Biografiearbeit

Geschichte Deutsche Schrift Schwester, was siehst du?

 

 

Geschichte
 
 
Hinter den "Geschichtchen" der Bewohner steht die Geschichte. In welcher Zeit wurden sie geboren, in welcher Zeit geprägt? Wie wirkten sich beispielsweise Weltkrieg, Weltwirtschaftskrise, Flucht, Vertreibung, Nachkriegszeit, Mauerbau, politische Verhältnisse und Systeme etc auf ihre Psychobiographie aus? Welche Lebensumstände, Verhältnisse, Arbeitsbedingungen, Werte bestimmten ihre Erlebniswelt als Kind, junger Mensch?
 
Um den alten Menschen, wobei nicht nur Menschen mit einer dementiellen Erkrankung gemeint sind, verstehen, ihn in seinen Handlungen begreifen zu können, aber auch um Missverständnisse zwischen den Generationen zu vermeiden, sollte sich das Pflegepersonal um gute Kenntnisse der jüngsten Sozialgeschichte bemühen. In dem Moment, wo das Pflegepersonal gegenüber alten Menschen ein ehrliches geschichtliches Interesse bekundet, sind erfahrungsgemäß mehr wie genug Gesprächsstoffe vorhanden - ein Weg zu den bestimmenden Lebensereignissen der Bewohner.
 

Diese Videoreihe "Frau Müller erzählt..." umfasst insgesamt 67 kurze Videos. Frau Müller ist eine Heimbewohnerin, die mit 97 Jahren aus ihrem Leben erzählt. Von ihrer Kindheit, aus ihrem Arbeitsleben, von Kriegserleben, Flucht etc. 

Frau Müller erzählt

 


Trotz sozialdemokratischer Erziehung freiwillig zur Luftwaffe

Deportation der Russlanddeutschen 1941

Flüchtlinge nach dem II. Weltkrieg in Schleswig-Holstein

Wolfskinder: So bezeichnet man die Kinder, die sich nach dem II. Weltkrieg alleine überwiegend in Polen, Baltikum, Russland durchschlagen mussten. Vielen der Wolfskinder gelang es später nicht, ihre wahre Identität herauszufinden oder mussten sie verschweigen.  

Neuanfang jüdischer Mitbürger nach dem II. Weltkrieg in Deutschland

Zeitzeugenbericht zu Mauerbau, Teilung Deutschlands und Fall der Mauer

Zeitzeugenberichte aus den 50er und 60er Jahren aus Sicht der damaligen Jugendlichen

Zeitzeugenbericht von Herbert Ernst, der mit seiner Kamera den Tod des Flüchtlings Peter Fechter an der Berliner Mauer dokumentierte. Für viele ältere Berliner waren Mauerbau, der Mord an Peter Fechter, die ersten Passierscheine und der Mauerfall prägende Ereignisse.

Contergan war ein Schlaf- und Beruhigungsmedikament, dass auch gegen morgendliche Schwangerschaftsübelkeit helfen sollte, und galt als frei von Nebenwirkungen. Bis Ende der 50er Jahre gab es das Medikament rezeptfrei und wurde gezielt Schwangeren empfohlen. Später stellte es sich heraus, dass das Medikament schwere Schäden an den Föten verursachte. Weltweit kamen etwa 5000 bis 10000 Kinder auf die Welt mit schweren Fehlbildungen oder fehlenden Organen oder Gliedmaßen. Dazu kam eine unbekannte Zahl von Totgeburten. Durch damalige mangelhafte Meldepflichten und Koordination der staatlichen Stellen konnte die Ursache und Ausmaß der geschädigten Kinder nicht rechtzeitig und wirklich erfasst werden. Im Jahr 2012 lebten noch etwa 2400 Conterganopfer, überwiegend mit schwersten Folgeschäden aufgrund jahrzehntelanger Fehlbelastung von Wirbelsäule, Gelenken und Muskulatur. Die Opfer und ihre Familien wurden nie ausreichend entschädigt. Der Contergan-Skandal prägte viele Menschen in dieser Zeit und sorgte für eine starke Verunsicherung gegenüber Medikamenten, besonders in der Schwangerschaft.

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1967: Schahbesuch, Vietnamkrieg, der Tod von Benno Ohnesorg. Diese Ereignisse waren für viele junge Leute damals prägend und führten zu einer politischen Radikalisierung.

Am 26.4.1986 explodierte der Reaktor in Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl nahe der ukrainischen Stadt Prypjat. Weite Teile in der ehemaligen Sowjetunion und Europa wurden kontaminiert. Es begann nicht nur eine neue Debatte über Kernenergie und Forderungen zum Atomkraftausstieg, sondern viele Menschen bekamen Zweifel am technischen Fortschritt. Besonders in der ehemaligen DDR entwickelte sich ein großes Misstrauen in die Politik, da die Regierung bemüht war, zunächst die Katastrophe zu vertuschen, dann zu bagatellisieren.

"Wir sind das Volk!" In Leipzig begann mit den Montagsdemonstrationen im Herbst 1989 die friedliche Revolution in der DDR, die schließlich zum Sturz der Regierung und zur Wiedervereinigung Deutschlands führte.

