Lehre in die Hölle. Die evangelische Kirche hat diese Vorstellung vom Fegefeuer nicht und lehnt sie sogar ab.
 
Es gibt keine einheitliche orthodoxe Kirche, doch sie haben viele Gemeinsamkeiten, sodass man sie allgemein beschreiben kann mit dem Bewusstsein möglicher Abweichungen.
 
Bei den Orthodoxen Christen wird die unsterbliche menschliche Seele durch den Tod vom Körper getrennt. Danach befindet sie sich in einer Art Zwischenzustand bis zum Jüngsten Gericht mit der allgemeinen Auferstehung. Nach ihrem Verständnis erfahren die Seelen der Gerechten ein Paradies und einen Vorgeschmack auf Gottes himmlischer Herrlichkeit. Die Seelen derjenigen, die im Stande der Todsünde sterben, kommen sofort nach dem Tod in den Scheol oder Hades. Dort werden sie durch die Erinnerung an ihre irdischen Taten gequält.
 
Am Jüngsten Tag nach der allgemeinen Auferstehung entscheidet das endgültige Gericht über die Taten und ob die Seelen die ewige Seligkeit oder endgültige Qual erfahren. In der Stunde des Todes entscheidet sich also, welchen Weg die Seele vorerst nimmt nach den Taten im irdischen Leben.
 
Einen Seelenschlaf oder Fegefeuer kennen die orthodoxen Kirchen nicht. Daraus ergibt sich, dass die Kirche für ihre Verstorbenen beten muss, um eventuelle Qualen der Seele nach dem Tod zu mildern. Dabei erinnert sie Gott daran, die Toten ewig in seinem Gedächtnis zu behalten.
 
Bei der allgemeinen Auferstehung vereinen sich Körper und Seele wieder und werden zugleich engelhaft verwandelt, frei von Schwächen, Gebrechen und körperlichen Bedürfnissen. Die Orthodoxen Christen sehen Gottes Barmherzigkeit als grenzenlos an, aber nach ihrer Theologie hat der Mensch zu seinen Lebzeiten die Freiheit, diese Barmherzigkeit abzulehnen oder anzunehmen. Gott kann nicht in denen erstrahlen, die in ihrer Sünde verharren. Einige orthodoxe Kirchenväter vertreten die Lehre von der Allversöhnung, die besagt, dass es Gott vorbehalten sei, möglicherweise doch alle Menschen am Ende zu erlösen. Diese Ansicht hat das 5. Ökumenische Konzil im Jahr 553 offiziell verurteilt.
 
Lange war die Erdbestattung die traditionelle Form der Bestattung. Der Körper musste für die Auferstehung aufbewahrt werden. Eine Verbrennung galt Hexen, Ketzern oder Verbrechern. Es gibt aber eigentlich keine zwingend vorgeschriebene oder schriftlich festgehaltene Bestattungsform. So akzeptierte die evangelische Kirche eine Einäscherung bereits in den 1920er Jahren. 1963 hat auch das Heilige Offizium die Feuerbestattung gestattet und Alternativen wie die Seebestattung oder Baumbestattung. Das geschah allerdings eher aus praktischen und nicht aus religiösen Gründen und streng katholische Gläubige lehnen die Feuerbestattung meist weiterhin ab. Die Bestattung ist nach orthodoxer Auffassung kein Sakrament, sondern eine kirchliche Amtshandlung. Es sollte ein Geistlicher anwesend sein, wenn nicht aus der orthodoxen Kirche, dann wenigstens aus einer anderen Kirche. Die Wiedervereinigung der Seele mit dem Körper verbietet eine Feuerbestattung. 
 
Bei den Katholiken und Orthodoxen wird zu einem Sterbenden ein Geistlicher zur Krankensalbung gerufen, bei den Protestanten zum Abendmahl. Die gesamte Gemeinde ist vom Tod eines Christen betroffen, sodass die Bestattung von einem Geistlichen begleitet wird, um den Trauernden Halt und Hoffnung für die Auferstehung zu geben. Die Bestattungen sind in der Regel öffentlich. Bei der Bestattung wird auf traditionelle Texte und Musik zurückgegriffen, aber auch die Angehörigen betreffs der Gestaltung der Trauerfeier einbezogen und auf die Vita des Verstobenen eingegangen. 
 
Das Requiem ist die Heilige Messe der katholischen Kirche für Verstorbene. Der Begriff bezeichnet sowohl die Liturgie der Heiligen Messe bei der Begräbnisfeier als auch kirchenmusikalische Kompositionen für das Totengedenken. Er leitet sich vom ersten Wort des Introitus Requiem aeternam dona eis, Domine ab, übersetzt „Ewige Ruhe schenke ihnen, o Herr“.
 
