Arbeitsbedingungen im KZ

 

Das Furchtbarste war die ständige Überbelegung, die drangvolle Enge in den Krankenrevieren. Aus der Dokumentation der französischen Anklagebehörde liegen hierüber auch Berichte vor.
 
Dr. med. Louis - Lucien Girard, Gefangener in Saarbrücken, Neuen Bremme, Buchenwald, Mannheim, Heidelberg, Würzburg, Nürnberg, Holt und Lager "Dora" (bei Nordhausen) stellte fest: "Selbst die Sterbenden konnten nicht alle in den für die Kranken bestimmten Räumen, die missbräuchlicherweise Krankenhaus genannt wurden, aufgenommen werden."

Charles Richet, Inhaftierter in Buchenwald, Professor an der Medizinischen Fakultät Paris und Mitglied der Académie de Médecine, sagte später aus: "Oft war kein Platz im Krankenbau. Dann kamen die Kranken in die Blöcke zurück und starben dort. Es starben täglich ein, zwei oder drei Menschen, die nicht im Krankenbau untergebracht werden konnten."

Octave Rabaté, Mauthausener Häftling: "Es war ein Zusammenpferchen unter furchtbaren Verhältnissen. Der Saal, in dem ich vom 25. Dezember 1944 bis zum April 1945 beschäftigt war, war mit 44 Betten versehen. Wir hatten bis zu 152 Kranke. Die meisten Kranken hatten Geschwülste, Wundgeschwüre oder Durchfall. Sie stritten sich in den Betten und gaben sich Fußstöße auf die Geschwüre, was böse Folgen hatte. Ich sah einen Kranken, der eine Geschwulst am Bein hatte, auf das er Stöße erhielt. Diese Verletzungen bewirkten in einer Nacht den Wundbrand, an dem er starb. Mangels Medikamenten war es unmöglich, die Durchfallkranken zu pflegen, unmöglich, sie zu reinigen; alles was man tun konnte war, sie zu den Latrinen zu führen, sie auf den Boden zu legen und sie mit viel Wasser zu waschen; aber man konnte sie nicht trocknen. Man konnte sich zur Not der Decken bedienen, aber es war unmöglich, sie zu trocknen, und man musste sie durchnässt wieder auf die Betten legen. Es kam vor, dass die Kranken in diesen Sälen noch mehr misshandelt wurden als im Lager. Die SS-Ärzte kümmerten sich nicht um solche Einzelheiten, sie ließen einfach alles laufen."

Dr. med. Marcel Renet schilderte die katastrophalen Bedingungen in Buchenwald: "Mein Saal umfasste etwa 100 Kranke, die ohne Matratzen, ohne Tücher und fast ohne Decken in den Gefachen eingepfercht waren."

Dr. Lequeu, auch in Buchenwald, klagte: "Auf einem völlig verfaulten Strohsack lagen Menschen in völlig verschiedenen Krankheitsstadien. Die einen fiebrig, die anderen sehr krank mit dauerndem Durchfall. Die einen starben, die anderen waren weniger schwer erkrankt. Von Zeit zu Zeit holte man eine Leiche heraus, die man am Eingang des Reviers niederlegte. Die Leute des Straßendienstes holten sie ab."

Eine Vorstellung über die räumlichen Bedingungen in den Konzentrationslagern bekommt man sehr gut durch die Bilder von Thomas Geve, dem Jungen, der drei Konzentrationslager überlebte. Er malte auch sehr genaue Skizzen von den Lagern, in denen er sich aufhielt, wo er auch die Krankenreviere einzeichnete.

Anhand seiner Erklärungen und Hinweise konnte man schnell begreifen, dass in den Baracken, wo die Gefangenen schliefen und aßen, ausgestattet mit schlechten sanitären Verhältnissen, mangelnder Hygiene und ungenügender Heizung, Seuchen regelrecht eingeladen wurden. Angesichts der unzureichenden Ernährung, der chronischen Arbeitsüberforderung und der Aussetzung sämtlicher Witterungseinflüsse besonders bei stundenlangen Appellen verfügten die Menschen kaum noch über Abwehrkräfte.Daher kam die Situation, dass die Krankenreviere die zahlreichen Kranken nicht einmal annähernd aufnehmen konnten.

In einem seiner Bilder stellte er auch sehr intensiv seine größten Ängste im KZ dar: Krankheit und Seuche. Denn das hatte der Junge begriffen. Zu Erkranken war genauso schlimm wie die Folter oder die endgültige Vernichtung.

Auch in Thomas´ Ausschwitzer ABC fehlt nicht der Hinweis auf die Krankenversorgung. Und das Kind brachte in seinen Bildern die Verhältnisse genau auf den Punkt. Denn nicht nur die Überbelegung war ein Problem. Genauso schlimm und belastend wirkte auch die unzureichende Ausstattung der Krankenreviere. In den meisten Konzentrationslagern fehlte es an Material, die sanitären Einrichtungen waren wie in den Wohnbaracken mangelhaft, es gab selten Krankenbetten und wenn, zu wenig. Das verdammte die willigen Pflegekräfte dazu, nur hilflos zuschauen zu können, da sie keinerlei Möglichkeiten hatten, pflegerisch sinnvoll einzugreifen. Das Krankenrevier oder der Krankenbau war fast das Schrecklichste, was einem Inhaftierten passieren konnte.

Es existierten zwei besonders große Bedrohungen für das Pflegepersonal. Zum einen die Gefahr, sich dem ständigen Sadismus und Zynismus der SS-Ärzte nicht mehr entziehen zu können und deren Verhalten zu übernehmen. Zum anderen aber auch die Ansteckung durch die seuchenartig auftretenden Infektionskrankheiten, denen sie verstärkt ungeschützt ausgesetzt waren. Für die Überlebenden kamen noch lebenslange unsichtbare Wunden dazu, wie von Irmgard Konrad beschrieben. Denn Pflegekräfte mit den besten Absichten und großem Engagement bekamen in den KZ´s in der Versorgung der Pflegebedürftigen deutlichst die Grenzen gezeigt und wurden häufig gezwungen, gegen ihr Gewissen und Wissen zu handeln. Die KZ-Ärzte zwangen sie oft zu Handlungen, durch die sie Mittäter wurden und ihr Leben lang unter immensen Schuldgefühlen litten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Gratis Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!