Alltag in der ehemaligen DDR

"Solange du deine Beine unter meinem Tisch stellst ............"

 

 

Lernzielkontrolle Zahlenstrahl:

 

 

 

"Deutsche Schrift"

Lese diesen Text ohne Hilfsmittel. Wer damit Probleme hat, sollte sich die Abbildung des Kinderbuches, dass wohl jeder kennt, genau ansehen.

 

 

 

 

Schwester, was siehst du?

Bei einer Bewohnerin wurde nach ihrem Tode durch Zufall ein Brief in ihren wenigen Habseligkeiten gefunden:

 
 
 
 
Schwester, was seht ihr? Was siehst du?

Was denkst du, wenn du mich ansiehst?

"Eine verbitterte, verwirrte alte Frau, nicht sehr weise, unsicher in ihrem Verhalten, ihren Bewegungen, mit leeren, weitblickenden Augen."                                          

Eine Frau, die beim Essen sabbert. Eine Frau, die keine Antwort gibt, wenn du mit lauter Stimme sagst:

"Ich möchte, dass Sie es versuchen!"

Sie scheint die Dinge um sich herum nicht zu bemerken, sie scheint immer etwas zu vermissen, verloren zu haben. Einen Strumpf, einen Schuh oder irgendetwas anderes. Diese alte Frau lässt dich tun, was du willst, ob sie will oder nicht. Mit baden und "füttern" wird der Tag ausgefüllt.

Ist es das, was du denkst? Was du siehst wenn du mich anschaust?

Dann öffne deine Augen, Schwester!  Du siehst mich ja gar nicht!

Ich will dir erzählen wer ich bin, auch wenn ich hier so still herum sitze, gewöhnt an deine Befehle, deinen Willen über mich ergehen lasse, alles schlucke und ertrage.

Ich bin ein kleines Kind ... eines von zehn Kindern, mit Vater und Mutter, Brüdern und Schwestern, die einander lieb haben.

Ein junges Mädchen von 16 Jahren ... mit Flügeln an den Füßen, träumend, dass sie bald den Liebhaber finden wird.

Eine Braut, schon mit 20 Jahren ... mein Herz macht einen Sprung, wenn ich an den Treueschwur denke, den ich versprach zu halten.

Mit 25 Jahren ... habe ich eigene Kinder, die mich brauchen, die ich beschützen muss. Glückliches Zuhause, trotz Krieg und vieler Entbehrungen!

Eine Frau von 30 Jahren ... meine Kinder werden nun schnell groß und gehen Freundschaften ein.

Mit 40 Jahren ... meine Kinder sind nun erwachsen und wollen eigene Wege gehen. Aber mein Mann ist noch bei mir und nimmt mir die große Traurigkeit.

Mit 50 Jahren ... wieder spielende Kinder um mich herum, unsere Enkel, wir lieben sie und sie lieben uns.

Dann kommen schwere Tage über mich. Mein Mann stirbt.

Ich sehe in die Zukunft, es schaudert mich vor Angst und Schrecken.

Meine Kinder sind mit ihrem eigenen Leben und der Erziehung ihrer eigenen Kinder beschäftigt, ich denke an die Jahre und die Liebe, die ich mit ihnen erleben durfte.

Nun bin ich eine alte Frau. Die Natur ist grausam. Sie scheint sich über das Alter lustig zu machen. Der Körper schrumpelt, Anmut und Kraft sind dahin. Da wo früher ein Herz war, ist jetzt ein Stein. Aber im Inneren dieser alten Hülle wohnt noch immer das junge Mädchen. Und jetzt und immer wieder schwillt mein mitgenommenes Herz an, an all den schönen Erinnerungen.

Ich denke an die Freude, ich denke an den Schmerz; und ich liebe das Leben noch immer.

Ich denke an die wenigen Jahre, sie so schnell vergangen sind.

Ich nehme die nackte Tatsache hin - nichts kann für immer dauern!

 

Schwester, öffne deine Augen! Öffne sie und sieh!

Schau nicht auf irgendeine unsichere alte Frau, schau ganz genau - schau auf mich!

Bedenke Schwester  ....  auch an dir wird das Alter und die Folgen nicht vorbei gehen.

Gib heute das weiter, was du dir wünschst wenn du dann irgendwann einmal in meiner Lage bist.

Zeige jedem Menschen Respekt und Achtung  gegenüber, egal in welcher Lage er sich befindet.

Behandele die alten Menschen nicht wie kleine Kinder, denn sie haben es verdient mit Anstand und Würde gesehen und behandelt zu werden, auch wenn es dir manchmal schwer fällt.

Und bedenke auch so schlimme Erkrankungen wie Demenz / Alzheimer und die Inkontinenz und noch so vieles mehr gehört für viele von uns Alten dazu; und doch sind wir Menschen!

Irgendwann einmal hast du diesen Beruf aus Liebe gewählt, drum lass ihn "niemals" zur Pflicht werden und behalte die Liebe immer in deinem Herzen.

Deine Frau ........ 


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