Die Aussegnung ist bei den Protestanten üblich als Verabschiedung oder Abschiedssegen im Sterbehaus. Eine Kerze wird entzündet und in einem kurzen Gottesdienst wird in der Bibel gelesen, der Abschiedssegen, das Vaterunser und ein abschließender Segen erteilt. Der evangelische Bestattungsgottesdienst ist in der Regel ein öffentlicher Gemeindegottesdienst. Im Zentrum steht die Botschaft des Evangeliums für die Lebenden, um ihnen die Hoffnung auf die Auferstehung Christi zu geben. Der Sarg oder die Urne sollte bei der Feier anwesend sein. Meistens trifft sich die Gemeinde in einer Kirche, Kapelle oder Aussegnungshalle, die in Friedhofsnähe oder auf dem Friedhof steht. Der Sarg oder die Urne steht im Altarbereich unter einem Kreuz, geschmückt mit Kerzen und Blumen. Der Aussegnungsgottesdienst wird zumeist von einem Geistlichen geleitet. 
 
In der Orthodoxen Kirche erhält der Verstorbene eine Totensalbung, wird eingekleidet und mit weißen Blumen geschmückt, die als Symbol für die Überwindung des Todes gelten. Oft wird auch auf die Stirn ein Papierstreifen mit der Aufschrift „Heiliger Gott – Heiliger Starker – Heiliger Unsterblicher, erbarme Dich!“ gelegt. Mit einem sogenannten "Totentuch" wird der Verstorbene bedeckt. Es folgt ein Gebet. Ihm wird eine kleine Ikone der Gottesmutter, Namenspatron oder des Schutzheiligen in die Hände gegeben.
 
Zunächst wird der Verstorbene mit dem Gesicht nach Osten im offenen Sarg in seinem Haus und dann in der Kirche aufgebahrt. Der Sarg muss offen bleiben, bis alle von dem Verstorbenen Abschied nehmen konnten und der Geistliche die vorgeschriebenen Absolutionsgebete am offenen Sarg vollzogen hat. Die Feier der Aussegnung dauert etwa 45 Minuten. Die Trauergäste halten kleine brennende Kerzen während der Feier in der linken Hand.
 
Bei der orthodoxen Aussegnung ist Weihrauch üblich. Der Sarg muss frei stehen, damit der Geistliche ungehindert den Sarg umschreiten und von allen vier Seiten beräuchern kann. Auch im Grab soll der Verstorbene mit dem Gesicht nach Osten liegen. In der anschließenden Trauerfeier steht die Verkündigung der Auferstehung im Mittelpunkt. Der Verstorbene erhält einen „letzten Kuss“ auf die Stirn vor dem Gang zum Grab. 
 
Das Totengedächtnis ist ein fester Bestandteil der Tage und Wochen nach der Bestattung. Es ist in den einzelnen orthodoxen Kirchen unterschiedlich, wird aber in den meisten Kirchen am ersten, am fünften, am siebten und am vierzigsten Tag danach gefeiert. Außerdem wird der Todestag jährlich begangen. Es gibt verschiedene Traditionen, eine ist beispielsweise eine Armenspeisung an diesen Tagen. 
 
 
Orthodoxe Beerdigung in der Türkei
 
In Skandinavien, Irland und Island, aber auch in Teilen von Norddeutschland, hielt sich lange der Brauch der Totenwache. Dieses Ritual geht bis in das Mittelalter zurück. Familie, Freunde und Nachbarn versammelten sich unmittelbar nach Eintritt des Todes am Sterbebett. Man hüllte den Verstorbenen in weiße Leinentücher und zündete Kerzen an. Bis zu seiner Abholung wurde er nicht alleine im Raum gelassen, um böse Geister von ihm fernzuhalten. In vielen Gegenden Deutschlands gibt es auch heute noch ein Ritual der Totenwache. Die Totenwache wird am Vorabend der Beerdigung von Angehörigen und Freunden abgehalten. Gebete werden gesprochen und Lieder gesungen. Ein anderes Ritual der Totenwache ist das Abschiednehmen im Trauerhaus, im Leichenhaus oder in der Kirche. 
 
Friedhöfe helfen bei der Trauerarbeit. Christen stellen zur Erinnerung Grabkreuze oder Grabsteine mit dem Namen des Verstorbenen auf dem Grab auf. Katholische Gräber haben oft noch ein Gefäß mit Weihwasser. Die christlichen Kirchen stehen vielen Lockerungen der Friedhofsregelungen skeptisch gegenüber wie beispielsweise den anonymen Bestattungen. Allerdings ist die erneute Nutzung von christlichen Grabflächen seit dem Mittelalter gestattet, was im Judentum und Islam streng verboten ist, wo ewige Gräber vorgeschrieben sind. 
 
 
 
Anonyme Bestattungen
 
Trotz der Kritik an anonymen Bestattungen nehmen diese besonders in den Städten zu. An der Beisetzungsstelle gibt es keinen Namenshinweis und eine individuelle Gestaltung des Grabes ist ausgeschlossen. Durch den Wegfall des Sterbegeldes und steigende Lebenshaltungskosten sehen sich viele, besonders alleinstehende Menschen der unteren Einkommensschicht, genötigt, eine anonyme Bestattung in Anspruch zu nehmen. Dazu kommt, dass sie anderen Menschen nicht zur Last fallen wollen.
 
Eine alte Dame ohne Angehörige, die sich für eine anonyme Bestattung entschied, sagte dazu, sie hätte in ihrem Leben immer auf Ordnung und Sauberkeit geachtet. Der Gedanke, unter einem verwilderten Grab zu liegen, denn sie habe ja niemanden, der ihr Grab besuchen würde, sei für sie unerträglich.
 
Dazu kommt, dass die sogenannten Sozialbegräbnisse in der Regel anonyme Bestattungen sind. Mittellose Menschen ohne Angehörige werden aus Kostengründen in der Stadt anonym beerdigt, wo sie gestorben sind, was zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt nicht der Heimatort sein muss. Ein Bestattungstermin wird oft auch nicht mitgeteilt, sodass sich Freunde oder Bekannte nicht von dem Verstorbenen verabschieden können.  
 
 

Christen in der Pflege

Den Christen gibt es nicht, denn Christ ist nicht gleich Christ. Katholiken können regional sehr weit voneinander in ihrer Kultur und Tradition abweichen. In der evangelischen Kirche gibt es sehr unterschiedliche Strömungen. Dazu kommen die orthodoxen Kirchen, die sich auch schon untereinander oft sehr stark unterscheiden. Auch christliche Freikirchen, Sekten oder die Zeugen Jehovas bezeichnen sich als Christen.

Das beginnt bereits mit dem Kreuz im Zimmer. Nicht jeder Christ ist begeistert, wenn an der Wand ein Kruzifix hängt, denn eine figürliche Darstellung von Jesus wird nicht von allen Christen toleriert.

Sehr gläubige oder alte Katholiken essen freitags kein Fleisch. Die Zeugen Jehovas essen keine Lebensmittel aus Blut und lehnen Bluttransfusionen ab. Viele Christen nehmen es nicht locker, von wem sie gepflegt werden, sondern erwarten eine gleichgeschlechtliche Pflege.

In einer orthodoxen Kirche könnte es einer Christin passieren, dass sie höflich aufgefordert wird, die Kirche zu verlassen, weil sie ihre Haare nicht bedeckt hat. Und ihr Mann dürfte gleich mitgehen, weil er seine Kopfbedeckung nicht abgenommen hat. In einer evangelischen Kirche würde man sich nicht daran stören, dass sie Hosen trägt.

Es gibt Christen, die in der Fastenzeit auf Alkohol und Süßigkeiten verzichten und es gibt Christen, die im wahrsten Sinne des Wortes fasten und grundsätzlich keinen Alkohol trinken. Ich möchte nicht dabei sein, wenn einer Mennonitin die Kopfbedeckung verboten oder einem Amischen der Bart abrasiert wird.

In der interkulturellen oder kultursensiblen Pflege reicht es nicht, ausschließlich seine eigene Religion und Generation zu kennen und zu berücksichtigen. 

Beispiel: Eine junge Katholikin geht in Süddeutschland im ländlichen Raum in Hosen in die katholische Kirche und wundert sich über die abfälligen Blicke sehr alter Gottesdienstbesucherinnen. Upps! Pauschal heißt es, dass auch Katholiken die Feuerbestattung inzwischen gestattet ist. Doch wie denkt darüber die katholische 104jährige Almbäuerin, dass sie nach ihrem Tode verbrannt werden soll?

Um in der Pflege allen christlichen Betreuten gerecht werden zu können, ist erstmal Kommunikation gefragt.

  • Welcher christlichen Kirche gehört der Klient an?
  • Welcher Generation gehört er an?
  • Aus welchem Kulturkreis, Land, Region kommt er?
  • Gibt es Speisevorschriften, Bekleidungsregeln?
  • Wünscht der Klient gleichgeschlechtliche Pflege?
  • Gibt es religiöse Besonderheiten oder Bedürfnisse?
  • Wünscht er eine seelsorgerische Betreuung und wer kommt dafür in Frage?

Und eventuell auch die Frage, wo man genauere Informationen erhalten kann. Keine Pflegeperson wird und kann sofort aus dem Ärmel schütten, was sie bei anderen christlichen Gemeinschaften beachten muss. Das spricht nicht für fehlende Fachlichkeit. Die Fachlichkeit ist dann zweifelhaft, wenn man sich nicht mit dem Klienten auseinandersetzt und informiert.

Es ist schon eigenartig, dass in einem christlichen Land pauschal zu Christen in der Pflege geäußert wird: eventuell freitags keinen Fisch, in der Fastenzeit Verzicht auf Alkohol und Süßigkeiten, Krankensalbung oder Herrenmahl - fertig. Einfach mal über den eigenen Tellerrand schauen wäre schon wünschenswert.


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